Skip to main content

Full text of "Abhandlungen der historischen Classe der Königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



LSoci-iii.n 



^^arbarti CoIItse ttibrars 

PROM THB BKUtEST O» 

HENRY LILLIE PIERCE, 



^ Wv. laqci. 



ABHAI*fDLUNGEN 



DER 



•HISTORISCHEN CLASSE 



DER KÖNIGLICH BAYERISCHEN 



AKADEMIE der WISSENSCHAFTEN. 



DREIZEHNTEN BANDES 

IN DSR REIHE DER DENKSCHRIFTEN DER XLVn. BAND. 



3® 

MÜNCHEN, 

1877. 

VERLAG DER K AKADEMIE, 

IN COMMISSION BEI G. FRANZ. 



V^ocHlUl 



ix 



?SI^ 



P.. D 



corz> 



\' 



<?<5 



JAN 2 1899 



RA 



Rl 






Inhalt des XIII. Bandes. 



L Abtheilnng. 

Seite 

'Die Urkunden des Bisthnms Freising aus der Zeit der Karolinger. Nachträge, 
Erörterungen , Berichtigungen. Die Bischöfe und kirchlichen Würde- 
träger des Karolingischen Zeitraums in den Urkunden Bisthums Freising. 
Von Friedrich Hektar Grafen Hundt 1 

^ Mittheilungen aus dem Gebiete der öffentlichen Meinung in Deutschland 
während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Von Frhr. von 
Liliencron III 121 

^Beiträge zur Geschichte der Waldesier im Mittelalter. Von Wilhelm Preger 179 

II. Abtheilung. 

^Beiträge zur Kirchengeschichte des 18. Jahrhunderts. Aus dem handschrift- 
lichen Nachlass des regul. Chorherm Eusebius Am ort zusammengestellt 
von J. Friedrich 1 

^Kaiser Ejurl V. und die Römische Curie 1S44 — 1546. Erste Abtheilung : Vom 
Speirer Reichstag bis zur Berufung des Trienter Goncils. Von August 
van Druffel 145 

III. Abtheilung. 

^Ciorpus Regulae sea Kalendarium Domus S. Kiliani Wirceburgensis saecula 
IX. — XIV. amplectens. Herausg^eben und erläutert von Dr, Frans 
. X. Wegde . 1 

^ Berthold von Regensburg und Raimund von Peniafort im sogenannten Schwaben- 

spi^el von Dr. Ludung Bockinger 165 



ABHANDLUNGEN 



DER 



HISTORISCHEN CLASSE 



DER KÖNIGLICH BAYERISCHEN 



AKADEMIE der WISSENSCHAFTEN 



DREIZEHNTEN BANDES 

ERSTE ABTHEILUNG. 



ABHANDLÜNGI 



HISTORISCHEN C] 



DER EÖNIOLICH BAYEBISCI 



AKADEMIE der WISSENS 



DREIZEHNTEN BANDI 

EBSTE ABTHEILCNG. 

IH DER KBIHE DER DENKBCHBIFTBH DEE XI.VII 



MtNCHEN, 

1875. 

VERLAG DER K. ÄKADEJ 
IN COMMISSIOX BEI 0. FRANZ. 



Inhalt. 



Seite 
Die Urkunden des Bisthums Freising ans der Zeit der Karolinger. Nachträge, 

Erörterungen, Berichtigungen. Die Bischöfe und kirchlichen Würdenträger 

des Karolingischen ZlBitraums in den Urkunden des Bisthums Freising. 

Von Friedrich Hektar Grafen Hundt 1 

Mittheilangen aus dem Gebiete der öffentlichen Meinung in Deutschland während 

der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Von Frhr. von Liliencran III. 121 

Beiträge zur Geschichte der Waldesier im Mittelalter. Von Wilhelm Preger . 179 






hi 



TJrkun( 



Nach 



Die BischÖ 
Zeitn 



Abh. d. III. Cl. a. k AI 



.aiU 



^niaie'il 8£iiuff';t8iS &db mbauiiU 



'l'^b üfjü 












.üJjrii'IJ iio-iiTx) loMolT iioiiJ)oh1 



l MiiL A .I'l/../ . . '.-. . ■'. ••' • ; ).Ili.l. ildA 









iDie pL^ttMciii ^i» Bkthniiis Fmsiiifr '»its ^der Zdt 

der Kai:aJUftgßi?,,,„,.,[,,t.,., ,ii;:.i .,.. i.:rn 

jcjiiiieini.iiff. 

Aus dem Zeitjir^ne.dw ^^rsc|?a^t deiii\^i?olipgei: i^ J^^.epn^^ 
4w 4§il;o^pgis^?A. ^ P^ripcje, ^9lg^^i. d^reix; l[Irkqn^^|[^ : njei^e ,\^p4& ^Arbeit 

Zahlreich sind insbesondere jene Urkundefl,^^ ;.)Y,el.<j^jB . ycfu ^(^fj^ 

HerkrscfaerhauB^ att^gefeeA:; . die Aü&beutiö für Ortßrf ijp4 l'lanjiii^agegiciliichte 
ist jjededhM.b^i; dieser G*attving::$.uB jener Z^it ; noch, i ein^eM ^ge^ii^g^ j. we^l 
den Kaiset -Urkunden die vielen . Zeugen, dewa ;^pätejrep,; ]ititt»lf>ltefip 
noch fehlöti, aasser deft/' B^heiligteu etwa nur ppch.fjfürj^preclferj^^- 
Sollte in beschr|i%),kteir Zeit, izu einem befriedigen den )Ab6chlu«S;e ge- 
langt werden, so war nur ein;.Tl[^eil des uonfasseQden . Gebietes n^lherer 
Forschung w untfirJ3teJleiJ,.«wnd es Le^g nahe,. hio?JUj<ii^ bekannte ^nächs^ 
Umgebung] da^ Bi^^^huiip Freisiqg, ßn wäh^^i^, .zupial f^pchifür^^^^n ^^eit- 
oTKum der. Karolinger: .die: ;a!af uni^; gek(^^^men?nJÜ;rkun(JqnpaJ^8,,dip3ffla 
Bisthume nach Umfang und liiMIt am.bed&ateqd^tiQnj'^^ilgleiclii ^^ber .füf 
Orts- und Familien - Geschichte , deren Aufhellung vorzugsweise mein 
Streben ist, noch keineswegs ausgenutzt sind, sogar noch manches Neue 
beigebraicht ssti Werden Vermag ^tvas^^anderwär^ wohl -vergöbli^K vfer- 
sucht werden wnrde , 

^ *'»... . ' , . . ' : ,.^ » ^ > 1 4 ■ I ,-.*',.« ^ ' .. , j . . ^. • . ' . I . . • ^ 1 1 T / . * . »I ■ C. 

. -'An, 4a€t h^röJ^te^ (baueetnd. Jabre, i^ltQ Car^ula,^,, welch^^.rdQ]? Jlönch 
Gozroh im ersten 'Drittbeile«' 3esiX^ J&hrhandert» bs^aantihd' bis zur 

•Mitte aöSsöAötf fortfftlirte-, gcMlessf sicli namliöt ün'mitl61t>&f einelWÄte 

^1 I .^rvx 



Pergamenthandschrift von Freising an, gleichfalls in Grossquart und 
äusserlich dem ersteren Cartulare von Cozroh's Hand, welche auch 
hierin noch mehrfach vertreten ist, ganz ähnlich, jedoch aus mehr als 
zwanzig unter sich wesentlich verschiedenen Bestandtheilen mit drei- 
hundert und etlichen grossen und einem Dutzend kleinen Blättern in 
regellosem Durcheinander zusammengefügt, und nicht weniger als drei 
und ein halb Jahrhundert umfassend. 

Da die hier bunt vereinigten Urkunden - Abschriften, ungefähr 
sechshundert, aus der nächsten Zeit vorzugsweise Tausch vert^-äge , im 
Gegensatze zu den von Cozroh aufgezeichneten Stiftungen, Traditiones, 
behandeln, so wird die Handschrift gewöhnlich Codex commutationum 
genannt, und wir behalten der Einfachheit wegen die Bezeichnung bei. 
Im Reichsarchiv führte sie früher die Signatur Cod. No. 188, nun in 
erneutem Einbände No. 3 b vom Hochstifte Freising^). 

Aus diesen beiden Cartularen sind für die Zeit der Karolinger ein 
halbes Hundert Urkunden in Michelbecks Historia Frisingensis nicht 
zum Abdrucke gelangt. 

Dr. Carl Roth hat zwar in seiner Bearbeitung der Handschrift 
Cozroh's nichts übersehen und in seinen Beiträgen mehrere Urkunden 
aus den beiden Cartularien vollständig gegeben und erläutert^). Zumeist 
aber theilt er nur Auszüge mit, welche des Mangels der Zeugen und 
der ursprünglichen Datierung wegen für unsere Zwecke nicht genügen. 
Auch ist der Cod. comm. nur wenig hiebei berührt. 

Beide Handschriften hat ferner Professor Zahn durchgesehen und 
was auf Oesterreich Bezug hat, vollständig und sorgfältig herausgegeben. 
Seinem Zwecke nach blieben jedoch alle Oesterreichisches Land nicht 
berührenden Urkunden unbeachtet und selbst von den zu Berücksich- 
tigenden entgingen ein Paar seinem Blicke^). 



1) Vgl. über sie Zahn, die Freisinger Sal-, Copial- und Ürbarbucher in ihren Beziehungen 
zu Oesterreich. Arch. für östr. Geschichts-Qnellen XXVII. 212. 

2) Dr. Carl Roth: Cozroh's Renner, 1854, Verzeichniss der Freisinger Urkunden nach Cozroh, 
1B55, Oertlichkeiten aus Cozroh in 3 Dritteln, 1856 und 1857. Kleine Beitrage zur Sprach-, 
Qeschichts* und Ortsforschung seit 1850 bis 1870, IV Bändchen. 

3) Professor Zahns Ausgabe im Archiv 1. c. XXYII. p. 258 flg. und Fontes rerum Austriac^ 
XXXI. p. 1 flg. 



5 



Eine Zasammenstellung in Ergänzung von Meichelbecks Werk 
schien uns bienacb, soweit zulässig in Regestenform, nicht öberflössig 
und wir bringen dieselbe in dem Abschnitte „Nachträge" chronologisch 
geordnet. 

In Bezug auf die Zeitfolge der Urkunden besteht für diese Periode 
nicht mehr die grosse Unsicherheit, welche für den Agilolfingischen 
Zeitraum zu beklagen war. Noch immer ist die Angabe der Herrscher- 
Jahre in allen Urkunden zur Feststellung der Abfassuugs-Zeit ent- 
halten. Der Regierungs- Antritt ist nun aber z'imeist genau bekannt. 
Von dem Beginne des dritten Decenniums des IX Jahrhunderts 
an tritt aber häufiger die Angabe des Jahres der christlichen Zeit- 
rechnung hinzu und wird gegen die Mitte hin allgemein. Daneben 
findet sich nahezu immer die Indiktion , nur mehr in seltenen Fällen 
der Mondtag. 

Indessen fehlt es doch noch häufig an dem Zusammenstimmen der 
Daten, es sind offenbare Irrthümer nicht selten, und insbesondere bei 
König Ludwig dem Deutschen ergaben sich verschiedene Perioden der 
Regierung in Bayern und im Ostfränkischen Reiche mit gar manchen 
Abweichungen und Bedenken. 

Unsere Erörterungen werden jedoch die politische Geschichte in 
ihrem ganzen Umfange ausser Beachtung lassen. 

Nach der schönen Arbeit über die Chronologie in den Regenten» 
Urkunden König Ludwig des Deutschen von Professor Dr. Theodor 
S i c k e 1 '*) erscheint die Erforschung der Mängel in den Daten der 
Privaturkunden seiner Zeit von geringerem Belange, und mag deren 
Feststellung den auftauchenden einzelnen Fällen anheimgegeben bleiben. 
Die Ereignisse aber, welche für die Reichsgeschichte, insbesondere für 
die Jugendzeit des genannten Königs aus den Urkunden Freisings zu 
gewinnen sind, hat Ernst Dümmler in seiner trefflichen Geschichte 
des Ostfränkischen Reiches ausgiebig und umsichtig verwerthet, und sie 
gelangen so eben neuerdings in den von Bernhard Simson be- 
gonnenen Jahrbüchern des fränkischen Reiches zur Benutzung, so dass 



4) Dr. Tb. Sickel: Beitrage zur Diplomatik. Die Urkunden Ludwigs des Deutschen I. Sitz. 
Bcr. der Wiener Akademie^ B. 36, p. 32D-402. IL B. 39, p. 105—177. 



fQr • die Remh^geiscltiiclite des Neuen von ßedeisttürfg:^ kämm * ibahr: zh er- 
t>rrtlgbÄ'ist. ••■•■•^ r- •' •■■•)!; M .; , .\ r?..o ,'\i\''.A -/..i . ; t- 1 

^''' : Nut» viör Äü»aimtoetigeh6rige üi^ktinäbilV die Nö: 45 'und 46 disö 
Abschnitts der Nachträge, geben einen nicht unwichtigen Beitrag ' zur 
{Je^chiichte' des JKrieges ^egen die Mähren und^orl^feii ita Jiihre Ö69. 

'' Während delr' alternde König Ltrdwig zu Regensbui'g ^ kränW läg|, 
''vlüräen tbehrere ' Heere gegen den Peirid'vonverächiederien Seiten vor^ 
geöendet. ■ Aus '^inör jöne'r Ütkundeb ergibt sich iiun , ' daöfe KÖtiig 
Karlniaid'n der Führer deä feinen Heeres in'jeriem Jahre lähgere Zeit 
iü i^äiduh, der Ötadt ßaden bei Wien, verweilte, deren Anfänge söhoii 
bis* gegen die Mitte des IX Jahrhundertö hi'nauifgerückt worden. ' Vbh 
hier' aus erfolgte demnach sein Angriff^).- ' * ' 

Dieselben Urkunden sind auch füi* die Ailelsfreschichte von Bedeu- 
teng. Sie lassen ers.^hen, wie d^s durch Eroberungen über die Avaren 
gewonnene Land stets an die Grossen des Stamralandes Vertheilt und 
ihnen zur C^olonisation überwiesen wurde, wie es kommt, dass in dem 
Ostreiche Zweige der alten Bayrischen Edelgeschlec^ter hiäüsen, urfä 
so oft die Ortsnamen des Stammlandes' sich wiederholen. 

,; ,,.j^^ dex^) Gr&i^zen cjes. l^eiohes, uin Putinn^u, dem.Flpi^k^n Pit^en in 

Niederösterreich an einem Nßhenfluss^ dpr .Lej:tha, upd bis, zu den 

.li(lanjtß6, CiMiiini, sQ,;.wir4 df^^> Leytha-Gebirjje/ an. der Grltn^^e^ Ungarns 

g^n^n^it;^ treten wir. die gQttgeweihte. j Jungfrau Peretkunda und ihrp 

J^püder,^ , den . Grafen Managolt und Egino reich begütert. Neben den 

zweifellos bedeutenden Gütern, welche Peretkuiida dem Domstifte Frei- 

aipg schenkt, begreift i^r Erjbantheil ip jenen^ Gebiete um Pitten dies- 

.S€»t8 derCumini inontes, noch .40 Bauernhöfe, welche ßie ihren Brüderp 

öi-berlässt. Sie aber und ihr Bruder Managojt, wohl derselbe, welcher 

iin Beginne seiner Laufbahn im Jahre 829 als Ilichtei' zu.Heiminhusir, 

J^e^mhausen an d^^r, Amper, auftritt, sind nach auderweiten Stiftungen 

.^{icb, in Altbayf3rn., zu, Ohej;';. uqd unter- Uaphern, dann Weilbach im 

.;Iju [^Dachau, _zu.Al|ei;shaus.en und i^dliing . iai ^^. ^ Freising, -zu, jRorbach 

im L. Pfaflfenhofen, mit Grundbesitz versehen. 



- » . 



b] Dümmler, - GcrSöbicfite des Odtfrankncb en Bei^faes.; 1} ^6. 






Di6'iO€inaiinieii:8i;Qd 8öhliäuiiiid eine iTochter: deb iGrafen;»P>idftrat, 
welcher bei dej^'ZttSMhiheilkuiift der^Hudaiör^im Jakre j849:i2u^ 

Z9icj»n«jb; ,.fl^ei5,i»sibq^ .^nd ,,?pii); , Bruder,,; Graf, C^I^4he^i,. Siöhp^.d^a 
iitfkfthtig)9o- (jir^foQ!, I^L^tpo^,;. ^^Ichen ^wip,. spbon, .;9u. ,den HuQäieci^. %a 
^leps,:^»bqn,,j JDftDii,, ;(?.rfifeA ,., l^^pfi : y^d ja&ph ,{ am ■ T<?d« j^r^f 
^arftlda.. if ;im,, 83p., o^eriaiöf 4Uc;t€f, .T^i^eü filep, .08tmar|c . fli>yer^i;aut;{., ^fi 
kpiSDat >83$ rbiflii ß36: . ia, dj^r; Pf-oyipfiia Ay^rorum.«) ,.ad; ßevif^ifl I) ,^jfj^ 
i»IP, Tiiy,Q,^l^„Q<mgraf ,ypir, ifvifert, g^ „das H^^ siflgrewh gegßft cjfl« 
Slayea-He^zpg. .Ratimar,,rist),^cl^, 349 Zeagß. der ,BeloIiii,i^Dg dea.S^avfQ- 
Fürsten Priwina mit ei|iefn,:.{^aDd8tri<phe jn jeiiei^ jGege^den ami l^r.pc- 
tojbei^,.^!! |l§gj9\i8bjirg,. v^rfi^i^t; ^IjjVjd^jpn,. des Verratbes {^us unbekapnten 
Xhatsachen . beecbMldigt, um ^ 8 59 die Markgrafßcbaf t ^ ). , Er wird zwar 
v^^eder jbe^|)£)digtj^ aber ke^i^er, der ^.ohne fojgt ihm ii;^ der . Mark-; 

e^^9^f^h% \ ;... ;■• r. .t..u-...: .. :, .... .:;...- :/.i .,.:/. 
ü:— Perotkonda soheinti ü6h rm, eiü :Kloater >£u Begen&bttrg )zur&|(^k^ 
gezogen zu haben, da mit des BiBcbof$i Ztxdtimmvtnf^ ^ia^ Tauschvertoflg 
ül^i: ißüt^FMV^iL |S.,»^mßr^i3| v^ ein^ Grimhavi um,,8.7.^ .vonyeiner 
ipatepna yepwii^^Iis.P^e^k^pda ?ui Stii^pa/^bi eiaejoai ß^ ▼iel^n St;ei/^ba|(;))^ 

«bgeßOblofii84M», wi^d^V,;- iv :.. i . .., 1- . . h i 

- ! . 1 Sa ihnapft^ dw Stawna der : Hiwen . Grafen von : Pitt^o « laa i 0\uß^ 
Zweig dar Jluosier aoy jind.os .dficfte, yjeUeiobt mit der ,Zßiti[ n^ög^iol) 






6) Proviocia ÄTaroraiq der älteste Kaifke für Oeaterreicb. Dr, Carl Both, Betrage Heft VIT, 
(tl) p. 1<Ä. 1852; • ' * 

7) Nadi Koch -Sternfeld zur Salzburger Matrikel die Zeyer, ein Fldas an der 'Gttete von 
Steiermark nnd Xiederöaterreich, welchen aber die Kart« ond Ritten geozr. Handbuch 
nicht entnehmen lassen. Etwa die Zaya, welche im Xordgebiet zur Marcb fliestt? Wohl 

.1^ in Krain die Zejrer« urkundlich Zopra, ein Nebenfinss der San, welcher aber hier nicht 
in Frage kommen kann. 

8). YgL mit Abth. I. Ho. 45 imd 4fi Heich. Xo. 503, 504, 510 b, 629, 66 1. 676, 758, 779, 
866. M. B. XXYIIL a. 29. 50. JuvaTia, Anh..Ko. 33. Eied cod. dipL Ratispon. L Ko. 
29, 31, 46. £• Dömmler übfr die südöstlichen, Marken des firänk. Reiches unter den Karo- 
^ lingem, im ArchiT f. Kunde der österr. Geschichtsquellen X. (1853) p. 19, 29, 34.' 

. 9) Seine Begnadigung Th. Sickel L c.,. B. 39, p. 125. 

• • • 

10) Sied' L <». No. 5& Zur Otisbeatflonuhg^ tAlea xur Zeit die Ashaltapuiikt», smal das 
Bütgenannte Imenperg sich nirgends auffinden lisst. 



8 

werden^ die von Professor Moriz unvollständig gelassene Stammreihe 
des Hauses bis in das IX Jahrhundert hinaufisuführen ^ '). 

Im Uebrigen können aus den Urkunden eines einzelnen Jahr- 
hunderts die Stamme der Edelgescblechter noch nicht verlässig fest* 
gestellt werden, es können aus dem auf den Umfang einer Kirchen- 
provinz beschränkten Gesichtskreise Gau - Kintheilnng und Gaugrafen 
noch nicht scharf genug erfasst werden, um schon jetzt die vorliegenden 
Arbeiten, deren Ergebnisse von Buchner und Rudhart in ihren Geschichts- 
büchern Bayerns umsichtig gewürdigt und nach dem damaligen Stande 
der Kenntniss zusammengestellt worden sind, neuerdings einer gedie- 
genen Durchsicht und Ergänzung zu unterziehen. 

In Hinsicht auf Bestimmung von Oertlichkeiten, auf Ortsgeschichte 
auf Geschichte der in der Kirche in jenem Jahrhunderte hervortretenden 
Persönlichkeiten aber bleibt noch ein weites Feld, für welches Ergän- 
zungen und Berichtigungen aus den Urkunden und aus den durch die 
neuere Forschung ermittelten und festgestellten Ereignissen in ergiebigem 
Maasse gewonnen werden mögen. 

Von diesem Standpunkte gehen die folgenden Erörterungsn aus, 
und indem die Kirchenfürsten Freisings und der höhere in seinen 
Urkunden auftretende Clerus hier übersichtlich vorgeführt werden, 
dürften so manche neue Gesichtspunkte sich ergeben, so manche Irr- 
thümer Berichtigung finden, und Gelegenheit geboten sein, für Orts- 
kunde und Gaueintheilung nicht unwichtige Beiträge zu liefern ^^). 

Wie allmählig die Reichsgewalt auf die Besetzung der Bischofs- 
stühle in Bayern entscheidenden Einfluss gewinnt, wird recht an- 
schaulich aus der vorüberziehenden Reihe der Bischöfe Freisings. 



11) Moriz Geschiebte der Grafen von Formbach, Lambach und Putten in den bist. Abb. der 
Bayr. A. d. W. 1803 I. in 8. Um 1040 ist Putten im Resitzo des Markgrafen Qotfried aas 
dem Geschlechte des Grafen von Lambach; er vererbt es auf seine Tochter Mathilde, 
welche es an das Haus der Grafen von Neuburg am Inn, dann auch von Lambach und 
Putten bringt. Von der Vorzeit von Putten vermochte Moriz nichts festzustellen, ib. S. 2d. 

12) Bei der Ortsbestimmung kürzen wir Weiler W., Dorf D., Pfarrei und Pfarrdorf Pf., Ge- 
meinde G.« Landgericht L. und wählen die in Heybergers geogr. Handbuch angenommene 
Schreibart. Namen, deren Laut gegen den Druck bei Meicbelbeck nach den Quellen ver- 
bessert ist, wird ** beigefugt. 






I ' 






9 



. > 



\ - 



Bezüglich der Todestage derselben vermochten wir den bekannten 
noch ein bisher nicht benutztes Nekrolog beizufügen. 

Es ist jenes des Klosters Scheftlarn. Von Berchtold Nöderhofer 
Conventualen dieses Klosters mit den gewöhnlichen vier Rubriken der 
Würdenträger, des Clerus, der Conversen und der Lajen um die Mitte 
des XIV Jahrhunderts angelegt und bis in das XVII fortgesetzt, nahm 
es die Würdenträger aus den altern Necrologien des Klosters, welche 
bis an dessen Gründung in das VIII Jahrhundert zurückreichten, aber 
leider zerstört sind^^J, auf, und enthält insbesondere die Bischöfe Frei- 
ßings mit rother Tinte. 

Seine Angaben sind, wie wir durch stete Bezugnahme nachweisen 
werden, von vorzüglichem Werthe. 

Es ist in dem Cod. Scheftlarn No. 1 (früher No. 143) im Reichs- 
archive, welchen auch die in der M. G. bist. XVII. p. 347 von Jaffe 
herausgegebene Chronik bietet, von f. 70 an in einem Calendarium cum 
Necrologio enthalten. 






!v 



■,.|: 



< i 



L Abschnitt. 



Nachtrag zu den Freisinger Urkunden aus der Zeit der 
Karolinger in Meiclielbecl^'s Historia Frisingensis^). 

A. Unter Bischof HUio 811-835. 

No. 1. 813 4/lX. Traditio Ratolti laici ad Zornkeltinha. 

In nomine snmmi et excelsi Dei omnipotentis omnibas fidelibus atqne Deo seirientibns viris 
(notnm sit) qaomodo ego Ratolt cogitavi pro remedio anim^ meae et parentnm mcorum. Propterca 
tradidi in altarem s. Mariae ad Frigisingas, nbi s. Corbinianns corporaliter reqniescit, totam rem meam, 
quam habai in loco, qo^ dicitar Zornkeltinga, terris caltis et incnltis, pratis, pascnis, silvis, aquis, 
et nihil extramisi preter tres agros et dimidiam, et eam rem firmavi, qaam pater mens antea tradidit. 



13) Koste in zu Deckeln verwendeten Pergamentblättern bieten von den älteren Nekrologien 
von Scheftlarn P. I, des Liber delegaiionum von Scheftlarn im Reichsarchiv, dann in der 
Hof- nnd Staatsbibliothek die Codd. Scheftlr. No. 42 (lat. 17042) 46 (lat. 17046) 100 (lat. 
17100) 194 (lat. 17194). 

« 

*) Die römischen Ziffern sind nur für das Datum beibehalten worden. Die über stehenden v 
mussten bei Mangel entsprechender Lettern nach gesetzt werden 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss XIII. Bd. I. Abth. 2 



i I 



10 

Et isti sant testes per aares tracti, qui hoc videront et aadierunt: Sigiwart, Cundperht, Kerperht, 
Engilpern, Einhart, Ekkiheri, Wico, Hanolt, Nendilo, Ermperht, Eilanhart, I&rodperht Hoc factum 
est in supradicto loco ad Frigisingas in II Non. septhr. anno incamationis dili. DCCCXIII Indict. V. 

Cozroh f. 391 y. Dr. Roth, Oertlichkeiten des Bisthams Freising ans Kozrohs Handschrift. 

No. 691. 

No. 2. circa 815. Traditio Heripaldi et Adalharti pbrornm. 

Conperiat caterva gnarnra, qnemadmodnm qaosdam Heripald et Adalhart pbri snam licet 
alodem propriam deligabant ad edem in?iolabiie virgiois. Etiam ast pari seusa in manos Hittonis 
epi reddebant iam olym peractam traditionem intnentibus plnrimis: Engilhart, Lintpald, Orendil, 
Ellanperht comites; Candhart, Crimperht, Meigol, Coteperht, Keio, Alprih, Paldachar, Spolit, Odal- 
scalch, Uto, Deothart, Echo, Emheri, Heriperht, Kiso, Alpuni, Deotheri, Sitnli, Cnndperht, Keginperbt, 
Snlman, Erchanolf, sen reliqui nonnnlli. Actum ad Othareshusun . . . 

Cozr. f. 209 unter Traditionen von J. 815. Chonradus sacrista f. 44. Dr. Roth Oertlich- 
keiten No. 344. 

No. 3. 815 24/VI. Traditio Helraberti et Mezzi. 

Notum est multis in episcopio s. Mariao manentibus, qualiter quidam homo nde Helroperht, 
iam fortitcr in infirmitate vexatns, tradidit unam coloniam proprio hereditatis in loco nnncupato . . . 
in eadem ipsa colonia babitat homo liber nde . . . Jam ipse in eadem infirmitate Helmperht defunctus, 
venit Mezzi frater eins seu filius Helmberti noe ... ad virum Ten. Hittonem pontificem et narrave- 
runt ei omnia, qualiter Helmperht iam aniea actam habuit et coram testibus dcsuper altare 
8. Mariae posuerunt et statuerunt, et ipse supradictus . . si iam dictam coloniam habere ▼ofuisset, per 
singulos annos censum inde rcdderet, hoc est, de cerrisa 80 siclas et duos modios de pane et unam 
friskingam, dnas saicas yalentem, duas aucas, et tres pullos, alioquin dimittat ipsam coloniam. Haec 
sunt testes per aures tracti: Ellanperht iudex, Liutprant, Toto, Cundhart, Wolfheri, Meginrat, Kepa- 
hoh, Engilrih, Einhart, Aaron, Spulit, Drudolt, Adalperht, Engilrih, Oadalhart, Pernolf, Walno. 
Actum est haec ad Frigisingas in presentia Hittonis epi die consulo quod facit VIII. K. iul. anno 
glorios! Hlodwici imperatoris II. et primo HIodharii regis in Baioaria indict. VII. Ego Tagibertus 
indignus pbr scripsi iussione Hittonis epi. 

Cozr. f. 210. Ch. s. f. 44 v. Dr. Roth No. 346. 

No. 4. 621 22/11. Waninc pbr et Deotpald. 

Post Don multum yero temporis quodam die contigit Waningum pbrm ex hac luce egredere. 
Sed iunlor etusdem pbri nde Deotpald veniens ad Hittonem epm et quicquid Waningus proprietatis 
habuit et ille, quod eo viTente de domo s. Mariae in beneficium accepit ad Strogun, hoc toturo in 
manus Hittonis epi relaxavit, sed postea iterum feneravit illi ipsam causam in beneficium istis pre- 
sentibus EUanpert comes, Otto, Deothram, Eroihho, Drudmund, Cozolt, Cawo, Adalunc, Otperht, Regin- 
perhf, Reginhoh. Actum VIII k. mar. anno VIII Imperatore Hloduwici aug. 

Cozr. f. 267 ▼. Ch. s. f. 61 v. Dr. Roth No. 455. Vgl. bei Meich. vorgängig No. 332, nach- 
folgend No. 433. 

No 5- 822 De censo quem Furo et Cundperht (reddunt). 

Notitia, quomodo Furo et frater eins Cundpert pro beneficium eis a domo s. Mariae feneratum 
censum in manus Hittonis epi et Reginperti advocatus sui exsolvemnt, hoc est denariorum sol. 2, et 
sie in antea annis singulis ad missam s. Martini persolvere fatebant presentibus istibns (I*. Kisal- 
hart comes, Crimperht, Cotaperht, Deothait, Cundhart, Haholf, Adalhart Reginperht, Hitto, Spulit, 
Deotrih, Eilanhart, Liutpald, Kerhob, Crimuni, Willaperht, Pilicrim, Adalpert, Reginpald, Reginpert, 
Otpert, Rumolt, Crimpert, Cundhart, Crime, Swompert, Memmo, Wichart, Ratpot, Adalonc, Marco, 
Tetti, Hrodperht Anno Hluduwici Imprs Villi indict. XT. 

Cozr. f. 284. Ch. s. f. 62. a. Dr. Roth No. 470. 

No. 6. 822 7/V. Deodolf pbr ad Oparindorf. 

Notum Sit cunctibus (!) in episcopio s. Mariae manentibus, quod Deodolf pbr tradidit pro- 
priam hereditatem suam firmitur ad domum s. Mariae in loco, quod dicitur ad Oparindorf, quicquid 
ibidem habere videtur vel deinceps adipisci potuisset. Et e contra accepit unam basilicam in beneficium 
de domno Hittone epo vel quicquid ad ipsam ecclesiam pertinere videbatur. Propterea tradidit sepe- 
dictns Deotolf in . . Oparindorf totum ex inte^o tam in territorio quam in mancipüs seu rebus 
Omnibus eo modo, ut post obitum ipsius domui s. Mariae in loco Frigisinga nnllus contradicere valeat 
vel potestatem babeat, sed cum veracis testibus firmitur confirmatum perm&neat. Haec s. t. p. a. tr. 
Oadalsealh, Wichelm, Alprib, Irminfrid, Spulit, Cozolt, Emicho, Willihelm, Engilperht. Actum est 
autem in Nont mai. ao gl. Hloduwici Imps Villi ind. prima. Ego quidem Cozroh diac. et mon. hanc 
cartnlam scripsi iussione domni Hittonis epi. 

Cozr. f. 288. Dr. Roth No. 479. 



11 

No. 7. c. 820—830. Traditio Snelharti ad casa s. Mari^ in mancipiis bis nominibus: Freso, 
Eatfrid, Batpnrc, duos oaballos, al. de sais pratis 20 carradas. Testes : Engilhart, Heipo, Cotafrid, 
Walbo, Heriperbt, Oadalbart, Eerperbt. 

Cozr. f. 289 t. Dr Botb Oertl. No. 481; Renner p. 88. 

No. 8. (c. 825) 28/1. Marina reddidit mancipia 2 in manns HittonL 

Commoinoratio eo qnod qaedam femina n6e Marina dimisit 2 mancipias bis nominibus Wald- 
pirin, Engilrih, in manns Hittoni epi ad Ebingas, qnos ei ven. pbr noe Marcbo prestabit. Isti sunt 
qui ibidem presentes aderant: Sigiperbt, Kyso, Hamminc, Macbo, Isanperbt, Patucbo, Deotilo, Pirh- 
tilo, Oago, Sigiprant, Cundalperbt, Ercbanbart, Altman, Cunbram, Irminberi. Actum est boc ad 
Ebingas in IUI E. febr. 

Cozr. f. 309. Dr. Rotb No. 517. 

No. 9. 823 13/11. Traditio Engildrud^ et censum vel beneficium. 

Gommemoratio de ipsa traditione quam fecit Engildrud ad casa s. M. ad Frigisingas, omnia 
que eo tempore babere videatur in mancipiis bis nominibus Eozwar, Seliup, Cotesdiu, Wolfhilt, Adal- 
perbt, Cundfrid, vel quicquid elaborare potuisset, post obitum eins omnia firmitur ad ipsa casa Dei 
permaneantp Hittone epo presente, quondo ipsa femina illam traditionem fecit in capsa s. M. quae 
epus secum babuit. Isti s. t. Liutprant, Eerhart, Hleoperbt, Adalperht, 2 Eepahoh, Hartnid, Meginrat, 
Wicco, Eparberi, Reginperbt, Meginpald, Waldperht, Mabtperbt, Perbtolf, Fridaperbt, Hiltiperbt, Eiso. 
Actum est boc in loco nominato Dorfa in id. febr. Anno Hludowici Imps XII indict. Ilf. Ea yero 
ratione domnus Hitto eps prestabit pro beneficium ipsa matrone Englldrude, quod maritus eins babuit 
ad Filusa, noe Ercbanperbt nsqne ad obitum vite suae. Et annis singulis ad missam s. Martini 
censum dare debet sagum 1 vel comisalem 1. Isti supranominati presentes aderant, quando boc 
factum fuit. 

Cozr. f. 318. Dr. Rotb No. 533. 

No. 10. a. 826 ll/YII. Traditio Crimberti, Eepolfi et Wettini filiorum ad Mobingas, Hluzum i, 

quod angar dicimus. 

In n. D. et salr. nri Ihu /pi, Nuntiat um sit multis audientibus et in Deum credentibus, quod 
ego quidera Crimperbt trado proprietatis mc^ Hittoni ven. epo unum bluzzum, qui oportuno loco est 
ad Mobingas, seu quicquid babere videor proprietatis me^ in legitima via in aquis decurrentibus seu 
in aliis causis omnibus cultis et incultis, totum et integrum trado et confirmo iurem prietatis meg 
Hittoni epo in proprium babere. Et statim in ipso loco vestivit Hittonem ven. epum et advocatum 
eius Odoltum coram Liutpaldo comite Isti s. qui b. t. et aud. et t. leg. p. a. tr. sunt: Inprimis 
Liulpald com. Deotpald, Isangrim, Waninc, Tozi, Wicbelm, Hiltipald, Alprat, Batolt, Wetti, Eepolf, 
Ratltys, Habkis, Meginbart, Odolt, Albmunt, Adalperbt, Hugiperbt, Tagaperbt, Tiso, Eeparocb, Adal- 
hart, Unforbt, Arbeo, Isanperbt, Emilo, Liutto, Oadalker, Hatto, Petto, Irminfrid, Eemod, Alpuni, 
Hugiperbt, Eepabob, Ribperbt, Leo, alius Irminfrid, Arabad, Tetti, Engilrib, Eipicbo, fdius Engilrih, 
Diotrib, Eisalrib, Elis, Reginwart, Reginbart, Alprib, Cello, Isanberi, Meginbart, Lantwib, Pezzi, 
IsaÄberi, Snelbart. Actum est boc ad Ho!zmocbingas in V id. iul. Et ipso die Hitto eps cum suis 
messoribus, ipsum bluz berbe secavit, anno Hludowici Imps XIUI ind. II H. 

b. 826 13/X. 

Ego quidem Crimperbt iterum cum filiis meis Wettino et Eepolfo veni ad Frigisingas et 
Gommuni consilio cum domno epo conrenit nos communis manibus banc traditionem renovare. Eo 
modo communis manibus ipsam traditionem renovaTimus et confirmaTimus in altare s. M. et ab 
omnium roannuum potestate in iure et doroinatione ab bodiemo die ad domum s. M. firmiter perma- 
ntot. Actum est boc in III id octb. in domo s. M. ad Frigisingas. Isti sunt, quos in testimonium 
et confirmationem per aures ibidem trazimus: Mabtperbt, Wolfheri, Isso, Uro, Alawicb, Cnndbart, 
Crimuni, Nendilo, Eerolt, Ambrico, Engilrib, Altolf, Sigiprant. Et ipso anno factum est quo filius 
Hludowici Imps ipsius nomine Hludowicus rez in Baioaria Tenit. Et ego Cozrob indignus pbr inssns 
a domno Hittone epo, et ab ipsis traditoribus rogatus banc confirmationem conscribsi. 

Cozr. t 316; Cb. s. f. 70 ▼. bieraus Meicb. unvollständig I« 2. No. 500. Dr. Rotb No. 528. 

No. II. 827 21/VIII. Notitia de illo placito ad Puocbinauua, quod Hitto eps et Wilbibelm babuerunt 
cum sclavis 

Actum est ad Clicstiuperc in XII E. sept. anno Hludowici Imps sui XIIII indict. V. 
Cozr. f. 136; biemacb vollständig abg. und erläutert in Dr. Rotbs Renner p. 100-106. Cod. 
coro. f. 258, wo statt „slavaniis" sclavos stebt, und Z. 23 besser: in medietatem fagorum 
trium virentium. Bei Cb. s. f. 54 b. v. obne die Zeugen. Abgedruckt bei.Zabn die Freisinger 
Sal- Copial-, und Ürbarbücber in ibrem Bez. zu Oestcrreicb. Archiv für Eunde österr. 6e- 
scbicbts Quellen XXVII. 258. 

2* 



12 

No. 12. 828 4/1 II. Qaoniodo se in* servitiuin dcderunt Frumiperht, Cozni et Rilipurc. 

Notum Sit eanctis fidelibus, quod Reginbertas advocatus Hittoni epi adquisitam habet ad 
servitio s. M. mancipia ista, qaorum noinina Fniroperbt, Cozni, Ribpure. Jpsi se sine mallatione 
aliqua sibi crediderunt et in servitium s. M. reddiderant in mauus Reginbcrti advocati. Isti sunt, 
qui viderunt, quod se in servilem servitium reddiderant: Spolit, Situli, Embeii, Coteperht» Heriperht, 
Adalhart, Otperht, KeroU, Sigiwart, Ratpot, Wicco, Kaganhart, Reginperht, Otperht, Wichart, Wlli- 
helm, Hringolf, Wigant, Tetti. Actam est boc in IUI id. mar. indict. V. anno Hindowici Imps XV 
in ipso anno, qaando filins eins Hiudowicus rex de Baioaria rediit in Francia. Ego indignns pbr 
Cozroh inssos a domno Hitlone epo scribsi. 

Cozr. f. 329. Dr. Roth No. 548. 

No. 13. 828 29/VII. Hitto eps prestabit nnam coloniam Egibcrto ad Anzingas. 

Notum Sit Omnibus fidelibns xpo quoque credentibus viris, quod Hitto Dei gratia eps prestabit 
beneficiam unam coloniam Egiberto quidam viro ad Aitzingas, quae iam olim tradita fuit ad Frigisinga?, 
ut iilc eam baberet et annis singulis censum redderet ad ipsa casa Dei, hoc est, denados 4 ad 
mis&am s. Martini, et post obitum illins ad supradicta casa Dei firmiter permaneat. Isti prcsentes 
erant, qui illam prestationem viderunt: Oadalscalch comes, Adalporht, Rihperht, Anibricho, Snelhart, 
Isker, Herimot, Pezzi, Wicco, Altrih, A ahtuni, Erailo, Cotefrid, Alfrid, Paldricb, Egiperht, Amalkcr, 
Wolfperht. Actum est coram Hittone veri. epo et Iskario abbate et Oalalscalcho com. spdto loco ad 
Holze in IUI K Aug. anno sicuti superiorc traditione indicatom est (ad lllud. Imps XV indict. V, 
Undeo diaconus scripsit — cfr. No. 527 apud Meich.). 

Cozr. f. 840. Dr. Roth No. 568. 

No. 14. 829 25/VI. Quomodo Oadalpald convictus reddidit de Sulzareinne causam Hludolfi. 

* Convencrunt multi nobiles et veraces viri in locum, quae dicitur Heiminhuhir Liutpald coroes, 
Liutperht, Paldachar, Ratkis, et iudices Managolt, Hahkis, Alpuni, Imidanc, Cbuniperbt, Eparhart, 
Situli, Sigiperht, Hugiperbt et alii quam plurimi. Ibi accessit advocatus Hittoni epi et intcrpellabat 
quendam hominem nde Oadalpald pro causam , quam olim Hludolfns tradidit ad Frigisingas , qu^ 
dicitur Sulzareini. Et ipse Oadalpald respondit, se non debere hanc causam reddere eo, quod Hludolfus 
illum cum ipsa causa hcreditaret, et sibi in hereditatem dimitteret. Es ipse Odoltus dixit, Hludolfus 
non posse cum ipsa causa neminem hereditäre , quam antea ad s. Mariam tradidissot. Et ille negavit 
dicens, quod numquam antea traditum faisset ad s. Mariam. Proinde precepit Liutpaldus comes, ut 
traditionis epistolam demonstrarent. Ibi in presentia demonstraverunt traditionis firmitatem, et testes 
videntes adstabant. Proinde precepit cos Liutpald iurare, ut ipsius rei veritatem dicerent. Et ipsi 
post iuramentura dixerunt, se vidisse hanc traditionem Hludolfurn facerc. Et veritate et testimonio 
superatus et iudicibus decernentibus et iusto ordine iudicantibus et omnibus in concilio unanimiter 
testificantibus convictus et confessus spJcus Oadalpald reddidit ipsam causam in manus Odolti. Isti 
8. q. h. viderunt factum: Liutpald cumes, Liutperht, Paldachar, Ratkis, Madaiker, aüus Liutpald, 
alins Madaiker. Reginheri, Perhttolf, Zello, Alprih, Antonio, Egilperht, Alpolt, Arbeo, Unforht, Kysal- 
rih, Deotrih, iRanperht, Engilrih, Aso, Ernust, Deothart, Meio, Engilperht, Amalunc, Reginperht, 
A'to, Engilhart, Cello, Altolf, Hiltipald, Kipicho, Hunfrid, Arbeo, Jacob, iudices suprascripti. Actum 
est boc in Vil k. inl. indict. VI anno ine. DCCCXXVIIII, Hludowici Imps XVI in secundo . ai no quo 
filius eins Hiudowicus rex potestatem Baiowariorum accepit. Et in IUI K. iul. vestivit Oadalpald 
Odoltum in loco Suizireini et Piligrimnra. Isti sunt qui ipsam vestituram vidcruut: Pili^^rim et 
Odolt ipsam acceperunt, Paldachar, Jacob, Wichelm, Hahkis, Reginhart, Kerhart, Isanperbt, Unforbt, 
Heriperht, Hiltipald, Ratkis, Eparhart, Cello, Oadalmar, alius Jacob, Reginperht, Engilrih, Pruninc, 
Oadaihoh, Helmuni, Cauwirat, Paldrih. 
Cozr. f. 347 v. Dr. Roth No. 587. 

No. 15. 834 30/V. Ad traditionem Heilrate de Clana (Meicb. No. 576) in margine: 

Proximante nanique iam predicte Heilrate obitus sui die augmentavit priorem traditionem istis 
mancipiis Ribpure, Perhthilt, Adalrat, Tutila, Reginpurc, Kewiniar, Erchanrat, Perhtfrit, Liutpurc, 
Reginpirc, Cotafrit, Tagaperht, Isanhilt, Cundiho, Mahtrih, Jagub, Sitila, Peita, Alpswind, Torstat, 
Amalunc, Ratmar, Wanpold, Wanger, Sundarhilt, Liupiza, Cundpirc, Nordpirc, alius Wanger, Waltrat, 
Irminswind. Actum in VII K Junii ad Frigisingas. 
Cozr. f. 366 v. Dr. Roth No. 625. 

B. Unter Bischof Erchaupert 836—854. 

No. 16. c. 836. Quomodo Sigi dimisit benef.cium suum ad Paingas. 

In. n. D. et s. n. Ihn xpi. Notum sit multis in Baiowariorum ptrtibus constitutis, quod Sigo 
dimisit beneücium suuni in mai us Erchanbeiti epi et vestivit Ovnhttrium advocatum epi in locis 



13 



No. 17. c. 840. 

Renovatio de Ulis mancipiis, quas Liatpald habet in beneficiam de Erchanberto epo. Noniiua 
conim: Begiopald, Irminperht, Wihrib, Beginker, Amaldrud, Waltila, Chuniparc. De his qai propter 
infirmitatem aut pro cecitate seu pro senectute utiliter servire non possant, id est: Unforbt, Vuldar- 
hilt, Plidcund, Meriswind. De infantibus parvalis : Kanianbeid, Amaldrud, Pilihilt, Paldilo, Weriiant, 
Hroddrnd, Walthad. 

Cozr. f. 384 v. Dr. Roth No. 669. 



1». 
% 



V 



nominatis Painga et üurdorf et Rupilingas. Ad Paingas casa i, ioniales 60, de pratis carrad. 50, servi 

dao £t hoc presidebat Helnirih, et hoc ipsad ad Rapilingas presedebat Asolt. Ad Uurdorf casa 

cum carte iornales 80, de pratis carr. 80, colonicas 2, senri 6: Adalkanc, Norduni^ Waninc, Nandperht, 

Liopnni, feminas 7 : Candalpiric, Werdni,. Wnltrat, Otkund, Hnsina, Rathilt; et hoc presedebat Madal- 

kjs. Isti s. q. h. v. v. : Hroadperht, Cozperht, Reginolf, Cundperht, Kysalhart, Hroadperht, Egiwint, 

Racholf, Waltberi. Cundheri, Willihelm, Einhart, Herolf, Ellanhart, Hahart, Adalunc, Wihker, Hatto, ; :'\^ 

Hroadhoh, Tati, Einhart, Egiperht, Waldperht, Ramwolf, Mahtuni, Kepahart, Anthad, Isanperht, 

Altolf, Nidhart. 

Cozr. f. 378 zwischen Urk. des Jahrs 836. Dr. Roth No. 654. Vgl. Meich. No. 343. .-'^ 






-> 



■4 















No 18. 840 20/ IX.. Traditio Liotbaldi et Ilisan^. 

Pro divino aniore qaidam nobilis vir cum coniug^ sua, nöe Liutpald, quaedam mancipia tradidit 
ad domum s. M ad Frigisino^as, quorum nomina: Ovnheri, Seliznei,' Chneth, Wolfker, Helphuni, Heriker,. -St 

Albani, Wenita, Frenchin, Wolfpirc, eo modo ut post obitum amborum illorum Liutbaldi et Ilisan^ 
firmiter permaneant ad iam dictam domum frigisiensis ecclesi^. Hoc factum est ad Frigisingas anno ;V 

incl Dni. DCCCXLI indict. IUI. III K. octb. Isti s. t. Reginperht, Otperht, Petto, Liutprant, Tetti, 
Hiltiport, Engilperht, Tato, Aarfrid. 

Cozr. f. 386. Dt, Roth No. 674. 

No. 19. 842 1|VII. Traditio Eginoni presbiteri. 

In n. D. n. Ihu xpi. Notum sit cunctis fidelibus veracisque viris, quomo(do) ego Egino in- 
dignuB pbr cogitans de Dei timore seu considerans infirmitatem meam tradidi propriam acquisitum 
mcum ad s. Mariam. In ea vera ratione, ut post obitum meum ipsum beneficium, quod habere visus 

sum, infantulus mens nde Regino, quem nutrivi ad servitium s. Mariae seu domni epi unacum licentia :* 

domni epi omnia ai integre accipiat, et propterea tradidi servos 3 istius Lominibus: Sigideo, Nendinc, '7 

Adalkis, cavallos 3, boyes 8, oves 12, capras 34, porcos 14; et de ministerio ^cclesiastico missales 2, 
lectionarium 1, collectarinm ], omeliarum, dialogoiuro, gradalem 1, antiphonarium 1, canonem 1, peni*- 
tentialem 1. Istis testibus adstantibus Irinc, Mahtperht, Crimperht. Simperht, Sigihram, Adalperht, 
Patuchp, Riholf, Erchanperht, Cozperht, Perhthram, Herideo, Wisurih, Chuniperht, Cotavort, Kerhart,^ 
Heimpald, Adalpald, Reginolf, alias Richolf, Facta est haec traditio ad Puppininga in E. iul. 
CO) am Vuldarrico archipresbitero misso domni Erchanperti epi anno DCCCXLII ab ine. Dni et 
indict. V. 

Cozr. f. 391. Dr. Roth 690. 

No. 20. 843 1|VII. Traditio Pettonis presbiteri. 

Notum sit cunctis fidelibus, quia quidem pbr nde Petto tradidit ad domum s. M. ad Frigisingas 
mancipia 2, quorum nomina sunt Ernust, Perhthilt, caballos 2, armen ta 2. Et e contra accepit in 
beneficium de domno Erchanberto epo unam colonicam in loco qui dicitur Oparindorf et ea rationo 
ipsa traditio eius firmiter peracta est, ut quicquid in ipsa colonica elaborare vel adquirere valeat, 
post obitum eius inconvulsum permaneat ad Frigisingas. Actum est anno ine. Dni DCCCXLIII in- 
dict. VI in K. iul. Et isti s. t. p. a. tr. Eparheri, Otperht, Foltmot, Erchanberht, Joseph, Alprih^ 
Kerrih, Pernker, Hrodperht. 

Cozr, f. 392. Dr. Roth No. 693. 

No. 21. 845. Traditio Wolfolti de Eparaha. 

Divina ammonitione compuoctas quidam vir nobilis nöe Wolfuolt quicquid ex una latere annia 
(amnis) Eparaha quicquid ibidem habuit, totuin et ad integrum firmiter tradidit ad domum s. M. ad 
Frigisingas, et de alia parte ipsius fluvü medietatem tradidit cum curtiferis et ^dificiis superin- 
positis, terris cultis et incultis, pratis, pascuis, silvis, aquis, aquarumque decursibns cum mancipiis 
bis DOroinibus Heinrih, Candheri, Spanat, Rihholt, item Heinrih, Paldhilt, Otlind, Waltila, item 
Paldbilt. Hoc factum est anno ine. Dni DCCCXLV indict VIII. Et haec t. p. a. tr.: Willihelm, 
Wolfperht, Reginolf, Lanto, Arhart, Engilker, Hruodmünt, Othelm, Irrainheri, Dedtmar, Westargowo, 
Hrimideo, Hiltswind, Hunmar, Williperht, Arperht, Sindperht, Isangrim, Ellangrim. 

Cozr. f. 369. Dr. Roth No. 632. 



' -7"^ 



J» 



14 

No. 22. c. 845. 

Notam Bit, qualiter quidam Tir n(le Hartmaot tradidit ad s. M. ad Frigtsingai nnom senram 
nde Alpker. Isti s. t. Reginfrid, Liatprant, Rihhilo. 

Cozr. f. 390. Dr. Roth No. 687. 

No. 28. c. 845. 

Notitia qualiter Erchanpald tradidit ad Frigisingas mandpias 10. Isti sant nomina: Alaibo, 
Ratbelm, Tato, Wolfrid, Othelm, Zjtilo, Liatperht, Adalhilt, Hiltipirc, Waldperht. 

Cozr. f. 396. Dr. Roth No. 702. 

No. 24. 845 24|I. Traditio Chanihohi ad Tagolnogas et ad Cramannesdorf. 

Veniens vero Chunihoh eps ad Frigisingas et renovavit pristinam traditionem patris soi Ra- 
tolti, quam antea peractum habttit ad Tagolvingas, et addidit portioDom partis lae, quod ad eum 
legibus pertinere debuisset preter ecclesiasticam rem, quam pretermisit , aliud vero qnicquid habuit in 
Tagolvingas et ad Cramannesdorf patern^ et materng hereditatis, terris cultis et incultis, mancipiis, 
pratis, pascais, silvis, aquis, aquarumque decursibns cum ^dificiis et eurtiferis, cum pecoribus et pe- 
cuniis nihil pretermisit, uisi prefatam ecclesiasticam rem, sed omnia in omnibus firmiter tradidit in 
altare s. M. ad Frigisingas, ubi beatus et sanctissimus confessor xpi Corbinianos in corpore requi- 
escere cemitur. Isti sunt qui hoc peractum viderunt et testes eistiterunt: Condperht, Heriperht, 
Altolf, Joseph, Folmot, Eigil, Nendilo, Crimuni, Anthelm, Isanperht, Egilperht, Oadalrih, Fridurih, 
Warmunt, Arpeo, aiius Fridurih, alins Oadalrih, Sarunc, Liutker, Meginheri clericus; sed eam ipsam 
traditionem patris sui et sui ipsius in beneficium a cleroentissimo pastori Ercbanbert accepit usque ad 
vitam suam, si fidem inlesam conservaret erjra ipsam episcopalem domum seu contra ipsos reetores ipsius 
ecclesi^. Hoc factum est anno ine. Dni DCCCXLV indict VI die consule quo factum est YIIII K. 
febr. Et ego Cozroh indignus pbr rogatus a Cbunihohe epo et iussione Ercoanberti epi hanc tradi- 
tionem videns et audiens conscripsi. 

In margine: Isti sunt qui yestituram Chunihohi epi ad TagoWlngas peractam viderunt: 
Eigolt, Eckolf, Reginperht, Adalunc, Eginolf, Otachar, Wenilo, Rupo, Deotpald, Snelmot, Adalperht, 
Egilperht. 

Cozr. f. 358. Dr. Roth No. 605. Vgl. Meich. No. 607 und 670. 

No. 25. 846 19|V. Contraplacitatio Isanparti scul(thai8i). 

Notum Sit cunctis in Baiowaria constitutis, quia quidam vir nobilis noe Isanparto sculdhaisus 
contraplacitabat adversus Erchanbertum epm et advocatum suum Odoltnm wergeldnm Kaganharti bar- 
scalti sui, et accepit a dfio Erchanberto epo unam colonicam sibi aptam in loco ... et censuit an- 
nis singulis ad missam s. Martini persolrendum denarios 30 aut solidum unum de auro. Hoc factum 
est ad Frigisingas anno ine. Dfii DCCCXLYI indict. Villi in XIUl k. tun. in prescntia cuncte fa- 
miliae. Et isti s. t. Odolt, Altrib, Hroadperht, Meginfrid, Oadalicalh, Alpker, Liutprant, Nendilo. 
Et ego Cozroh indignus pbr hec videns et audiens scribsi. 

Cozr. f. 367 v. Dr. Roth No. 628. 

No. 26. 846 31 1 VII. (Traditio sororum Otlanti presbiteri ad Percheim). 

Contigit autem, quod Eilanswind superstes fuit Liutswinde, et yenit ad piissimo pontifice Er- 
chanberto et narrabat ei ordinem rei, et cum licentia istina renovavit traditionem, ot accessernnt 
ambo pariter, snpradicta Eilanswind et maritus eins n&e Ratolf, et communis manlbus adiciebant man- 
cipia 3, quorum nomina Ellanpurc, Manne, Cundperht; et de pratis talem partem, sicuti maiimam 
habuerunt eo tenore, ut ipsam traditionem vita comite amborum usitassent usque ad vitam suam in 
boc seculo. Et isti t. p. a. tr. : Isso, Spulit, Erchanperht, Hitto der. Anthelm, Reginolf Hoc 
factum est anno ine. Dffi DCCCXLVI indict. Vim in II K. Aug. 

Cozr. f. 298 v. Dr. Roth No. 496. Vgl. Meich. No. 506. 

No. 27. 851 19il. Perchach. 

Cum inspirante divino spiritu omnis sanus sapiens scripturam Domni dicentem audiat: «Honora 
Domnum de tua substantia et reliq.* huius ezempli subminsitratione nos indigni Diepolt et Waltila 
sanctimonialis, ut vires aderant subsequentes, tradidimus ad s. Mariam loco Frisinge totam et in- 
tegram hereditatem nostram ad Perchach, quicquid habere visi sumus, nichil pretermittentes, quod non 
totum tradidissemus. E contra in beneficium ab ecclesie illius Erchanberto rectore in loco, qui dicitur 
Furholze suseipientes, ut nostrum qnisquis alterius superstes ezstiterit, usque in finem vite possideat. 
Post discessum nostrum sine uliius contradictione ad s. sedem firmiter et inconvulse preaens traditio evis 
temnoribus permaneat. In super etiam addidit Waltila sanctimonialis totam acquisitionem suam 
flimUi modo ad s. Mariam pro remedio animg sue post illam transitoriam vitam, ut in omnibus simul 
eoniunctis Investitur^ s. seois inviolabiliter consistat. Nomina mancipiorum seu testum in libro tra- 
ditionem habentur. Actum est hoc ad Frising. XIIII E. fcbr. anno ine. DAi DCCCLI indict. XIIII 
anno Lndowici regis XVIII feliciter. Amen. 



15 






Traditio facta est ad Prising. quam fecit Diepolt. Postea ad Kiemperch Diepolt, et Waltila 
tercia yice ad Frising. renovaveraat et firmiter confirmayerunt. 
Chonrados sacrista f. 93 v. b. 

No. 28. 851 31 |I. Traditio Ehcienperch et Umina. 

Domnns dicit in eyangelio: „facite vobis aniicos de mainmona iniqtdtatis et rel." Inde cogitavi 
aliqnid remedinro anini§ me^ peragere, sicut et feci. Adii namque ad Frising. reqoiem s. Mari^ ego 
Waltila sanctimonialis femina, et tradidi proprietatem meam illnc in locis, que dicuntar Kiemperch et 
Umina, totum et integrum ad s. Mariam; hoc est cnrtiferis, terris caltis et incaltis, pratis, silvis, pas* 
cüis, perviis, aqnis, laquarumya decursibns, nichil pretermittens , quod non totum tradidissem, simul 
eam cuncta acquisitione mea. E contra conplacitavi honeste me condacere, et hoc in familie seniorom 
qoisquis rector fuisset ecclesie provideret, quomodo hoc fieret, subieci. Sin autem in mea potestate sit 
hereditas mea predictis sermonibus traditionem firmavi ad s. Mariam, ut parentum meorum nullo con- 
tradicente neque coheredum datio mutaretur, sed prescns traditio ad s. sedem Frisinge ^vis tempo- 
ribos inviolata permaneat. Nomina t. in 1. tr. h. Actum est ad Frising. in 11. K. febr. anno ine. 
Dni DOCCLl indict. XIIII anno Ludowici legis XYIII feliciter. Amen, 

Chonr. s. f. 93 v. b. ' 

No. 29. 851 28|iy. Commutatio Erkanberti epi et Wolfolti laici. 

In Dei nomine placuit atque convenit inter yenerabilem yirum Erkanbertum Frigisingensis ecclesi^ 
epni nee non et quendam ho^nem noe Wolfoltum, ut aliquas res pro communi ntilitate et compendio 
inteT se commutare debercnt. Dedit itaque predictus eps ex ratione ecclesig sn§ unacum consensu et 
conhibentia canouicorum siye monachorum aliorumque fldelium in ipsa ecclesia degentium eidem ho- 
mini ad proprietatem habendam in loco, qui dicitur Aragartio, tantum, quantum ipse reconpensayit. 
£ contra in recompensatione harum rerum dedit memoratus Wolfolt ex sua proprietate spdco epo in 
loco, qui dicitUr Oparun Nertinga et alio yocabulo Uotilineigan, totum et integrum cum omnibus ad 
h^ pertinentibus, curtem cum domo, terris, pratfe, pascuis, silyis, aquis, aquarumye decursibns, nihil 
pretennittens, quod non totum tradidisset Ünde et duos commutationes pari tenore conscriptas inter 
se fieri rogayerunt, per quas deinceps unus quisque, quod ab altero accepit, teneat atque possideat, et 
quicquid ob commoditatcm sui inde facere yoluerit, lioeram in omnibus faciendi habeat postestatem. 
Si quls autem, quod absit, hoc frangere yoluerit, sua repetitio nullum obtineat e£fectum^ sed 
presens commutatio omni tempore firme permaneat. Isti sunt testes: Emheri, Piligriro, Eparheri, 
Xakanhart, Tozi, Beginfrid, Reginperht. Actum est ad Frigis. IUI K. mai. anno ine- D. DOCCLl 
indict. XUI anno Hludowici regia XYIII feliciter. Amen. 

Cod. commutationum f. 21. Die Formel bleibt nun, mit Ausnahme der manchmal erwähnten 
Königlichen Genehmigung so unyerändert, dass fortan nur die Personen und Tauschgegenstand» 
hier aufgenommen werden. 

No. 30. 851 1|V. Commutatio domni Erkanberti epi et Leoberti laici. 

In Dei n. . . dedit eps in locis Asc et Eisalpah; ad Asche totum cum adyocato suo Piligrimo 
tradidi t et ad Kisalpah aliquam partem suscepit ad ^qualitatem dationis su^. E contra . . dedit Leo- 
perht cum filio auD Reginberto . . epo in loco Lera totum et integrum, curtem cum domo, terris,. 
pratis, pascnis, silyis, aquis, aquarumye decursibns . . Unde et duas . . . Testes : Deotpald, Piligrim^ 
Eparheri, Volmot, Cartheri, Hruodperht, Hartperht, Authelm, Helfrih. Actum est ad Frig. K. mal. 
anno ine. Dfii DCCCLI indict. XIll anno Hludowici regia XVIII feliciter. Amen. 

Cod. comm. f. 23 y. 

No. 31. 852 22|VIII. Commutatio inter Erkanbertum epnm et Hittonem laicnm. 

In D. n. cunctis Baiuwariorum ad notitiam deducatur nobilibus, quod unus quisque, qui mercedis 
augmentum desiderat, ita suo proyectu utilis apparere debet, quomodo diyino sonant eloquia, qu^ in- 
beut inpendi secundum caritatem omnia in omnibas. Ünde diyina suadente gratia placuit epo Erkan- 
berto Prigising^ sedis cum quodam laico noe Hitto pro communi ntilitate et compendio quandam cam- 
bionem agere, sicut et fecit illorum. Dedit itaque perfatus eps partem ecclesig su^ Frigising^ in 
loco nuncupato Asinhusum cum consenau et conhibentia canouicorum siye monachorum inter prata et 
terram arabilem silyasque subiacentes iugera 126, ut habeat, possideat, faciat inde, quid eligat, 
emissg uuillius (nullius) persona precepto mutetur, quod regali licentia est confirmatum. E contra 
domnns sacerdos suscepit a nobile viro Hittone partem hereditatis su^ in loco qui dicitur Botinpah, 
quicquid habere yisus est, totum et integrum, quod est equalis mensura; sibi nihil illic retinuit, sed 
omnia ad domam s. Marig conyertit. Ad istam tamen commutationem Tato filius Hittonis inmisit 
manum, ut firmier hereditaria potestas stabilita permaneret. Unde et duas (sicuti in No. 29) . . Istius 
cambionis ex parte epi adyocatus Eparharius fuit usque ad terminum jplaciti. Isti s. t. Bohinc, 
Heimperht, Job, Odolt, Waltfrid, alius Odolt, Cundpald, Eio, Gaganhart, Üodalger. Actum ad Helid- 



16 

keresbnson XI K. sept. anno ine. ]>Di DCCCIill indict. XFII anno Hludowici regis in orienUli Francia 
XYII. Arnordoa indignas diaconas lianc canibionem iossos a domno Erkanperto epo recognoFi feliciter 
in domno. Amen. 

Cod. comm. f. 22 v 

No. 32. c. 850—854. Notitia de cansa, quam Piligrim reddidit ad Otmarcshard.. 

Qaadam die contigit xpo propitio divina Piligriroam soscepisae monita, qaod pro causa tradita 
ad domum s. M. sine contentione adquisitio vestituro daretur Isla conpunctione commotus ad epum 
Erchanbertum pervenit, devote ab eo susceptus petiit, ut missi ipsius ad causam Urminandam illuc 
conflnerent. Hoc domnus eps benigne conferens, boni consilii auctorem illam professus est, qui non 
soluro in isto, sed in omnibus fidelis apparuit. Consilio autem iiiito II id. octb. missos suos ad Ot- 
maresbard dirigere curavit, quornm nomina ündeo pbr, Wicbelm, Eccho. Obviam illis eodem die Pili- 
grim convenit, statiro cum senibus coepit tractare iuramento peracto, quoroodo res insta se haberet. 
Primitus vero altare reddidit ad Otroaresbard, et parimentum basilicae in occidentali parte villulae, 
sicut quercus terminat et vallis, curtiferum in eadem villa terroinatum et colonicam unam, quam 
patcr suus Cotaperbt in terris, pratis, pascuis, silvis ad domum s. Mariae tradidit. reddebat; aliam 
videlicet colonicam quam Liutto monachus ad Perge pro animae suae remedio tradidit, totum et inte- 
^Tum terris, pratis, pascuis, silvis, perviis in vestituram dedit pontificis, sed et nomina roancipiorum 
inserta tonentur: üodalheri, Hruodpirin, Heimo, Engilrat, Otpirc, Erchanpald, Atta, Imroa, Folrat, 
Rihho, Nidhart, Liupheri. Isti missi acceperuot vestituram : Cndeo pbr, Wicbelm, Eccbo. Isti testes 
Yidentes et audientes: Cundpald, Cozperbt, Eralo, Adalhart, Liutto, Isan^erht, Reginhart, Gaganhart, 
Meio, Uodalger. Uodalperht. Actum II i«]. octbr. ad Otmareshard. 

Cozroh Vorblatt 4. a. Abg. Dr. Roth llenner 1. 43. 

C. Unter Bi§ehor Addo 855—875. 

No. 33. 855 12|VII. Commutatio Annonis epi et Liatprandi laici. 

B,*). In D. n. Eps dedit Liutprando in villa Heidolvinj^a in comitatu Olalrici comitis colo- 
nicas 3, de pratis carr. 100, curtiferum cum domo, aliisque ^dificiis talibus, qualibus in partem ipsius 
domns pertinere dinoscuntur. £ contra dedit . Liutprant ex suo seu uxoris suq proprio ad partem 
cpiscopii sui qnicquid iure hereditario in villa Zuoltcsdorf possedit, hoc est curtem cum domo alioque 
^dificio, colonicas 3 sive iugera 27, de pratis carr. 100 et cum omni tali vestitura sicut in eodem 
loco habere videbatur. Unde etc. et ut h^c commutatio firmior habeatur, manufirmatione regis adpro- 
babiter. Actum ad Frigising. IUI id. iul. anno ine. Döi DCCCLV indict. III. 

Cod. comm. f. 57. 

No. 34. 856 2|I. Commutatio intcr Annonem epum et quendam nobilem virum noe Lantolt. 

B. In D. n. etc. Anno eps dedit Lantolto laico in Erkanhartesdorf curtem cum domo et a 
foris de terra arabili coloniam 1 et de pratis carr. 29. Et e contra dedit Lantolt ex suo proprio ad 
partem monasterii talem proprium, quam habuit ad Puotilinpach, curtem cum domo, coloniam 1, et 
insuper iomales 2 et de pratis carr. 29. Unde etc. Isti q. pr. f. Onhart, Cotadeo, Memmo, Arno, 
Cnndhart, Hehnuni, Bihheri, Wolfperht, Perhtrih, Hmodhoh, Arhart. Hoc factum est ad Isana in 
IUI Non. ian. anno Dni DCCCLVI indict. III. Dedit Anno eps per manus advoc^ti sui Arhardi. 

Cod. comm. f. 58. v. 

No 35. 856 31|in. Commutatio inter ven. Annonem epm et quosdam nobilea viros Reginpatonem 

et Albuninum. 

R. In D. n. etc. ^iedit eps etiam et per licentiam Domni Hludowici regis in yilla Telinhusir 
totum et integrum hoc est curtem cum ecclesia et domum cum aliis ^ificiis et in alio loco Glana 
curtem cum domo, inter utrumque de terra arabili hobas 7, de silva iugera 13, de pratis carr. 80, 
mancipia 3, molam 1 , vias, perTias, aquas aquarnmve decursus, exitus et reditus cum omni vestitura 
talii sicut ad ipsam sedem sanctam pertinere dinoscitur. E contra doderunt Reginpato et filius eins 
Alpuni ex suo proprio epo ad partem monasterii sui ?illam Lenginveld, quam veteres Alpunessteti 
nominayerunt, et in alio loco ad Tigingnn curtem cum ecclesia et domum cum aliis edificiis, colonicas 
7 de terra arabili, de silva hobas 4, de pratis carr. 33, mancipia 3, molendinum 1, quia quod illis 
auperest in pratis, nobis redundat in silvis, portum in Danubio na?igationem, in silvis exstirpationem, 
yias, perviasj aquas, aquarumve decursus, exitus et reditus, omnia in omnibus, sicuti ad eandem villam 
pertinere dinoscitur. Unde etc. Actum ad Frigising. II K. aprL anno ine. Dni DCCCLVI indict. 
IUI feliciter in domno. 

Cod. comm. f 37. 



♦) Wo R. vorausgesetzt wird, gilt fortan die Scblussbemerkung No. 2i^, wobei auch in loco qui 
dicitur etc. ausfällt. 



17 

No. 36. 859 7|I. Commutatio int er Annonem epam et qaendam noUilem viram Engilperht. 

B. In D. n. etc. Eps dedit Engilberto in loco Feotchiriha iornales 20, pratnm 1. E confra 
prefatus homo dedit in Feldmohbinga qnicqaid proprietalis liabnit preter cnrtiferum 1 et pratam 
unom. Unde etc. Actam ad Adalhareshasnn. VII id. ian. anno ine Dfii DCCGLVIIII feliciter in Dao. 

Cod. comm. f. 84. ▼• 

• * 

No. 87. c 860. Commntatio inter Annonem epm et quendam nobilein virnm Fricho. 

B. Anno eps Frichoni dedit mancipiaS: Arhart, Kerpirc, Waltfrit; e contra pretitulatus nobilis 
▼ir landabili epo mancipia 4: Deotrih, Werdrud« Bihhilt, Kisaldrud. Unde etc. 

Cod. com. f. 28 y. 

No. 88. c. 860. Coromntatio inter Annonem epm et qnendam nobilem virum Edgilman. • 

R. Anno eps dedit Engilmanno in loco Hegilinga eortem, de terra arabili ingera 33, de pratis iug. 7, 

de Silva ing. 7 per lioentiam domni HIodowici regis ; e contra isdem nobilis yir epo ad ecclesiam babendum 

in loco Premareini ecclesiam, domum cam cnrtc, cetera ^dificia, pomcrinm, de terra arabili iug. 33, 

de pratis cair. 16, molinam unaro. Unde etc. 
Cod. com. f. 29 ▼. 

No. 39. c. 860. Mosahe. 

B. Anno eps dedit nobili viro AdaUkart in loco Bfosaba cortiferum 1 ; e contra Adalbart epo 
triplam de aribili tamu 
Cod. com. f. 31 V. 

No. 40. c. 860. AjMinsna. 

B. Anno eps dedit nobili viro Gowipold in loco Apansnaagrnm 1, de cultnra[ta] terra; e contra 
isdem vir epo in eodem loco de pratis et de caltQra[ta] terra dnpliciter. 

Cod. com. f. 33. 

No. 41. c. 860. Ilmina. 

B. Anno eps dedit per licentiam D. Hludowici regis in loco ad llminu dimidiam partem cur» 
tiferQ nnlus nobHi viro Salachoni, et e contra Salacbo epo eqaaliter mcnsaratam terram arabüem in 
eodem campo iacentem. 

Cod. com. f. 39. 

No. 42. c. 860. 

R. Anno eps dedit libero viro Uadalperht per licentiam D. Hlndowici regis in loco Mnnirihhinga 
qaartam partem nnins iageri, et e contra prefatns über vir epo in eodem campo triplicem partem. 

Cod. com. f. 61 V. 

• 

No. 43. c. 860. 

B. Anno eps dedit nobili viro Leoperbt in loco ad Aske ingera 60, de pratis carr. 40; et e 
contra Leoperbt epb in loco ad Leron iugera 60, et de pratis carr. 40. Isti t. p. a. tr. Kisalfaart, 
Wolfbart, Beginperht, Hemmo. 

Cod. com. f. 62. 

No. 44. c. 860. 

B. Anno eps dedit nobili viro ^qaivoco sao Annoni in loco Herineshnsir cartifemm nnnm et 
dimidiam, bobamque dimidiam et agmm 1 et de pratis carr. 6, et c contra nobilis vir ad partem ec- 
clesi^ de proprietate saa in Pheot cnrtiferum dimidium. bobamque dimidiam et de pratis carr. 4. 

Cod. com. f. 67. v. Vgl. Meicb. No. 748 and 828. 

No. 45. 869. Traditio Peretcundae Sanctaemonialis ad Hrorpabc et Hruodolfingon et Potinna. 

a. Pateat cunctis in provincia Baiuwariorum constitutis, qualiter quaedam matrona /pi noe 
Peretkund, cogitans quandam traditioucm proprietatis soae facen>, sicnt et fecit, tractans divinum, 
quod dictum est: date terrena, emitc oeterna. Quo consilio inito cum bis, qui ei consilium dare de' 
boerunt, veniens Frigisingam in presentiam Annonis ven. epi procerumqoe suorum, et prescriptam ra- 
tio nem, quam cogitavit, agere devota mente implevit. Coram cunctis vero residentibus surgens manu 
potenti nuUo contradicenti tradidit in capsam s. Mariae quicquid proprietatis visa fuit habere ad 
Borpabc et Buodolfingnn, terris, pratis, mancipiis, silvis, pascnis, aquis, aquarnmve decursibns, ut ad 
domum Dei aevis tcmporibus perpetualiter jiersisteret. Ea traditione peracta venerandus Anno eps 
accepit eam cum advocato suo Kaganbardo. Et isti testes: Managolt comes» Egino, Kuoto, Pald, 
Amalrib, Petto, Kartberi. Emberi. 

b. Pt^stea coaplacuit sibi plus augere ad domum Dei. Tradidit totum, quod bubuit ad Putinnn 
et Managoldus ■ frater snus cum ea. Et isti snnd testes: Egino, Kuoto, Pald, Amalrib, Petto, 
Kartberi, Embed. 

e. His ita peractis contigit piissimum Karlmannum Hludowici regis filium Ire orientales partes 
cum caterva non modica, veniens ad Padun. Tunc ibi inquisitione facta a Peretkunda in palatio coram 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abtb. 3 



18 

EarlmaDno, si aliquis sibi conttnMe^Te Toloisset, proprietaUs soae poteatatem ni ins habaiaaet tradere, 
abicuDqae yoluisset. Paalatim Kandharioa oomes sarrezit dicena, se omnem proprietaiem illam babere 
iure berediiario per traditionem RatpodL Et inde eam miniroe poese ad aliqoam domum Dei con- 
donare. E contra illios rationis isti testes dacti: Candalperht, Anoalker, Bapbolt, Üogo, Amalrib, 
Hato, coram popalo cum iuramento stricti dicentcs, se hoc scire, quod piioa Fridarado ac Peretkundae 
flliae snae traderetar, quam alicui bominnm« Tunc inde Knndharius nctns sibi credidit, nlterias 
nallam inquisitionem habere. His itqne omnibaa ita peractis finniter iteravit saam traditionem coram 
pio Karlmanno tradendo, quicquid proprietatis ad Patinna babnit, ezoeptis qnadraginta bobis, quas 
Managoldo et Eginoni fratribos snis tradidit. Et e contra conplacitavit benefieiam. Et isti Bunt 
testes: Oadalrih comes, Waltilo, Keio, Eginolf, Hruodperbt, Candhram, Hoolt, Wolfporht, Immo, 
Wirunt, ündeo. 

Cod. com. f. 246 v. Chonr. sacr. f. 81 b. et 84 v. a. wobei die Ortsnamen Borpoeb und Badoi- 
fing, die Grafen Ktinthariiu, Ratpold and Ratpod, dann Friderad lauten, aacb einmal Manigold. 

No. 46. 870 8|II. Iterum traditio Peretcundae [ad Cuminos montes]. 

DomnuB dicit in evangelio : „Qni mihi ministrat, me sequatur, et rel.** Hnius jrei exemplnm ae- 
quens divina ammonitione conpuncta Peretkunda quaedam sanctaemonialis Teniens Frigisingam in 
presentiam yen. Annonis epi fldeliumque snomm iterare pristinara traditionem, quam iam sepe perpe- 
traTit. Multis namque circnmstantibus adiens aecclesiam s. M. sempervirginis, tradiditque in altare 
8. Corbiniani confessoria /pi quicquid proprietatis visa fuit habere eis Cuminos montes, nil preter- 
mittens, ni totum traderet, statimque dimitteret ad domum Dei ezceptis 40 hobis, quas Managoldo et 
Eginoni fratribus suis tradidit. Et e contra conplacitavit in beneficium Ipcis nuncupatis ad yitam 
suam Chiemperc, Adalbaresbusir, Pettinpahc et unam hobam ad Wilu. Ea namque ratione ita per^ 
actum est, ut siquis illam conplacitationem infringere Toluntatem babeat, traditio in sua potestate 
persistat. Et isti sunt testes: Fritilo palatinus comes. Wirunt. Ercbanfrid, Anno, Wolfperht, Toxi, 
Arperbt, Wicperht, Cundheri, Liutprant, Fatto, Ibho, Bihuni, Nothart, Isanparto, Erchanperbt, Hil- 
tiroh, Pem, Uiltiperht, Adalfrid, Hruodperht, Otachar, Salaman, Oadalrih, Kamanolf, Mathen, Undeo, 
Wiebart, Eartheri, Otperht, Alprih, Furtrih. Actum est ad Frigisingam VI id. febr. anno ine. Dai 
DCCCLXX indict. III a. 

Cod. com. f. 248. Chonr. s. f. 81 t. et 84 v. 

No. 47. 870. Traditio Altae ad Clanu. 

In D. 0. n. Notum sit cunctis fidelibus Baiuwarioruro, qualiter Alta ad servitiuni Dei devota 
cogitans de rebus suis ad domum Dei augmentare. Veniens namque ad Frigisingam simul cum Buosone 
marito suo in presentiam Annonis epi, et tradidit in altare s. Mariae, ubi s. Corb. c. /pi corpore* reqai- 
escit, quicquid proprietatis ad Clanu visa fuit habere in aedificiis, terra culta et inculta, pratis, pascuis, 
aquis, aquaruroque decursibus cum istis mancipiis, quorum nomina Eckimunt, Adalperht, Teorperht, 
Herilant, tlatmunt, Fridarat, Heildrud, Amalgund, Bitipurc, Emihilt. Et e contra accepit in beneficium 
ab Annoni Ten. epo rectore illius aecclesiae in loco qui dicitur Zella prope fluvio Wolamuotesaha , ut 
utrosque haberet usque in finem Titae illius et post discessum illius traditio firmiter atque inconvulse 
ad domum Dei persisteret. Et isti sunt tcKtes: Erchanfrid, Hruodperht, Heipo, Wichart, Helidolf, 
Muniperht, Kerhart, Fridaperbt, Irminhart, Kaganhart, Bibperbt, Heromo, Francho, Matheus, Hruodolt. 
Beginhart, Folmot, Wicperht, Isolf, Isanbart. Actum est ad Frigisingam anno ine. Dfti DCCCLXX 
in£ct. II I. 

Cod. com. f. 241. Chonr. s. f. 86 y. a. et 75 a. 

No. 48. 869 vel 870. Traditio Hattonis comitis ad Sindeosdorf. 

Ad memoriam cunctorum fidelium perveniat in provincia Baiuwariorum consistentiun, quia Hatte 

« yenerabilis comis tradidit in capsam s. M. pro remcdio animae suae quicquid proprietatis habuit in 

loco, qui dicitur Sindeosdorf. Isti s. t. Alprat com. Cotascalhc com. Meginhart com. Liutfrid, Oago, 

Irminuid, Patagar, Hrobinc, Machelm, Deothoh. Actum est ad Beganaspurc anno ine. Dfli DCCCLXIX 

indict. III. 

Cod. com. f. 250, wo die Jahrxahl aus 881 in 869 geändert wurde. 

Chonr. sacr. f. 81 t. et f. 85 mit der Jahrzahl 870, ind. III und Batispon. als Ausstellungsort. 

No. 49. 870. ■ Traditio Purolfingen. 

Pateat cunctis in proyintia Baiowariorum constitutis, qualiter quidam nobilis vir noe Tori trac- 
tavit divinam mente scripturam, qne dicit: „Honora Dominum de tua substantia, et rel." Huiua 
exempli subministratione prefatus nobilis vir, ut vires aderunt, tradidit in capsam a. M. quicquid in 
Purolfingen babere proprietatis visos fuit. Tempore namque traditionis, quo .peracta est, contigit 
Annonem «pm adesse cum muHis. fidelibus suis et cum ep e contra conplacitavit de beneficiis suis ad 



19 

Pibnrc et ad Pnrolvingen uxorem et fiUum eius Husingum habere, et Tozonem ad Strazloch, et Eiltih-> 
hingen et ad snperiorem Wirnian), et Herolfo filio sno inferiorem. His ita confirmatis nsque ad dis- 
cessnm illomm cnm testibns sine ulla contradictione ita persistere decet. Actum est ad Pibnrc anno 
ine. Dni DCCCLXX. 

Chonr. sacr. f. 82 v. b. In der Jahrzah] ein drittes X gelöscht. 

No. 50. e. 870. Traditio Eginonis. 

Ad notitiam cnnctonim perveniat fidelium, quod Egino quidaro nobilis vir tradidit in capsam 
8. M. frigisingensis territorinm 1 ad Wiltinn cum omnibns aedificiis ad hoc pertinentibus, mancipiis, 
pratiii paacnis, aquis aquarumque decursibns, et in confinio coheredum partem habere. Isti s. t. Liut- 
irid, Anno,. Rihpold, Wirnnt, Eginolf, Wicdarp, Otperht, Wichelm. 

Cod. com. f. 241. Chonr. s. f. 85. a. Abg. bei Zahn Cod. dipl. austrofrising. Fontes rer. Austr» 
XXXI p. 20. No. 20. 

No. 51. c 870. Traditio Cuotonis et Scafhildae uxoris, Chukinkuson et Owiston. 

Quis non diligenter imitatur scripturam divinam dicentem: „Date terrena et adquirite 
aetema*'. Nos itaque indigni Cnoto et uxor mea Scafhilt cogitavimus pro remedio animae aliquam 
traditionem peragere, sicut et fecimns. Tradidimns namque in capsam s. M. proprium hereditatem 
nostram in loco, qui dicitnr Chuginhusir totom et integrum, domum cum curte, terris, pratis, pas» 
cnis, silvis, aquis, aquarumve decurstbus et mancipia 4, quorum sunt nomina Willolf, Engilscalli, Win* 
nibilt, Rihdrud. Et e contra conplacitavimns, decimaa tres ad vitam nostram, et postea inconvulse 
ad 8. Mariam permanere nullo coheredum nostroruro eontradicente. Isti 8. t. p. a. tr. Managolt, 
Horscolfty Cuoto, Deotperht, Asperht, Scacca, Liuto, Hahart, Fruroolt, Adalunc, Deotkis, Cundhart, 
Alprih, Cozpald, Lantperht» SaTarih. Grimberi, Wolfolt, Wichart, Leoperht. Post istam traditionem 
ego Cuoto veniens in presentiam Annonis epi Frigisingam et tradidi', quicquid babui ad Ouuistum, 
statimque ad domum Dei dimisi evis temporibus permanendum, e contra suscipiens in beneficium in 
locis, qu^ dicuntur Gauwinbova et Appatesdorf, ut nostrum quis alterius superstis extiterit, teneat 
usqne in finem ipsius. Isti s. t. Salacbo, Liuto, Odalman, Otperht. 

Cod. com. f. 245 v. Chonr. s. f. 81 v. et 84 b. wo Cuto, Chuginhusin, Onstum, Gawin- 
hova stehen. 

No. 52. c. 870. Traditio Erhardi cniusdam nobilis viri Perge. 

Cum inspirante divina misericordia consuetudo pi^ devotionis iholoTisset, ut unns quisque pro 
spe fnture retributionis premia capessere satageret aetema. Ünde contigit, ut quidam nobilis vir 
yenit in presentiam ven. Annonis epL ad Frigisingam, noe Erhart, tractans quandam traditionem 
facere» sicut et fecit. Tradidit namque in altare s. M. quicquid proprietatis visus habere fuit in 
loco, qui dicitur Perge, aliterque nominatur Üparacha, ecclesiam, curtem, domum, terram cultam et in- 
cultam, mancipia, pratas, aquas, aauarumve decursus nullo coheredum suorum eontradicente, ni sta- 
bilis perseveret. In ^io namque loco tradidit, qui dicitur Piparpahc, quicquid ibi eo die habuit, 
statimque ad domum Dei dimlsit, et inde in beneficium accepit. Et isti s. t. p. a. tr. Eccho, Sigi- 
pald, Cartheri, Egilbreht, Tiso, Otachar, Kihpold, Otperht, Immino, Altrih, Willihelm, Leoperht, 
Wiehart. Ercbanperbt, Epucho, EUinhart. Sigimunt. 

Cod. com. f. 246. Chonr s. f. 81 b et 84 v. 

No. 53. c. 870. Traditio Sindeosdorf. 

In /pi noe pateat auribns fidelium nobiliumque virorum in provincia Baiowariorum degentioni, 
qualiter quidam nobilis vir Timo cum uxore sua devota mente pertractans, ut aliquid boni domo Dei 
concessisse Tideretur, et suorum mereretur indulgentiam percipere delictornra. Inde yeniens ad Frigi- 
singam ante requi«m s. Dei genetricis M. mancipia, quorum nomina sunt Rnodmunt, Räodperht, Ram- 
uunc, Isangrim, Deothart. Nullo eontradicente, sed ad domum Dei feliciter inconvulse permaneant 

Cod. com. f. 249. 

No. 54. c. 870. 

R. Pernhart pbr tradidit in capsam s. M. Frigisigensis pro remedio animae suae mancipia Q: 
Sigipold, Antrih, Egilo, 2 Deotrat, Wisagart. 
Cod. com. f. 249 v. 

No. 55. c. 870. ... 

R. Rodbert pbr tradidit ad domum s. M. quicquid proprietatis habuit ad Steingane cum istis 
maneipiis: Ostarmant, Engilbart, Liubdrud, Lintpiric, Rodsuind. Et isti s. t. Rodberht, Adolo. 

Cod. com. f. 254. Chonr. s. f. 85 b. Rnprebt. Vgl. Meich. No. 628. 

3* 



20 

No. 66. c. 860—875. 

Notitift, qaod Anno eps et adTOcatos eias Arhart in beneficinm dederont Arnone et adrocato 
eins Ratolto smL Sninaha in loco, qu^ dicitnr Arnesdorf. Actnm est hoc ad Dorfon. Isti s. t. Jagob, 
Nordolf, Hnniperht, Nothart, Sorot, Kerholt, Hrodperht, Altman, Pemker, Tato, Kerholt, Pertkoz, 
Arhart, Erlnnh, Wago, Kozpold et alii mnlti. 

Cod. com. f. 127. Statt «ad Soinaha* sollte wohl Suindaha stehen, wie der Bach hicss, an dem 

Armstorf liegt. 

No. 57. 875 24iIII. Traditio Waldberti ad Frigisingas. 

In D. n. o. Notnm sit omnibns in pronntia Baiwariorum constitatis , qnaliter qaidam comes 
Serenissimi domni Hlndowici regis n. Waldperht adlens Annonem epm Frigisigensis ecclesiae, cogitans 
pro remedio anim^ sd^ et antecessomm, nihiloroinns saccessommqoe snomm secondam Apostolnm dicentem: 
„Dato camalia, nt mercatis ^terna". Inde conpnnctns ad tanibam yenit s. Mariae sqne Corb. conf. 
/pi presente ven. epo ceterisqae primatibns regis tradidit mann propria in capsam einsdem ecclesi^ nnllo 
contradicente, quicqnid in eadem die iure hereditario visns foit habere in monte Bitano in loco nnn- 
capato ad Puron, nil pretermittens, qnod totnm et integrum domo Dei non tradidisset, cum edifidis, 
agris, pratis, pascuis, silvis, aqnis, aquarnmque decnrsibns provisori ecclesi^ ^vis feliciter ntendnm 
temporibns. £a videlicit ratione, nt in ins ao in propriam hereditatem sibi ac * snccessori * de 
domo accepisset res, qne vocantnr ad Holze et ad Tegarinwac cum omnibns iJlnc pertinentibus, nt a 
nnllo mmpetnr, sed in ^Tnm teneat atqne possideat felici cnm gandio. Isti s. t. qoi presentes ibi 
fnernnt: Inprimis Erchanfrid scnldhaizo, Otacchar, Lintfrid, Managolt, Reginhel(m), Hiitirib, Marc- 
holt, Altwart, Erchanbreht, Odalrih, Adalunc, Znozo, Isane, Alto, C^zzo, Uoto, Chnnihoh, Tagabreht, 
Bihhart, Ellanmnot, Reginhoh. Et h^ traditio facta est ad Frigisingas in YIIII K. aprL anno ine« 
Dni DCCCLXXV indict VIII. 

Cod. com. f. 231. Chonr. s. f. 80 b. et 85 b. wo ** das radierte snccessori ergänzt und der 

König Lndowicna genannt ist. 

t 

D. Unter Bischof Arnold 876-888. 

No. ^. c. 880. Commntatio inter clericom Engilricum et laicnm Waltonem licentia Arnoldi Frigi- 

singici epi. 

In Dei nomine placnit Arnolde laadabili Frig. ecclesie epo petitione Engilrici clerici, sni ser- 
vi legitimi, nee non Waltonis laici domnsque Dei tribntarii qaandam commutationem inter eos ex 
rebus ecclesi^ facere, sicut et cum sna licentia fecerunt suo advocato Heimherto committente. Dedit 
itaque predictus Engilricas cum advocato suo eidem Waltoni in loco Heidolfinga partera curtiferi nnius 
suis utilitatibus retinendam. Et e contra in reconpensatione hnius rei dedit prefatns tributarius eidein 
clerico in eodem loco de arabili terra equalem remensurative pattem Unde etc. 

Cod. com f. 70 v. 

No. 69. c. 880. 

R. Arnoldus eps unacum advocato suo Heimberto dedit nobili viro Griffoni in loco Echinaba 
de arabili terre iugera 9, et e contra prescriptus nobilis vir epo in eodem loco de arabili terra 
iugera 10. 

Cod. com. f. 88. 

E. Unter Bischof Waldo 884—906. 

No. 60. c. 890. 

R. Waldo eps cum advocato suo Jacobo dedit nobili viro Hiltiperto ad Cbadalesdorf cnrti- 
femm unum, et e contra idem nobilis vir eidem epo in eodem loco tripliciter. T. per aures tracti: 
Ruodperht, Helmperht, Alprih, Cundhart, Erchanfrid, Isolt, Ruodheri, Hartperht, Verin, Hadirili 
Eckihart, Pernhart. 

Cod. com. f. 92 v. 

No. 61. 892. 4|X- Traditio Mura et Divpodorf. 

R. Arnolfus rex concedit cuidam foeminae Irmburcli in beneficium filiomm suorum Adalperti et 
Caganhardi res in pago ad Pergon, 2 hobas in Mura et 1 in Divpodorf. Data IV. Non. Octb. 
DCCCXCII indict. X, anno vero V regni domni Amolfi regis. Actum Lentinchovon. 

Chonr. sacr. f. 98 v. Cod. Fris. No. 189 f. 30 v. Abg. M. B. XXXI. a. p. 142. No. 69. 

No. 62. 903. Commutatio Waldonis epi et EngilfridiJB nobilis viri. 

In n. Dni Dei fterni. Notnm sit cunctis s. Dei ^cclesi(^ fidelibns, qualiter ven. Waldo eps et 
Engilfrid nobilis vir inter se oomplacitaverunt et aJternam traditionem fecemnt ob compendium utriasqne 



21 

Tradidit eDim idem nobilis vir ad domnm s. M. per mannm epi et advocati sni Jacobi proprie- 
tatem suam ad Tagolfingnn, quam illi regia largitas concessit; id est hobas 8 et insuper omnia prata 
ad cas pertinentia, nee non et mancipia oinnia preter 5 atqoe concta intrinsecus et forinsecas, qa^- 
Sita et adquirenda, ea scilicet ratione, at quendam locnm sibi oportnnum ab eodem acciperet epo. 
Qaapropter eps et advocatus suus Jacob de iure domus Dei ob recompensationem supradietarnm remm 
tradidenuit eidem nobili viro ad Wiware cnrtem cum aedificio cuncto atqae hobas 2 et prata omnia 
ad eas pertinentia, necnon mancipia 10, ceteraqne illnc pertinentia Insaper vero annnatim accipere 
debet ab epo eiusdem loci poledrum 1 et vini carradam 1. Gomplacitatio ita facta est, ut proprietas 
ad domnm Dei tradita statim illnc inconvalse maneat. Hoc vero, quod de domo Dei Engilfrid acce* 
pit, ipse et filias eins Engilfrid usqne in flnem vit^ sn^ teneant. Postea vero ad domum Dei perraa- 
neat. Actum ad Frigisingas anno Dni DCCCCIII, {ffino epl Villi (X Villi) feliciter amen. Isti sant 
testes per anres tracti: Sigimot, Atto, ürolf, Arnolt, Cozperbt, Caginhart, Asperht, Heimperbt, Nothart. 

Cod. com. f. 107 et f. 249 v. Chonr. s. f. 99 y. ohne Zeagen. Des Bischofs Begierungsjahren fehlt 
überall X. 

F. Unter Bischof Dracliolf 908-926. 

No. 63. c. 910. Commatatio Dracholfi epi et Diotharti nobilis viri. 

R. Diothart nobilis yir dedit proprios seiTos Bihman et Engilhart nominatos in manos Drac- 
holfi epi et advocati sni Eramberti. 

Cod. com. f. 242 y. et 243. Durch zwei Seiten geschrieben, unvollendet. 

No. 64. 918 21 {IV. Chonradi regis confirmatio pacti inter Dracholfam epam et abbatem et fratres 

Monasterii Schwarzacensis. 

In n. s. et ind. trinitatis. Conradus divina favente dementia rex. Noverit omnium fidelium 
nostrorum, presentinm scilicet et futurorum, industria, qualiter quidaro yen. et fidelis noster eps 
Dracholfus nostrum adiit serenitatem, narrans, ut quaedam proprietatis suae loca pro remedio animae 
suae haberet tradita ad coenobium Swarzacha appellatum. Haec sunt nomina locorum istorum Ger- 
lachshausen, Weiyolt, et dimidiam partem ad Stockheim, et Lanckheim et Fenrbach, et Castimallesdorf, 
et Seiinsdorf et yineas duas ad Nordheim. Et e contra ipse acciperat haec loca Hetzelheim, Hitten- 
beim, ut ad dies yitae suae potestatcm baberet, praefata suae proprietatis loca et ista loca habere. 
Post obitum vero snum firma constare ad praefatum monasterium. Rogans etiam nos, ut aliquam 
firmitatem conscriptionis de hac rc, et de illis locis, quae ad vestitum et amictum fratribus in eodem 
monasterio Deo servientibus* fieri praecepimus. Haec sunt nomina locorum, quae ad yictum et vestitum 
ipsorum fratrum pertinent : Tullstatt et quae ad hoc pertineut , et ad Stadelon, et ad Wisenheida, et 
ea, quae ad ea pertinent, cum vineis et silvis, Nos vero hoc benigne suscipientes pro eins ipsorum 
fratrum, et, ut ulterius idem epus in nostra consistat fidelitate, commendando ipsi donavimus potes- 
tatem de bis rebus causa meliorandi, ita ut nuUus rex vel aliqua dominationis persona successorum 
nostrorum potestatem habeat, de illis rebus aliqoid minuere. Inde istam commendationis chartulam 
iussimus conscribi, per quam volumus firmiterque praecipimas, quatenus praefatus epus de istis rebus 
firmam habeat potestatem Hd dies vitae, post obitum vero suura. sicut nntiquitus constitutum est. Et 
ut haec chartula firma permaneat, manu nostra eam subtas firmavimus et annulo nostro sigillari 
iussimus. Signum Dili Conradi serenissimi regis. Salomon concellarius ad vicem Piligrimi archica- 
pellani recognovi. Data XI K. Maii anno dominicae incarn. DCCCCXVIII indictione V. Anno vero 
regni serenissimi regis Conradi VII. Actum apud Franconofurt in Dei nomine feliciter. Amen. 

Aus dem Chronicon Schwarzacense abg. bei Ludewig Script, rer. German. II p 12. 



22 



II Abschnitt 



Erörterungen. 

1. Die Bischöfe von FreMng in der Karolingischen Periode. 

§ 1. 

Bischof Atto 784—811. 

Bischof Atto soll nach der gewöhnlichen Annahme aus dem Edei- 
geschlechte von Eienberg, Ober- und Unter-Kienberg in der Pf. Allers- 
hausen in dem unteren Glonthale L. Freising, entsprossen sein. 

Als er bereits Abt von Schlehdorf ist, übergibt er am 18. August 
772 Erbgüter in Kienberg, welche ihm von Anulo und dessen Sohn 
Oadalker auf Lebenszeit übertragen worden waren, dem Willen der 
Stifter gemäss zum Dome von Freising ^). Er mag hiernach wohl ein 
Verwandter der Schenker gewesen sein; denn häufig werden zu Stif- 
tungen bestimmte Güter Verwandten aufgetragen. Ebenso möglich 
bleibt aber, dass seine Stellung in der Kirche ihn für diese Uebertragung 
bezeichnete. 

Ob jener Anulo derselbe ist, welcher zum Geschlechte der Fagana 
zufolge der Urkunde vom 3. Juli 750 gehört^), ob sohin Atto selbst 
zu jenem bevorzugten Stamme gehörte, bleibt unentschieden, da der 
Name Anulo mehrfach vorkommt. 

Koch Sternfeld ^) glaubt dagegen den Bischof Atto zu jenem, an 
der Glon sowohl als am Gebirge und im Innthale reich begüterten Ge- 
schlechte der Otilo und Üroso, der Gebrüder Reginpercht und Irminfrid 



1) Uereditatem, quam commendaTerunt ad Titam mcam Anulo et filios ejus Oadalker — das erste 
Mal; hereditatem, quam tradidit mihi Oadalker et genitor ejos Anulo — das iweite Mal. — Cosroh^s 
cod. f. 185 u. 160. Meich. I. 75 und 76. Agilolf. Urk. No. 47 et 48, Abb. der bist. Cl. der 
K b. A. d. W. XII. p. 201. 

2) Agil. Urk. No. 7. Meich. No. 49. 

3) Koch Sternfelda Reich der Longobarden p. 140. 



23 

und ihrer Verwandten rechnen zu dürfen, welches die Klöster in der 
Scharnitz und dann in Schlehdorf noch in der Zeit der Agilolfinger 
gegründet hat. 

Eine urkundliche Andeutung hiefür wäre wohl nur darin zu finden, 
dass jene Gründer einem Zweige der Huosier angehört haben dürften, 
unter den Huosiern aber im Jahre 791 ein Oadalker eine hervorragende 
Stellung einnimmt^). Doch auch hier ist über das Bereich der Ver- 
, muthungen nicht hinauszukommen, da in den erhaltenen Urkunden allein 
schon drei Oadalker sich finden. Söhne eines Anulo, eines Cello und 
eines Reginpald. 

Eine verlässige Feststellung der Abstammung Atto's dürfte bei 
solcher Sachlage unmöglich erscheinen, immerhin aber derselbe un- 
zweifelhaft aus einem inuländischen Edelgeschlechte hervorgegangen 
sein, wodurch nach Sitte der Zeit seine hervorragenden Geistesgaben 
und damals so seltene Schriftgewandtheit zur Geltung gelangten. 

Bereits Priester tritt er in den erhaltenen Urkunden als Schrift- 
führer am 3. Juli 750 bei Regelung der Gränzen der Domgüter Erching 
und Föhring am Freisinger Moore ein, welche Bischof Joseph in Gegen- 
wart des jugendlichen Herzogs Tassilo unter Zuziehung der Geschlechter 
der Agilolfinger und der Fagana zu Deoinga, Ober- oder Niederding im 
L. Erding, veranlasst. Im Jahre 768 ist er Abt des Klosters in der 
Scharnitz, und empfängt im Jahre 769 von dem in freudiger Stimmung 
aus Italien zurückkehrenden Herzoge zu Botzen für sein bald nach 
Schlehdorf verlegtes Stift die wichtige Besitzung Innichen in Tirol,. 
welche er später mit zum Domstifte Freising zog, dem sie bis zum 
Jahre 1803 verblieb. Noch in den Jahren 772 und 776 führt er, bei 
dem Herzöge zu Altötting verweilend, die Feder bei der Uebernahme 
von Stiftungen für Kloster Mondsee und für sein eigenes Kloster, bis er 
im Jahre 782, wie es scheint, durch das besondere Vertrauen des Her- 
zogs zur Leitung der Diöcese Freising bei einer, wie immer eingetre- 
tenen Verhinderung des Bischofs Arbeo berufen wird. 



4) Et tunc congregati faernnt Hosi apad Loraha . • et non potnerant se coadunare . • et dicebant 
Ejoni presbitero Oadalker et Beginhart et Nibnlnnc*. Cozr. f. 173. Meich. No. 129^ 



24 

Seine Tbätigkeit als Bischof zu schildern, ist dermal nicht Aufgabe, 
wohl aber haben wir uns bezüglich der Zeit seines Todes Ober die Er- 
gebnisse der Urkunden auszusprechen. 

Einig sind alle Aufzeichnungen über den Todestag: es ist der 
27. September, womit auch der neuerdings verglichene Nekrolog von 
Scheftlarn im Einklänge steht ^). 

lieber das Jahr des Todes weichen die Quellen ab, da einige 810, an- 
dere 811, selbst 812 nennen. Meichelbeck, der Geschichtsschreiber 
Freisings, entschied sich für 810, und ihm folgten die Neueren. 

Uns scheint jedoch mit Unrecht. Es stehen Urkunden gegen Ur- 
kunden. 

Bischof Atto ist es, der nach ihnen die Stiftung eines Einhart zu 
Prunnom, Schönbrunn L. Dachau, entgegen nimmt: actum VI K. Aprilis 
anno gloriosi imperatoris Karoli Augusti XI indictione IV — am 
27. März 811. 

Er ist es, der von dem Edlen Rifwin dessen Drittheil von Aotinga 
an der Semita, Kirchötting L. Erding, und Purgreini, Burgrain L. Haag, 
gegen Puch im Westergaue, Buch am Bnchrain L. Erding, erwirbt : anno 
qnadragesimo tertio Dni Karoli et imperii eins XI, indictione IUI, die 
Villi K. lunias — am 24. Mai 811. 

Die Zahlen sind sämmtlich im Einklänge, das zweit« Mal, wo der 
Nachfolger Hitto als erster der Diaconen Zeuge ist, überdiess zum Theil 
in Buchstaben ausgedrückt 6). 

Derselbe Schreiber, welcher die erste dieser Urkunden fertigte, der 
Diacon Tagapert, hat aber vier weitere, in Cozrohs Handschrift un- 



5) kvLch das von DQmler aus Jaffe^s Nachlass herausgegebene Freisinger Todtenboch Cod. Bibl. 
Monac. lat. No. 100 — welchem aber eine Jahrzahl hier nicht beigefügt ist. Forschungen 
zur Deutschen Geschichte XV. p. 164. 

6) Cozroh f. 120 v. n. f. 141 ▼. Meich. No. 174 und 284. Der Tausch Rifwins wird später — 
X K. Sept. eines nur durch die Indictionen bezeichneten Jahres — yom Kaiser Ludwig dem 
Frommen zu Aachen, wie die Herausgeber in den M. B. annehmen 816, wo der Kaiser zu dieser 
ZeR dort verweilte und die Indiction einfallt, bestätigt Es ist auffallend, dass hiebei dem 
Namen des Bischofs nicht bonae memoriae oder Aehnliches beigefügt ist, nachdem er zur Zeit 
der. Bestätigung jedenfalls verstorben war. M. B. XXXI. a. p. 34. Im Abdrucke bei Meich. 

' P. instr. No. 478 fehlt die Indictio IX, welche im Cod. No. 189 des Beichsarchives nach der Lücke 
fQr das Begierungsjahr Kaiser Ludwigs sich findet. 



25 

mittelbar folgende Urkunden aufgezeichnet, in welchen es Bischof Hitto 
ist, der Schenkungen des Diacon Swidhart und seiner Mutter Kerlind* 
zu Anzing, L. Ebersberg, des Priesters Cundhart und seines Neffen, des 
Diacon Liuthram* zu Perke, Berg am Laim nächst München rechts der 
Isar, Villi K. Majas — am 23, April — der Purcson* zu Feohte, 
Grossviecht Li Freising, Nonis Majas — am 7. Mai — dann eines 
Deotcoz zu Rich^eshusun, Reichertshausen L. Moosburg, pridie Idus 
Junii — am 12. Juni — sämmtlich derselben Jahresbezeichnung: anno 
gl. Imperatoris Karoli Augusti XI indictione III, empfängt*^). 

Die Anzahl der betreffenden Urkunden vermag hier ein Gegenge- 
wicht unmöglich zu bilden. Beide Reihen sind nicht zugleich richtig. Innere 
Gründe müssen darüber entscheiden, welcher Abtheilung überwiegende 
Geltung zukomme, welche dagegen einen Irrthum birgt, dessen Berich- 
tigung Erforderniss wird. 

Es fällt nun bei näherer Würdigung sogleich auf; dass in der 
zweiten Reihe, in den 4 Urkunden jedenfalls ein Fehler unterlaufen 
ist: die angegebene Regierungszeit des Kaisers bezeichnet nämlich das 
Jahr 811, die Indiction III aber gehört dem ganz unmöglichen Jahre 
810 an. 

Eine Correctur ist daher ganz unvermeidlich, und wir schlagen 
vor bei den vier Urkunden der letzteren Reihe sie bei beiden Ziffern 
vorzunehmen, und annus Imperatoris XII und Indictio V zu lesen, wie 
der Schreiber Tagapert sie bei der in Cozrohs Handschrift weit früher 
eingetragenen Urkunde vom 26. September 812 ganz richtig zu- 
sammenstellte^). 

Zu dieser Verbesserung berechtigt uns überdiess eine weitere Ur- 
kunde, die einzige, welche, soweit bekannt, auch die Regierungsjahre 
des Bischofs zählt. 



7) Cozroh f. 187-190 Meicb. No. 287-290. ^ 

8) Meich. No. 292 bei Cozroh f. 87; dagegen No. 287—290 Meich. bei Cozroh t 187—190. In 
der Indiction irrt Tagapert oder der Abschreiber äusserst oft, wie gleich die folgenden Nummern 
bei Meich. 293, 295 bis 301 zeigen. Bei No. 296 dagegen IUI K. Oct. ao gl Imp. K. XIIII 
indictione VI kann nur die Indiction richtig sein, welche dem Jahre 813 entspricht, wahrer.! 
im September 814 Kaiser Karl längst Terstorben war. 

Abh.'d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abtb. 4 



26 

Wolfheri gibt von seinem Vater Cozperht ererbte Güter zu Zollinga 
und Haga, beides L. Moosburg, zum Dome. Wiederholt hat er die 
Schenkung versprochen und vollzieht sie dann in feierlichster Weise 
durch Uebergabe eines vom eigenen Baume abgeschnittenen Zweiges. 
Diese sorgftltig gefasste Urkunde scbliesst: actum est haec anno incama- 
tionis dni nri Ihn Xpi DCCGXXV. XI K. Majas indictione III anno 
glor. Hludowici Imperatoris XII et Hittonis £pi XIIII. Scripsi autem 
ego Tagipertus indignus pbr haec cartulam iussione Hittonis Epi^). 

Alles ist in vollem Einklänge. Tagipert, nun Priester, hat sich in 
keiner der Zahlen geirrt, die Regierungsjahre des Bischofs Hitto aber 
entsprechen dem Regierungs- Antritte im Herbste des Jahres 811 oder 
den ersten Monaten des Jahres 812. Er hat zwei Jahre vor dem zu 
Ende Jänner 814 zum Throne gelangten Kaiser den Bischofsstuhl 
bestiegen. 

Wir erachten hiemach im Einklänge mit den Urkunden nur die 
Annahme als richtig, dass Bischof Atto am 27. September des Jahres 
811 verstorben ist. 

§ 2. 
Bisohof Hitto 811—835. 

Worauf die Annahme beruht, Bischof Hitto stamme aus dem Edel* 
geschlechte der Möringer von Hopferbach, ist unbekannt^). Die Mo- 
ringer von Hopferbach, einem Pfarrdorfe im Bayrischen Landgerichte 
Ober-Günzburg, gehören Schwaben an. Der Geschichtschreiber Freisings, 
Meichelbeck, spricht sich mit Entschiedenheit dahin aus, dass Hitto der 
Abstammung nach ein Bayer war, und Ritter von Koch Sternfeld glaubt, 
noch näher bestimmend, ihn zu dem berühmten Geschlechte der Hiiosier 
zahlen zu dürfen^). 

Diese Ansicht hat denn auch hohe Wahrscheinlichkeit für sich, 
obwohl ein urkundlicher Beweis kaum vollständig gelingen dürfte. 



9) M. No. 492. 

1) Eine Aodeiitimg werden wir bei dem Nachfolger, Bischof Erchuibert, zu geben Aalass finden. 

2) Meich. I. 100. t. Koch Sternfeld in den Akad. Abh. der hist. Classe B. VII (1853) p. 220. 



27 

Um das Jahr 800 ist im Streite um die Kirche P'orahheida, Far- 
chant L. Werdenfels , unter den wenigen Zeugen mit den bekannten 
Huosiern Reginhart, Nipolunc, Oadalker auch Hitto. 

Hitto ist eines Reginharts Sohn, der mit dem Abte Meginhart von 
Tegernsee und Gundhart, wohl seinen Brüdern, den Ort Huckinperc, 
Huppenberg L. Tölz, in den folgenden Jahren zur Domkirche schenkt^). 

Um jene Zeit erscheinen mehrere Grafen Qundhart und Reginhart; 
aber da die Grafenwürde, damals noch Amtswürde, nicht jederzeit bei- 
gefügt, Beziehungen zum Besitze aber selten sind^ bleibt die £inreihung 
in die Edelgeschlechter schwierig. Jedenfalls ist hier ein reichbegütertes 
und durch seine Verbindungen mächtiges Geschlecht in Frage, 

Derselbe Hitto ist es wohl — der Name tritt mehrfach auf — 
welcher^ noch Laje, eine Schenkung in Petinprunnin, Pettenbrunn in 
der Pf. Haindlfing, L. Freising, vollzieht; welcher als Diacon ein Erb- 
gut in Hlaginpach, Langenbach Dorf, Pf. Hummel L. Freising^), zum 
Dome gibt — Graf Liutpald ist der erste Zeuge, unter den letzten £r- 
chanpercht, wohl Hitto's junger Verwandter, welcher später sein Nach- 
folger im Bisthume wird^). 

Isangrim, der einen Theil seines Selilandes, Herrenguts, zu Hiruzpach, 
Hirschbach in der Pf. Kirchdorf L. Moosburg dem Dome widmet, wohl 
derselbe, der im Jahre 791 unter den Huosiern zu Lorch sich befindet, 
wird ein Verwandter des Bischofs genannt®). 

So scheint denn die angesehene Verwandtschaft neben den aus- 
gezeichneten Geistesgaben von grosser Bedeutung gewesen zu sein, als 
Hitto nach dem Tode des Bischofs Atto zu Ende des Jahres 811, ob- 
wohl noch nicht zur Priesterwürde gelangt, zu dessen Nachfolger be- 
stimmt wurde. 



3) Meicb. No. 176. 206. 

4) Die Annahme Freudensprungs, dass Hlaginpach, Laginpach, der Weiler Xainbach in der Pf. 
Allershausen sei, vermögen wir nicht mehr fest zu halten, seitdem noch vor dem Jahre 1000 
für Letzteren der Name Leimiginpach sich nachweist und zu den zahlreich, mit der Beengt- 
heit jenes Weilers unvereinbar vorkommenden Besitzungen noch die Theilung in Niderunlagen- 
pach tritt, welche wohl bei Langenbaeh, nicht hei Lainbach stattfinden kann. Vgl. Urkunden 
des X Jahrhunderts aus dem Bisthum Freising. Oberbajr. Archiv B. XXXIV Ortsregisfer. 

5) M. N. 72. 197. 

6) M. 192. 580. 

4* 



28 

Hitto blieb längere Zeit in der niedersten Stufe des geistlichen 
Standes, im Subdiaconate, er wird in einer Reihe von Urkunden, zu- 
letzt im Jahre 793, als Kleriker bezeichnet^). Am 8. Mai 794 ist er 
zuerst Diacon genannt^)^ und kömmt als solcher nicht nur im Jahre 
des Todes des Bischofs Ätto, sondern auch nach dessen Ableben in 
einer vor der Wahl des Nachfolgers aufgezeichneten Urkunde vor^). 

Als grosser Landeigenthümer zeigt sich Bischof Hittq, indem er zu 
Haholfeshusir eine Kirche auf dem vom Vater ererbten Grunde erbaut, und 
mit Beihilfe seiner Schwester Cotesdiu ausschmückt ^^J. Der ganze Besitz 
wird am 5. November 815 der Domkirche gewidmet, jedoch werden 
des Sohnes der Cotesdiu, Kernand, Ansprüche vorbehalten für den P'all, 
dass ein Sohn des eben in Italien Abwesenden in das Vaterland zurück- 
kehrt. Später wird die Besitzung Cotesdiu's Tochter Heilrat für deren 
Enkel aus der Tochter Perchta, Hitto, verliehen, welcher, nach dem Ur- 
grossoheim genannt, dem geistlichen Stande sich widmet, soferne der- 
selbe zur Priesterwürde gelangt. Bischof Erchanpert, welcher als Kleriker 
der ersten Stiftung beigewohnt, gibt im Jahre 845 seine Zustimmung 
an ungenanntem Tage ^^). 

Ueber die Lage von Haholfeshusir wagt Meichelbeck keine Ver- 
muthung, Freudensprung nimmt Hagertshausen , Weiler der Pf. Ober- 
lauterbach, G. Berg L. Mainburg dafür. Zwar fehlt dort zur Zeit eine 
KiFche; doch vermag ein Ortsname sonst nicht nachgewiesen zu werden 
und sind der Kirchen gar manche nach den Verheerungen der Ungarn 
nicht wieder aufgebaut worden. Weder der Cotesdiu, noch ihrer Tochter 



7) M. N. 182. 183. 186. 207. 208. 224. 259, zuletzt No. 111, bezügUch welcher die bei Meich. 
nicht gegebenen Zeugen bei Dr. Roth Eozrohs Benner p. 48 zu vergleichen sind. 

8) M. No. 112 deren Schluss in Cozr. Handschrift f. 96 v. lautet: anno XXVI regnante dno feli- 
cissimo rege Karolo. 

9) M. N. 238. 284. 

10) Es ist wohl die. Schwester des Bischofs Hitto jene Cotesdiu, welche im Yerbr&dernngsbuche Ton 
S. Peter in Salzburg eingetragen ist. 

11) M. I. 103 u. No. 701. Die erste Urkunde noch bei Cozroh f. 202 y. Die zweite obwohl Ton 
ihm selbst als Notar aufgenommen, nur bei Chonr. s. f. 95, und in Cod. commutationum f. 252 
V. Den Zeugen der ersten sind nach Wago noch Erchanperht cl., Sigahart cl. beizufügen. Die 
Zeugen der zweiten siehe nach dem Cod. com. im Anhange zu No. 701. 



29 

Heilrat Gemahl sind bekannt, nur der der Enkelin Perchta, welcher 
Willihelnn heisst. 

Heilrat aber die Tochter und ihr Sohn Kernand sind reich begütert 
an der unteren Glon. Sie gibt zum Dome am 21. März 834 Besitzungen 
an der Glon und zu Puch, früher in der Pf. Petertshausen, nun Jetzen- 
dorf, jG. Ainhofen L. Dachau, von welchen Kernand nach ihrem Tode 
Zins entrichten soll, und am 8. Febr. 842 solche zu Adalhereshuson, 
Allershausen L. JFreising, wobei Kernand nicht mehr genannt ist. 

Kernand ist am 22. Juni 814 erster Zeuge bei Vergabungen zu Reodir 
und Pettinpach, Ried Pf. Indersdorf und Langenpettenbach, L. Dachau, 
und empfängt zu Adalhereshusen das Wergeid für den erschlagenen 
Priester Hroadolf^^j. Er ist im September desselben Jahres mit Graf 
Liutpald und Domdecan Oadalpald zur Uebernahme der Schenkung des 
Priesters Eio und seines Bruders Alphart zu Holze, Holzen in der Pf. 
ZollingL. Moosburg, bestimmt ^^), Mit Reginhart und Cundhart zusammen 
ist er Zeuge der Pohsolaga, Puchschlagen L. Dachau, betreffenden Stiftung 
im October des gleichen Jahres ^^). Im Jahre 818 ist er, aus Italien 
zurück, am 15. Jänner Zeuge zu Pritilinpach , Prittlbach Pf. und L, 
Dachau, bei einer Stiftung mit Otmareshart, Ottmarshart G. Ried Pf^ 
Indersdorf, und noch 830 oder 831 Zeuge einer Stiftung in PuUinhusen, 
Pullhausen Pf. Pelheim L. Dachau'^). 

Bischof Hitto ist den ausgezeichnetsten Kirchen für sten beizuzählen. 
Unermüdlich durchzieht er Winter wie Sommer, die Gauen des Bisthums, 
mahnend, unterweisend, häufig neue Gotteshäuser weihend und zahlreiche 
Stiftungen für seine Kirche entgegennehmend, deren Sicherung in 
Urkunden er durch seinen Auftrag an Cozroh mit Sorgfalt anordnete. 
Ein übersichtliches Bild gewährt für seine späteren Regierungs-Jahre, 
was wir über die bischöflichen Notare geben werden. Sein Ableben er- 
folgte im Jahre 835 und ist im Schef tiarner Necrologe im Einklänge 



12) M. No 303. 576. 619. 

13) M. No. 302. Das Datum ist nach Cozr. f. 194 zu ergänzen : anno priroo Hludowici Imperatoris 
indictione VII. 

14) M. No. 304. 

15) M. No. 361. Zu unterscheiden ist wohl ein zweiter Kernand, der mehrmals am rechten Isar- 
ufer Zeugschaft leistet und noch im Jahre 850 am Lehen ist. 



30 

mit den von Gamansius erwähnten Aufzeichnungen zum 11. Dezember 
eingetragen ^^j. 

§ 3. 
Erchanpert, Bischof von Freising, Abt von Kempten 836 — 854. 

Der Name Erchanpert, Erchampercht, ist im IX Jahrhunderte 
ziemlich häufig, und die Verfolgung der Träger derselben durch die 
Urkunden nicht ohne Schwierigkeit. 

Meichelbeck zählt in seinem grösseren lateinischen Werke drei 
Erchanperte auf, welche um die fragliche Zeit dem Bisthume Freising 
angehörten', und spricht die Ansicht aus , dass einer derselben , der 
Bruder der Nonne Engilsnota, zum Bischöfe vorgerückt sei. In seiner 
,, Kurzen PVeisinger Chronica^' aber legt er den grösseren Nachdruck 
darauf, dass Erchanpert zugleich Abt von Kempten war, und in den 
Verzeichnissen jener Aebte als aus dem Edelgeschlechte der Möringer 
von Hopferbach hervorgegangen, eingetragen sei. 

Beide Ansichten sind unvereinbar, da die Möringer von Hopferbacli 
im L. Oberdorf Schwaben angehören, Engilsnota aber einem Bayrischen 
im oberen Glonthale begüterten Edelgeschlechte. 

Engils- oder Angilsnota's Vater Oazo hat die Kirche zu Rotapach, 
Rottbach L. Brück, erbaut, und schenkt sie mit seiner Gattin Cotania 
und dem ältesten Sohne Meiol um 780 bis 790 dem Dome zu Freising: 
die Cotania gibt von ihrem Vater ererbte Besitzungen zu Oasin wanc, 
lesen wang im selben Landgerichte, dazu. Der Sohn Erchanpercht, 818 
schon Priester, fügt 822 und 828 weitere Besitzungen bei, zu Ratinwege, 
wo er auch ein Bethaus erbaut (der Weiler Erdweg an der Glon G. 
Grossberghofen Pf. Walkertshofen L. Dachau) und zu Klana, wohl das 
obere Glon, Pf. und G* Baindlkirch, L. Friedberg; die Schwester end- 
lich die gottgeweihte Jungfrau Engilsnota 826 solche zu Sweinpach, 
Ober- und Ünterschweinbach im' oberen Glonthale in den Pf. Gfinzl- 
hofen und Aufkirchen L. Brück ^). 



16) Meich. I. p. 117. Zu jenen Aufzeichnungen kömmt nun auch das erwähnte von £. Dümlcr 
herausgegebene Freisinger Todtenbuch, welches die nachgetragene Jahreszahl DCCCXXXYI 
enthält, deren Irrigkeit bereits Meichelbeck nachgewiesen, Forschungen XV. p. 162. 
1) M. No. 175. 179. 439. 495. 531. 



31 

Was die Kemptner Abt-Yerzeichnisse betrifft, so hat schon Meichel- 
beck deren Unvollständigkeit und Üuzuverlässigkeit beklagt. Sie sind 
wohl, mit Ausnahme etwa der Namen, in den thatsächlichen Verhält- 
nissen auf gleichzeitige Aufzeichnungen nicht zurückzuführen^). Die 
Angabe der Abstammung des Abtes und Bischofs Erchanpert aus dem 
Edelgeschlechte der Möringer von Hopferbach möchte daher bei dem 
Streben im Mittelalter nach Anknüpfung an bekannte Adelsfamilien und 
Herstellung schöner Stammreihen für dieselben um so minder als werth- 
voll zu erkennen sein, als Stammreihen einfacher Edelgeschlechter bis 
über die Mitte des IX Jahrhunderts zurückzuführen, bei dem Mangel 
von Zunamen und der erst im XI Jahrhundert beginnenden Sitte der 
Beifügung der Edelsitze auch der sorgfältigen Forschung selbst dermal, 
wo der veröffentlichte ürkundenschatz weit umfassender ist, nur in 
seltenen Ausnahmsfallen gelingen mag^). 

Die Ansicht, dass* Bischof Erchanpert aus dem Domclerus des Bis- 
thums Freising hervorgegangen, findet dagegen in dem Umstände Be- 
kräftigung, dass er Verwandte innerhalb dieses Bisthums zweifellos besass. 

Wir treffen denselben bereits im Jahre 836 als Bischof von Frei- 
sing, erst nach dem Jahre 840 aber, in welchem Abt Tatto von Kempten 
am 13. August starb*), als Abt von Kempten*). Recht wohl mag Er- 
chanpert dem Könige Ludwig dem Deutschen, welcher ja seine Jugend- 
jahre grösstentheils in Bayern zubrachte, bei hervorragender Thätigkeit 
irgendwie bekannt geworden sein, was seine Wahl zum Bischöfe, über 
deren Umstände nichts bekannt ist, mächtig fördern musste. Abt von 
Kempten aber ward er zuverlässig, sei es durch Ernennung, sei es 



2) Meich. I. 119, vgl. jedoch II p. XIX. 

3) Schon Meichelbeck bemerkt, dass einer der Erchanperte jener Zeit ein Verwandter Bischof 
Hitto*8 — diess gab wohl Veranlassung auch Hitto zn einem M5ringer von Hopferbach zu 
erklaren. 

4) Er lebt noch 839 zufolge der Urkunden M. B. XXXI. 81. 83. 

5) Die Verleihung der drei zollfreien Salzschiffe beruht auf einer im Datum geänderten Urkunde, 
welche Kemptner Abschriften zu 844, das angebliche Original zu 859 stellen. Vgl. darüber 
M. B. XXXI a. 94, Stumpf Reichskanzler I. Note 250 zu p. 122 und Sickels Beitr. Sitz.-B. 
der Wiener Akademie B. 86 p. 381 und B. 39 p. 111, welcher die Urkunde auch zum Jahre 
844 stellt und das Datum später irrig nachgetragen hält. Eine gefälschte Urkunde mit B. 
Erchanpert als Abt von Kempten M. B. XXXI a. 38G. 



32 

lurch Wahl, nur durch ein entscheidendes Fürwort des Königs, da ohne 
olche Dazwischenkunft die Vereinigung kirchlicher Würden der Art 
egen die kirchlichen Regeln nicht zu Stande kam. König Ludwig 
latte nach dem Tode Kaiser Ludwig des Frommen von Seite der Grossen 
Llemanniens, welche der Unterstellung unter Kaiser Lothar günstig 
raren, Widerstand gefunden, und bedurfte in jenen Gegenden verlässiger 
länner. Diess mag zur Bestellung des Freisinger Bischofs Erchanpert 
um Abte von Kempten Antass gegeben haben^). Dass der Bischof zu 
,en angesehensten, mit dem Vertrauen König Ludwigs beehrten Kirchen- 
Qrsten 'gehörte, geht auch daraus hervor, dass er unter jenen Grossen 
es Reiches sich befindet, welchen im Jahre 843 die Theilung des 
'rankenreiches unter die drei Söhne Kaiser Ludwigs bei Verdun über> 
ragen war, wie er denn auch Zeuge der Verleihung eines Fürstenthumü 
a Pannonjen an den Slawen Priwin am 12. October, wahrscheinlich 
148, zu Regenaburg ist^J. 

Wir vermögen daher die noch in neuerer Zeit festgehaltene Ab- 
tammung Erchanperts von den Möringern von Hopferbach ^) nicht als 
legründet anzuerkennen, lieber seine Verwandten im Bisthum lässt 
ich vielmehr Folgendes nachweisen. 

In der Stiftung» -Urkunde eines gewissen Ermpercht vom b. Juni 
140 wegen einer Waldung bei Cella, Preinerszell unfern Haushausen L. 
*faffenhofen, werden die Neffen des Bischofs genannt: der Subdiacon 
leginpert und Anthelm^). 

Es sind die Söhne Piligrims und der Alta. Piligrim tritt sehr 
läufig als Anwalt des Bischofs auf und kömmt vielfach in Urkunden 
er. Er schenkt mit seinem Sühne Reginpert am 19. Juli 827 Güter zu 
^dalheresbusun, Chiemperc, und Keode, AUershausen, Kienberg und Ried 
)ei Indersdorf, wobei eine Schwester Sicca mitwirkt. Mit seiner Gattin 
Uta gibt er im Jänner 851 weitere Güter zu Clana, hier das untere 



6) Vgl. HaggeamälleT Geacbichte von Kempten I. 2d. 

7) Dümler sQdöstliche Marken im Archiv fQr Kunde Osten. Geflchicbteqnellen X. 3S. 

8) Banmg&rtner Geschichte der Stadt Freifiag and ihrer Bischöfe p. 44. Dentinger Beiträge I- 
16 pp.' HaggenmGller 1. c. 

9) M. No. 608. Es M zq lesen anno: ine. Dni DCCCXL. fio Cozroh f. S84 v. 



33 

Glon, Pf. Indersdorf^ und empfängt dagegen Lehen, Mühle und Güter 
zu Slipfes, Schlipps Pf. Hohenkammer, welche alle der Gattin auf Lebens- 
dauer verbleiben sollen ^^J. Auch stellt er dem Bischöfe Erchanpert 
in dessen letztem Lebensjahre die Güter zurück, welche sein Vater 
Cot-apercht zu Otmareshart, Ottmarshart Pf. Indersdorf, zum Bisthume 
gegeben hatte. 

Sämmtliche, zum grossen Theil schon früher genannte Orte liegen 
im untern Glonthal in den LaQdgerichten Dachau und Freising. Es ist 
dieselbe Gegend, es sind die Orte, wo wir die Schwestertochter des 
Bischofs Hitto, Heilrat, getroffen, und Piligrim ist der erste Zeuge, der 
nächste anwesende Verwandte bei der Stiftung jener Matrone Heilrat ^^). 

Die nahen Beziehungen Piligrims zu Bischof Hitto treten auch da- 
durch hervor, dass Hitto den Bruder Piligrims Oadalker zur Taufe ge- 
hoben und ihm Besitzungen zu Ottmarshart zu Lehen gegeben hat/ 

Allein nirgends findet sich ein Zusatz, welcher das verwandtschaft- 
liche Verhältniss dieser Personen mit Bischof Hitto aufklärt oder mit 
Bischof Erchanpert näher angibt. So dürfte eher zu vermuthen sein, 
dass die seltener genannte Gattin Piligrims, Alta, eine Schwester des 
Bischofs, als dass er des Bischofs Bruder gewesen, zumal von Piligrim zwei 
Brüder Oadalker und Hadupercht bekannt sind ^^). Piligrim und Hitto 
möchten dagegen auch im Mannsstamme verwandt gewesen sein. 

Kann aber auch das Verwandtschafts- Verhältniss urkundlich nicht 
klar gestellt werden, so lässt sich dasselbe zwischen Hitto und Erchan- 
pert doch noch näher begründen. Es liegt uns zu diesem Zwecke ob, 
auf die schwierige Erforschung der Identität des Bischofs Erchanpert 
mit einem der gleichzeitig mit ihm vorkommenden Gleriker dieses 
Namens einzugehen. 

Was zunächst den Bruder der Nonne Engilsnota betrifft, so kommen 
die bekannten zahlreichen Verwandten beider unter den eben aufge- 
zählten Verwandten und Verschwägerten Bischof Erchanperts nicht vor. 
Bei den vielen Stiftungen der beiden betheiligten Geschlechter und bei 



10) M. No. 510. 627. 673. 698, dann No. 82 der Abth. I. 

11) M. No. 619. 

12) M. No. 313. 359. 361. 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XUI. Bd. I. Abth. 



o 



4 



den stets zahlreich beigezogenen Zeugen ist diess so aufiPallend, dass 
ein nahes Terwandtschaftliches Verhältniss zwischen den beiden Fami- 
lien nicht angenommen werden kann. 

Ein zweiter den betreffenden Gegenden angehöriger Erchanpert ist 
der Sohn Umplod's, gleichfalls Priester, welcher mit seinem Vater Güter 
zu Chamara, Peihhinhusir und Uorskinhusir, Hohenkammer, Bachen- 
hausen und Herschenhofen in der Pf. Hohenkammer'^) schenkt, alles an 
Glon und Amper im L. Freising. Allein er ist im Mai 826 schon ver- 
storben, wie die Erneuerung jener Stiftung durch seinen Bruder Eccho 
zu jener Zeit nachweist'*). 

Mit hoher Wahrscheinlichkeit darf dagegen angenommen werden^ 
dass Bischof Erchanpert der Sohn jener Liutpurg ist, deren Stiftung 
zuerst vollständig in unseren Bayrischen Urkunden aus der Zeit der 
Agilolfinger unter No. 11 des II Anhanges zum Abdrucke gelangte'^). 

Liutpurg schenkt mit ihrem ältesten Sohne Isangrim um 790 für 
ihr, ihres Gemals und ihrer Kinder Seelenheil die Kirche, zwei Anwesen 
und die Hälfte 'des Landes zu Holzhusir, wohl eher Wester- als Kreuz- 
holzhausen, beides Pfarrdörfer L. Dachau, ersteres aber im Glonthale, 
zum Dome. Dabei werden Oadalperht, wohl der verlebte Gatte, dann 
Liutrat, Reginolf, Ellangrim und Erchanperht als Kinder genannt. 
Liutrat gibt später ihren Antheil auch zum Dome und Isangrim ver- 
kauft seinen Antheil an Holzhusir gänzlich an Bischof Atto. Priester 
Eio, der bekannte Huosier von Awicozeshusir, Haushausen L. Pfaffen- 

hofen, ist hiebei erster Zeuge**). 

« 

Es ist wohl derselbe Isangrim, welcher als Vetter des Bischofs 
Hitto bezeichnet wird, als er in Jahre 821, wie bei Bischof Hitto er- 
wähnt ward, einen Theil seines Herrengutes zu Hiruzpach, Hirschbach, 
zur Martinskirche zu Neritinga, Nörting, beide in der Pf. Kirchdorf L. 



13) Hirschenhaosen an der Um, läge wohl nicht ferne; doch dürfle hier ein Wechseln zwischen 
hausen und hofen, wie in jener Zeit öfters, anzanehmen sein. Vgl. Bern. No. 16 zum geogr. 
Beg. za den Agil. Urk. A. Ahh. XII. 288. 

14) M. No. 175. 497. 

15) A. Ahh. XIII. 219. (75). 

16) M. No. 129. 228. 273. 



35 

Hoosbarg, gibt, und daselbst am 28. April begraben wird''). Priester 

ßrchanperbt, der jüngere Bruder, ist hiebei zweiter Anwalt des Bischofs 

flitto, Priester Erinperht erster der Zeugen, Reginperht, erster der 

öach Bayrischer Sitte am Ohre berührten, dieselben Personen, welche 

*ö der Urkunde vom 5. Juni 840, aus welcher die Neffen Bischof 

^i^chanperts bekannt sind, handelnd auftreten. 

Dass hier auch eine weitere, ledige Schwester Eilanswind genannt 

^^-^^d, Alta aber und ihr Gemal Piligrim nicht, dürfte nicht beirren, da 

*^ im Jahre 790 noch nicht mündig gewesen sein mag, Piligrim aber 

^^t^h seinen Sohn Reginpert vertreten ist, so ferne nicht etwa in dem 

^T^ten Zeugen vom J. 821 ein gleichnamiger Oheim bei dem zahlreichen 

Vorkommen des Namens sich verbirgt. 

Im Einklänge hiemit steht, dass Bischof Hitto selbst am 30. April 
625 einen Erchanpert, sohin wohl zweifelsohne den Bruder Jsangrims 
als seinen Neffen bezeichnet, welchem er die dem Domstifte gewid- 
meten, von Abt Adalmann erkauften Güter zu Azzalinga, Anzinga und 
Holze, Assling, Anzing und Holzen L. Ebersberg auf Lebenszeit zur 
Nutzniessung überlässt ^®). 

Die nahe Verwandtschaft der Bischöfe Hitto und Erchanperht 

kann hienach als feststehend erachtet werden, obwohl das verbindende 

^iied nicht mit voller Bestimmtheit bezeichnet zu werden vermag ^^). 

Nach den urkundlich dargelegten Beziehungen können beide 

Bischöfe mit gutem Grunde dem ausgedehnten Stamme der Huosier 

zugezählt werden^). 

Bischof Erchanpert trug grosse Liebe zu seinem Neffen Reginpert 
^öd Anthelm. Als er auf jener Zusammenkunft der Söhne Ludwig des 



17) 



18) 
19) 



%) 



Jtt^. No. 580. Das unvollständige Datum DCCCI steht aueh bei Cezrob, doch ist seine Ergän- 
zung mit XX zweifellos, nachdem Cozroh die Urkunde als die letzte zum VIII Regierungs- 
«^^hre Kaiser Ludwigs f. 278 einreiht, sohin zum Jahre 821, womit auch die Indictio XIV 

immt. 

. N. 480. 

lieh Dümler in seiner Geschichte des ostfr. Reiches erkennt sie an II. 687 N. 38. Wig. 

undt nennt in seiner Metr. Sal. I. 103 (Münchner Ausg.) Erchanpert nepos Hittonis ex fratre. 

t diess richtig, so sind Hitto und Oadalpercht, der wahrscheinliche Gemal der Liutpurg 

atter Isangrims und Erchanperts, Brüder gewesen. 
V"gl. M. No. 129. 599. 661. 693. 

5* 



36 



FromoM-s r« üar Znmc^cnft aäcksC V«ria:;-i ca i-:-^ Pfund Gold, 
eine daji.ii[:$ «bit 'i0Hiaaraa»it± ia-nme, as d^ti *]r?acjeQ feines Bisthams 
von c«?:. &£fgL ^-kkilrzÖL h& werlAa£g<e& £e«:4z::zigRi Taanan, Helid- 
kereifL*Lfir. ''ilffluiuia'^^ i:iii M^nüiiipäh — T&r.iefm Hilkertshaosen, 
KleeSbL T^ii rin«?9L:ac3. :=i rjn-i3eb:ete in dec Lsci^erichtoi Aichach 
rri SirLr:«i#ffl ia.i>yea 13. 22. A^z^isl 543 ran^>»>, rerlieh er alles or- 
yiTtT:r:»ia äen äcbics. X^ren aof Lebensdaaer. Der Name Anthelm 
L«c :i i^c Crki- itü-Act-iiirifu-:: aa;?radir: und Barlnciert, der Diacon« 
k}^^jl\ aVrr fz. ies Besitz g?&k : cEmien n aein. Aber zoerst standen 
rre Nacier, T;i.i üe oriLTficie, beide Xeffeo beaeicimenie Zahl ist in 
BedvoiTSec crk.enz::li2& ^'^b lieben« Anthelnu der a:^ch nach dies^* Zeit 
roch zTALiiMdL T:rk:s::nt, scheint nicht in d«i geistlichen Stand ge- 
treten x= sein, oisr ist vohl son^tvie entschldigt vorien^^i. 

I>e§ r.i?*?h:ts T:-denag wird nach Meichelbeck rerschieden ange- 
^eciec: d^sr 1. Aurnst oder der II. Jänner in den Jährm S53 bis 855. 
*xeg»Q Enie Febr ;ar S55 ist der Nachfolger Anno als Bisehof be- 



Da* N*crcl:.? ron Scheftlam verzeichnet ihn zum 1. August. Es ist 
l^^rir i^L Einklänge auch mit dem von EKiailer heraasgegebenen Frei- 
cr.Z'sr T>itenbache, welches den ein Jahrhundert spater beigefügten 
Z:.ia£z: LOICLIIII «ithalt^. Cm so mehr ist hiedurch sttn Tod am 
L Hz^^z ^54 festgestellt« als von da bis zum Februar S55 genagend 
Zea ftr jene Vorgänge verbleibt, deren bei dem Antritte des Nachfol- 



deomach auch Neuere an dem 11. Jänner S54 als Todestag 
fe?tialtr-n, il^^e genugende Begründung nicht vorliegen -^l 



^ X N, St. 

Faai!3a iriiüirL IL VO a^ Grxad i« ah«i CiL IV:*ii^* i»f»ii:xnr t 1. licvt ^^ Dem 
iru Vrl Aiil^Il Crk. 3ai ?. Ir?^ .:ÄV 



r 



37 

§ 4- 
Bischof Anno 855—875. 

Bischof Anno ist zufolge des Eingangs der Urkunde vom 17* März 
855 durch Volkswahl, welche König Ludwig der Deutsche genehmigte^ 
auf den bischöflichen Stuhl von Freising erhoben worden^). 

£r gehörte sohin unzweifelhaft dem heimischen Glerus an. Aber 

• sein Vorleben ist um so schwieriger festzustellen, als damals der Name 

Anno ziemlich häufig ist, und wir nun schon in die Zeit vorrücken^ in 

welcher den Zeugennamen nur selten mehr die Bezeichnung der Würde 

beigefügt wird. 

Auf älteren, aber verloren gegangenen Aufzeichnungen, scheint zu 
beruhen, dass Bischof Anno ererbte Güter zu Hai und Run im Tiroler 
Innthale der Freisinger Kirche geschenkt habe^). Einige Bischofs- 
Verzeichnisse machen Anno denn auch gleich zu einem Grafen von 
Taur, aus einem Edelgeschlechte, welches allerdings, jedoch einige Jahr- 
hunderte später, grossen Besitz in jener Gegend hatte. 

Dass sein gleichnamiger Neffe, der Edle Anno zu Hai, wohl Hall 
im Unterinnthale Tirols, Besitzungen hatte, ist urkundlich. Derselbe 
hatte aber auch Güter zu Herineshusun und Pheot, Hörenzhausen Pf. 
Heimhausen und Gross- und Klein- Viecht , 6. Langenbach, beides L. 
Freising. Er geht dessfalls mehrere Tauschverträge mit dem Bi- 
schöfe ein^). 

Bischof Anno gehörte hienach wohl einem Edelgeschlechte an^ 
welches gleichzeitig in Tirol un,d um Freising begütert und zu den mäch- 
tigeren zu zählen ist. Man wird an die Gründer der Klöster zu Schar- 
nitz und Schlehdorf erinnert. 



1) Es ist nicht, wie Baumgärtner nach den Actis Episcoponim — Dentinger I. 62 — erzählt,^ 
Chonradns sacrista, welcher uns über die Wahl eine, dann jedenfalls erst dreihundert Jahre 
später verfasste Andeutung gibt, sondern die gleichzeitige Urkunde, welche der Schriftsteller 
nur in seih Sammelwerk aufnahm. Meich. No. 702. 

2) Deutinger Beiträge I. 40, dann Acta Epm Frising. daselbst p. 62. Gerade bei Bischof AnnO' 
zeigt der Verfasser Eenntniss von Urkunden, welche Meichelbeck fehlen. Vgl. Abschn. I. No. 45^ 
nnd 46. Aber was bezüglich dieser Schenkung Meichelbeck — I. 36 — vermisste, aufzufindea 
ist auch uns nicht geglückt. 

8) M. No. 713. 748. 828. Abschn. I. No. 44. 



38 

Alles weitere über Geschlecht und Vorleben Anno's dflrfte dem 
Bereiche der Vermuthungen nicht entrückt zu werden vermögen. 

Meichelbeck glaubt in ihm jenen Knaben zu erkennen, welchen im 
24. Jahre König Karls (October 791 bis dahin 792) sein Vater Helm uni 
zum geistlichen Stande unter Uebergabe von Gütern zu Tegarinwac, 
eines der Tegernbach im L. Dorfen, bestimmt, und der nach des Vaters 
Tode von dem nächsten Verwanden Cundhart dem Bischöfe Atto zur 
Erziehung übergeben wird^J. 

Wäre diess der Fall, so wäre für den Bischof eine hohe Verwandt- 
schaft nachgewiesen. Denn Helmuni ist ohne Zweifel der nahe Ver- 
wandte, welcher für den in zahlreichen Urkunden auftretenden Cleriker 
Wago, zuerst Kaplan des Grafen Droant, dann Pfarrherr in ZoUing L. 
Moosburg, bei der Gerichtshandlung zu Otinga (wohl eher die Stadt 
Altötting als der Weiler Kirchötting Pf. Wörth K. Erding) von den 
kaiserlichen Sendboten, Erzbischof Arno, Bischof Adalwin von Regensburg, 
und den Grafen Audulf, Werinher und Gotefred am 15. Dez« 806 auf- 
tritt, Cundhart aber der Bruder Wago's und Sohn des gleichzeitig an 
der Amper und Pfettrach um Moosburg, und an der Isen und Schwin- 
dach reich begüterten Toto^). 

Ein Zusammenhang mit Besitzungen nächst Freising und im oberen 
Amperthale, sowie im Innthale ist jedoch hiemit nicht angedeutet, und 
ebensowohl mögen des Bischofs Anno Verwandte zunächst im Glon- 
gebiete und im Bereiche der Huosier gesucht werden, denen seine Vor- 
gänger nach unseren Erörterungen entstammten und welchen auch im 
oberen Innthale Besitz zugekommen zu sein scheint. 

Bezeichnend hiefür ist, dass wir den Namen Anno unter den Zeu- 
gen der ersten Stiftung des Priesters Erchanfrid im Jahre 836 in der 
Zusammenkunft der Huosier bei dem Priester Eio zu Holzen treffen, 
und wohl dürfte es derselbe Anno sein, der in einer Urkunde vom 
April 817 oder 818 als Neffe des zu Feldmoching und j^'rettmaning 



4) M. No. 108. 

5) Vgl. M. N. 122 und die bei den betreffenden Nummern im Register zu den Urkunden aus der 
Zeit der Agilolfinger genannten Nummern. 



begüterten ehrwärdigen Priesters Liutfrid erscheint, dessen Vater ab 
auch Anno bieBs^). 

Ist dieser Anno der spätere Bischof, so wäre er dem zahlreich 
Geachlechte der Huosier beizuzählen. 

Wie mächtig der Anbau des Landes in dieser Zeit vorschritt, ui 
wie allmählig die ausgedehnten Forste benStzt und aasgestockt werdt 
dafür liegt ein merkwürdiges Zeugniss in dem Umstände vor, di 
Bischof Anno bemüht ist, Zugang zur Donau zu gewinnen, und Absal 
quellen für Nutz- und Brennholz ajch zu öffnen. Er erwirbt dessbs 
bereits im März 856 Kirche mit Haus, Mühle, 7 Colonien und 4 Hub 
zu Tigingun, dem Pfarrdorfe Teagn, L. Kelheim''}, wozu die Villa Le 
ginvelt, das Dorf Lengfeld an der Donau zwischen Kelheim und Abbat 
noch im Pfarrverbande von Teugn, gehört, von dem Edlen Reginpa 
und dessen Sohne Alpuni gegen Besitzungen zu Glon, L. Dachau 
der ausdrücklichen Absicht sich einen Hafen an der Donau zum Hol 
verschleisse zu verschafien. So werthvoll erscheint ihm dieser Besi 
dasB er zn seiner Vergrösserung Besitzungen in der Nähe zu Hoi 
kinhofa, Louppach and Pritilinpach, Herschenhofen L. Freising, La 
pach L, Brück and Pritttbach L. Dachau an die Edlen Adalpercl 
Immo und Deotmar abtritt, und selbst noch 4 Leibeigene, 2 Pferde u 
1 Pfund Silber zur Ausgleichung daraufgibt ^). 

Noch unter Bischof Egilbert (1006 — 1039) wurden die Besitzung 
des Bisthnms durch Tausch mit dem Cleriker Aribo zu Teugn ui 
Schenkungen des Grafen Adalbero zu Leogfeld erweitert, waren jede 
damals dem Edlen Erchanfrid zu Lehen gegeben ^}. 



6) M. No. 129. 599. Ö61 dann 378, bezDglicb deren Datam Abwhn. n. 2. §. 5 za vergleicher 

7) J. A. Schahgraf hat in den Veihandlongen des bistor. Vereins von Niederbajern eine ki 
Chronik des Ffanorts Teugn gegeben, welcbe aber die hier erwähnten Urkunden nicht kei 
Verhandlangen B. VI. p. 273—280. Hier sass Herzog Otto I (1130—1183) anf dem Kircbl 
zn Gericht, als ihn Bischof Anno von Begensborg anfsucbte, H. B. VII. 486. Hnschberg 
seiner Geschichte des Haoses Scheyem-Wittelabach p. 351 liess Tigingen unerklärt. 

8) Meich. No. 774. 803. 849 nnd No. 85 Abth I. Zafolge der nen beigebrachten Urkunde w 
die Lage von Lenginvelt zweifellos, welches Bescb mit Loappach —^ Ann. Sab. II. p. 169 No. 
"- in Tirol, Frendensprung aber in Lengesfeld L. Landsberg im ßisthnme Angsbnrg sacht 

9) M, No. 1166. 1201. Am 24. November 1004 hatte Kaiser Heinricii II anch dem Bise 
Albnin von Briien hier ein Kammergut mit Kirche geschenkt. Terb. am niederb. V. 1, c. p. S 



lieber den Todestag des Bischof Anno sind die Quellen einig. Er 
tarb am 9. Oktober 875, VII Mus Octobris, zu welchem Tage er auch 
1 das Scheftlarner Nekrolog eingetragen ist. 

§ 5. 
Bisoh'of Arnold 875—883. 

Arnold soll durch Wahl nach Einigen am 4. November, nach An- 
em am 4. Dezember 875 zur bischöflichen Würde gelangt sein. Er 
oll dem Edelgeschlechte von Erphenbrunn, nun Helfenbrunn Pf. Kirchdorf 
I. Moosburg, entsprossen sein. Urkundliche Nachweise liegen nicht vor. 

Vielmehr gibt Bischof Arnold, als er von dem Edlen Sindeo zu 
Irphenprunn Felder und die Magd Ratdrud eintauscht, dagegen den 
ierten Theil eines Ackers und die Magd Deotpirc nicht etwa aus seinem Erb- 
ute, sondern ex ratione seiner bischöflichen Kirche, aohin aas Kirchengut 'j. 

Der Name Arnold kömmt nur einmal in den Urkunden mit Bezug 
uf Oertlichkeiten vor. Als der Priester Andreas am 10. Jänner 814 
sin Erbgut ad Pergum zum Dome gibt, bestimmt er, dass nach seinem 
'ode lebenslänglich sein Neffe Arnold es nutzniessen solle'). 

Das Dorf Bergen in der Pf. Inkofen G. Intzkofen L. Moosburg ge- 
ört allerdings jener Gegend an, aus der Bischof Arnold stammen soll. 
Jlein die Zeit ist doch von der Regierung des Bischofs Arnold zu 
3me, um in jenem Neffen des Priesters Andreas den Bischof zu erkennen. 

Mit grösserer Wahrscheinlichkeit ist Bischof Arnold jener Diacon 
krnordus, welcher zweimal unter dem Domclerus genannt ist, einmal 
m 9. .April 845 zu Freising als letzter der Diacone, das andere Mal 
m 22. August 852 als Notar des Bischofs Erchanpert auf der von 
emselben erworbenen Besitzung Hilkertshausen^). 

Es ist auffallend, dass in der langen Reihe von Jahren, in welcher 
Lrnold zur Domgeiatlichkeit hienach wahrscheinlich gehörte, nur diese 
leiden Male derselbe zur Zeugschaft berufen ward. Wohl nicht ohne 
anere Begründung geschah es, dass beide Male Verhandlungen mit dem 



1) M. No. 848 wo Z. 3 zu ergänzen ist: agti in loco qoi dicitur Erpbinpranno. Cod. com, f. 67. 

2) M. No. 298. 

.3) H. No. 637 and Abth. I No. 31. Letztere Urkunde war Meichelbeck bekannt — 1 p. 137 § 1 
Arnoldi eleclio -r fiel aber bei dem Abdrucke in der Pars inetnimentaria nie immer ana. 



41 

^^Iqü Hitto in Frage stehen, um Puantesliusun , ecclesia in monte, 
^ünzhausen, Cuncinhusun* prope Mosaha, Günzenhausen an der Mosach, 
«, * ^reising, dann um Asinhusun und Rotinpach, Assenhausen W. Pf. Pel- 
V. -^^ und Rettenbach D* Pf. Vierkirchen, beide L. Dachau. Wir dürfen 
^ ^ö'^®"^ Hitto einen Verwandten des 835 verstorbenen Bischofs Hitto 
Äöinen Besitzungen zufolge erkennen, und mögen gemäss der vielfach 
erprobten Wahrnehmung, dass die Zeugen aus Verwandten und benach- 
barten Grundbesitzern zunächst gewählt werden, auch den spätem Bischof 
> zu der vielgetheilten und weitverbreiteten Sippe der Huosier mit ziem- 

' lieber Verlässigkeit rechnen. 

Ob der Edle Arnold, der von Bischof Anno zwei Leibeigene gegen 

den Priester Adalbert empfängt und hiebei dessen NeflFe genannt wird*), 

mit Bischof Arnold identisch ist, bleibt bei dem Mangel einer Andeu- 

tung^ dass der Edle zum Clerus gehörte, zweifelhaft. Wäre es der 

Fally 80 würde die Vermuthung, Bischof Arnold sei zu den Huosiern 

zu zahlen, sich wesentlich verstärken. 

Mit Arnold schliesst übrigens die Reihe der aus dem eingeborenen 
Cleriis hervorgegangenen Bischöfe Freisings für längere Zeit, und es 
wird der Einfluss der Reichsregierung auf die Bischofs wähl über- 
wiegend. 

Bischof Arnolds Todestag ist, nur um einen Tag abweichend, bald 
aaf den XI, bald auf den X Kai. Octobris 883 angesetzt. Das Scheft- 
larner Necrolog schliesst sich im Einklänge mit dem Freisinger Todten- 
buclie bei Dümler^) jenen an, welche den X K. Octobris, den 22 Sep- 
tember, als Tag des Ablebens bezeichnen. 

I § 6. 

Waldo, Bischof von Freising, Abt von Kempten 884—906^). 

. ^^ischof Waldo ist nicht aus einem Bayerischen Adelsgeschlechte 
^*^^>:M*gegangen. Diess ist allgemein anerkannt. In den späteren 



AbK 



i) -_^ 

$j -^r. No. 764. 

]\ -^Forschungen 1. c p. 164, wo auch das Todesjahr richtig beigefügt ist. 

^^eber ihn vgl. Dr. Th. Sickel. Beitr. zur Diplomatik. Sitz -Ben der k. k. österr. Akademie 
^^^. 39 p. 108. E. Duraler Geschichte des ostfränk. Reiches B, II 280 f. 294. 878. 892. 400, 
^97. 514. 523 f. 532. 536. 636. i 

-- III. Ol. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 6 



sch'.'fa-YerzeichDisseD wird er einem fräokiscben Grafeobaaae zage- 
eHt, TOD Acheolo^, besser Hoheolohe. Doch ohne Begröndung. 

Schon Meicbelbeck bemerkt, dass Waldo, zugleich Abt von Kempten, 
^Imehr einem schwäbischen Geacblechte aogehören dürfte, ond fugt 
i, wie er ans freier Wahl zam Bischofssitze gelangt st;i, erbelle aas 
r von König Lndwig dem Kinde am 8. Mai 906 erneuert anerkannten 
trecbtigong der biscböSicben Kirche Freisings, wonach seit des b. 
>rbinians Zeiten bis anf Waldo Volk und Geistlichkeit ans ihj^r Mitte 
n Bischof ZQ erkiesen hatten, was nur wegen Verlusts der Urkunden 
i dem groaseq Brande im Jahre 903 wieder bestätigt worden. 

Ceber das Edelgeschlecht , welchem Waldo entsprossen, sind in- 
rischen genügende Aufklärungen gewonnen worden, welche die Her- 
mft ans schwäbischem Geschlechte bestätigen. Dagegen ist der An- 
ihme Tollkommen freier Wahl durch Volk und Clenis zu Freising- 
:r geschichtliche Entwicklungsgang nicht günstig. Vielmehr kann 
it hoher Wahrscheinlichkeit auf ein entscheidendes Herrscherwort ge- 
hloasen werden, welches Waldo den Weg zum Biscbofs-Stuhle, sei es 
irch Empfeblnng zur Wahl, sei ea durch Ernennung, gebahnt hat. 
,gt doch selbst die erwähnte Urkunde König Ludwig des Kindes: 

sancioins . . ut eiusdem episcopatua plebs et famUia ^b ho- 

dierna die et deinceps securam babeant potestatem inter se 

eligendi episcopum, si talem inter se invenire queant, 

qui geoeroiitate nature , pericia librorum et vitae probitate- 

idonens sit, dirinum servitium regere, et regalia obsequia pre- 

bere. Si antem talis inter eos nequeat inveniri, infra re- 

giam curtem illis aptum querant et eligaut'). 

Die nänereo Vorgänge bei der Bischofswahl sind nicht überliefert. 

ohl aber sied wir in Reichs- Sachen weit besser unterrichtet als 

eichelbeck bei dem damaligen Stande der Forschung, und es sei daher 

stattet, anf den Antheil Waldo's an den Reichs-Angelegenheiten hier 

vas näher einzugehen. 

Waldo ist, am vor allem die Familien - Beziehungen festzastellea, 
r jüngere Bruder des in der Literaturgeschichte und in Staatsgeschäften 



i) Keich. 1. 152. M. B. XSVm «. 1W>. 



43 

nicht unrühmlich genannten Bischofs Salomon III von Constanz (890 bis 
920). Die Brüder sind GrossneflFen des 871 verstorbenen Bischofs 
Salomon I und es ist ihnen nach Aufzeichnungen zu St. Gallen und zu 
Constanz das Thurgau als Heimat anzuweisen, wo insbesondere an der 
Sitter und um Ramsch wag Stammgüter derselben lagen. Ob das 
spätere Edelgeschlecht zu Ramsch wag desselben Stammes ist, oder erst 
durch Belehnungen in jenem Besitze nachfolgte, vermag nicht mehr 
entschieden zu werden^). 

Die Brüder sind demnach einem schwäbischen, im Thurgau begü- 
terten Edelgeschlechte entsprossen. Sie erhielten gemeinsam eine ge- 
diegene Bildung in den weitberühmten Kloster-Schulen von St. Gallen, 
welchen damals Iso vorstand, und wo Notker lehrte. So ward der 
Grund zu ihrem Aufsteige;i in hohe Würden gelegt. 

Wie Waldo an den königlichen Hof gelangte, ist unbekannt. Wohl 
kömmt schon unter Ludwig dem Deutschen ein Subdiacon Walto in 
•der Königlichen Kanzlei vor; aber die von Professor Sickel vollzogene 
Vergleichung der Handschriften in den betreffenden Urkunden hat 
lierausgestellt , dass er nicht mit Bischof Waldo identisch ist. 

Dieser tritt zuerst *am 29. Dezember 880 als Notar Kaiser Karl des 
Dicken (III) ein, welcher schon seit 865 Herrscher in Alemannien ge- 
wesen, vielfach nach St. Gallen gekommen war, und wohl dort Waldo 
hallte kennen und schätzen gelernt. 

Waldo bleibt nun um den Kaiser auf dessen Romfahrt im Jahre 
®81, er rückt im Mai 882 zum Kanzler vor und besorgt die wichtigen, 
niemit verbundenen Staatsgeschäfte bis zum 26. Juni 884, wo er, schon 
Biscliof, die letzte Urkunde als Kanzler fertigt. 

Bischof Arnold von Freising war am 22. September 883 gestorben. 
^^ ist unbekannt, von welchem Tage an Waldo sein Nachfolger ge- 
^c>x*^en; aber unzweifelhaft haben Macht und Ansehen des Kanzlers ihn 
^^ den erledigten Bischofssitz bezeichnet. Einige Jahre später, um 
^^^5 ward er auch zum Abte von Kempten, als Nachfolger seines, zum 



^) P. Tr. Nengart Episcopatus Constant. I. 252. Haggenmüller 1. c. p. 33. üeber Salomon 
•Staelin Württemberg. Geschichte I. 364. 

6* 



1 St. Gallen vorgerückten, kurze Zeit im Kanzleramte ihm nach- 
I Broders Salomon bestimmt. 

irend der Wirren in den letzten Jahren der Regierung Karl 
:en, welche zu dessen Abaetzang führten , scheint, sich Waldo 
balten zu haben. Bei König Arnulf, dem erwählten Nachfolger, 
rir ihn aber im Juli 889 auf dem Reichstage in Korchheim, 
machst für sein Stift Kempten eintritt, indem er die schon von 
udwig dem Deutschen bewilligte Zollfreiheit für drei Salzscbifie 

nun in sechs Wagenladungen umgewandelt und bestätigt er- 
an im Jahre 891 zu Mattigbofen in Oberösterreich, wo er am 

für das Uochstift Freising sich die königliche Kapelle zu 

schenken lässt , ans welcher die schönen Freising'schen Be- 
1 in Kärnten mit der Probatei Wörlhsee erwachsen sind. Auch 
. St. Castuli zu Moosburg in Oberbayera wird ihm am 19. Juli 

Kaiser Arnulf auf das Ableben seiner Matter Liutswiuda ver- 
wogegen er tör das Seelenheil des Vaters König Karlmann 

11'). 

finden ihn nun wieder mehrfach bei Reichsgeschäften bethei- 
entscheidet er mit Pfalzgraf Megtnfrid. aU Sendbote in Pavia 
894 den Streit zwischen den Klöstern Reichenau und S. Am- 
1 Mailand über Hufen zu Limonte am Comereee. Er wohnt 
89j der von dem Kaiser nach Tribur berufenen Synode bei 
irkt durch seine Fürbitte, daas die Güter im Nordgaue, welche 
erä Nichte, König Ludwig des jüngeren Tochter, Hildegardia 
I Grafen Engildicho abgesprochen worden, Pfaldorf und Gungol- 
Ktpfenberg, Harlanden, L. Riedenburg und Sandharlanden L. 
rg, dem Bisthume Eichstadt und dessen Vasallen Megingoz 
!geben werden^). 

grösserem Einflüsse noch gelangte er unter Ludwig dem Kinde. 
als Fürsprech mit dem Erzieher des Königs, dem Bischöfe 
< von Augsburg, im Jänner 901 zu Regensburg bei Vergabung 



, I. 115. M. B. XXVm. a. 109. XXXi. a. 12S. 137. 

. X5XI s. U6. Pl.kldoif, OnndoltiDga, Haraluita, SiuntbanilanU in pafo Cbeldion». P«rti 

, h. Ill fl-g. I) 561. 



45 

der Feste Enns an das Kloster S. Florian in Oberösterreich und wieder 
im September bei Verleihung des königlichen Hofes Prihsna, des künf- 
tigen Bischofs - Sitzes Brixen, an den Bischof Zacharias von Sehen ge- 
nannt. Im Jänner 903 ist er auf dem Reichstage zu Forchheim, wo aber die 
Babenberger Grafen Gericht gehalten wird, und befürwortet im Juli auf 
Scbloss Tarassa, Untertheres, L. Hassfurt, die Ueberlassung eines Theiles der 
eingezogenen Güter an den Gegner jener Grafen, den Bischof Rudolf von 
Wflrzburg. Im Juli desselben Jahres ist er wieder bei dem Könige zu Alt- 
ötting und begutachtet die Verleihung von Gutern im Isanachgaue, de*m 
Isengaue, zu Frehhindoff am Bache Tiufstada, Fraundorf am Bache Tief- 
gstadt, und zu Maioresbach, Ober- und Untermaisbach L. Eggenfelden, 
an den Cleriker Gumpold, Verwandten des Bischofs Purchard von 
Passau ^), dann des Hofes zu Velden, L* Vilsbiburg, welcher der Kaiserin- 



I 

r 
I 

1 



6) M. B. XXXI. a. 168. Ks sei gestattet^ hier ein Paar Urkani^en geographisch Daher zu erläutern. 
Die Urkunde vom 12. August 903, obwohl durch Oefele's Avcntin'sche Excorpten aus Passauer 
Urkunden bekannt — Oefele L 706 b — ist weder von Beda Appel, noch von seinen Nach- 
folgern, auch nicht von Horniayr in den Wiener Jahrbüchern besprochen — die dessfallsige 
Notiz, lit c. der Stelle M. B. XXXI. a. p. 160 gehört nicht hieher, sondern zur folgenden Ur- 
kunde No. LXXXV in den M. B. Indessen hat schon Koch Sternfeld den Bach Diupstadum, 
Tiufstada loca, in seiner Matrikel zur Juvavia — Abh. der bist. Gl. der A. d. W. B. III (1841) 
p. 30 und 121 ~ richtig als den von Geratskirchen her durch die Pfarrei Hirschhorn nacb 
Gern zur Bott ziehenden Bach erkannt, der seinen Namen auf dem Steuerkataster - Blatte und 
bei Heyberger noch dermal tragt, leider aber nicht im topographischen Atlasse. Demzufolge 
sind Frehhindorf als Fraundorf in der Gemeinde Mitterskirchen , Maioresbach als Ober- und 
Untermaisbach im topographischen Atlasse, bei Heyfelder Maisbach G. und Pf. Unterdietfurt, 
und, durch Druckfehler, Unterweisbach G. Hamersbach an jenem Bache zu bestimmen. 

Der Isengau erreichte hier die Gränzen des Quinzingaues, welcher seinerseits hier 
die Kott gen Süden überschritt: 

Die für die damaligen Granzen der beiden Gaue, sowie des Rottgaues wichtige Ur- 
kunde vom 21. März 890, wodurch König Arnulf die Markung von Sconinaha im Quinzingaue 
des Grafen Hunolf, des Ifarrdorfs Schoenau L. Arnstorf an S. Emeran zurückgab — M. B. 
XXVin. a. 100. Ried cod. dipl. I. 72 — ist bisher nicht genügend erklärt, anknöpfend an das 
Vorige aber, wie uns scheint, der Gränzzug der Markung mit Verlässigkeit wohl zu bezeichnen : 
Die Gränzbeschreibung der Urkunde beginnt im Südftn. Der End- und Ausgangspunkt ad 
crncem ist am Kreuzwege nächst Schachten, Weiler der Pf. Hirschhorn G. Lohbruck zu suchen, 
wo noch jetzt das Katasterblatt des L. Eggenfclden, fQnf Distriktswege, von Gern, Herberts- 
felden. Langeneck, Rogglfing und Wurmannsquick her zusammentreffend zeigt. Aus dieser Ge- 
gend zog de Marachpach usque ad Marachleo der Bach als Gränze. Der Marchbach war also eine 
der zur Rott hinabziehenden Sinken, und Marachleo ist durch die Einöden Ober- und Unter-Marchöd 
in der Pf. Herbertsfelden vertreten. Die Beschreibung fahrt fort: inde nsque ad Rispach, 
deinde usque ad caput Huspach** zweifellos den Reisbach des Katasterblattes (im t. Atlas leider 
Hausleitnerbach) hinan zu den Quellen des Bächleins von Ober- und Unterhausbach, Weiler und 



46 

mutter Uta von Kaiser Arnulf überlassen war, an S. Emeram und 
Bischof Tuto von Regensburg; endlich zu Ende November bewirkt er 
für sich selber zu Regensburg mit Rücksicht auf den Wiederaufbau des 
durch Brand zerstörten Domes zu Frei«ing die Rückgabe des gleich- 
falls der Kaiserin Uta verliehenen Hofes zu Veringa, Föhring nächst 
München'). 

Noch im Jahre 905 unterstützt er die Bitte seines Bruders Salo- 
mon um Verleihung der Abtei Pfäfifers im oberen Rheinthale, und zu- 
letzt wird ihm noch auf seine wohl im Vorgefühle des nahen Todes 
gestellte Bitte die königliche Anerkennung der freien Bischofs wähl für 
Freising zu Holzkirchen vom 8. Mai 906 ertheilt 

Am 18. Mai 906 ist er bereits verstorben. Das Necrolog von 
Scheftlarn ist hierüber mit den übrigen Aufzeichnungen im Einklänge^). 



Dorf der P£. Falkenberg. „Et inde asque ad Kotagasceit" diess kann nur eine von den Hans- 
bachquellen nördlich von Schönau herumziehende, die Waseerscheide zwischen der Bott und dem 
zur Vils ziehenden Sulzbache und damit die Granzen des Bottganes berührende Linie sein. 
Deinde usque ad caput Cheanpach, inde usque in Rota — an dem gerade s&dlich fliessenden 
Ganbache herab in die Bott, in welche er bei Schalldorf fällt. Et ex Rota ad Horginpach, ac 
deinde ad Goldarun, illinc siquidem usque ad smalagasceit — an einem der kleinen Bäche des 
rechten Ufers empor zieht die Gränze zum GoUerbach, an dem Ober- und Untergollerbach, 
Pf. Postm&nster liegen, dann aufwärts zur schmalen Scheide zwischen ihm und dem weitgrösseren 
Grasenseebach, wo die Einbde Markscheid des Katasterblattes (weder im t. Atlas noch bei 
Heyberger) noch an die Gränze erinnert. Deinceps usque ad Grasamaresaho ac deinde ad crucem 
— hinab zu dem lang hingedehnten Weiler Grasensee mit 8 Häusern in der G. und P/. Wald- 
burgkirchen, 27 aber in der G. Martinskirchen Pf. Bogglfing; vormals mag hier ein langes 
Grasmoor am Grasenseebache sich hingezogen haben; endlich nördlich wieder hinan ad crucem, 
zum Anfangspunkte. Die Markung Schönau verband hienach Theile der Landgerichte Amstorf, 
Eggenfelden und Pfarrkirchen; die Erörterung zeigt, wie viel noch fehlt, amtliche Orts- 
«rerzeichnisse, Finanzkataster und topographischen Atlas zu vollem Einklänge zu bringen. 

Was den angränzenden Bottgau betrifft, so ist Botachin, von wo ansKÖhig Ludwig der 
Deutsche die Urkunde vom XVII K. Octbr. anno XII regoi in orientali Francia datiert — 
luvav. dipl. Anh. p» 89, Böhmer No. 747 — welche Sickel zum Jahre 845 stellt , nicht, wie der- 
selbe meint, in diesem Gau zu suchen; es ist vielmehr das Botagin, Roding, Marktflecken 
am Begen in der Oberpfalz, wo Kaiser Arnulf eine königliche Kapelle erbaute, und welche er 
am 2. August S96 mit zwei Hüben in Besinga beschenkte, dem Dorfe Pösing, welches noch 
zur Pfarrei ßoding gehört. M. B. XXVIII. a. 113. Sickels Beiträge S.-Ber. d. WVAk. Bd. 36 S. 382. 

7) M. B. XXVIIL a. 184. XXXL a. 171. 

8) Die vorliegende Original-Urkunde König Ludwigs hebt jeden Zweifel über das Todesjahr, und 
auch der Todestag, 18. Mai, ist gegen frühere Angaben auf den 17. 'April 805 so gesichert, 
dass neuerliche auf die Begierungszeiten gestützte Berechnungen — Oberbayr. Archiv XXX p. 
149 — nicht zu beirren vermögen. Das Freisinger Todtenbuch fügt die zweifellos irrige Jahr- 
zahl 905 bei. Forschungen 1. c. p. 163. 



47- 

Wie Waldo's gelehrte Bildung auch seinem Bisthume förderlich 
ward, wie ihm eine üebertragung der Evangelien in die deutsche 
Sprache zu danken ist, wie^endlich die namhafte Zahl von 81 Urkunden, 
über Stiftungen und Grundtausche sein reges Interesse für Erhaltung 
und Mehrung des Besitzes seines Domstiftes darthun, darüber verweisen 
wir auf Meichelbeck's Geschichtswerk*). 

§ 7. 
Bischof Uto 806—807. 

Aus Bischof Uto's Zeit fehlen Urkunden gänzlich. 
Chonradus sacrista bringt in seiner Zusammenstellung, wie immer, 
zur Seite das Brustbild mit des Bischofs Mitra und Stab, hier auffallend 
die Linke zum Segnen erhebend, und daneben die Verse: 

Post decimum primus, verbis ubi pollire ritus, 
Pingit fretus Ovto munere ex tuo. 
Dann statt der Urkunden nur den Eintrag: 

Ovto manens uno venerandus episcopus anno, 
Corruit in fata, superis anima sociata. 
Wie nun die späteren Bischofs -Verzeichnisse zu der Kunde ge*- 
langten , Bischof Uto stamme aus dem Grafenhause von Andechs ^)j 
ist um so weniger zu ermitteln, als der Name in dem Freising'schea 
Clerus der unmittelbar vorausgehenden Zeit durchaus nicht vorkömmt. 
Es ist daher auch hier wohl nur das Streben anzunehmen, die Bischofs- 
Reihe mit den höchsten Adelsgeschlechtern zu verknüpfen. 

Auch die Annahme, Uto sei schon vor dem Gelangen zur Re- 
gierung Weihbischof oder Chorbischof von Freising gewesen^), 



9) Eckard sieht sich wohl durch die gelehrte Bildung Waldo's veranlasst, in ihm einen der Fort- 
eetzer der Annales Fuldenses und zwar des im Jahre 884 abschliessenden Theiles zuvermuthen; 
com. de reb. Franciae Orient. II. 674. Pertz dagegen erkennt in dem Fertiger der letzten 
Jahre von 884 bis 901 einen Bayer — M. G. H. I. p. 339. 395—416 — ohne dass er jedoch 
auf Waldo hinweisst. Uns scheint nach dem erörterten Lebensgange des Bischofs seine Be- 
theiligung an den Reichsannalen bei der kurzen Dauer seiner Thätigkeit im Mittelpunkte 
nicht wahrscheinlich. 

1) Oder in Bücksicht auf die nahe Grabstatte im Dome zu Freising aus dem Hause der Grafei» 
von Sempt. Meich. I. 156. Deutinger Beitr. L 16. 64. Dagegen nicht in W. Hundt Metr. 
S., dem Catalogus bei Deutinger V. 151, bei Heokenstaller und Baumgärtnen 

2) Bugniet Versuch einer Reihe der Freis. Suffraganbischöfe p. 15. 



berubt wohl nur auf einer VermutUung von Itescli in dessen Sebener 

Aiinaleo. 

Resch bezieht nämlich eine Urkunde,, wonach König Ludwig das 
neä Bischofs Otho, der Grafen Liutpald, Aribo 
ung an der Mur in Steyermark, Leubna, im 
Bischof Uto, welcher also hienach zu Lebzeiten 
EinflusB geltend gemacht hätte ^). Allein auch 
horbiachof von Freising wäre zu einer Thätig- 
rermark kaum AnUss denkbar; es dürfte jene 
kuf jenen Bischof Otho zu beziehen sein, von 
as Slaveniand allerdings ergt unter Erzbischof 
, sohin nach 821 in der Converaio Bagoariorum 
ber schon vorher als CoepiscopuB in Salzburg 
t sein möchte*}. 

Uto nur bekannt, dasa er schon im Jahre nach 
chen Stuhles in dem grossen Kampfe gegen die 
1 an der Spitze der Bayern der Stammherr des 
Lses Scheyern -Witteisbach , Graf Liutpald , der 
Salzburg und der Bischof Zacharias von Sehen 
kes geblieben sind. 

drei Tage, welche die Schlacht, über welche uns 
t, gedauert haben soll, werden verschieden an- 

die Tage vom 9 bis 11 August nennt, wird 
Jen 6., den 30. Juni oder den 30. Juli gesetzt^), 
t in den Quellen und Erörterungen zur Bayeri- 
iie Ungarnkämpfe eine Aufzeichnung aus einem 



1 in den add. ad fol. 320. 

in Juraria. Dipl. Anh. p. U. Düniler sQdöstliche MarVen. Archiv 
21. 

. pridie E. Jal. I, 131. Heich, 80, Junü, Gamansius tarnen 6. Junii 
iO Jali I. 16. u. V. 29; 30. Janii Acta epiKOp I. 64 n. Catalogns 
gQdSstliche Harken des frünkitchcn Reicbcs, vo noch d«r 28. Jnni 
rar Sande Osterr. Q.-Qaellen X. (lB53l p. 72; ebendort die Kritik 
, IV p. 82. 



49 

t 

Freisiiiger Martyrologium veröflFentlicht worden, welche noch aus dem 
X Jahrhunderte stammt und als Tag des Kampfes ki Oriente III Non. 
Julii, also den 5. Juli angibt®). 

Hiemit stimmt das Necrolog von Scheftlarn überein , indem zum 
6. Juli mit Rothstift eingetragen ist: Otto epc. Fris. Keiner der spä- 
ten Bischöfe des Namens Otto ist in diesem Monate gestorben. Der 
Uebertrag im XIV Jahrhunderte aus dem älteren Necrolog bezieht sich 
daher zweifellos auf üto'J. Es steht das Necrolog in merkwürdiger 
Weise auch hier mit dem seither aus JafFe's Nachlass vollständig ver- 
öflFentlichten Freisinger Todtenbuche im Einklänge. Denn während 
dieses das „Bellum Baioariorum cum Ungariis in Oriente" zum III Non. 
Jul. (5. Juli) setzt, fügt es zum folgenden Tage — II Non. Jul. bei: 
„Outo undecimus huius sedis episcopus anno domini DCCCCVI — in 
der Jahrzahl, wie bei Waldo, ein Jahr zu wenig zählend®). 

§ ö. 
Dracholf, Bischof von Freising, Abt von Schwarzach 007 — 926. 

Bayern lag unter den wiederholten Angriffen und nach dem 
grossen Siege der Ungarn an der Ostgränze tief . darnieder; ein nam- 
hafter Theil des Adels , viele aus dem Clerus waren gefallen , Furcht 
\xndr Schrecken durch das ganze Land verbreitet, als Dracholf auf den 
Bischofsstuhl von Freising berufen ward ^). 

lieber den Vorgang selbst ist nichts überliefert; überhaupt sind 
aus seiner Regierungszeit Urkunden nur in geringer Zahl erhalten* Der 
Name Dracholf kömmt weder in der vorgängigen, noch in der nach- 
folgenden Zeit in den. Urkunden von Freising 'vor, obwohl die Zahl der 
Zeugen, wenn auch ohne Bezeichnung des Standes, noch immer nicht 
unbedeutend ist. 



6) Die Lesung II Non. Jalii ward dnrcb Anwendung Ton Beagentien auf das Pergament in III 
Non. berichtigt. Qu. n. Er. V. 451 und 479 im Nachtrage. 

7) Das Weibenstephaner Necrolog bei Bugniet Versuch etc. enthält wohl Dracholf, in keinem der 
bezüglichen Monate aber einen Uto oder Otto. 

8) Forschungen 1. c. p. 163. Die Outo betreffende Stelle ist auch im Nachtrage zu den Quellen 
n. Erört. V. p. 479 schon Teröffentlicht, und bemerkt, wie Aventins Angabe einer mehrtägigen 
Schlacht hieduich bekräftigt werde. . 

1) Vgl. Damler südöstiche Marken im Arch. f. E. 5. G.-Q. X p. 73. 

Abh. d. IIL Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 7 



i 



I ! 

t 



50 

Wenn spätere Biscbofd -Verzeichnisse den Bischof Dracholf aus dem 
in der Nähe Freisfngs zu Hummel begüterten Edelgeschlechte hervor- 
gehen lassen, und ihn auf diese Art mit dem Grafenhause von Moos- 
burg verbinden wollen^), so können wir diess bei dem gänzlichen 
Mangel urkundlicher Andeutungen nur aus dem Streben entsprossen 
erachten, die Adelsgeschlechter des Inlandes mit Kirchenfürsten zu 
zieren, zumal der Erbbesitz Dracholfs und damit seine Herkunft recht 
wohl bekannt sind. 

Dracholf war zugleich Abt von Schwarzach, nun Münsterschwarzach 
im L. Dettelbach unfern des Maines im Bisthume Würzburg. 

Zwar haben sich Spuren hievon in den Freisinger Urkunden nicht 
erhalten, und es ist diese doppelte kirchliche Würde daher sowohl 
Wiguleus Hundt und Gewold, als auch Meichelbeck entgangen. Allein die 
Thatsache^ schon dem umsichtigen Forscher der ostfränkischen Geschichte, 
Eckhard, wohlbekannt^), ist vollkommen festgestellt durch die Urkunden 
Kaiser Conrads I, welcher Dracholf wiederholt egregius Pontifex und 
Episcopus in Angelegenheiten nennt, welche das Kloster Schwarzach 
betreffen. 

Das Cbronicon Schwarzacense, welches uns eine der betreffenden 
Urkunden allein erhalten hat, ward von Joh. Pät. Ludewig im U Bande 
seiner Scriptores rerum Germanicarum herausgegeben. Obwohl eine 
spät begonnene, um 1600 abgeschlossene Aufzeichnung^), und desshalb 
von wesentlichen Fehlgriffen nicht frei, liefert es doch unverdächtiges 
urkundliches Material, aus welchem die Thatsachen erhoben und fest- 
gestellt zu werden vermögen. Die Vereinigung des Klosters Schwar- 
zach mit dem Bisthume Würzburg, welche König Ludwig der Deutsche 
in einer dem Chronicon mangelnden Urkunde vom 27. März 857 nach 
dem Ableben seiner Töchter Hildegardis und Berchta ausgesprochen 



2) Meich. I. 157. Baumgärtner p. 53. Deutinger Beitr. L 64. 

3) Eckhard Hist. Pranciae Orient. II. 821. 860. 

4) In dem von Dr. Wegele herausgegebenen Necrologium Swarzahcnse findet sich zum 3. Mai der 
Eintrag: P. Balthasar, Prior monasterii Birklingensis , qui historiam abbatum Monasterii 
Schwarzacensis scripsit — Wegele zur Literatur und Kritik der Frankischen Neurologien, 
Nordlingen 1864 p. 14. Da Birklingen Pf. Iphofen L. Marktbibcrt in Bauernkrieg zerstört 
wurde, fällt jene Abt-Geschichte vor dem Abschlüsse der Chronik, mag aber wohl bei deren 
Abfassung benutzt worden sein. 



i'.i 
1 



51 

hatte ^), war dem Fertiger nicht unbekannt geblieben und er wird da- 
durch zu dem Missgriffe verleitet, in der gleich zu erwähnenden Schen- 
kung Dracholfs, dessen Bischofswürde ihm gänzlich entging, den Bischof 
Rudolf von Würzburg als Handelnden aufzufassen, welcher in keiner 
Weise in der Urkunde genannt ist. Er verlegt nun jene Schenkung in 
die Regierungszeit des Vorgängers von Dracholf, des Abtes Ebbo von 
Schwarzach, und erwähnt des Abtes Dracholf nur ganz kurz zum 
Jahre 912. 

Die Schenkungs-Ürkunde vom 22. April 918, im ganzen Wortlaute 
eingeschaltet, und abgesehen von der Entstellung durch Uebertragung 
der Namen in die Schreibweise des XVI Jahrhunderts bedenkenfrei, 
lässt den ererbten Besitz Dracholfs genau erkennen^). 

Bischof Dracholf stammt aus einem Fränkischen Edelgesohlechte, 
welches in der Umgebung Schwarzachs, im Ififgau und im Volkfeld, 
sowie auch im Rangau reich begütert ist. Es wird hiedurch wahr- 
scheinlich, dass er bereits Abt von Schwarzach war, als er zum Bi- 
schöfe von Freising berufen wurde. Während der Wirren, welche der 
Ungeheuern Niederlage durch die Ungarn im Sommer des Jahres 907 
folgten, mag Dracholfs bereits wohl begründetes Ansehen und erprobte 
Thatkraft, verbunden mit dem Reichthume, den er aus eigenem Grund- 
besitze schöpfte, die Aufmerksamkeit der fast rathlosen Umgebung des 
königlichen Knaben auf ihn gelenkt haben, und so seine Bestimmung 
für den erledigten Bischofssitz veranlasst worden sein. 

Bischof Dracholf ergri£F den neuen Beruf mit Eifer, fühlte sich 
mächtig gekräftigt, und wusste sich in der neuen Stellung in Bälde 
Geltung zu. verschaffen. 

Schon im Jahre 908 ist er unter den Rathgebem des Königs, 
welche die Wünsche des Erzbischofs Piligrim von Salzburg unterstützen; 
im Jänner 909 erwählt ihn der mächtige Kanzler Bischof Salomon zum 
Zeugen, als er die Abtei Favaria dem Kloster S. Gallen zuwendet^). 



5) M. B. XXXL a. 92. 

6) Ladewig Script, rer. genn. II. 12. Wir haben die für Freisings Geschichte wichtige Urkunde 
der Seltenheit jenes Werkes wegen in den Abschnitt I nnter No. 64 aufgenommen. 

7) JayaTia Dipl. Anh. No. 59 und 60 p. 119. Nengart cod. dipl. Constant. I 554. 

7* 



'dem frOheo Hinscheideo dea Königs erkennt alabald der 
ß Herrscher König Conrad I in dem, gleichem VollEastamme 
len, in Bayern wie in Franken gewaltigen Abt und Bischof 
ine wichtige Stütze, deren kraftige Mitwirkung er sich zu 
3e. 

leinen eigenen Gütern schenkt König Conrad gemäss einer 
:sten Regier unga- Jahre zu Frankfurt am 8. August 912 aus- 
Jrkunde dem Bischöfe Besitzungen, welche für dessen Stamm- 
seine, ursprünglich an der Leimbach in Mittelfranken ge- 
.btei sehr gelegen sind, zu Leimbach, die Pfarrdörfer Ober- 
I. Marktbibart, und Unterleimbach L. Scheinfeld, zu Steinaha 
iur Aisch fliessenden Steinach, die Pfarrdörfer Oberäteinbacb, 
tld, und Münchsteinach mit Mitter- und Klein -Steinach L. 
a der Aisch, endlich Thiofbacb , Diebach Dorf in Pf. und 
t, sämmtlich im Ibfigewe, dem Iffgau"). 

nd der Kämpfe dea Königs mit Herzog Arnulf von Bayern 
lolf nicbt genannt. Er scheint demnach keine hervorragende 
iebei eingenommen zu haben. Jedenfalls hat er sich die 
Königs bewahrt; denn noch gegen Ende der Regierung be- 
rad auf Fürbitte des Bischofs Gnaden"), und im letzten Lebens- 
ilt er jenem Vertrage Dracbolfs mit seinem Kloster Schwarzach 
pril 918 die Bestätigung, aus welchem wir die ererbten 
Bischofa kennen. 

d zunächst im fruchtbaren Mainthale in der Nachbarschaft 
'S Münsterschwarzach die Orte Gerlachshausen, Pf. Stadel- 
, und halb Stockheim, Pfarrdorf Mainstockheim, beides L. 

Weivelt, das Pfarrdorf Wipfelt L. Schweinfurt, dann die 
heim und Feurbach, Gross- und Klein-Langheim, Märkte L. 

und Fenerbach Pf. Klein-Langheim L- Kitzingen, endlich 
üter in Nordheim am Main L. Volkach. In grösserer Ent- 
;en dann in Mittelfranken Castimallesdorf und Seiinsdorf, 



LVIII a. 14G im Origiiule im Beichsarchive. 
Urkunde ohne Datam M. B. XXXI. s. 186. 



: 53 

wohl Malmersdorf an der Rezat L. Heilsbronn und Selingsdtorf in der 
Gemeinde Kaudorf Pf. Thanu L. Herrieden. 

Als Gegengabe erhält der Abtbischof vom Kloster die Güter Hetzel- 
heim und Hittenheim, das Pfarrdorf Etzelheim L. Bibart und Hütten- 
heim L. Marktbreit, welche er neben den seinen lebenslänglich niessen darf. 

Endlich ward auch den Mönchen in dem Vertrage ein Vortheil 
bedungen: es sollen die Güter Tullstat, DüUstadt Pf. Stadtschwarzach, 
Stadelon, das Pfarrdorf Stadelschwarzach, beides L. Dettelbach, und 
Wisenheida, der Markt und Landgerichtssitz Wiesentheid, fortan mit 
Weingärten und Waldungen ausschliesslich für Lebensunterhalt und 
Kleidung der Brüder dienen. 

Noch im XVI Jahrhundert sind die Pfarrvorstände vieler dieser 
Orte zufolge des Nekrologs des Klosters aus den Conventualen des- 
selben entnommen, und es sind in den erhaltenen Bänden seines Erb- 
* buches Gerlachshausen, Stadelschwarzach und Düllstadt enthalten ^^). 

Bischof Dracholf ist hienach am Maine in nächster Umgebung des 
Klosters Münster seh warzach und wieder im Rangau begütert. Es sind 
dieselben Gegenden, in welchen hundert Jahre früher Graf Megingaud 
und seine Gattin Imma das Kloster Megingaudeshausen an der Leim- 
bach gegründet hatten , dessen Mönche noch vor dem Schlüsse des 
IX Jahrhunderts in die Stelle des aufgelösten Frauenklosters Schwar- 
zach eingerückt waren ^^). Es dürfte kaum fehlgegriffen sein, wenn 
wir in d^m Bischöfe einen Nachkommen der nächsten Stammverwandten 
Graf Megingauds erkennen, von welchem das jetzt noch in jenen 
Gegenden reich begüterte Geschlecht der Grafen von Castell seine Ab- 
kunft herleitet ^^). 



10) Nnr zwei Bände sind im Reichsarchive verwahrt; das Nekrolog s. Wegele zur Kritik etc. 
p. 3—39. 

11) Vergl. Wegele 1. c. p 27 N. 5. 

12) Vgl. hierüber Abriss einer genealogischen Geschichte des gräfl. Hauses Castell in Franken von 
Fr. M. Viehbeck, 1813. Nadi den Geschlechtstafeln, welche der Verfasser als zwar im Zu- 
sammenhange nicht streng erweislich, aber doch historisch wahrscheinlich bezeichnet, wäre 
Dracholf der Sohn Egino*s II Grafen des Ipf-, Badenach- uifd Gollachgaues , eines Enkels des 
Klosterstifters Megingaud und Bruder Egino*s III Grafen vom Badenachgau; ib. p. 9 u. 23. Als 
Stammherr der Grafen zu Castell erscheint dort der fränkische Graf Ruodo oder Rudolf, Vater 
der Kaiserin Fastrade und durch seinen Sohn Manto I Grossvater Megingaud*s , dessen Verwandt- 
schaft mit den Karolingern so begründet wird, und, wie sein Besitz von Castell, urkundlich feststeht. 



l9' 



^ 






54 






Nach Chonradas Sacrista's Vormerkung ertrank Bischof Dracholf in 
einer Donaugefahr ad Paige. Es ist wohl der Donaustrudel unfern des 
Schlosses Persenbeug im Bezirke Amstetten in Niederösterreich, Jahr- 
hunderte lang eine gefürchtete Stelle, deren vorragende Felsen nunmehr 
gesprengt sind. Sein Todestag wird gewöhnlich auf S. Urbanstag, den 
25« Mai, 926 gesetzt. Gamansius hat indessen nach Meichelbeck den 
24. Mai in Nekrologien gefunden, und hiemit isii auch der Eintrag des 
Nekrologs von Scheftlarn im Einklänge^'). 

Von den kirchlichen Schriftstellern ist Dracholf sehr hart beur- 
theilt worden. Es wird ihm, wie dem gleichzeitigen Herzoge Arnulf 
von Bayern, Beraubung von Kirchen und Klöstern vorgeworfen. 

Es ist indessen die höchst schwierige Lage wohl ins Auge zu fassen, 
in welcher sich das Land bei seinem Amtsantritte befand. 

Bayern lag verwüstet durch die Plünderungen und Zerstörungen 
der wilden Ungarn. Jährlich ward es von neuen Ueberfallen bedroht. 
König Ludwig sah sich zur Abfindung durch Tributzahlungen gezwungen, 
wozu das Geld in dem verheerten Lande aufgebracht werden musste. 
Dazu kamen noch die schweren Rüstungen, zu denen Herzog Arnulf 
von Bayern sowohl zur Abwehr jener furchtbaren Horden als zur Wah- 
rung seiner Selbstständigkeit genöthigt ward. Ausserbalb einzelner 
Klöster und Kirchen, welchen theilweise Rettung ihrer Schätze gelungen 
sein mag, war zuverlässig weder Gold noch Geld mehr aufzutreiben* 
An Bischof Dracholf traten daher unzweifelhaft gebieterische Forde- 
rungen heran, welchen er Wiederstand nicht zu leisten vermochte. Er 
folgte nur dem Gebote dringlicher Noth und auferlegten Zwanges, wenn 
er zugab, dass Kirchenschütze zur Abwehr äusserster Gefahr ver- 
wendet wurden. 

Chonradus Sacrista, welcher jenen schrecklichen Zeitläuften näher 
stand, erzählt denn zwar von Dracholf'^): 



13) Meicb. I. 161. W. Hundt Metr. SaL I. 131. Im Necrolog tod Schwanach ist „Tragnlphas, 
abhas monasterii nostri" zom II id. Ang. zam 12. Aagnst eingetragen. Hiemit scheint jedoch 
wie öfter in diesem Nekrolog nnr der Tag des kirchlichen Gedächtnisses im Kloster, der anni- 
Tersarins, bezeichnet zu sein. Wegele L c. p. VI nnd 26. Das Freisinger Todtenbnch enthalt 
Drahholfos episcopos zam 25. MaL Forschnngen XV. 163. 

14) Chonr. sacr. f. 100 y. 






1' 



li-'l 



55 

Utoni succeesit Dracolfus, qui instinctu humatii generis in- 
iixiici de sede episcopali et de cenobiis tribus, videlicet Mose- 
burch, Isine et Scheftilaren, abstulit exceptis purpuris et aliis 
ecclesiarum ornamentis ad CCCC talenta, sicuti in scriptis habentur. 

Aber unter das Brustbild des Bischofs am Rande setzt er die Verse: 
üt potior nemo sedet arcu sub duodeno 
Pastor Dracolfus, dampna^ cavens opibus. 



2. Ghorepiscopi^ Cogplscopi, Yocati Episcopi^ 

Eplscopi extranei. 

Bischöfe , welchen ein bestimmter Sitz nicht nachgewiesen ' zu 
werden vermag^ finden sich im IX und X Jahrhunderte ziemlich häufig. 

In vielen Bisthümern waren damals zweite Bischöfe, Choirepiscopi, 
vorhanden, welchen bestimmte kirchliche Funktionen, ähnlich wie der- 
mal den Weihbischöfen, zukamen; vielleicht auch solche, welchen mit 
dem Namen Episcopus nur eine höhere Würde, ein gewisser Vorrang 
verliehen war. 

Ob die vocati Episcopi der Urkunden auch zu diesen Nebenbischöfen 
zu zählen, oder aber Bischöfe sind, welche zwar zum bischöfiichen Amte 
berufen, jedoch durch Weihe oder Einführung noch nicht in den Besitz 
gesetzt sind, scheint noch zweifelhaft. Bemerkt mag werden, dass auch 
in unserer Zusammenstellung der vocitatus Episcopus Franco als wirk- 
licher Bischof von Vicenza kaum zu beanstanden, und Notingus vocalus 
Episcopus Veronensis schon früher geweihter Bischof sein dürfte. 

Bekannt ist der kirchliche Streit über die Chori epiöcopi, deren 
Thätigkeit manchem kräftigen Kirchenfürsten als unangenehme Be- 
schränkung erschienen sein mag. Daher das Streben ihre Einwirkung 
zu beseitigen. Ihre Abnahme um die Mitte des IX Jahrhunderts wird 
auch in unserer Zusammenstellung wahrnehmbar. 

JCirchenrechtliche Untersuchungen liegen jedoch hier ferne; Auf- 
gabe ist es nur, die Thatsachen, wie sie sich in den Freisinger Ur- 
kunden darstellen^ näher zu besprechen. 



iii 



Hl 

iI!T1 

i 



m 



^: 



■Jrfi 









I 



menden bekannteu bischöfa der uumittelbar angrän- 
Salzburg, Passau, Regensburg, Augsburg, Seben, bleiben 
Beachtung, währeod im Uebrigen der Aufzählung mög- 
logische Ordnung zu Grunde liegt. 

ings Weibbischofe »ind bereit:^! Arbeiten vorhanden, 
r die Zeit der Karolinger nicht genügen, 
der Freisingsche Hofmarschall, Freiherr von Bugniet, 
liuer R^ihe hochfürstlich Hochstift Freising'schen Suf- 
ind Genera Ivicare" in den Druck'). Dann fügte der 
h von Heckenataller dem Schematismuä der Geistlich- 
lums München und Freising für das Jahr 1830 einen 
äihenfolge der Weihbischöfe in Freisiug" bei, welcher 
en Arbeit zu erwähnen, für die letzten Jahrhunderte 
,t^). 

S 1. Oadalbart Epiavopng 777-810. 
t «teht neben BUchof Ärbeo loeret id einer Urkunde vom 16. November 777 
ro FrigUinga. 

chselB der Bischüfe Arbeo aail Atto scheint nm du Jahr 784 eine «eitere Ur- 
Tag and Ort. worin Oodalb&rt allein aU Bischof eracbeint. ilit Biachof^tto 
e im Jani 801, obne ihn im Juli 807 im Elooter Caroz, Qirs ua Inn, b«i 
nehrmalt in Freiring nnd taletit ua 8. September 809 genannt. 
tch die Funktionen dn WeihbiscbofB in Freieing unter den Biacbäfen Arbeo 
■eben la haben. NietnsU wird er Cborcpiacoptu oder voeatue Epiacopos genannt. 
MT DOr iweimal, nm T6ü ood 770, ein O&dalbart. Bmder Peigiii's in HoU- 
ist wohl derselbe Oadalhart. Aber bei der grossen Zuhl Ton Holzhansen kann 
leres kanm ermittelt werden'). 

Petto, Abbu monuteril SchefUsrn, Eplgcopsi 800—813. 

on Scheftlarn wird inerat um das Jahr 782 in einer Urknnde des Klosters gi>> 

dessen Cartnlar, sondern in Coiroh'a Sammlang sieb findet']. Auch in der 

f dC Seiten. Es ist S. 49—52 ein Extractus de NecKiloglo Weicbenitephanenst 

«rte primae origini coaevo beigefQgt, der insbesondere die Bischöfe, Probst« 

Dn Freising berücksichtigt. 

. H.5-160. 

. 54. 1^7. 121. 124. 157. 172. 2S5. B«8cli Annales Sab. I p. 712 n. 484. 

>er dort in iweiter Stelle genannte Sigibaid Cboriepiicopas , den Meichelbeck 

iDche des Klosters Beichenan P. I p. 100 mit Bischof Atto Terbnnden anführt, 

den nicht tot. Ebenso beruht Bugniets rierter Bischof nur auf der falschen 

für Oadaltart in M. N. 157. 

ron Adoni's Erbgnt in Sentilioga an Kloster Scheftlam (Sendling nächst 

In Datum. Coir. t 171 v. Meich. No. 275. Aber Dr. Roth — OartUchkeiten 



57 



p. 80 — stellt sie wohl mit Recht zam Jahre 782, da sie bei Cozroh einer Urkunde dieses 
Jahres — Meich. I. 80 Agilolf. Urk. No. 113 — unmittelbar folgt und mit ihr die Zeugen 
Ezzilo, Oasuni* und Oadalrih gemeint hat. In M. B. VIII p. 87ä ging sie aus Meichelbeck über. 

5) M. No. 121 Eingang. 

4) Cod. tr. Scheftlr. p. 13. M. 6. VIII. 872, nur zu bessern Z. 4 Erchanolf, Z. 8 omnia . . habui 
. . Z. 9 Dihningen, bei den Zeugen : Altinc, Wetti, Toto. Auch sind die Namen der mancipia, 
da Slaven darunter, nicht ohne Interesse: Deotbirc, Reginswind, Regingund, Rattumar, Kisila, 
Waltrat, Adalhart, Cawo, Cundpirch, Heriswind, Hucco, Hrodmunt, Wunnehart, Adalperht, 
Sigihart, Tupo, Heimdeo, Ratwar, Ratenza, Rihwar, Mahotgund. 

^h) Cod. tr. Scheftl. p. 16. M. B. VIII. 373, verbessere in No. 17 Z. 10 Liuthades, Z. 11 Othrarami 
Z. 13 scribere postulavimus, Z. 17 in loco qui dicitur, Z. 18 mense Martio IUI k. April. Z. 19 
Scrot, Z. 20 Gotapert, 

6) Cod. tr. Seh. p. 4 mit der Ueberschrift : traditio Pettonis Epi de Hachinga. Am Schlüsse steht 

f 

nach der Ueberschrift: „Cuniperht, Heil" vor Actum. 

7) Cod. tr. Seh. p. 7—10 M. B. VIII p. 370 N. XIII u. XIV. Beide Urkunden sind IUI K. 
Oct. ausgestellt, der testis verus* Herio soll Heiio heissen. 

5) Pubinhusir, Bogenhansen, und Wippinhusun kann nicht mehr mit Freudensprung für Ein 
Ort bezeichnend erachtet werden, seitdeni die Form Wippinhusa für Wippenhausen Pfarrdorf 
nächst Freising schon im X Jahrhunderte nachgewiesen ist. Oberb. Arch. B. XXXIV. No. 86. Auch . 
kommen Edle von Pubinhusen und Wippmhusen neben einander vor in den Urkunden Meich. 
No. 1324 und I. p. 371 und 382. 

1)) Cod. tr. Seh. p. 22. M. B. 1. c. p. 375 * No. XX. Richolf heisst zweitmals Richolt, die Zeugen 

Sigmar, Liutker, Trat. 
10) Cod. tr. Seh. p. 22. M. B. 1. c. No. XIX actum est III* Non. Decbr. Der zweite Zeuge 

Cundhart, nicht Chunrat, comes. 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 8 



Synode zu Regensburg (um 796) wird er nur als Abt aufgeführt^). Um das Jahr 800 aber schenkt 
Erchanolf Güter zu Walchstadt, Deining, Icking und Höhenrain im L. Wolfratshausen, dem Kloster 
des h. Dionjs, quod est constructum in regno Francoram in ducatu Bawarioram super fluvium, qui 
dicitur Isnra, ubi venerabilis vir Petto Episcopus seu Abbas praeesse videtur^). 

In der zu Peipinpach* im Kloster an der Mündung des Pfeifenbaches in die Isar am 29. März 
806 vollzogenen Schenkung Herricbs* und seines Sohnes Waltker steht am Schlüsse der Zeugen: 
Abbas Petto Episcopus*). 

Abt Petto macht am 8. August 806 selbst seinem Kloster eine Schenkung mit Erbgütern zu 
Hachinga, Obeiv und Unterhaching L. München und mit daselbst und zu Puoloch,* Kreuz- oder Eden- 
pullach L. Wolfratshausen am rechten Isarufer erkauften Gütern und heisst sich dabei : Ego ipse Petto 
Episcopus et Abbas, schliesst dann : in Dei nomine ego Petto Episcopus hanc donationem a me factam 
relegi et subscripsi ^). Am 28. September desselben Jahres wohnt er den Stiftungen Williburch's, der 
Gattin des Heinrich, und ihrer Tochter Swidburch bei und erwirbt deren Güter zu Walchstadt, am 
Rettenbach imd in Königsdorf, (Chumizdorf), den halben Berg Helmrichesteti und die beiden Quellen 
Linthade* und Chaltinprannin nebst Leibeigenen, gegen Leibeigene, 3 Pferde, 2 goldene Ohrringe, 
•eine goldene Armspange und seidene Kleider, wobei er ausschliesslich Petto episcopus genannt wird'). 

Nochmals tritt er im Jahre 813. bei der Verzeichnung eines Ankaufes von Erbgütern eines 
Richolf zu Pubinhusen, Bogenhausen ') nächst München am rechten Isarufer, auf, wieder nur Petto epis- 1 

copus genannt '). In gleicher Weise genannt findet er sich in der unmittelbar vorher im Scheftlarner Cartular ! i 

eingetragenen Schenkung des Diacons Eli wart zu Puochslage*, Puchschlagn L. Dachau, vom 8. De- 
zember eines nicht bezeichneten Jahres'^). 



I I 



I ■ 



• 






I 



' .'I 
1. 



H 



'■] 



> I 
'l 



'I i 



•!'l 



58 

Allenthalben erscheint hiebe! Petto nar im Kloster Scheftlan« An anderen Orten findet er lieb, 
seitdem er Episcopus heiset, nirgends« Er könnte etwa nur noch jener Petto in der Sebenkimga* 
Urkunde der Frau Deotswind von Leibeigenen an den Dom zu Freising am 28. Jnni 808 sein, welcher 
ohne Beisatz einer WQrde unter den ersten Zeugen steht; der Ort der Anfiiahme ist aber nicht genannt*'). 

Unter diesen Umstanden ist kaum anzunehmen, dass Petto irgend eine Thatigkeit als Bischof 
ausserhalb Scheftlarns ausgeübt habe. 

Mit der Bezeichnung als Episcopus dürfte daher wohl nur die Bewilligung einer höheren WQrde 
erfolgt sein, welche yielleicht bei TorgerQckter Dienst- und Lebenszeit gerade für Scheftlam sich 
empfahl, dessen Gründer Waldrich ja zum Bischöfe Ton Passau erhoben worden, und in dieser höheren 
Würde dem Kloster wohl noch längere Zeit vorgestanden war. 

§ 3. Uiltiker^ Toeataa Episoopos 804. 

Der Name Hiltikcr kömmt nur dreimal in den Freisinger Urkunden vor: 772 in 3Iitte der 
Dompriesterschaft'), 793 bei der zu Freising Tollzogenen Schenkung des Grafen Helmoin oder Hel- 
muni im Swalafelde '), endlich als vocatus £^ zu Tegemsee am 16. Juni 804, als bei der feierlichen 
Uebertrag^ng des Heiligen Qnirinus daselbst zugleich die Rückgabe mehrerer Pfarreien durch Abi 
Meginhard von Tegemsee an Freising bewirkt wird^. 

Hier erscheint Hiltiker wieder mitten unter der Priesterschaft des Bisthums Freising nach den 
Bischöfen Atto und Oadalhart und vor den Aebten, während von Auswärtigen nur der Erzbischof 
Arno zugegen ist. 

Nirgends ist angedeutet, dass Hiltiker anderwärts die bischöfliche Würde bekleidet habe. Aller* 
dings ergeben sich neben Bischof Atto Ton Freising gleichseitig zwei Co^piscopi, Oadalhart und Hil- 
tiker. Doch seheint diess Vorkommen nicht ganz unerhört^). 

Resch in seinen Sebener Annalen glaubt Hiltikem wegen des Vorhandenseins zweier Bischöfe 
in Freising anderwärts unterbringen zu sollen, und weist auf das Bisthum Neuburg hin^). 

Bettberg, in dessen Kirchengeschichte die älteren Arbeiten über das Bisthum Neuburg aufgeführt 
und gewürdigt sind*), ist geneigt in Hiltiker jenen Hildegart zu erkennen, welcher nach einer Vor- 
merkung bei Wolfgang Lazins aus ungenannten Annalen dem Bischöfe Mammo, vielmehr Manne, zu 
Neuburg gefolgt sein solF). 

Nach^Anton Winters in seinen Vorarbeiten für Bayerns Kixchengeschichte entwickelten An- 
sichten hätte das Bisthum Neuburg bis zum Jahre 809 gedauert, und so wäre dann 804 für das Auf- 
treten Hiltikers als dessen Bischof Platz ^). 

Allein Rettberg bekämpft mit guten Gründen Winter in Bezug auf die Dauer des Bisthums 
Neuburg, indem er darthut, dass jener Reichskataster, in welchem die Civitas nova um 809 mit 
solcher Bedeutung erscheinen soll, dass in ihr ein Bischofssitz anzunehmen wäre, weder der Zeit nach 



11) M. No. 283. 

1) M. No. 28, Agil. U. No. 49. 

2) Vgl. Dr. Roth Renner Cozroh's p. 48 mit M. No. 111. 
8) M. No. 121. 

4) Sarolochns et Godobertus, choriepiscopi, nuntii Hildefridi Eichstedensium Episcopi auf der 
Synode zu Dingolfing 920. Lor. Hochwarts Catalogus Episcoporum Ratispon. bei Oefele Script, 
rer. Boic. I. p. 175. a. 

5) Resch Ann. Sab. I. p. 775 Note 648. 

6) Rettberg Kircbengeschichte Deutschlands. H. 152. 
1 , 7) W. Lazius de gentium aliquot migrationibus II. 282. 

8) A. Winter, Vorarbeiten zur Bayr. und Oesterr. Kirchen-Geschichte, IL Bisthum Neuburg p. 203, 
Hildegard p. 223. 



u 



59 

festsiehe, nocb eioe kirchliche Beziehung habe. Das Bisthum Nouburg, welches in Bonifazius Ein- 
richtimg der Kirchen Bayerns sich nicht findet, "iuinn wohl nur aus dem Zeiträume der Kämpfe 
zwischen Franken und Bayern stammen, wo es von politischer Bedeutung war, das Bisthum Augsburg 
nach den dasselbe durchschneidenden Landesgranzen in zwei zu theilen. Mit der Einverleibung Bayerns 
in das grosse Frankenreieh fielen die Gründe für einen Bischofssitz in Neuburg, und war derselbe der 
Lage und Gestaltung nach unhaltbar geworden. 

Nach dem Jahre' 788 fehlt denn auch jegliche Nachricht über ein Fortbestehen des Bisthums 
Neuburg, während schon an sich Bischof Manno's Leben über 788 hinaus kaum zu erstrecken sein 
dürfte, Hiltiker aber, wie vorbemerkt, noch 798 sich unter der Domgeistlichkeit Freising befunden zu 
*haben scheint. Es wird daher eine spätere Aufstellung eines Bischofs zu Neubarg nach längst er- 
loschenen Gründen für das Fortbestehen des Bisthums, aber auch in gleichem Grade eine weiter gefolgte 
Wiederabsetzung des Bischofes, wie sie Bettberg zur Erklärung des vocatus Episcopus Hiltiker an- 
deutet, höchst unwahrscheinlich, zumal der Titel vocatus Episcopus in der Ausdehnung von zehn und 
mehr Jahren gefuhrt worden sein müsstc*). 

Wir erblicken demnach in Hiltiker einen Coapiscopus von Freising, dessen Wirksamkeit aber 
im Hinblicke auf bald auftauchende andere Namen eine sehr kurze gewesen sein dürfte. 

§ 4. Eraehar Eplsoopiis 805—811^)* 

Erachar ist schon Priester, als Oazo und Cotania mit ihrer Tochter Engilsnota die zu Rotta- 
pach, Rottbach L. Brück, erbaute Kirche durch Bischof Atto einweihen lassen und zum Dome schenken. 
Als erster Zeuge dürfte er zur Verwandtschaft gehört haben. Der Vorgang wird desshalb vor das 
Jahr 790 zu setzen sein, weil Ellannod noch als Diakon dabei ist. Er macht den Kriegszug gegen 
die Avaren mit ; denn als auf demselben Oazo mit seinen Söhnen Priester T utile und Gozzilo im Lager 
bei Lorch die Stiftung erweitert und alles zu Rotinpach bis auf den Antheil des Sohnes Meiol dem 
Dome zuwendet, ist er wieder Zeuge. Nochmals wirkt er als Zeuge bei dem Testamente des viel- 
genannten Mönchs und Domherrn Ratolt mit, welches um 805, als Liutfrid an der Spitze des Dom- 
dema stand, niedergeschrieben ward« 

Nur einmal wird er Bischof genannt: als er dem Bischöfe Atto zu Ismanning Leibeigene zurück- 
gibt, welche zu Purolfinga, Purfing L. Ebersberg, dem Bisthume entzogen worden waren. Es geschah 
am 23. Februar eines nicht genannten, wohl nach dem J. 805 zu setzenden Jahres'). 

Da nirgends sonst eine Spur von ihm ermittelt ist, so dürfte er nach Hiltiker und Liutfried 
kurze Zeit hindurch als Coapiscopus in Freising fungirt haben. 

§ 5. Liatfrid, voeatos Episcopus 808. 

Im Mai 765 findet sich unter Bischof Arbeo zuerst ein Liutfrid als Domcleriker (Subdiacon), 
welcher im October 767 zum Diacon vorgerückt, im Februar 778 sodann Priester ist. 

Der Name Liutfrid kömmt öfters vor. Es ist daher um so weniger wahrscheinlich, dass Herzog 
Tassilo bei Gründung des Klosters Auwa auf der Insel des Ohiemsees, wo Grieche Dobda oder Tuti 
lehrte, diess Mitglied des Freisinger Domklosters zur Vorstandschaft berief, als der Abt Liutfrid an 
der Spitze dieses Klosters erst am Beginne des IX Jahrhunderts erscheint, wo er am 18. Jänner 804 



9) A. Winter 1. c. Auch A. Buchner nimmt in seiner Bayr. Geschichte die Vereinigung von Augs- 
burg und Neuburg in ein Bisthum unter Sindbert, jedoch erst im Jahre 808 an. Buchner II. 
215 und Docum. Band U. N. 37. p. 4. 

1) Resch Ann. Sab. IV, p. 91 N. 204« Bugniet kennt ihn auch; H(«kenstaller versetzt ihn, auf 
Bosch sich beziehend, in die Zeit von 926 bis 1088. Belegstellen fehlen bei Heckenstaller 
gänzlich. 

2) M. No. 103. 179. 219. 255. 

8* 



lo dem Kloster aberwiesene Pfantiircben an Bigäiot Atto tod Frei' 

n findet sieb jedeDMla um IIH neben dna Prieiter Lintfrid tnch 
ist es vahrscbeinlicb, der jener VerhaDdlnng im Jinner 804 noo 
tglied de« DomcleroB, tritt in mehreren Urkandeo in bennagter 
ter Ellannod aof, gebürt mit seinem Bmder Anno m den Orand- 
>bl aach m den Verwandten des bereit« erwühntenj Domlierm Katolt, 
ntgegennimmt ; endlicb macht er selbst in Feldmoching und Fred- 
'ching, beides L. MQnchen links der laar, Schenkungen und stirbt 

il in den ürkanden ein Lint&id, Tocatos £piscopns, am 31. Mai, 
datirten Uiknnde ans derselben Zeit. 

Chiemsee ist bienach Jedenfalls dn Priester Lintfrid in der Frel- 
:heiden, and da Jener der ErtdiScese Sahborg angebSrl^, «o ist es 
icopas in Freising TorrQckt, 
r Abt, noch der Bischof weiter vor. 

inacb mit Recht nnt«r den Weihfaiscböfen Freisings anfgeHlhrt werden, 
t. Ist er identisch mit jenem Verwandten Batolds, »o i«t er wegen 
i Zeit der Wahl des Bischob Hitto, inrQckgetreteD and erscheint 
iter. 

, dass um diese Zeit dem geistlichen Stande in diesen Qegenden drei 
nere Sonderang dann nicht mehr mdglich ist '). 

i 6. Agnus Eplgcot»iis 8D8-822. 

iheint auf einer Synode za Begensburg als letzter der Bischöfe vor 

und der, gleiche Name findet sich in derselben Stellung bei dem 

1 823 die kaiserlichen Sendboten Cotafrid nnd Hatto in Ergoltinga, 

). 

ischen BistbOmer als Co«piacopus inzntheilen sein. Ihn mit lEesch 
Bisthome Augsburg-Neaburg zu überweisen, kSnnen Gründe kaum 
falls war Nenbnrg nm 822 noch eigenes Bistham '), 

ndreas EpIscoiHis VlceDÜniu ;803— 820. 

DiacoD in der Urknnde zuerst genannt, in «elcher Adalo Ober Ki*sl- 
'erfDgt, erscheint Andreas erst wieder als letzter Zeuge am 25. MärE 
,lfrid für eich nnd seinen Bruder Regindeo GQter in Poachloh, Bnl- 
j tum Dome Tcrgabt'). 



nh. 11 13. 

48. 49. 61. G8. 72. 73. 90. 97. M. No. 127. 147. 155. IG2. 233. 

stimmt sich dadnich, das9 Huto Biachof von Passaa seit 806 and 
roD Sehen seit 807, anwesend sind. 
[1 p. 21. N. 40 p. 78 N. 167. 



61 

In diesen Gegenden ist er eben selbst begütert Am 10. Jänner 814 schenkt ein Priester 
Andreas ad Pergnn, wohl Berging W, P. Isen G. Tbonbach, wenn nicht eines der acht Berg W. 
Q. E. im L. Haag, Güter zur Domkirche. Es ist wohl derselbe Andreas, nun Bischof, der 
Ton seinen Eltern ererbte Güter zu Swindaha und Asc, Schwindach, Pf. Obertaufkirchen L. Haag, 
und Kirchasch, Pf. Bockhom L. Erding im Jahre 818 dahin^ibt. In der in Italia in civitate Yicentia 
im August ausgestellten Urkunde bestätigt der Bischof die Schenkung der in Bayern liegenden Güter 
seiner Eltern zum Dome zu Freisiug und der Diacon Petrus, der sich zugleich Priester nennt, zeichnet 
den Vorgang nach dem Befehle des Bischofs auf. Ein gewisser Hringolf wird mit der Uebergabe be- 
auftragt, die er an Ort und Stelle vor Bischof Hitto, Graf Job und zahlreicher Versammlung vollzieht. 
Zum dritten Male ward die Gabe dann bestätigt, als im folgenden Jahre Bischof Andreas, aus Italien 
an den Eaiserhof gereist, auf der Rückkehr einige Tage in Schwindach verweilte, und am 11. August 
nach Freising kam'). 

Schon Meichelbeck vermuthet in ihm einen Bischof von Vicenza, und Besch hat aus einer Ur- 
l[unde bei Muratori nachgewiesen, dass er um 820 einer Synode zu Verona als Bischof von Vicenza 
beiwohnte'). Er ist denn auch in P. Gams verdienstvollem Werke Series Episcoporum catholicao 
ecclesiae bei Vicenza aufgenommen, wo er seit 808 eingetreten zu sein scheint und am 31. März 
820 starb ^). 

Er ist ein geborener Bayer, der wohl durch Reichs- Verhältnisse zu einem Bischofssitze in Italienr 
gelangte. Sein seltenes Vorkommen in Urkunden ist bezeichnend dafür, dass bei Verfügung über 
Grund und Boden immer auf Zuziehung von Zeugen aus der nächsten Umgebung Bedacht genommen ward. 

§. 8. Franofao Episcopns Ylcentinns 823—827. 

Francho ist der Nachfolger des Bischofs Andreas. Als solcher tritt er am 3. Juni des X 
Regierungsjahres Kaiser Ludwig des Frommen indictione 11, 823 nach den Begierungsjahren, 824 nach 
der Indiction in Freising auf, wo er „vocitatus Episcopus** im Einverständniss mit seinen Verwandten 
seine Erbgüter zu Swindaha, Schwindach, dem Domstifte widmet, wogegen er auf Lebenszeit auch die 
von seinem Vorgänger Bischof Andreas dortselbst geschenkten Güter nebst den seinigen nutzniessen 
darf; jährlich zu S. Martins-Messe, d. h. am 11. November, einem in Bayern bis zur Aufhebung der 
Gutsherrlichkeit vielfach üblichen Verfalltage, ist davon der Zins von 10 Solidis zu entrichten^). 

Zweifellos gehört Francho zu den nächsten Verwandten des Bischofs Andreas und scheint im 
Lebensalter ihm nahe zu stehen. Dass er dessen Bruder gewesen, wie Einige wollen, ist aus den 
Urkunden nicht zu entnehmen. 

Der Name Francho kömmt um diese Zeit mehrfach vor, doch scheint nur einer dem geistlichen 
Stande anzugehören. Im März des Jahres 773 ist er zuerst unter den Clerikem, am 5. December 777 
Notar unter Bischof Arbeo in Freising selbst, seit 778 Priester. Er gehört zur Domgeistlichkeit, wie 
sein Auftreten mit Bischof Atto im März 803, uiid noch 807 beweist^). 

Von da an findet er sich nicht mehr bis zu dem vereinzelten Erscheinen zu Freising im Jahre 824. 

Da er sich ausdrücklich als Nachfolger des Bischofs Andreas von Vicenza darstellt, so ist auch 
er zu den ziemlich zahlreichen, aus dem deutschen Clerus zur Zeit der Karolingischen Kaiser hervor- 
gegangenen Bischöfen Oberitaliens zu zählen. 



2) M. No. 369. 370. 

3j Resch Ann. Sab. III p. 71 N. 150. Muratori Antiqu. It. I p. 462. Bugniet führt Andreas und 

Francho unter Vorbehält noch bei den Chorbischöfen auf, Heckenstaller lässt sie bereite weg. 
4) Gams Series etc. Ratisponae 1873 p. 804. 

1) M. No. 441. 

2) M. No. 60. 92. 99. 100. 132. 241. 270, dann I. 7 der Agil. Urkunden 1. c. 215 (71). 



lern Büctiofe Andreas, nach Vicenu gefolgt sein. Jedenfklla 
All Biacbof von TicenzB anterreichnet er im Jatire 826 oder 

ipiscopns", nu tod italieniMhen SchrifUtellero , in deren 

I 701 NameD fehlen, auf Franumitu ergänzt ward'). 

Bsen Todestag Sil Kai. ApriUs — 21. Man — jedoch ohne 
eingetragen findet*), 

Noto Epl§eoptis 823. 
lannar 828 seine Beeitiangen zq Ketkinga*, Koegning in der 
)orfen, mit 13 leibeigenen vor fBnf Grafen der Domkirche 

Urknoden niemab tot, obifohl seine Abkunft ana Bauern 

n Notho Rein, welcher ah kaisetlieher Sendbote dem En- 
Sjnode cd Acben im Jahre 816 inaammengei teilten Regeln 

I ermittelt. Er wird ron Einigen m den Chor- oder Weih- 
ei der groisen Zahl der ans den nächsten Jaliien seines Anf- 
lenden Urkunden beanstandet werden moas*}. 

laeher Episcopng, ante SSO. 

^ der Cleriker Salomon fiber Hans nnd Hof nnd 20 Leib- 
DT Croaninpah, die Einöde Hohmann oder Hobmichel am 
kch, L, Dorfen, in Onntten des Domes in Freiaing. Er hat 
^ ; beider Besitz soll anf Lebenszeit dem Ceberlebenden rer- 
n. Ihrem eigenen Seelenheile, sowie jenem des Priesters 
:r Verwandton nnd Eltern aolt die Widmung gelten'). 
id Filusa* und ad lana, an Vils und Isen, nnd nochmals in 
irfen, ond Eleenbach Pf. GrQntegembach, L. Dorfen, GQtor 
s, die Priester. Jacob und Simon, nntzniessen sollen. Nach 
der offenbar auch verwandte Cleriker Salomon im Besitze 
nlpb und Enbischof.Arno belangt, werden sie darch den 
lekanntlich vorsteht , überwiesen nnd Jacob nnd Simon er< 
r Cleriker Salomon gibt dann weitor im Augnst des Jahres 827 
in- oder Wasentegembach L, Dorfen '). 

htigt das Jabr des Concils auf 826, womit auch P. Garns p. 
ennt in den Ann. Sab. HI p. 83 N. 180 das Jabr 827. 

das Regierun gs-Jahr X erst Jänner 824. 
!sch Ann. Sab. III p. 82. NoU 179 in ihm den Reginar- 
relchen Erzbiscbof Adelhram nach der Converslo Bagoarionun 
n sendet, sind die Namen in verschieden. 
16 CoSpiscopus nntor Bischof Hitto. 

ione VIII Hlndowici Imprs anno XVII et Hlodowici regis 
Die Zahlen sind nnvereinbar, da Indiction und Regierunga- 

ndiction 827, Gegiemngsjahr 828. 



63 

Es sind demnach reiche Grnndhesitzer an den Quellen der Isen und der Vils, welche des Seelen- 
heils des Bischofs Audacher gedenken, der offenhar zur nächsten Verwandtschaft gehörte. 

Aber in den zahlreichen, während nahezu vierzig Jahren ausgefertigten bezüglichen Urkunden 
erscheint nirgends ein Audacher als Zeuge oder sonst genannt. 

Es ist daher nicht glaublich, dass er in der Nähe verweilte; er durfte den auswärts zur 
bischöflichen Würde gelangten Bayern beizuzählen sein. 

Sein Bischofssitz ist nicht ermittelt'}. 

§ 11. Chunlboch Episcopns 839-850. , 

Chunihoch ist der Sohn des mächtigen Grafen Batolt oder Ratolf, welcher am rechten Isarufer 

nnfem München reich begüteit war, im Dezember 839 Bischof Erchanpert von Freising zu sich nach 

Tagolfing erbat, bei dessen Ankunft vom Krankenlager sich erhob und, mit dem Schwerte umgurtet, 

dem Domstifte Güter zu Tagolfinga und Cramannesdorf, Daglfing und Gronsdorf L. München rechts der 

Isar, dann in Hupphinheim*, vielleicht Aufham W. der G. Auerbach L. Erding, nebst 34 Leibeigenen, 

theils eigene, theils von dem Bruder Adalgoz ererbte Besitzungen, als Seelgeräthe bestimmte. Sein 

Sohn Bischof Chunihoch war damals landesabwesend ; ihm wurde sein Antheil vorbehalten.. Im Jahre 

845 kam dann Bischof Chunihoch nach Freising und bestätigte die Schenkung seines Vaters am 24. 

Jäimer, zugleich auch seinen Antheil an Daglfing und Gronsdorf dem Dome widmend, alles aber wieder 

von Bischof Erchanpert zu Lehen empfangend. Ein .zweites Mal fand er sich im Jahre 850 in Freising 

ein, erneuerte die Schenkung am 28. Juli und fügte ihr noch Eckilinpurc, Vorder- und Hinteregglburg 

in PL und L. Ebersberg bei^). 

Der Bischof Chunihoch wird jederzeit mit den Worten eingeführt nVeniens ad Frigisingam, ad 
sedem Frigisiensis ecclesiae. Sein Amtssitz war daher anderwärts, und da er in den Bischofs-Verzeichnissen 
nicht vorkömmt, dürfte er Co@piscopus einer auswärtigen Diöcese gewesen sein. 
Bugniet zählt ihn mit Resch unter die Chorepiscopi^). 

§ 12. Herolf Chorepiscopus Frisingensis 850—855. 

Chorbischof Herolf ist unter Bischof Erchanpert mit dem Erzpriester Anulo um 850 Zeuge bei 
dem Tausche n^it dem Edlen Pepo in Nivvara, einem der Neufahrn, und wird dann von Bischof Anno 
bald nach dessen Begierungs-Antritte mit Thannkirchen in der Pf. Dietramszell L. Wolfratshausen 
beliehen, welches Iring und Fridaburg schon im Jahre 848 zum Dome vermacht hatten*). 

Herolf und Anulo sind nochmals Zeugen bei Bischof Anno's Tausch von Gütern zu Riuti und 
und Totinchiricha, Doetzkircfaen Pf. Ranoldsberg L. Neumarkt, und etwa Ober- und Niederreith, 
'Weiler der Pf. Grüntegernbach L. Dorfen. Doch wird hiebei ihrer Würden nicht gedacht ').r 

Es ist wohl derselbe Herolf, welcher 828 und 831 am Ende der Geistlichkeit, am 9. Februar 
B33 als erster der Diakone, um 836 wieder genannt ist, und am 28. April 842, als der ganze Dom- 
elems der Widmung der Güter der Priester drafolt zu Perchovun, Berghofcn L. Landshut, im Dome 
zu Freising lieiwohnt, an der spitze der Priesterschaft erscheint. Im selben Jahre wird er nochmals 



3) Auch Besch wagt ihn keinem bestimmten Sitze znzutheilen. Ann. Sab. III p. 91 n. 204, p. 

96 n. 216. Bugniet 1. c. p. 16 nennt ihn Chorbischof» Heckenstaller p. 146 verweist ihn ohne 

Begründung in die Zeit von 926—1038. 
^) M. No. 607. 670 und Abth. I. No. 15. Weder der aeriker Chunihoch um 760—776 -^ Agil. 

Ürk. No. 20. 36. 38. 82 — noch der Laje gleichen Namens, um 846-860 M. 708, dürfen 

hieher bezogen werden. 
2^ Bugniet 1. c. Resch Ann. Sab. III p. 91 n. 204. 
^) M. N. 694. 704. 
2) M. No. 815 add. 



64 

alleio neben Probst Oadalpald und Erzpriester Wuldarricb genannt, und ist in den Jabren 843, 845 
l nnd 848 Zeuge, dann 850 an der Spitze der Abordnung, welcbe im Auftrage Biscbof Ercbanperts von 

den Gütern, welcbe Biscbof Cbunihocb zu Daglfing, Gronsdorf und Eckeibarg geschenkt hatte, 
Besitz ergreift^). 

Er ist im Todtenbucbe des Klosters Beicbenau mit Bischof Erchanpert eingetragen, die Zeit 
seines Ablebens aber unbekannt 

§ 10. Notlngns Epiticopns Tercellensls SSO, vocatus Yeronensis 840—844, 

Brixiensis 844—865. 

Am Hoflager König Ludwig des Deutschen zu Aibling erscheinen im MSrz des Jahres 855 als 
Gesandte des Königs der Langobarden, Kaisers Ludwig II, der Bischof Noting und Graf Pemhard, und 
werden mit Graf Ernst (vom Nordgau) beauftragt, den Streit über Weinberge bei Botzcn zwischen dem 
antretenden Bischof Anno von Freising und Bischof Odalschalk von Trient zu entscheiden '). 

Bischof Noting tritt mehrfach in jener Zeit hervor. Der berühmte Abt von Fulda, spatere Erz- 
biscbof von Mainz, Hrabanus Maurus, richtete in seinem Kampfe gegen die Irrlehren des Mönches 
Gottschalk Briefe und BQcher an ihn ; er ist einer der Gesandten der Kaiser Lothar I und Ludwig II auf 
der Sjnode zu Rom 853; endlich wird er nochmal von Kaiser Ludwig II an König Ludwig den 
Deutschen gesendet, als dieser im März 858 zu Ulm weilt'). 

Er ist ein Deutscher alemannischen Stammes, wie eine Urkunde Kaiser Heinrich IV vom 
9. October 1075 lehrt, worin er als Sohn des Senators Erlafred aus dem Hause der Grafen von Calw 
in Württemberg unter den Gründern des Klosters Hirsebau genannt wird, dessen Errichtung um 
830 fällt'). 

lieber seinen Bischofssitz wird gelehrter Streit geführt. Schon Marins Lupus hat in seinem 
Codex diplomaticus civitatis et ecclesiae Beigomatis ihm eine eigene Animadversio gewidmet^). 

Nach der unverdächtigen Originalurkunde Heinrich IV muss anerkannt werden, dass Noting 
zuerst das Bisthum Vercelli erhielt. Um 840 wird er Bischof von Verona genannt und auch hier liegt 
eine Urkunde Kaiser Lothars aus Gondreville vom 22. August 843 vor, worin eines Vasallen Ostini 
des viri venerabilis Notingi Veronensis ecclesiae v o ca t i episcopi erwähnt wird *). Nach einer Urkunde 
vom Jahre 847 curte Auriola schenkt Kaiser Ludwig II fiscalische Güter dem Kloster S. Zeno in 
Verona petente Notingo — doch ist hier ein Bischofssitz nicht beigefügt *). Auf der Sjnode zu Born 
aber unterzeichnet der Bischdf „Notingus Brixiensis*', und in Brescia findet er sich auch um 864 zu- 
folge der nach seinem Ableben vollzogenen Bestätigung einer Schenkung, welche er einem Nonnen- 
kloster daselbst gemacht'). 



3) M. 540. 553. 554. 596. 621. 624. 637. 652 add 670. Nicht hieher zu beziehen ist der Namen 
Heriolt, weder der Priester, der um 821 Stiftungen zu Budeltshausen und Steinbach L. Main- 
barg macht, noch jener, der um 827 als Miterbe in Allershausen, L. Freising, erscheint. M. 421. 510. f. 

1) M. No. 702. . 

2) Üghelli Italia sacra IV p. 536. Annales Fuld. bei Pertz. M. G. h. L 371. In N. 39 wird er 
irrig Verona statt Brescia zugetheilt. Duraler Gesch. von Ostfranken I. 315. 386. 388. 399 
nennt ihn in dem gelehrten Streite „von Verona, bei der Gesandtschaft» von Brescia. 

3) M. B. XXIX. a. 182. Stalin Württ. Geschichte I. 195. 866. 372. 

4) Lupus 1. c. I (1784) Aminadversio XIII p. 707—714. 

5) Lupus 1. c. p, 703 IX K. Sept. anno imperii Hlotharii 24. in Italia et 4. in Franoia, indict. 6 
actum Gundulfi villa. Von Böhmer in seinen Regeston der Karolinger No. 578 nach Ort und 
Indiction, dann Regierungszeit in Frankreich auf 843 gesetzt, dann 22. Jahr in Italien. 

6) Ughelli 1. c. V. 718 anno Hlotharii imper. XXXIII, Hludowici IV indict. X. 

7) Lupus 1. c. p. 715; die Urkunde ist unvollständig erhalten. 



65 

P. Garns in seiner Series Episcoporam führt daher den fiischof Noting nm das Jahr 830 bei 
Yercelli, 840—844 bei Verona, nnd, als 844 den 14. October versetzt, bis znm Ableben nm 865 in 
Brescia auf'). 

Seine Gesandtschaften fallen zuverlässig in die Zeit seiner Amtsführung zu Brescia. 

Ob er, wie Lupus will, für Verona nur ernannt, vocatus, niemals aber bestätigt ward, dürfte 
'kaum mehr zu entscheiden sein. 

§ 14. Otdalschalcnsy Episcopns Tridentinns 855—864. 

Der Uischof Ovdalschalk von Trient kömmt in den beiden Urkunden vor, welche den Rechts- 
streit über die Weinberge bei Botzen betreffen, deren Zurückgabe von Bischof Anno von Freising be- 
gehrt und erwirkt wird. 

Die erste ist am 17. März 855 zu Aibling gegeben, wo König Ludwig der Deutsche damals 
verweilte, wie eben bei Bischof Noting erwähnt ward, die zweite, ohne Datum überliefert, aus der 
Zeit einer Zusammenkunft zwischen König Ludwig und dem Kaiser Ludwig II, in beiden Urkunden 
nur König der Langobarden genannt, zu Trient. 

Diese Zusammenkunft fand wahrscheinlich im Juli des Jahres 857 statt ^). 

§ 15. Cowo, Chorepiscopos Frisingensis 802 -(810) '). 

Im September des Jahres 902 unter Bischof Waldo trat Cowo zufolge der unter Bischof Dra- 
cholf gefertigten Urkunde als Chorepiscopus in Freising ein. Denn als er dem zuletzt genannten 
Bischöfe das Stift Moosburg am 13. September 908 überlässt, hat er das sechste Jahr des Chor- 
episcopates beschlossen und beginnt das siebente. 

Die Urkunde, wodurch ihm der König, ohne Zweifel Ludwig das Kind, die Abtei Moosburg be- 
stätigt hatte, ist nicht erhalten, über ihre Güter daher nichts bekannt; doch scheint das Stift im 
Laufe der Zeit sehr geschmälert worden zn sein, da es nur mehr Abbatiola genannt wird. Immerhin 
erhält Cowo, vertreten durch den Grafen Sigihard, dafür zwei Güter im L. Moosburg, einen Hof in 
Humbila^ dem Pfarrdorf Humel und ein kleines, fast ödes Lehen in Swanahiltadorf , dem durch den 
Volksmund verunstalteten Pfarrdorfe Schweinersdorf, zu Eigenthum, behält seine bischöflichen Lehen 
für Lebenszeit, nnd wir lernen auch seinen beträchtlichen Hausstand näher kennen, da ihm noch ein 
Schmied Heiro, ein Schildträger Perchtcoz, ein Bäcker Linguni und ein Fischer Artheri, dann aus der 
Weiberstube 12 Mägde überlassen, sowie ein jährliches Keichniss von Wein zn zwei Fudern aus der 
Ostmark, nnd zn zwei Fudern Botzener Wein zugesagt werden'). 

Eine der seltenen Urkunden Herzog Arnulfs bestätigt den Vertrag, wobei der Herzog den Chor- 
bischof seinen fidelis et assiduus Orator nennt.* Er scheint daher auch im herzoglichen Bathe eine 
ständige Funktion begleitet zu haben. 



8) Gams 1. c. (Ratisponae 1873) p. 779. 804. 825. 

0) M. NO.-702. 708. Dümler Ostfränk. Geschichte L 399. Note 50. 

1) Der Name lautet in Cod. commutationum immer gleichmässig Cowo, wie ihn auch Meichelbeck 
in den Urkunden bringt. Die erst zu Ende des XII Jahrhunderts gefertigte Zusammenstellung 
des Chonradus sacrista nennt den Chorepiscopus allerdings Chuno. Der letzteren Form kann 
aber eine Berechtigung um so wenigei* zugestanden werden, als Couuo vielmehr mit Cawo, 
Gauwo, Kauuuo zusammenfällt. 

2) M. No. 982 mit den in der Abtheilung Verbesserungen enthaltenen Zusätzen. Schon damals 
findet sich also die in den Klöstern so häufig nachweissbare Fürsorge neben den Weinen aus 
Oesterreich auch von den süsseren Weinen Südtirols aus ächter Quelle zu besitzen. 

Abb. d. III. CL d. k. Ak.d.WiB8. XIII. Bd. L Abth. 9 



1-Absohiift weist die Zeit nicht nach, doch iit *ie noiweirolhtkft erat atyeb 
da der Henog sich dirlDa ordinante proridentia Du B^ioario^am tt 
lenaf). 

Ib in den üiknnden genannt, und anch lotuf al« Chorbluhof Dor noch 
knude enter Zenge, ab Biicbof Dracbolf aeinem .Hiltiicbalk* Linthan*), 
der Unterkienberg gegen UeberlaesiiDg seinei Eigene la Eching, beide* 

ist nichte la ermittelD. Et mag von ansvärte, sei es durch den aus 
r Waldo, sei er durch köotglicbe Qnnit nr Abtei und mm Chorepiscopat 
'ame Cawo, Ganwo, BajriBcheD Urkunden froherer Zeit nicht fremd. 
Grrafen von Hooaborg entstammen laasen'}, so liegt hiefQr keine Andeo- 
I Vertreter bei dem Vertrage mit Bisebof Dracholf, war Gangraf der 
9 Verwandtschaft iwischen ihm nnd dem Cborbischofe ist daher nicht 

!r Todtenboche als Gawo choiepiscopua eingetragen , etarb am 16. Sep- 
ree*). 



Aebte In den Freisinger Urkunden 
der Karolinger Zeit. 

len in dem frngliclien Zeiträume vor den Digai- 
tri, da eie gleich den Bischöfsa an der Spitze kirch- 
1 stehen. 

ClÖBter, deren in Bayern der GeBchichtschreiber 
AgilolfingiBchen Periode fibergehend , 35 zählt '), 
arolingern nicht wesentlich vermehrt. 
Zeitraum von 708 bis 911, wenn von Kloster Berg 
säen Grfindungajahr nichts feststeht, abgeaehea wird, 
jn Metten in Niederbayern durch Karl den Grossen 
1 durch den Augsburger Domherrn Rathart, Bruder 
im 815, von Ober- und wohl auch NiedermQnster 
33 durch Ungenannte, von Ältötting durch König 



deutsche Verf. GescbicMe I. 182 N, I Rriegsknecht. nach Schmeller, 
I^p. 1102 — leibeigener Knecht. 



67 

Karlmann im Jahre 877 unter Zutbeilung des Klosters Mattsee, und 
endlich von Wüten in Tirol und Trunseo, Ältmünster am Traunsee 
im Salzkaramergute^). 

Weit mehr Klöster verloren unter den Karolingern ihre Selbst- 
ständigkeit durch die von jeher von ihnen geübte Sitte der Verlei- 
hung^) an Erzbischöfe und Bischöfe, ja selbst an Laien, welche bei ein- 
zelnen nur vorübergehend in Wirksamkeit trat, bei vielen aber, wie in 
dem erwähnten Mattsee, bei Moosburg, Isen, dann Herrieden, die Ver- 
wandlung in Collegialstifte, oder gänzliches Erlöschen, wie bei Traun- 
kirchen und Berga, zur Folge hatte. 

Am Schlüsse des Zeitraums beginnen aber schon, und wiederholen 
sich bis über die Hälfte des X Jahrhunderts häufig jene verheerenden 
Kaubzüge der Ungarn, welche Brand und Plünderung durch das ganze 
Land trugen und aus der früheren Zeit nur gar geringe Ueberreste von 
alten schriftlichen Aufzeichnungen verschonten. 

So sind denn die Abt- Verzeichnisse meist unroUständig, später an- 
gefertigt und linverlässig, häufig mangelnd* 

Es möchte sich daher ^empfehlen, die urkundlich beglaubigten 
Aebte mit dem, was über sie bekannt ist, in alphabetiöcher Ordnung 
aufzuzählen und am Schlüsse die Ergebnisse für die einzelnen Klöster 
Bayerns, soweit sie mit einiger Verlässlichkeit sich gewinnen lassen, 
zusammen zu stellen. 

§ 1. Adalmann, Abimg monasterllWeBSofontaiil 822— 825. 

Bischof Hitto widmet dem Dome durch eine am 80. April 1825 zu Freidng ansgeBtellte Urkunde 
Beritsungen, welche er ad Azzalinga, ad Ansinga et ad Holze, im Pfarrdorfe Holzen und den Filialen 
Assling und Anzing, alles L. Ebersberg, yon einem Abte Adalmaqn gekauft hat. Abt Adalmahn hatte 
sie von seinem Bruder Hartmann ererbt, über die GrSnzen aber scheint Yon einem Edlen Hrodhoch 
bei Assling Streit erhoben worden zu sein, welchen des Bischofs Anwalt Adalker siegreich Yor Graf 
Orendil am 1. August 828 ausgefochten hatte*). 

Abt Adalmann kömnit sonst nicht vor; auch findet sich sein Name in keinem der Abtverzeichnisse 
Bayerischer Klöster. 

Wohl aber wird der zweite Abt des Klosters Wessobrunn Adelmar genannt. Er soll im Jahre 
799 erwählt sein und 82 Jahre regirt haben. 



2) Vgl Bettberg 1. c. II. 278. Niedermayer das Mönchthum in Bajnwarien p. 98. IL B. XXXI. 
a. 101. 109. Lamprecbt bist. top. Matrikel des Landes ob der Ens (Wien 1868) p. 84 u. 85. 
I B) Vgl. Waitz Deutsche Verl Geschichte IV. 180. 

I 1) M. N. 471. 480. 828 nach der Indiction, 822 nach den Begiemngsjahren. 

9* 



dem die etwIbaUB Vorginge in die Begierongneit de« Abts Adelmar hllen , Aocfa Mf 
paut, dua dem Äbte am andern laarafer in beirichtlichar Ferne angerallene GflUr Ser- 
ien, to wird angenoraroen, ea hftbe Bioti in das gerettete Abt-Veneichni« eine Irrnng ein- 
Dnd es sei der Name dea Abtea jener Zeit nicht Adeimar, sondern Adalmann m leaen') 

g 2. AdalperehtiiB, Adslberbts Abbau nonasbirli Teg^msee 770—800. 
Abt Adalbert oder Adalpercbt Ton Tegemsee, welcber echon der Sjnode la Diogolfing nm 
eigowohnt hatte, iat anch noch mit seinen Vicariaa Zacco bei der Sjnode von Begembnrg, 
kfordening mehrerer Pfarreien des Eloeten Tegerniee von Seite des Biathams Freising in 
am. Hit BBcksicht auf die Anwesenheit des Abts Itheri sind wir genOthigt, diese Synode, 
«h als Bischof beiwohnt, Tor 196 in aetien. Im Jahre SOi, wo die damal« getroffenen 
1 znr DnrchfQbrong kommen, ist Abt Adalbert schon todt"). 

§ 3. Adalperebt, Abbas raoiuist«rtl AlUhu snperlorls 882— S29. 
■weiter Abt Adalpercht ist bei der »hlreichen ersten GerichtsTersammlung zn Ergolding 
'., als die kaiserlichen Sendboten, die Grafen Cotafrid and Hatte mit dem Enbiachof Adal- 
altborg nnd den hischöfen Hitto, liatnrich von Regenabnrg, Reginberi von Pawan nnd 
1 den Bayerischen Richtern Kiaalhart nnd Elknpercbt nnter Zntiehnng aller viri Corona, 
landesherrlichen Ansprache anf FOhring nächst HQnchen prüfen, nnd den Besitz des Bischofs 
a Eßnig Pippins Zeiten gerechtfertigt erkennen, am 3. April 823. Er unterzeichnet als— 
«hin jüngste der Aebte, nnd erscheint wieder in Preising am 19. Jali 627 als einziger 
reichem Umstände, da ein gewisser Hartnid Gflter xn AUer^ansen mm Dome widmet, 
wohl der zuerst, jedoch ohne Beifügung einer WQrde genannte Zeng« in der zahlreichen 
g la Domekindorf im März 829'). 

ird dem Kloster Oberaltaicb zngetheilt, in dessen Abtrerzeichnis* zum 18. November ala 
n Adalbertns eingetragen ist. Diess Terzeichniss ist ans einem Calendariam cum necro- 
in, in welches die vor der nm 1100 erfolgten Sestanration des Klosters verstorbenen Aebte 
}destage in Uonats- und Tagesfolge ohne irgend eine Jahrzahl eingetragen sind'). 
Adalpercht von Oberaltaicb ist demnach für die Jahre 822—829 orknndlicb nachgewiesen 



W. Hondt Metr. SaL 111 486. P. Coel. Lentoer Bist. man. Weasofontani ^. 52. H. B. 
S34: Adelmaroa t ^0. Besch Ann. Sab. ül p. 84 N. 182. 

. 121. Agilolf. Urk. I. 14. Denkschriften der k. B. Akad. B. X\L S. 215 (71) H. B. VI. 
, g. W. Hundt Metr. Sal. lU 389. 393. 

i erklärt diese Stelle Terf.-Gesch. IT. 340: .die Uänner, welche den Ring, den Krani am 
lichter bilden' also gleich mit dem später gebrauchten .Umstand". Ea scheint eine Vei- 
ig Pippins aus der Zeit seiner Tormundschaftliehen Regienmg in Bajsrn in Frage tu stebait. 
. 434. 610 & 524. Graf Hatto war nach Bocbner Nachfolger' Andnlfa in der Statthalter- 
t in Bayern. Bayr. Gesch. II Bnch 8. 36 und Docam. B II. 8. 1 1. N. 85. Der Gericht»- 
and nach Indictio I 823 statt, dos Regierungsjahr IX dagegen gehört B22 na. Die Ver- 
jüng zn Domekindorf sind wir, obwohl Coirob 828 dazu setzte, genOthigt sn 829 zu steUen; 
IT in diesem Jahre hVIII K. Aprilis in coena Domini' der 25. März auf GrQndonnerstag 
Hienach fehlt bei dem Regiemngsjabr XV nnd der Ind. V je 1, der Tag li^ aber, wie es 
•eben, noch im ersten Jahre der Rückkunft KOnig Ludwigs nach Bayern' mit der neuver- 
>D Gattin (Uai 828 Heich. N. 614). 

. den Abdruck bei W. Hundt Metr. Sal. II. 58 und H. B. XII. 10 und 11. Re«ch Annal. 
III p. 779 N. 178. 



69 

§ 4. Arno, AblMS monasteiit TegerBliaeh 845—860. 

Haholt von Puatilinpacb, Aiuserbittlbach L. Dorfen, nnd seine Gattin Berchthilde ^ben Gftter 
daselbst im März des Jahres 826 tarn Dome rn Freisinn, wogegen sie von Bischof Hitto ebendort 
Guter in der Art erbalten, dass ancb ihr Sohn Arno sie lebenslänglich nutzniessen soll. Derselbe 
Arno kömmt im Jahre 845 als Abt zn Bischof Erchanpert von Freising, als dieser im Febrnar zu 
Dorfen nnd Teg^mbach weilt. Der Lehenbesitz wird ihm gegen wiederholte Zusage des Rückfalls an 
das Bisthnm nach seinem Ableben belassen. 

Arno 'ist hienach Abt des kleinen in jener Zeit nach den vorhandenen Spnren zn Wasentegem* 
bach (nicht am Pfarrsitze Grüntegernbach) im L. Dorfen bestandenen Klosters. Er lebte noch bis in 
die Zeit Bischof Anno*s (c 860). Denn jener Arno, welchem dieser Bischof nach No. 56 unseres I. 
Abschnitts in ungenanntem Jahre zn Dorfen ein Lehen Arnesdorf an der Swinaha, Armstorf G. n. P. 
S. Wolfgang L. Haag an der Schwindach verleiht, ist wohl derselbe Abt°). 

§ 5. Cnndheri, Cnndhariog Abbas 799-809. 

Abt Cundharins gibt bei der Synode zn Beisbach (799) dem Bisthnme Freising vier Pfarrkirchen 
zurück : Thahaningas, Mosaheim*, Munirihingas und Sulagaloh — Thanning, Mosheim, nun Filiale von 
Thanning, Satferlach, sammtlich L. Wolfratshausen rechten Isarufers, dann Mindraching am linken 
Ufer P. Eching nächst Freising. 

Als Bischof Atto über die Vergabung der Kirche Urpah, Pfarrdorf Auerbach L. Erding, zwischen 
806—810 Zeugnisse heischt, ist er es, der mit Erzbischof Arno jene Vorgänge aus Bischof Arbeo's 
Zeit (764—784) aus eigener Wahrnehmung bestätigt. 

Seit dem Jahre 747, wo er noch unter Herzog Odilo unmittelbar nach dem späteren Bischöfe 
Arbeo unterzeichnet, gehört er dem Clerus des Bisthums an, zuerst als Subdiacon, 772 als Priester, 
im September dieses Jahres schon an der Spitze der Domgeistlichkeit genannt. 

Sein letztes Vorkommen ist am 1. Mai 809 in der Sjnode zn Freising'). 

Sein Kloster wird niemals bezeichnet. Nach dem Erörterten muss er einem dem Bisthum eng 
verbundenen Stifte als Abt vorgestanden haben. In jener Zeit dürfte vorzugsweise das Stift S. Zeno 
zu Isen hieher zn zählen sein, wo Freisings Bischöfe oft verweilten. Auch ist für Isen ans gleicher 
Zeit kein Abt bekannt'). 

§ 6. Deotker, S* Deocharns, primns Abbas monasterli Hasareodae 798—832 *)• 

Unter den Sendboten des Kaisers Karl des Grossen, welche am 11. Juni des Jahres 802 zu 
Regensbnrg Gerichtstag hielten, ist ein Abt Deotker. Er erscheint um dieselbe Zeit nochmals in 
gleicher Eigenschaft im Bisthnme Pasean zu Inzing, in der Pfarrei Hartkirchen L. Boththalmünster, 
mit Erzbischof Arno'). 

Meichelbeck weiss sein Kloster nicht zu bestimmen; Eckhard in seiner Geschichte von Ost- 
franken^) glaubt in ihm den ersten Abt des Klosters Megingaudeshausen erkennen zu dürfen. Allein 



0) M. N. 502. 684. Agil. Urk. N. 1 zu S. 187 (48). Die Schenkung zu Bittlbach fand nach der 
Indiction 826, nach dem Regiemngsjahre 827 statt In den Pfarrmatrikeln bei Deutinger findet 
sich keine Spur des Klosters, 

1) M. I. 94 n. No. 118. 121. 170. 244. Agil. Urk. Anh. IL 15. p. 220 (76). 

2) Vgl Resch Ann. Sab. IL p. 173 N. 686. Weibenstephan soll erst vom Bischof Hitto, also zur 
Zeit, wo Cnndheri schon Abt war, gegründet sein. W. Hundt Metr. Sal. I. 108. Dentinger 
Beiträge VI. 9. 

1) üeber den Cult des heiligen Deochar in Herrieden, Domcapitular Jos. Georg Suttner im Pas- 
toralblatte des Bisthums Eichstätt. Jahrgang 1859 S. 115 flg. 

2) M. N. 118. M. B. XXVin. b. 9. 

3) Eckhard H. 157. 164. 



L«-' '^ ■ 



' H^-'?' 



1'^ i 



70 

Megingaudeshausen ward von Graf Megingaud und seiner Gattin Imma im Iffgaoe an der Leimbach, 
sohin im Landgerichtsbezirke Scheinfeld in Mittelfranken im März des Jahres 816 gegründet, bald 
anch an die Granze des Volkfeld-Ganes nach Münsterscbwarzach L. Dettelbach verlegt. Im Jahre 
802 bestand es noch nicht, aach soll sein erster, in der Stiftnngs-Urknnde nicht genannter Abt Benedict 
geheissen haben ^). 

Dagegen haben schon Falkenstein und Besch anf das in jenen Gegenden um 798 entstandene 
Kloster an der Altmühl, Hasareode, nan Herrieden, hingewiesen ' t, dessen erster Abt, welchen Karl 
der Grosse ernannt haben soll, der heilige Deocharns war, dessen Cnlt denn anch dort noch blüht 

Dieser Abt heisst urkundlich Deukarius und Theotger. 

Zunächst kömmt er in einer Urkunde von 810 vor, als Graf Ekkipert ein weites Gebiet im 
Bangau an zwei Flüsschen Piparodi — nicht die im Iffgau zur Ehe und Aisch fliessende Biebert, son- 
dern der gleichnamige Bach, welcher aus den Landgerichten Ansbach, Herrieden und Cadolzburg zur 
Bednitz zieht ^.}, und ans mehreren Quellbächen sich sammelt, von welchen demnach damals zwei den 
Namen Biebert führten — an ein Kloster S. Salvatoris im Snalafelde an der Badantia, oder, nach 
Anemod, Bethradantia, der Bezat, verleiht, welchem zur Zeit der Bischof Adalwin von Begensbnrg vor- 
steht. Das beschenkte Kloster lag ohne Zweifel in dem Stadtchen Spalt, dessen beide Collegialstifte, 
zu S. Emeram, dem Heiligen von Begcnsburg, und zu S. Nioolaus, dem Bischöfe von llegensburg ge- 
hörten, der noch im Jahre 1619 den Probst der vereinigten Stifte ernannte^). Ex orientali parte 
stösst die überwiesene Marknng zufolge d^r zu Piparodi, dem Pfarrdorfe Untern bibert L. Ansbach, ge- 
fertigten Urkunde an Besitzungen des Abtes Theotgar, was vollkommen damit übereinstimmt, dass 
Theotgar dem Kloster Herrieden vorstand. 

Wieder ist dieser Abt in dem feierlichen Zuge, welcher am 1. November des Jahres 819 den 
heiligen Leib S Bonifacius unter dem Vortritte des Erzbischofes von Mainz Heistulph in die von Abt 
Eigil neu erbaute Kirche zu Fulda geleitet^). 



4) Vgl. das bei Bischof Dracholf, zugleich Abt von Schwarzach Angeführte. Abschn. II. 1. §. 8. 

5) Besch Ann. Sab. II p. 772. N. 631. 

6) Das schöne Werk Bavaria besitzt zwar ein alphabetisches Verzeichniss der Gewfisser. Allein 
die Beschreibung der einzelnen Landgerichts-Bezirke liegt in dieser Beziehung noch im Argen 
und bedarf Bezirk für Bezirk einer gründlichen Umarbeitung unter Aahandnahme des trefflichen 
topographischen Atlasses. 

7) Die Urkunde bei Bied cod. dipl. Batispon. Lp. 10 No. 15. ^Dass das Kloster Bischof Adalwin*s 
nicht Schwarzach sei, wie Bied in Klammem beifügt, ist klar, da diess nicht im Snalafeld und 
nicht an der Bezat liegt. Schon Bitter von Lang war bekannt, dass die Stadt Spalt im Besitze 
des Bisthums Begensbnrg war — Bayerns Grafschaften S. 301 — und Suttner hat 1. c. nach- 
gewiesen, dass hier das Kloster Bischof Adalwins zu suchen ist, von wo aus denn die beschrie- 
bene Markung sich ganz gut auszeigen lasst. Der Titnlus S. Salvatoris darf nicht beirren, da 
er allen Stiftskirchen neben dem speziellen Heiligen vgemeinsam ist. Die Gründung eines 
Klosters zu Spalt reicht hienach in den Anfang des IX Jahrhunderts zurück. Die Meinung» Spalt 
sei von der Kaiserin Adelheid erst 1037 gestiftet, ist eine irrige, .und scheint nach Suttner 
anf einer Uebertragung des Datums des Stiftungs-Jahres von Oehringen (Bied. 1. c. I. 150) ra 
beruhen. Das Kloster ist eben auch zu Spalt spater in ein Collegialstifb umgewandelt worden. 
Dr. Karl Both pflichtet der richtigen Ansicht bei, Beitrage III. 109. IV. 227. 231. Dr. Husch- 
berg dagegen vertrat (Mittclfrank. Vereinsheft X. 125) Ansbach als das Kloster 8. Salvatoris ; 
allein Ansbach liegt nicht im Snalafeld, sondern im Bangau. Mittelfr. Y. XXXIII. 131. 

d) Nam feretmm loculi, saera qua martjris almi 

Membra incensa jacent, in prima fronte gereutes 
Ambo gp^ves, amboque senes Haistolphus et Aigil, 



71 

Die Ma^deborger Centnriatoren führen ihn endlich nach den Ohorbischdfen in erster Stelle 
unter den Aebten aaf, welche im Jahre 828 der Synode zu Mainz beiwohnten. 

Von den eigenen Urkunden de» Klosters Herrieden, welches schon im Jahre 888 von König 
Anmlf dem Bischöfe Erkanbold von Eichstätt überlassen warde % und nicht wieder zu Selbstständig- 
keit gelangte, sind nnr wenige erhalten. In den drei abschriftlich bewahrten ans den Jahren 831 und 
832 wird der Abt Deokarius, Denkarins, Teaht- and Theutgarius genannt ^^). 

Das Kloster hat Besitzungen im Maingau und im Bonaugau, und wird vom Königsdienste be- 
freit. Letzteres erfolgt im Jahre 882 durch Kaiser Ludwig den Frommen gleichzeitig mit der Ge- 
nehmigang eines Gütertausches mit dem kaiserlichen Kämmerer Tanculf im Maingau, wie es scheint, 
mit Bucksicht auf einen Neubau, welchen ein gewisser Cadoldus zu Hasareot geführt. 

Das Kloster hatte aber schon vorher 831 vom König Ludwig ein Gut zu Peterah, Pfatter,. im 
DoDuigaue in Bayern erhalten, bestand sohin schon früher und jener Neubau ist keineswegs mit der 
Gründang gleichbedeutend. Nichts steht sohin entgegen, mit der Üeberlieferung seinen Anfang bis 
in den Schluss des VIII Jahrhunderts zurückzuführen. 

Der kaiserliche Sendbote des Jahres 802, Abt Deotker, ist daher mit Verlässigkeit der Abt 
Theotgarius von Hasareode. Er zählt zu den Männerfi hervorragender Tüchtigkeit, welche die Auf- 
merksamkeit des grossen Kaisers auf sich zogen, von ihm zu kirchlichen Würden erhoben und in 
Staatsgeschäften verwendet wurden. 

Der Name Deocharus oder Deo Gharus"), mit welchem der Abt in den Heiligen-Kalender auf- 
genommen ist, stellt sich als Latinisirung dem Wortlaut nach dar, welche den gelehrten Franzosen 
Mabillon und seine Benediktiner von der Spur ableitete, als sie zum 7. Junius sein Leben bearbeiteten. 

Wenn hinwieder Barth und Büttner in der Geschichte des Klosters Herrieden den Heiligen 
Gottlieb nennen, so ist diess eine Rückübersetzung dem Sinne nach, welche sich aber von der Wahr- 
heit weit entfernt. Der Heilige hiess vielmehr, wenn der Name Deotker oder Theotgarius der Bedeu-^ 
tnng nach in Hochdeutsch gegeben werden soll, Volkssper. 



Scilicet a tergo pariter monachusque sacerdos 
Ercanberctus, Baugolfi germanus, et Abba» 
Theotgarius, Brunwarque, simulque Hrabanus et ipse. 
Presbyter et monachus multorum iure roagister, 
Ibant aequati numero, Christumque canebant. 

So Brxm im Leben Aigils bei Brower Sidera illustrium et sanctorum virorum Germaniae^ 
in sp. Vita Aegil Abbatis p. 42. 

d) Urk. vom 23 Febr. 888 ex apographo. M. B. XXXI. a. 123. N. 58. 

10) Geschichte des Klosters Hasenriet nach Handschriften des Eichstätt*schen Hofrathes Barth in 
der Franconia von Büttner herausgegeben (Ansbach 1813) II. 24—63, ebendort S. 64—69 von 
den Wundern des Heiligen. Zwei der Urkunden auch M. B. XXXI. a. 63 N. 27- u. 28 ex apogr» 
Die dritte^ nach welcher Büttner Theotgars Leben bis 846 verlängert, was auch in Jochams 
Bavaria sancta Berücksichtigung fand (bis 850 S. 339) |st nicht die späteste, sondern von 
König Ludwig, noch als König von Bayern am XIII K. Jul. anno Chr. propitio XVIII imperii 
domni Hludowici Serenissimi Augusti et anno VI regni nostri indict. Villi actum in Bantesdorf 
palatio nostro, zweifellos am 19. Juni 831, nicht 846 ausgestellt, wie den auch König Ludwig 
831 in Banshofen sich aufhielt. Vgl. Beg. Carol. No. 721 bei Böhmer, der übrigens diese Ur- 
kunde nicht kennt*. Das Datum hat schon Sickel in den Beiträgen in den Wiener Sitz.-Ber. B^ 
39. p. 162 No. 3 richtig bestimmt. 

^^) So schreibt ihn Potthast in der Bibliotheca historiea modii aevi. 



in Oerichtf-VsThsndlnng la ErgoldtDg am 
le KaJMr Lndwig det Fromnwii . tom 28. 



leril TererniMcta c. 870. 
mit Bischof Anoo ron Preising Güter id 
■n du nabe Beitberg in der Gemeinde 
Elorter der Franciikumerinnen besteht, 
tisthflmer and Elfister dort grotse Wein- 
rbea bettrebt waren. 
re S6S lur Sjpode in Mainz begleitete, ist 

teblehdorf c. 809. 

unter der DomgeiitlichkeJt von Freising, 
khlnsa seines Lebens, wie es scheint, über- 

er bischöflichen Kirche besprochen, ab Ton 



IhnenglB 777-800. 

egrQndeten Klosters KremsmQnster, Fater, 

lg der Stiftung '). 

1 ans der Zeit der Agilolfinger mehrfach 
len als heiroglicber Notar verfaset. Es 
Würde ihn zom ersten Abte der neu ge- 



hlehdorf 819-829. 

Dde der Oebrüder Hroading nnd Nending 

'). 

Freisinger Synoden ein Abt Hahart auf- 
I Hoosburg und Sabulo, das andere Ual 
unbedenklich dem Kloster Schlehdorf zu- 



p. 5, 
ploltinger in den Denkschriften der k. 
4. Anh. U 7. der Urk. 

ornm TOn Schlehdorf erat nm 1150. 



73 

£in drittes Mal fipdet sieb der Name Hahart ohne Bezeichnang einer Wurde, jedoch in zweiter 
stelle nach Adalbert, wahrscheinlich dem Abte von Oheraltaich. bei der Stiftung des Edl^n Herimot 
und seines Sohnes des Diakon Patucho ini März 829 zu Dornekindorf. 

Hahart bekleidete die Ahtwürde zu Schlehdorf daher mindesten-^ bis zum Jahre 829 '). 

§ 12. Uato Abbas, Ato diaconns 8ive Abbas 796-799. 

Ato diaconus sive abbas, welcher um 796 der Versammlung zu Begensburg beiwohnt, auf 
welcher, von Bischof Atto die Rückgabe der Pfarrkirchen von dem Abte von Tegernsee begehrt wird, 
dürfte nach dem Zusätze Diaconus in einem der Domcapitel zu suchen sein, wo in jener Zeit manch- 
mal Iweite Achte neben den Bischöfen bestellt wurden. 

Hato Abbas auf der Reisbacher S3^node 799 ist dagegen der dritte Abt des Elostei*s Mondsee, 
welcher nach dem Chronicon Lunaelacense demselben von 799 — 803 vorstand. Zu Regensburg war 
bei der vorher erwähnten Zusammenkunft für Mondsee noch Abt Hunrich anwesend^). 

• 
§ 18. Hepfllo, Abbas moiiasterif Au in Chiem»ee 806—827. 

In der Gerichtsversammlung vor den Sendboten Erzbischof Arno nnd Bischof Adalwin und den 
Grafen Audulph, dem Statthalter von Bayern, dann den Grafen Werinheri und Cotafrid treffen wir zu 
Otingas, fisco publice, wohl Altötting eher als das früher Aotinga genannte Eirchotting L. Erding, 
am 15. Dezember 806 zuerst den Abt Hepfilo. Im Jänner des folgenden Jahres ist er auf der Synode 
VI Salzburg. Als Abt des damals Auwa genannten Klosters im Chiemsee lernen wir ihn aus der Ur- 
kunde vom 20. Dez. 816 kennen, zufolge welcher er sich, des durch Tassilo*s Gemalin die Herzogin 
Liatpirga an dem Bisthume Freising verübten Unrechts überwiesen, bereit finden lässt, die vom 
Kloster Auwa besessene Kirche Percwillinga, Pfarrdorf Berbling in der Gemeinde Willing L. Aib- 
ling, welche/ bereits sein Vorgänger Abt Liutfrid abgesprochen worden war, herauszugeben, woranf 
Bischof Hitto sie dem Grafen Oadalscalch za Lehen gibt, welcher seinen Besitz daselbst zum Dome schenkt. 

Nochmals wohnt er mit Abt Iskeri von Tegernsee dem Vertrage Bischof Hitto's mit Haholt 
wegen Bittlbach im März 826 bei^). 

§ 14. llnnrich, Abbas monasterii Lunaelaeensis 784—793. 

9 Abt Hunrich von Mondsee, ton Herzog Tassilo bekanntlich mit Gesandtschaften betraut, kömmt 
in Freisinger Urkunden nur noch aus Anlass jener Synode zu Re^ensburg um 796 vor, auf welcher 
Bischof Atto zuerst wegen Rückgabe der Pfarreien von Tegernsee auftrat'). 

§ 15. Jacob Abbas 815. 

Abt Jacob erhält am 10. Mai 815 vom Bischöfe Hitto des Domstifts Güter zu Welamotesaha, 
Wollnzach L. Geisenfeld, zu Lehen ^). Er kommt sonst nicht vor. 

Meichelbeck und Resch glauben ihn der Nachbarschaft wegen dem Kloster Altomünster oder 
dem noch näheren IlmmQnster zutheilen zu sollen*). Dem steht nichts entgegen; allein nachdem die Abt- 
Verzeichnisse jener Klöster aus dem Zeiträume gänzlich mangeln , ist eine weitere Begründung unmöglich. 



S) M. N. 390. 423. 524 Resch Ann. Sab. III p. 75 N. 156 weiss kein Kloster fiir Hahart zu bezeichnen. 

0) Meich. I. 94 und N. 121. Chron. lunael. p. 30. Vgl. Resch 1. e. III p. 741 N. 556. 

1) M. N. 122. 286. 350. 502. Resch Ann. III p. 16 n. 31. 

2) M. N. 121. Ueber die Urkunden der Agil. Zeit 1. c. p. 187 (43). 

3) M. N. 323. Die Indictio VII (814) tritt hier gegen die Regiernnp-Jahre um so mehr zurück, 
als neben des Kaisers II auch schon Hlodharii regis in Bajoaria annus I gezählt ist. 

4) Resch hält den Abt identisch mit dem Priester Jacob, der nm 808 zu Filusa, Frauenvils L. Dorfen, 
genannt wird. Ann. Sab. II 780 N. 661, III 67. Es kömmt jedoch der Name Jacob auch sonst vor. 

Abb. d. UI. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 10 



. Ihho, lehn, Abbu noBaateril Sebeftlun c. 780. 

dem Kloster Scheftlam unbedenklich tum weisen. Als Priester Waldrich, 

assan, in seiner Heimat an des Pfeifenbachea Hündnu^ in die lur dem h. 

rbsnt hatte, and Bisohof Joseph sie am 1. November 762 einweihte, war 

resenden. Wieder ist er bei der Schenkung' A1t«lfa an die Kirche de« h. 

ichof Waldricb halte damals die Leitung des Klosterg noch behalten. Doch 

>, aohin tot 788, ist [cho als Abt pini^etreten. 

latz ZQ der nndatirten Urkunde des Scheftlamer Cartniars, No. 10 des Ab- 

B. nach, worin der Diakon Snnderheri einen Wald, Gemein Kenani^, bei 
>orr in der Pfarrei Zorneding, G. Egelharting L, Ebersberff, welches den he- 
i's am nächsten liegt, S. Dionjs sebenkt. Das Liber traditionnm des Elosten 
die Vergabung zweimal anf und fügt das eine Hai bei: Hoc actum est TU 

ecctcsie in preaencia Ichonis abbatis et defensoris Jacobi tempore Tbassi- 

er erste Nachfolger Bischof Waldricha in der Leitung des Klosters Scheft- 
shbejafart ron dergelben lurBckgetreten in sein. Denn nm 800 ist Petto 
in 806 scbliesat das Zeugen- Veneichnisa einer Scheftlamer Urkandot Ibbo. 

Qhrigens nro dieselbe Zeit nicht nngewahnlich, wie denn nm 700 ein Priester 
!rolt Stiftungen mit Ejesioga und Peralohc, Giesing und Perlacb in der 
bens zum Dome, tind wehl ein dritter Priester mit seinen NeSen Hahmnnt 
II Puoh im Sondergnu, etwa Buch W, der Pfarrei Grafing, wo Scheftlam 

Jänner 828 für Kloster Scbeftlarn machen'). 

g 17. Jobannes ibbait 802-807. 
Qgen zn Regensbarg im Jahre 602 und Salzborg 807 befindet sich anch ein 
der älteste Tor Cundberi, znletxt zwischen Urolf von Niederaltaich und 

dem Biathume Preinag angehören, da er noch einmal um 805 der Un^r- 
r von Helmker an Olon nnd Rolt bui Walkert^bofen, L. Dachau, diesem 
er beiwolint, wobei et nach Sigimot von Hooshnrg and vor Wolfdregi onter- 

lit die Zuweisung nach Tegemsee bestreitet, wo ja Abt Heginbart damals 
bt Johannes, welchen er nach andein Qaellen als den Freiaiuger Anfzeich- 
u Beisbacb, anch bei dieser anwesend sein läset, llmmaoster oder Altomünster 

n werden, dasi die Nähe dieser KlOster bei der im Streit befangenen B«- 
» spricbt. Doch fehlen weitere Behelfe lur Feststellung. 



m Beicbsarchiv p. 186. Vgl. U. B. VIII p. 308, letzter Z. Bantpercht*. 
p. 373. Data vgL oben S. 57 N. 5. 

Tir folgen dem Regiemngsjahr XV gegen die Indictio V, weil die Stifttmg 
er RQckrelae mit dem Bischöfe von Innicben aufgenommen iit. 
S-* 

7S6 N. 599. and p. 773 N. 036. P. Angelas Uärz nach ihm. Abb. der b. 
1776) 335. 



7& 

§ 18. Johannes Abbas c 900. 

Ein zweiter Abt Johannes tauscht um 900 von Bischof Waldo Besitzungen zu Buodolveshusir, 
dem Pfarrdorf Rudelzhausen L. Mainhurg, gegen andere zu Walde ein, wohl Peterswahl in der Pf. 
Hargarathenried L. Mooshurg. Sein Vertreter ist hiobei der Edle Alpolf, welcher um 870 Besitzungen 
ZQ Lera gegen solche zu Zuoltesdorf, eines der Lern in der Pf. Berglem und Zustorf Pf. Langen- 
preising, beides im untern Theile des L. Erding, dann welche zu Undeoinga, Forstinnig L. Ebersberg, 
gegen andere zu Percheim, Bergham W. (2, Pf. Riding und Pf Altenerding) eintauscht und in jenen 
Gegenden wiederholt Zeuge ist^). 

^Hienach möchte Abt Johannes etwa um 900 dem Stifte S. Zeno's zu Isen, oder als Vorgänger des 
Cborbiscbofs Cowo dem Stifte S. Caatnli zu Moosburg vorgestanden 'sein. 

§ 19. Isaac Abbas 823. 

Abt Isaac wird unter den Zeugen der oft erwähnten grösseren Gerichtsverhandlung zu Ergol- 

_ • 

diog unfern der Granzen von Ober- and Niederbajem zwischen den Achten Sigimot von Moosburg und 
Idalpercht von Oberaltaich im Jahre 823 aufgeführt^). . Sonst nicht genannt dürfte er einem der 
niederbajeriscben Klöster angehört haben, deren Abt- Verzeichnisse verloren sind. Munchsmünster nnd 
Oäterhofen zählen hieher. 

§ 20. Isker, Iskarins, Abbas monasterii Tegernsee 826-829. 

Abt Isker, der Nuchfolger Abt Meginhards zu Tegemsee, kömmt öfters vor. Er ist zu Holze 
prope Azzalinga, dem Pfarrdörfe Holzen L. Ebersberg, Zeuge, als Bischof Hitto im Juli 827 die 
Schenkung des Diacon Atto von Sentilinga, Sendling nächst München, für Scheftlarn entgegennimmt, 
dessen Neffen Alprich alles auf Lebensdauer überlassend, und als er dann dem Egibert ein Gut zu 
Anzing verleiht, von welchem jährlich ad missam S. Martini, am 11. November, 4 Denare zu entrichten 
sind. Im Februar 829 findet er sich auf des Bischofs Besitzung Haholfeshusun, Hagertshausen, ein, 
als derselbe von einem Anno zu Eysinhnsir, wohl eher Geisenhausen L. Pfaffenhofen, als jenes L. Lands* 
hut, einen Wald erwirbt, an welchen Besitzungen des Abts Isker angränzen '). 

Der Name Isker kömmt aber auch sonst vor; bereits wurden in dieser Zeit Würden und Aemter 
den Zeugen nicht immer beigefügt, und es bleibt daher bei einigen anderen Verhandlungen zweifelhaft, 
ob der Abt oder ein Laje des Namens genannt ist. Doch dürfte er der Zeuge Iskeri sein , der nach 
Hephilo, welcher für den Abt von Chiemsee zu halten ist, in der Schenkung Haholts mit Ausserbittl- 
bach am 4. März 826 erwähnt wird, > so dass seine Wirksamkeit von 826 bis 829 urkundlich belegt zu 
erachten ist'). 

§ 21. Itherl, Abbas monasterii S. Martini in Torono c. 796. 

Die Verbandlungen wegen Rückgabe jener Pfarreien, welche dem Kloster Tegemsee vor langer 
Zeit mit Unrecht von dem Bisthume zugetheilt worden waren, fanden ihren Abschluss bei der feier- 
lieben üeberbringung Sanct Quirins in das Kloster Tegemsee am 15. Juni 804. Die Urkunde hierüber 
erwähnt aber auch des Beginnes der Verhandlungen auf einer Synode zu Regensburg zu Zeiten die 
Tegernseer Abtes Adalbert und zählt die damals anwesenden Würdenträger der Kirche auf. Darunter 
in erster Stelle unter den Achten: Itheri Abbas'). 



1) M N. 970. 773 add. 836 add. Vgl Resch Ann. Sab. IIL 23U N. 491. 

Ö' M. N. 434. 

1) M. N. 527. 546 Abth. I. X 14. M. B. VIH. 377. Für die Zeit der Verhandlung zu Holzen ist die Indictio 
V über das Etegierungsjabr XV i828) um so mehr überwiegend zu erachten, als in letzterem Jahre 
die Rückkehr des Königes mit Gemalin im Juli nicht unerwähnt geblieben wäre. 

^) M, N. 502. 

1) M. N. 121. 

10* 



andschrift iweifellos entlialtene Name In bevorzagter Stellnng kaun 
ila iiem bekannten Abte iea Elostera des h. Martin in Tours, Itheri 
BDzIer Karl des GrüsacD, welcher im Jahro 79C starb nnd den be- 

der Vorstand Behuf t des Klosters hatte, 
isjahren nnch Regensbnrg gekommon, ist iwar nicht nacbvreisbar, 
;h TD3 nicfat mehr dnhin t^fühit zu haben scheint. Doch kann er 
lalten haben. Jedenfalls ergibt sich aehoD ani der Anweaenticit 
Irabiscbof von Salzburg, dass die Versammlnng vor dem Jnhre 



§ 22. Kerrlcli Abbas 807. 
keinerlei Andeatmig Ober das Kloster, dessen Vorstand schaft sie 
eh. Er erscheint ausschliesslich nur auf der grossen Versaramlnng 
lajem am 16. Jänner 607 zu Salzburg, and ^teichnet zwischen Aht 
egensburg) und Abt Hepfllo von Au im Chiemsee, Bistbnms Salzburg °)- 
[tpnnkt, selbst für Begründang einer Hypothese. 

Jrld AbbBN monrnsterll In ChleniKAe 804. 

loster Aaira im Chiemaee wird in den Verhandlungen am 13. Jänner 
o und Biscl of Atio von Preising, dem Grafen Erchanpald nnd den 
Anforderung der Kirchen za Willing, Berbling, Mietraching nnit 
t, wenigstens die Rückgabe der Pfarrkirchen von Högllng, nml 
zazustehen, welchem sie durch Herzog Tassilo und Serzogin Lint- 
Arbeo entzogen worden sein sollen '). 

i Chieinsee verschieden sei voa dem Liatfrid vocatns Episcopus in 
h einem Hitglieile der Freisinger Domgeistlichknt, haben wir in 
tfhd za zeigen versucht. Der Abt kömmt unserer Annahme zufolge 



I Abbu nmusterii Tegerns«« c 860— 8S0. 
ins edlem Oeschlecbte entsprossen. Über welches jedoch nähere An- 
in nicht hezeicboeten Jahren Leibeigene mit den Bischöfen Ann» 
*>')■ 

tri Abbas monasteril Tegernsee 802-8ZS. 
bei der schon erwähnten Feier der Ueberbringnng des b. Quirin in 
uannt, welche am 16. Jnni 804 in Anwesenheit des Erzbisehofs 
und Hiltiker, des Kaiserlichen Kaplans Pcrchtrat and eines zabl- 
«ard. Zugleich sah sich MeginUart veranlasst, eine Beihe von 
rnhecken, L. Haag, Finsiog L. EherBberg, Ascholding, Thannkirchen 
artpenning, (Oater- oder Ober) Wamgaa und Holzolling L. Miesbach, 
Imten zu Feldkircfaen L. Aibling, endlich Orossholzb aasen, Uiedering 
dem Bisthume Freising lurDckzustellen '). 

1 Altomo aaste riensis, Bavari ciaminent t. c. Iir. p. IR. X. 42. 

. 11. 13 I. c. p. 219 (751. 

I. li, wo nbrigens sein Tod offenbar zn spitt znm Jahre 1)20 gesetzt ist 



77 

Wie diese Kirchen „vor langer Zeit" an Kloster Tegernsee gekommen, wird nicht erzählt. Es 
scheint aber auch hier eine ähnliche Beaktion zu Gunsten der erstarkten Bisthümer stattgefunden zu 
haben, wie sie gegen Kloster Chiemsee, unter Anschuldigung missgänstigen Verhaltens dos Herzogs 
Tassilo und dessen Gattin gegen ßischof Arbeo, gleichzeitig sich geltend machte ''). 

Ein Tauschgeschäft Meginharts mit Abt Richpald, welches um 814 fällt, werden wir bei Letz- 
terem erörtern. 

Abt Meginhard findet sich sehr häufig auf den Synoden des Bisthums Freising, zu Frei sing und 
lu Ething, ein; so in den Jahren 806, 809, 811, 815, 817, 818, 820, 821, zuletzt dann bei der grossen. 
Gerichts- Verhandlung zu Ergolding im April 823. 

Er ist aus edlem Geschlechte, Oheim des Bischofs Hitto, Bruder von Cundhart und Beginhart, 
wohl der im ersten Jahrzehnt des IX Jahrhunderts auftretenden Grafen dieses Namens. Gemeinsam 
mit ihnen gibt er Huckinperg. den Weiler Huppenberg L. Tölz, zum Domo^). 

Was von dem Geschlechte Bischof Hitto's beigebracht wurde, bezieht sich sonach auch auf 
Meginhart. 

§ 26. Odalricns comes, senior fralram sab regolari habitn in Utinbnrrin degentlnm 890. 

In einer Handschrift des Bisthums Freising aus der zweiten Hälfte des XII Jahrhunderts, welche 
vorzugsweise Urkunden der deutschen Kaiser und Könige enthält, findet sich mit der Bandbezeichnung : 
Confirmatio concambii coram Arnolfo rege tempore Waltonis episcopi — eine Urkunde König Arnulfs, 
ausgestellt zn Ulm am VI Kai. Julii indictione IX anno regni eins III, am 26. Juni 890'), zufolge ' 
deren der König auf Ansuchen seines geehrten und geliebten Ministerialen, Grafen Yring'), einen' 
Tausch bestätigt, welchen die zu ütinburric (Ottobeuern im Bayerischen Schwaben ) unter dem Ordens- 
kleide lebenden Bruder mit Erlaubniss und Zustimmung ihres Seniors, des Grafen Odalrich, mit einem 
Lajen Hekisheri oder Hegisheri durch ihren Anwalt Beginhoch getroffen haben. Sie gaben gegen Be- 
sitzungen zu Walo, wozu eine dienstbare Hube und zwei weitere Hüben zu Ostrindorf gehören, einen 
Hof sammt Kirche und Zugehör zu Darki. Die erworbenen Guter liegen im Angesgaue, und sind 
zweifellos nachweissbar in dem Marktflecken Waal und dem Pfarrdorfe Oberostendorf mit dem Dorfe 
Unterostendorf, alles L. Buchlo@. Schwierig ist es, Darki zu bestimmen, dessen Lage' nicht näher be- 
zeichnet ist. Der Anwalt Beginhoch ist wohl der mehrfach um diese Zeit in Freising vorkommende 
Edle dieses Namens, Zeuge für Gütertausche zu Pasing, aber auch am andern Ufer der Isar um Tegern- 
bach im L. Dorfen^). Man ist veranlasst, Darki um so mehr diesseits des Leches zu suchen,' als so 
die Aufnahme der Urkunde in ein Freisinger Copialbuch die angemessenste Erklärung fände. Aber es 
will sich ein anzugleichender Name in entsprechender Nähe nicht ermitteln lassen, so dass doch Darki 
auf die Einöde Türken P. und G. Mömholz, L. Kempten, zu beziehen sein möchte *). 

Der Senior der Klostergemeinde zu Ottobeuem aber, Graf Odalrich, stellt sich als einen jener 

lajen-Aebte dar, welche früher so häufig zn treffen sind, und deren Vorkommen hienach bis gegen 

I . 

2) Vergl. die Aebte Hepfilo und Liutfrid, 8 13 u. 23 vorher. 

.3) Die Schenkung M. N. 266: ausserdem M. N. 122. 170. 239. 244. 250. 255. 284. 367 a. 413. 
428. 434. Bied 1, c. I. 14. 

1) Cod. Fris. N. 189 im Beichsarchiv f. 33. M. B. XXXI. 135. 

2) Graf Iring tritt von 889 bis 906 mehrfach für Freising, S. Emeram etc. auf. Er ist Bayerischer 
Gangraf und begleitet zugleich ein Hofamt bei Kaiser Arnulf. Nach Dümler (Gesch. des ostfr. 
Beicbes II. 456. 485. 533. 702) ist zugleich der Salzbnrggan und einer der Donangaue, nach 
Büchner (Payr. Gesch. III. Tab. zu S. 166) der untere Hausengan um Moosbnrg sein Amtsgebiet. 

3) M. N. 812. 856, dann Abth. I No. 57 vom Jahre 875. 

4) Um Obertürken P. Bogglfing und Untertürken W. P. Stamham, L. Simbach, sind wenigst Be- 
sitznngen voii Freising nicht bekannt. 



I erweist. Ki wird biedoTch in erwQnsühter Weise eine LQele unter 

II ergänzt, welche schon i'T QeMbichtschreiber des Klostera, der Prior 
hat. Er bemerkt nämlich, ihts nnf den .\bt des Klosters lugleicb 

, weichet 8S6 oder 887 starb, Abt Bertilo oder Pirchtilo folgte, welcher 
ten wäre, 54 fiegieraogs-Jahre iSbIcn wQrde, wjbrend ihm die AmI- 
1 nur 4t ZQgestehcu '). 

Tinach für einige Jahre um 890 der Senior Graf Odtlricb, Ober desten 
e Stellang Dbrigeos nichts angegeben m werden Tcrrotg'j. 

Petto Abbfts monuUtrit ScheftUm 800-S09. 

den Bischofo-Titcl führt, so ist das BeiQgtiche unter II. 2. § 2 S. 56. 

Klapereht Abbas moauterti MombarK 770 -811. 

oosbarg ist bei Abschlaes des Todtcnbnndes unter den Biscbsren nnd 

in den Jahren 7T0— 773. Er wohnt der Synode lu Regensbarg oin 

Pfarreien von Kloster Tegernsee an das Ui^thnni Freising; lor Sprache 

Svnode tu Reisbach nm 799. 

Vem'altang, der jüngere Abt Sigimoat ist schon mitwirkend, vertaascbt 
in der Pfarrei Buctaenan nnfem Ton Linz', der Hauptstadt Oesterieicbs 
igene zd Perga, Bergen D. Pf. Inkofen G. Inikofen L, Hoosbnrg. 
I Tausches des Bischofs Atto mit Bifwin am 24. Mai 811. 
kämmt seit 768 in der Dompriesterschaft vor. Da er aber XD den 
t, und der Abt, der Nähe von Moosburg ungeachtet, doch nur selten io 
int, 80 Termag auch ein früheres Auftreten desselben ans älteren Ur- 
elt zu werden "). 
Ton Moosborg war, erweist das Verbrilderung9*Bnch von S. Peter io 

der monacborani de Hoiabjrga eingetragen iat. 

BIcbpild «bbAS noBUt^l Gars c. 810-S20. 

S. Emerain in Eegrensbnrg schenkt Abt Bichpald vor seiner Abreise 
ämmtliche Besitzungen zn tiezpah et Kiwinhosun, 14 Bauern am ersteren. 
3 Hüben, welche er dem Abte Meginhard (ron Tegernsee) Tertanscht 
r Bitte an Bischof idalwin, zu Sezpach eine Kirche zn erbauen.. Um 
bergibt er alles G Männern: Abbo, Engilmon, Isandeo, Paldricb. Batolf 
lacb seinem Ableben den Auftrag am 28. October 815 zn Candhareshnwn 
Imerama Münster vollziehen ']. 

ifts Ottenbeuera TOn Prior P. Hanras Feierabend iu 4 Bänden ; Otten- 
. I. 8. 254. 
Odalricb, der mit andern Grafen die Harkung von SchQnau im Qninzin- 
wa Ulrich II rom Argengao. Vgl. Abacb. II. 1. § 6. N. 6, o. Stalin W. 0. 1. 328. 
284. 285. Agil. Urk. N. 29. 37. 40. 54. 56. 61. 72. 104. 115. I. 5. 14. 
ler I. 48. 

ndict. VII V K. noTbr. die dominico und XII K. decbr. die lunae. Im 
I. Das zweite Begierongsjahr gibt 815, wo die Indiction VIII oder IX, 
tag, am 20. Norember aber Dienstag war. Ist hingegen mit der In- 
hmen, so lief noch das erste Begiernngejabr und ist wühl XII k. dec. 
'ordert IV statt V E. nor. Ried 1. c. I. 14. 



79 

» 

Bischof Adalwin nimmt die Stiftung durch seinen Anwalt Immo nnd den Probst Wicram ent- 
gegen. Sie betri£ft das Pfarrdorf Obersusshach nnd das Dorf Neuhaasen Pf. und G. Volkenschwand 
und ist zu Gros^gandertshansen, alles früher L. Moosbarg nan L. Mainbarg, aafgenommen. 

Nochmals hat Abt Richpald mit seiner Yatersschwestcr Deotlind Güter zu Pheterah, Yupinpach 
und Abu, Pfettrach, Eugenbach und Ohu in der Pfarrei Altheim L. Landshut, nach S. Emeram ge- 
geben, Bischof Baturich aber nach seinem Tode die von denselben Männern vertretene Stiftung am 
11. November 822 bestätigt-}. 

Abt Richpald stammte demnach aus einer Familie, welcher das ganze Thal der durch die Land- 
gerichte Main bürg und Landshut zur Isar ziehenden grossen Pfettrach zu eigen war. 

Er wurde früher für einen Abt von S. Emeram gehalten, illein Rettberg weist in seiner 
Kirchengeschichte Deutschlands nach, dass das Mönchskloster zu S. Emeram, wie jenes zu Freising 
und anderer Orten jener Zeit unmittelbar unter dem Bischöfe stand, und dass auch in Begensburg 
eigene Aebte erst zu Ende des X Jahrhunderts neben den Bischöfen bestellt wurden^). 

Der Tausch, welchen Richpald mit Tegernsee einging, weist auf ein im südlichen Bayern lie- 
gendes Kloster hin. 

Obwohl der Name Richpald öfters vorkömmt, auch von Priestern und Diaconen, jedoch niemals 
sonst in dieser Zeit von einem Abte geführt wird, möchten wir desshalb auf eine Urkunde aus dem 
Jahre 807 aufmerksam machen. 

Als am 16. Juli 807 Erzbischof Arno unl die Grafen Orendil und Amalrich zu Karoz, Gars am 
Inn, Gericht halten, ist der erste der Zeugen nach den Worten „et ceteris iudicibns" ein Richpald. 
Sollte diess der Vorsteher des Klösterchens sein, wo das Gericht tagte? Richpald wäre dann aus 
dieser Zeit der einzige bekannte Abt von Gars, welches im Jahre 875 an das Erzbisthum Salzburg kam *)» 

§ 30. Sabnlo Abbas 819. 

Auf der Synode des Bi.sthums Freising erscheint am 19. October 819, nach den Aebten Sigi- 
moat und Hahart genannt, Abt Sabulo. Nochmals findet sich sein Name in den Urkunden von S. Emeram. 

Wohl wird in den Freisinger Urkunden schon früher einmal im Jahre 770, bei der Stiftung 
Peigiri*s von einem der zahlreichen Holzhnsir der Name Savulq angetroffen -und scheint einem Priester 
anzugehören. Aber für die Zuweisung zu einem bestimmten Klöster liegen keine Haltpunkto vor. 
Immerhin dürfte er innerhalb der Gränzen des Bisthums Freising zu suchen sein^). 

§ 31. Salomon Abbas monasterli) seu S. Zenonls in Igen, seh Tegernbaeh 819. 

Am 7. November 819 weiht Bischof Hitto eine neu erbaute Kirche zu Sindpaldeshusir an der 
Yih ein, welche Abt Salomon und seine Schwester Engilswind mit ihren Erbgütern dem Dome zu 
Freising widmen'). 



2) Ried 1. c. L 23. Auch in Dr. Roth's Beiträgen nach alter Handschrift III. 231. Er liest 
lupinpab und halt es für Niedereibach (Aichbach bei Heyberger) jenseits der Isar im L. Landshut, 
womit wir nicht einverstanden sind. 

3) W. Hundt Metr. S. I. 126. II. 282. Ratispona monastica p. 130. Rettberg II. 271. 275. Dr. 
Roth 1. c. erachtet den Schluss : ... et epo Baturico et abbati de parte s. Emmerammi einer 
Ergänzung bedürftig. Aber Baturich ist eben Bischof und Abt zugleich. Dr. Roth gibt 
übrigens selbst zu, dass das von ihm gebrachte Abt-Verzeichniss ans dem XV Jahrhunderte gar 
nicht verlässig ist; überdiess war auch nach demselben von 830 bis 975, sohin 145 Jahre lang, 
die Abtwürde von S. Emeram unbesetzt. Dr. Roth Beitr. IV. 42. 

4) M. N. 124. Dipl. Anh. zur Juvavia p. 103. 

0) M. N. 19. 390. Ried 1. c. N. C. Resch 1. c. III p. 75. N. 15«. 

1) M. N. 401. ' 



der Vtli finilet sich kein nleichnaini^r Ort und es boEte'it nar die 
le Weiler Sinnerin; in der IT Steinkirefaen L. Erding bo gebeiiEen habe, 
aar die Küöster la Wn nod lu Was«Dtegernbiich. Insbesondere das 
I, seit Bidchor Joseph es initbcgrlindet hatte, ia engster Verbindaii|r 
'ne and hüufig hier weilten, wie denn aneh duielbe zum unmittelbar 
)llegialstifte erwucha, dpinen PrSbste immer dem Domcnpitel angchOrteo, 

Satomon zu I*en Vorstand gewesen sein, und vorher schon als DiakoD 
vo|kommen, worin nicht selten dieser Name sich findet, 
IS eine Mal genannt und dabei sein Kloster nicht bezeichnet. 

MBlfHd Abbu nenutcrll ad Ilmaw 820. 
ai Seelenheil seiner Eltern, dann der übrigen ßegrQDder de« Klosteni 
leiihofen, dem h. Emeram and dem Bischöfe Baturich in Kegensburg 
t Kirche und 10 Hüben, Niederlaaterbach L. Geiisenfeld, üerinbuson mit 
usen L. Mainburg, ad llme viro. Kirche ohne Haas mit 4 Hüben, Ilmen- 
niit Haus und G Hüben, Kockoldiug L. Geisenreld; dann ad Tonialingon. 

und Hnf, tu HittinhoTen, Jettenliofen L. Beilngries, Haus und Hof, 
cti, Wettstetten L. IngoUtadt, 2 Leibeigene, la Fhaldorf. ITaldorf L. 
dlich EU Snabilwis, Schwabelweis L. BtadtamhoF, 5 Leibeigene, überhaupt 
;ene. Dafür wird ihm vom Uisehorc Butarich nicht nar alles auf Lebens- 
t auch den Eraenm 'sehen Beaiti im iielbcn Lanterbach. Herrenhaiu mit 
ilreicbe Leibeigene '). Sollte Batarich oder ein Nachfolger vom Veitrag« 
diesa aach Abt Sigfrid frei. Der Vertrag, am 2. Dccember 820 ge- 

821 za ßegensbnrg aufgezeichnet'), 
nünster hat Abt Sigifrid nicht vergessen, sondern demselben 28 Leib- 

von BetÜ)erg bezOglicb des Abts Riehpald geltend gemachten Gründen 
Ibt Ton S. Emeram angenommen werden, sondern ist unzweifelhaft Tut 
ehlt, in Anspruch zu uehmen. 

Lbbu moDMSteril ad S. GMlalnm In Mombirg 806-K29. 

nt znerat am 6, December 806 bei der Gericblsversammlang vor den 

D Fiscalgnte Otinga, wobl AltAtting in Obeibajern, unmittelbar den 

r den Grafen als Zeuge genanot, ror. Er hatte sobin schon datnab 

I seinem Klostet des h. Ciistnlus zu Moosbarg. 

er dann vocatus Abba«, im Jahre Sil junior Abbas. Damals lebte sohin 

;bt. 

Qilen erscheint er inletzt in der Sjnode zu Erbing bei Freising am 

er es — Abt Sigimod in der Ueberschrift, Sigisinundus im Teite — der 

Emeram im Jahre 829 dem Bischöfe Baturich von Bcgensbnrg seine 



^rlanterlftch S, Emerains Besitü, bezeugt I'. Anyelus März in seiner Ab- 
Bpätcr Chorher tnstift llmmünster. Abb. der bajr, Ak. d. W. X B. 

cht dem IV Jahre Baturichs und dem VII des Eaiiiers die dominico IV 
■Ag einrälll; nur die Indiction ist sUtt XI in XII zu berichtigen. Ried 



81 

^'beifi^encn jenseits der (niederbayeriBcben) Laber gegen die des Bischofs za Perindorf, Bemdorf in 
ver X»/. Hohenegglkofen L. Landshut überläset, wozn der Bischof nach Bemdorf gekommen war. 

Mit Rettberg auch hier im Einklänge kann ein Abt Sigismond für S. £meram in dieser Zeit 
^^t anerkannt werden'). 

§ 84. Sigo Ibbas 818. 

j^.^ Als Ellanmar in pago Felda iuzta fluviam Filosam, im Markte Velden im L. Vilsbibarg, eine 

15^ ^^« erbaut, und Bischof Hitto zur üebernahme eingeladen hatte, erschien bei der Einweihung am 

Alk^ '•'^^nner 818 an der Spitze der Geistlichkeit Abt S\go% Es ist wohl der verkürzte Namen des 

ifi t^^ Sigimot aue dem nahen Kloster zu Moosburg, dessen Erscheinen bei der Kirchweihe zu Velden 

^^ kirchlichen Ordnung liegt. Der Name Sigo kommt sonst nicht vor. 

§ 35. Sindihho Abbas monasterii Sehliersee 817—820. 

Sindihho ist am 7. Juni 807 Zeuge der Schenkung des Edlen Aso und seiner Gattin Angilfrit* zu Mam- 
mendorf, L. Brück, und wieder auf dem Gerichtstage zu Percchiricha, Bergkircben L. Dachau, am 2. October 
814, als die Uebergabe der Kirche zu Otolteshusir, Odelzhausen L. Dachau, durch Priester Freido be- 
zeugt werden soll. In Jener Gegend an den Granzen der Landgerichte Brück und Dachau dürfte 
demnach seine Heimat zu suchen sein. 

Als sein Bruder, Abt Warmunt von Schliersee, mit Tod abgegangen, ward er sein Nachfolger, 
und erneuerte am 19. Juli 818 dessen Schenkung mit Gutem, welche nicht naher bezeichnet sind, die 
eigenen hinzufügend, und alles wieder von Bischof Hitto zu Lehen empfangend. Es wird dabei ein 
Gut ausgenommen, welches Warmunt jenseits des Bheins zu Lehen besass, über dessen Lage aber jede 
Andeutung fehlt^). 

Nor einmal noch ist Sindihho bei der Synode zu Eching am 24. Mai 820 erwähnt'). 

1 

i § 86. Sliello Abbas monasterii Wessofontani e. 805. 

I Bei der Nachforschung nach den Gütern, welche der Edle Helmker an Glon und Bott bei 

I Walkertshofen P. L. Dachau zum Bisthume gegeben, wird zwischen Abt Meginhart von Tegemsee und 

dem jüngeren Abte Sigimot von Moosb^rg um 805 ein Abt Snello genannt'). 

In den älteren Abt- Verzeichnissen findet sich nur bei Wessobrunn der Name Snello. Allein 

osch der von P. C. I^utner herausgegebenen Chronik des Klosters soll Abt Snello erst von 886--904 

gelebt haben, am 18. März gestorben sein, und zwar Nachfolger des Abtes Adelhelm sein, dessen 

Name nach einer Handschrift des XVI Jahrhunderts Adilmann gelautet habe und so in der alten 

•ifarienkapelle des Klosters zu lesen gewesen sei'). 

Den letzterwähnten Abt Adalmann, welcher in Freisinger Urkunden vorkömmt, glaubten wir der 
^^^^ebenen Regiernngszeit entsprechend in dem zweiten Abte von Wessobrunn Adelmar erkennen zu 
^8rfeD, und nachdem zugegeben wird, dass über die Begierung des Abts Snello, wie überhaupt über 
^ g^nxe Periode vor den Zerstörungen durch die Ungarn, sich Über VTessobrunn nichts erhalten hat, 



S> M. N. 122. 239. 253. 284. 285. 385. 367 a. 890. 413. 468. Ried 1. c p. 26. Rettberg Leu 

p. 272 N. 18. Anderer Meinung Resch III p. 17. N. 32. 
0) M. N. 874. 

V> X>ie Indiction XI Überwiegt hier das Regierangsjahr IV (817) um so mehr, als auf einer Synode 
XK^it gleicher Bezeichnung, welcher aber noch annus Hlodharii regia II (III) beig\}fügt ist, Abt 
^^armnnt noch am Leben ist. M. N. 367 a. 
^^ M:. N. 154. 812. 353. 413. 
^) M:. N. 239. 
^) I^. Coelestln Lentner Chron. Wessof. p. 58. 

Abb.d.Hi.cLd.k Ak.d.Wis8.Xin.Bd. LAbth. 11 



9 M glanbwQrdig eneheiDen, du« toch hier wie bei Oberattaich die Abtreneichnine nnr ms 
aerkosgeit in KaUndArien gefcbOpft, tobin nicbt chronologiaeb geordaet und, «onacb der 
h an) 805 Torkomm«nde Abt SneUo immerhin dem Kloct«r WeMobrnon angehört Iwben dürfte. 

§. 37. Drolf Abb« moDarterii lltabM Inferlorb 790 -807. 
it Abt ürolf von NiMeraltaich, dewen PQraorge für Anrteichnnng de« Orondbetitie« aeines 
und mancher ältoren Urkunde bei J)etpr«ehnDg d«r Urkunden au der Zeit der Agilolfloger 
ward, iit in dem Zeitraiune der Karolinger mehrbch nrknndlich nachgewiesen; w in der 
r Drkonde aof der Synode in Regenabnrg am 79Ö, in Beiibach 799, an AltOtting am 15. 
606 nikl n Salibnrg im Jfauer dea Jahres 807 '). 

9 S8 WarmoBt Abbu monuterU ScUlenM 809-817. 
it Warmnnt von Schlienee ist vom Hai 809 bis Jnni 816 beurkundet. 
I folgenden Jahro iat er noehmala auf einer 8jnode cu Freising, welche iwiscben dem 1. Pe- 
I 1. Anglist fallt; denn ea läuft da« Eaiiera Ludwig des Froiuniea IV, dea Sohnes Lothar 
;s von Bayern II, vielmehr wohl III Jahr. 

a die Hitte Jnli dea Jahre« 818 ist er nicht mehr anter den Lebenden, da sein Brader and 
ir Sindihho bereiti seine Stiftongen bestätigt"). Wo seine OQter gelegen, ist nicht ge- 
u sich ans dem Bfteren Auftreten seine« Bmden Sindibho hierüber verrnnthen lässt, ward 
n erwihut. 

9 39. Wolchanhart, Abbat« 770^815. 

ist nicht verUsiig tu bestimmen, ob es derselbe Abt Wotchanhart ist, welcher bei dem 
ide der Bajerischen Bischöfe und Ächte um 772 und wieder auf der Synode la Salibnrg im 
J sich einfindet'). 

cht wohl wäre es möglich, dass jener frühere Wolcbanbart einem andern der lahlreichen 
en Klöster in der Zeit der Agilolfinger angebOrte, da fOr die Zutheilang in einem beetimmten 
ine Glosse zu den nua erhaltenen leiten nicht vorbanden ist'). Ja ea darfle grosse Wahr- 
keit dafllr aninerkennen sein, dass iwei Aebte dea Namens in unterscbeieden seien. 
IS der im Originale noch vorliegenden Urkunde Kaistr Ludwigs des Frommen vom 3. De- 
15*) ergibt äeh nÄTalich, dass das Kloster Berg im Donaugan inr Zeit Karl des Grossen 

Wolcbanbart auF eigenem Grand nnd Boden erbaut wurde, und dass im Jabre 815 dieser Abt 
m Abt Sigihard mm Nachfolger in der Vontandsch«Ct zu Berg hatte. 

e Salzbarger Urkunden-Ansiüge dagegen, welche der Agilolfinger Zeit oder der nächst an- 
den angehören, weisen noch, dass das Domstift Salibnrg von einem Abte Wolchanbard und 
rnder Kandpald mit Gütern zu Antheringen und lu Perge supr Walrsee. Pfarrdorf Anthering 
Teitwörth und Berg in der Pfarrei Henndorf Beiirks Neumarkt, beides im Henogthume Sala- 
henkt wurde*]. 

ist nun kaum aninnehmen, dasa derselbe Wolcbanbart im Donaugane bei Haindlingherg L. 
rf oder bei Paring L. Rottenburg in Niederbayern , wo öberall jenes Kloster Berg gesacht 

EOgleich jenseits der Saliach am Gebirge begfitert war. Wir erachten demnach, dasa awei 

1. 91. N. 121. 122. 286. 

N. 170. 848. 353. 867. a. Tgl. N. 360 wonaeb auch im October 817 eine Synode, aber für 
I König wie fOr den Kaiser anno IV. 

N. 286. 

1. die Bern. N. 27 in der Abb. über die AgilolL Urk. L c. p. 223. (79). 
id 1. c No. 15 p. 19. H. B. XSVIII. a. p. 11. 
ivea Notitiae XIV. 35 und N. 92, 3 (Keini'scbe Ausgabe). 



83 

f 

^^hte dieses Namens gelebt haben, von denen der ältere der Stifter in Salzburg und Mitgründer des 
Todtenbundes um 770 ist, der zweite aber zur Zeit Karl des Grossen das Kloster Berg im Donangaue 
IfegrÜDdet hat und im Jahre 807 auf der Synode zu Salzburg anwesend war'). 

§ 40. Wolfdregi Abbas 805-807. 

Abt Wolfdregi wohnt um 805 der Untersuchung wegen der Güter des Domstifts an der Glon 

und Rott bei und ist im Jahre 807 auf der Synode zu Salzburg'). Des ersteren Vorganges wegen 

dürfte er aus dem fiisthume Freising gewesen sein und in der Nähe seinen Sitz gehabt haben. Wir 

bemerken, dass Walkertshofen, in dessen Umgebung jene Güter gelegen waren, nur anderthalb Stunden 

Tan Al'tomünster entfernt ist. Auch Ilmmünster ist Ton dort in 4 Stunden zu erreichen. 

£inem der beiden Klöster dürfte Abt Wolfdregi angehört haben. Es fehlt übrigens der Name 
in sÄTüintlichen Abt - Verzeichnissen des IX Jahrhunderts und sind weitere Anhaltspunkte nicht 
za gemrinnen. 

§ 41. Wolf^rcht Abbas monasterii Altahae inferioris 770. 

Der Name kommt in den Abt- Verzeichnissen von Oberaltaich sowohl, als yon Niederaltaich 
yor. Von dem Abte Wolfpercht von Oberaltaich ist aber nichts bekannt, als dass er am 10. Jänner 
eines ixngenannten Jahres vor der gänzlichen Auflösung in Folge der Ungarn-Kriege verstorben ist. 

Dagegen, wird Abt Wolfpercht von Niederaltaich in den Verzeichnissen dieses Klosters aus- 
drücklich als zur Zeit der Dingolfinger Synode lebend bezeichnet und dürfte seine Einstellung bei 
Niederaltaich auf Grund der Unterzeichnungen des Todtenbundes als urkundlich belegt erscheinen, 
"^cnn gleich in der Glosse zu dem erhaltenen Texte eine Bemerkung nicht Yorliegt^). 

§ 42. Zacoo Abbas monasterii Tegernsee c 800. 

Zacco, ein Mönch des Klosters Tegernsee, begleitet seinen Abt Adalbert zur oft erwähnten 
Synode in Begensburg, welche wir um 796 anzunehmen veranlasst sind. Er wird in der die ganzen 
^erlutndlungen yorführenden, am Allerheiligentage 804, 1. November, zu Tegernsee angefertigten Ur- 
Ininde am Eingange, wo von jenen Vorverhandlungen die Rede ist, Vicarius Abbatis genannt, in deren 
^tte zu den Aebten gezahlt, und lieisst am Schlüsse: Zaccho monachus qui quondam abbas. 

Seine Geschäftsleitnng zu Tegernsee hat daher jedenfalls nur kurze Zeit gewährt. 

§ 43. Uebersleht der bis zum Schlüsse der Karolingisctaen Periode nrkandlieh 

bezeugten Aebte der Bayrischen Klöster. 

Werden die Ergebnisse der Forschung znsammengefasst, und hiebei den einigermassen begrün- 
et;os^ Hypothesen in Klammem Ausdruck gegeben, so erhalten wir die nachfolgende Uebersicht jener 
^^'^''t;^ Bayerischer Klöster, welche bis zum Schlüsse des Zeitraums der Herrschaft der Karolinger durch 
'^'^^^xiden beglaubigt, oder doch wahrscheinlich bezeichnet sind : 

Monasteria: 

1. S. Stephaniin monte prope Frisinga, Weihenstephan . . . (Johannes c. 900). . 

2. S. Zenonis in Isen: Hroadhart 760- .. . Cundheri 799-809 . . . (Salomon 819 .. . 
^^^^nes c. 900). 

3. Altaha superior: Ernestus 770 . . Adalpercht 822, 827 .. . 



^) Unsere am Schlüsse des § 2 der Abb. über die Urkunden aus der Agilolf. Zeit ausgesprochene 
Ansicht sehen wir uns abzuändern genöthigt, ohne aber dem älteren Abte Wolkanhard ein be- 
stimmtes Kloster zuweisen zu können. 
l^') M. N. 239. 286. 
^) M. B. XI. 8. XII. 10. Bern. 27 in der Abb. über die AgÖ. Urk. 1. c. p. 223 (79). 

11* 



84 

4. Altaha inferior: Ebonindos 753 — Wolfperht 770, ürolf, Oralfu 790— 817 ') .. Deot- 
paM, Tentpald 821» 822 . . Gozbald, Gaoibaldns 880, Oancelkrios Regii 883, Epiteopos Wirxebnr^eosu 
848-851*) . . OtgarioB 857, Tocatiu EpiscopOB 865 .. . 

5. Altötting: WerinolfoB 878 — Parchardos 898, 901'). 

6. Altomünster: (Wolfdregi 805, 807 . . Jacob 815 . .). 

7. Benediktbeaern: Lantfrid 760 — . . 

8. Berg im Donaagao: Wolcbanhart e. 810. Sigibart 815 • . 875 und 885 der alten KapeUe 
in Regensbarg unter Engilmar in^etbeilt *). 

9. Cbienisee, Auwa: . . Liutfrid 804 . . Hepfilo 806, 807 • . Scbon ron Karl dem Groasen 
788 dem Erzbistbum Metz, dann 875 und 890 dem Bisthnme Salzburg tugetbeilt*). 

10. Gars: . . (Bichpald 807—820) . . 875 an Salzburg. 

11.^ Ilmmünster: . . (Johannes 802-807) . , Sigifrid 820 . . 

12. ErememQnster: Fater 777—791 . . Sigehardus 838— Snello, Snelpero 883, 893*), 

13. Metten: Uto c. 800 . . Nitbardus 837—851 . . Wippo 858, (II) 880 . . Richheri 893 . .^. 

14. Mohdsee: Oportnnus 849—781. Hunrich 781—798. Hato 799, aub Hiltipaldo Arehi- 
capellano (Archiepiscopo Coloniensi) —814. Lantperhtus 817—829 . . . 833 durcb König Ludwig im 
Tausche gegen ObermOnster dem Bischöfe Baturich Ton Begensbarg überwiesen . . . flitto 
879-883'). 

15. Moosburg (8. Castuli): Reginpercht 770— 811. Sigimoat 806-829 . . 895 dem Bisthnme 
Freising zugetheilt'j . . Cowo, Chorepiscopus 902— . . . 

16. Scheftlarn: Waldtich 762—, 774 Episcopus Pasttriensis . . Ihho c. 780 .. . Petto c. 
790-809 . . . 

17. Schlehdorf: Atto, zuerst in Scarantiae solitudine 768, 784 Episcopus Frisingensis . • 
EUannod, yocatns Abbas c. 808 . . Habart 819—829 . • 

18. Schlierseo: Perchtcoz 770— . . Warmunt 809—817. Sindihho 817, 820 . . 

19. Wasen-Tegernbach: (Salomon 819) . . Arno 845—860 . . Deotrich c. 870 .. . 

20. Tegernsee: ... Adalpercht 770—800. Zacco 800. Meginhart 802—823 . . Iskeri, 
Iskarius 826, 829 .. . Megilo 860-880 .. . 

21. Wessobrunn: Fabigaudus 757-763 . . . Snello 805 . . Adalmann (Adelmar) 822, 
825 . . mit der alten Kapelle unter Abt Engilmar 885 vereinigt *% 



1) M. B. XI. 112 flg. XXXI. a. 26. 

2) M. B. XXVm. a. 36. 41—43; XXXI. a. 57-59. 77. 71. 73. Diesen Urkunden ge;;en aber, fftr 
deren Aechtheit Prof. Sickel eintritt, führt P. Gams in dem trefflichen Werke Series episco- 
porum den Abt und Bischof doch wohl kaum begründet als Godewald de Henneberg ein. 

3) M. B, XXXI. a. 101. 109. 153. 164. Ihm ward bei der Gründung Kloster Mattsee zagetheilt. 

4) M. B. XXVIII. a 60. 76. 

5) luTavia, dipl. Anh. p. 48. 100 M. B. 11. 381; XXVIII a 103. Mit den Klöstern Au am Inn, 
Gars und Baitenhaslach dem Erzbisthume Salzburg überwiesen. 

6) M. B. XXVIII. a. 87; XXXI, a. 55. 118. 120. 126. Th. Hagn Urkundenbuch von Kremsmünster 
p. 9 19-24. 

7) M. B. XI. 421 flg. XXXI. a. 113. 

8) M. B. XXVIII a. 65. 72. 73 XXX. a. 68. 111. urkundenbuch des Landes ob der Enns I. 1—82. 
Auch in Ried cod. dipl. Ratispon. 

9) M. B. XXVIII c. 109. 
10) M. B. XXVIII. a. 76. 



85 



4. Eirchliclie Würdenträger im Bisthume FreisiDg. 

Die Würden der Probate und der Dekane als Dignitarien der deut- 
schen Domcapitel bildeten sich nur allmählig aus ^). 

So lange der Vorstand des Mönchsklosters an der Donikirche, der 
Abt, zugleich die Bischofswürde bekleidete — und diess dauerte in 
Bayern bis gegen das Knde der Karolinger Zeit, zum Theile über diese 
hinaus — standen ihm in seinem Berufe als Bisthums-Vorstand Mönche 
zur Seite, welche er wahrscheinlich selbst wählte, während zur Verwal- 
tung des Klostergutes wie zur Aufsicht und Leitung der Klostergemeinde 
Mönche durch Wahl erkiest wurden. % 

Der erwählte Verwalter erhielt den Namen Archidiaconus oder 
Praepositus, die zur Unterstützung in der kirchlichen Führung des Bis- 
thums Berufenen hiessen Archipresbiteri, Chorepiscopi, Coepiscopi. 

Es scheint, dass immer mehrere Gehülfen in der Diöcesan- Verwal- 
tung mitwirkten^). 

Die Würde des Decanus, bestimmt für jenen, welcher die Disciplinar- 
gewalt über die Mönche zu üben hatte^ wahrscheinlich auf gewisse Jahre 
durch Wahl vergeben, kömmt in den Urkunden Freisings in diesem 
Zeiträume äusserst selten vor, wohl desshalb, weil der Dekan mit dem 
Vermögen nichts zu thun hatte, über dessen Verhältnisse zumeist die 
Urkunden errichtet wurden, welche erhalten sind. 

üeber die Würdenträger der Freisinger Kirche findet sich bisher, 
abgesehen von den schon erwähnten Arbeiten über die Weihbischöfe, 
nur äusserst Weniges. Bei Wiguleus Hundt und Gewold beginnt die 
Reihe der Pröbste und Dekane erst mit Ellenhart' und Albert im XII 
Jahrhunderte unter Berufung auf Lazius^). 

Erst Domdekan von Heckensteiler hat in der zur Feier des Jubi- 
läums im Jahre 1824 erschienenen Dissertatio historica de antiquitate 
et aliis quibusdam memorabilibus cathedralis ecclesiae Frisingensis, 



1) Vergl. Rettberg 1. c. IL 683. 

2) Dass, wie. Bachner in seiner Geschiebte Bayerns — II. 204 — annimmt , eine Territorial- 
abtheilong unter den Erzpriestern damals statt hatte, vermdgen wir nicht nachzuweisen. 

3) W. Hundt Metr. Sal. I. 181. 



86 

welcher Domprobst von Deatinger in Beinen Beiträgen zur Geschichte, 
Topographie und Statistik des Erzbisthums München - Freising weitere 
Verbreitung gab^), den Pröbsten und den Dekanen der Domkirche eine 
ausführlichere Aufzählung und für die späteren Zeiten eine eingehen- 
dere Behandlung gewidmet. Doch kennt er für den Zeitraum der Ka- 
rolinger nur den Probst Oadalpald und einen durch falsche Lesung aus 
dem Erzpriester Vuldarrich in No. 621 von Meichelbecks Pars I instru- 
mentaria entstandenen Dekan Udalrich, welchen er nach den Chor- 
bischof Chuno (Co wo) als Dekan beifügt, für dessen Dekanats würde ur- 
kundliche Erwähnung nicht vorliegt. . 

A. PrObste und Dekane. 

§ 1. Oadalpald, Praeposttns sen deeanus 808-842. 

Priester Oadalpald erhält im Jahre 782 während der Zwischenregierang des Abtes Atto im 
Bisthnme Freising eine Kirche tu Adalhelmesbastr, dem Pfarrdorfe Adelzhaosen L. Aichach, von deren 
Erbauer Adalhelm und dessen Sohn Altilo, um sie dem Abte Atto zu übergeben. Zweifellos gehört er 
ZQ den nächsten Verwandten des Erbauers. Er selbst errichtet eine Kirche auf seinen nahen Erb- 
gütern mit dem Priester Minigo in Ecchinaha, dem Pf. Eckoach L. Aichach*)« 

Mit gutem Grunde darf angenommen werden, dass diess derselbe Oadalpald ist, welcher bald 
unter der Domgeistlichkeit in Freising erscheint. So erklärt es sich nämlich, wenn er, wie eine spä- 
tere Urkunde angibt, mit Erlaubniss des im Jahre 808 verstorbenen Bischofs Sindpert Ton Augsburg, 
zu dessen Diocese Adelzhausen und Ecknach gehören, zur Weihe seiner Kirche den Bischof Atto von 
Freising einlädt, und ihn willig hiezu findet'). 

Unter dem Domclerus, der damals nur aus Mönchen des Benediktiner Klosters bestand, beklei- 
dete er yerschiedene Würden, welche von der Wahl der Mönche abgehangen, und auf Zeit verliehen 
worden zu sein scheinen. So möchte es zu fassen sein, wenn er am 2. April 808 als Praepositus et 
presbiter auftritt, im November 814 einen Auftrag des Bischofs Hitto als Decanus ausführt, in den 
Jahren 822 und 823 wieder Praepositus genannt, jedoch den Erzpriestem nachgesetzt wird, zumeist aber 
unter den Zeugen als erster Priester nach verschiedenen über ihn vorrückenden Erzpriestem aufgeführt ist. 

Im Februar 833 erscheint er als Probst an des Spitze des Domclerus, im Jahre 842 sogar vor 
dem Erzpriestcr Wuldarrich, dann nochmals am 9. April 845 unter Bischof Erchanpert als erster 
Zeuge unter der einfachen Bezeichnung presbiter et monachus'). 

Er hatte wohl wegen hohen Alters keine Wahl mehr angenommen. 

§. 2. Adalker, Adalgarins, Praepositiis 845—849. 

Bei dem Tausche zwischen Bischof Erchanpert und dem Lajen Hitto wegen Pnanteahtisir und 
Cuncinhusir*, Paunzhausen und Qünzenhausen L. Frei sing, erscheint an der Spitze der Diacone, auch 



5) Deutinger Beiträge V. 37. 

1) Agilolf. Urk. N. 112. M. I. 35. 

2) M. N. 429. 

3) M. I. 103; die im Register zu den AgiU Urk. genannten Ni. und die folgenden 802. 306. 813. 
324. 324. 333. 836. 338. 375. 386. 390. 403. 407. 427. 441. 451. 456. 510. 537. 540. 551. 
578. 596. 621. 687. 



87 

nach allen Priestern am 9. April 845 der Diaconus et Praepositus Adalgarius. Als im Jahre 849 
Hruodpercbt und Liatswind Besitzungen zu Hmodperhtesdorf, Bupertsdorf L. Ebersberg, fibergeben, 
nnd dafür Lehen za Herincbova, Oberhörlkofen L. Erding, empfangen, wird der Praepositns Adalgarins 
zur Uebernahme der Güter abgesendet. 

Der Name Adalker ist unter den Zeugen nicht selten. Am 29. Jänner 818 erscheint auch ein 
Diacon Adalker unter dem Clerus der Domkirche bei der Schenkung Ellanmara in pago Felda iuxta 
fluYium FUusa, Markt Velden h. Vilsbiburg. Es ist wohl der Sohn Isanperhts und der Oatila von 
Phrumari, Ober- oder Mieder- Pframmem L. Ebersberg, welcher zwischen 805 und 810 die Schenkungen 
seines Vaters zur Domkirche übergab und in welchem wir den später mit der Verwaltung der Dom- 
güter betrauten Probst erkennen dürfen^). 

§ 8. Fttlidns, Becanns Sabionensis eecleslae 828. 

Mit Bischof Arbeo von Sehen tritt zu Pressena, Stadt ^rixen in Tirol, der Dekan Felicius am 
5. Juli 828 bei der reichen Stiftung auf, welche der Edle Quartinus von Wipitina, der Burg bei Ster- 
zing, zum Stifte des h. Candidus zu Innichen macht, welches hier noch immer Inticha, quod dicitur 
Campo Gelau, wie in Herzog Tassilo^s Urkunde, genannt wird'). Unzweifelhaft gehören Bischof und 
Dekan der bischöflichen Kirche von Sehen, nun in Brizen, an. 

B. Archipresbiteri. 

§ 1. Tarchanat, Tarehnat 790—800. 

Tarchanat, um 765 zuerst als Diacon unter den Zeugen, ist als Priester zugegen, als am 1. Ok- 
tober 767 Ato sein Eigen zu Pridinga, Langenpreising L. Erding, zur Domkirche gibt. Ebenso ist er 
Zeuge der Schenkung von Gedungen an der Isen durch Priester Sigiperht im Jahre 772 und baut 
sodann selbst eine Kirche in jenen Gegenden zu Swindaha, Schwindach L. Haag, welche am 8. No- 
Tember 775 Bischof Arbeo einweiht, wobei Tarchanat sie dem Dome überweist. 

Vom Jahre 779 an steht er in den Urkunden an der Spitze des Domclerus und wird am 
28. April 790 zuerst als Archipresbiter bezeichnet. Nach 798, jedenfalls nach 800, kömmt er nicht mehr vor. 

Im höheren Alter gibt er mit seinem Bruder Heriperhi Kirche, Höfe, Wiesen, Wälder, Weiden 
zu Prisinga mit Leibeigenen und aller Einrichtung zum Dome, nur ausbedingend, dass Heriperhts 
Sohn Nidperht, wenn er zu höheren Würden im geistlichen Stande vorrückt, alles zu Lehen vom Bis- 
thume erhalten solle. 

Mit gutem Grunde erkannte Freudensprung in den Brüdern die Ahnherren des noch blühenden 
Edelgeschlechtes der Grafen von Preising^j. 

§ 2. Ellannod, Archipresbiter 793, 809 vocatns Abbas moaasterii Sehlelidorf. 

Ellannod ist zuerst im Jahre 776 mit dem so oft als Anwalt der Bischöfe auftretenden Kagan- 
hart genannt, als ihre Väter, die Brüder Hroading und Nending, dem Kloster Schlehdorf zu Fisca, 
Fischen im Amperfchale L. Weilheim oberhalb des Ammersees, Güter widmen, welche den Söhnen zu 
Lehen bleiben sollen. 



4) M. N. 198. 374. 637. 659. In dieser Zeit ist Oadalker und Adalker wohl zu unterscheiden. 

5) M. N. 532. Anno ine. dni DCCCXXVIII indict. V Hludowici impetatoris XV in pridie K. 
Januarias erfolgt die erste Stiftung. Das Jahr beginnt noch um Weihnachten. So fallt die 
Stiftung für uns auf den 31. December 827, die Bestätigung in den Juli 828. Die Indiction 
wäre eigentlich VL 

0) Vgl. die bei Tarchanat im Register zu den Agil. Urk. aufgezählten Nummern, Freudensprung 
p. 14 N. 20. 



iacon und Priester üt er wUeD nnt«r den Zeoggn. Schon im Detember 793 Aber iit er 
:r nnd nun in vitlfftcher Ttütigkeit berDf<:ii*). 

pril 795 nimmt er mit Bitehof Alto die Stiftung Hrimcrimi Toiincsbof», Dettenhofen L. 
ür Kloster Schlelidorf entgegen; er wobnt der Sjrnode la Reiabftch 799 bei, ist im Aognit 
ing bei den VerhtndlaDgen der kaiterlic'nen ^ndimten lagcgen , und begleitet »einen 
länner 804 iwch Aibliog, nroselbst er Tor den Svndboten die liQckrordemng toa Pr^rreieo 
loster im Chiemeee ■iegreich vertritt. Anf der Ilückkehr im Februar bei dem von Graf 
Steinhirchen L. Ebereberg abgehaltenen Gerichtstage gegenirürtig, nimmt er von dessen 
m Starcholf and detwn Sohn, dem Diacone HiltolT, zwei Höfe m AesIiDg für die Don- 
^*). Im December dieMS Jahres wohnt er der Uebergabe von Gütern tu Rathclm««dorf, 
.. RottenboTg, liei. In tmbestinimten Jahren vertritt er die Domkirche bei der Rückfor- 
tirche n Biberbacb L. Dachan von dem Edlen Mochingem, in Filisa in S. Valentini- Kirche 
Mi dem Streit« Qber Bott, L Waaserbarg, Über Cnndinlior», GQnieihofen L. Brack, nnd leitet 
iwalt Dindolf den Güterlansch mit dem Edlen Offo lu Rott nnd in Hobunthann L. Aibling. 
I Jahm 805-807 erMheint er mehtrach als Zenge, laletat aber am 20 Juli 809 la 
ro er, Tocstoa Abbas, seine Eigen|[üter in Fischen seinem Neffen Hericco la lebensläng- 
ieasnng überlässt, nach dessen Tode aber sie dem Kloster bestimmt 
beint fortan als Abt in Schlehdorf verweilt in haben, da er weiter nicht mehr ge- 
>ie Zeit snnea Ablebens ist anbekannt*). 

e 3 Johaanea litiblprMbiter 809-819. 
Ellaonoda Abtreten erscheinen inmeist iw'ei Arcbipresbitcri, bald tatamnuD, bald elnieln. 
lannea nnd Heripercht 

rzpritster Johannes Qbergibt an 26. Jänner 818 ErbgCiter und Erwerbangen in Hama- 
uoerlbach \T. der PC Wambacb L. Erding, mm Dome in Freising. Es ist wohl derselbe 
jmes, der im Jahre 808 in jener Gegend mit Prieater Slia gemeinsam die Kirche la Hipach, 
[T Pf. nnd des L Dorfen, abergeben hatte 'i. 

mmt demnach ans dem Gebiete an den Quellen der Isen und ViU, ohne dass jedoch eine 
ift mit andem EdelgeMhlecbtem ans jenen Gegenden in den Urkunden sich aogedentet linde. 
der Domprieaterschaft begei;net una loerst im Jahre 780 ein Prieater JohinneB, and iwar 
ude, welche Eisalpah nnd Maganpah, Obergeisel bach Dnd Mähnbach, beide in der Pfarrei 
Iten, L. L. Erding nnd Dorfen, — sobin jene Gegend betreffen, wo Erzpriester Jobannes !«• 
- dasa wieder nach bedentendem Zeitrerlanfe iwiicben 800 and 808, laletzt vom Bischof 
melmgea angezogen, wie jene inr Erforschnng der tod dem Edlen Helmker dem Dom- 
GIm asd Bott ingewendeten GQter'i. 

rdnpresbiter tritt er gegen Ende der Regiernog Bischof Atto's anf einem Gerichtstage ni 
eben S06 and 810 berror, ala der Bisehof die Kirche in ürpab, dem Pfarrdorf Anerbach 
I der beimatlicben Gegend de« Enprietter* von den SShnen des Priso inrQekfordert, and 
tarn Bit Enbiadtuf Am die Kirche fDr da« Domstift. 

r ist er an 24. Hai 811 nnn Khon ingleicb mit <]em Eraprieater Heripercht and vor 
at ia dem Taaschvertrage mit dem Edlen Bifwin, welcher gleichfalls jenen Gegenden des 

67. 179. 220. 2i9. 

212 in KocTohi Handschrift nomittelb&r der No. 136 sich anschliesaend, mit ihr dnrch 
tbencbrift Cenins eornm rel traditio verbunden. 
lie im B«gi*ter n den Agil. Urkunden genannten Nnmmem Heiebelbecks. 

SSL Agit r. IL 17. 
D. N. tlO. M. N. 53. 181. 133 234. 238. 241. 



89 

Westergaues, Aotinga an der Semita, Kirchötting L. Erding, Bargrain L. Haag und Puoh, Buch am 
Bnchrain L. Erding betrifft. Er begleitet den Bischof Hitto im Jahre 815 in jenen Gegenden in das 
Kloster zu Tegarinwae, Wasentegernbach L. Dorfen, ist Zeuge, als der jüngere Mezzi seinem in jenem 
Kloster gethanen Gelübde gemäss, von der Wallfahrt nach Tours in Frankreich glücklich zurückgekehrt, 
im Jahre 817 zu Freising Güter zu Undeoinga, Forstinning L. Ebersberg, übergibt, und ist wieder 
dabei, als Bischof Hitto zu Sinnering L. Erding das von Abt Salomon erbaute Gotteshaus einweiht'). 
In den Jahren 813—818 vielmals, theils mit Erzpriester Heripercht und, mit einer Ausnahme, 
immer vor ihm genannt, ist er im November 819 zum letzten Male Zeuge*). 

§ 4. Heripercbt Archipresbiter 809- 823. 

Die Heimat ies Erzpriesters Heripercht ist 'durch die Urkunde vom Maria - Geburtsfcste 8. Sep- 
tember 817 bezeichnet, zufolge welcher er mit seinem Neffen Sigihart Güter zu Fechinga, Chuntila- 
puron, Poasinpuron, Alpacowe und Keizahu der Domkirche schenkt. Diese Güter liegen in den 
Pfarreien Osterwarngau (Vöcking und Günderer, Einöde) Grosshartpenning (Allgau) und Gaisach an 
den Granzen der Landgerichte Miesbach und Tölz*}. - 

Als Erzpriester tritt er zuerst in der dem Datum nach etwas unsichem Urkunde bezüglich 
Horaginpach. eines der beiden Hörgenbach L. Dachau, im Mai 809 auf*^ zunächst dann schon ge- 
meinsam mit Erzpriester Johann am 24. Mai 811 in der bei diesem erwähnten Verhandlung mit Rifwin. 

Bis zum Jahre 819 kömmt er nun vielfach theils mit, theils ohne Johann vor, immer nach ihm, 
ausser bei der Stiftung des Grafen Cundhart und dessen Gattin Adalfrit wegen Hroadperhtes ecclesia, 
Rupertskirchen, Pfarrei Altomünster L. Aichach. 

Im October 819 findet er sich allein auf der Synode zu Freising und begleitet im December 
dieses Jahres Bichof Hitto nach Achen. In den erhaltenen Urkunden tritt er dann nochmals als ein- 
ziger Erzpriester im Jahre 822 auf; im Juni 823 aber, oder nach der Indiction 824, ist mit ihm der 
Archipresbiter Rupo und sogar vor ihm genannt'). 

Der Name Heripercht ist häufig und es ist daher schwierig sein Auftreten in früherer Zeit zu 
verfolgen. Wohl mag der Erzpriester der Cleriker Heriperht sein, welcher zu unbestimmter Zeit dem 
Bischöfe Atto das Lehen Senatesawa, Sensau Pf. Steinhöring L. Ebersberg, zurückgibt*). Dagegen'ist 
er insbesondere von dem häufig vorkommenden Bruder des Erzpriesters Tarchanat, dem Lajen Heri- 
percht aus dem Geschlechte der Preisinger, zu unterscheiden. 

m 

§ 5. Bupo» Archipresbiter 823—833 (845). 

Rupo oder Rubo war der Sohn Sigipalds und der Jtispnrg, deren ausgedehnte Besitzungen so- 
wohl diesseits der Isar bei Humpia und Tansteti*, Ober- und Niederhumel und Thonstetten in den 
Landgerichten Freising und Moosburg, als auch jenseits lagen an der Strogen, welche mit der Semt 
zur Isar, und an der Isen, welche zum Inn zieht, in den Landgerichten Erding und Dorfen. 

Im Jahre 780 wird er zuerst unter den Zeugen ak Cleriker, Subdiacon, eingeführt. Im Mai 
808 ist er noch Diacon und macht mit seiner Mutter für das Seelenheil des Vaters Stiftungen in den 



3) M. N. 284. 269. 331. 357. 401. 

4) M. N. 316. 319. 386. 343. 367 a. 369 b. 374. 

1) M. N. 352. Regierungs-Jahr IV stimmt mit Ind. XI, wenn September Indiction angenommen wird. 

2) M. N. 164 die Indiction fehlt und der 15. Mai wird XVIII K. Junii statt Idus Maji bezeichnet. 

3) Nach der Zeitfolge ordnen sich die Nummern bei Meichelbeck, worin Heriperht als Erzpriester 
sich findet, wie folgt: N. 164. 284. 306. 316. 819. 321. 336. L p. 103. N. 343. 367. 387. 
375. 386. 369. 390. 407. 403. 373. 418. 451. Es mag diess als Feispiel dienen, wie wenig die 
Pars instrumentaria geordnet ist. 

4) M. N. 257. 

Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIIL Bd. I. Abth. 1 2 



i Orten Eampl», Strognn und I«&na. Seit 814 iteht er an drr Spitze der Ditcone de* Doati. 
Octob«r SU encheiot er laerat anter den Priettern und am SO. Hart 822 i«t er u Stelle de* 
itorbenen Enp'intere Jobuinea Arcbipreabiter and wird sclbit Tor dem Fropete Oadalpald onter 

Zeogen genannt. 

Im October 827 Qbemimnit er im Anfinge de« Biiehofi Hitto in AdalheTeshoMn, AllenbiOMB. 

OQt«r, welche die Geichwirter Piligrime, deuen Schwetter Erebanfrit, nnd Sobn Beginpercbt, 
n Htrtnid zQm Dome geschenkt, nad stebt fortan inmeiit an der Spitie der Domgeiitlichkeit, • 
er welcber nach Heripercbts Abgang ein zweiter Eripriester ISngere Zeit aich nicht la befinden 
iint. In dem tur Pfarrei Hooabnrg geh&rigen Dorf« Thooatetten hatte er eine Kirche erbaot, 
ehe am 6. April 830 oder 831 Bischof Hitto einweibt'), wobei Bnpo die früheren Ver^bnagen 
a- nni jenseits der Itar erneuert. Nocbmala ist er am 24. September 833 genannt, dann aber 
bnet er nicht mehr als Enpriester. 

Er schied wobt wegen hohen Alters ans seiner WSrde, lebte aber noch mehrere Jahre. Denn 
irend der Name Rapo sonst in den Preisinger Urknndeu nicht Tork&mrat, iet am 23. December 843 
1er Vergabungs-Urknnde de« Priesters Oadalhart tod Ipah, Eibacb, von der Domgeiatlichkeit nnr 
Mter Rnpo nnd Diacon Absalon tot dem Grafen Ratolt nnd dem Pfaligrafeo Fritito onterteichnet, 

kBmnit noch am 24. Jinner 845 ein Zenge Rapo Tor'). 

9 6. SIglhart Arahlprwblter 829-HSI. 

Als zweiter Enpriester neben Rapo erscheint in zwei Urkunden vom 7. December 829 and Tom 
Jnni 831 der Enpriester Sigibart'}. 

Es igt wohl der Neffe des Erzpriesten Heripercht, der 815 aU Cleriker, noch im Februar 819 
Sabdiacon, im Jahre 823 als Ditcon nnter der Domgeistlicbkeit erscheint und von seinem Oheime 
I Nachfolger in seinen Besitzungen am Gebirge bestimmt ward'). 

Eb ist anRallend, da« der Etzprieeter Sigibart alsdann niclit mehr TOrkOmmt. Er acheint &Dh 

Heichelbeck erwähnt, dasa in den Todtenbüchem des Klosten Reichenan nach Bischof Alto ein 
rbischof Sigibart eingetragen ist*). Es wSre möglich, dasa der Erzpriester Sigihart in diese WQrde 
[erQckt, und dann noch vor Biechof Hitto gestorben tat. 

So dürfte jener Eintrag sich erklSren lassen. Mindestens findet sich nm diese Zeit kein Choi^ 
hof, und ist aach kein anderer Sigihart in so hohe kirchliche Würden TorgerQckt. 

9 7. WDldarriek, Tnldaricli Arehlpresbiter 842. 
Nach dem Jahre 800, ElUnnod \tt Enpriester, ünroh bereits Priester, Qbergibt Vnldarricb sieh 
Bischöfe Atto nnd der h. Jnngfran fQr sein Leben in eigen, nnd empfangt sofort daa Kirchen- 
n in Tankiricha, Thannkirchen in der Pf. Dtetranuiell, L. ^rol^ra(ahanaen. 

) M. K. 350. Im Datum ist ein Fehler Anno 831mo ind. VllI Hlndowici inipris XVII et Hln- 
dowici regis Bawtrioram V in VIII id. Apr. Die Jabrtahl paFst nicht inr Indiction nnd den 
RegicrQDgfgahren. welche übereinstimmend 830 ergeben. Der 6. April ist 830 Mittwoch vor 
Palmsonntag, 831 am Donnerstag der Oaterwoehe, beides nicht mit der kirchlichen Vorschrift 
Qbereinsiimmend, welche einen Feiertag zur Eirchweihe wftnscht. 

) H. N. 427. 510 561. 623. Abschn. I. No. 24 nnd Register in den Agil. Urk. 

) H. N. 542. 551. Corroh fSgt jedesmal daa Jahr bei, aber damit nicht im Einklang auch 
iweitmals Indictio VIII und Regiemngojnhr XVII (830), doch aach K5nig Ludwigs Jahr V, 
welchea in Freising'tnm Jahre 831 hän&g erscheint. 

I ». N. 318. 324. 852. 3»0. 395. 418. 441. 4G6. 

I M. l. lOO. 



91 

Auf der Synode zu Freising am 19. October 819 ist er unter dem Domclerus, am 19. Jali 827 
Priester*). Am 13. November 828 wird er neben dem ebrw&rdigen Domprobst Oadalpald yon der 
Domgeifltlicbkeit allein genannt, dann aber uicbt mehr, bis er im Auftrage des Bischofs Erchanpert 
bereits als Enpriester am 1. Juli 842 zu Pappininga, Puppling Weiler der Pf. Deining L. Wolfrats - 
bansen, in jener Gegend, wo er wohl auch das Kirchlehen Thannkirchen besass, die Stiftung des 
Priesters Egino entgegennimmt. 

Nur noch einmal tritt er in dieser W&rde mit dem greisen Probste Oadalpald am 8. August 
desselben Jahres auf). 

' § 8. Anulo, Archlpresbiter c. 850. 

Immer sparsamer wird nun das Auftreten Ton Erzpriestero, wohl auch desshalb, weil aus den 
folgenden Zeiten nach Cozrohs Ableben nur Urkunden <^Ausz&ge erhalten sind, welche häufig keine 
Zeugen, wenn aber, nar Namens-Verzeichnisse ohne Beisatz Ton Stand und Würde geben. 

Anulo findet sich zuerst am 15. Jänner 814 als Cleriker in Mitte der Zeugen, welche für Graf 
Orendil's Stiftung mit Scammaha, Schammach L. Ebersberg, genannt sind. Am 11. September 816 
bei der Widmung you Croaninpah, einem der Grfinbacb, L. Erding oder Dorfen, in jenen Gegenden, 
schliesst er als ältester der Cleriker (Subdiaconen) unmittelbar den Diaconen sich an. Noch am 
4. Februar 819 ist er ältester Subdiacon unter den Zeugen fQr die gleichfalls jene Gegenden be- 
treffende Uebergabe yon Kirchasch und Schwindach durch Bischof Andreas zu Freising und wieder ist 
er mit dem Bischöfe Hitto bei der Kirchweihe zu Sindpaldeshusir, Sinnering L. Erding, am 7. No* 
Teinber desselben Jahres. 

Im Jänner 628 (XV Jahr des Kaisers 828 und Indictio V 827) ist er im Geleite des aus Innichen 
zurückkehrenden Bischofs in Scheftlarn. 

Nach langem Zwischenräume erscheint er neben Chorbischof Herolf als Erzpriester unter Bischof 
Erchanpert bei einem Niwara, Neufahm bei Freising, betreffenden Tausche um 850. 

Als Erzpriester ist er später nicht mehr genannt. Doch kömmt noch unter Bischof Anno 
(855—875) zweimal der Name Anulo unter den Zeugen ohne Charakterbezeichnung vor'). 

§ 9. Knndpato Arehipresbiter c. 890 -900. 

Der Arehipresbiter Kundpato Tertauscht in ZoUing L. Moosbnrg aus seinem Eigen eine Hof- 
stätte, eine Hube artbaren Landes und Wiesen zu fünf Karren Heu gegen gleiche Besitzungen des 
Domstiffcs an Bischof Waldo. 

Diess ist die einzige Erwähnung Kundpato^s^j. 

9 10. Engllsehalcli Arehipresbiter c. 9l0— 9S0. 

Gegen Ende des Zeitraums der Karolinger tritt der Erzpriester Engilschalch unter Bischof 
Draeholf auf. E» sind yerhältnissmäsBig wwt weniger Urkunden-Abschriften aus dieser Zeit erhalten, 
die Zeugen sind weniger zahlreich, es fehlt zumeist der Beisatz über ihre Stellung. 

So sind wir über seine früheren Lebensjahre nicht unterrichtet. Er tritt sogleich als Arehi- 
presbiter ein, seine Wirksamkeit in dieser Eigenschaft erstreckt sieh aber noch lange in die Regie- 
rungszeit des folgenden Bischofes Wolfram von Freising. 



1) M. N. 890, dann 510, wo nach Vuldarricus „pbr" im Drucke ausgefallen ist. 

2) M. N. 251. 525 Abth. I. N. 23. Der in N. 66 bei M. schon 778 vorkommende Zeuge Vuldar- 
rich ist wohl Vater oder Oheim des Erzpriesters. 

1) M. N. 299. 338. 869. 387. 401. 694. 794. 815 add. Zu Scheftl. ürk. M. B. VIIL 376. No. 24 

TgL M. N. 534. 
0) M. N. 968. 

12* 



Der Dobilis Archipretbit«r Engilacbalch') ist an der Glon and an der Amper reich begStert. 
Er ist bestrebt, im Tausche mit iea BiKhMea seine' Besitiangen aa dem bei laderwlorf in die Olon 
fallenden Bottbacbe zn arrondiren. In den Vertrigen werden die Orte Bota, die Pfarrdürfer Ober- und 
Niederroth (minor vielleicht der Bothhof in der Qeraeinde Schwabhansen), ßumaneshiuir. RnmeltshaoMu, 
Straipach, Strsaabacb, Putlinhnaa, PuUbaoeen Ff. Pellheim, Piitilinpa<!h, Pnttlbach Pf. Dachan. alles 
ia nächster Ümgebnog. dann Fiobt, Viecht, Isanpach, Eiseobach (Groji und Klein) L. Freising, end- 
lich Ahaloch, Allacb und Pasinga, Pasing L. Hünchen links der Isar, genannt') 

Er ist nicht in Terwecbseln mit dem Domprobste Eng«lschalk, welcher zwei Jahrhunderte später 
(um 1170) lebte'), 

§ n. AaHwftrtiKe Enpriester. 

Ausser diesen Freisinger Erspriestem kommen noch einige wenige in onsera Ürknnden vor. 

Arno (so uDd nicht Anno Untet der Name bei Coiroh) nnd Paldrich sind auf der Sjnode an 
Rebbach nm 799, wehin Enpriester Ellannod seinen Bischof begleitet hatte. Es waren daselbst auch 
Erzbischof Arno nnd die BischQfe von Begcnsbnrg ond von Passan. Jene Enpriester, welche io den Ur- 
kunden Ton Freising nirgends genannt sind, werden daher mit den erwähnten BischSfen nach Bebbach 
gekommen sein'). 

Der Enpriester Antarpot von Begensbnrg ist, noch erst Priester, am 805 dabei, ab Bischof 
Atto mit den Brüdern Patto nnd Totti wegen Besittnngen in Smleoeshosir nnd Hasalbach, sanxhansei] 
nnd Siit-, Berg- oder Dom-Haselbach, alles im L. Hooabnrg, sich vergleicht. Er stammt aas dieser 
Gegend, wo er mit seinem Brader Teniod in Ergoltespach, Ergoldsbach L. I>andshat, Besitinngen 
hatte, nnd starb im Jahre 822'). 



5. Die Notare der BlschSfe von Freising in der 
Karolingischen Perlode. 

Soweit die Vertrags- Urkunden durch das Cartular Cozroh'a über- 
liefert sind, fioden sich zum grossen Tbeile auch während dieses Zeit- 
raums die Fertiger der Urkunden angegeben. 

Chonradua SHcrista dagegen hat meist die Beifügung der Notare 
UDterlasäen, und in dem von der Mitte des Jahrhunderts an als weitere 
Quelle eintretenden Codex commutationum verschwinden in B&lde die 
Namen der Notare gänzlich, weniger wohl, weil späteren Zua^mmenstellern 
der Urkunden die Namen längst verstorbeoer Personen werthlos er- 
schienen, als weil bei der Abschriftnah me die ganze Fertigung, Datum 



1) Der Znsati .nobilis" Cod. com.' f. 255 fehlt in No. 1020 Meichelbecks. 

2) U. N. 989. 1015. 1020. 1029. 

3) Dentinger Beitr. V. 39. 

1) H. I. 94. Besch 1. c I p. 765 folgt Salibarger AafieichaQQgen nnd läset die Enpriester nnerSrtert 

2) H. N. 250, Bied 1. c. No. 23. 



93 

und Notar, vernachlässigt ward, nur noch die Zeugen als wesentlich 
für den Nachweis galten. 

Unter Bischof A*tto treffen wir als Notare in einzelnen Fällen die 
schon zur Zeit der Agilolfinger genannten Diacone Sundarheri , Snelmot, 
Willipert, und die Priester Hor^keo und Peru ^). Den ersten Jahren 
dieses Bischofs gehört auch die Urkunde an, welche der Diacon 
Marcheo fertigt 2). 

Auf dem Kriegszuge gegen die Avaren im Jahre 791 versieht der 
Diacon Altman Notar dien ste ^) ; vereinzelt schreiben Urkunden die 
Diacone Heilrich 792, Hruodstein 795, der Cleriker Amico um 800*), 
in Tyrol 799 der Priester Meriolf ^); später 804 Heimo und Emicho, der 
Notar des Erzpriesters EUannod, Starcholf 806, Alpherius 807 ^). Seine 
eigene Schenkung fasst Priester Erchanheri 810 in eine Urkunde*^). 

Der Zahl der Urkunden nach dürfte nur Tagapercht, Tagi- 
oder Tagabertus in der Kanzlei des Bischofs Atto eine dauernde Stel- 
lung eingenommen haben, welche er auch unter Bischof Hitto noch 
längere Zeit fortbekleidete. Am 6. März 791 tritt er zuerst als Sub- 
diacon ein, am 20. April 815 zuerst als Priester und am 21» April 
825 beurkundet er zum letzten Mal als Notar, nachdem schon seit 819 
Pirchtilo, Undeo und Gozroh ihn häufiger ersetzt hatten^). 

Wie lange Priester Tagabert noch unter den Zeugen vorkömmt, 
kann nicht bestimmt werden, da von der Mitte der zwanziger Jahre 
des neunten Jahrhunderts an den Zeugen immer häufiger die Eigenschaft 
nicht mehr beigefügt wird, und um diese Zeit mehrere Tagaberte sich finden. 

Unter Bischof Hitto sind einzelne Urkunden von den bereits er- 
wähnten Diaconen Willipert und Starcholf, letzterer Gehülfe des gleichfalls 



1) M. N. 99. 100—103. 107. 108. 111. 116. 178. 186. 193. 194. 226. 229. 230. 237. 239 b. 259. 
271. 277. Vgl. Agil. Urk. p. 181 (37). 

2) M. N. 201. 

3) M. N. 108. 

4) M. N. 106. 183 add. 224; 114; 247. 

5) M. N: 274. 

6) M. N. 137. 138. 142. 147. 

7) M. N. 173. 

8) Tagabert beginnt in Meich. Urkunden mit N. 104, ist Priester in N 316| dann bis zor N. 492 
add. häufig Schreiber. 



manaten Emicho, in späterer Zeit 821 tod Lanto, 
Subdiacon Amalrich, eine zum Tbeile von Priester 
u dem Diaooae Anco (631 dem ap&teren Bischöfe?) 

ert, bald nun Priester, in dea ersten Jahren die 
iden fertigt, wird der Bischof auf Reisen meist von 

Undeo begleitet, der Mönch Cosroh aber tritt in 
vorzugsweise in Freising ein. 

der Sohn des Grafen Mezzi, Bruder des jQngeren 
gesehenem, in den Gerichtsbezirken Erding, Dorfen, 

zwischen Isar und Inn reich begütertem Geschlechte 
ter des früher als Notar beschäftigten Sundarheri '*'). 
Mezzi gibt er am 29. August 814 Göter zu Undeo- 

Ebersberg, zum Dome, Graf Job ist erster Zeuge, 
chenkt er nochmals dem Domstifte in Kloster Isen 
^ejer, W. der Gemeinde Sohnaupping, und mit seiner 
i zu Lanppach, Lappach, beides L. Haag, und wird 
?n des Domstiftes zu Aschae*, wohl Ascbau, Einöde, 
■ Pfarrei S. Wolfgang, auf Lebensdauer belehnt"). 

bei der letzteren Stiftung nur venerabilis Clericus 
at über das Subdiaconat nicht emporgestiegen zu 
luf seine Besitzungen in der Nähe der Heimat zurück- 
lenn er wird nur noch ein paar Mal bis zum Jahre 
en genannt. 

: aus eineui im Glonthale begüterten Edelgeschlechte, 
idter Piligrims, des Sohwagera oder Bruders des 
). Noch unter Bischof Atto bestimmt ihn sein 
seinem Nachfolger in Pritilinpach im Pfarrbezirke- 
iner 814 ist er zuerst als Gleriker, Subdiacon, unter 

März 818 erster der Subdiacone, am 4. Februar 



S23. U8. 553—568. 580. 

:. p. 182 (S8). 

. 325 DDd 485; als Notar H. I. 103. 317 bu 457 häufig; noehmab N. 552. 



.üP^v^'^ ■.:.-*^;-^ 



> 



95 

Seine Besitzungen und Verwandtschafts -Verhältnisse ergeben sich 
aus einer viel späteren Urkunde, vom 6. April 848 unter Bischof 
Erchanpert. Nachdem er schon um 821 Zeuge gewesen, als der 
Cleriker Hahfrid eine Stiftung zu Incinmose, Grossinzemos L. Dachau, 
erneuert hatte und damit belehnt wurde, gibt er nun selbst, noch 
immer Diacon, Güter in Glana, Glon D. Pf. Indersdorf, urkundlich Undies- 
dorf, und Incinmuse bis auf 15 Leibeigene zum Dome, dabei bedingend, 
dass der Knabe Reginolf dieselben, Jepinchiricha und Incinmuse, wohl 
die Kirchen zu * Indersdorf selber und Gross-Inzemos , sollte er Cleriker 
werden, zu Lehen erhalte. Piligrim ist Reginolfs, und zugleich, nebst 
Eparheri, des Bischofs -Vertreter. Als dann später Piligrim am 4. Oc- 
tober eines ungenannten Jahres in dem Dorfe Otmareshart, gleichfalls 
in der Pfarrei Indersdorf, Besitzungen zurückgibt, ist Undeo vom 
Bischöfe mit der Uebernahme beauftragt und nun Priester ^^). In 'dieser 
Eigenschaft kömmt er aber in den Urkunden nicht weiter vor. 

Cozroh, der um die Erhaltung des Freisingschen Urkunden- 
schatzes so hoch verdiente Mönch, schreibt zuerst am 7. September 
820 ^^), ist vom März 822 an Diacon, seit 30. April 825 Priester nnd 
versieht Notariatdienste bis zum 10. April 848^^). •» 

Ueber die unermüdliche Thätigkeit Bischof Hitto's sind wir ob 
seiner Sorge für ständige Aufzeichnung gut unterrichtet, und es ge- 
währt anziehenden, für die Gulturgeschichte mannigfach wichtigen Ein- 
blick, seine zahlreichen Reisen, wobei weder Jahreszeit noch Witterudg 
Hemmungen zu bereiten vermochten ^^), näher zu verfolgen. 



t' 



•r k 



I 
. I 



12) M. N. 485—549 haaög; die Stiftung N. 578. Sie findet sich bei Cozroh unter Stiftungen von^ 
J. 831, worauf, aber ein Gewicht nicht zu legen sein wird. Ueber die schwierige Bestimmung 
von Jepinchiricha, dessen Name wohl durch Undiesdorf ersetzt worden sein dürfte, vgl. die^ 
Beitrage zur Bestimmung der Ortsnamen in Oberbayern. Abb. d. bist. Ol. d. A. d. W. B. .XI 
(1868) p. 116. 

13) Diese früheste Urkunde Cozrohs M. N. 416 ist gleich im Datum unsicher und verwirrt: Anno 
incam. Dfii 820, dazu indictio Villi (815, 816) und* Regierungsjahr IUI (817). 

14) Das Datum der Urkunde M. N. 654 ist aus 844 ^mit Zusfitzen und Zeugen-Mehrung yerändertv 
doch unbedenklich, da von 848 noch eine weitere Urkunde N. 651 vorkömmt. Cozroh ist von 
N. 416 bis 576 häufig Notar und auch in. unserem Nachtrag vertreten. 

15) Deniqne sub omni diligentiae cura secnndum ardentissimam erga divini cultns operationem sibi 
caelitus inspiratam voluntatem Hitto ordinatus episcopus episcopatum, suumque diocesem^cir- 
cuivit, nee non et plebem sibi agendum regendumque commissum pr^icens et docens de regno> 



s-' 



1 
I 



weiht er im Winter, von Tagabert begleitet, die 
Kircc^o. w^ciu^ ier Priester Condhart so Pleoninga, PlieniDg L. Ebere- 
b«?. dir.i HLi2iai.inc mit meiner Matter EUanbirg sa Perge, wohl Berg 
am Laiin am recirOHL barTifer nächst Manchen, erbaat hatten'*). 

Im Jahre ^14 Wiihnt er am 2. October der Gerichts -Verhandlung 
so PercchiricLa. Bergkirchen, bei, weiht am 7. die von Sigipald zu 
Pohaolaga. PacLichlagen, beides L. Dachau, erbaate Kirche und begibt 
sich sodann aof «eine o^rbten Besitzungen zu Haholfeshasir, Hagerts- 
haasen L. Mainbarg, ron wo er am 5. November zurück ist, um als* 
bald wieder, am 17. d. M. die Einweihung der von Selipercht erbauten 
Kirche za Hosir, einem der Hansen, vorzunehmen. Pirchtilo scheint 
ihn begleitet za haben, da er die Verhandlungen von Haholfeshusir in 
eine Urkunde fasst''). 

Dem Jahre 815 gehört nach der beigefngten Luna die Rundreise 
an, wobei er, wieder von Pirchtilo begleitet, am 17. Jänner Schwind- 
kirchen L. Haag berührt; es folgt die Weihe der Kirche, welche Situli 
zu Freddamaringa , Fröttmanning L. Manchen 1. L, erbaut hatte, am 
19. ApriL die Abhaltung einer Synode auf der bischöflichen Besitzung 
Eching • nächst Freising in Mitte Mai's und im Herbste die Reise, welche 
ihn am 18. September nach Kloster Isen, am 24. nach Pliening und 
dazwischen auch in das Kloster Tegarinwac, Wasentegernbach L. 
Dorfen fuhrt";. 

In den Jahren 816 und 817 scheint Hitto durch innere Angelegen- 
heiten vorzugsweise beschäftigt gewesen zu sein. Auswärts treffen wir 
ihn nur am 13. April 816 zu Mohinga, sonst auch Holzmochinga ge- 
nannt, Ampermoching L. Dachau, und am 24. April 817 mit Tagabert 
za Feldmoching. Ob er auch am 20. April zu Poahhe, .Puch L. Brück, 



Ti4&lk«t {tdeGM vjmmxaado^ qnodam oontigH enm die osqiie «d huic ecdesiam Teniase, 
qoi dirlrar On,/jxi ^.kaiai — lo die ürbmde Tom 29. dünner 818 M. N. 380. 

16) Am IX cDi 2f>. JixMr, es tiad Biebt Sonii- aondexn Donnentage, werden die ürkonden ge- 
fertigt JL X. 2:'l m. 2Sß, 

17) IL L 103. ui y. 304. 3I2L 314. Die TageÄid stete dorth Angabe der Luna beuidinet. was 
▼offzüglidi Pirditilo eigen ist. Hven erkürt Frendenapnnig flr Nassenbansen L. Bmck, doch 

« scfaeinen sicbere Haitponkte so feUen. 

18) M. X. 325. dZ»}-934. 



97 

und am 12. Mai zu Dorfen, dem Markte Dorfen anwesend, bleibt zweifel- 
haft, da kein nach seinen Befehlen fertigender Notar genannt ist*^). 

* Dagegen vollzieht er im Winter 818 wieder eine Rundreise, Kmicho 
und ündeo sind im Geleite. Nachdem er, wie es scheint, zuerst am 
15. Jänner Prittlbach L. Dachau besucht ^^J, weiht er am 26. zu Felda 
an der Filusa, Velden L. Vilsbiburg, die von dem Edlen EUanmar er- 
baute Kirche und ist am 29. Jänner zu Cozoltis ecclesia in Cozoltes- 
dorf, Gessendorf L. Landshut, wo er die Stiftungen seines Erzpriester 
Johann mit dem nahen Hamariginpach und der edlen Matrone Imma 
mit Stargina, Hofstarring L. Dorfen, oder das nähere Bauernstarring 
W. L. Erding, entgegennimmt, darauf aber Sonntags den 14. März die 
Einweihung des von dem Priester Imicho in Holzhusir iuxta pelagum 
Wirmseo, Holzhausen L. Wolfratshausen, errichteten'Bethauses vollzieht"*). 
Im Herbste treffen wir ihn am 7. September bei der Weihung der in 
Ratiuwege, wohl Erdweg L. Dachau, von Priester Erchanperht erbauten 
Kirche mit Emicho und Starcholf, worauf er zu der am 15. September an 
derPheterach, zu Pfettrach L. Moosburg, abgehaltenen Gerichtssitzung sich 

begibt, vom 19. October bis 8. November aber in Freising eine Synode 
abhält 22). 

Das Jahr 819 zählt bei ausserge wohnlichen Ereignissen zu den 
vielbeschäftigten. Im Februar geht Hitto mit Hringolf, dem Abgeord- 
neten des Bischofs Andreas von Vicenza, zur üebernahme der Schenkung 
nach Isen und Schwindach, ordnet dann aus Anlass der Rüstungen zum 
Kriegszuge gegen den Slavenförsten Liutwin mit Tagabert und Pirchtilo zu 
Freising vom 6— 14. Mai noch viele Geschäfte. . Am 4. Juli ist er in Pan- 
nonien, ein Notar wird dort nicht genannt, am 15. September jedoch 
wieder zurück und mit der Weihe des von Priester Richpald in Unter- 
kienberg an der Glon erbauten Gotteshauses beschäftigt^^). Nachdem 



19) M. N. 341. 851. 357. 

20) M. N. 361. Die Zeitbestimmung liegt im Argen; neben der Indictio XI (818) steht das 
Regierungsjahr IV; (817) und die Luna XVIII, welche nur auf 822 passt. 

21) M. N. 374. 380. 881. 387. 

22) M. N. 854. 360. 365. 368. 439. 

23) M. .N. 369. 391. 398. 400. 402. 406. 408. 468. üo, antequam se moTeret in ostes, venit ad 
sedem Frigisinensium civitatis . • so N, 398. 

Abb. d. III. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 1 3 



98 



er Mitte October noch eine grosse Sjnode in Freising abgehaltai und 
im November mit Pirchtilo die von Abt Salomon zn Sindpaldeshasir 
an der Vils errichtete Kirche geweiht hatte, bricht Hitto zum Kaiser- 
palaste nach Achen aof, wo seine Anwesenheit mit Tagabert am 1&. 
Dezember beurkundet ist^). 

In den Jahren 820 und 82 1 sind Synoden im Mai za Eching, 82 1 
auch im September zn Freising. Auswärts treffen wir Hitto in ersterem 
Jahre am 14. April zu Othereshusir, am 15. zu Feohtkirha^ Ottershansen 
und Tierkirchen L. Dachau, am 20. Juli zu Prenpruck, in der Nähe 
des Markts Brück an der Amper, in letzterem Jahre Sonntags den 
13. Jänner, wieder im Winter, bei der Kirchweihe zu Luges, Unterlaus 
L. Aibling, wohin Friduperht und seine Miterben ihn geladen '^j. 

Im Jänner 822 trift er mit Bisbhof Baturich von Regensburg am 
24. zu Hohenreini zusammm und weiht am 23. die tou Podalunc zu 
Mahsminreini erbaute Kirche, Grosshöhenrain und Vi^TlTi^in L. Aibling. 
Am 19. August ist er in Kloster Isen, am 31. b« dar Gerichts- 
verhandlung zu Adalhareshusir, AUershausen ^ j. Nachdem er hierauf 
Biadiof Soxo in Freising im Jänner S23 emp£sngeo, b^bt er sich mit 
Pirchtilo am 7. Februar nach Eitindorf , dem Weiler Aitemdorf L. 
^^^^^^'s^^» wohnt am 2. Aprfl der grossen Gerichts -Vahandlung in 
Ergoldi^, und am 15. Mai jeno* in Föhring nächst München bei, ist 
am 1. August wieder in Azzalinga L. Ebersberg und am 11. Derember 
zu SwCTipach, wohl Sdiwetnbach L. Laodshut^. 

Im Jahre S2-t find» wir Hitto am 9. April zu Xiwinhusir* apud 
S T i FTThpr inga. Neuhausea L. Ebersb^g, am 24. Mai bei der zwäten 

[:ilsng xn Erg'^lding, eodann, nachdem Bischof Fraaco des 
in Ticena^ Stütungen bestätigt und vermehrt hat, am 21. 
Jaii zu laen; S25 wieder in jener Gegend am 13. Februar zu Dorfen, 
am i7. m Lourpach, Lajpach L. Haag, bei einer Gerichts -T»haiidlung 



54 M. 5L 2V. 3^ 4- 1. I*» 
£a^jHJiiii9-'^üir TI indirLiD 
2i M. X. 411-^ZL. 42L. 4:!L. 
y- M. Jf 41t. 4t:. ^1.. 4*C, 
444- 441 4ol. 471. 






Enf TOB Calkiiiperc G&UnWrir I^ Baiev viri 



99 

und vom 27. — 30. März wieder in Kloster Isen, wo der abtretende 
^otar Pirchtilo Schenkungen darbringt, welche Undeo beurkundet; end- 
lich am 15. April zu Mohhinga, Ampermoching. Am 30* April aber 
reist er zum zweiten Male nach Achen ab, nachdem er die Domkirche 
mit neuerkauften Gütern reich bedacht, die Stiftung dem Priester 
Cozroh selbst in die Feder diktirt, und deren Vollzug dringend auf- 
getratgen hatte ^). 

Die Reise nahm mehrere Monate in Anspruch und scheint mit dem 
Begier ungs-Antritte des jungen Königs Ludwig in Bayern, Kaiser Lud- 
wigs des Frommen Sohn, in Zusammenhang zu stehen. Er kehrt wohl 
mit dem Könige zurück. Wir treffen ihn am 10. März 826 in Freising, 
w^obei der Ankunft des Königs in Bayern zuerst gedacht wird^®). 

Hitto verweilt am 10. und 11. Juli dieses, sowie am 19. September 
des folgenden Jahres in Holzmochinga, ist im Jahre 827 am 17. Fe- 
bruar zu Poah, hält vom 19. bis 23. Mai eine Synode zu Eching, be- 
findet sich am 29. Juli zu Holzen L. Ebersberg, und geht im August 
nach dem Ostlande , um in der Nähe von Linz im Lande ob der Enns mit 
Oraf Willihelm Gränzverhältnisse mit Slaven zu ordnen, worauf er im Oc- 
tober. einer zweiten Synode zu Freising anwohnt»^). 

Gegen Ende des Jahres besucht er des Bisthums Besitzungen in 
Inticha, Innichen in Tirol, wohin ihn, wie bei den meisten der zuletzt 
erwähnten Reisen, der Diacon Undeo begleitet. Die Reisenden sind am 
31. Dezember in Innichen, treffen auf der Rückkehr auf Schloss Wipi- 
tina bei Sterzing, dem Sitze des Edlen Quarti und seiner Mutter Clauza, 
der mächtigen Nachkommen der Breonen, welche dem Stifte Innichen 



28) Die Stiftang M. N. 480 ; ferner N. 457. 459. 478. 477. 485—488. 491. Abschn. I. N. 9. 

29) M. N. 493. 495. 496. 498. 499. 502. Abschn. I. N. 10. Cozroh's ürknnde M. N. 501 wird dem- 
selben Jahre angehören, wie jene Undeo's N. 502; aber es ist kaum Werth darauf zu legen, 
dasi am 6. März des Königs Ankunft noch nicht erwähnt ist. Wo diess der Fall, wird ^annus 
Imgris Xin indictio IV zu lesen sein. 

^0) M. N. 490. 500. 508. 510. 515. Abschn. I. N. 11 und 18. Die Urkunden 527. 534 
und N. 13 des Abschn. I sind gleichmässig mit Indictio Y (827) und Begierungsjahr XY (828) 
bezeichnet, und um so mehr sämmtlich zum Jahre 827 zu stellen, als nirgends der Bückkehr 
des neu Termälten Königs gedacht wird, was in den Urkunden Ton 828 selten unterbleibt. Wir 
bitten hiemach die stehen gebliebene Urk. N. 13 S. 12 gleichfalls zum J. 827 29/YII zu rechnen, 
während N. 12 richtig zum März 828 gehört, da sie die Abreise des Königs erwähnt, sohin hier die 
Indiotion zu bessern ist. Hieher M. B. YIII p. 377 N. 25; dagegen ist N. 26 nur Abdruck Ton M. 
No, 533, wo bei Cozroh «ind. YI* steht. 

13* 



Zuwendungen in ein Dutzend Orten Tirols gemacht, mit 
beo von Sehen zusammeo, und sind am 26. Jänner in Kloster 
'). Darauf werden im Juni wieder zu Kcbing, im Herbste zu Frei- 
en gebalten, Ausflüge im Juli nach Scbeftiarn , dann nach Eisal- 
ihgeiseringL. Brück, am 14. Dezembernach Feohtchiricba, am 23. 
ihen Hegelinhusir, Cgihausen Pf. tlohenkammer, unternommen^^), 
abr. 829 beginnt mit einer Gerichtssitzung in Emheringas, 
L. Brück, am 11. Jänner; im Februar besucht Hitto Hagerts- 
der, im März und April aber verweilt er zu Freiaing, von 
' am 4. April , dem ersten Sonntage nach Ostern , dem 
Sonntage, in dem nahen Sindeoshusir, äänzhausen L. Pfafien- 
ät predigt, und die Stiftung Ämalprehts und seiner Gattin 
it Otolfesperc, dem Weiler Oelperaberg L. Moosburg, ent- 
t, mit dessen Ersitzung nach Bayerischem Recht während 
I der Priester Cozroh beauftragt wird^'). 
im Monate April schliesst das erste Jahr seit der Rückkehr 
. Cozroh und Undeo versäumen nicht, während desselben 
sorgsam zu verzeichnen, wie König Ludwig vor Mitte März, 
^ebruar des Jahres 828 , nach Franken abgereist, und im 
folgenden Monats Mai mit seiner angetrauten Gattin, der 
imma, zurückgekehrt ist^*). 

un an mindern sich des Bischofs auswärtige Geschäfte. Da 
Betheiligung bei den Staatsgeschäfcen nichts bekannt ist, 
schwerden des Alters Ursache sein. Wir treffen ihn nur 
ihre 830 am 26. J&nner mit Diacon Amalrich zu Herihhinga, 
li Freising eine der ältesten Besitzungen des Bisthums, am 
Artin chiricha, zu Attenkirchen L. Moosburg, am 6. April 
stetin, Thonstetten in derselben Gegend, endlich am 13. April 
e Monate vor seinem Ableben, wieder zu Kisalheringa im 



2. 534. Qaarti, uationis Noricorum et Pregnariorani, Tom Stamme der am Brenner 
ter Zeit bekannten Breonen. M. B. VIII. p. 376 No. 24 o. 27. 

3. 518—23. 52fl. 533. 537. 

10. 538. 546. Vgl. N. 517 no .in albas* kein Ort, Mindern die Woche nach der 

be bezeichnet. 

N. 514-538 nndAliBchn. I. N. 12. 



101 

anmuthigeü Amperthale nächst dem späteren Wallfahrtsorte Grafrath ^^), 
Synoden zu Freising sind noch im Dezember 829 und October 831 
bezeugt. 

Bischof Erchanpert tritt mit der Urkunde vom 31. Juli 836^ 
gefertigt durch Cozroh^^) ein, welcher überhaupt unter ihm die meistea 
mit Datierung noch versehenen Urkunden niedergeschrieben hat. 

Einige Male verrichten Notardienste die Subdiacone Amalrich (836), 
Helidpercht (843—846), der Diacon Kernod (845), und der Priester 
Paatto (844-848). 

Nach Cozrohs Abgang sind in den erhaltenen Cartularien nur drei 
Schreiber, jeder in einer Urkunde genannt, 

Frouinmunt trägt am 7. Jänner 848 eine Urkunde in Cozroh's 
Buch mit dem Schlüsse ein: Misereatur Frouin mundo, quisquis legat 
titulum. Es ist wohl derselbe Frouinmunt, welcher unter Bischof 
Dracholf um 910 an der Spitze des Domclerus zunächst nach Chorbischof 
Cowo zeichnet ^^. 

Der Schreiber Alpunc, welchem die wiederholt für das Jahr 850 
gebrauchte Schreibweise DCCCXLX zuzukommen scheint, schliesst am 
28. Juli 850 eine Urkunde mit den Versen: 

Quisquis titulum legat hunc^ mihimet miseratur, 
Indigno, precemque fundat, rogitatve, qui vocor Alpunc, 
und in tironischen Zügen: Erchanbertus eps valeas vigeasv^ felix^®). 

Endlich ist nachträglich am 22. August 852 eine Urkunde von 
dem Diacon Arnordus eingetragen ^®J. 



35) M. N. 548. 549. 550. 563. 

36) Wir müssen Cozroh auch hier wie in seiner ersten Ürknnde eines Fehlers zeihen, üeber* 
einstimmend setzen alle Quellen den Todestag des Bischofs Hitto in den Dezember. Amalrich^ 
der die letzte Urkunde Hitto*s fertigt^ setzt sie: ao ine. 835 ind. XIII Hludowici regis nostri 
in Baiowaria anno X in idibus Aprilis — M. N. 593; Cozroh die erste Erchanperts: U E. 
Aug. ao ine. 835 ind. XIII Hludowici imperatoris XXII. Hludowici regis nostri XI. M. N. 588. 
Soll der Todestag Hitto*s aufrecht erhalten werden, so kann von Cozrohs Zahlen nur die letzte^ 
welche dem Könige Ladwig ein Jahr mehr gibt, richtig sein; die Urkunde gehört dann dem 
Jahre 836 an. 

87) M. N. 657. 987. 

88) M. N. 670. Im Abdrucke bUeb vor der Indiction aus: V E. Ag*. Unter den Zeugen der 
erste „Herolf.* Dr. Both Oertlichkeiten No. 704. 

89) Unsere Abth. I. N. 31. 



102 

Ad8 der RegieraogBzeit der Bischöfe Anno und Arnold wird 
weder in Chonradna sacmta's ZuBammenstellung, noch in dem Cod. 
commutationum, welche nunmehr allein das Urkunden - Material bieten, 
>tar genannt. 

nter Bischof Arnold erscheint dagegen einmal ein bischöflicher 
ir: PaldricQB cancellariua, welcher „praecepto Arnoldi epiacopi 
t*«). 

la ist diesB die einzige Erwähnung eines Eanziera aua dieser Periode, 
on den Bischöfen Waldo, Uto und Drachotf sind weder Notare 
Kanzler bekannt. 

auswärtige Notare erscheinen in Freisinger Urkunden selten. Eb 
en vor: von Salzburg'scben Notaren: 

BerchtariuB und Adalpercht um 802; 

Egipald levita um 806; 

DeodericuB um 807**); 
am Bisthume Vicenza: der Priester Petrus 818 *'). 



Anhang. 

iseronsen zum Abdrucke der Urkunden aus der Zeit der Karolinger 
ehelbecks Historiae Frislngensis Tomns I nach Cozrohs nnd Chonradas 
sacrlsta's Handschriften, dann dem Codex commutationnm >). 

:eicb. T. I. p. 5S* Z. U Eparfaeri. 

p. 59. Z. 14 Arn ad, Z. 34 lUtolt; p. 75 Z. 17 Slehdorf, Z. 2 T. a. Bajouiu. 

p. 78 S IX Z. 6 LintMdi — wie denn bei Coitoh alle Nunm mit Liot — nie Lnit Unten, 
!in bei Ueichelbeck stets za Terbeasem ist; ebenso Dindolf. 



I. N. 867. 

[. N. 115. 117. 118. 120. 121. 122. 124. 286. 

L N. a69. 

ie VerbeaNrangen oacb Coitoh and dem Cod. comm. soweit nicht Cb. i., .Cbanradoi ucrUta" 

eigefQgt. Bloss leicbt konubare Verwectuelong fliDielner Bnchstaben ward nnr soweit der Laut 

m Namen berQhrt ist, anfgeDommen. 



105 

I. p. 79 Z. 5 Slierseo; p. 80 Z. 2 tendant, Z. 4 y. u. adqnisitionisTe; p. 81 Z. 8 Alpolt. 

I. p. 85. Z. nlt. primae don. Hadoker; p. 94 Z. 2 Mosaheim Z. 3 Snlagaloh. 

I. p. 108. Z. 9 y. n. add. post Wago cl. Erbanperht cl. Sigahart cL Z. pennlt. Flrtilo. 

I. p. 126 Z. 2 ad Percchirichan. 

I. p. 146 Z. nlt. Chonr. sacr. f. 67. b. Actnm Mosabnrc — gegen M. B. XXVIII a. p. 199 Beganesbnro.. 

I. p. 151 Z. 15 Tntonis mit dem Or. M. B. XXYIII a. 134 im Einklänge ; Z. 16 Gnndpoldi • . 
Meginwardi nach dem Or. 

I. p. 153 Z. 5 Chonr. sacr. Vm id. Mai. So aoch M. 6. XXVIII. a. p. 189, während Meich. 
am Bande zn Chonr. sacr. bemerkt: das Or. habe IX K. Mai — wie er hier dmcken Hess. 

II. Pars instrumentaria. a) Snb Josepho et Arbeone Episcopis* —784. 

N. 12. p. 82 Z. 2 Actnm in Scarazig, Z. 3 oratoris rei. 

N. 15. Z. 6 Ihnina. N. 16 Z. 3 y. n. Tarchnat. N. 19 Z. 6 y. n. Oatlant. 

N. 28 Z. 4—5 genetrix; p. 45 Z. 4 Horsceo. 

N. 32 Z. 8 Bathilda; Z. pennlt. Pald. N. 34 Z. 3 cnm aya mea Pettane, Z. 5 Sindilinhnsir* 

N. 40 Z. 7 y. n. Begjnolf, Z. 6 y. n. tanti enim. 

N. 45 Ch. 8. p. 55 Z. 3 y. u. Thinolfingas . . ao XXVI. N. 46 Ch. s. Z. 6 Peldin. 

N. 47 Vgl. Abb. der h. Cl d. A. d. W. 1807 I p. 189. 

N. 53 N. 4. y. n. Johannes pbr. Z. 3 y. n. Pemger . . Waninc. N. 54 Z. 13 Ospnrga, Z« 
pennlt. Batoldo. 

N. 59 Z. 1 az Bintte Z. 9 Starcholfo. N. 63. Z. 2 Bicharteshnsin. N. 66 Z. 9 Erelingnn. 

N. 70 Z. 2 erat IH idibns. N. 75 Z. 3 Alprüb et Ascriih; Z. 7 hü snnt filii; Z. 4 y. n. Wisnriih. 

N. 79 Z. 4 Perhhanga. N. 90 Z. 3 inemnt tres titnli, p. 76 Z. 8—4 Oato postea. Bei Cozroh 
in Znsammenhang mit N. 127 p. 96 Meichelbecks. 

N. 91 Ch. 8. Z. 4 Waldkereshoya. 

b) Snb Attone episcopo 784—811. 

N. 106. Ans Ch. s. Bei Cozroh f. 83 y. Traditio Arperhti, Z. 2 Filnsa, Z. 4 Frigisingas, Z. 7 
Haec antem testes snnt per anres tracti : Inprimis Snnidhart, Cnndhart, Helmnni, Adalhart, Patacho^ 
Adalnnc, Ermperht, Tenit, Deganheri, alins Teuit, Wolfhroch, Lint, Adalhob, Crimnni. Z. 9 Earolov 
Z. 10 Ego qnidem Heihih indignns diac hanc cartulam scripsi jnssione Attonis ^i. 

N. 108. Traditio Helrannini de Tegarinwac. Z. 14 Jnsip. p. 84 Z. 6 Helmnnini. 

N. 111 ans Ch. s. Die yoUstfindige yerbesserte ürk. Cozr. f. 131. Dr. Both Benner I. 48. 

N. 112 Z. letzte: anno XXVI regnante domno felicissimo rege Xarolo. 

N. 113 Z. 6 Postea nato. N. 114 Z. 4 y. n. Erchanfrid; Z. 8 y. n. Sigistein. 

N. 115 Z. yorl. Bertharins. N. 117 yorl. Z. Kysingas. N. 121. Z. 9 Waltrih, Z. 84— 85- 
Wormgoi, Ollinga, Z. 37 Dd. gleich Dayid. 

N. 122 Z. 11 Engilhardnm et HrocholAim, p. 94 Z. 9 Eisalhardns, Z. 17 Eisalhart index. 

N. 124 p. 95 Z. 4 AtuUa. N. 125 Z. 7. Sindperht. N. 129 Z. 8-9 Nibnlnnc p. 97 Z. 13^ 
Altiperht, Z. 14 Cozroh: Boracha, aber Chonr. sacr. Lorahha. N. 131 1. Z. Snidhart diac 

N. 142 Z. 3. Dmdmnnt, Z. 12 Eerhiltahnsir, Z. 22 Earoli, Z. 1. add. : Et ego Hiltiperhtns pbr 
et mansionarins scribere rogayi interim ad memoriam, nt qnando Deo anxüiante donmns Sr Atto- 
eps yenerit, tnnc in melins fnisset emendatnm, qnia, qnod imperitia denegat, charitns ministrat. Et 
ego Starcholfns hanc cartnlam scripsi. 

N. 143 Z. 11 ünarc. N. 150 Z. 2. az Beode. In mbro Ch. s.: Etileshnsnn. N. 151 Z. 7 Nendinc 

N. 154 Z. 12 Pmninc« Bandznsatz bei Cozr. f. 156 v. welcher 80 yon Haso et conjnx eins 
Angilfrit ad s. Mariam geschenkte mancipia anfzahlt. N. 155 p. 108 Z. 5 y. n. adde: Alholf cl. 

N. 157 Z. 10 Oadalhari;. N. 163 cfr. Agil. ürk. Anh. n N. 17. p. 220 (76). N. 170 Z. 1^ 
Plidker. N. 172 Z. 3 y. n. Somperht. 



104 

N. 173 Bei Cozr. Scbloss der aiit3r einer No. zusamniengestellten N. 139. 261 — 263 Meich. 

N. 177 Tollstandiger Agil. üik. Anh. II N. 9: N. 178 Zweite Hälfte Agil. ürk. A. II N. 8. 

N. 179 Z. 5 renerandam. Z. 9 Aepo, Lantpiric. Z. 10 f l«ge: vel. 

N. ISl Cozr. f. 84 et 148 Z. 4 Cotebramnas p. 119 Z. 1 et ipso per misericordiam saam do- 
naYit, Z. 3 Baiowaria, Z. 4 Cotehraxnmo . . oinnem causam raeam, Z. 5 post regia adde: et ego ipso 
ibidem coram omnibus renovavi pristinaro donationero ad domum s. Mari^ in manas Attonis epi. 
Z. 6 Wolfolti. 

N. 183 Scblnss: Scripsi antem ego Heilrib, insans ab ipso domno antestite. N. 185 Z. 2. 
Nianiaara, 

N. 188. adde : b. Jam postea idcm ipse Altman eandem traditionem confirmavit atqne renovaYit eo 
modo, ut ipse Altman congrcgavit propinquorum turmam atque parentorum et renovavit ipsain tradi- 
tionem, qaam antea actum babult, ut et meliorem habuisset firmitatem; quorum nomina haec sunt, 
qui boc viderunt et audiernnt. Inprirois Sulman pbr, Folrat, Alpuni, Hunleih, Tuto. 

N. 189. Z. 6 Liutswind. N. 194 Z. vorl. adde: Toto cl.. Heripald cl., Situli cl. N. 197. Z. 1. 
Pupo. N. 198. Z. 5. V. u. Wolfleoz. N. 212 folgt der N. 137 mit der Ueberschrift: censum eorum 
vel traditio. N. 220. Bei Cozr. Frigisingas — - Filusa — Haec autem s. t, Wicrat, Wolfhram pbr, 
Salucho pbr seu mon. Frauuilo. N. 227, Z. 3 v. u. et i. apsa. 

N. 239. Inquisitio ad Waldkereshova, Z. 6 Helrauni, Egino . . Weidheri. N. 241. Z. 15 Wie- 
quas. Z. 18 Eraheri (stets), Z. 19 Sliu, Z. 22, Vulvarn, Rihker. N. 242 Schluss zu N. 115. N. 251 
p. 143 Z. 3 Adalbart. N. 252 vorl. Z. toracem. 

N. 255. Z. 2 Isamanninga, 1. Z. Adaiger. N. 261—263, dann 282 sind bei Cozrob mit N. 
.139 zu einer Nummer verbunden. 

N. 265. Z. 3 Tcntinhofa. N. 269. Donatio Arperhti pbri de Filusa et Elasnapab, Z. 2 Arperht 
pbr, Z. 5 Frigisinga, Z. 6 Filusa et Elasnapacb, Z. 7 Deinde . . Z. 8—9 elymosina Jacobe pbro et 
Symone pbro, Z. 10 perservirent, Z. 15 et 16 EUanberto . . ibi collecta, Z. vorl. lege: juraverunt Engil- 
perht, Hramperbt, Hunperht, Ribperht, Kerlant, Hroadlant, Ercbanperht, Jusip, Hramnunc, Waltolt, 
Liutprant, et per sacramentum dixerunt, quod per justara legemet per traditionem Arpcrbti pbri ipsa res sc^ 
Marie fieri dcberet ad Frigisingas, et Salomon per nullius traditionem ibi nihil proprium nou haberet, 
quod nullo. modo hoc inquirere non potuisset. Isti alii sunt, qui presentes fuerunt : Cundpald, Mezzi, 
Snclmot, Priso, Wolfhart, Cotcperht, Liutto, Kyso, Wurmheri, Haguno, Paldrih, Rihmunt, Arnolt, 
Altman, Waldperht, Cundperht, Erchanhart pbr, Paldacbar pbr, Sigolf pbr et alii multi. 

N. 270. 1. Z. IUI Non. Julii. N. 271 aus Cü. s. Bei Cozr. Arhinsuuente ; t. Wolfperht, Hu- 
sunc, Heimilo, Alpolt pbri, Wigrat mon. Wolfperht iudex, Hrampeiht, Eodunc, Paturib. 

N. 275 1. Z. Oasuni. N. 276 Cozr. hi s. t.* Wago cl. Droant, Engildeo, Tutilo, Drudmunt, Cama- 
luni^ Anno, Humperbt, Engilperht, Kaganhart, Einhart, Cundpato, Adalperht, Hiltiperht. 

N. 284 Z. 8 Purgreini . . t. Sigimoat. 

c) Sub Hittone episcopo 811 — 835. 

N. 289 Z. 5 Kerlind. N. 297 Z. 9 Fruminc. N. 302 Z. vorl. Octobris anno prirao Hludowici 
impris indict. VII. N. 306 Z. 6 frs = fratres. Z. 20 Walho. 

N. 308 Z. 6-7 Adallcoz. N. 309 Z. 1, 2 u. 3 Osuni. N. 310 Z. 1 et 3 Tisinbusir, Z. 12 Actum 
• . die consule quod facit XIIII E. octb. anno primo Hludowici impris indict. VII. N. 314 Z. 3 v, 
ti. Hartnid. N. 316 Z. 3 Phetarach in loco, ubi Nandolvespach cadit in Phetarach, eo modo . . 

N. 318. Z. 15 Sintarvizzilo — Stets ein Name vgl. Dr. Roth Beitr. IV p. 10 N. 13. 

N. 319 Z. 5 v. u. Hasolf. N. 322 Z. 1 et Sonperht, Z. 4 Crimhareshusir. N. 344 Z. 7 v. u. 
Meginolt pbr. 

N. 346 l. 2 ut apud. N. 347 Z. 4 v. u. Coiperht. N. 355. Z 4 v. u. Adalleoz. N. 358 Z. 4 
.▼. n. Kipihho. 

N. 364 Z. 2. V. u. Lantpirc. N. 367 a Z. 5 v. u. Scacco. N. 368 b p. 195 Z. 8 Adalhareshusun. 



105 

N. 369 p. 195 Z. 3 p = pro, p. 196 Z. 4 Baiowaria; Z. 9 v. u. adde ante Scripsi: sig\ manus 
Waidoni t. p. 197 Z. 11 iske. 

N. 373. p. 199 Z. 12 adde post ndebuissent" : dicebant enim, quod aliter firmum esse pon va- 
laisset -- et post „palatium": iubentc et vocante domno imperatore ipse, Z. 16 Eailanae. 

N. 377. Z. vorl. indictione XI raa. 

N. 378 Z. 6 V. u. XVII K. Maj. Z. 1. Hasolt . . Hiltirat. N. 380 Z. 15 Wolfheri. 

N. 386 Z. 10 V. u. singulis solvere . . Z 8 comites, Z. vorl. Waninc. N. 389 Z, 4 v. u. adde: 
Beginpald, GnDdhart, Rihlant, Candpald, Hunkils, Sigipato, Sindeo, Cundheri, Biudolf, Kerhoh, Irmin- 
hart, Walho" ante Isancrim. N. 390 p. 2U8 Z. 10 v. u. abbates. Z. 8 Vuldarrih, Z. 7 Adalhart. 

N. 393 Z. 4 Perhtnia. 

N. 400 Z, 1 Kermanreswanc, Z. 5 Einworht. N. 406 Z. 4 v. u. Willapato, Z. 3 quod est. 

N. 407 Z. vorl. Decembris anno gloriosi Impris Hloduwici VIto indictione XI, 1. Z. conscripsi. 

N. 408 Z. 4 V. n. Sig\ N. 410 Z. 4 v. u. WilUpald. Vor N. 411: Incipiunt traditiones de 
anno septimo (Hladowici Imperatoris). N. 415 Z. 4 nomine Asolt. N. 420 Z. vorl. III K. Jan. 

N. 423 Z. 11 III noctes. 

N. 427 Z. 8 Liupila, Z. vorl. Hladowici. 

N. 428. Zweitmals mit folgenden Aenderungen Z. 10: nomina mancipioram: Tagaperht, AI- 
bwin, Heriswind , Adalswind, Johan, Z. 12 Si (Cotescalk) ante migrasset ex hac luce qnam conjnx 
sna. omnia supraraemorata statim haberentur ad prefato domo s. Marie, ita nt nxor saa nullam deinde 
haberet potestatem, uisi cum consensu dhi Epi . . p. 227 Z. 4 Cotingun simili modo sicut rcaritum eins . ut 
post obitum ipsius mulieris neque maritus neque uUus alius contradicere valeat, sed firmiter teceatur 
ad domo supradicto. Deinde censuit supradictas Cotescalh denariorum XXX ad missam s. Martini 
reddere annis singulis. Z. 11 add. t. Haguno, Tinto» Alprih, Kaganbart,. Liutprand, Herimot, Taga- 
perbt, Oadalperbt, Patuhho, Ercbanpei-t. Sigihram, Cnndmunt, Cotadeo, Ericb, Adalolt, Candpert. 
Actum e. a. in Non. April, anno gl, Hludowici Imprs X ind. I. Ego itaque Pirhtilo iussus a domno 
Hittone epo scripsi et subscripsi. Cozr. f. 299. Dr. Roth N. 498. 

N. 430 Z. 7 Ratpot de. (dictus) Lanto. N. 431 Z. 3 v. u. Drudrolt CDrudolt) N. 437 Z, 3 
V. n. tilge: in. 

N. 441 Z. 10 V. u. adde post Oadalpald pbr: Meginolt pbr, Hunolt pbr, Eliuni pbr, Otperbt pbr. 

N. 442 Z. 1 1 Eetkinga Z. 5 v. u. indict. II. N. 444 Z. 5 v. u. Engilbart. Z. 6 rih, Regin- 
heri, Reginperht. 

N. 447 Z. 4 Keparohi. N. 451 p. 289 Z. vorl. Junias anno X regni Hluduwici impris. 

N. 453 Z. 8-4 V. u. Mabalni . . Hroadperht . . Keparoh. Z. vorl. DCCCXXIII. N. 454 Z. 3 
V. u. adde: Cozolt, Wicco, Wigant, Kerperht, Alprib, Sigifolc, Wallunc. N. 456 Z. vorl. inprimis Uro. 

N. 459 Z. 4-3 V. u. Niuuiuhusir. N. 460 Z. 4. Perhtdrud . . XLIV jugeres . . foeno. 

N. 467 Z. 4 V. u. Jago. 

N. 470. Z. 2 Eysalhardus, Z. 15 quod hoc ipsum, Z. 17 eps hier episcopatus, Z. 5 v. u. adde: Hroa- 
dolt, Suuarzolf, Pcrnker, Cundpald, (alius) Chuniperht. N. 471. Conventum inter Hruodhohum 
et Hittonem epum. Z. 6 et for direbatur Adalker . . Z. 6 v. u. u. f. Suindhart . . Emheri . . Erchaker . . 

N. 473 Z. 1. Odolt p. 250, Z. 5 Somperht, Z. 3 v. u. Huuasmoat. N. 474. Z. 18 v. u. Ricpirc, 
Z. 8 V. u. Hmadrit. N. 477 p. 252 Z. 1. V idus. N. 480 254 Z. 5 v. u. adde: Adalperht, Memmo, 
Mauritius, Reginpald, Pezzi, Crimuni, Eerhoh, Deotrih, Alawich, Isso, Eaganhart, (alius) Tuto. N. 
481 a. p. 255 post ; indict. JII adde: regnante Hludowico impre XII; b. Z. 5 Weliman, Z. 8 Hroadfrid. 

N. 485 . . et Waltheide propinque eins, Z. 8 Asch^, Z. 15 Pirhtilo, Z. 1. Sigifolc, p. 258, Z 3. 
ut postea iste, Z. 5. DCCCXXV indict. III Hludowici impris anno XII. Ego quidem. . 

N. 486. Z. 12 Aaron, Drudolt, Sigiwart, Irminfrid. Friduperht . . Z. vorl. indict. III Hludowici 
impris XII. Ego quidem indignus diaconus. . N. 490 Z. 1 Dum et Z 2 Hahmunt, Z. 3 lU Cozrih, Hreitun, 
Wolfpirc, Z. 6 Haec s. t. p. a. tr. Inprimis Willipato, Rumolt, Emheri, Cotefrid, Uro, Tuti, Riginperht, Willi- 
beim, Fridurib, Heipo, Adalker, Liutprand, Meginrat, Eigil, Tozi, Job. Actum est . . Hludowici . . indict. IUI. 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 14 



L 



H. 492 SchlDM: Scripai »atem ego Tagibertna iadigoa« pbr Iudc cartaUm iaiüiDiie Uittonia epi. 
N. 493 Traditio Lintparga ad Igmanninga et Ilaaohi pbri. Z. 4 blnt, Z. 8 co<)icibaa, Z. 9 Fri- 
u- Hoc factQn) Mt in XV K. iol. in domo ■. Mari^ ad Frigiiingu, Z. 1. Uladowica* rei in 

N. 496 Z. 3 T. u. Oapi. N. 502. p. 265 Z. 2 adde: WeDtüperht, alias Tagaperl.t. N. 506 p. 
, 5 Borartnn, Z. 4. t. u. Karaberi (rt«ti). N. 508. Indlct. IUI. N. 510 Z. 30 Voldarriena pbr. 

N. 511 Z. 6 V. □. V K. Oct. N. 512 achlietst an N- 535 an, aohin i. J. 828. N. 514, Z. 4. 
Sartmot . . Unnter. 

N. 517 Z. 5 in albas Mittwoch nacb der Ogterwocbe inicbt Ort Albach, wie Dr. Roth N. 544 

N. 520 Z. 5 uuadriuabis (Wasserbehälter). X. 522 Z. U omnia in «mnibns. N. 523 Z. 3 
Smbih. N. 525 Z. 4 v. d. lediit in id. Novemb. N. 530 Z. 6 t. n- Hroadinc. N. 532 p. 280, 
WilUport, Z. 4 ». n. Eriraperht N. 633 Z. 1. iodictione VI. 

N. 534 Z. 5 totam ei. N. 535 Z. 2 t. n. adde: Peai, Drolf. N. 537 Z. 2 Entrilhart pbr. Z. 
Lnno, Z. 11 ad Hahaleibi, Z. 1. adde: Hittoneiti. N. 540 p. 285, Z. 10 et lunhart ßlins. N. 
, 6 Lintdrnd. 

N. 551. Z. 15/161dotliDd, Perbthilt . . Ootaftit, Z. 24/25 anno V in V K. inl. . . Adalnni Z. 26. Waltolf. 

N. 552. Z. 6 T. u adde: Otacher, Z. 5. Reccbo. N. 559 Z, 5 t. n. f . . Emberi . . Sigiwtul, Tnti. 
I Z. 15 anno VIII, Z. vorl. tilge moo. nach Salomon. N. 564 adde t. Adalolt, Cnndoni, Liatrih. 
> Tr. Eigiloni. 

N. 567 nach der Einrecbnnng bei Coiroh uod der Ind. mm Jahre 813. N. 570—573 sieben 
ir. iwiacben Scbenknngen vom J. 819. No. 574 Z. 1 D. 3 n. 5 Hroootwiad (J. 821). N. 575 Z. 
. Ratpot«Di pbri. N. 577—580 bei Coir. tarn VIII Jabre Kaiser Ludwigs, 821, gereiht. 

N. 582 Torl. Z. la dem« minnirin Tan (lieotsch). N. 597 et Cod. commntationam : Concambiam 
is, Z. vorl. Mahtperbt, p. 303 Schluss: HIndawici imperii eins Vlto. b'. 

d) Snb Ercbanperto epiecopo 835-854. 
N. 588 Z. 7 Oadalrici, Z. 3 v. n. Sigiwalh N. 589 Z. 12 Plidbilt, Z, 18 Sigifuns, Z. 19 Eüd. N. 591 

Z. 5 Mojraar. N. 594 ohne TJeberscbrift. N. 5C5 Z. 4 Albkysinga. N. 596 Z. U Perccbirichs, 
I. n 1. Dapirii . . Älpran, Tiehhant, UDnunheri, p. 307 Z. 16 Herolf. N. 598 Schlass: Hladowici 
ari in Baiowaria anno XI. Isti testimoniales, qai boc Tideront Autnm: Hahtani, Willabelm, 
!ri, Wicperht, Urolf, Ekkiberc, Deotpald, Drudolt. Pisnn, Rifaberi, Perhtcoi, Deotperht, Isker. 
N. 601 Z. 3 et 10 et 19 et 47 PacbilUhoh, Z. 4 Eünhofa, Z. 6 Anternaro, Z. 44 Froimar. 
N. 602 Z. 5 AdalliDd. 
N. 605 Scblnsa : in VIII id. inl. N. 606 Z. 3 ». n. Waldperht N. 607 Z 3 v. n. Hnpphin- 

S. 608 Z. 6 DCCOXL N. 609 Z. 9 T. n. Willapato. 

N. 614 Z. 4 Tegarinanaaa. N. 620 Schlnas : iudict. III. N. 622 Z. 1 et 3 Ipacb. N. 023 Z. 

N. 625 Z. Torl. loco anno incarn. DU DCCCXLIII indict. VI. Villi K. inl. N. 626 Perbah. 
N. 627 Z. 24 Wol&m, Z 25 Zeiiwar, Z. drittl. Coiroch. N. 629 Z. 3 Paldhrico (!). Z. 17 
nanwa, p 321 Z 1 Enginpald, Z 9 nepotibns sois — nach Regioperhto bier a. Z. 10 rorber 
e Stelle (ein Name ansgekrazt). N. 630 Tr. Paldacri et Cnndpatoni . . N. 633 folgt nnmittelbor 
24 p. 14 nnserei Nachtrags. N. 634 Z. 1 Bniowaric. N. 635 Z. 9ZaDnaini. N. 637 1. Z. Cooiin- 
N 638. Was anf Erchaamaa beiäglicb, getilgt N. 641 p. 327 Z. 3 v. o. adopos. N. 645. 
Lodalheri. M. 648 Tr. OsUrbilta et advocati ipsias n. Hadolt, Z 4 Ellinpiro, vorl. in V. id. 
X. 651 Z. 20 XU, et in alio loco ad Elhpac de pratis carradas XII. Z. 24 et 28 Emberi . . 
D . . Uabperbt . . Wurmhart . . Teito. N. 652 Z. 6 Porgont, Z 11 adde: Et iati t. p. a. tr. 
t, Altotf, Jacob, äigipald, Altrib, Bibhcri, Reginpcrfat, alias Rihberi, Lintolt, Hunperht. Et 
itimoniales, qai boc ndemnt: Ratolt comes, Alprat comes, Kepolf, Deotrih, Herolf pbr, Absa- 
IC Marcwin pbr, Hahmnnt diac. Bnmolt advocatos, Wasmot scDldh(aisn8), Volmot, Heimperht. 



107 

In margine: Post obitom vero E^inolfi diac. venit iam dictus Lintolt ad Frigisingas et tradidit 2 
mancipia, qn^ antea tradita Bon faernnt, Adalgis et Erchanbilt. Et accepit ipsum beneficium de 
manu Erchanberti epi in eodem censn et conplacitatione priori. T. Altolf, Wenilo, Tnato, Innanberi, 
Epacho, Meginhart, Frewimar, Beginperht. Actum in V E. mar. (848 26/11). 

N. 654. Ans J. 844 mit Zusatz von Zeugen verändert. 

N. 655. Z. 8 et 43 Viotkbirihca, Z. 24 Jepinkbiricba, Z 29 ad missam. Z. 32 Hiltiport, Z. 41 
Sniambart» Z. 44 ind. XII regnante Hludowico in orientali Francia anno XIII. N. 656 Z. 3 v. n. 
Heimrih N. 657 Z. 7 — 10 Adalleoz . . Paapo . . Isamanningun . . Frouinmundo. Vorletzte Urkunde 
bei Cozroh. N. 658 p. 334, Z. 2 Tunc, Z. 3 loquentem, Z. 7 sol. Z. 8 ceteri in. N. 659 Z. 4 v. u. 
Amalker, Irminperht, Adalwart, Hruodheri, Engilker • . N. 661. Aus dem Cod. com. ßei Cb. s. 
Z. 8 Huosis ; b. Z. 2 n. s. in finem vite sue, post obitum vero illius sine . . p. 336 Z. 1 Eiio, Z. 15 
Riode, Z. 20 Eccho, Z. 23 Tannarin, 1. Z. C. c. frimbriam. N. 663 Z. 3—1 Emheri . . Sahso . . Hilti- 
pirc. N. 665 Z. vorl. Rihcberi . . Hruadperht. N. 666 Z. 1 fidelium. N. 669 Z. 1. In der Zabl 
vor L eine Lücke — wohl 849, wozu die Indiction XII passt. N. 670 Z. 8 v. u. V E. Aug. indict., 
Z. 5 v. u. Herolf. No. 671. C. c, Z. 3 Paupo, Z. 4 Engilger, Z. 5 indict. VII. III Non. N. 679, 
Z. 5 Bernwines. N. 681 Z. 5 v. u. Rihinc. N. 684 Z. 5 Irphinc (zum J. 846). N. 685 Tr. Paldaccri, 
Z. 4 adde: Jacob. (Mit) N. 686 adde: Wolfolt, Cundhart, Eepahart, Ratolt com. Deothart (J. 847). 
N. 687 et 88 bei J. 836. N. 689 folgt J. 847. N. 690 bei J. 838. N. 691 intra 845-848. Was 
folgt, nun aus Cod. com. oder Chonr. sacr. N. 695 Z. 5 Mabtrihc. N. 697 p. 348 Z. 5 Amuto. N. 
699 Ch. 8., Z 2 R&dolf, Z. 4 Packaren. 

N 701 a. M. I. 103 aus Cozr. Z. 9 t. u. adde post Wago: Ercbanperht cl. Sigahart cl. b. aus 
C. c. drittletzte Z. adde: Reginperht, Otperht, Joseph, Situli, Ishart, iHelmperht, Cotahelm, Hucco, 
Reginhoh, Antbelm, Erchanperht, Hartperbt, Eapo, Arpeo, Drudolt, Folmot, Jacob, Amuto, Jacob, 
Eginolf, Fridaperht, Eepahoh, Ekkiberi, Ermperbt, Eerrih, Altrib, Arfrid, Wolfperht, Machelm. 

e) Sub Annone episcopo 855—875. 

N. 705 p. 352 Z. 3 colonias V. N. 707 Z. 7 v. u adde: Eaganhart, Reginhart, Erkanperht, 
Alprih, Selprih, Arperht, Z. 6 Tiso. N. 708 adde : Actum est anno ine. doi DCCCLX indict. VIII in 
nil E. Aug. ad Frisingam. 

N. 710 Z. 3 V. u. indict. nona. N. 711 Z. 2 casam s. Candidi. N. 712 C. c. Isti s. t. Wie- 
perht, Adalo, Ratkis, Ratolf, Erchanrat, Meginperbt, Helidolf, Witarp, Wolfleoz, Lantheri, Pietto, 
Reginperbt, Hugi. 

N 713 Z. vorl. a. ine. dni DCCCLXXV. N. 716 Tr. Suuanahildae viduae, Z. vorl. Pouminun- 
cbirichnn (nomina mancip. 21 in C. c. f. 248 v.). 

N. 717 Isti 8. t. Eartheri, 2 Heriolt, Heidaririb, Nidbart. 

N. 718 Z. 1 Carantania, Z. ^ Tauru. N. 719 Z. 2 Cetilishusun et Lantperbteshofon . . Nom. 
t. hie notantur: Anthelra, Wolfperht, Alprih, Rotperht, Wirunt, Wico, Pemker, Lantfrid, Nordloh, 
Erchanperht, Otachar, Liuthart, Hrodlant, Rihhart, Z. vorl. Puoh. I. Hrodlant. N. 731 Z. 12 Wengia 
. . Holunpahc. N. 735 Z. 5 hobam 1, Z. 6 Chreinacchrun . . Isti's. t. Meginhart, Waldperbt, Perbt- 
rih, Eerwas, Rihhilo, Paldmunt. An der Jahrzahl im C. c. LXX ausradirt; bei Ch. s. indict. IIL 

N. 739 Z. ?{ Sigimareshusir. N. 744 Z, 3 Luttinwanc. N. 757 Schluss: jugera XXVII, de 
pratis carradas VIII, de silva jugera Villi. N. 778 Z. 3 Luttunwanc. N. 779 Isti s. t. Eepolf, 
Eotesscalh, Petto, Tozzi, Managolt. Wascmuot, Heimperht, Hruodperht, Wetti, Ribperht, Cundpato, 
Husinc, Heimrih, Odolt, Eepahoh, Hugiperht, Meio, Reginheri, Werinperht, Eccho. N. 805 Z. vorl. 
Erkanpreht (auch in C. com. die Transposition beginnend). N. 810 Isti s. t. Warmunt, Emheri, 
Wolfperht, Ribheri, Perhtrih, Altrib. N. 811 . . Meginheri nobilis vir et pbr consecratus. 

N. 812 Isti 8. t. Engildeo, Reginhoh, Adalperht, Wicperht, Liutperht, Cundperht, Wolfperht, 
Hruodperht. No. 815 Isti s. t. proprietatis, quam Meginheri et Mahtperht tradiderunt ad Totinchi- 
rihhun ad jdomum s. Mari^: Aspreht, Liutprant, Urse, Engilman, Ratolt, Meginrat, Herolf, Sigo, 

14* 



108 

Ellanhart, Ribperht, XJodalman, Beginperht, Anolo. N. 816 Testibüs autem aurum tractione firmave- 
nint, qaoruin nomioa bic tenentur inserta: Alprib, Wolfperht, Win^nt, Fatto, Pappo, Wicdarp, Not- 
hort, Nordloh, Humperht, MezzI, Engilperht, Undeo, Cundhart, Posso, Amal, Kerhart, Adalo. Actam 
est in nnncnpato loco Tegerinvrac in VI Non. Marcii. N. 820. Hac commatatio est in villa Pt;ralob 
in Dei nomine acta. N. 821. Isti b. t. Adalo, Nordloh, Caridhart, Pätto, Waltrih, Erkanfrid, Egi- 
itolf. N. 825 Z. 4 Cibolaesbasan. N. 832 Z. 2 ancilla 1 Eerila. N. 840 .Z. 1 qaendam pbrnm 
(Ort Pritilinpacb fehlt, cfr. N. 615 ht 665) N. 842 Z. 3 nomiDa snnt Lintparc. N. 843 Isaraanninga. 
N. 845 Actara est in loco pablico Chamara Non. Aug. N. 848 Z. 3 agri in loco, qui dicitnr 
Erphinpmnno. N. 850. Actnm est ad Eginhofon II Non. Nov. N. 851 Pionningun. N. 854 Notliup. 

f) Sub Arnoldo episcopo 876-883. 

N. 861. Ifiti 8. t. Sigimot, Asperht, Jacob, Alprib, Wicdarp. N. 867 Z. l Wicdarp et axorem 
eins Albsnindam. 

N. 871. Isti 8. t. Sigimot, Kisalolt, Perctolt, Petto, Job. N. 879 Isti s. t. Hermperbt, Asperbt, 
Sigimot, Tozi, Alprib, Hrodperht, Wicperbt, Hanolt, Husinc, Kislolt. N. 881 II, Bibker et Swapolf. 
Isti s. t. 2 Heimperht, Ratkis, Jacob, Sigimot, Asperht, Hraodperht, Erchanperht, Helmperbt, Alpolt. 
N. 885. Isti s. t. Cotascalh comes, Heirnperht, Jacob, Rihberi, Erchaopcrbt, Lantfrid, Not hart, Sind- 
perbt, Erimperht, Wicbelra, Alprat. N. 889. Isti s. t. üogo, Ratkis, Jacob, Sigimot, Wicdarp, 
Sindperht, Pemker, Eotafrid, Helmrih. Grimold, Sigipald, Ascrib, Krimperht, Kepolf. N. 892 vorl. Z. 
mancipium aliam noe Hrodparc . • Isti s. t. Otbelro, Warmant, Einhart, Perhtolt, Amalker, Adalrat, 
Sigimot, Nordheri, Rihberi, Wichart. N. 894. Isti s. t. Hiltiprant, Otperbt, Hrnodperbt, Matberi, 
Adalperht, Uto, Otker, Engilhart, Rincho, Sigifrid, Adalleoz. Scalb. Heio, Engilpald, Nidhart, Perh- 
thel(m) Erchanperht, WerJberi. 

g) Snb Waldone episcopo 884—906 

N. 902 Ch. s.: anno dni ine. DCCCCI indict. VIII anno regoi dfii piisstmi regia IUI. N. 903 
Z. 9 malis, lacos 3, mancipia 38. N. 904 C.' c. Z. 8 Jezindorf . . Isti s. t. Cotescalch comes, Wetti, 
Recbo, Dcotpold, Heimperht, Uadalhocb, Fritilo, Alprihc, Wolfolt, Lantperbt, Tito, Paldacbar, Bibker, 
Ekkihart, Tam, Lantprebt, Ruodpreht, Adalpreht, Perinker, Ruodolf, Wezzi. Wolfkanch, Ricbker, 
Jacob, Adalo. N. 905 Isti s. t. Adalo, Lantfrid. 

N. 907. Cb. s, ganz so. nur Jahrzahl : DCCCXXVI. Vgl. Kanzler, Erzkanzler und Regierangs- 
jahre Heinrich III für 1043 M. B. XXIX. a. p. 79. N. 908 C. c. et Cb. s. (ohne Namen). C. c: Z. 2 
Irmbnrc, Z. 3 tilge in vor Christo, Z 10 adde: „sao" Ricbolfo nnllo contradicente presente et ean- 
dem traditionem accipiende eodem episcopo cam advocato sao ;,Erphhario, Z. 15 . • hns". Infra aeccliam 
campanas 2, altaria 3, capsas 6, craces in comu paratas, palliola serica 4 et alia 9, calices 2, unam 
nrgenteum, alterum plampeura, patenas 2, unam argcnteam, alteram cupream, corporalem 1, casulam 1, 
sericamf alteram lineam, tertiam laneam, stolam 1, albam 1, mappulas 2, zonas 2, missales dno, lec- 
tionariam 1, antiphonariam 1, gradalem 1, libmm oroeliarnm 1, coronam 1, cortinas 4, vexillas 4. 
Et . . cnrtam Z. 17 Ysaram, Z. 20 nomina (20). Isti s. t. traditionis, qnam Irmpnrc fecit: Helm- 
preht, Ratolt, Engilbart, Asperht, Helmpreht, Egilolf, Ruodpreht, Rihberi, Ratolt, Epo, Diotpreht, 
Wicco, Uadalpreht, Hunolf, Willihelm, Richolf, Z. 25 nomina (18) Insuper et mansos duos et in üs- 
dem mancipia 8 (nomina), p. 406 Z. 1. Grantouuua. Die Jahrzabl nur bei Ch. s. N. 908 adde: 
Heimperht, Nothart, Hanger, Irmfrid, Uadalger, Rihholf, Talamot, Alprich, Adalpreht, Adaiger, Sigi- 
pald, Erchanfrid, Sindeo, Wicco, üoto, Odolt, Ediram, Werin, Meginhart, Adalheri, Cozzolt, Petto, 
Helprih, Nothart. N. 909 adde: Isti s. t. Fridarat, Managolt, Ratolt, Heripreht, Liatpreht, Waldker, 
Kaganhart, Hadarih, Reginolt, Anthugi, Isolt, Otpreht, Egino. 

N. 912. Isti s. t. per aures tracti: Heimperht, Heimperht, Sigimot, Helmrih. N. 913 a. Isti 
8. t. Rihberi, Rihker, Teito, Senlhart (Snelhart). N. 915 Ista commatatio facta cum advocato nom. 
Scrot. N. 921. Isti s. t Meginhart comes, Fatto, Engildeo. N. 922 Z. 3 Gutibinhuson . . Isti s. t. 
Eepolf, üodalhoh. 



109 

N. 923 Ist! 8. t. Ratkis, Ribperht, Kepolf, Lintperht, Uodaihart, Beginwart, Chaniheri, Plelf- 
rih, Heriprant, Meginbart, Hruodperht, Al)>olt, Lantolt, Walaram, Bihperht. N. 924 Z. 5 Machhindorf, 
Z. 7. Oaaifta. Isti s t. Helmperht, Hruodperht, Pernger, Diotperht, Wicco, Sigimuot, Paldachar, 
Hnnger. N. 927 Isti s. t. Faramant, Heimperht, Bihperht, Hunperht, Crimolt, Eralo, Beginpold, 
Sigipato, Adalheri, Batolt. N. 928 Testes Ni 927 et Liutfrid. N. 929 T. wie N. 928. N. 930 T. 
Kepolf, Engilhart. N. 931 T. tJodalhint, Beginpold, Helfrih, Adalperht, Arhart. N. 932 T. Atto, 
Adalo, Heimperht, Fatto, Heimperht, Bihbart. N. 933 Z. 3 Ahahnsir. N. 935 Buodharium. T. Batkis, 
Engilhart, Wirunt. Alpolt, Kepolf. N. 936 a. T. Jacob, Mahtheri, Otperht, Heilrih, Waldker, Epa- 
rachar, Lantperht, Buodperht, Sigihart, Heilperht, Hartwic. N. 936 b. T. Jacob, Herilant, Otperht, 
Mahtheri, Waldker, Sigimot, Pernb'art, Meginhart, Erlolf, Eparachar, Hahart, Atto, Bihheri. N. 937 
T. Asperht, Heimperht, Sigimuot, Wicperht. N. 938 et 39 T. Wetti, Cotascalh, Batolt, Heimperht, 
Biholf, Teito, Hartperht, a. Liutfrid, Beginpald, Arhart, b. Odolt, Wicdarp, Patarih, Altaperht. 

N. 940 Z. 5 Sigiwardi, T. Mahtuni, Herilant, Ellanrih, Cotascalh, Mahtperht, Meginherl, Kaganhart, 
Eepahart, N. 941 T. Hac, Saliso, Adalhart, Wicdarp, Aspert, Hunolt, Uodalperht, Willihelm, ünarc, 
lantwin, Ediram, üodalrih. N. 942 Z. 2 nobilem diaconum Sindbertum. T. Adalo, iFatto, Hunolt, 
Heimperht, Urolf, Sahso, Frieso, Adalo, Erfheri, Ebo, Unarc, Herilunc, Willihelm, Adalpreht, Eagan- 
hart. N. 943 T. Heimperht, Aripo, Beginheri, Sigiprant, Erchanfrid, Teito, Hartperht, Worin, Diot- 
munt, Isanperht, Cundalperbt- N 944 et 45 T. s. 2 Wolfolt, Alprih, Petto, Liutfrid, Nothart, Heim- 
perht, Eckihart, Meio. N. 946 et 48 T. uti 943. N. 947 Z. 2 Pattone . Cisilingunt . T. Frieso, 2 
Sahso, Diotperht, Paldrih. N. 949 T. Bnodperh(t), Arnolt, Atto, Petto, Adalo. N. 950 T. uti N. 
949 et 2 Bihholf, Wicco, Ellinrih, Liutfrid, Batpot, Irminheri, Walthram, Adalperht, Selprat, Vodal- 
lant, Altrih, Diothelm, Mahtuni, Buodolt, Sindeo. 

N. 951 T. Erchanfrit, Adalperht, Kaganhart, Isso, Diotloh, Petto, Wolfvolt, Wicko, Elm- 
perht, Egilolf. 

N. 952 T. Petto, Buodperht, Hiltiperht, 2 Bihholf, Hardperht. Diotpold, Vucrin, Siglpold, Job, Voto. 

K. 953 et 54 T. Adalo, Heimperht, Asperht, Sigimuot, Hemperht, Liutfrid, Engilhart, Arnolt, 
Ürolf, Kaganhart, Mahtuni, Batolt, Kisalolt, Bihheri. 

N. 955 T. Adalhoh, Arhart, Petto, Hunolf, Kaganhart, Grimolt, Erhart. 

N. 957 T. Jacob, Mahtberi, Otperht, Heilrih, Waldker, Eparachar, Lantpeiht, Buodperht, Sigi- 
hart, Heilperht, Hartwic. 

N. 958 Z. 2 viro Bihhari, T. Batkis, Bihheri, Heimperht, Liutfrid, Batolt, Frieso, Epo, Chuniperht. 

N. 959 T. Otperht, Herilant, Asperht, Engilperht, Mahtheri. 

N. 960 T. Fatto, Heimperht, Wicdarp, Bihheri, Wicco, Adalberht, Kaganhart, Arhart, Bihker, Job. 

N. 961 b. T. Fatto, Asperht, Heimperht, Wicdarp, Buodperht, Talamot, Selprat. 

N. 963 T. Engilhart, Heimbert, 2 Wolfolt, Erchanfrit, Ascrih, 2 Kaganhart, Liutto, Sigipranth, 
Nothart, Kepahoh, Isrel, Alpuni, Pillunch, Beginpato, Sigipato, Wittipold, Kotadio, Anno, Suanhart. 

N. 964 T. Asperht, Sigimuot, Wicbreht, Alprih, Mahtuni, Adalbreht, Kotbreht, Heimperht, Kepolf. 

N. 965 T. Adalo, Heimperht, Sigimuot, Fatto. N. 966 T. Engilhart, Adalpreht, Begin- 
pold, Batpot. 

N. 967 T. Hantuni, Teito, Heimperht, Kepahoh, Kotapreht, Snelhart, Ekkihart. 

N. 968 T. Aspreht, Sigimot, Herilaut, Otbreht, Mahtuni, Hahart, Eparachar, Kotascalh, Helmbreht. 

N. 974 T. Wicdarp, Petto, Atto, Iramfrid, Epo, Cotahelm, Walpreht, Maganhart, Alpuni, 
Fridaperht. 

N. 975 T. Jacob, Alprih, Biholf, Heimpreht, Erchanfrid, Dietpold, Teito, Bihheri, Wetti, Arhart. 

N. 976 T. Heimperht, Bicholf. N. 977. T. Wolfolt, Hehnperht, Bicholf, Paatto, Buodperht. 

N. 978. Adde : et inter Solzreini et Heiminhusun hobam nnara. T. Aspreht, Heimpreht, Ruod- 
preht, Batpold, Diotpold, Eckihart, Kundinin, Meio, Eckiloh, Hartpreht. 

N. 979 Zweimal, 2 do. Z. 6 Munirichingun. T. Cozperht, Immo, Wicco, Fridaperht, 2 Bodperht, 
PaldacchBr, Wicpold, Irmfrid, Hebnperht, Waninc, Petto, Tahunot, Bichilo, Egilolf, Hitto, Arhart, Beginhart. 



110 

N. 980 Z. 9 accipiente »nnacum üadalhobo iprins traditionii adTOcato too . . aammitate laci. 
N. 981 Z. 3. r a. Uadallaiit. 

b) Sub Dracholfo Episcopo 907—926. 

N. 982. Z. 13/14 ea rationo, Z. 20 Hnmbila, Z. 25 tIdo ,biic allato annaatim carradas dnas, et 
de Tino" fianzano . . Z. 27 popalo atqne mnltis testibna, sicut mos est, per anres condactis firmata est 
Z. 31 vasalli Pernhard, Hartnid, Helmperbt, Katescalh, Notbart, Tento, Adalfrid, Kisalolt, Jacob, Maot- 
heri, Batolt, Liatfrid, Ramvolf, Benedic, Kotabelm. 

N. 984. Z. 1 inter . . nee non et qnendam ejosdem Epi uasram et nobilem virum noe Arnolt. 
T. 2 Rnodperht, Hatte, Jacob, Batkis, Williprebt, Diotpold, Hitto, Adalhoch, Unarg, Heginolf, Willibebn, 
Eisalolt, Paldachar, Engilberi, Managolt, Wolfvolt, Undeo, Uodalger, Uodalprebt, Beginprebt, üoto, 
Folcmar. Dr. Rotb Benner p. 96 vollständig. 

N. 985. Z. 5 Ovdalgeri Z. 6 Otpirig. T. Willihart, Bamwolf, Ellanrih, Isangrim, Habkis, 
Ercbanolt. 

N. 986. Dracbolfi. T. Ovdalger . . . Femwin . . . O'tolt. N. 988 Tentoni . . . T. Ovto ; adde : 
Adalhoch, Bicker, Sigibart, Hartperbt, Eraman, Alpani, Tiso. 

N. 989. T. Crimperbt, Arnolt, Adalhob, Ibbo, Tue. Kepabart, Irminbart, Sigimont. Pertrib, 
Ovdalger. 



Geographisches Register. 



Wo die Lage bereits in dem geographischen Begister za den Urkunden aus der Zeit der 
Agilolfinger genau bezeichnet ist, wird auf diess Becrister durch : v. A. U. verwiesen. An I, 
gehängte Zahlen bezeichnen die Nummer der Urkunde in Abschn. I, die Übrigen Ziffern geben 

die Seitenzahl an; n. die Note. 



A c h e n , Beichshauptstadt, nun H. St eines Beggs- 
bez. der prcuss. Bh^nprovinz 62. 78. 89. 98. 99, 

A eben log statt Hohenlohe, 42. 

Adalbelraeshusir, Adelzhausen P. L. Aichach 
8h V. A. U. 

Adalberesbusin, Allersbausen P. L. Freisinn 
1, 36, 46; 6. 29. 32. 04 n. 3. 68. 90. 98. v. A. U. 

Aha loh, Allach D. L. MQnchen 1. I. 92 v. A. U. 

Abu, Ohu D. u. G. P. Altheim L. Landshut 79. 

Aibling, M. u. L. 64. 65. 76 88. v. A. ü. 
Epininga. 

Alpacowe, Allgan E. P. Grossbartpennig G. 
Schaftlach L Miesbach. 89. 

Alpunesteti, nunc Lenginveld, ubi videas. 

Altaha, s. Ober und Niederaltaich 

Altmühl, Flnss aus Mittelfranken zur Donau 70. 

Altmünster, P. Bez. Gmünden in Oberöster- 
reich 67. 

Altötting, St. u. L. 23. 88. 66. 73. 80. 82. 
84. V. A. U. Otinga. 

Altomünster, M. L. Aichach 73. 74. 83. 84. 
V. A. U. Altonis monasterium. 

Am per, Fluss in Oberbayem zur Isar 6. 38. 92. 
V. A. U. Ambre. 



Ampermocbing, Holzmocbinga, v. Mochinga. 
Andechs, Kloster G. u. P. Erling L. München 

1. J. 47. 
Ansbach Eloeter, H. -St. von Mittelfranken 70 n. 7. 
Antberingen, Anthering P. Herz. Salzburg 

82 V. A. U. 
Anzinga, Anzing P. u. G. L, Ebersberg I, 13; 

oj^ 35 67 75. 
Aotinga, Kirchötting D. L. Erding 24. 38. 89. 

V. A. U. 
Apansna, Abens P. L.. Moosburg I, 40. v. A. 

U. Abunsna. 
Appatesdorf, Appersdorf D. u. G P. Schwei- 

nersdorf L. Moosbnrg I, 51. 
Aragartin, Argetb P. u. G. L. Wolfratshausen 

1, 29. 
Argengau, Gau an der Argen nordlich des 

Bodensees. 78 n. 6. 
Arnesdorf, Armstorf D. P. u. G. S. Wolfgang 

L. Haag. I, 56; t^9. 
Asc, Aske, Asche, Kirchasch D. L. Erding. 

I, 30, 43; 60. V. A. U. 
Aschae, Aschau E. G. Jessling P. S Wolfgang 

L. Haag 94. 



111 



Ascholding, P. L. Wolfratshaasen 76. v. A. 

ü. Ascwendinga. 
Asinhnsun, Assenbaasen W. P. u. G. Pellheim 

L. Dachau I, 31 ; 41. 
Aq, Anwa, monasterium y. Ghiemsee. 
A.n am Inn, Kl. P. L. Haag 84 n. 5. 
Angesgau, Gau nm Aagsbnrg und am Leche 

aufwärts 77. 
Aa^sbarg, Bisthom, H.-St. von Schwaben und 

Neuburg 58. 60. 66. 78. 86. 
^urbach v. Urpah. 
Auriola, curtis, in Italien 64. 
Ausser bittlbach y. Puotilinpach. 
Avaroram provincia, neueroberte Ostmark 7. 
Awicozeshusir, Uaushausen D. L. Geisenfeld 

31. V. A. U. 
Azzalinga, Assling D. L. Ebersberg 35. 67. 

88. 98. V. A. ü. 

B. vgl. P. 

Bachern DD. Ober G. P. Bergkirchen, Unter 

P. Pellheim, L. Dachau. 6 v. A. Ü. Pahhara. 
Badenachgau, nordwestlich vom GoUachgau am 

Main um Gaukönigshofen L. Ochsenfurt etc. 

53 n. 12. 
Benedictbeuern vorm. Kloster L. Tölz84v. A. 

U. Burum. 
Berbling, P. L. Aibling 73. 76. v. A. ü. Perch- 

willinga. 
Berg am Laim, D. u. G. P. Baumkirchen L. 

München r. I 25. 96. 
Berga im Do n au g au vorm. Kloster, 66. 67. 

76. 82. 84 V. A. 0. Perga monasterium. 
Besinga, Posing D. u. G. P. u. L. Beding 

46 n 6 
Bergleru, P. u. G. L. Erding 75 v. A. U. Hlera. 
Bevinhuson, Pöbenbausen D. P. Engelbrechts- 
münster G. Oberpindhart L. Mainburg 80. 
Biebert, Bache in Mittelfranken 70. 
Bieberbach D. u. G. L. Dachau. 88 v. Piparpach. 
Birklingen vorm. Kl. D. u. G. P. Iphofen L. 

Marktbibart 50 n. 4. 
Bogenhausen s. Pubinhusin. 
Botzen, Kreishauptstadt in Tirol 23. 64. 65 

bis. 72. V. A. ü. Bauzonum. 
Brescia, Brixia, Prov -Hauptst. in der Lom- 

bardey. 64. 
Brixen v. Pressena, Bisthum in Tirol, früher 

Sehen, 39 n. 9. 87. 
Buch am Buchrain, P. L. Erding 24. v. A. 

U. Pocha. 
Bnchenau, P. nächst Linz in Oberösterreich I, 

11 ; 78. 
ßullach. D. L. Wolfratshausen 76 v. A. U. 

Poacheloh. 
Burgrain, D. L. Haag. 24. 89. v. A. U. 

Ärgreini. 

C. vgl. G und K. 

Calkinperc Galgenberg W. P. Lengdorf G. 

Watzling L. Dorfen 98. n. 27. 
Calw, Oberamts-St. in Württemberg 64. 



Campo Gelau, Jnnichen M. im Pusterthal in 

Tirol, 86 v. A. U. 
Caroz, mon. Gars P. L. Haag 56 v. A. U. 

und Gars. 
Gas teil, P. u. G. L. Wiesentheid. 53 u. n. 12. 
Castimallesdorf, Mallmersdorf D. u. G., P. 

Imelsdorf L. Heilsbronn I, 64; 52. 
Cella, Preinerszell D. L. Pfaffenhofen 32 v. A. U. 
Chadalesdorf, Kollersdorf D. G. Baumgarten 

P. Hörgertshausen L. Moosburg I, 60. 
Chaltinprunnin, Qaelle unfern des uner- 

mittelten Berges Helmrichessteti 57. 
Chamara, Hohenkammer P. L. Freisiug 34 v. 

A. ü. 
Gheanpach, Ganbach, Büchlein am 1. Ufer zur 

Bott im L. Pfarrkirchen 46 n. 6. 
Ghestinperc, Poestlingberg bei Linz in Ober- 
österreich I, 11. Zahn Arch. f. ö G. K. XXVII. 

292 N. 4. 
Chiem- Kiemperg, Kienberg Ober- u. Unter- 

L. Freising. I, 27, 28, 46; 22. 32. 66. 97. v. A. 

U. Cheanperc. 
Chiemsee vorm. KL L. Trostberg 59- 73. 75. 

76. 84. 88. V. A. U. Awa, Auwa mon. 
Ghleninauwa Klenau P. u. G L. Schroben- 

hausen, 36. 
Chuginhusir (K) Giggenhausen D. u. G. P. 

Massenhausen L. Freising I, 51. 
Chumiztorf Königsdorf P. L. Wolfratshausen 

57 V. A. U. M. B. Vni. 371. 376. 
Cbuntilapuron Günderer E. P. Osterwarn- 

gau G. Gotzing L. Miesbach 89. 
Cozoltisecelesia, ->dorf, GessendorfW. 

P. Vilsheim G. Münchsdorf L. Landshut 97. 
Cramannesdorf, D. P. Trudering G. Salm- 
dorf L. München r. I. I, 24; 63. 64. 
Croaninpah riv. Grünbach, Nebenbach der 

Isen im L. Dorfen 62.; vic. Grünbach 1. D. n. 

G. P. Bockhom L. Erding; 2. D. P. u. G. 

Grüntegembach L. Dorfen 91. 
Cumiui montes, Leytha-Gebirge in Nieder- 
österreich I, 46; 6. 
Cuncinhusir,* Günzenhausen D. n. G. P. 

Fürholzen L. Freising 41. 86. 
Cundhareshuson, Grossgundertshausen P. 

u. G. L. Mainburg 78. 
Cundinhofa, Günzelhofen P. u. G. L. Brück. 

88 V. A. U. 

D. vgl. T. 

Darki. zw. vgl. Türken E., P. u. G. Mömholz, 
L. Kempten; Ober- D. u. G. P. Roggelfing, 
Unter- W. G. lulbach P. Stamham L. Sim- 
bach; dann ThÜrn, Vorder- D. u. G., Hinter- 
W. P. Brück L. Nittenau, in welcher Gegend 
Freising Besitz hatte. 77. 

Deoinga, Ober- u. Niederding D. D. L. Er- 
ding 23 V. A. U. 

Diebach, D. u. G. P. u. L. Neustadt a. d. 
Aisch 52. 

Diessen vorm. KL M. u. L. in Oberbayem 66. 



112 



^ 



D i h n i n ^ a , Deiuiof? P. L. Wolfratshausen 57. 

V. A. ü. Dihininga 
Dingolfing, St. u. L. 58 n. 4. 68. 78. 82.83. 

V. A. U. Thinolvinga. 
Dinpodorf, Boidorf W. P. u. G. Högertshausen 

L. Moosbnrg I, 61. 
DiQpstadnm y. Tinfstada. 
Donaugau, Gaa bei Regensbnrg südlich der 

Donau 66. 71. 77 n. 2. 
Dorfa, Dorfen M. u. L. I, 9, 56; 69. 97. 98. 

V. A. ü. Dorfin. 
Dornekindorf, Dorndorf D. L. Aibling 68. 

73 V. A. U. 
Dornhecken, £. L. Haag 76 t. A ü Teorhage. 
D n n g e i h , Dngn j M. im Dep. Meuse in Frank- 
reich 36. 

E. vgl. A. u. H. 

E c h i n a h a , Ecknach P. L. Aichach. I, 59 ; 

86 V A. ü. 
Eckilinparg Egglbnrg, Vorder- D. Hinter- 

W. P. (i. u. L. Ebersberg. 63. 64. 
Ehinga, Eching P. L. Freiaing I, 8; 66. 72. 

77. 80. 81 96. 98. 99. 100. y. A. U. 
Eichst&dt Bistham, St. in Mittelfranken 44. 

58. n. 4. 71. 
Eitindorf, Aiterndorf W. P. u. G. Stranss- 

dorf L. Ebersberg 98. 
Elasnapah, Elsenbach W. L. Dorfen 62 y . A . ü. 
Emheringa, Eniering P. n. G. L. Brack 100. 
Enns, Ensbnrg, Enns St. Bez. Linz in 

Oberösterreich 45. 
E p a r a h a , fl. Ebrach, Bach zur Attel in den 

L. L. Ebersberg u. Wasserburg I, 21. Vgl. A. U. 
Erching,D. L Freising 23. 100. y. A. U. 
E r d w e g , W. P. Walkertshofen G. Grossberg- 

hofcn L. Dachau 30. 
Ergeltinga, Erkeltinga, Ergolding P. u. 

G. L. Landshut 60. 66. 75. 77. 98. 
Ergoltespach, Ergoldsbach M. L. Botten- 

burg 92. 
Erkanhartesdorf, Eggersdorfen W. P. 

Vilslem G. Kuprechtsberg L. Vilsbiburg I, 34. 
Erphinprunnun, Helfenbrunn D. G. u. P. 

Kirchdorf L. Moosburg 40. 
Etzelheim, PL. Marktbibart 53. 
E t z e n h a u s e n , D. u. G. P. u. L. Dachau 76. 

y. A. U. Zezinhusir. 

F. ygl. Ph. u. V. 

F a y a r i a yorm. £1. Pfafers Bez. Sargans K. S. 

Gallen 51. 
Pechinga, Föching (Fochting; D. u. G. P. 

Osterwamgau L. Miesbach 89. 
Fe Ida, Velden M. L. Vilsbiburg 81. 87. 97. y. A. U. 
Feldkirchen, P. u. G. L. Aibling 76. 
Feldmoching P. u. G. L München 1 I. I, 

36 ; 38. 60. 96. y. A. ü. 
Feohte, Fioht, Pheot, Viecht, Gross D. 

P. Freising, Klein W. P. Humel G. Langen- 

bach L. Freising I, 44; 25. 37. 92 v. A. ü. 



Feotcbiricha, Vierkirchen P. u. G. L. 

Dachau I, 36; 98. 100. 
Feurbach, Fenerbach D. u. G. P. Kleinlang- 

heim L. Wiesentheid 1, 64; 52. 
Filusa, Fillsa fl. Vils, grosse und kleine, 

you L. Erding und Landshut zur Donau J. 9; 

62. 79. 80. 88. y. A. U. 
Filusa, Frauenyils D. L. Dorfen 62. 73 n. 4. 

88 y. A. ü. 
F i n s i n g , P. L. Ebersberg 76. y. A. U. Fansinga. 
Fisca, Vorder- und Mitterfischen DD. L. Weil- 
heim 87. 88. y. A. ü. 
Forahheida, Farchant D. L. Werdenfels 27 . 

y. A. ü. 
Forchbeim St. u. L. in Oberfranken 44. 45. 
Föhring, Veringa, Oberfdhring P. L, 

München r. I. 23. 46. 68. 98 y. A. U. Feringa. 
Forstinning, P. L. Eberberg 95 y. A. ü. 

Undeoinga. 
Franconofurt, Frankfurt St. K. Preussen. 1, 64. 
Freddamaringa, Fiöttmaning D. P. Gar- 

ching G. Freimann L. München 1. I. 38. 60. 96. 
Frehhindorf, Fraundorf D. P. Hirschhorn 

G. Mitterskirchen L. Egcrenfelden 45 n. 6. 
Frigisinga, Freising St. 1. 1,3; 56.^8.59. 

61. 63 bis. 69. 72. 76. 77. 79. 82 84. 88 bis. 

89. 91. 97. 98. 99. 100. y. A. U. 
Fulda, Kl. dann Bischofssitz in der preuss. 

Provinz Hessen 64 n. 10. 
F u r h 1 z e , Fürholzen P. L. Freising I, 27. v. 

A. U. Furiholze. 

G. vgl. C. u. K. 

G a n b a c h , Bach am 1. Ufer der Rott L. 
Pfarrkirchen 45 n. 6. 

Gars vorm. Kl. L. Haag 78. 84. vgl. Caroz. 

Gauwinhofa, Gaunkofen D. P. Althoim G. 
Mirschkofcn L. Landshut I, 51. 

Geratskirchen, D. u. G. P. Unterdietfurt 
L. Egf^enfelden 45. 

Gerlachshansen, D. P. Stadtschwarzach L. 
Dettelbach I, 64; 52. 

Glana, Clana, <ilon, Fluss in den L Fried- 
berg, Dachau, Freising zur Amper 22. 27. 38. 
74. 81. 88. b8. 92 94. v. A. ü. 

Glana, Glou D L. Dachau i, 15, 85, 47; 32. 
95. y. A. ü. Clana. 

Goldarun, fl GoUerbach zum Grasen seebach 
am r. Ufer der Rott, L. Eggenfelden u. Pfarr- 
kirchen 46 n. (i 

Gollachgau, an der Gollach zwischen Ran- und 
Iffgau westlich 53 n. 12. 

Grasamaresaho riv. Grasenseebach am r. 
Rottufer in den L. Eggenfelden und Pfarr- 
kirchen. 46 n. 6. 

Grossholzhausen P. L. Rosenheim 76. v. 
A. U. Holzhusir. 

Grüntegernbach P. L. Dorfen 69. 

Gundoltiuga, Gungolding P. L. Eichstatt 44. 

Gundulfivilla, Gondreville, D. im Dep. 
Meurthe et Moselle in Frankreich 64 u. n. 7. 



113 



Hachinga, Oberhachiug P. ünterhaching D. 

GG. L. München r. I.. 57. 
Ha^ra, Haaf^ 1>. L. Moosburg 26. y. A. U. 
Haholveshusir, Hagertshauaen W P. Ober- 

lanterbach G. Berg L. Mainburg 28 7^. 100. 

Haindllngberg, W. L. Mallersdorf 82 v. A. 

U. Pcrga, inonast. 
Hai, Hall St. im Unterinthal in Tjrol 37. 44. 

Hamariginpach, Haroerlbach W. P. Wambach 

G. Kirchberg L. Erding 88. 97. 
Haralanta, Harlanden D. P. u. G. Eggersberg 

L. Ricdenburg 44. 
Hartpen ning, Grosshartpenning P. L. Mies- 
bach. 76. 89 V. A. U. 
Hasalpach Haselbach, Berff- G. P. Atten- 
kirchen, Sixt- n. Dorn- DD. P. Inkofen G. 

Intzkofen L Moosburg 92 t. A. ü. 
Hasareode, Herrieden M. n. L. mit Torm 

Stift in Mittel-Franken 67. k9. 
Hausen gau, Gaue vom Gebirge links der Isar 

bis zum Amper-Einflusse. 77 n. 2. 
Haus hausen, W. L. Geisenfeld 34 y. A. U. 

Awicozeshusir 
He? il Inga, Hdgling P. L. Aibling I, 38; .76 

bis V. A, ü. 
Hegilinhusa, Eglhausen D. P. Hofaenkammer 

G. Schlipps L. Freising 100. 
Heidolyinga, Haindlfing P. L. Freising J, 33; 

58 V. A. U. 
Heiminhusir, Hairohausen P. L. Dachau 1,14; 

6 V. A. ü. Hemminbnsir. 
Helfenbrunn v. Erphinprunnen. 
Helfendorf, Gross n. Klein DD. L. Aibling 

76 V. A. ü. 
Helidkereshnsun, Hilgertshausen P. u. G. 

L. Aichach J, 31 ; 36. 40. 
Helmrichesteti mons, unermittelter Berg im 

L. Tölz 52 
Herberts-, Hebertsfelden, P. u. G. L. 

Eggenfelden 45. n. 6. 
Herihhinga s. Erching. 
Herinchova, Oberhörlkofen D. P. u. G. Wörth 

L. Erding 87. 
Herineshnsir, Hörenzhausen D. P. Haimhausen 

G. Günzenhausen L. Freisiug I, 44; 37. 
Herrieden s. Hasareode. 
Hetzelheim, Etzelheim P. L. Martbibart I, 

64; 53. 
Hipach, Ipach Eibach W. L. Dorfen 88. 90 

V. A. U. 
Hirsch au vorm. Kl. P. Oberamts Calw i. Württem- 
berg 64. 
Hirschen hausen, P. u. G. L. Schrobenhausen 

24 n. 13. 
Hirschhorn, P. u. G. L. Eggenfelden 45. 
.Hiruzpach, Hirschbach D. P. u. G. Kirchdorf 

L. Moosbuig 27. 34. 
Hittenheim, Hüttenheim P. n. G. L. Markt- 
breit I, 65; 53. 
Hittinhovun, Jettenhofen D. P. Burggrieebach 

G. Lauterbach L. Beiingries 80. 

Abb. d. III Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIH. Bd. I. Abth. 



Hlaginpach, Langeabach D. u. G. P. Hummal 
L. Freising 87. v. A. ü , wo jedoch irrisr Lain- 
bach in Bezufr genommen. VgL die Note 4 
zu S. 27. u. Ob. Arch. 1. c. Nr. 75. 76. 87. 

Hlutrinpah, Niederlauterbach D. u. G. P. 
Oberlauterbach L. Geisenfeld 80. 

Höhenrain, D. u. G. P. Münsing L. Wollrats- 
hausen 57. ^ 

Hohen kämm er, P. u. G. L. Freising 34 v. 
A. IT. Cbaroara. 

Hohenlohe, Hohinloch im Gollachgau, nun 
Ruine im Oberamt Ciailsheim in Württem- 
berg 42. 

Hohenreini, Grosshöhen rain D. u. G. P. Kirch- 
dorf L. Aibling 98. 

Hohen t bann, D. u. G. P. Schönau L. Aib- 
ling 88. 

Holze, Holzen W. P. Wolfersdorf L. Moosburg. 

29. 38 V. A. U. 

Holze ad Croaninpacb, Holzmann E. oder Holz- 
michel E. G. u. P. Grüntegembach L. Dorfen 
I, 57; 62. 

Holze prope Azzalinsra, Holzen P. G. Assling L. 
Ebersberg I, 13; 35. 67. 75. 99 v. A. ü. 

Holzhusir, Wester- oder Kreuz-Holzbausen PP. 

u. GG. L. Dachau 34. 
H 1 z h u s i r iuzta pelagum Wirmseo, Holzhausen 

D. u. G. P. Münsing L. Wolfratshausen 97. 

Holzhusir unbestimmbar. 56. 79. 

Holzkirchen, M. L. Miesbach (?) 46. 

Holzmochinga v. Mochinga. 
Holz Olling (Hollzolling»), D. u. G. P. Neu- 
kirchen L. Miesbach 76. 
Hopf erb ach, P. u G. L. Obergünzburg 26. 

30. 31. 

Horaginpach, Hörgenbach, 1) E. P. Jarzt G. 
Amperpettenbach; 2) W. P. u. G. Hirtelbach 
L. Dachau 89 r. A. U. 

Horginpach, Bächlein am r. Bottufer P. Post- 
münster L Pfarrkirchen 46 n. 6. 

Horskinhusir, Horskinhofen, Herschenhofen 
W. P. u. G. Hohenkammer L. Freising 34. 39. 
(Horskinhofun M. 602. 631. 774 etc.). 

Hroadperhtesecclesia, Rupertskirchen W. P. 

Altomünster G. Oberzeitelbach L Aichach 89. 
Hrorpahc, Rohrbach D. u. G. P. Waal L. 

Geisenfeld I, 45; 6. 
Hruodolfingon, B., Rudifing L. I'reising I, 

45. V. A. U. 
Hruodpertesdorf, Rupertsdorf E. P. u. G. 

Steinhöring L. Ebersberg 87. 
Huckinperc, Huppenberg W. L. Tölz. 27. 77. 

r. A ü. 
Humpia, Humbila, Oberhummel P. u. G. L. 

Freising 20. 65. 89. 90. 

Hupphinheim, Aufliam W. G. Auerbach P. 

Riding L. Erding 63. 
Hnsir, Nassenhausen (?) D. P. Grunertshofen G. 

Adelshofen L. Brück 96. 

15 



HdipacIi, S. Bacb, an weldiem Ober- (E) n. 
DDterhaatbach D. n. G. P. Falkeoberg am 1. 
Kotlnfer L. Egg«nfelden 45 d. 6. 

lepincbiricha, wohl die Kirche tod Undies- 

dorf, de« Dorfes Indendorf, F. L. DacbsQ 95. 
lettenhofen, D. L. B«ilii;rriea t. Hittinborun. 
Ibfigewe, Iffgan, Ipfgaa, an deriff iwischen 

»ain and Aiacb b\. b2. 70. 
Icking, D. a. G. P. Scbiftlarn L. WolfraU- 

baiiKD 67. 
Um FloBs. TomL. Aichach doTcbDacbao, Pfaffeu- 

bof«ß, Geiaeafeld, Ingoletadt xar Donan 7. 36. 
Ilraae vicns, ilmendorf D. u. G. P. Eogel- 

brechtamDnster L. Qeiseufeld 80, 
Ilmioa, llma, llmmansUr vorm. Kl. P. o. G. L. 

Pfftffenhofen I. 26, 41; 73. 74. 80. 83. 84. v. 

A. U. 
Iminperg, noermittelt. 7 d. 10. 
iDciDino*, Inxemoe, Grosa P. n. G, Klein D. L. 

Dacban 95. 
InnicbeD, lotiba H. im Dtanthal Kr. Ptuter- 

tbal iD Tirol 23. 74 n. 3. 87. 99 ». A. U. 

Innth&l- Ober- a. Unter-, Krein tod Tirol, 

iDiiDg, D. P. n. O. Hartkirchen L. Botttbal- 

manster 69. 
Ipach T. Hipacb. 
laamaninga, lamaning P. n. G. L. MOncben 

r. I. 59. 
laana, fl. leen, Flues dnrch die LL. Dotfen, 

Haag Q. AltSttiog aam Ina. S8. 62. 88. 89. 

V. A. ü. 
leana, Iiine, laeD H. mit vorm. Stift L. Haag 

1, 34; 34. 55. 60. 67. 69. 75. 80. 83. 90. 94. 

97, 98 bia; v. A. U. 
Isanachgaa, Gan läoga der laen, L, Sorfen, 

Haag, Neomarbt, UQbldorf etc. 45. 
laanpacb, Eisenbacb, Groas- D. P. Fürbolien, 

Klein- W. P. Gremertahaoeen G. Oroeanöbbach 

L. Freising 92. 
Isnra, fl. lear durch Ober- und Niederbajera nu 

Donan. 52. 74. 94. 

K. Tgl. C. u. G. 
Eeiiahn, Gaisacb P. n. 6. L. T5lt 89. 
Kempten Torm. Stift, Kr. Schwaben nnd Nea- 

barg 30 flg. 41 flg. 
Ketkinga, Kdgning D. P. Wambach G. Stein- 

kirchen L. Dorfen 62. 
Kienberg t. Cbiemperg. 
Kiltibhingen, Gilcbing P. n. G. L. Stamberg 

I, 49; T. A. ü. Kiltoahinga. 
Kiichaich t. Abc. Kirchötting t. Aotinga. 
Kisalheringa, Kothgeiaering D. n. G. P. 

Unteralting L, Bmck 100 bia. 
Xiaalpah, Obergeiaelbach D. L. Erding ], 30; 

60. 88. T. A. U. 
Elana, Qlon D. P. n. G. Buodlkirch L. Fried- 
berg 30. 



KOnigadorf t. Chnmutorf. 
Eremamünater, Kl. M. Btt. Steuer in Obei- 

fiaterreieh 72. 84. 
Kjeainga, Obergieaing P. Vorat. HQDchena 74. 

t. A. U. 
Kjainbaiir, Geieenhanaen P. n. G. L. Pfaffen- 

bofen 75. 

Laber, fl. gl. n. kL ia Niederbajen. 2 Flllaa- 
chen beide dareb die LL. Bottenbarg, Uallera- 
dorf nnd Stranbing nr Donan 81. 

Lanckheim, Grou- und Klein-Langheim MM, 
PP. L. KitiiDgen I, 64; 52. 

Langenpfanien, D.P.PfaffenbofeDG.Weatem- 
di»f L. BManheim 76. 

Leimbach, Nebenbach inr Ehe In die Aiach, 
woran Leimbacb PP. Obei^ L. Harktbibart, 
UnUr- L. Scbeinfeld 52. 70. 

Leimiginpach, Lainbaeh W. F. q. G. Allera- 
hanaeii L. Freiiing 27 n. 4. 

LenginTcld, Lenicfeld D. o. G. F. Teugn L. 
. Kelheim I, 35; 39. 

LentinchoTcn, Riekofen P. n. G. L. Refrens- 
hmg I, 61. Vgl. Ried cod. dipl. Batiapon. II. 
lodex geogr. 

Lera, Bergtem P. n. Q. UitUr-. Nieder- DD. 
Glatteni W. L. Erding I, 30, 43; 75 t. A. D. 
Hlera. 

Lenbna, Leaben Bei. St in Stejermark 48. 

Lertha, Pinea in NiederOaterreich mr Donan 6. 

Libnrna, abg. Ort im Comitataa Lamenaia 
iwiscben Liier nnd Dran, io KSrnthen (Kirche 
S. Michaelia apnd Boaanriu, ZahD L c p. 
263 N. 16) P. Tr. Neogart Hlrtoria mo- 
nasterii ad 8. I^nlaro in valle Lavantina p, 
9.) 44. 

LimoDte, Limonta D. ProT. Como in der Lom- 
bardei 44. 

Linthade*. Qnellenbwsh im L. Tdlt 57 n. 5. 

Lorahba, Lorch, nnn D. Bei. Lim in Ober- 
aeterreich 23 n, 4. 27. 69. 
tcb, Laupaeh, Ober 
)ttbacb. L. Bmck. £ 

Lnget, UnterUna D. P. Anng G. GroaabShen- 
rain L. Aibling 98. 

Lnnaelacenae mon. t. Mondaee. 

Haganpach, Mahnhach D. L. Dorfen 88 t. 

A. D. 
Uabsminreini, Hailraio D. P, Tnntenhaiuen 

G. Beybarting L. Aibliog 98. 
Mainitoekheim, P. n. G. L. Dettelboch 52. 
Maini, Enbiithnm St. im Or. Hessen 64. 71. 72. 
Maioreebach, Maisbach D. P. n. 0. Unter- 

dietfart L. Eggenfelden 45. 
Malmeradorf, O. n. G. P. Irameldorf L. Heila- 

bronn 53. 
Mammendorf, P. n 0. L. Brock 81 t. A. U. 
Hantna, St. Lombudej 62. 



115 



Maraclibach, Marachleo, Bach bei Ober- 

und unter - Marchöd £E. P. a. G. Heberte- | 

fei den zur Rott £ggenfelden 45 n. 6. 
Markscheid, (Marchem Hejber^ers ^) £. 6. Gan- 

gerbaner P. Postmünster L. Pfarrkirchen 

46 n. 6. , 

Mattigho^en, M. Bez. Brannau in Oberöster- 
reich 44. 
Mattsee, Stift, Bez. Hauptort im Herz. Salzburg 

67. 84. 
Megingaudeshausen, abg. Kl. an der Leim- 
bach LL Marktbibart u Scheinfeld 53. 69. 
Metten, Kl. P. u. G. L. Deggendorf 66. 84. 
Metz, Bisthnm H.-St. von Deutsch-Lothringen 84. 
Mochinga, Holzmochinga, Ampermoching 

P. u, G. L.Dachau I, 10; 96. 99 bis; v. A. U. 
Mondsee vorm. Kl. M. Bez. Yöcklabruck in 

Oberösterreich 23. 73bi8. 84. 
Moosbnrg, St. mit vorm. Stift L. in Oberba jern 

44. 50. 55. 65. 66. 67. 74: 75 bis. 78. 80. 81. 84. 
Mosaha, fl. Bach in den LL. München 1. i. und 

Fresing zur isar 41. 
Mosaha, Mosach D. u. G. P. Feldmoching L. 

München 1. L I, 39. 
M s a h e i m , Moosham D. L. Wolfratshausen 69 

Y. A. U. 
Münchsmünster vorm. Kl. P. u. G. L. Geisen- 

feld 75. 
Münchsteinach, P. u. G. L. Neustadt a. 

der Aisch 52. 
Münster seh warzach vorm. Kl D. u. G. P. 

Stadtechwarzach L. Dettelbach 49. 70. v. Sw. 
Mnninpach, Singenbach P. L. Schrobenhausen 

36. ▼. A. U. 
Munirihhinga, Mintraching D. L. Freising I, 

42; 69 V. A. U. 
Mura, Mauern P. u. G. L Moosburfi: I, 61. 
Mut rieh in gen, Mietraching D. u. G. P. u. 

L. Aibling 76 v. A. ü. 

Neritinga, Körting D. P. u. G. Kirchdorf L. 
Moosburg 34. 

Niederaltaich, vorm. Kl. P. L. Hengersberg 
72. 82. 83. 84. 

Niederlauterbach, D. u. G. P. Oberlauter- 
bach L. Geisenfeld 80 u. n. 1. 

Niedermünster, vorm. Stift in Kegensburg 66. 

Niederroth, P u. G. L. Dachau 93. 

Niwara, 1. Neufarn D. u. G. P. Eching L. Frei- 
sing, 2. Neufahrn D. u. G. P. Deining L. 
Wolfratshausen 63. 91 v. A. U. 

Niwinhusun, Neuhausen D. P, n. G. Volken- 
schwand L. Mainburg 78. 98. 

Nordgau, Gau nördlich der Donau in Ober- 
pfalz u. Mittelfranken 44. 

N r d h e i m (am Main) P. u. G. L. Volkach 1, 64 ; 52. 

Nova civitas, Neuburg an der Donau vorm. 
Bisthum, St. in Schwaben und Neubnrg 58. 60 

Oasinwanc, Jesenwang, P. L. Brück 30 v. A. U* 
Oberaltaich vorm. Kl. P. u« G. L. Bogen 66» 
83 bis. 



Obermünster vormal. Stift in Begensburg 

6^. 84. 
Oberroth, P. u. G. L Dachau 93. 
Oparindorf, etwa Obemdorf D. u. G. P. u. L. 

Ebersberg I, 6; 20. 
Oparun Nertinga, Theil von Nörting L. 

Moosburg I, 29 v. Neritinga. 
Osterhofen vorm. KL St. u. L. 75. 
Ostrindorf, Ostendorf, Ober- P. u. G. Unter- 

D. L. Buchlöe 77. 
Othareshusun, Ottershansen D. L. Dachau I, 

2; 98 V. A U. Oathareshusir. 
Otinga, Altotting St. u. L. y^) 38. 73. 

Otmareshart, Ottmarshart D. P. Indersdorf 
G. Bied L. Dachau I, 32; 29. 33. 95. 

Otolfesperc, Oelpersberg W. P. Zolling G. 
Wimpasing L. Moosburg 100. 

Otolteshusir, Odelzhausen D. und G. P. Sul- 
zeroos L. Dachau 81. 

Ottobeuern vormals Kl. L. Sitz im Kreise 
Schwaben-Neuburg 77. 

Owistum, Ouston, Düruast E. P. Weihen- 
steplmn G. Vötting oder Unterast E. G. Neu- 
stift P. u. L. Freising I, 51. 

Padun, Baden bei Wien, Bez.-St. in Niederöster- 
reich I, 45. c; 6. 

Paige, Persenbeug D. Bez. Arostetten in Nieder- 
österreich 54. 

Painga, Pang P. u. G. L. Rosenheim I, 16. r. 
A. ü. 

Paring, P. u. G. L. Rottenburg 82. 

P a s i n ga , Pasing D. u. G. P. Aubing L. München 
L L 77. 92 V. A. U. 

Passau, Bisthum St. in Niederbayern 68. 74. 84. 

Pavia, Prov.-H.-St. in der Lombardei 44. 

Peihhinhusir, Bachenhausen D. L. Freising 
34 V A. U. 

Peipinpach, Pfeifenbach woran Kl Schaeftlarn 
L. Wolfratshausen 57. 74 v. A. ü. 

Peraloh, Perlach P. L. München r. I. 74 ▼• 
A. U. 

Perchach, Hohenpercha P. oder Appercha D. 
P. Jarzt L. Freising J, 27 v. A. U. 

Percheim, Bcrgham WW. P. u. G Altenerding 
oder P. Riding G. Thalheim L. Erding 1, 
26; 75. 

Percchiricha, Bergkirchen P. u G. L. Dachau 
81. 96. 

Per^hovun, Bcrghofen D. u. G. P. Eching L. 
Landshut 60. 

Perge, Berg W. P. n. G. Kranzberg L. Frei- 
sing I, 32. 

Perge, Pergun, Bergen D. P. Inkofen L. 
Moosburg I, 61 ; 40. 78 v. A. ü. 

Perge super Walrsee, Berg W. P. Henndorf 
Herz. Salzburg 82; v. A. U. 

Perge vel Uparacha, Fussberg D. P. Kreuz- 
holzhausen G. Ueberacker L. Brück 1, 52 v. A, Ü. 
Pergun, Bergiog W. P. Isen G. Thonbach, 
oder eines der 8 Berg W. u. E. L. Haag 6K 

15* 



116 



r I 



* 



Perke. Per^e, Berg am Laixn P. L. München r. 
1. 25. 96 

Perc Willinga, Berbling P. L. Aibling 73 v. 
A. ü. 

Perindorf, Berndorf D. P. Hohenegglkofen G. 
Götzdorf L. LanHshut 81. 

Peterah, Pfatter P. G. L. Regensbnrg 71. 

Pettinpach, Pettenbach, Langen- P. u. G., 
Amper- G. P. Heimhaosen L. Dachau 1, 40; 
29 V. A. U. 

Pettinprnnnin, Pettenbrnnn W. P. Haindl* 
fing G. itzling L. Freining 27. 

Pfäfers Torin. KI. D. Bez. Sargans Canton S. 
Gallen 46. v. Favaria. • 

Pfettrach, Bach im L. Moosbnrg von Pfettrach 
P. Reich ertshansen bis Wang zur Isar xkleine 
Pf. Mauerner Bach) 38. 97 v. A. ü. 

Phaldorf, Pfahldorf P. u. G. L. Eipfenberg 
44. 80. 

Pheterah. Pfettrach D. u. G. P. Altdorf L. 
Landshut 79. 

Pheterach, fl. Bach in den LL. ülainburg n. 
Landsnut zur Isar (gro-sse Pf.) 79. 

Phrumari, Ober- u. Niedorpframmern L. Ebers- 
berg 87 V. A. ü 

Piburc, etwa Unterbiborg D. u. G. P. Perlach 
L. München r. 1. I, 49. 

Siparodi, Unternbibert P. u. G. L. Ans- 
bach 70. 

Piparodi, riv. Biebert, Bach in den LL. Ans- 
bach, Hcilsbronn u. Cadolzburg z. Rednitz 70. 

Piparpacb, Bieberbach D. u. G. L. Dachau 
I, 52; V. A. U, 

P 1 e n i n g a , Pliening D. u. G. P. Schwaben L. 
Ebersberg 96 bis. 

Poah, Puon, l. Puch D. u. G. P. u. L. Brück 
96. 99. 2. Buch D. P. Zorneding G. Eglhar- 
ding L. Ebersberg 74. v. A. U. 

Poachloh, Bullach D. P. Forstinning G. Pol- 
stern L. Erding 60. 

Poasinpuron in Alpacowe, zu Allgau L. Mies- 
bach 89. 

Pohsolaga, Puochslage, Puchschlagn D. u. 
G. P. Kreuzholzhauscn L. Dachau 29. 57. 96. 

Postmünster, P. u. G. L. Pfarrkirchen 46 n. 6. 

Premareini, Premrain, Ober- u. unter- EE. 
L. Aibling I, 38 v. A. U, 

Prenpruck, bei Brück P. u. L. Sitz in Ober- 
Bayern 98. 

Pressena, Prihsna, Brizen Bez.-H.-St. am 
Eisack in Tirol 45. 86. 

Prisinga, Langenpreising P. L. Erding 87 v. 
A. U. 

Pritilinpach, Prittlbach D. P. u. L, Dachau 
29. 39. 92. 94 97 v. A. ü. 

Prunnon, Schönbronn D u. G. L. Dachau 24 
V. A. ü. 

Puanteshusir, P^unzhausen P. u. G. L. Frei- 
sing 41. 86. 

Puatilinpach, Ausser- u. Innerbittlbach DD. 
L. Dorftrn 1, 34 ; 69. 73. 75. v. A. ü. Poa. 



Pubinbusen, Bogenhausen P. u. G. L. München 
r. 1. 57 u, 8. Üieher A. U. Pnpinhusir u. Ob. 
Archiv Nr. 78. 115. 

Puch, E. P. Jetsendorf G. Ainbofen L. Dachau 28. 

Pullinhosen, PuUhauseu W. P. o. G. Pell- 
heim L. Dachau 29. 92. 

Puochinawa, Buchenau P. u. G. Bez. Linz in 
Oberöttterreich I> 1 1 ; 99. 

Pnoh, 1. Buch am Bochrain P. n. G. L. Erding 
24. 89. 2. Buch D. P. Zomoding G. Egelharting 
L. Ebersbg. 74. 

Pnoh in Sundargawe, Buch W. P. Grafing G. 
Frauennenharting L. Ebersberg 74. 

Puoloh, Pullach, Kreuz- D, Oeden- W. F. 
Oberhaching G. Ob. Biberg L. Wolfratshsn. 57. 

Puppininga, Pnppling W. P. Deining G. Er- 
gertshansen L. Wolfratshausen I, 19; 91. 

Purgrein i, Burgrain D. L. Haag 24 t. A. U: 

Purolfinga, Purfing D. L. Ebersberg I, 49; 
59 V. A. U. 

Pnron in monte Ritano I, 57. (Weder bei Reitberg 
L. Tölz, noch auf dem Ritten ob Botzen ein Beuern u 

Putinnu, Pitten M. u. Bez.-H.-O. in Nieder- 
österreich I, 45; 6. 8. 

Qninzingau, am Kinzenbache, rechtes Donau- 
ufer zwischen Isar und lun 45 n. 6. 

Radantia, Rethradantia, fl. Rezat, 2 Qaell- 

flüsse, vereinigt dann Rednitz, in Mittel- 
franken 70. 
Ram schw ag , Alt- u. Neu-, Ruinen P. Häggen- 

schwyl Bez. Zablat Canton 8. Gallen 43. 
Rangau, am Rannachbacfae bei Windsheiin in 

Mittclfranken 5L 83. 
-Rantesdorf, (sive Ranteshova, Urk. von 

1025 M. I. 219), Ranshofen vormals Kl. D. 

Bez. Braunau in Oberöstorreich 71 n. 10. 
Rathelmesdorf, Rammelsdoif D. L. Rotten- 

burg 88 V. A. ü. 
Ratinwege, Erdweg W. P. Walkertshofen G. 

Grossberghofen L. Dachau 30. 97. 
Ratispona, Reganesburg, Rei^ensburg Bis- 

thum Kreis-H.-St. 32. 44. 4«. 60. t>6, 68. 70. 

73 bis. 74. 75. 78 bis. 80. 82. 84. 88. Alte 

Kapelle 84. 
Reichen au, vorm. Kl. Insel im Obersee, S. Jo- 
hann oder Mitterzeil das Münster, Bez. Con- 

stanz in Baden 44. 61. 90. 
Reisbach, Risbach, Reisbach M. L. Dingol- 

fing 45 n. 6. 70. 74. 78. 82 88. G2. 
Reodir, Ried D. u. G. P. Niederroth L. Dachau 

29. 32 V. A. U. 
Rettenbach, Bach am linken Isar-Ufer bei 

Huppenlerg 57. 
Richareshusin, Reichertshausen P. L. Moos- 
burg 25. V. A. Ü. 
Riede ring, P. L. Rosenheim 76. 
Ritanus mons, zw. Reitberg I). P. Grosshart- 

penning G Sachsenkam L Tölz I. 57; 75. 
Riuti, Ober- und ünterreith WW. P. u. G. 

Grüutegernbach L. Dorfen 63. 



117 



Kodgeltinga, Rockolding D. o. 6. P. Engel« 

brecht^münster L. Geiscnfeld 80. 
BoTD, Synode 858. 64. 
Bor b ach y. Hrorpahc. 
Bota, Bott, Flnss vom L. Neumarkt durch 

Eggenfelden, Pfarrkirchen, Griesbach zum Inn. 

45 n. 6. 
Beta, Rott, Bothbach durch die G. Oberroth, 

Schwabhausen, Niederroth, Ried zur Glon 

74. 81. 83. 88. 92. 
Bota, Oberrotb, Niederroth PP. L. Dachau und 
Bota minor, Bothhof £. G. Schwabhausen P. 

Kreuzholzhausen L. Dachau 92. 
Bot ach in, Bodiug D. P. u. L. 46 n. 6. 

Botagasceit, Wasserscheide der niederbayr. 

Rott gen Norden L. Pfarrkirchen 46 n. 6. 
Bota-,. Rotinpach, Rottbach P. u. G. L. 

Brück 30. 59 v. A. U. 
Rotinpach, Rettenbach D. P. u. G. Yierkirchen 
. L. Dachau I, 31; 41. 

Bo 1 1 g a u , auch Bottachgan, Gau an der nieder- 
bayr. Rott 45 n. 6. 46 v. A. U. 
Bott, P. u. G. L. Wasserburg 88 bis. 
Budlfing, D. u. G. P. Hammel L. Freising 6. 

V. A. U. HrodolüngQU. 
Bumaneshusir, Rumelzhausen P. u. G. L. 

Dachau 92. 
Run , Rinn D. Bez. Hall im Unterinnthal in 

Tirol 37. 
Ruodolv eshusir, Budeltsbausen, P. G. 

£nzelhausen L. Mainburg 63 n. 3. 75. v. A. U. Hr. 
Bnpilinga, Baubling D. P. Pang G.Kirchdorf 

L. Bosenheim I, 16; y. A. U. 

Salzburg, Landes-H.-St. Synoden 74. 76 bis. 

79. 82 bis. 84. 
Salzburggau, Gau an der Salzach bis zum 

Inn 77 n. 2. 
S. Ambrogio. Kl. in Mailand 44. 
S. Castuli Stift, y. Moosbarg. 
S. Em er am, Kl. zu Regensbnrg 7. 45 n. 6. 

46. 69. 79. 80 bis. 
S. Emeram Stift zu Spalt St. L. Roth 70. 
S. Florian Stift u. M. in Oberösterreich an 

der Ipf. 45 
S. Gallen, Stift Cantons-H.-St. Schweiz 43. öl. 
S. Nie Ol aus, Stift zu S^alt St. L. Roth 70. 
S. SalYatoris monasterium , zu Spalt St. L- 

Roth 70. 
S. Stephan i mon. in monte prope Frisingam, 

Weihenstephan P. G. Vöttiiig L. Freising 83. 
S. Zenonis monasterium y. Isana. 
Sc am aha, Scbammach £. P. Grafing G. Nettel- 

kofen L. Ebersberg 91. 96. 
Schachten W. G. Lohbruck P. Hirschhorn L. 

Eggenfelden 42 n. 6. 
Scharnitz, D. L. Telfs Kr. Oberinnthal in 

Tirol 23. 37. 84 y. A. U. Scarantia. 
Seheftlarn mon., Scbeftlarn P. L. Wolfrats- 

hausen 9. 55. 56. 74. 75. 78. 84. 91. 99 
• V. A. ü. 



Schlehdorf, vorm. Kl. P. u. G. L. Weilheim 
23. 37. 72 bis. 87. v. A U. 

Schliersee, Yorm. Kl. P. u. G. L. Miesbach 81. 
82. 84. Y. A. ü. Slierseo. 

Schönbrunn, D. und G. P. Röhrmoos L. 
Dacbau 24. 

Schwarzach vorm. Kl. v. Münsterschwarzach. 

Schwindkirchen, P. u. G. L Haag 96. 

Sconinowa, Schönau P. u. G. L. Arnstorf 45 
n. 6. 78 n. 6. 

Sehen, Sabiona, Yormals Bischofssitz, nun 
Nonnenkloster Säben G. Lazfons Bez. Klausen 
in Tirol 87. 99. 100. 

Seiinsdorf, Seliiigsdorf D. P. Thann G. Kau- 
dorf L. Herrieden 53. 

Semita, Sempt Flnss vom L. Ebersberg durch 
Erding zur Isar 23. 89 bis. y. A. ü. 

Senatesawa, Sensau W. P. u. G. bteinhöring 
L. Ebersbg. 89. 

Sentilinga, Sendling, Unter- P. Ober- und 
Mitter- DD. L. Mönchen 1. I. 56 n. 2. 75. 

S e V i r a , fl. Zaya, Nebenliuss der Marsch in Nieder- 
österreich 7. 

Sezpah, Obersüssbach P. u. G. L. Mainburg 78. 

Sindeosdorf, Sindorf W. P. Attenkirchen G. 
Reichertshausen L. Moosburg I, 48; 53. 

Sindeoshasir, Sünzhausen D. P. u. G. Seh weit- 
tenkirchen L. Pfaffen hofen 92. 100. 

Sindpaldeshusir, Sinnering W. P. Stein- 
kirchen G. Kirchberg L. Erding 79. 89. 98. 

Sitter, Nebenflass vom Santis durch die K. 
Appenzell und S. Gallen zur Thur. 43. 

Slipfes, Schlipps D. u. G. P. Hohenkammer 
L. Freising 33. 

Smalagasceit, schmale Wasserscheide zwischen 
GoUer- und Grasenseebach L. Pfarrkirchen 
45 n. 6. 

Spalt, St. mit 2 vorm. Stiftern, L. Roth 70 und 
n. 7. 

Stadelon, Stadelschwarzach P. u. G. L. Volk- 
ach 1, 64; 53. 

Stargina, Bauernstarring W. P. Steinkirchen 
G Kircliberg L. Erding oder Hofstarring D. u. 
G. gl. P. L. Dorfen 97. 

Stein aha, riv. Steinachbach zur Aisch in den 
LL. Scheinfeld u. Neustadt 52. 

Steinbach, D. u. G. P. Rudelzbausen L. Main- 
burg 63 n. 3. 

Steingaue, Steingaa D. P. Endlhausen G. 
Baiernrain L. Wolfratshausen I, 55. 

Steinheringa, Steinhöring P. u. G. L. Ebers- 
berg 98. 

Steinkirchen, D. P. Holzen, G. Assling L. 
Ebersbg. 88. 

Stinpah unbestimmbar 7. 

Stockheim, Mainstockheim P. u. G. L. Dettel* 
bach I, 64 ; 52. 

Strazloh, StrassUch D. u. G. P. Grossding* 
harting L. Wolfratshausen I, 49. 

Strazpah, Strassbach D. P. Indersdorf G. 
Fraunhofen L. Dacbau 92» 



118 



Strogen, fl. Ncbenfluss der Sempt im L. Erd- 
ding 89. 

Strognn, Ober- n. Unter - ^trogen WW. L. 
Erding I, 4; 90 v. A. U. Stroaga. 

S n a b i 1 w i B , Seh wabel weiss D. u. G. P. Tegern- 
beim L. Stadtamhof 80. 

Snalafeld. Swalafeld, Gau am Bache 
Schwalbe zar Wömitz, zwischen dieser und 
Altmühl 58. 70. 

Suantharalanta, Sandharlanden D. a. G. 
P. u. L. Abensberg 44. ' 

Snlagaloh, Sauerlach P. u. G. L. Wolfrats- 
hansen 69 y. A. U. 

Snlzareini, Salzrain D. P. Ampermoching 
G. Amperpettenbach L. Dachau I, 14. 

Sulzbach, Bach in den LL. Arnstorf u. Pfarr- 
kirchen zum r. Ufer der Vils 46 n. 6. 

Swanahiltadorf, Schweinersdorf P. u. G. 
L. Moosburg 65. 

Swarzaha mon., nun Münsterschwarzach L. 
Dettelbach I, 64; 49 flg. 70. 

Sweiiipah, Schweinbach I. Ober- u. Unter- GG. 
L. Brück 30. v. A. U. 2. D. P. Hohene^'gl- 
kofen G. Schönbrunn L. Landshut 9S n. 27. 

S w i n a h a , Swindaha riv. Schwindach (-au) 
Nebeubach der Isen r. U. imL. Haag I, 56; 38. 69. 

Swindaha, 1. Schwindach D. P. Obertaufkirchea 
G. Schwindegg; 2. Schwindau, Gross- D. P. 
Seh wind kirchen, Klein- W. P. u. G. S. Wolf- 
gang, alles L. Haag 61. 87, 91. 97. 

Tagolvinga, Daglfing D. u. G. P. Obcr- 
föhring L. München r. I. I. 24, 62; 63. 64. 

T a n n a r a , Tandem P. u. G. L. Aichach 7. 36. 

Tansteti, Thonstetteu D. u. G. P. u. L. Moos- 
burg 89. 90. 100. 

Tarassa, Untertheres P. u. G. L. Hasfurt 45. 

Taur, D. G. Hall Bez. Innspruck in Tirol 38. 

Tattenhausen, D. n. G. L. Aibllng 76. y. 
A. U. Totinhusir. 

Tegarinwac, vorm. Kl. Wasente^ernbach, 
D. u. G. P. Schwind kirchen L. Dorfen I, 57; 

38. 62. 69. 72 bis. 77. 80. 84. 89. 90. 
Tegernsee, vorm. Kl. L. Sitz. 27. 56. 58. 68. 

72. 73 bis. 74. Ih bis. 76 bis. 78 bis. 83. 84. 

Telinbusir, Dellen bansen D. P. Abens G. 
Hern hausen L. Moosbg. I, 35. 

Thahaninga, Thanning P. L. Wolfratshn. 
69 V. A. U. 

Thannkirchen, D. L. Wolfratshausen 63. 
76. 90 Y. A. ü. 

Thiofpach, Diebach D. u. G. P. u. L. Neu- 
stadt a. d. Aisch 52. 

T h u r g a u , Gau an der Thur , nun KK. S. 
Gallen u. Thurgau 43. 

Tigingen, Teugn P. u. G. L. Eelheim I, 35 ; 

39. M. ß. VIII 451. 

Tiufstada, riY. Tiefgstadt, Bach im L. Eggen- 

felden zur Bott r. U. 45. 
Tomalingun, Demling D. u. G. P. Mehring 

L. Ingolstadt 80. 



T r n n ro , Tours H.-St. des Dep. Indre et Loire 
in Frankreich 75. 89. 

Totin chiricha. Doetskirchen E. P. u. G. 
Ranoldsberg L. Neumarkt in O.-Bayern 63. 

Toziueshofun, Dettenhofen D. u. G. L. 
Landsberg 88. y. A. U. 

T r i b u r , M. Kreis Grossgerau im Gr. Hessen. 44. 

Trient, Kreis-H.-ät. in Südtjroi 64. 65. 

T r u n s e Yorm. Kl. am Traunsee in Oberöeter- 
reich, nun Altmüuster 67. 

Türken s. Darki. 

Tulln, Bez.-H.-St. in Niederösterreich 7. 

T u 1 1 8 t a t , Düllstadt D. u. G. P. Stadtschwar- 
zach L. Dettelbach I, 64; 53. 

Ulm, Kreis-H -St. in Württemberg 64. 77. 

Undeoinga, Forstinning P. L. Ebersbg 75. 
89. 94. V. A. U. 

Undiesdorf, Indersdorf P. u. G. L. Dachau 95. 

U n t e r n b i e b e r t P. u. G. L. Ansbach 70 n. 7. 

U p a r a h R , Ueberackcr D. u. G. P, Einsbach L. 
Brück I, 52; y. A. U. 

Urpah, Auerbach P. L. Erding 69. 88 Y. 
A. U. 

Utinburric, Ottobeuern Yorm. Kl. M. u. 
L. 77. 

U u r d r f , Ober- und Niederaudorf P. Flints- 
bach L. Bosenheiin I, 16; y. A. U. 

V e 1 d e n , M. L. Vilsbiburg 45. 

V e r c e 1 1 i , Bez.-H.-St. ProY. NoYara in Ita- 

lien 64. 
y e r d u n , Virodunum H.-St. des Dep. Meuse in 

Frankreich 32. 36. 
Veringa, s. Föhring. 
Verona, Bez.-H.-St. in Venetien 61. 64. 
Vicentia, Vicenza ProY.-H.-St. in Venetien 60. 

61. 97. 
Vi echt 8. Feohte. 
Vilusa, 8. Filasa. 
Volkfeld, Gau zwischen Main, Eegnitz und 

bteigerwald 51. 70. 
Votilinaigen, Eigen des Votili, unermittelt 

I, 29. 

Walchsteti, Walchstatt D P. Scheftlarn G. 

Icking L. Wolfratshausen 57 bis. 
Walde, Peterswahl D. P. Margarethenried G. 

Enghausen L. Moosbg. 75. y. A. U. Waliiu. 
WaldkereshoYa, Walckertshofen P. L. Dachau 

83 Y. A. U. 
Walo, Waal M. L. Buchloö 77. 
Warngau, Oster- und Ober- PP. L, Miesbach 

76. 89. Y. A. U. Wormgoi. 
Wasentegernbach, Yorm. KL L. Dorfen s. 

Tegarinwac. 
Weihenstephan, Yorm. Kl. s. S. Stephan! 

raonasterium 83. 
Weilbach, Ober- W. Unter- D. u. G. L. Dachau 

6 Y. A. U. Wilpah. 
W c i Y e 1 1 , Wipfelt P. u. G. L. Schweinfurt I, 64 ; 52, 



119 



Welamotesaha, Wolamotesaha Wollnzach M. 

an gleichnamigem Bache (sar lim) L. Geisen* 

feld I, 47; 73. 
Wessofontannm mon., Wessobrtmn, Torm. £1. 

P. u. G. L. Weilheim 67. 81. 84. 
Westergowe, Westergau zwischen Inn nnd 

Isar vor dem Gebirge 24. 89. 
Westinsteri (-steti), Wettstetten P. a. G. L. 

Ingolstadt 80. 
Willing, D. n. G. P. n. L. Aibling 76. 
Wilu, Weil £. P. AltomQnster G. Eichhofcn L. 

Dachau I, 46. 
Wiltinn, Wüten Tonn. KL D. Bez. Innsbinck 

in Tirol I, 50; 67. 
Wipitina, Vipitena Buine nächst Sterzing 

B.-H.-St. Kreis Pusterthal in Tirol 87. 99. 
Wi ppi n h nse n , Wippenhansen P. n. G. L. Frei- 
sing 57 n. 8. 
Wirma, superior an der oberen Würro L. Stam- 

berg (?) — inferior Wflrmmühle E. G. Prittlbach 

P« n. L. Dachau I, 49; t. A. U. 
Wisenheida, Wiesentheid P. u. L. I, 64; 53. 



Wiware, Weyer W. P. Isen G. Schnanppiog L. 

Haag I, 62; 94. 
Wörthsee, Werthsee in Kärnten Kreis Klagen* 

fürt 44. ' 
Würzburg, Bisthum Kr.-H.-St. 45. 50. 84. 

Tupinpach, Eugenbach D. u. G. P. Altdorf L. 
Landshut 79. 

Zartinchiricha, Attenkirchen P. u. G. L. 
• Moosbg. 100. 

Zaya, Nebenfluss der March in N.-Oesterreich 5. 

Zella, Preinerszell D. P Schweittenkirchen G. 
G^isenbausen L. Pfaffenhfn. I, 47. v. A. ü. C. 

Zeyer, angeblich Fluss an der Gränze Steyer- 
marks und Niederösterreichs 5. 

Zollinga, ZoUing P. u. G. L. Moosburg 26. 38. 
91. V. A. U. 

Zornkeitinga, Zorneding P. u. G. L. Ebers- 
berg I, 1. 

Zuoltesdorf, Zustorf D. P. u. G. Langenpreising 
L. Erding I, 33; 75. 



Verbesserungen, 



S. 4 
. 5 
. 6 

n 7 

• 8 

• 10 
.11 
-11 
.11 
»12 
. 12 
. 12 
.18 
.14 
.16 
.17 
.18 
.18 
,19 

.19 



Z. 16 statt Michelbecks lies Meichelbecks. 

, 17 st ergaben 1. ergeben. 

, 10 u. 11 st. schon . 4 worden 1. sohin . . werden. 

, 5 st. schon 1. sohin. 

, 7 Ton unten st. des Grafen 1. der Grafen. 

H 5 T. u. st. firmitur 1. firmiter. 

,15 — — st. firmitur 1. firmiter. 

, 8 ▼. u. st. Wilhihelm 1. Willihelm. 

, letzte füge vor 258 ein 210. 

, 11 Nr. 13 St. 828 29/VII 1. 827 29/VII s. S. 99 n. 30. 

, 28 st. Es l Et. 

, 18 T. u. st K. inl. 1. K. iul. 

, 18 ▼. u. st quidem L quidam. 

, 3 u. 2 T. u. st testum . . traditionem 1. testinm • • traditionum« 

, Torletzte setze Tor No. ,zu'', 

, 18 st. aribili 1. arabili. 

, 17 st fldelium 1. fidelium. 

, 8 Y. u. st. aderunt 1. adeiant. 

, 13 — st. Ghnkinkuson 1. Chukinhuson. 

, 22 — 8t Grimberi 1. Grimheri. 



S. 84 Z. 9 V. n. *t. in 1. im. 

. 39 iD N. 8. Es ist tod loteregie, dass neuerlich bei AnsfOhrao; der Donaattul-Bkhn 
Herr BanCührer HaBBelmBnn im Gemeindebtiirke LenjcfeH gtgen den Weiler 
AlkofeD hin eine stark befestigte Hafen-Anlage aufgedeckt bat, welche, da 
Alkofen eine bekannt« BömeratStte ist, als rümiach angesprocheD wird. Vgl. 
Verhandl. des bist. V. der Oberpf»!» X. 184—252. XXVIll. 809. 

. 60 Z. 19 T. n. st. Ergoltinga I. Ergeltinga. 

. 67 , U T. n. st. 182S 1- 825. 



I 



Inhalt 

zu Graf v. Himdt^s Urkunden des Bisthums Freising 

aus der Zeit der Karolinger. 



Seite 

Xtaleitiugr* König Karlmaon L J. S69 in 
Baden bei Wien. Die älteren Grafen zn 
Pitten ans Hnofisebem Stamme. Necro- 
loginm ans Seheftlara 3 

▲bschnitt I. ' Kachtrag zn den Freisinger 
Urkunden ans der Zeit der Karolinger in 
Meichelbecks Historia Frisingensis No. 1-64 9 

Abaehnltt .II. Erörterungen. 

1. Die Bischöfe von Freising in der 
Karolingischen Periode .... 22 

S 1. Bischof Atto 784—811, Abstammnng, 
Jahr nnd Tai? der Todes ...... 22 

S 2. Bischof Hitto 811—835, Abstammung 
nnd Verwandsohaft 26 

i 3. Erchanpert Bischof Ton Freising, Abt 
Ton Kempten 836—854. Abstammung, 
Verwandtschaft, Erwerbungen im Ilm- 
gebieie, Todestag 30 

§ 4. Bischof Anno 855—875, Abstammung, 
Erwerbung eines Hafens an der Donau zu 
Lengfeld 37 

§ 5. Bischof Arnold 875—883, Abstammung 40 

§ 6. Waldo, Bischof von Freising, Abt von 
Kempten 884—906; Herkunft, Kaiserlicher 
Kanzler, durch Beichs-Einwirkung Bischof, 
Th&tigkeit in Reichs -Angelegenheiten. 
Isen-Gau, Quinzingau, Rottgau .... 41 

§ 7. Bischof üto 906— 9Ö 7; Tod in der 
Schlacht gegen die Ungarn am 5. und 6. 
Juli 907 47 

§ 8. Dracholf, Bischof von Freising, Abt von 
Schwarzach 907—926. Zuerst Abt, dann 
Bischof; Thatigkeit in Reichsgeschaften ; 
Stammgüter in Franken; Orundlosigkeit 
der Anschuldigung des Kirchenraubes . . 49 

2. Chorepiscopi, Coöpiscopi, vocati 
Episcopi, Episcopi eztranei . • 55 

§ 1. Oadalhart Episcopus 777—810 ... 56 
S 2. Petto, Abbas monasterii Scheftlam, 

Episcopus 800—813 56 

§ 3. HÜtiker, vocatus Episcopus 804. Das 

Bistbum Neuburg 58 

Abh. d. UL a d. k. Ak. d. Wiss. Xni. Bd. I. Abth. 






Seite 

4. Erachar Episcopus 805— 811 . . . . 59 

5. Liutfrid, vocatus Episcopus 808 . . 59 

6. Agnus Episcopns 808—822 .... 60 
i 7. Andreas, fipiaoopusVioentinus 808— 820 60 
S 8. Francbo, Episcopus Vicentinus 823—827 61 

§ 9. Noto Episcopus 824 62 

$ 10. Audacher Episcopus c. 830 ... . 62 

9 11. Ohunihoch Episcopus 839—850 . . 63 
§ 12. Herolf, Chorepiscopus Frisingensis 

850-855 63 

§ 13. Notingus, Episcopus Veroellensis 830, 
vocatus Yeronensis 840—844, Briziensis 
844-865 64 

14. Oudalschalcus, Episcopus Tridentinus 
855—864 65 

15. Co wo Chorepiscopus Frisingensis 

802— (820) 65 

3. Die Aebte in den Freisinger Ur- 
kunden aus der Karolinger Zeit. 
Nenentstandeno Klöster, Bischöfen zuge- 
theilte Klöster 66 

§ 1. Adalmann, Abbas monasterii Wesso- 

fontani 822—825 67 

§ 2. Adalperehtus, Abbas monasterii Tegem- 

see 770*-800 68| 

§ 3. Adalperehtus, Abbas monasterii Altabae 

superioris 822—829 68 

§4. Arno Abbas mon.Tegembach 845-860 69 
§ 5. Cundheri, Cundharius Abbas 799-809 69 
§ 6. Deotker, 8. Deocharus, primus Abbas 

monasterii Hasareodae 798—832 ... 69 

Adalwinus Episcopns Ratisponensis, Abbas 

monasterii 8. Salvatoris in Spalt 810 . . 70 
§ 7, Deotpald , Abbas monasterii Alt^iae 

inferioris 821-822 72 

S 8. Deotrich, Thiadricus, Abbas monasterii 

Tegembach c 870 72 

§ 9. Ellannod, Abbas monast Schlehdorf c. 809 72 
§ 10. Fater, primus Abbas monasterii Cre- 

mifanensis 777—800 72 

§11. Hahart, Abbas monasterii Schlehdorf 

819-829 . 72 

15** 



u 



SetU 

9 12. BMto Abbaa, Ato diaoonns sive Abbas 

79Ö— 799 78 

(. 13. Hepfilo, Abbas monastarii Aa in Chiem- 

flee 806-827 73 

9 14. Honricb, Abbat iDonaateriiLunaelaoensif 

784—798 78 

fi 15. Jacob Abbas 815 73 

§ 16. Ihbo, Abbas monasterii Scbeftlarn 

c 780 74 

§ 17. Johannes Abbas 802—807 .... 74 
9 18. Jobannes Abbas e. 900 . . . . , 75 
9 19. Isaae Abbas 822. ...*... 75 
9 20. Isker, Iskarios Abbas monasteril Te- 

gernsee 828, 829 ... 75 

9 21. Itberi, Abbas monasterii ad S. Mar- 

tinnm in Torono e. 796 75 

9 22. Kerrih Abbas 807 76 

9 28. Lintfrid, Abbas monasterii Aa in 

Cfaiemsee 804 76 

9 24. Megilo, Abbas monasterii Tegemsee 

c. 860-880 76 

9 25. Meginhart, Abbas monasterii Tegem- 

see 802—822 . 76 

26. Odalricns comes, senior fratmm in 
ütinbarrin sab regolari habita degen- 
tiam 890 77 

27. Petto, Abbas monasterii Scbeftlarn 
800-813 78 

28. Beginpereht, Abbas monasterii Ifoos- 
borg 770—811 78 

29. Ricbpald, Abbas (mon. Oars) c. 810—820 78 

30. Sabnlo Abbas 819 79 

31. Salomon, Abbas monasterii S. Zenonis 
in Isen, sea monasterii Tegembach 819 79 

32. Sigifrid, Abbas monasterii ad U- 
mani 820 80 

33. Sigimoat, Abbas monasterii Moosburg 

806-829 80 

34.' 8igo, Abbas 818 . 81 

35. Sindibbo, Abbas monasterii Schliersee 
817—820 SX 

36. Snello, Abbas monasterii Wessofon* 
tani c. 805 8^ 

9 37. Urolf, Abbas monasterii Altahae in- 
ferioris 790—807 82 



9 

9 
9 



I 



S«tt« 

9 38. Warmont, Abbas monasterii Seblier- 
see 809-816 82 

9 39. Wolchanbart, Abbates 770-^815 . . 82 

9 40. Wolfdregi Abbas 805—807 .... 83 

9 41. Wolfpercht, Abbas monasterii Altahae 
inferioris 770 83 

9 42. Zaccho, Abbas monasterii Tegemsee 
c 800 88 

9 43. IJebersieht der bis zam Schiasse der 
Karolingischen Periode nrkandliebbeseagten 
Aebte der Bayerischen Klöster .... 83 

4*. Kirchliche Würdenträger im 
Bisthnme Freising 85 

A. Probate nnd Decaae 86 

9 1. Oadulpald, Praepositos sea Decanas 86 

808—842 86 

§ 2. Adalker,AdalgariosPraepo6itas845— 849 86 

§ 3. Felicias Decanas ecclesiaeSabionensis 828 87 

B. Arohipreebiteri ,...,.. 87 
6 1. T^rohanat, Tarchnat 790— (800) ... 87 
§ 2. EUannod Archipresbiter 793 — yocatos 

AblMM monasterii Schliersee 809. . , . 87 

3. Johannes 809-819 88 

4. Heripercht 809—823 ....... 89 

5. Rapo 823 8ö3 (845) 89 

6. 8igihart 829 831 (Chorepiscopas) . . 90 

9 7. Waldarrich, Voldarich 842 90 

9 8. AnalQ c. 850 9} 

9 9. Kandpato o. 890—900 91 

9 10. Engilscbalk c. 910—930 9} 

9 11. Auswärtige Enpriester: Amo, Paldrich 

799; Antarpot Archipresbiter ecdesiae Ba- 
tisponensis f 822 92 

5. Die bisch5flischen Notare lu 
Freising in der Karolingischen 
Perlode 93 

Tagapercht 791-825; Pirchtilo 815-823; 
CoKroh 820—848 ; Undeo 825—830 ; Fro- 
winmand, Alpnnc, Amord 850—852; Pal* 
dricas Concellarias c. 870; Reisen Bischof 
Hitto*8, liodwigs als KOnig von Bayern • 95 

Anhang. Yerbessernngen and Erg&nsangen 
£am Abdrucke der Urkunden aus der Ka- 
rolinger Zeit bei Meichelbeck .... 102 

Geograplilaehes Register UO 



i 




Mittheilungen 



aus dem 



Gebiete der öffentliclieii Meinung 

in Deutschland 



während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts 



Von 



Frhr. v. Liliencron. 



Abb. d. IIL CL d. k Ak. d. Wies. XUL Bd. I. Abtb. 1 6 



nVEittheilungeri 

ans dem 

Gebiete der öffentlichen Meinimg in Deutschland 

während der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. 

Von 

Frhr« v. Lilienoron. 



III. Zur Liederdichtnng der Wiedertäufer. 

Eine Handschrift der Wolfenbutteler Bibliothek, Aug. 87. 3, 235 
Blätter in Sedez, kleinsten Formates ^ hat uns Aufzeichnungen eines 
Bruders der Mährischen Täufergemeinde erhalten, welche, so viel ich 
sehen kann, bisher nicht beachtet worden sind. Namentlich acht ge- 
schichtliche Lieder darunter verdienen aber sehr, gekannt zu sein und 
sollen deshalb hier nebst einer Nachricht über den sonstigen Inhalt 
der Handschrift mitgetheilt werden. Um jedoch den Werth der Lieder 
richtig zu beurtheilen, bedarf es vorher einiger Erörterungen. 

Die Secte der Wiedertäufer, eine der merkwürdigsten Erscheinungen 
des sechszehnten Jahrhunderts auf kirchlichem und socialem Gebiet, 
nahm um die Mitte der zwanziger Jahre unter dem Vorgang von 
Reublin, Grebel, Manz, Hätzer, Hubmaier^ Brödli, Stumpf, Hofmeister, 
Blaurock, Hut, Denk, Kauz u. A. zu Zürich und am oberen Rhein ihren 
Anfang. In merkwürdiger Schnelligkeit und unter Entwickelung einer 
grossen Lebenskraft, durch die Verfolgungen, mit der ihr die Regie- 
rungen sofort entgegentraten, mehr gefördert als gehemmt, verbreitete 
sie sich in wenig Jahren über die ganze deutsche Welt und drüber 
hinaus. Im Süden ward Mähren, im Norden das Niederland ihr Haupt- 
sitz. Verfolgt mit allen Mitteln blutigster Gewalt , als deren ' erstes 
Opfer Felix Manz den 5. Januar 1527 zu Zürich fiel, hat sie sich den- 
noch in geläuterten Gestaltungen, wie z. B. in der Kirche der Menno- 
niten, bis zu unseren Tagen herab erhalten. 

16* 



Das Wesen, die Entstehung und erste Verbreitung der Wiedertäufer 
C. A. Cornelius in seiner Geschichte des Mfinsterischen Äuirnhra ') 
eingehend und lichtvoU geschildert, dass vir hier nur darauf zu ver- 
Ben brauchen. 

Aus den Kreisen dieser Brüdergemeinden nun ist uns eine grosse 
le von geistlichen Liedern erhalten. In anziehender, oft ergreifender 
ise treten uns darin gerade die besseren Seiten des täuferischen 
sens entgegen, während die Schwächen ihrer Doctrin und die Aus- 
ihse ihres Treibens nur selten anklingen. Denn weder von jenen 
olutionären Entartungen, wie sie z. B. in Mttuster zum Ausbruch 
nen, noch von den radicalen Richtungen auf dem Crebiete der Dog- 
tik oder den mjstisch-vieionären Ueberspanntheiten, wie sie eich hie 
I da mit dem Täuferwesen verbanden , finden wir in dieser ihrer 
;hlich-gö8chichtlicheu Liederdichtoug Sparen. Sie hat mit der be- 
interen Liederdichtung der Böhmisch -Mährischen Brüder nicht nur 
Qchen einzelnen Zug, sondern auch manches ganze Lied gemein, 
jr wie sich überhaupt diese beiden Arten von Brüdergemeinden 
il in Einzelnem begegnen, während sie sich doch sonst in den weaent- 
.sten Dingen entgegenstehen, so zeigen auch die beiderseitigen Lieder- 
imlungen gleich dem ersten Blick einen für die ganze Sache sehr 
eichnenden Gegensatz. Während nämlich die „pikardiechen" Gesang- 
;her der Böhmischen Brüder in ihrer Anordnung ein dogmatisches 
lema zeigen und während ihr Inhalt demgemäss auf einer festen 
^matischen Grundlage beruht, entbehren die täuferischen Gesangbücher 
iit nur äusserlich einer solchen Anordnung, sondern es tritt auch in 
im innersten Wesen das dogmatische Element fast vollständig in den 
tergrand. Ihr ganzer Inhalt wendet sich vielmehr der Seite des 
Wichen zu ; die Heiligung des Menscheu und ihre Bewährung in Leben 
l Sterben bildet ihren fast einzigen Gegenstand und Inhalt. Selbst 
Polemik gegen die anderen Kirchen findet dazwischen nur gelegent- 
1 ihre Stätte. Liebe ist das grosse und unerschöfliche Thema dieses 
anges; denn Liebe allein ist das Kennzeichen der Kinder Gottes. 



Leipzig 18E5— 60. Man vgl. Dame&tlich du iweite Bach: ,Dic Wiedertanfe*. 



125 

Der Glaube hört einst auf im Schauen und die Hoffnung stirbt in der 
Erfüllung, aber« die Liebe bleibt ewig. Darum gilt sie den Brüdern für 
die ,,Hauptsumme^' ihres Wesens. Wol kann man nur durch den Glauben 
selig werden, so rufen sie den Evangelischen zu: aber nur durch die 
Vermittlung der Liebe vermag der Glaube zu Gott empor zu dringen. 
Wol ist auch ohne die Werke keine Seeligkeit, so wenden sie den 
Katholischen ein: aber nur wenn es aus der Liebe fliesst, gilt vor Gott 
das gute Werk. So versenken sich diese Lieder in den Begriff der 
Liebe, die Alles in Allem ist, die ihr Kreuz mit Freuden auf sich 
nimmt, die in den Dienst Gottes und des Nächsten Alles dahin gibt, 
die Alles duldet und aus der Demuth und Sanftmuth, Erbarmen und 
Friede fliessen. 

Es ist bekannt, welche Feuerprobe massenhaften Märtyrerthums 
den Brüdern Gelegenheit gab, solche Heiligung durch die That zu be« 
währen; denn mit der schonungslosesten Härte religiösen Hasses, mit 
allen Qualen der Folter und des Todes sind sie von den Regierungen, 
katholischen wie evangelischen, während eines ganzen Jahrhunderts ver- 
folgt worden. Auf eine lange Reihe von Blutzeugen konnte die Ge- 
meinde hinweisen und sie durfte sich ihrer in der That in gerechtem 
Stolze freuen. Auch uns ergreift Hochachtung, ja staunende Bewun- 
derung, wenn wir sehen, mit welcher Freudigkeit und Ergebenheit, mit 
welchem Sieg über alles Irdische diese Männer und Greise, diese Mädchen 
und Frauen den Tod über sich ergehen lassen. Wenn die Täufer es 
als ihre Aufgabe betrachteten, in ihren Gemeinden das Leben der ersten 
apostolischen Christen wiederherzustellen, so knüpften sie dann auch 
diese ihre Leiden und Verfolgungen gerne an die der ersten Märtyrer 
des Christenthums an, indem sie sich als deren unmittelbare Nachfolger 
betrachten. Wie aber jene am Eingang, so glauben sie selbst am Aus- 
gang der christlichen Kirche auf Erden zu stehen, denn es ist ihre un- 
erschütterliche Ueberzeugnug, dass das Ende der Welt vor der Thür 
stehe und um sich her glauben sie die biblischen Zeichen des herein* 
brechenden jüng9ten Tages überall zu erblicken; „der Baum'', rufen sie, 
„tritt in Fruchtreife''; sie selbst aber die Verfolgten, und um des 
Glaubens willen Hingeschlachteten, dünken sich die Berufenen, welche 
der Herr unter den letzten Trübsalen um sich sammelt. 



dertäufer selbst beschäftigten sieb mit Vorliebe mit dee 
irea Märtyrerthuma. Man führte in den Gemeinden Buch 
gossene Blut; man schickte von Gemeinde zn Gemeinde, 
bis ins Niederland Berichte Ober die Verfolgten und stand- 
lugen, man besang in Liedern ihre Leiden. So erwuchs 
reiche Märtyrerlitteratur, deren Stoff, soweit er in Prosa 
ward, sich am vollständigsten in dem Niederländischen 
Spiegel der werelose Christenen t'zedert Ao. 1524" bei- 
it ^). Die Lieder dagegen dieses Inhalts sind in den ge- 
langbQchern der Bruder und einzelnes davon zerstreut in 
1 und Drucken zu finden. 

licht uninteressant, zu beobachten, wie in diesen zahlreichen 
von Einkerkerungen, Verhören und Hinrichtungen gewisse 
nd gar tjpiscb geworden sind. Fast möchte man manch- 
n , dass die Darstellung etwas Schablonenhaftes an sich 
nicht dafür doch auf der andern Seite zu viel unmittelbare 

viel lebendige und warme Empfindung in ihr wäre. Viel- 
r Grund jener Erscheinung in dem Umstände zn suchen, 

der Vorstellung der Brüder ein gewisses Ideal, ein be- 
i scharf ausgeprägtes Bild davon, wie ein rechter Christ 
be, gebildet hatte, welches uns darum gleichmässig aus der 

Leidenden wie aus der Empfindung derer, die sie be- 
sgentritt. 

lekennt am Tage der Martern der gefangene Täufer vor 
■ die Qualen, die ihm bevorstehen, durch seine Sündhafdg- 
sehr verdient habe. Aber er weiss auch, dass Gott sie 
:ht sowol zur Strafe, sondern aus Gnaden schickt, um ihm 
eit zu geben, sein Herz zu läutern, seinen Glauben zu be- 

dadurch der Krone des Lebens theilhaftig zu werden. 

er alle Zaghaftigkeit von sich ab, und je näher die Stunde 
rückt, um so mehr fühlt sich sein Herz von überirdischer 
It und verklärt. Viele der uns bewahrten geistlichen Lieder 



Sder Ausgabe von 1631 „Haerlem bii Hana Puachien vid Weabaach" vor. Dach 
len ich iliD noten eitlere. 



127 

geben sich als in diesen letzten Stunden, ja aaf dem Todesgange ge- 
dichtet kund. Freudestrahlend und Lieder singend pflegt der Ver- 
urtheilte aus dem Kerker unter die seiner harrende Menge zu treten. 
Oft muss der Henker dem Singenden oder Predigenden den Mund ge- 
waltsam schliessen, um zu verhüten, dass er das zuschauende Volk nicht 
zu tief errege. „Weint nicht über uns", rufen sie dem Volke zu, 
„weint über Eure Sünden". Dann auf das Gerüst steigend beten sie 
für ihre Verfolger und für den Henker: „Herr, vergieb ihnen! sie 
wissen nicht was sie thun". So schliessen sie mit dem Irdischen ab; 
dann legen sie sich ruhig selbst auf dem Blocke zurecht, oder stellen 
sich geduldig an den Pfahl des Scheiterhaufens, Gott dankend und 
lobpreisend, bis die Flamme ihre Wort? erstickt. Oder, von den 
Fluthen gehoben, taucht die ins Wasser gestürzte Jungfrau noch einmal 
empor, um lächelnd in den Himmel zu blicken, ehe sie für immer 
versinkt. 

Unsere oben erwähnte Wiedertäufer-Handschrift stammt aus Pribitz 
in Mähren. 

Mähren war, wie schon bemerkt, der Mittelpunkt für die süd- 
deutschen Täufergemeinden geworden. Wir besitzen dort geschriebene 
Annalen der Gemeinde bis zum Jahre 1654 in dem „Qronikel oder 
Denkbüchel, darinnen mit kurtzen Begri£fen, Was sich vom 1524 Jar: 
Bis auff gegenwärtige Zeit, in der gemain zuegetragen und wie viel 
trewer Zeugen Jesu Christi die warheit Gottes so riterlich mit irem 
bluet bezeugt", (Handschrift d. Hamb. Stadtbibliothek. Einen Auszug 
daraus hat Gregor Wolny im Archiv ^für Oesterr. Geschichtsquellen^ 
3ter Jahrg. 1850 Bd. 2 mitgetheilt). Der erste Theil dieses Cronikels 
ward von dem Bruder Ambrosius Rösch, dessen Tod zum 22. December 
1592 eingetragen ist, verfasst; ein Fortsetzer führte es bis 1639, ein 
zweiter bis 1653 fort und Daniel Zw\cker schliesst es 1654 mit der 
Aufzeichnung über seine Aufnahme und Wahl zum Bischof der Gemeinde. 
Hauptquelle sind offenbar die mehrmals darin erwähnten „Geschichts- 
bücher" der Gemeinde, wohl amtliche annalistische Aufzeichnungen^ 
deren Abfassung den Vorstehern oblag. 

Schon 1526 kam aus der Schweiz Hubmaier nach Mähren und 
legte dort den Grund der Gemeinde. Die stillen und arbeitsamen Brüder 



liehen Grandbesitzera gerne gesebea and in Dienet 
>ald eine Reibe von Niederlaesungeo, „Haashabea** 
: denen die BrQder in gemeinsamer Hausbaltaag 

„Diener der Notbdurft" leiteten die virtbsohaft- 
in; jedes Handwerk hatte wieder seinen gemeind- 
r Kirchendienst ward durch „Diener des Evange- 

an der Spitze der ganzen Brüderschaft stand einer 
Torts", welcher von den andern gewählt und durch 
t wai'd Qod — später wenigstens — den Titel eines 

der Austreibung der BrQder i. J. 1622 gab es in 

„Uaushaben'*. Aber auch ausserhalb derselben 
le BrOder im Lande umher und in Diensten der 
Der Schatz, den diese ihnen, allerdings oft gegen 
edeihen tiessen, hat allen Verfolgungen zum Trotz 
1 durch anderthalb Jahrhunderte gefristet. Selbst 

nach dem Schmalkaldischen Krieg die äusserste 
■tilgung anwandte (vgl. unten Lied Nr. 2) waren 
nig Jahren wieder in den alten Sitzen. Fortan 
iche Ruhe bis zum Ende des Jahrhunderts. Zwar 
lazimilian II gleich nach seinem Regierungsantritt 
e Austreibung; wiederholte Bitten des Mährischen 
bn jedoch, dasselbe zurückzunehmen. Seit 1595 

Neue schwere Leiden über die Brüder hereinzu- 
er den Türken kriegen wie wäbrend der öster.- 

und vor Allem seit 1614 im Gefolge des Höh- 
mn die Truppen aller kriegführenden Tbeile wett- 
mg und Mishandlung der ihnen preisgegebenen 

Bauern betheiligten sich dann gelegentlich an der 
lücklichen. Durch kaiserl. Patent vom 22. Sept. 

I Neue die Austreibung der Brüder aus Mähren be- 
er jenes Jahres wurden wirklich ihre 24 dortigen 

Die Brüder zerstreuten sich durch Ungarn und 
mn überall fanden eich dort schon .einzelne Nieder- 

II fanden die gewinnbringenden friedlichen Arbeiter 
rohenden Ungnade der Regierungen dennoch immer 



129 

\ried.ef Aufnahme. Selbst nach Mähren sehen wir sie bald genug 
\r/ocler zurückkehren, aber ihre dortige gemeindliche Organisation war 
uncl blieb seit 1G22 zerstört. 

Zu Pribitz nun in Mähren im Brünner Kreiss hatte bis 1578 Peter 
Wstljpot oder Scherer, einer der bedeutendsten Vorsteher der Gesammt- 
gem^inde; seinen Sitz gehabt. Um 1518 geboren, trat er in seinem 
24 8t:exi Jahr, also um 1542 in den „Dienst des Wortes". Als 1550 
die ^Bxüder in 17 Rotten nach Oesterreich auswandern mussten, war 
er einer ihrer siebenzehn Führer. Als 1565 der Gesammtvorsteher 
Lienliart Lanzenstil oder Sailler nach 2 3 jähriger Amtsführung starb, 
ward Walpot zu seinem Nachfolger gewählt und nahm seinen Sitz in 
deco in eben diesem Jahre errichteten Haushaben zu Pribitz. Mit be- 
sond^xem Ruhm stand er der Gemeinde vor bis an seinem am 30. 
Januc^r 1578 erfolgten Tod. Zu seinem Nachfolger ward darauf am 
5* I*^^bruar Hans Kräl oder Kitzbühler erwählt. Um 1520 geboren hatte 
öx^s^ir* 1557 eine schwere Verfolgung zu erdulden, aus der er jedoch 
"^55 9 (s. u. Lied Nr. 4) glücklich nach Mähren entkam. Hier ward er 
nocl:^ in diesem Jahr zum Diener der Nothdurft und 1560 zum Diener 
des -Kvangeliums erwählt. Den Bischofsdienst versah er von 1578 bis 
^58 3 ^ in welchem Jahr er am 14. November zu Neumühl in Mäh- 
ren s^arb. 

HDa nun unsere Wiedertäufer -Handschrift erst einige von Pet. 
"^^^I>ot verfasste Schriftstücke, dann eine Art protocoUarischer Auf- 
zeia lix :x=iung über seinen Tod und dieser folgend ein von seinem Nach- 
folge^ :^- Krall über seine Gefangenschaft verfasstes Lied enthält, so ist 
^^® ^^^lue Frage zu Pribitz geschrieben und da von den in ihr be- 
rünx^-t^j^ geschichtlichen Thatsachen keine über dies Jahr 1578 hinaus- 
g®*^^» denn ihr spätestes geschichtliches Lied ist v. J. 1 577 (ein im Cronikel 
^^ *^^ltenes Märtyrerlied von 1582 z. B. findet sich nicht in ihr) so ist 
^® "^^^^ shrscheinlich, dass sie i. J. 1578 oder gleich danach geschrieben 
^^^^^* Man möchte Hans Kräl selbst für den Schreiber halten, wenn 
öi^tx-fe die üeberschrift des von ihm selbst gedichteten Liedes ihn als 
i?^*^^^rn lieben Bruder" bezeichnete. Die Handschrift ist übrigens sorg- 
^^^ und von gebildeter Hand geschrieben. Die dialectischen Eigen* 
tn^^rxi]ichkeiten, namentlich das kh für h, weisen auf einen Tyroler. 

^^^ ^- UI. Cl. d. k. Äk. d. Wies. XIII. Bd. I. Abth. 17 



I Liedern sind je eine oder zwei Anfangazeilea der Ueber- 
1 und jede erate Linie der Strophe roth. Die Strophen sind 
:t, die Zeilen nicht. In den unten mitgetheilten Liedern habe 

den ganz willkürlichen Gebrauch grosser und kleiner Änfangs- 
jen geregelt und die Interpunktion hinzugefügt. Im Uebrigen 
Abdruck ganz getreu. 
' vollständige Inhalt der Handschrift ist folgender: 

Bl. la — 41a. „Kurtzer vcd doch ein Rechter gründtlicher 
iger ausszug dreier Articl vnsere cristlichen glaubena Tauff, 
il, vnd gemainschafft. Durch den lieben getreuen Bruedern vnd 
Jesu Christi Petter Walbot". (Bl. 41b— 42 b leer). 

Bl. 43 a— 70b. Ein Sendbriflf vom Peter Waalpot, Ettlichen 
ser BrOedern am Reinstrom zu gachickt gen Modenbach". Am 
(Bl. 70 b) „Datum Merhern zu Pribitis. In der wochen nach 
Dobstag. Anno 1577. Peter Waalpot ein dienoer Jesu Christi 
ten Gmain sambt den andern Eltesten Im dienst dea Worts". 

BrOder Bastle, Jacob, Valten vnd Gabriel hatten an Walpot 
jteher der Mährischen Gemeinden durch zwei Sendboten die 
B Anfrage gerichtet, ob man der Gemeinde der Heiligen angehören 
shne sich äusserlich einer Gemeinde anzuschliesaen; wir würden 
b es Gemeindegliedern erlaubt sei, in der Diaspora zu leben, 
verneint diess und fordert die BrOder auf zu kommen, um sich 
r Gemeinden einzufügen. 

71 a — 74 b. ,,Die letzte Red vnd ermanung vnsera lieben 
], petter walpoth zu den ehesten der gemain getbon. Anno 
r den neun vnd 20 tag Januarj" etc. Am Schiusa heisst es: 
1 ist nach diser red den nechsten tag hernach, dz ist den 
januarij etwa ein viertl stundt, vor 5 vhr vormitag im Herren 
BTen, . . . Seins alters ist er vast im CO Jar gewesaen, vnd ist 
!;emain des Herren beuolhen geweasen 13 Jar. Im dienat aber 
ts ist er gestanden 36 Jar. Amen", 
k — 99 a. Lied von der Gefangenschaft des Hans Kräl s. u. No. 4. 

99 b — 109 b. Lied von Mathea Binder, Paul Glockh vnd Veit 
tr s. u. No. 8. 

109b— 115b. Lied von Wolf Pinder; s. u. Nr. 5. 



131 

Bl. 115b — 123 a. Lied von Hans Missel; s. u. No. 6. 

BI. 123 b — 130 b. Lied von Hans Plattner, s. u. No. 7. 

BL 131a — 133 a. „Die Danksagung. Im thon, pangue lingua. 
H. H.*' • Anf. „Wir dancksagen dir, harr Gott der eeren". 7 Str. Ein 
Abendmahlslied, die unterscheidende Abendmahlslehre der Täufer ent- 
haltend. 

Bl. 133 b — 137b. Bekandtnuss des glaubens, Im gsang verfasset. 
S. B." Anf. „Wir glauben in den ainigen gott". Es ist das von 
Wackern. Kirchenl. III No. 597 aus e. flieg. Blatt und No. 598 (Anf. 
„Wir glauben all an einen Gott") aus dem „Aussbund" mitgetheilte Lied. 
Die Fassung unserer Handschrift hat einen Theil der (übrigens den 
Inhalt nicht vresentlich berührenden) Varianten mit der Fassung des 
Aussbundes gemein. Ob mit „S*. B" Sixt Birk gemeint ist? oder Sig- 
mund Bosch, 8. unten das Lied auf Bl. 219a f.? 

Bl. 138 a — 150 a. Lied von Hans Pirchner; s. u. No. 3. 

Bl. 150b — 156 a. „Ein anders Liedt: vom hauss Gottes. Im thon 
des Römers gsang^^ Anfang: Merckt auff ir jung vnd alt was ich 
euch thue bekant". 5 Strophen. 

Bl. 156 b — 187 a. Lied von der grossen Verfolgung der Mährischen 
Brüder i. J. 1548, s. u. No. 2. 

BL 187 b — 193 a. Lied von der Verfolgung in Oesterreich 1539; 
8. u. No. 1. 

Bl. 193b — 196a. Ein anderes. Im thon: Ach hil£f mich laidt. 
H. P". Anf., „Ach hilflf mich laidt vnd sendlich klag". 3 Str. 

Bl. 196 b — 200 a. „Diss volgend Liedt hat der Brueder Clauss 
Felbinger gemacht^ ist demnach zu Landshuet im Bairlandt vmb der 
warheit willen enthaubt worden. Das erst liedt In der muscatnuess- 
blfiethon^'. Geistl. Lied, 5 Strophen. Anf. Mit Lust vnd freudt zu 
dieser Zeit. 

Bl. 200 a — 202 b. Ein schöns Liedt von vnserm lieben Bruedern 
Fetter Walbot gmacht : Im thon. erndt werdt auff erdt'^ Geistl. Lied, 
11 Strophen. Anfang: „Pedenckh vnd lenckh*^ Akrostichon: „Peter 
Walpot". 

202b — 214b. ^,Historia susana. Im thon: heilliger riter Sanct 
Jörge ze singen'^ 39 Strophen. Das nach Str. 38 i. J. 1539 gedichtete 

17* 



id BchliesBt mit einer Ausdeutung der verleumdeten Susauna auf die 
-folgte Gemeinde der Heiligen. Anf. „Zu Babel was ein Burger". 

215a — 2I8b. „Ein anders Im tbon: Durcb Adams fal Oder kundt- 
laft mit Dir". Lied über die Leiden der Heiligen; 12 Str. Änf. 
'^ir bitten dich ewiger gott". Es ist das Lied von Lenhart Schöaer 
. SchiemerJ, welches Wackeruagel , Kirchenl. H. Nr. 523, aus dem 
ussbund" mittheilt. 

lil. 219a — 226a. „Ein Anders schöns Liedt, von der Gotheit, vnd 
nschheit Christy, Im thon^ mit lust so wil ich singen. S. B." (d. h. 
:mund Bosch; er nennt sich in der letzten Strophe als Dichter). 28 
ophen. Anf „Fröhlich so wil ich singen mit lust ein tageweiss". 
ch im „Aussbund" Th. I. S. 384. 

Bl. 226b — 228b. Im thon : Wach auff hertz Lieb". Geiatl. Lied, 
Strophen. Anf. „Merckb auff mein gott I.ass dir mein stim erklingen." 
rostichon: „Magdalena". 

Bl. 229a — 230a. „Ein schÖns geistlichs Lied": Anf. „Mag ich 
^iQckh nit widerstan" ; das bekannte Lied der Königin Maria voo 
garn. Wackern. Kirchenl. II. No. 156. 

Bl. 230a— 233a. „Ein anders Liedt Im thon, Der aiben wort zu 
gen." Anf. „0 ewiger vatter von himelreich". Ea ist das Lied der 
iwester Annelein von Freiburg, welches Wackern. 1. c. II. No. 539 
I dem „Aussbund" mittheilt. 

233 b — 2U4b. „Das kinder kurz tischgebet". Prosa, 

S34b — 335 b. „Das Kinder Lang gebeet, So sy nachts vnd mor- 
IS Beeten". Prosa; bricht ab mit den Worten: „in deiner warhait, 
1 gerecht". 

Die Litteratur der wiedertäuferischen Märt^rerlieder ist sehr schwer 
überschauen, weil nur ein kleinerer Theil derselben neuerlich wieder 
uptsächlich durch Ph. Wackernagel) geilruckt worden ist, die altea 
ferischeo Gesangbücher aber zu den bibliographischen Seltenheiten 
lören. Von eioüelnen Forschern abgesehen, wird sich kaum jemand 
e Vorstellung von dem Umfang dieser Dichtung machen. Ich will 
um den Liedern unserer Handschrift ein Verzeichniss sämmtlicher 
" bekannt gewordenen Martererlieder vorausschicken. 



133 

Doch mu8s ich dabei bemerken, dass ich allein die deutseben 
Gesa» ngbücher^) aas eigener Benutzung, dagegen die niederländischen^) 
niixT aus Wackernagels Arbeiten^) kenne. Daher kann es sein, dass sich 
in den niederländischen Sammlungen noch Zusätze zu meinem Ver- 
zeiolin^isse finden. 

Bei den neuerdings wieder gedruckten Stücken citire ich nur die 
neuere Quelle, in der die weiteren Nachweisungen für den , der sie 
vünsc^ht, zu finden sind; bei den übrigen Liedern führe ich die alte 
Qael^^ an. Zur leichteren Orientirung setze ich zu jedem Liede einen 
Nach -weis über den Abschnitt bei Rabus ^) und des Martelerspiegels, in 
welcluem die betrefi'enden Märtyrer besprochen werden, sofern sie sich 
fiberls^siupt dort finden. Ich beschränke mich aber auf die Lieder ge- 
ficli i oshtlichen Inhalts mit Hinweglassung der vielen geistlichen 
Mahrx — und Trostlieder, welche, da sie von bekannten Märtyrern im 



2) 



3) 



1) M±Zs sind folgende 2: 

sk. ii£in schon gesangbüchlein, darinnen begriffen werden vielerhandt schöner Geist- 
licher Lieder" u. s. w. vgl. Wackernagel, Deutsch. Kirchenlied I. S. 484. Ein Exemplar in 
der Berl. Bibliothek. Es ist zwischen 1570—83 yerfasst. Eine Untersachung über seinen 
Zasammenhang mit den niederl. Gesangbüchern hat Wackernagel in der Vorrede zum ersten 
Heft seiner „Beiträge zar niederländischen Hymnologie" verheisscn, aber bisher nicht ge- 
geben. Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass es mit den „Veelderhande Liedekens" 
in 8" von 1569 (s. u. Anm. 2) nicht nur eine Zahl von Liedern gemein hat, sondern dass 
auch seine Vorrede sich auf die der Liedekens gründet. 

„Aussbund Etlicher schöner christlicher Geseng, wie die in der Gcfengnuss zu Passaw im 
Schloss von den Schweitzern vnd auch von andern rechtgläubigen Christen hin vnd her ge- 
dieht worden Ann. MDLXXXIII*. Münch. Bibl P. 0. germ. 8<^ 59 m. Vgl. Wacker- 
nagel, Bibliographie d. Eirchenl. No. 976. 

8 sind folgende: 

„Een nieu Liedenboeck" von 1562; s. Wackern. Bibliogr. S. 504 Nr. 1115. 

Veelderhande Liedekens, ghemaect wt den Ouden enn Nieuwen Testamente** von 1569, 8^; 
s. Wackefn. 1. c. S. 518 Nr. 1132. 

„Veelderhande Liedekens etc." 1569, 16^, 1. c. S. 521 Nr. 1133. 

1). Wackeruagel: Bibliographie des Deutschen Kirchenliedes, 1855; Beitrage zur niederlän- 
xschen Hymnologie, Heft I, auch unter dem Titel: Lieder der niederländischen Beformirten aus 
^r Zeit der Verfolgung im 16. Jahrhundert. 1867. (Die Bibliographie und die Gesangbuchs- 
orreden in diesem Heft sind nur ein Abdruck der betreffenden Abschnitte in der Bibliographie 
«8 Deutschen Kirchenliedes.) Das Deutsche Kirchenlied, Bd. I— IV 1864—74 (reicht bisher bis 
^^ Jahr 1584). 

X^udw. Rabus: „Historien der heil. Ausserwölten Gottes Zeugen" 1555. fol. 



nisB gedichtet- sind, zwar gleichfalls an eine geschichtliche That- 
ankofipfen, Obrigens aber nichts Geachichtliches enthalten. 
ie Märtyrerlieder der Reformationszeit beginnen nicht erst mit 
jschichte der Wiedertäufer, sondern schon einige Jahre früher 
nit dem Liede auf 2 Brüaseler evangelische Märtyrer. In der 
it kein geringerer als Luther selbst der Anfänger dieser ganzen 
Dichtung. Sein oft gedrucktes herrliches Lied: „Ein newes Lied 
iben an" mit der schönen, auch wohl von ihm selbst gesetzten 
e fand offenbar in der ganzen deutschen Welt, wo nur sich da- 
ivangelische Regungen zeigten, lauten Wiederhall. Es hat den 
eser ganzen Lyrik geweckt und bestimmt. Einige andere luthe- 
Märtyrer, wie Caspar Tauber und Waibel, fanden gleichfalls noch 
zwanziger Jahren ihre S&nger. Dann sind es eben die Wieder- 
in deren Kreisen sich der fernere Stoff fand. Das späteste mir 
it gewordene Lied dieser Gattung ist vom Jahre 1587. 
a hörten zwar damals die Ketzergerichte keineswegs ganz auf, 
ie wurden doch seltener. Der Martelerspiegel hat auch in seiner 
}e von 1633 kein über 1614 herabreichendes süddeutsches ßei- 
die letzte von ihm aufgeführte Hinrichtung in den Niederlanden 
lOn vom Jahre 159S. 

;h führe nun hier die Lieder in chronologischer Folge auf. Die 
in Lutherischen Lieder nehme ich, damit dem Gesammtbilde nichts 
mit auf. 

523. Ein newes Lied wir beben an. Von den zwei 
^inermönchen, die zu Brüssel am I. Juli d. J. verbrannt wurden. 
jUther. Gedruckt: Wackern. Deutsches Kirchenlied 111. No. 1. 

Die Melodie gedr. : Liliencron, histor. Volksl., Nachtrag S. 44. 
,abus, Buch IV. Cap. U. 

524. Nun hört ich wyl euch syngen. Auf Caspar Tauber, 
en gerichtet d. 10. Sept. Gedr. bei Wackern. 1. c. nr. 496. 
abus 1. c. 20. 

525. Die warhait thut mich zwingen. Auf Matthias 
1, zu Kempten erhängt. Gedr. Wackern. 1. c. nr. 495. Rabus 



135 

» 

1527. Wer Christo jetzt wil folgen nach. Auf Jörg 
W^k^^neVy zu München verbrannt. Vgl. Martel. Sp. a. a. 1527 S. 3. 
G0c3:k*. Wackern. 1. c. Nr. 517. 

c. 1528. Ach Gott vom Himelreiche. Von 18 zu Salz- 
biB.x*^r verbrannten Härterem; im Ausbund I. S. 163. Vgl. Martel. Sp. 
^a diesem Jahr S. 19. 

2528. Was wolln wir aber singen. 12 Personen, zu Brück 
a,. <3I^ Mur gerichtet. Gedr. Wackern. 1. c. nr. 525. Vgl. Mart. 
Sp. 25- d. J. S. 22. 

1528. Wir bitten dich ewigc^r Gott. Auf die Gefangen- 
%(2\^Skf t Lenhart Schöners oder Schiemers (verbrannt im selben Jahr zu 

^otienburg) von ihm selbst gedichtet. Gedr* Wackern. 1. c. nr. 523. 
Vgl. Mart. Sp. z. d. J. S. 15. 

1529. Kürtzlich hab ich vorgnommen. 7 Brüder zu Gmünd 
IQ Schwaben gerichtet. Gedr. Wackern. 1. c. nr. 542. Vgl. Mart. Sp. 
^. d. J. S. 29. Das Cronickel setzt die Begebenheit ins Jahr 1531. 

1531. Ein grosse Freud ist in gemein. Von dem Anne- 
^^itx, zu Rotterdam gerichtet. Im „Ausbund" I. S. 108. Vgl. Mart. 
^T* 25. d. J., S. 55. 

1538. Lied auf den zu Brixen geköpften 0£Ferus Brissinger , im 
^^^^ÄiÄikel. Der Auszug theilt leider hier, wie in ferneren Fällen, nur 

oie J^^otiz, nicht das Lied mit. V^l. Mart. Sp. z. d. J., S. 48, wo er 
Offr-^ « Gryzinger genannt wird. 

3538. Lied auf die zu Michelsberg im Pusterthal geköpften 
•'^^^'^'fc^n aus Vielgraten und Caspar Schuster, im Cronikel. Vielleicht 
^^* ^^ kein geschichtliches, sondern das geistl. Mahnlied' „Merckt auff 
vncl. Äempt zu hertzen", von „Vilgarden und Caspar von Schöneck" im 
"^^-•^^>)und" I. S. 198, dessen Inhalt sich jn Prosa im Mart. Sp. z. J. 
1^^^^ S. 22, findet. 

1539. Von trüebsal schmertzen eilend gross. Auf die 
'Ig^ung zu Steinabrunn; s. u. No. 1. 

. 1540. Lied von Hans Zimrauer, geköpft zu Schwaz, im Cronikel. 

>^ MÄ:K^ti^ Sp. z. d. J., S. 59. 

1544. Ach Gott ich mag wol trawren. Von zwei adlichen 
J^^&frauen von Beckum, zu Delden bei Deventer verbrannt. Im „schon 



V 



langsbüchlein" Bl. I38a. Gedr. bei Soltau, hisior. VolkBl. Nr. 57. 
1. Mart. Sp. V. d. J., S. 76. Die Lieder auf dieue Begebenheit werden 
irall ins Jahr 1545 gesetzt. Aber der Urtheilsspruch, dem die Hia- 
htuDg auf dem Fusse gefolgt sein ' wird, ward nach dem Mart. Sp. 
13. Not. 1544 gefällt. 

1544. Alhie will ich ubersummen. Gedicht auf dieselben, 
dr. in Rabua, 1. c. V. Cap. 25. 

1544. Nun lasst uns frölich heben an. Lied auf die- 
ben; in Einzeldrucken, 6. Wackern, D. Kircbenl. Th. I S. 757 Nr. 
6—488. Auch bei Ilabus 1. c. Gedr. in .Goedeke-Tittmann, Lieder- 
ch a. d. 16. Jahrh. S. 301. 

1544. Trawren wil ich stehn lassen. Lied auf dieselben; 
„Ausbund" L S. 93. 

1544. Es waren auch zween Brüder gut. (Dieser Eingang 
ielt offenbar auf die berühmten zwei adlichen Jungfrauen an.) Joha 
ass und der alte Ihm oder Bestevader, zu Amsterdam gerichtet. Im 
usbund" 1. S. 88. Vgl. Mart. Sp. z. d. J., S. 78. 

1548 ff. Nun merckhet was ich singen wil. Verfolgung 
Mähren und Ungarn ; s. u. Nr. 2. 

1549. Ein Mägdelein von glidern zart. Elisabeth, zu 
reuwaerden gerichtet; im „Ausbund" I. S, 69. Vgl. Mart. Sp. z. d. 

S. 97. 

1550. Alsmen schreft duyst vjfhondert. Goynaert, Gilis, 
irikeo und Annekeo, zu Lier in Brabaat gerichtet. Gedr. Wackero., 
sitr. l. Nr. 55. Vgl. Mart. Sp. z. d. J., S. 114. 

1550. Eylaea ick mach wel suchten, gedichtet von Adriaea 
»rneliss, auf 4 Märtyrer zu Leyden. Gedr. Wackern., 1. c. Nr. 93. 
irt. Sp. z. d. J., S. 115. 

1550. Ich weiss wer Gottes wort bekendt. Hans Käs- 
ufer von Amsterdam, zu Gent mit Hans von Overdam gerichtet. Im 
luabund" L S. 81. Mart. Sp. z. d. J., S. 103. 

1550. Ü Herr dich wil ich loben. Auf denselben. Im „Aus- 
nd" I. S. 65. 

1551. Genade ende vrede. Von 12 Märtyrern zu Brügge, 
idr. in Wackern. Beitr. I. Nr. 56. Martel. Sp., aber z. J. 1561, S. 350. 



137 

1552. Ach frölig wil ich singen. Hinrichtung der Maria. 
Im y, schön Gesangböchlein^' Bl. 141a; im „Aussbund'' I. S. 154* Mart. 
Sp. z. d. J«, S. 162; er nennt sie Maria von Monjou. 

1552. Danckt Gott in seinem höchsten thron. Adriaen 
Cornelias u. Gen. zu Lejden gerichtet. Im „Aussbund I. S. 238. Mart. 
Sp« 2s. d. J«, S. 164. 

1552. Gross sind die werck dess Herren. Peter von 
VTer^^irick, oder von Olmen, zu Gent verbrannt. Im „Aussbund" I. S. 
114r. Mart. Sp. z. d. J., S. 176. 

1552. Het is wol te beclagen. Cornelis, zu Cuyienborch ge- 
rielatöt. In „Veelderhande Liedek." von 1569, Bl. 110. Mart. Sp. z. 
d* J., S. 179. 

1553. Die beste freud auss Gottes wort. Jost Kindt zu 
Cortrjrk verbrannt. Im „Aussbund" I. S. 76. Mart. Sp. z. d. J., 
S. 181. 

1553. Een nieuwe Liet heb ic gedieht. Bernt und Thys, 
zu XL««euwaerden gerichtet. Gedr. bei Wackern. Beitr. I. Nr. 57. Mart. 
Sp- Ä. d. J., S. 180. 

3553. In bitterheyt der sielen. Ein Märtyrer zu Vueren. 
Gecix-. bei Wackern. 1. c. Nr. 62. Mart. Sp. z. d. J., S. 189- 

1553. Hermen is ter werelt en geclach. Peter Witses 
.^^"tö^laer zu Leeuwaerden gerichtet. In ,,Veelderh. Liedek.'^ von 1569 
^1- 129. Mart. Sp. z. d. J., S. 160. 

1553. Na V beloft, goede Heer. Eelken und {"ije, zu 
^^^i:j.i¥aerden gerichtet. In „Veelderh. Liedek/^ von 1569 Bl. 146. 
^^^-"t. Sp. z. J. 1549, S. .99. 

1554. Och Heer ick moet v claghen. David und Lewine, 
^^ Cäent verbrannt. Gedr. in Wackern. Beitr. I. Nr. 58. Mart. Sp. z. 
^- J^, S. 192. 

1556. Frölich wollen wir singen. Hans Pirchner, zu 
^^^*^l«nders geköpft, s. u., Nr. 3. Wahrscheinlich dasselbe Lied wird es 
®^^^^> welches sich über H. Pirchner zu diesem Jahr im Cronikel findet. 

1557. Als man zalt tausent fünfhundert jar. Gedichtet 
^^^ Hans Büchel. Auf den zu Rom verbrannten Neapolitaner Algerius. 
^^^ „Aussbund" L S. 179. Mart. Sp. z. d. J., S. 218. 

^^^ . d. ni. GL d. k Ak. d. Wies. XIII. Bd. I. Abth. 1 8 



Ein liedt von einem jungen knaben. Auf denselben. 
Gesangbüclilein" Bl. 2I0b. 

Hoort toe ghy Christen scharen. Joriaen und Gle- 
Sarlem Terbrannt. Gedr. bei Wackern. Beitr. I. Nr. 59. 
B. d. J., S. 205. 

-59. Hörendt ir aller liebsten mein. Hsns Kräls 
eine Gefangenschaft; s. a., Nr. 4, 

Inden Jare vijfthien hondert. Märtjrer zu Rotterdam. 
SVackern. Beitr. I. Nr. 60. 

Merckt au ff jhr Völcker überall. Hinrichtung 
, Nunenberg und Peter Krämers. In „schön Gesangbüchlein" 
„Aussbund'* I. S. 123." Mart. Sp. z. d. J., S. 245. 

Wollt jhr hören was ist geschehen. Thomas Drucker 
I Bhein ertränkt. In „schdn Gesaogbüchl.'* Bl. 180b; „Aus* 
. 138. Mart, Sp. z. d. J., S. 220. 

Een eewighe vruecht die niet en vergaet. Zwölf 
u Gent. In „Veelderh. Liedek." von 1569, Bl. 86. Mart. 
. S. 294. 

Zu lob Gott Vatter Sohne. 5 Märtyrer zu Antwerpen, 
and" I. S. 56. 

-1560. Anhoort God hemelsche Vader. 72 Märtyrer 
e zu Antwerpen. In „Een nieuw Liedenboek" von 1562, 

Ach Gott ich muss dir klagen. Lied von Johann 

r sein Verhör zu Verden gedichtet. In „schön Geaangbüchl.*, 

Niederländisch: Herr God ick mach wel clagen, in 

Liedek." von 1569, Bl. 261. 

God wilt ons salveren. Auf desselben J. Schütz 

Gedr, bei Wackern.. Beitr. I. Nr. 67. Mart. Sp. z. d. 

Gheroert ben ick van binnen. Märterer zu Ypern. 
ffackern., Beitr. I. Nr. 65. Mart. Sp. z. d. J., S. 346, 

God, ick moet v claeghen. Joos Verbeck zu Ant- 
■brannt. Gedr. bei Weckern., Beitr. L Nr. 61. Mart. Sp. z. 
44. 



139 

1562. Ich verkündt euch newe mehre. Jörg Fries ein Laden- 
macher, im Rhein bei Köln ertränkt. In „schön Gesangbüchl." BU 
189a. Mart. Sp. z. d. J , S. 360. 

1562. Zu singen wil ich heben an. Auf denselben und Wil- 
helm V. Kepfel. In „schön Gesangbüchl." Bl. 186 a, „Ausbund'^ LS. 130. 

1562. Wj brengent nu an den dach ciaer. Henrik cleer- 
maker zu Utrecht gerichtet. In „Veelderh. Liedek*" v. 1569 Bl. 235. 
Mart. Sp. z. d. J., S. 359. 

1565. Hinweg ist mir genommen. Matthias Cerfas zu Köln 
gerichtet. In „schön Gesangbüchl." Bl. 201b; „Ausbund" I. 14 6. 
Mart. Sp. z. d. J , S. 404. Ein im Gefängniss von ihm gedichtetes 
Lied: ^^Mit angst vnd not ruff ich dich an" findet sich im „Aus- 
bund" I. 226, mit dem Akrostichon: Mathes Cdrv ww von Ottennem", 
in der Mitte in Unordnung gerathen, falls nicht ein Satz in Anfangs- 
buchstaben der Worte ausgedruckt darin steckt. 

1565. Hort zu ir Christen alle. Bruder Conrad zu Dollen- 
dorp am Rhein gefangen und zu Honnef mit dem Schwert gerichtet. 
Akrostichon: „Heinrich Koenen von Breidtbach Conrad F. S. Koch S. 
'ö „schön Gesangbüchl." Bl. 205 b* 

1570. Nun hört jhr freundt ehrsamen. Arent von Essen, 
"rsel, Tryntgen und Neeltgen, zu Maestricht gerichtet. In „schön Ge-- 
sang.*' BK 232a; „Ausbund" I. S. 165* Mart. Sp. z. d. J., S. 606. 

1570. Haegh, lustig priel. Vier Pastoren im Haag ver- 
l>raniit. Gedr. Wackern., Beitr. I. Nr. 78. Wol die im Mart. Sp. z. d. 
•'• S. 610 besprochenen Personen» 

1571. Lied auf eine alte zu Amsterdam verbrannte Frau. In 
?,Voolclerh. Liedek." von 1580. Wol Anneken Heyndricks, Mart. Sp. z. 
<*• J-, S. 648. 

1571. Ach Gott wir thuen dir klagen. Lied auf Wolf 
Pi^fi^r, 8. u. Nr. 5. 

1571. Merckht auff ir lieben brüeder mein. Auf Hans 
^^^Bel, 8. u. Nr. 6. 

1571. Hört zu was wir euch singen thon. Auf Hans 

B^tner, s. u. Nr. 7. 

18* 



1577. Merckh auff du war christliche gmain. Auf M. 
ir, P. Glockh und V. Urmacher; ß. u. Nr. 8. 

1582. Das Cronickel enthält za diesem Jahr ein Lied auf Heinr. 
ler und Jacob Mandel, ertrftnkt zu Baden in der Schweiz. Mart. 
. d, J., S. 879. 

1583. Im Cronickel ein Lied von Melch. Platzer, zu Feldkirch ver- 
,t. Mart. Sp. 2. d. J., S. 880. 

I58t. Im Cronickel ein Lied auf Andre Kirchner oder ZiDg:ler, zu 
ndera geköpft. Mart. Sp. z. d. J., S. 882, nennt' ihn Pirchner. 
3ie Gesammtzahl der hier aufgeführter. Lieder beträgt 65, eine 
uhafte Summe blutiger Unmenschlichkeit und religiöser Yerirrungl 
sieht, dass die nun hier folgenden 8 Lieder unserer Handschrift 
n den anderen Sammlungen nicht finden. Viere von ihnen (Nr. 
I setzen die Reihe der gedruckten Lieder chronologisch fort. Da 
nun in Pribltz bei dem regen Wanderverkehr zwischen den Ge- 
len jene Sammlungen ohne Zweifel kannte, so beabsichtigte der 
iber der Handschrift wohl bewustermaassen Zusätze zu den sonst 
aten Liedern aufzuzeichnen. 

)lgung zu Steinabrunn). No. 1. 1539. 

Geschieht der reraolgnng zn Stainebrnn. 

Im thon: An waaserflässen Babilon. 
Iti Steinabrunn (Oesterr. u. d. Enns, bei Poisdorf im Unter- 
irtsbergkreia) hatte sich kürzlich eine kleine täuferische Gemeinde 
imelt, 80 erzählt der „Martelaers Spiegel" z. J. 1539; es befanden 
ibea dort auch solche, die noch die Taufe nicht erhalten hatten 
ine Anzahl solcher, welche mit Busse belegt waren. Durch diess 
:e wird die Angabe des „Cronickel'*, es sei grade eine Versamm- 
von Brüdern abgehalten worden, bestätigt. Am Abend des 6. Dez. 
wurde dieselbe durch einen auf König Ferdinands Befehl von 
mit dem Profoss und Reisigen herbeigekommenen königl. Marschall 
aoben. Gesondert sperrte man die Männer und die Frauen ein. 
lern die Nacht unter Plünderung und allerlei Gewaltthätigkeiten 
ssen, führte man die Gefangenen nach dem nahe gelegenen Schloss 
Dstein. Die noch Ungetauften und die Büssenden erklärten sich 



^«* U-V. _4. 



141 

bereit, das Loos der Brüder treu zu theilen; dafür wurden sie von 
diesen zu rechten Gemeindegliedern erklärt. Am Weihnachtsabend fand 
Dater Anwendung der Folter ein Verhör statt. Noch vor diesem wird 
^ Gefänguiss das folgende Lied gedichtet sein, da es von allen fol- 
genden Begebnissen nichts weiss. Das ürtheil erfolgte nach 6 wöchent- 
'^Ciher Haft, nachdem, wie es scheint, dennoch einige der Brüder den 
^x^oliungen gewichen waren: die Frauen entliess man nach Haus, die 
^^h brachen und Kranken behielt man im Schloss, einige Junge brachte 
^^^ti als Knechte hie und da unter, an 92 aber (das Cronikel sagt: 
^i €0) wurden zu Kriegsdiensten auf der Flotte verurtheilt, während 
^^unntlich aller Kriegsdienst gegen ihre Satzungen verstiess. Zu je 2 
einander gekettet, wurden sie unter vielfältigen Plagen und Qualen 
^W^Y Wien auf der Strasse des Sömmering nach Triest getrieben. Hier 
aber gelang es ihnen am 11. Febr. 1540, indem sie, sich an den ihnen 
hier abgenommenen Stricken, mit denen sie gebunden gewesen waren, 
an der Mauer herabliessen, zu entfliehen. Die Meisten gelangten glück- 
lich bis zu den Gemeinden in Mähren, wo sie mit Jubel empfangen wurden. 
Nur etwa 20 wurden bei Laibach wieder ergriffen und wirklich auf die 
Schiffe geschickt. Von diesen, fügt der Martel. Sp. hinzu, habe man nichts 
weiter gehört, doch sei gewiss, dass sie lieber jede Mishandlung erdul- 
det, als durch Handanlegung zu Kriegsdiensten das Gebot gebrochen 
hätten. Das Lied hat das Akrostichon „Veruolgungslied**. 



0) Ton trüebsall, schmertzeu, ellendt gross 
vnd von dem creutz des Herren 
über die fromen gottes gnoss 
soll ir ein klagliedt boren ; 
2u Stainebrnn im Oesterreich 
&o ainem sambstag abent gleich 
itD neun vnd dreissigen jare 
<les Sexten tag deccmber spat 
o hört ein gach erschrocklich that 
^ber das hauss des herren! 

v^) Bla waren bey einander thon 

vil brüeder vnd Schwestern frome, 
in frid vnd lieb, ainigkait schon 
Versamlet, weiss kein sume, 



ir dichten, trachten war in gott 
Yom gsatz vnnd sein heilligen gebot 
in warheit, lieb ynd glauben; 
vnnersehens kam die alte schlang 
mit hellenpart, schwert, spiess vnnd 

stang, 
za morden vnd zu rauben. 

(3) Bingten da vmb die gmein so fromb, 
mit list handt sis angfangen; 
gewert mit gschoss königs profoss 
grimig ins hauss gegangen, 
beschaut vnnd bstelt die örter recht, 
gedachten zfahen gottes knecht, 
die fromen diener alle: 



las, 
>en; 

Sten sie, 
;)it«D8 vil, 
xeiben 
fromb 

indt, 

id Uaden. 

D thnen 

el 

let nan 

nen; 

>D zae, 

er thue!" 

en, 

bilgram 

c best: 
nen !" 
hoff in, 

sQn 

>n Test, 
best, 

it Ion, 
irOeder 



cbt. 



Buechten docb dz rerborgen, 
die kraockhen tribens anch für her, 
fener halteten sie vmb vns her 
bis an deo hellen morgen; 
„secbt auif, secht anff, kainer ent- 
• lanff, 
mQessen aufs schloss Falckhstain 

binanff, 
vom kQnig ists erworben !" 

(8) Vnd also tribens hin znletzt 
brDeder ein f^rosse same 
gleichwie die schäflen zu der metzg, 
die Schwestern tbetens bannder 
vnnd lieesen sie verbieten wol; 

ir hertz was laidt vnd tranrens toI, 

dz man also thet schaiden 

den man vom weib, die freündt 

entzwe; 
das kindt von irer mneter leib; 
ach gott, da war gross laide! 

(9) Nichts liebers wer in do geweat, 
als mit einander zsterbeo, 

wer es des vatern wil geweat; 

an gott tbeten sis werben; 

aber es mueat geecbaiden sein, 

die brfieder fOert man zu der peio: 

„mfiessen alda erwarten 

des vatern will, im halten süII, 

setzen im doch nindert kein zil, 

mfiessen darcht enge porten." 

(10) „Gar hertzen liebsten brfieder mein, 
das lassen wir gott walten, 
wir die jetzt Qberbliben sein, 
dem vatern wol behalten, 
wir warten gleich eins solchen spill, 
trfiebsall, ellendt, bis wier dz zill 
mit frefiden mOgen erreichen ; 
gehabt euch wol, seit fteOden vol, 
der lierr wil vds damit nur wol, 
ea sindt die letzten zeichen." 



143 



i^l) ,^Laidt each ein zeit, gott ist nit 
weit, 
ir heilligen vnd ir fromen, 
dz ende ist da, seit wunder fra, 
die letzt stundt ist schon komen; 
ir gotlossen, besünt euch recht, 
f) künig sambt deinem geschlecht, 
du bist gefangen gnumen 
^om Antechrist, der pfaffen list, 
^ schau wie du betrogen bist, 
zu morden jetzt die fromen !^' 

\V^) „Jtz schreit ir bluet hinauf zu 
gott, 
wee dir; o sun Pharaonis! 
gedenckh wie es dein Vätern gieng, 
Senacherib dem künig, 
Antiochus, Joas, Saulus, 
erstochen vnd erwürgt on bness, 
Holofernus der starckhe, 
Goliath gross, Hamon skünigs gnoss, 
am galgen der erhangen was, 
weit auch die fromen schinden." 



(13) „Erst wollen wir frisch vnd frölich 
sein, 
hertzliebsten brüeder alle, 
weil vns die weit veruolget gmain, 
ist vnsers vaters gfalleii; 
wissen erst, dz wier im lieb sindt, 
zuchtigt allein sein liebe kiudt; 
probirt bewert wies golde; 
brüeder mein, ir solt nit wain/ 
frölich getrost im herren sein, 
hat vns von hertzen holde/^ 

(15) „Darumb wöln wier hoffen anff gott 
vnd kempffen mit vertrauen; 
im augenblickh die gotloss roth 
wiert gott der berr zerhauen 
vnd seinen kindlin helffen schon, 
die in in nöten rüeffen an ' 
vnnd loben seinen nammen. 
Lob eer vnd preiss mit höchstem 

fleiss, 
der vnns auff dissen weg hat gweist, 
wer gott recht liebt, Sprech amenn !^' 



(Verfolgung in Mähren.) No. 2. 1548 S. 

Geschieht des yerflossenen tmehsals im Vngerlandt 

gsang weiss gestelt. 
In der melodey: An wasserflüssen Babilon. 

-Als nach der Niederwerfung der Evangelischen im Schmalkaldischen 

üri^^^ sowol die Böhmischen Brüder wie die täuferischen Brüder- 

S^^^^inden sich ihren Satzungen gemäss w^eigerten, an den Steuern zur 

Fortsetzung des Krieges theilzunehmen, beschloss König Ferdinand ihre 

^^■^ilgung mit aller Strenge durchzuführen. Die adlichen Grundbesitzer 

y^ Fähren, welche bis dahin auf ihren Gütern die Täufer geschützt 

w&tteii, mussten sie jetzt fallen lassen und es begann eine allgeiüeine 

Austreibung derselben. Das „Cronickel" berichtet darüber folgendes. 

Ivierst begaben sich die Brüder mit soviel ihrer Habe^ als sie fortschaffen 



Mähren 1548 nach Ungarn, wo sie auf den Besitzungen 
:it auf Holitsch und Franz Xiari auf Braniach Aufnahmo 
' im Herbst, als Peter Bäkit vom Augsburger Reichstag 
rurden sie auch von hier verjagt. Sie zogen wieder nach 
aen Wald bei Rohatec (Herrschaft Straesnitz). Von hier 
4 Brüder aus, die in Polen und der Walachei nach 
suchen sollten , aber unverrichteter Weise heimkamen, 
'assnitz mussten sie weiter Süchten und sich, um Nahrung 
kleinen Rotten in Wälder und Bergen umhertreiben. Als 
{önig Ferdinand nach Mähren kam, verschärfte er aufs 
lot ihrer Austreibung und nun zerstreuten sie sich in 17 
leilt, jede unter eigenem Föhrer durch Oesterreich u, s. w. 
ste Jahr, sagt das „Cronikel", lebten sie in dieser Trübsal, 
ind die Un vertilgbaren wieder in die Mährischen Sitze 



let, was ich singen wil 

ad groBsen schmertzen; 

od trfiebsal war so tU 

imen hertzea, 

äff in Vngerlandt 

n Fftcket Peteru guandt, 

Q grim eizaigen 

rnad alt, kejns schODeos 

mit frefflicbem gewalt 
I g&QztJicb naigen. 

dieser not so gross 
ir schnell erhebea 
imen gottesgnoss, 

tbet maus anlegen ; 
ten in dem landt 

gar ril scbmacb vnd 

it geferden 

gsiudt, gantz scbnel vnd 

dt 

I fromeu gottes kindt 

eranbet werdten. 



(3) Man ordnet allenthalben wol, 
tbet TÜ Wächter aufstelleo, 

das man die fromen behfieten soU; 
waren böss gotloss gselleo, 
beten bey tag vnd Nacbt Dar fleiss, 
der fruuien narung vnd ir speisa 
alle an sich za ziehen ; 
kein lieb, gnadt gar verhanden w&r, 
on mitl maest die frome schar 
aus iren beQsern Sieben. 

(4) Der Bäckhet schickbt auch pauren ans, 
die holtz sollen abbauen 

vnd ftieren fllr der Iromea hanss, 
galgen daraus zn bauen ; 
das tbeten sie mit allem fieisa, 
pauten galgen sehr eckhlicber weiss 
f^ die henser der frumen; 
gross angst vnd oot durch bOse roUi 
zur prob der frumen üesa da gott, 
Tber sein kindlen kumen. 

(5) An allt vnd kranckh brauchtens vil 

gwalt, 
an krampen vud an lamen, 



145 



f 



i 



< 



iDuesten zur kalten zeit in walt, 
keins tbet man nit verschonen; 
die maeter gleich eambt irem kindt 
muest bin ins elleudt balt vud 

gscbwindt 
von irer bhausnng fliehen; 
-. ,. man raubt vnnd stall in fiber all 
^nd nimstn. gleich in solchem fal 
-^ie thier in walt binfliefaen. 

(&y 3Ss war gar kein erlarmen nit 
^er alten noch der granen, 
^er sengliog noch scbwangern biemit, 
^ednlt mit in za haben ; 
*<lie bandlung war zu gransamlicb, 
'^as docb zu nil wer an ein vicb, 
•den frumen giengs zu bertzen, 
drueg jedermann vil dings darnon, 
der fmmb mnests alles geschehen Ion, 
Sachs an mit grossem schmertzen. 

Muesten also von hoff vnnd banss, 

darzue iren weingart alle, 

sucb irem veldt vnd äckbern daus 

vnders B&ckbit gewalte, 

von speis vnd tranckh vnd allen 

sandt, 
was sich in iren beOsern fandt, ^ 
gar schnei werden fbrdrungen; 
den man vnd weih wars alles frey, 
zu rauben bet niemandts kein scbeflcb, 
die alten noch die jungen. 

<8) Ir begiert stnendt nach der frumen 

guet, 
wie sies möchten erschleichen, 
im vddt nocb walt balff gar kein 

buet, 
den rauberft zu entweichen; 
sie legten sich an alle ort, 



7, 4 d. L sie mnaten alle Felder, die sie auf 
dem Grand und Boden des Bäckit besaasen, 
verlassen. 

Abb. d. III. CL d.k Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abtb. 



bbranbten die frumen hie vi|nd dort, 
vil klajder sie in namen, 
aucb ross vnnd kfie, vil anders vicfa, 
des muest der frumb verzeihen sich, 
ins ellendt muest er danen. 

(9) Im tausendt vnd fünfhundert jar 
im acht vnd viertzigen eben 
den driten tag octobris zwar 
hat sich solches begeben, 
das man in allen gebot zu bandt, 
zu ziehen aus dem Vngerlandt, 
muesten ir baab verlassen, 
vil trait vnd wein, gemeste schweift, 
vil bandtwerckbzeug tbet auch da sein, 
muestens als binden lassen. 

(10) Ir wüeten bet kein ort nocb endt, 
die frumen muesten ziehen, 

die klainen kindt aucb schnei vnd 

gscbwiud,t 
von irem essen fliehen; 
die schwachen muesten aus dem bet, 
kein frist man in nit lassen tbet, 
kein gunst war da verbanden; 
den jungen kindt aucb kranckhen 

gsindt 
wardt weder tag nocb stundt vor- 

gündt, 
dnacht ist vor inen gestanden. 

(11) Die kindem waren n%cb irer weiss 
zu tisch schon all gesessen, 

sie danckhten gott vmb speiss vnd 

tranckh 
vnd weiten gleich nun essen, 
da kamen die gotlosen bald, 
triben die kinder mit gewalt, 
tbetens von essen jagen, 
drugens daruon, das essen blib stan 
bis auff den andern tag hinan, 
solch vnbil ist zu klagen. 



8, 9 darauf maaste der Fromme Terzichten. 

19 



ilich biten doch, 

ngen 

od ktein kindern, 

f za biben 
gen auf den tag; 
■ kein zusag, 
Tnuerhollen : 
s, keine bleib im 

izumal, bioauss, 
«nolbeu " 

das abeutmal, 
ch wolt essen, 
: grossem schall, 
ssen, 

it essen lan, 
ff dem herde stan, 
Bit es welckhen, 
, der taig im trog, 
rrQtet lag 
betckben. 
barmen wol, 
'iid schmertzen, 
i eilenden vol 
tzen 

laiiien kindt, 
im gottloss gsindt, 
1 ranben, 
lie frome schar, 
It verlor, 
b hrauss klauben, 
wol beladen tfaet 
klaine, 

e hint'fiereu tbet 
;maiDe; 
1 klaiue weil, 
lon mit eil, 
rmb wenden, 

zuruckb ans landt, 



da mnesten die gnten kindt alsandt 
in weudt vnd kelt zu landen. 

(16) Liessen alJa die kindleu klaia 
gar lang am Trfdr sitzen 

vnd spotet ir die gotloss gmain, 
sagten sie sollen ^bwitzen, 
triben aUo freffel vtiud gewalt, 
den kindern war die nacht gar kalt, 
theteu seer hart erfrüeren, 
warn zuesam gsetzt so lang bis zletzt 
sie iren Bchalckb an in ergätzt, 
theten sies in dschuel f^eren. 

(17) Er schickhel auch hosaren aus, 
liess etlich brQeder faben, 

sie namens gfangeo in dem hanss, 
dz es ir weiber sahen, 
sie fäertens hin ins gschloss hinein, 
mnesten bIso gescbaiden sein, 
vil schmertzen tbet sie vmbfangen, 
dz netb vom man siegschaideo hao, 
solch zwang tbet man den frumen an, 
auf scblossberg ist ergangen. 

(18) Die ding nit zu erzellen sindt, 
was sich als bat ergangen 

dnrcb W&cket Peter vnd sein gsindt, 
wie er auch bat augfangen 
mit seinem grossen lüst vnd trug, 
darzu mit seinem scbalckh vnd lug, 
ir hart arbait zu rauben ; 

15. 10 in Wind und Kälte. 

16, 10 d. h. «Ol, in du Scbolhaui der Täafer- 

geineinde. Die ErTähtang ist etvu nn- 
klar; wenn ich recht verBtehe, so trennte 
man nar einetweilsD MSnner, Ffaaen und 
Kinder, am Eie auf dieie Weise leichter 
mm Heraoegeben aller ihrer Hiibe in 
iwiagen. AneU in ütaiuabrunn (i. o. Nr. 1) 
trennte man Uäoner und Fraaeu, nm- 
ihren Widentand leichter zu brechen, 
üaram fährt dann Str. 19 fort : deshalb 
mauten lie «ich in ihi Schicksal ergeben. 
nnd logen mit Hinterlaamng ihrer Habe ab.. 



147 



er ist ein man, sein wort thoet bstan, 
gleichwie der staab in der san 
thnet gan, 
t^^^ gar nicht ist im za glauben. 

Also thet sich die frome schar 
willig in trQebsall geben, 
man, weib vnnd kindt, kranckh 

alle gar, 
gross eilend thet sich heben, 
sie zogen al zugleich dauon, 
ir gfieter mnestens hinden lan 
dem vntreuen gesinde; 
vber die March schifftens die nacht, 
im walt da haben sie gedacht 
ein weil herbrig zu finden. 

(20) Ynd lagen da ein klaine zeit, 
kein sichrung war zu hoffen, 
die rauher kamen, gotloss leQt, 
thetens alles ans gaffen, 
im leger giengens hin vnnd her, 
Spechten was inen tauglich wer, 
das thetens auch hinnemen, 
dmngens daoon ; der frumb sachs an, 
war frey zum raub gleich jederman, 
gleich wie der vogel in lüfften. 

•(21) Da brachen sie bald wider auff 
ynd theten lUrbass ruckhen, 
der arme vnd eilende hauff 
maest sich schmiegen vnd tuckhen; 
sie zugen nur ein halbe meil, 
der richter kam auch her mit eil, 
beaelch thet er für tragen: 
itgar schnell vnnd halt mit jung 

vnd alt 
ziecht all aus meines herren walt! 
Vekpurger lasts euch sagen/' 

v2) Sie beten nun kein phitz so gar, 
kern ort nindert verbanden, 
kein stat nindert zu hoffeu war 
^ gar in allen landen; 



sie schickten sich ins ellendt halt, 
zue leiden drang, trQebsall vnd 

gwalt, 
Hessen sich in die veeren, 
zogen dauon, beim glauben schon 
thetens in grossem truebsall bstan, 
ir hoffaung war zum herreu. 

(23) Desgleichen auch der Kare Frantz 
thet seinem amptman schreiben, 
dz er aufl all sein grüoden gantz 
die fromen seit vertreiben 

in Märhem vnd im Vngerlandt 
nachs königs beuelch, deu er gesandt 
bey verleärung seiner hulden, 
dz maus zu handt gleich allesandt 
von allen orten in seim landt 
weckh schaffen solt, kein dulden. 

(24) Er thet die brfleder bhrQeffen bhendt, 
solch botschaft.inen sagen: 

„mein herr hat mir beuelch gesendt, 

ich solt euch all verjagen; 

ir müest dauon, nit änderst dran, 

80 macht euch schnell wol auf die ban, 

wil euch belaiden lassen 

zue fuess vnd ross die rechte strass 

bis an die grentzen rechter mass, 

kein laidt soll euch anstossen. 

(25) Da brachens auff all in gemain, 
in trüebsal sich ergaben, 

die alten jungen gross vnd klein, 
den bschaidt theten sie haben; 
man liess in gar kein weil noch zeit, 
muesten gleich all in disen streit, 
der kämpf stuendt in entgegen; 
zugen daruon an dMarch hinan. 



28. Hier beginnt die Erzählung der Schicksale 
einer zweiten Brüderschaar , welche von 
den Besitzungen des Niary, wie jene erste 
Schaar von denen des Backit, ausgetrieben 
wurde. 

19» 



odt sie all anff freiem blan 

StrSsDitE hart gelegen, 

iliben sie die~gantz8 Dacht; 

leh den andern tage 

ens alt Aber dMarch gebracht,' 

e brfledern lagen, 

n zum andern hauffen halt, 

n legtens sich ia den walt, 

tbetens beiaameo 
ig vnd uaebt, von gott bewacht, 
1 nie die thtter in solchem acht 
ralt ein zeit lang woneo. 

bat gott sein heillige gmain 

len tiranen allen 

I seinen starckben arm allein 

; nach seinem gfallen; 

erts mit seiner gwaltigen haodt 

lern greQlichen Vngerlandt, 

hilff thet ez beweisen, 

^Isen rath zn scbandeu bracht, 

sr hats als in seiner macht, 

volckh tbet er recht weisen. 

ralt lagens fünff wochen lang 

■in meil wegs von Str&ssnitz, 

I do selbe anch grossen zwang 

er m&rheriscben grenitz, 

i alda in wilden walt 

nnb vnd kindt, krauckh, jnng 

Dd alt 

laidt thet sie austoBsen, 
og man aus nackbendt vnd bloss, 

raubt Tod mOrdt die gottes 
;nos8 

tllen wegen vnd Strassen, 
leten weder rue nocli fridt, 
angst warens Tmbgeben, 
ten sich da erhalten nit, 

1 auf dem linken Ufer auf der Mäb> 

len Seite. 

hige träte Schaar. 



im walt wars in vnglegen; 
da mnest es jetzt geschaiden sein, 
das war der fromen grOste pein, 
ir versamlung zn aerlasseo, 
sie tristen sich doch sicherlich 
der zasag gottes kräfUcblich, 
machten sich auf die Strassen. 

(30) Es war doch jetzt nit änderst drao^ 
zeratrftnuDg solcher messen, 

zne riehten anff die schmalle ban 
vnd geen die enge Strassen ; 
da theten sie nun ordnen wol, 
ein jeder sieb vest richten soll 
mit lieb gedutt vnd glauben, 
das sol er bau, darin bestan, 
kein angst vnd not sieb achreckhen lan^ 
der warheit zu berauben. 

(31) S; namens an als mit gednlt 
willig den trüebsall tragen, 
darhey erkentens gottes hnldt, 
das er sie lieb thet haben; 

das war in allen die bOcbste peiu, 
dz sie selten zertrennet sein, 
nfitzer sich dnockben Hessen 
zeitlichen todt, dan diese not, 
beraubt zn sein des faerren wort 
vnd sich zerstr&en mäessen. 

(32) Doch weil es nit kundt anders sein, 
sich also mflessen trennen, 

gaben sie sich mit willen drein, 
vrlab theten sie nemen, 
botens dem andern zletzt die bandt, 
tauten sich bin vnd her ins landt, 
eins thet dz ander gsegnen 
ins herren frtdt, zogen hieDoit' 
von andern, wist auch kaines nit, 
was in weiter wirt gegnen. 

(33) Tailten sich zbandt ins gantze landt» 
mnesten ins ellendt ziehen, 

gross gferligkeit stiess in zu handt,. 



14» 



) 



theten den vobült fliehen; 

man trib sie hin vnd wider her, 

sie muesten dulden gross gefer 

mit krauckhen vnd auch alten, 

ja klainen kindt, auch lam vnnd blindt 

wart weder etat noch blatz yergünt 

za dorff veldt vnnd auch w&lden. 

(34) Das weret disen winter lang, 
das man sie thet vertreiben, 
heten mangel an speiss vnd tranckh, 
man Hess sie nindert bleiben, 
verbot in hauss vnd herbrig gantz, 
aus haubtmaus beuelch im Märher 

landt 
vertriben solten werden, 
nach künigs bschaidt, der pfaffen neidt 
muest die frome schar jetz gantz 

vnd gar 
kein ort haben auff erden. 

(35) Man schickht aus brfieff vnd generali, 
das thet gar weit erschallen, 
machten ein bundt mit gemainem hall 
wol nach des kQnigs gfallen; 
der schreckh vnd forcht was bei im 

gross, 
dmmb man den fimmen gotes gnoss 
kein fridt nit Hess im lande 
in grossem drang, armuet vnd zwang, 
weret in das vierte jar lang, 
kein end war noch verbanden. 

(36) Der Trumb wolt sich nit schreckhen lan 
ans seiner hoffnung veste; 
darumb muestens gross trüebsal han 
als die bilgfam vnd geste; 
der kfiuig droet mit grossem zorn: 
),es hilft kein bit, es ist verlorn, 

^t 3 d. h. die Landesherren, welche sie bis da- 
bin geachfitzt hatten, Yerbanden rieh jetzt 
dem kdnigl. Befehl gemäss zu ihrer Yer- 
treibimg. 



die sect refit aus zu banden, 

wer sie versteckht, wirt gstrafft vnd 

gephleckht, 
dann sie mfiessen alle hinweckh 
aus allen meinen landen/^ 

(37) Also muest der frumb sich tnckhen^ 
vor dem gottlossen hauffen, 

thet darbieten seinen ruckhen, 
darüber sie im lauffen, 
ja alle angst thuen sie im an, . 
hinder dem zanm kain rue kan han,. 
aus dem walt muest er draben 
in felsesklufft, auch grueben tieff, 
heckhen vud standen, sie durchschlieff ^ 
kein bleiben sie nicht haben. 

(38) Es thet bej drithalb hundert kindt 
zu Gät im Vngern wonen, 

gar vil alt, kranckh, krump, lam 

vnnd blindt, 
die all ir narrung nanren 
von iren brnedern hin vnnd her, 
hieltens nach apostlicher leer, 
der gmainschafft sich befleissen^ 
in irer not schickhtens in brot; 
es kam der hauptman desselben orts,. 
thets wider zuruckh weissen. 

(39) 's Marschalckhs amptman verbot 

auch zhandt, 
man sols nit faren lassen 
weder auflf wasser oder landt, 
sich seine herren grändt thuen massen,. 
„liess ausrQeffen auff ofnem blau: 
niembts sol mit in zu schaffen hau,, 
man soll sie alle meiden, 
ausgschlossen sein von vnsrer gmein *^*^ 
sagen, vnser leben ist vnrain, 
* drumb sich der frumb muess leiden. 



88, 7 sie leben in Gütergemeinschaft. 

89, 4 sie sollen sich des Grandes und Boden» 

seines Herrn enthalten. 



ra thoren man wilcliteT otett 

frumben emzulasseo, 

ler sich einen braeder inelt, 

g bleiben anff der gassen, 

iie nOlu allein chriatea sein, 

n VD8 Kur hellenpein, 

üern ein teufflisch leben, 

aser tbain sey ganU vorain, 

>n vns des tenffels gemain, 

rerdt vns den Ion geben. 

mb im landt bescblosseo was: 

die warheit tbuet bekennen, 
soll man tragen iieidt vnd bass 
leine güeter nemen, 
, berbrig, hoff versperren woll, 
indt »ich ir erbarmen soll, 
!r sie all ausstossen ; 
in kain rue spat viide fme. 
t sie werden madt viid müedt 
Iren glauben lassen." 
lanff legt sich ans wassergstat, 
elt thet«n8 auf schlagen; 
aarschalckhjleüt kai^en gar halt 
tbeten sie verj^en, 
ager tlietens zünden an, 
t der framb kein blatz thet ban, 
luesten daruon draben, 
folgern gschab, til kranckh 
nnd schwach, 
den bachofen zerbrach, 

mangel aSltena haben. 

bet die not vnd angst kuu 
ndt, 

;ret lange weile, 
frumb wardt glestert vnd ge- 
chendt, 

Bicbt dem gscblecbt der eillen,* 
ei tages Hecht darff wandlen nit, 
u siebt schüttet den kopff hiemit, 
sen eiu scbauspil werden, 



ein gspdt vnd hon vor jederman, 
alls vnbütl legt man sie an, 
wirt ghraubt vnd gschleicbt auif 
erden. 

(44) Zn Niclaspurger herschafft geschwindt 
die fromen sieb vil lüten 

von dem gotlosen ai^en gsindt, 

die im fräff'^l fDr schriten; 

man raubt vnd scblueg die frume 

schar, 
nam in wag da verbanden war, 
theten niemandts verschonen, 
kindtbetrin nit, lemig hiemit, 
den siechen Hessen sie kein fridt, 
got wirt ir sßndt belonen. 

(45) Balds füt den Liechteustaiaer kam, 
das in der erde theteu wonen, 
scbreckhliche ding er im färnam, 
er wolt niemandts verschonen, 

die. man wolt er erstochen ban, 
weibsbilt scbmeben vnd sehenden tban, 
ir eer zu rauben gare, 
der starckbe gott hilfft in der not, 
macht der tirannen radt vx spot 
vnd tbuet sein volckb bewaren. 

(46) Gross trOebsalt angst Sengs wider an 
zu GSt im Vngerlandte, 

da sieb die fnimen gsamlet hau, 
zu fliebn lastet vnd schände, 
im glauben sich erbauten schon, 
auf gott ein rechts vertrauen ban, 
waren bscblossen zu leiden 
zeitlich den todt vnd alle not; 
dnimb bewar sie ewiger gott, 
lass sie von dir nichts schaidea. 

(47) Als der Wflckit von Augspurg kam, 
thet sein hnsarn scbickhen 

mit kdnigs brief, zu zaigen an, 
ein jedes solt sich richten, 



43, 10 RDsgeraubt nnd siugeatohlen. 



151 



•■*»' 



.*.! 



1 






) 



za ziehen baldl wol aus dem hanss: 
„des kunigs leut knmen herauss: 
Yüd das bescbaaen werden, 
80 riebt encb baldt mit jung vnd alt 
oder ir müest mit grossem gwalt 
hinaus in gross geferden/' 

(i8) Den frumen war gar angst vnd wee, 
im laidt muesten sie scbweben, 
es war in verlegt der weg vnd steeg, 
keiner dörfft in berbrig geben ; 
der kranckh vnd kindt waren so vil, 
niemandts erbarmts in disem zil, 
handleten gantz vnbescbaidea, 
man bsetzt das hauss mit grossem 

prauss, 
vnd triben jung vnd alt hinaus 
wol auf die kalte baiden. 

(49) Gross fräJGfel vnd auch übermuet 
thet der gotloss bie treiben, 
stSdIen vnd raubten in das guet, 
im hauss dörfft kainer bleiben, 
sie warffen die kranckhen aüsm betb, 
kein entsezen do niemands het 
gantz nach viehischem willen, 
am todten leib beteus kein scheuch, 
namens gwandt vom verstorbnen leib, 
keins kundt sein geitz erstillen. 

(50) Der gotloss hauff kam bei der nacht, 
thets in dem beth aufifbeben, 
verjagt sie mit gewalt vnd macht, 
die brüeder fiengens eben; 
in eisen keten wurdens glegt, 
bey füess vnd halss maus zsamen 
scblegt, 

ins ghrichtbauss thetens komen; 

sie spertens ein in hennen schrein, 

prachten feur zu stossen drein, 

zuoerbrennen die fromen. 

50, 8 in den Habnerstall? 



(51) Sie brauchten vil der henckher stuckk 
an manen vnd au frauen, 

man bandt in dhendt woll auff den 

ruckh 
vnd tbeten in hart droen, 
auch reckhten sies nach benckhersart,. 
die Schwestern beim haar raufiftens 

hart 
vnd weiten sie mit zwingen: 
„die kranckh vnnd kindt tragt weckh 

geschwindt, 
das man morgen im hauss keins 

findt, 
oder ir raüest verbrennen!" 

(52) „Wir thuen es nit vnd fürchten gott^ 
das wir bandt soln anlegen, 

lieber leiden zeitlich den todt; 
es möcht kosten ir leben, 
das wirs in diser kalten zeit 
soln tragen auff die haid so weit, 
hierin wöln wir vns freuen; 
der frumen muet vnd vnschuldig bluet,. 
das man jetzvnd vergiessen thuet, 
wiert hart zu gott auff schreien.'^ 

(53) Der gotlosea ein grosse schar 
theten ein lust dran haben 

vnd namen kranckh vnd kinder gar,, 
auf dhaidt theten sis tragen ; 
es lieffen zue frauen vnnd man, 
ein jeder wolt das besser hau,, 
die frumen mnestens leiden, 
dnrchsuchtens hauss all winckhel aus^ 
gsundt vnd kranckh muest all daraus 
woll auff die kalte baiden. 

(54) Die frumen beten grosses leidt 
vmb der kranckhen verderben 
in frost kelt vnd geferdigkeit, 
ir etzlicb theten sterben; 

noch war do kein erbarmen nit, 
den krankben Hess man gar kain fridt,. 



f4 



'U 






1ii 



^1 









# * 



i 



'1 



■ i 



Kl 



9ns als dbliaden, 
US Bcblaegen siea 

all Tom leger aas, 
uafiadeo." 
zogen sie aas, 
in schlagen; 
warn vom banss, 
kranckb, thetens 

h wol anff die fart; 
«r verfinstert wardt, 
eng der maasen, 
ieff; zu gott man 

d not in entgegeo 

ih auf Strassen, 
kalten Winterszeit, 
jare 

)b sich der streit 
schare 

1 in Vngerlandt, 
r ab sein handt, 
aiiff erden, 
t, ze dorff Tnd landt, 
it in sein schandt, 
lens werden, 
llen ist, 
maeston dnlden 
gkeit wegen, wisst, 
lenschen biüden, 
angenomen ban, 
ogen hren lan, 
den ghrichtet, 
uf vnd bäbstisch 



Lte gekommen om diese 
Aiutreibiin; daher «ne 



Tnd sagen frei, der kinder tauf 
bab der teafel erdichtet. 

(58) Dessgleieben anch der römisch gott 
ist TOD b&bstea erdichtet, 

er ist ans meel vnd nor ein brot, 

des ist man wol berichtet, 

das bezeugt die heillig scbrift vil; 

Christas gar nit hie wonnen will 

im tempel mit heoden gemachei; 

aber der gott, der in der not 

iuD setbs Dit belffen kaa aas dem 

koth, 
wirt von wflrmen verschmacbet. 

(59) AU was die bäbst haben erdacht, 
das than sie gar verfluecben, 
verachten den meuschlichen pracbt, 
dn andern weg sie SBCchen. 

„So last VD3 sie nur hindergeen, 
auff das wier doch mögen varstehn, 
ob got jetz fflr sie streitet; ^ 
nach irer sag streng man sie frag, 
mit aller pein mau sie hart plag, 
das sie werden aus ghreütet!" 

(60) Ein gross entpSning sich zuetmeg 
Ober all, die gott keoten, 

des Sathans neidt vnd bass sich hneb 

in forsten vnnd regenten 

wol durch - den babst vnd seio ge- 

scbwirm, 
welches den sein die rechten wirm, 
der menschen hertz zn durchnagen, 
mit irem thandt vnnd b&bstisch handt, 
verfüeren vast alle landt, 
mOnicb rnnd pfalf sein gros« plagen. 

(61) Die heben an zn schreien ranch, 
hofien es werd in glingen, 

wan sol halten den alten brauch, 
wer nit will soll man zwingen, 
das brot fSr ainen gott zu han, 
ein jeder soll dz beetra an, 



153 



der eer im sey verpflichtet; 

aus taig mans macht, ein gott drauss 

bacbtf 
die menschen haben es erdacht, 
solchen greuel auff gerichtet. 

(62) Der sich gar hoch erhebt vnd helt 
über Christum den herren, 

anch sich an die heillig stat stelt, 
verkeert christliche leeren, 
damit die warheit vnderdruckht, 
die lugen wider für her zuckht, 
niembtä soll darwider riügen, 
ists kaisers will, schweig jeder still, 
das die warheit nit für her quil, 
die lug ans liecht zu. bringen. 

(63) Den Antechrist man kennen soll, 
babst mit seim gschmierten hauffen, 
ist aller vnghrechtigkait vol, 
thuets himelreich verkauffen 

vmbs gelt mit seinem list vnd trug, 
verhaisset vil. ist alles lug, 
also die menschen verblinden; 
zKom ist der stuel, darauff die huer, 
die an sich zeucht mit seiner schnuer 
die fürsten vnnd regenten. 

(64) Der kaiser vnd der kunig frey 
ist von in gantz betrogen, 
durch iren falsch vnnd lugerey 
hans landt vnnd leüt an sich zogen, 
sagen freyheit zue an allen Verzug, 
so man in beucht sey ea genueg, 
den brotgott zu in klauben, 

auch kaufEen goadt nach babstes radt, 
dt^m vergibt er sein missethat, 
das soll ein jeder glauben. 

(65) „Wer das nit thuet vnd widerspricht, 
dem sola kosten sein leben, 

wie ein kötzer sol er sein ghricht, 
weil er thuet widerstreben; 



sein nam aus ghreitet, vns bericht, 
sonst bringt er vnser sach ans liecht, 
was in gheim ist angspunnen; 
so habt nun fleiss, das vnser speiss 
nit dschanden werdt, wie voriger 

weiss, 
das spill han wir gewunnen/^ 

(66) „Der kaiser ist ein heillig man, 
thuet vnsern handel fueren, 

der kinig hilfft im beistandt thuen, 
so darff sich niemand t rüeren, 
die Obrigkeit steet vns auch bey, 
so lasset vns nun schreien frey, 
das wir den sig volfueren^ 
wer sich auff sträubt vnd anders 

glaubt, 
der ist schergen vnd henckhern 

erlaubt, 
damit wöln wir studieren/' 

(67) Darumb ietznnd das heofflen klain, 
das »ich hat gott ergeben, 

aus gangen ist vons pabstes gmain, 
dem thnen sie widerstreben, 
sagen das sein leer lugen sei 
vnd bekennen die warhait frey, 
bezeugen auff liechter erden 
mit leben vnd that nach gottes radt, 
an schefich volgen gottes gebot, 
müessen veruolget werden. 

(68) Also ist dise grosse not 
Aber die fromen komen 

allein vmb des götlichen worts, 
den trüebsall ein genommen; 
sie blieben steiff in ir hofinung, 
auch in d^r warhait frumb vnd treu, 
bschlossen bey in all samen, 
bis an ir endt onabgewendt 
vest zhalten an dem was sie erkent 
zum ewigen leben. Amen. 



Abb. d. III. Cl. »1 k. Ak. d. WiBs. Xlll. öd. I. Abth. 



20 



Pirchner.) Nr. 3. 1556. 

Ain schon liedt. 

: Herr Christ ainiger gottes Bau, oder: da vatter aller giete. 
S. H. 

jr Prosabericbt Qber Hans Pirchner, welchen der Martelersp. S.' 
bt (er nennt ihn Pichner), erzählt die Begebenheit z. J. 1555; 
aa Cronickel, welcbea seine Gefangen nähme ebenfalls z. J. 1555 
et (hier wird er Purchner genannt) setzt hinzu, die Hinrichtung 
t 1556 erfolgt. Die Prosa im Martelersp. stimmt mit dem Liede 
lur in der Sache überein, sondern beide stammen wohl, da jeder 
liozelne Züge für sich allein hat, aus gleicher Quelle, vielleicht 
ler amtlichen Eintragung in die mährischen Gemeindebücher. 



lieh wolleo wir Bingen 
nndt in gotes nam, 

gebs vüs znuerbriDgen 
trost vns allen Sam, 

wier sein got ergebeo 
VDserm gantzen leben 

im nachvolgen schon. 
B wir zam vorbild haben 

herren Jesu Christ, 

sein cbreQtz aufgehaben 
. TDS vorgangen ist, 

wir nun gleicher massen 
h geeo die selbig sttasaen 
id allzeit sein geriat, 
1 creütz willig zu tragen, 
ebsall zne nemen ein, 
inen nit verzagen, 
wier gleich leiden peia, 
'i gotes warheit w^en, 

leben gar ablegen 

rechte junger sein, 

I nit allein in freüden 
1 herren bangen an, 



BDnder in allem leiden 
sich an im halten schon; 
dann wer dort will mit erben, 
mness hie mit Christo sterben, 
sich nichts absohaiden Ion. 

(5) Es ist doch sonst zum leben 
vnd zu der seellen bail 
kain anderer weg nit geben: 
wilt änderst haben tail 
ewig mit allen frumen, 

muest dicb des creütz nit schämen, 
den leih nur tragen fall, 

(6) Vnd dich nit besser achten, 
dan deinen maister ghrecht, 
darzue auch wol betrachten, 
durchrechnen alle gscblecht, 
so findet man das alle, 

die in gott haben gfallen, 
sindt worden hie verscbmecht, 

(7) Dnrcb vil trflebsall vnd leiden 
kumen ins himelreich 

zu den ewigen freüden, 
sindt Christo worden gleich 



155 



in crefitz, leiden vod sterben; 
jetzt werden sie auch erben 
mit im des vatern reich. 

(8) Gleich wies Christo ist gangen, 
Tillen aasserwelten auch, 

also thuet letzt gelangen 
vil grosser trOebsal rauch 
noch heut an allen fromen, 
vernolgung thuet in kumen 
recht nach vorigem brauch. 

(9) Der Sathan mag nit leiden 
die warheit gottes recht, 

er thuet vns hart drumb meiden, 
hetzt täglich an sein knecht, 
die selb gar zuuerstören, 
wiewol ers nit kan wören, 
die warheit besteet aufrecht. 

(10) Wieuil er auch der fromen 
zu diser letzten zeit 
ermordt, das leben gnumen 
durch seinen hass vnd neidt, 
noch thuet die warheit schallen, 
macht iren anschlag fallen, 

fr bluet das redk vnd schreüt. 

(1 1) Vnd thuet nur mer bewegen 
solchen zu denckhen nach, 
das sie erst zehertzen legen 
solchen vnbill vnd schmach, 
dz hie die frumen leiden, 
drumb das sie vnrecht meiden, 
volgen dem gueten nach. 

(12) Es thuet dem Sathan zoren, 
das all sein roueh vnd fleiss 
vmbsunst ist vnd verloren, 
versuecht all weg vnd weiss, 
thuet seine kindt antreiben, 
vil frume zu entleiben, 
zehindern goites preiss. 

(13) "Wie unlängst auch ergangen ; 
der teufel gar entrfist 



zu wüeten angefangen 
vnd vast ergrimet ist, 
weil im etlich entzogen, 
kan er es nit ertragen, 
tobt wert zu aller frist. 

(14) Wir künen nit erlassen 

vnd müessen solche gschicht 

erzellen aller massen, 

wies hat verloffen sich. 

Im fünff vnd fünflftzigen jare 

ein brueder gefangen wäre 

zu Eortsch in Scblandrer ghricht. 

(15) Als in der scherg gefunden 
vnd überfallen het, 

hat er in zhandt gebunden; 

der brueder im zueredt: 

„got wiert es an dir rechen!" 

der scherg thet widerumb sprechen: 

„wolt nit nemen gross gelt, 

(16) Das ich dich geen solt lassen! 
füert hin den brueder wert 

ins ghrichthauäs gefangener massen; 
der pfleger in verhört, ^ 
der thet halt zu im sagen: 
„thue ich dich ainmal haben, 
verfüerischer prophet !'* 

(17) Der brueder sprach on zagen: 
„pfleger, red nit also, 

ein frumen thuet ir haben." 
da schlueg er in darzue, 
möcht sich nit gn^egsam rechen, 
wolt den brueder erstochen, 
der statknecht weret ab. 

(18) Der teu£fel het besessen 
den graussamen tiran, 

er handlet gar vermessen, 
fuert in alsbald hinan 



18, 7 etwa: tobt, mordt zu aller frist. 

14, 7 Kortsch bei Schlanderd, Reg -Bez. Brixen. 

20* 



(24) Sie haben ia zerrissen, 
das er von im selb nit 
het rotten aoff sein ffiessen 

:ckhet nur fSr sich geeo ein trit, 

noch mit den henden zum munde 

:het das essen tragen kandte, 

het gar kein rae noch fridL 

(25) Er liess sich gar nichts krenckben, 
wie man im immer tbne, 
sein bertz thet sich bot lenckheo 
nach der ewigen nie. 
Als sie nun solcher massen 
nichts richten, honds in lassen 
io einem stock darzae — 

(26) Mit beden fOesseu schlagen, 
darin verschlossen wai, 
beraubt des liechts der t^en, 
mer dan ein halbes jar 
gar hdrtigklich gefangen 
mit gednlt in grossen zwange, 
Terliess sich aaff got zwar. 

(27) Gross äeiss thetens anlegen, 
brachten giert leüt zu im, ^ 
ob sie in möchten bewegen, 
bringen auff iren sQn; 
edlleüt, münich vnd pfuffen 
gaben im vil zq schaffen, 
ee dan man richtet in. 

(28) Die bachorne roth der pfaffen, 
mfinich vnd aller thandt 
des gantz geschmuerten hauffen 
wardt gmacht durch in 7.ue schandt 
er redt freDdig on schreckhen. 
sein leib wolt er dran streckhen 
durch bilff des herren bandt. 

(29) Als nun nichts mochten schaffen 
zween tag, eia gantze nacht 
mit irem list der pfaffen. 



), 3 wol; mit irem litt die pttttten. 



157 



baben sie sich bedacht, 
ein kotzer in zu nenen, 
mit feuer zuaerbrenen« 
des lebens nit wardt geacht. 

(30) Das vrtail thetens sprechen, 
erkenten in zum todt; 

got wiert es noch wol rechen, 

wee da blinde roth! 

die geschwornen in dem ghrichte 

weiten verhelffen nichte 

zu des vnschuldigen not. 

(31) Doch als man sie thet dringen, 
beten sie kain kraSt nit, 
Sander liesen sich zwingen, 

dz möchten haben fridt; 
ee dan sie übergaben 
des königs huldt zu haben, 
stimbten sie zgleicb damit. 

(32) Wie nun zusamen kamen 
die falschen Herodesknecht, 

die geschwornen all mit namen, 
füerten ein falsches recht; 
ein vrteil thetens sagen: 
„das haupt sol man abschlagen 
den fromen gottesknecht.'' 

(33) Da im snlches wardt kundte, 
preist er von hertzen gott, 
das kumen wardt die stundte, 
ein end der grossen not; 

er danckhet got von hertzen, 
der in von disem schmertzen 
weit helffen durch den todt. 

(34) Die vrgicht thet man lesen 
mit lug vnd lestrung vil, 

ist vil vcickhs darbei gwessen, 
der bnieder schwig nis Stil, 
thets mänlich widersprechen; 
den Stab theten sie brechen, 
das volckh het ein vnwil. 



(35) Sein vnschaldt thetens merckhen 
vnd sahen sein gedult, 

das er mit kainen werckhen 
den todt gar nit verschult; 
der frei man sprach zae malle: 
„ist frömer dan wir alle, 
sag ich, was es mier gilt/' 

(36) Als man in thet aasf&eren 
zur richtstat auf eim ross, 
hat er zum volckh geschrien 
aus seinem eififer gross: 
„wolt gern zway mal sterben, 
wen do durch vom verderben 
ein mensch möcht werden loss!'* 

(37) „Thaet buess, thuet euch bekeren," 
sprach der frumb goteskuecht, 
„vnd wendet euch zum herren, 
verlasset das vnrecht, 

das irs leben mögt erben, 
nit ewig mQesset sterben, 
bey Zeiten euch fürsecht!'' 

(38) Also wardt er hingeben 
dem henckher in sein gwalt, 
dz er in solt vom leben 
bringen zum todt gar baldt; 
er richtet sich mit frefiden 
dohin, den todt zu leiden; 
der henckher thets dergstalt: 

(39) Laint in mit seinem ruckhen 
recht an ein holtz hinan, 

die knie mocht er nit buckhen, 
hat iu. enthaupt daran 
vnud macht also ein endte; 
das volckh thet sich vmbwenden, 
gieng traurig hin daruon. 

(40) Bedeockt hiebey ir fromen, 
wie diser mänlich helt 



89, 3 die Knie waren ihm zu sehr zennartert, 
als dass er hätte knien können. 



redlich endt genumen, 
)fier bebalten dz velt; 
; sein leben dermassen 

teuer geacb&lzt zelaitseu, 
a glider dargestelt; 
]b gottes warbeit willen 
1 scbmertzen riog geacht; 
: dadarcb vns vnd villen 

gaet gedAcbtous gemacht 
Der gednlt vnd leiden, 
hat mit allen freüden 
r aoB der weit gelracht 
tt hat im hilff bewlsen, 
t nit aus seiner bandt 
igen werden gerissen 
rcb list vnd menschentant, 
ch die porten der hellen 



mochten in nit abfelleD, 
wnrden an im zn schandt. 

(43) Sein bluet vnd alter fromen, 
dz je vergossen wardt, 

wiert noch ans liecht wol kumen 
vnd auch gerochen hart; 
er rfieflt ietzt mit verlangen : 
„0 got, verzeuchst so lange, 
mach dich Bchier auf die fart!" 

(44) Er hat ritterlich gstritten 
fDr gotes warbeit guet 
vnd als geduldig guten, 
bezeugt mit seinem bluet; 
gott bat in hin genumen; 
Eans Pirchuer war sein namen, 
bat nun erlaugt die rue. 



Kräl.) No. 4. 1057—59. 

Ein Uedt Ton nnserm lieben brneder Hanss Kräl 

seiner gefenckhnuss, vmbs glaubens göttlicher warheit willen, 
m thon: es seint doch sällig alle die, das ist wie man diu 

ellephanten singt, 
leber Hans Kräl und seine Gefangenschaft Iq den Jahren 1557—59 
hon oben S. 129 kurz berichtet. Dem Inhalt des hier folgenden 
) entspricht ein Prosabericht im Martelerspiegel, in den Zusätzen, 
1 z. J. 1557 im Ganzen genau, nur haben beide, Prosa wie Lied, 
De kleine Zusätze, so dasB trotz der oft wörtlichen Ueber- 
nmung keins von ihnen unmittelbar, aus dem anderen stammen 
Kräl wird eben selbst die Prosa geschrieben haben, so gut wie 
19 Lied dichtete. Durch Lese- oder Druckfehler wird er im 
lerap. Brä! genannt. Das Lied bat das Akrostichon: „Hans Kral 
gknuslied wie im Got beigestanden n. g. d. d." 



■Jreudt ir aller liebsten mein, 
e ir seit in gottes gemein 
id TOD hertzea beflissen, 



zu erweckhen euren mnet 

in den gachicbten der fromen guet 

vnd begerendt zu wissen. 



159 



wies ergangen ist bsunderbar 
denen so vmb der warb ei t clar 
gwest in gfenckhnus vnd banden, 
ich kan euchs nit verhalten doch, 
Sander niuess euchs erzellen noch, 
was mir gstossen zu band. 

(2) Als ich göttlicher vrsach nach 

in der grafschafft Tirol vmb zocb 

im Pusterstal diss malle, 

der richter aus Tauffers kam her 

vnd auch mit im der ghrichtschreiber, 

der thet mich da anfallen, 

auf freyer strass sie fiengen mich, 

der richter band mich hertiglich 

mit dem gurt meiner lenden, 

neben sein ross muest ich daher 

lauffen vast ein meil wegs so schwer 

durchs kat an allen enden. 

(3) Nun war diss als nur der anfang, 
wie man mit mir ins schlösse kam, 
erschwartzet ich der gstalte 

vom lauffen vnd vom hörten bandt, 
dass mir gleich zu der stundt 

geschwandt 
vnd darnider wolt fallen; 
do bsuechtens mich vnd was sie dan 
bei mir funden, genumen hau, 
theten mich gfangen legen, 
aber gleich an dem andern tag 
verhörtens mich vnd war ir frag 
von meines glaubens wegen. 

(4) Solches hab ich verantwort klar, 
wie das die götlich warheit war, 
es war ir maistes gsange, 

ich soll absteen, mich weisen Ion; 



1, 12. 1.: zu banden. 

3, 8—5 erschwartzet — geschwandt: mir ward 
schwarz (yor den Augen), dass ich ohnmächtig 
ward. Vgl. Grimm Wtb. v. erschwarzen. 

S, 7 besuchen: durchsuchen. 



als ich diss kainswegs nit wolt than, 

muest ich wider hin ganne 

in die gefenckhnuss da zumal; 

über acht tag mich abermal • 

für füerten vnd verhörten, 

da ich in auch* wolt volgen nit, 

habens mich in gfenckhnuss 

geschickht 
vnd wider wol verspörten. 

(5) Kürtzlich wol in der nächsten woch 
habens mich wider gfodert doch 
wol für den gantzen rate, 

der richter hiess meins glaubens 

grundt 
ein secten vnd ein verfüemng; 
darauff ich gantwort habe, 
es sei die recht gottes gemain; 
dem richter thets verdriessjich sein, 
er sprach, es sei zum teuffei: 
„soltet ir sein die gmain in gottP^' 
das hielt er 'bei im für ein spot, 
ich sprach, ich hab kain zweifei. 

(6) Recht wil ich beharren darbei. 

Der richter sprach, wie ietzundt sei 

in einem bevelch komen 

aus der regierung von Inspruckh, 

das man wissen wol diso stuckh, 

ja der vorstör namen, 

die uns ausschicken inn die landt 

vnnd auch die vns beherbrigt hau, 

die sol ich in da neuen; 

ich sprach: das ist nit notwendig, 

kain articel des glaubens nit, 

drumb thue ichs nit bekennen. 

(7) Aber vnsere sendung zwar 
betrifft der menschen hail fürwar, 
sie zur besserung zu mannen, 

ist nit zu iemandts schaden ghricht. 
Darauff der richter zu mir spricht, 
ich soll mein selb verschonen. 



160 



sie tnüessen mi<ih suDst ao meim leib 
an greifen, auf das niaD micb treib, 
ich mOess die lent ao sagen, 
die vns bherbrigt vnd gnets gethan; 
ich sprach darauf sie alle an 
Tod tbet sie wider fragen. 

(6) iJiieber aa^ mir, wie ii drin steet; 
80 einer auss ench selbe mich het 
in seinem banss behalten, 
ich solt in ietz verrathen iban, 
wnrdt er es ffir guet nemen an?" 
Sie bekenten gleich balde, 
das kainer das wnrdt haben gern ; 
deetmer ecblneg ich ab ir begern: 
der richter zürnt desw^en: 
ob ich ein eersamen radt zeich, 
das er vorder verrtterey? 
Tnd thet wider anheben, 

(9) Gar hoch mich zu ermaoen wo), 
das ich mein selb Terschonen soll, 
ernst wnrdt man wenden ane; 
aber ich losset inen nit; 
da habens mich in gefencknus 

gschickht, 
biss sie all gessen hane. 
Da kameoB wider nach mittag, 
fQerten mich an die strenge frag; 
ich lOset mein gwandt anfe 
md setzt mich gleich vnder das sail, 
das ancfa mein feinden sindt ein tail 
die ai^en Qber glanffen. 
(10) Es hencket mich der scherg ins «ail, 
den er maest auch helffen seia tail; 
ein grossen stain so schwere 
haben sie auch herffir geriebt; 
der fichter wider zu mir spricht, 



8, 11 dass jemand aaK seiner Mitte Verritherei 

befördere. 

9. 4 icb harte nicht auf lie. 
9, 8 ftbTteu mich xur Folter. 



ich soll doch sagen here 
Tnd meinem selbe ietznndt verschon ; 
aber ich bab aotwott tban, 
ich wOlt es da erwarten, 
was inen gott mit mir mlast; 
vmb vnschult allein leidt ich das. 
gott werdt sie strafen harte, 
(tl) Fflelen biemit in ein bedacht, 

giengen all von mir veckh darnach, 
ein rath gehalten hane; 
ist mnest am sail bangen also, 
allain ein scherg blib bei mir do, 
der sprach: „nun zaig doch aue! 
sie werden ietz nit lassen nach, 
biss sie dein leib zerreisbon doch." 
Ich sprach: „obs dahin glengct, 
so will ich es erwarten tban, 
mar kännen sie nit heben an, 
als was in gott verhenget." 

(12) Es sprach der scherg: „bistn ein 

narr, 
das da mainet, gott nene es wur 
TDod werdt ietx daher sehen!" 
Die rathsberren kamen wider her, 
sagten, die fran im schloss bit seer, 
drumb lassen sies geschehen 
vnd wollen mich nit reckhen lau; 
also muest ich in gfenkhous gau. 
Der herr im schloss hin rite 
in die regierung geen luspruckh; 
wie er hairab kam, war kaio Verzug, 
kein vleiss er nit vermite — 

(13) Nämlicb mit irer pfaffen schar, 
die mnestens mit mir handicn gar 
wol zwen tag an einander ; 

sie versuecbten doch allerlay, 
aber vnaer gott stuendt mir bey, 
richten nicht allesander. 
Der herr im schloss zürnt zu der stundt, 

IS, 6 richteten alle mit einander nicbti au. 



161 



sprach za mir: „da verstockhter 

hnndt, 
ich hab versuecht so vile, 
?nd alle mitel mit dir braucht; 
wils färhin noch versaechen auch, 
halt noch ein wenig stille!*^ 

(14) Grimig droet er mir darumb : 
„ich will ich lassen setzen nun 
wol auff den scheiterhauffen 
vnd sehen, wie du gott aide 
ein schöne eer wirst sein also/* 
Ich aber sprach darauffe, 

ich Wirts vmb gottes warheit rain 
leiden vnd im kein vneer sein. 
Darnach über drey tag-e 
habens mich in feil tburn gelegt, 
da ich kain tagesliecht mer het; 
es machet mich nit zage. 

(15) Eain vndcrschaidt het ich nit mer, 
wen es tag oder nacht hie wer, 
ich wist es nit auS erden 

in diser bösen finstern keich, 
die nacht aber merckht ich nur 

gleich, 
wen es kieler thet werden, 
den bei tag war es in dem loch 
so dunstig vnd warmdempfig doch, 
es faulten an meim leibe 
meine klaider gleich alle gar, 
das ich nunmer vast nackhend war 
rnd mier nicht über blibe. 

(16) JJur gleich het ich ein grobe deckh, 
Micklets aufT mich auif alle eckh; 






15. 



^ 1.: ich wil dich. 

"*0 (vgl. 25, 8 u. 9) feil tburn: der Mar- 
telersp. sagt : „in eenen diepen dajstcren 
Tujrlen Toorn." 
^ Iceiche: Kerker vgl. Schmeller Wtb. 
'^ pfaid scheint hier, wie anch der Martelersp. 
hat, Hemd oder hemdartiges Unterkleid 
za bedeuten. 

^^^- a.lll. CL d.k. Ak.d. WisB.XlII. Bd.I. Abth. 



doch thet ichs auf gott wagen ; 
die pfaidt am leib zerfault mir schon, 
kain faden het ich mer daruon, 
on nur allein den kragen, 
den henckhet ich hin an die maur, 
so gross war mein ellendt vnd traur 
allain gott war mein schätze ; 
die son hab ich gsehen kein trit 
in anderthalben jaren nit, 
das war des feindtes tratze. 

(17) Und ich kundts nimer leiden wol, 
das ich am tag vnd lufft sein soll; 
wen sie mich hinauss brachten 
vnd mich weiten verhören lang, 

so thet mir lufft vnd liecht seer bang ; 
da war nun das mein trachten 
vrider in finstern tburn also, 
wen ich drein kam, war ich so fro, 
das ellendt war mein aigen; 
aber ich lits vmb gotten wil, 
seiner gedult gab er mir vil, 
thet. mir beistandt erzaigen. 

(18) Solchen gestanckh ich auch bekam 
von der feülung, die ich einnam 
in diser finstern keicheu, 
niemandt kundt bei mir bleiben stau, 
wen sie mich für gefedert hau, 
muestens wol hindan weichen; 

ich sass vor in in meiner deckh, 
die ich vmb mich wicklet alweg; 
wen mich beten gesehen 
die fromen aus der gotteggmain, 
wie manches hertz het roiessen wain ! 
ich Hess alles geschehen. 

(19) Lag also in dem tieffen thurn, 
der war voll vnziffer vnd wirm, 
die machten mier vil grau^^sen, 
also das ich vmb irentwill 
erstlichen muest mein haubt verhiln 
ein lange zeit durch ausse, 

21 



IG'J 

biNN im liei doch gewonet sein; 
\\n fruiNen mir das essen mein, 
WPi) lio «t ban ffeachmeckhet, 
villi DU kill nit rerzert gar baldt, 
■0 kutiilt OB mir nit bleiben halt, 
wiiiiN gleich in husen steckbet, 
i'iii) I<;h h«t aber zara vortail das, 

da« mir kain tnal nicht flbrig was, 
Ich wer den kranckh gewesen; 
m keatigt mich mit hnnger wol, 
IT (las ich nur gnaeg leiden soll, 
IS mich gott thet erlösen. 
<r wQrmen vnd vnzifers bauff 
I theteu mir mein trinckbgschir anff 
d Wasser mit mir zochen, 
IS ich ein schwären stain bekam, 
n bab ich aafTs geschirr legen than, 
H mich so an in rechen, 
war mir das der grOst träebsal 
meiner grenckhnus überall, 
SS mir nit mocbt zu komen 
in ainig potscbafTt von der gmain, 
!lcbes thoet ein grosü ellendt sein, 
3 glanbendt mir ir fromen. 
; war dissmals im oberlandt 
r Hanss Mamll war er genant, 
r tren diener des berren, 
r het ein gross verlangen doch, 
tpot mir in das grenckhnnsloch 
it bertzlicbem begeeren. 

bald sie es witterten, 
[ana Miitidl oder Kleinbansel ward 1551 
'ngaro zum Diener des Evaagelitinia er- ' 
It and 1553 darcb Haadeauflegen be- | 
gt. Schon 1553 gelangeo ihm in Tirol [ 
Bekehrungen (Croaickel.] 
Es ist iwar in der folg. Enählang nn- 
, aaf welche Art der Gefangene Mittel 
, mit den Brüdern dranssen la Terkehien, 
nmgrtehrt. Denn ohne Zweifel hat dar 
Mer, der seinen Bericht gleich nach der 
sQDg Terfasate, absiclitlich jede Andcn- 



(22) Das ich doch ein wuraicben gwiss 
beranss wolt schickhen, das er wiss, 
ob ich wol stee vorm berren, 

vnd sei das zaichen also klaio, 
wens schon ein bischel stro thae sein, 
oder was es doch were. 
Ich het gero gschickht ein bischel 

stro, 
aber es war so vil nit da 
in gfencknus vberalle, 
also ich arm gewesen bin, 
wist nit, was ich nur schickbet bin, 
zulest thet mier einfallen, 

(23) Wie ich denoch wer noch so reich, 
het an der manr bengen gleich 
mein kragen von der pfaiden ; 

den schicket ich alsbaldt von mier 

zom warzaichen den briedern schier 

zu eim gueten beschaide, 

das ich wol stee vor meinem gott, 

anch wol zu friden in der not 

mit seiner gantzen gmaine. 

Da sahen sie mein armuet schwer, 

das erbarmet sie trefflich seer, 

sie theten bertzlich wainen. 

(24) Ja sie haben mir boten an, 
wen es glegenhait haben kan, 
das es mir nur mOcht werden, 

sie weiten mir scbickben ein gewandt; 
ich thet wider botschafft zubandt, 
man mOcht mich halten hörte, 
anch die so mir das selb gebracht, 

tnng darüber vermieden, um Niemanden ins 
Unglück IQ bringen. Auch den .vornehmen 
berren", der sich ihm günstig zeigt (3tr. 28) 
in nennen, hütet er sich wol. Aber es 
leigt sieb in diesem wie in vielen anderen 
Liedern, dass man den Zatritt in den Ge- 
fangenen ziemlich freigab, nm sie bekehren 
in lassen. Unter aolefaem Vorwand mochten 
eben anch Oesinnangsgenossen Mittel and 
Wege des Verkehrs mit ihnen flnden. 



163 



welches ein ieder wol eracht, 
dromb soltens bleiben lassen; 
ich hielt mich noch des besten klaidt, 
das von gedaldt war zaberait, 
das mir gott gab dermassen. 

•(25) Es verlieff die gantz somerszeit, 
das ich in der trüebselligkeit 
im feilthnrn ligen mfiesse, 
biss das der hörbst ietz zuber kam 
vnd meine feindt gesehen han, 
das ich an meinen (Qessen 
zu faulen angefangen hab; 
da haben sie gelassen ab 
Tnnd mich herauss gezogen, 
in ein ander gfenckhnus gelegt 
vnd mein abermals streng gepflegt, 
das ich mich wol geschmogen. 

(26) In der gfencknus giengs also, 

das ich im stockh muest hengen do 
mit ainer handt im bloche, 
dessgleichen auch mit ainem fuess, 
welches alles ich leiden muess 
siben vnd dreisig wochen; 
ich sass auf eim beth nach der 

zwerch, 
knndt nit ligen noch sitzen recht, 
aber steen noch vil minder. 
Sa muest ich auch vil schmach vnd 

spot 
erleiden zn sambt meiner not 
\on dem gotlosen gsindte. 

(^7) ]^ij; Verachtung sprachens zusam: 
„sich, da leut ein heilliger man, 
ist weisser den wier alle! 
er waiss es alles nur allein: 



2S, 



3 Das Heraasziehen ist wol wörtlich tu ver- 
stehen ; es bandelt sich um ein unterirdisches 
Xoch^ in das der Gefangene herabgelassen 
^urde; möglich, dass eben dies die Beden- 
'tnng von «feiltbam* (Fäulethnnn) ist. 



da ligt die ausserwelt geniain! 
Drumb das ich alle malle 
solche zeugnus vonn frumen gab, 
wen ich löstern gehöret hab. 
Dagegen ists auch gscheheu, 
wie wol ich kein trostbotscbafft het, 
von der gmain nicht bekomen thet, 
so hab ich doch trost gsehen. 

(28) Gott richtet an, das mich gar wol 
ein vnglaubiger trösten soll 

aus meiner feinden gmaiue, 

war darzue ein fürnemer man; 

er sprach, soll mich nit schreckhen lau 

vnd soll nur dapffer seine, 

es wiss es doch die menig zwar, 

das dises sey die warheit klar 

vnd recht vor Gott dem herren, 

allein das man solches nit thue 

vnd auch nit leiden wöl darzue. 

Brüeder, das tröst mich seere! 

(29) wie hats mich so wol gesterckht, 
ich hab es gar fleissig geinerckht! 
nun hört mich weiter singen. 

Es begab sieh vmb dise acht, 
das mir gott einen eiffer macht, 
gab mir ein solche dinge: 
ich soll den Schreiber fodern lau, 
der mich gfancklich hat griffen an; 
das thet ich auch ausrichten, 
schickht dem Schreiber ein potschaft 

baldt, 
er soll zu mier komen ein mal; 
er blib auch aus mit nichten. 

(30) Thet bald komen ins gfencknus mein, 
den er wist nit was es wnrdt sein, 



28, 10 f.: nar dass man nicht den Math habe, 
aach danach za haadeln and dafür za leiden. 

29, 4 etwa: es begab sich bei solcher Betrach- 

tang? oder Achte- Octave: es geschah etwa 
8 Taga nach dem eben erwähnten Besuch. 

21* 



vnd fraget micb tod stunde, 

W8B ich sein wöll. leb abei epracb : 

„das ist allain ietz die vrsacb, 

das icbs nit lassen knndte: 

du waist wie das du scboldig bist 

an diser meiner Kfenckbnus gwiss, 

das mness ieb dier noch s^en; 

der richter rit fär mich bebendt, 

so bastu mich erst angerendt 

Tud vil Villen erjagen. 

Bist schuldig an meiner grossen not, 

ripger wer mir der biter todt, 

als dise bandt erdulden ! 

bab ich dier doch mein leben lang 

kain laidt gar nie b^rt zu tbuen, 

maess leiden vmb voschulde." 

Der Schreiber gantz eraebrockben war, 

sass da rud war verstomet gar, 

er knndt kein antwort geben, 

aUain sprach er, hetd miessen tban, 

kein wort; kutidt er mer reden nun, 

also erschrackh er eben. 

„Ein schwärs geriebt liaatu dir doch 

auf gladen vod dein vrtel noch 

biemit mfiessen erfüllen, 

das du magst so bluetgierig sein 

Ober die fromen gottea gmaio, 

die leben nach seim willen, 

got wiert dich gwisslich ßnden drnmb 

vnd dir es nit sckencklien kurtzumb, 

sunder straffen dein sQndte, 

das dn ein solch fibel thuest; 

es wart auff dich ein sehnäre bness, 

das muess ich dir verkfinden." 

In dem gieng er dabin von mir; 

als iierzeben tag verlolfen schier, 

f. Der BichtaT ritt (ohne meinei Di 
icbten) BD mir TorQber; da aber bidteat 
Dich aD, um an mir «in«n Lohn zu rei- 



da bat es sich erfanden: 
in ainer nacfat lit et die not, 
er ist gwessen gsundt vnd todt 
in einer viertel stundte. 
Also wardt er von got gepflagt, 
sein Bchuldt die hat er seer geklagt, 
gstorben mit grosser angste; 
also mness es geen diaen gseln, 
die dem tenfel so dienen wOln, 
wie ich ims 8^ vorlangste. 

(34) Gross freidt kam mir die selbig nacht, 
den mich got also frßlich macht, 
wol ich nie trüebsal l^e; 

es kam mich an ein solche freQdt, 
als ich nie ghabt in kainer zeit, 
es ist nit als za sagen. 
Ich knndt gott nit gnneg danckhen 

wol, 
den ich wist, dass ich kumeu soll 
wider zu seiner gmaiue. 
Als es nun wider morgen war, 
des Schergen weih kam zu mir dar 
vnd thet mirs kundt alleine, 

(35) Saget mir, wie beint in der nacht 
diser Schreiber sei auss gemacht 
mit eim scbreckhlichen endte. 

Do es nun im alUo ergieng, 

die berrschafl einschreckbenempfieog 

von meiotwegen behendte; 

sie versuechet mancberlai fludt, 

ob sie mein ledig werden kindt, 

doch wolt es «ich nit geben. 



>, 7 mancherlei FBnde, Lutea. Der Hartelenp. 
bat hier einen kleinen Zosati: acht Tage 
nachher sei ein Ackerkoecbt tu ihm ina 
GeßtDgniM gekoninien ' and habe Tersndit 
ihn Tom Block lonoMhlieMeo, bab« aber 
den richtigen Sehlünfl nicht finden können. 
Das Lied will Ti«lleicht andeuten , da«« 
jsolche« mit heimlichem Znthon der Herr- 
schaft gMcheben «ei. 



165 



Also maest ich die Winterszeit 
noch ligea in tröebseligkeit 
ynd meiner gfenckbnas leben. 

(36) Treulich hielt ich mich an gott ; 
er Hess mich nit werden zu spot 
in all meinem träebsalle. 

Die frau im schloss scbickhet auch 

schier 
iren diener, der rüefet mir 
vud saget mir zu malle: 
,,die gnädig fran dir das entpeut,* 
sie wöl den rat versarolen heat/* 
vnd ich soll nur zway worte 
sagen, ich w0l mich weisen lan 
oder ich hab geirret dran, 
so soll ich ziehen forte. 

(37) Also ich ledig werden köndt, 
vnd ob ich dessen het ein sündt, 
so wöU sies für mich tragen 

vnd ich soll kain sündt haben drin. 

Ich sehickht den boten wider hin, 

seiner irauen zu sagen, 

sie hab vorhin vil sündt anlF ir, 

sol nnr kaine begeem von mir, 

sie hab on das genuege, 

vnd das sie nur abstee damon, 

das wOll ich ir geraten han, 

80 sie anders sey kluege. 

(38) Nnn wie der früeling herrein gieng, 
von Inspruckh man beuelch empfieng 
aus der regierung herre, 

weil ich so gar verstockhet sei, 
80 soll man mich on allen scheuch 
hinschickhen auff das meere. 
Mit dem kam nun die herrschafft dar, 



36, 4. Der Schlossberr nemlich war, wie wir aus 
der Prosa erfahren, inzwischen gestorben; 
deshalb ist im Folgenden nor von der Fran 
die Bede. 

38, 6 zu Kriegsdiensten auf die Flotte. 



thet mir den beuelch lesen klar, 
den soll ich noch vermeiden, 
vnd sagten wies mir da geen werdt, 
wen ich hinkome auff das mer, 
da müess ich erst vil leyden. 

(39) Da sagt ich, wie gott vnser herr 
sei gleich sowol auch auff dem meer, 
dem ich vertrauen wolte. 

Do Hessens mich aus der gfenckhnus 
zween tag'vmb geen wol in dem 

schloss, 
das ich geen leernen solte; 
den ich kundt nimer geen zumal, 
so war ich verderbt überall 
durch die gfänckhnus vnd bände, 
darin ich ligen muest zwai jar 
weniger fünff wochen es war, 
so ichs rechne all sandte. 

(40) Es wardt dar zue gordnet ein man, 
dem si mich Überantwort hau, 

hin auff das mör zu füeren, 

der war ein scherg vnd gottloss kindt, 

als maus vnder den häufen findt. 

Wie ich fort solt passieren, 

do nam ich im schloss allenthalb 

vrlab von inen überall, 

thet sie zur puess ermanen 

vnd das sie kain fromen fiirbass 

selten gfangen nemen der mass; 

welchs sie bewilligt haben. 

(41) Nun ich zur frauen ins schloss kam 
vnd von iro auch vrlab nam, 
saget sie zu mier schone: 

„es solle mier mein leben lang 
kainer mer kumen in mein handt!^^ 
Damit zoch ich daruone. 
Sie sagten all, er zeucht nit weit, 
er wiert ligen bleiben bei zeit! 
Der scherg füert mich von hinen; 
der war ein mensch von bOsen gseln, 



166 



ich mnest allweg nur sein sein schelm, 
wen ich im kam zu sinen. 

(42) Nun als ich zwen tag mit im zocb, 
da thet er in dem wirtsbauss doch 
mit wein sich überfüllen; 

in der nacht half mir gnädigklich 

der herre gott, das ich entwich 

nach seinem gueten willen; 

vnd dise mein erlösung war 

im neun vnd fünfzigsten jar 

der mindern zal, versteete, 

also das ich redlich der zeit 

zur gmain gottes mit grosser freudt 

wideramb komen thete. 

(43) Gelobt sey gott aus gantzer macht, 
das er mir gab bimlische kraffb, 
durch Christum vnsern herren! 
gelobt sei gott in alle dem, 

der mier das gab zu übersteen, 
ich will in alzeit eeren! 
gelobt sei gott nur imerdar! 



42, 2 f. Za Niederdorf, sagt das Cronickel. Der 
Martelersp. sagt: die Danebensitzenden 
hatten ibn, offenbar uro dem Gefangenen 
zur Flacht zu ycrhelfen, trunken gemacht. 
Dieser Knecht sei übrigens gestorben, ehe 
Kr&l über die Grenze war. Der Richter sei 
2 Jahre später eines jämmerlichen Todes 
gestorben. 



lob got mit mir, du fmme schar, 
den henren will ich preisen; 
wie gab er mir so vil gedult! 
er hielt mich frei in seiner huldt, 
lobt got auf alle weise! 

(44) Der dises hat erliten gwiss, 
brueder Hanss Kräl genenet ist. 
Das liedt schenckh ich den frumen 
zu einer gab vnd gueten letz, 

das auch nach meinem abscheidt stetz 
mög werden iilrher kumen 
der gmain gottes zu einer eer 
vnd got dem herren noch vil mer, 
exempel drauss zu nemen 
der geduldt vnd beständigkeit, 
in frimbkeit vnd gerechtigkeit 
sich keins leidens zu Schemen. 

(45) Den durch vil trüebsall müess wir zwar 
ein geen ins reich gottes fürwar, 
schickht euch zu disen tagen; 

der nit lauter vnd richtig ist, 
der besteet nit in solCber frist, 
das wais ich euch zu sagen, 
vnd bei diser prob nemet war, 
das ist der weg der warheit klar, 
darauf beharrendt allsamen 
zu der ewigen sälligkeit, 
die vns von gott ist zueberait 
durch Jesum Christum. Amen! 



(Wolf Pinder.) 



1571. 



No. 5. 

Ein liedt Ton Wolf Pinder, 

den man zu Schärdin«; in Bairn gericht bat. 

' In einer Bickharten weiss, Oder: Ach gott was soll ich singen, 

mein harpffen will nit klingenn. 

Die Hinrichtung Wolf Binders (im Auszug ist Linder gedruckt) 
führt auch das Cronickel z. J. 1571 an und gibt ein Lied auf ihn: 
yermuthlich eben unser Lied. Der Martelersp. gibt S. 649 z. J. 1571 



k 



167 



einen ausführlicheren Bericht, dessen deutsches Original die Quelle des 
Liedes sein dürfte. 



(1) Ach gott, wir thun dir klagen, 
wies geet in disen tagen, 
greulich zeit sein verbanden, 
die leer von der gotselligkeit 
dult man in keinem landte. 

(2) Sander nach aignem lust vnd lauff 
laden sie in selbs leerer auJOT, 

die in die obren juckben, 

leben sie wie sie imer wöln, 

tbaen sis als cbristlich scbmuckben, 

(3) Wer sünd, lasier vnd scbalckbeit 

treibt, 
in fressen vnd in saoffen leidt, 
in fluecben vnd got sehenden, 
in hoSjirt, stoltz vnd übermaet, 
thaet all bossbeit vollenden, 

(4) Der ist der weit ein gueter Christ,' 
weil er in irer gsellscbaft ist; 

wer sieb aber bekeret 

vnd wils nimer haben mit inn, 

der muess sich packben verre. 

(5) Also ist yetz die weit verkert; 
wer sie das recht vnd guete leert, 
strafft sie vmbs vnrecbt leben, 
das sie darmit nit cbristen sindt, 
der muess sich von iu heben. 

(6) Für ein verfuerer man in helt 
Tnd in ein widertauffer scbilt, 
ja ein verworffne secten, 

Tnd jeder man der scbreit sie an, 
wi di weit allweg pflegte. 

(7) Man nimbt sie gfangen hin vnd her 
vnd peinigt sie mit marter schwer, 
als ketzer sie hinrichten, 

so sie doch kain vrsach des todts 
an in finden mit nichten. 



(8) Den wer yetzundt dem Antechrist 
seinen betrug vnd falsche list 

nit recht vnd guet will sprechen, 
der muess den kopff herhalten gwiss, 
sein leib lassen zerbrechen. 

(9) Wie vulangst ist ergangen zwar, 
das ein brueder gefangen wardt 
im landt zu Bairn, merckht eben, 
Wolff Bindter hiess er mit seim nam, 
eins gotsforchtigen leben. 

(10) Zu Schärding er gefangen lag, 
do het er vil trüebsellig tag, 
dessgleichen zu Burckbausen, 
gar vil versuecbung überstuendt 
von den die aufs bluet lausen. 

(1 1) Vil Wesens mit im hetenn zwar 
allda die valsch prophetenschar, 
die pfaffen vnd irs gleichen; 
gar hälftig sie im lagen an, 
das er doch solt abweichen, 

(12) Vnd ietzund von seim glauben stan, 
von inen sich berichten lau; 

sie theten sich guet stellen 

mit grossem vieiss vnd listigkeit, 

ob sie in möchten feilen, 

(13) Mit suessen glatten werten auch, 
mit valscher leer nachs teuffels 

brauch, 
mit lesterung vnnd lugen, 
mit drutzen vnd mit droen vil, 
ja mit allen betrüge. 

(14) Aber er blib im glauben frumb, 
liess sich nicht bewegen kurtzumb 
vom schmallen weg des leben, 
darauff in gott geholfen hat 

vnd zu erkenen geben. 



k[iDdt«n bsteen, 
1er Dächst oacb in, 
^ifTeii ; 
ar in gott 

vnd steiffe. 

st fdrwar 

ait seiner schar 

BD, 

ausfüern zum 



flrbass 

ckbt Qber die 

;b in scheinen! 
I^ericht — 
3 steine! 
en han, 
lebt oder stan 
Qficht kamen 

nie ich sag; 
Tod fruine. 
z frafTentlich 
t gwigslicb 
n faren, 
la aigenscbafft, 
9n zoren. 
chen ietz genant 
einen standt 
an, 
r der bossheit 

werckbe. 
' christlich helt 
als vorgemelt, 
rden, 

■ben zum todt 
on der erden, 
rordt er bingericht 
-schonet nicht, 



sein bluet niiiest er vergiessenn 
wol vmb den gUnbeii Jesn Christ, 
er wierts ewig geoiesaen. 

(23) TU voickhs dasselb gesehen hat 
zn gmeltem Schärding in der stat; 
et gschach im jar des herren 

als man zeit ein rnd sibeozig 
der mioderD zati biss here. 

(24) Er idt hehart biss an sein eodt, 
hat die warbait treulich bekendt, 
die cron wiert er gwiss finden. 

gott, sich von deim bimelstbron, 
wies ietz geet deinen kinden ! 

(25) Wir sein von ie^Jerman gehasst, 
wie du, Ctirista, sagest das, 
von aller weit verlassen ; 

so nimb dich, o got, viiser an, 
thue vns mit lieb wol vassen ! 

(26) Das vns von dir abschaidt kain not, 
es sey gleich leben oder todt, 

kein angst oder trtiebsalle, 
kein fefler, wasser oder schwert, 
hocbs noch tiefs über alle! 

(27) Kein engel noch kein färstenthnmb, 
gegenwertigs noch was da kombt, 
kein creatnr auff erden, 

suiider das wir auch bständigklicb 
allzeit erfunden werden! 

(28) Gleich wie sich diser manlicb beldt 
im trüebsall vns bat fflrgestelt, 
bliben in deiner hulde, 

got, gib uns dessgleicben auch 
glaub, lieb, boifnung, geduldte \ 

(29) Den sonst keiner auf diser prob 
besteen mag oder halten drob, 
was er got bat verbaissen; 

er muess zu grundt vnd baden gan, 
kein opfer kan er laiaten. 



169 



{30) Und die weil wir den gar nicht han 
ans vnsern aignen krefften schon, 
so hilff vns gott all samen 



vnnd füer vns schier darch Jesum 

Christ 
ins ewig leben. Amen! 



{Hans Missel) . No. 6. 1571. 

Ein liedt yon ynserm lieben bmeder Hans Missel oder Weber, 

den man zu Warthausen gericht hat. 

« 

In des Jerg Wagners thon. 

Auch des Hans Missel gedenkt das Gronickel z. J. 1571 und hat 
ein Lied — also wol das unsrige — auf ihn. Langenschemmern (das 
Lied hat Schömer, der Martelersp. Langenschmer) und Warthausen, wo 
die Begebenheit spielt, liegen im Würtemberger Donaukreis, Oberamts 
Bibrach. Das deutsche Original des etwas ausfährlicheren Berichtes im 
Martelersp. S. 678 wird die Quelle des Liedes sein. 

(1) Merckht anff, ir lieben brüeder mein, 
ir frome alle sampt gemain, 
wies geth in disen tagen, 
als vns thuet Christus vnser herr 
im evangeli sagen. 

{2) Da er zu seinen jungern sprach: 
es wiert die zeit komen hernach, 
ir mdest gehasset werden 



vmb meinetwill von jederman, 
gscholten auff diser erden. 

{3) Gleich wie die schaaf werdet ir sein 
miten vnder den wölffen ^main; 
man wiert euch gfangen föeren 
in eissen, sehloss, gfenckhnus vnnd 

thurn, 
das wiert euch alls berüeren. 

{4) Umb mein vnd meiner warhait will 
werdet ir müessen leiden vil; 
man wiert euch auch für füeren 
fQr könig, füersten vnd ratbsberrn 
wüert euch vil ernst gebüeren. 

(5) Sie werden euch aus scbliessen tbain 
aus irer kürchen vnd gemain; 

Abh. d. IlL'Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. 1. Abth. 



es kombt die zeit furanne, 

das wer euch tödt, wirt mainen zwar, 

thue gott ein dienst daranne. 

(6) Darumb sollen wir wissen all, 
das es also muss geen zumal 
mit vns in disen zeiten; 
soll es anders zutreffen recht, 
derff wir nicht besseres beiten. 

(7) Nit lengst wirs auch erfaren handt 
zu Schömer in dem Schwabenlandt 
wardt ein brueder gefangen 
allain vmbs glaubens Christi will, 
war noch ein junger mane. 

(8) Hans Misse man in neuen thuet, 
das weberhandtwerk kundt er guet; 
er tbet allda einkeren 

zu leäten, die begeerten sein 
vnd in gern weiten hören. 

(9) Mit den er redt von irem^hail, 
das sie suechten den besten tail 
wol zum ewigen leben; 

er sang in geistlich lieder vor, 
zeugt von der warheit eben. 

22 



Do ward er verradten dnrch neidt 
zu WarthaoMn vor obrigkeit; 
die frau acbickbet zur Btnnden 
den Schreiber mit sein gsellen dar, 
das sie den brueder banden. 
Mit aoBBgezogner blosser wer 
kam er Aber den brueder her, 
mit dem knöpf seines Schwerte 
bat er den brnedem etlich mal 
ans bertz geatossen berte. 
Hat in darzne geschlagen auch, 
er schalt vnd stelt sieb grausam 

raocfa, 
ans zorn tbet er auch sprechen, 
wie er jetzundt macht haben thue, 
das er in mög erstechen. 
Der bmeder erscbrackb des nit ril 
TDd stellet er sich noch so wildt, 
doch thet er in yermanen, 
er soll nur nit so greulich tbuen, 
sich nit vergäben darane. 

Es werdt dennoch geschehen wol, 

waa im nun widerfaren soll. 

Der Schreiber thet in binden 

Ynnd füert in bey der nacht dahin 

geeu Waithaasen geschwindte. 

Verwaren in in ainem baoss, 

frassen vnd soffen all mit sauss, 

darüber frölicb waren 

vnd beten iren spot vnd Schmach 

mit dem bniedern allgare. 

Wie es tag wart, fQert man in balt 

ins schloss hinauf gefongner gstalt, 

gworffen in tburn vnd bandte ; 

es kamen vil der puffen berc 

zu iren aigen scfaandte. 

Mit valcbscher leer versuechtens vil, 

er solt absteen, das war ir will, 

1. Verwarten. 



aber kainer ans inen 

hat vil frendt oder rnem erlangt, 

sie kundten nicht gewinnen. 

(18) Do all versoechnng war vollendt 
vnd er von gotes testament 
noch von dem weg des glanbens 
keinen tritt nit abweichen wolt, 
sunder thet gott vertrauen, 

(Id) Do bat die frau wol in dem schloss 
die pfaffen gefragt zu rathsgnoss: 
sie SBj ein witfrau zware, 
verstee wenig in disem faal, 
wie in der sacb zu faren. 

(20) Darumb sollen sie rathen ir, 

wie man mit im soll handlen schier. 
Das thet im wol gefallen ; 
es hueb sich baldt der pfaßen dantz» 
weil sie beten die walle. 

(21) Mit Herodias tochter zwar 
dantzten sie vmb das haupt vnd bar 
Johannes des vil fromen ; 

mit keisserlicben rechten frei 
theten sie f&r her kernen. 

(22) Dem todt sie in zuetailet han 

aus neidt des bluetgierigen Satban, 
wies gieng von alters berre 
auch Jesu Christo vnsern herren 
wol von den Phariseern, 

(23) Als sie schrien, hinweckh mit im. 
Zum todt gaben sie all ir stim: 
ein gsatz das tbuen wir haben, 
nach dem selben er sterben soll, 
schrien die pfaffenknaben. 

(24) Wie nun diaem brueder wardt kundt, 
das knmen wer die le^te stundt, 
das er ietz müest darane, 
begeeret er ein ort mit rue, 

ein wenig hin zu gane. 



20, : 



1.: du thet in. 



,41.: 



{25) Sie füerteu ia uach seioem wil 
beiseits, da er nar in der etil, 
Tiid theten Dach hiu scbleichea, 
auff das eie doch mitcbtea versteen, 
wammb er tbet dergleiobeo, 

{26) Do warff er seioe bend zuaor 
geeo himel auff m gott empor, 
tbet anff seioe knie fallen, 
lobt gott in seinen bimelstbron 
fOr seine weltbat alle, 

(27) Die er im biss her ye vnd ye 
bewiaen in seim leben hie, 
Sein gnadt an im getbane 
vnd in in dise stiindt gebracht, 
des preist er in gar schone; 

{28) Das er in des wierdig gemacht 
Tnd in darzue gibt muet vnd crafft; 
er wOl in noch nit lassen, 
Tod im bis in die leste stuadt 
allzeit beisteen der massen. 

(29) Also tbet er sieb gott beuelbeii ; 
es ist nit allej zu erzellen, 

wie ein hertzlichs gebeete 

er dasselbs bal gethan zur letz, 

darnach herfür getreten, 

(30) Gantz willig an den todt zu gan. 
Als man in bat aiissfQeren tban, 
der pfarrer von Warthansen 

der badt in noch, er soll absteen, 

meiden des todtes grausen. 
<31) Er sagt dem pfarrer widemmb, 

sie sollen absteen vom irrthumb, 

lom al^Ctischen lebeü 

Tnd auch von irer hnererei 

vnd bieherei darneben. 
(32) Als er gar in ' den platz hin kam, 

der benckber selbs sprach in auch an, 

2e, 4 1.: Beioem. 
28, 2 1.:Tn<lim. 



wen er noch absteen nolte, 

er hab noch macht, das er in ^i 

beim leben lassen solle. 

(33) Kr wolt doch aller dingen nit, 
sonder in dem glauben biemit 
biss in sein endt beharren 
vnd seinet halben mJlg er wol 
yetzundt geradt fort ta.rea. 

(34) Also man im sein haapt abschlneg 
TDd in darnach ins feure trueg, 
seinen leib zuuerbrennen ; 
dergstalt hat er bis^ in den todt 
die warheit thuen bekeoeu. 

(35) Er hat das recht brandopffer suhon 
seinem gott hie anff'opffern tbaen; 
als ein christlicher beide 

hat er in dieein edlen streit 
frei behalten das velde. 

(36) Im tauaendt vnd fünffbuudert jar 
im ein vnd sibenzigen zwar 

hat sich das znegetragec 

Die frau die in bat richten lan 

tbet wenig freOdt erJE^n. 

(37) ir frumen all gemain, 

die got den berro ergeben sein, 
sebendt diss vorbilt anel 
last vns auch arbaiten dahin 
daa wir mOgen bestane. 

(38) Aber dar zue wil sich gebOern, 
dass wir vns yetznndt wol regiem 
mit gotf&rcbtigen leben; 

wen aldden kompt solcher streit, 
thuet gott gwaltig hilff geben. 

(39) Wie er thon bat von anfang her 
vnd ancb derzeit dessgleichen mer: 
dammb lobendt sein namen 
durch Jesum Christum vnsern hen 
imer vnd ewig. Amen! 

37, 2 1.: dem herren. 

22* 



i Blatoer.) No. 7. 1574. 

a schon liedt Ton nnserni Heben brneder Hanss Plattner 
oder Passelrer 

deo inati geriebt bat in der graffschafft Tirol im Intal. 
Im thoD: Getobt sey gott im bOcb&ten thron. 

Das Akrosticbon des Liedes lautet: „Hans Blatoer aus Paeseir eia 
sider" (Str. 34 — 43 sind ohne Akrostichon). Das Cronikel, wie 
Martelersp. (S. 790) erzählen seine Hiuricbtung zum J. 1574. Der 
:bt des letzteren verhält sich zum Liede wie bei den vorauf- 
nden Liedern. 



-lort zu was wir euch aiDgea tboo, 

r gottes hauBS genosen, 

'Oü aim Iiebhab«r gottes scbon, 

ler sein blaet bat TergOjsen. 

ülain vmbs glaubens Cbristy wil, 

rmb gottes warheit wegen 

idt er dea todt vod trüebsall Til, 

16 er sich liess benegea. 

ifuQ ist er voBchuldiger weiss 

n der graffscbaSt Tirole 

lum Botenboltz nachs Sathans vteisa 

rfangen worden diss malle. 

Solches gescbacb gleich als man zalt 

ansendt fSoffhuadert jare 

rier Tnd sibenzig dei^talt, 

tls ich euch sag fürware. 

Said er nun war in irem gwalt, 

lan sie vil gebandieiet 

Inrch ire pfaffen also baldt, 

lagten, er wer verfSeret. 

jestertea in mit lugen bheent, 

me er im irrthumb steckbe, 

^antz verstockbet wer vnd verblendt 

Q einer bOaen secteu. 

\ucb das er die römische kflrch 

liab freffenlicb verlassen, 



von derselben gewendet sich 
vnd nimer gee ir Strassen. 

(8) Tbeten in drnmb hafftig erman, 
er soll sieb ietz bekeeren 

vnd sich wldernmb weisen lan, 
volgen der pfaffen leere. 

(9) Kit also, sprach der brueder frnmb, 
kein irrthumb ist bei miere, 

auch kain verrüerung in der sum, 
sunder ich naiss mit giere: ' 

(10) Es ist die warheit gottes gwiss, 
die rechte graaiii des berreu, 
die von bösen abgstanden ist 
vnnd sich zu got bekeeret. 

(11) ßüemen kan ich von vnserer gmatn, 
das die in gott Ist g&issen 

vnd der weit sihidt, lasster vnrain 
in ir nit dolt mit wissen. 

(12) Also wil ich bleiben darbey, 
las mich nit anders weisen; 

es ist der weg der warheit frej, 
drumb ich gott allzeit preisen. 

(13) Vnd aber ir pfa&en zugleich 
seit gwiss valache propbeten ; 
bekert euch selbs mit eurem reich,, 
die puess tbuet euch vonnOt«n. 



r 



17a 



(14) Schendlich seit ir doch ie verkert, 
die ir wölt andre leeren, 

seit die grösten bueben auf erdt, 
tfanet man allentbalb hören. 

(15) Pfaffen sein gwisslich diese leüt, 
dnrch die der Sathan eben 

die gantz weit verfüert vnd betrüegt 
mit valscher leer vnd leben. 

(16) Aber zum warzaichen habt ir 
euer kirchen vnd gmaine, 

die ie lenger ie erger wiert 
vnd euer sigill seine. 

(17) Steiff war also der brueder treu, 
Hess sich gar nit betrüegen, 

wie vil sie auch versuechten frey 
mit tiranei vnd liegen. 

(18) Sein Sicherheit in gott bewart, 
geh, was die feindt anfiengen; 
da sie sahen das er behart, 
zu radt sie gar baldt giengen. 

(19) Endlich zum todt verurtlet in, 
wie ich euch ielz thue nennen, 
mit dem schwert in zu richten bin 
vnd darnach zuuerbrennen. 

(20) In dem gieng es als baldt von stat, 
das man es thet erfüllen, 

den was Phillatus geurtlet hat, 
das ist der pfaffen willen. 

(21) Ruefften also wol zu der schlacht 
disem schäfflein des herren; 

als er auf die richtstat war dtbracht, 
knieet er auff die erden. 

(22) Er keeret sein angesicht frisch 
gegen aufigang der sonne 

vnd sach geen himel über sich, 
fieng an zu beeten schone. 

(23) Ja hertzigclich rfiefft er zu gott 
mit auffgehabenn henden. 



das er sein warnem in der not, 
geh im ein säligs endte. 

(24) Nit als kan ichs erzellen zwar, 
wie er treulich thet beeten 

in angsichts alles volckhs so gar,, 
das sich versamlet hete. 

(25) Seer hertzlichs bat er in gemain 
f&r alle menschen eben, 

die es doch wierdig möchten sein,, 
das in got buess wöl geben. 

(26) Christlicher weiss lobet er gott 
für all sein grose gnadte, 

die er von im empfangen hat, 
sampt mancherlai wolthate. 

(27) Hort wie es sich weiter begab; 
dem henckher wars zu lange, 

er wolt er solt schier brechen ab^ 
mit seim gebeet ablane. 

(28) Nun aber die mäner im ghricht 
dem henckher weren theten, 
damit er in verkirtzet nicht, 
sonder gnueg lasse beeten. 

(29) Er hat also ausgfüert zu got 
sein gebeet vnuerhollen 

vnd seinen vnschuldigen todt 
gott im himel beuolhen. 

(30) Ja seinen geist vnd all sein sach 
haim gestellet dem herren; 

als er dises gar het volbracht, 
stuendt er auff von der erden. 

(31) Da gieng er hin mit freüden baldt 
zum henckher an das Schwerte 

so gar mit vnerschrockhner gstalt, 
knieet wider auff die erden. 

(32) Es entsetzt sich der henckher doch, 
thet in ein forcht an gane; 

er fraget erst den brueder noch, 
ob er ietz wolt abstaue. 



bt b&idt gab er im antwort, hJtrt, 

thet im Icurtz versageD ; 
ZQckfat der henckber aus das 
schwelt, 

: im sein haupt abacblageD. 
nacb bat er in auch verbreat, 

christenlichea faeldea. 
j er 80 redlich hat bekent, 

wir euch mQessen melden. 

gstalt man im vom leben hulff 
h der goUosen willen; 
it doch, wie die relBsenden wolff 

gett«8 sch&flein spillen ! 
18 Platner biesa er mit seim nam, 

Basseirer genennet; 
wiert vor gotes englen schon 

Christo hie bekennet, 
inn er kompt mit des himels h&r 
seinem grossen tage, 
die erden vnd auch das mOr 
er berfflr wird tragen 
) todten die darinnen sein; 
die an allen orten 



zu ftschen vnd zu pnlner klaio 
alfaie verbrent sein worden, 

(39) Die werden wider aoffersteen 
am gerichtstag des faerreo 
vnd lebendig berf^rher geen, 
wie voa die schrifft tbuet leeren. 

(40) An den roOrdern der frumen hie 
wiert got sein grim nit sparen, 
also lebendig mOessen sie 
hinab zur hellen faren. 

(41) Aber die scbafilen gottes rain, 
die solchen todt erliten, 

auch die sonst bis zum endt fmmb 
sein 

vnd redlich ban gestriten, 
(42J Die haben grose freidt erwardt, 

die nit ist zu ermessen, 

vnd ein seilige himelfart, 

das weil kainer vergessen. 
(43) gott, beut vns dein treue faandt, 

biteo wier dich allsamen ; 

hilff vns ins ewig vaterlandt 

dnrcb Jesam Christum! Amen! 



le Binder u. s w.} No. 8. 1577. 

Bin lledt von vnsern lieben brüedern Mathes Binder 
Panl Olockh Tnd Teit Urmacher, 

wie in gott aus iren gfencknusen gholffen hat 1577. 
Im thon: In gottes namen heb wier an. 

tr. 1 — 34 haben das Akrostichon: „Mathias Binder Paul Glock 
Frmacher". Das Cronickel meldet ihre ErlösuDg gleichfalls z. J. 
und hat ein Lied — also wol das unsrige — darüber. Uebrigens 
3n wir aus dem Cronickel, dass Math. Binder, ein Schneider, 
Eum Diener des Evangeliums gewählt war; Paul Glock ward 1580 
des Evangeliums und starb 30. Jan. 1585 zu Schakwitz. Veit 
iberger oder Drmacher, gleichfalls K80 zum Diener des Evan- 



175 



geliums gewählt, starb 17. März 1586 zu Schakwitz. Ueber Gefangen- 
schaft und Erlösung der drei gibt der Martelersp. kürzere Berichte S. 
964 (z. J. 1576) S. 961 (z. J. 1576) und 960 (z. J. 1570); auch des 
letzteren Befreiung wird hier schon ins Jahr 1576 gesetzt. 



(1) Merckh auff, du war christliche gmain, 
den kerren wGll wir loben than 
vmb sein failff hier auf erden, 

die er erzaiget seinem volckh, 
so sie kamen in gferden. 

(2) Aus aller not hat er erlöst 
den frumen allzeit wol getrost, 
wo sie lagen gefangen, 

von den gotlosen eingespört 

in gfenckhnuss, schloss vnnd banden. 

(3) Thet anch sein hilff beweisen recht 
Joseph seinem getreuen knecht; 

da er lag hart gefangen, 

halff im gott ans mit grosser krafft 

nach seins hertzen verlangen. 

(4) Herrlich machet er in fiirwar 
wider all seiner feinden schar, 
hat in gar hoch erhaben 

zum herren über all sein feindt, 
also seindt seine gaaben. 

(5) In der gestalt hat er auch than 
Danieln, der ein frumer man 
gott allein wolt anbeeten, 

drumb l^r die lewen gworffen wardt, 
das sie in selten tödten. 

(6) Aber der warhafftige gott 

kam im zue hilff in grosser not, 
thet solches frey erweren 
vnd half im aus der lewen grueb, 
ghriet im zu hohen eeren. 

(7) Standthafft Jeremias auch war, 
prophetiert den gotlosen dar 

ir straff thet er verkinden, 
was vom herren beschlossen war 
von wegen irer sünden. 



(8) Baldt er solchen beuelch voUendt,. 
kam er in der gotlosen hendt, 
theten in gfangen legen 

in kerckher auch lange zeit; 
gottes hilff thet er sehen. 

(9) Im hertzen hat er ghoft auff gott, 
deshalb wardt er auch nit zu spot^ 
sunder sein hilff erlanget; 

ob er schon steckht im tieffen muer,. 
halff im doch gottes handte. 

(10) Niemants von im verlassen wiert, 
wie hart er doch gefangen ligt, 
der auf in trauet gare; 

es ist sein hilff der herre gott 
überaus wunderbare. 

(11) Das hat er auch bewisen fein 
an Petro dem apostel sein, 
da er lag hart gefangen, 

mit köden bundeu an sein leib; 
da kam gar baldt gegangen — 

(12) Ein engel wardt gesandt von gott^ 
der halff im aus derselben not 
wol von den schweren banden, 

er thet all thüeren der gfenckhnus auff^ 
durch gottes gwaltige handte. 

(13) Reichlich dis auch erschinen ist 
an den apostlen Jesu Christ, 
da sie waren gebunden 

in gfencknuss schwer, wie solches wirt 
Actis am 5 gfunden. 

(14) Paulus, ein ausserwelter bot, 
gesandt von vnserm treuen gott, 
seinen namen zu tragen 

vorn haiden vnd vor jederman 
in disen trüebsallstagen — 



176 



<16) Als er gottes werckb triben hat 
zue Pbilippeu wol in der stat 
in Macedonia eben, 
stueodt im aucb grosser trfiebsaU zae, 
grangeo vmb leib vud leben. 

'oder aolcbem trflebsall behafft 

zaiget im der herr sein crafft, 
let die gotlosen rueren 
irch ein erdtbidem dazumal, 
elcben gott thet einfäeren. 
oset dadurch auff schloas vnd 

bandt, 
1 tbiereu giengen auff zue bandt, 
}t thet es also rechen; 
ir kercktaermaister also baldt 
olt sich Beiberater stechen, 
ar herrlich wir hie sehen thon, 
lio hilff an Fanlo vnd Silam, 
ie in gott ist begegnet, 
rlOst von der gotlosen bandt, 
ie den gott offt bat pfleget, 
last aach solch hilff erscheinen noch ; 
as nit kumb in vergessen doch 
iin wunder an den alten, 
} erneuet noch hent der herr 
;in nunder manigfalte. 
ib sich die weit schon grausam 

spert 
nd den frumen mit gwalt rer- 

spOrt, 
1 thuet der herr auf machen 
ie schloss vnd band in grossen 

zwang, 
inet iren darzue lachen. 

hridtliches hertz, nimb eben war, 
rie gott nur hilfft so wunderbar 
er gmain Christi mitglider, 
Is ir neulich erfaren wol 
Q vnsern liehen brüedern. 



(22) Eeckhiicben haben sie fürwar 
gestriten manch lange jar 

in gfenckhnuss. schloss vnd banden; 
got ist in frei kumen zne hilff, 
darvmb lobendt sein namen. 

(23) Von bertzen preisendt vnsern gott, 
der solche hilff bewisen ^at 
denen, die in bekennen; 

wies in suma ergangen ist, 
solt ir in kortz vememeu. 

(24) Ein frumer man, Paulus genant, 
wie ein maur het er ein bestandt 
im wiertenberger landte, 

ins neünzebendt jar gfangen lag, 
für die warheit gestanden. 

(25) Im taoseudt vnd fönffhundert jar 
drei vnd sibentzigeeten wardt 
noch weiter auch gefangen 
Mathias Binder haiat sein nam, 
bat vil Streits überstanden. 

(26) Treulich bats er bekennet zwar 
daselbst die warheit gottes dar 
bis in das vierte jare; 

gott hat sie ans gfenckuus erlöst 
allbaidt gantz wunderbare 

(27) Und dasselbig auff ainen tag 

durch solch mitel, wie ich euch sag, 
welcbs von gott ist kamen : 
das schloss, darin sie glegen sein, 
durchs feur ist abgebrunnen. 

(28) Redlich haben sie sich on clag 
bewisen auf den selben tag 
mit leschen vnd mit roten, 
aucb kainen trit gewichen nit, 
sunder allein gebeten, 

(29) Slan solt sie tetzundt ledig Ion, 

dan sie niembt schaden heten thon, 
weiten auch wol versprechen, 



das sie ire gefeockhnua scfaner 

Dimermer wolten recbeo. 
(30) Also von gott eia mitel gschicht ; 

bald der fäerst solcbes war beriebt, 

gab er b«aelcb, merckht eben, 

man solt die firamen ledig Ion, 

darzue ein zernng geben. 
(91) Cbristlicber mass ist nnn die BOm 

gemelt von disen brüedein frnmb, 

wie es sieb bat ei^angen, 

wie sie gott bat mit seiner crafft 

erlöst von iren banden. 

(32) HSrt weitter gottes wnnder, mer, 
was gethon bat got vnser herr 
Qocb einem seinen gbngnen; 
wiewol es Tnverhofflicb war, 
docb tbet es an in glangen. 

(33) Er ist auch io der gfenckhaas zwar 
gelegen bis ins sibendt jar, 
verschtoasen vnnd gefangen; 

zu Saltzbnrf; in des fäersten scbloss 
bat er das überstanden. 

(34) Bitterlicb im herren bebart 
vod also auff sein gott gewart, 
seine feindt überwunden, 

md ist mit seinem gott fürwar 
aber die manren gsprangen. 

(35) Gleich wies vor zeiten gangen bat 
zne Damaeco wol in det stat; 
derselb landtpfleger eben 

wolt Paulnm, den apostel frnmb, 
greiffen Tsd gfangen l^n. 

(36) Aber im korb an ainem sail 
wardt er zum fenster aus mit eil 
Aber die mauren glassen; 

also bat gott den frnmen man 
ancb gbolSen aus dem schlösse. 

(37) Diser beldt ist vns wol bekandt: 

Vät ürmacber wiert er genandt, | 

Abb. d. UL Cl. d. k. Ak. d Wiaa. XIII. Bd. I. Abth, 



gott bat er glauben ghalteu, 
im trnebsal schwer ist er beweri 
vnd von gott nit gespalten. 

(38) Also hat gott die alle drei 
in einem jar erlöset frey 
vnd sein voickh widergeben; 

er hats vns auff ein neues gschen( 
vns hoch erfrefldt darneben. 

(39) Darumb loben wir gott allzeit 
vnd preisen in vmb diso tVefidt^ 
dem benen wCl wier singen, 
singen wOU wier dem höchsten { 
das es vor im ihnet klingen. 

(40) Wolanff, psalter vnd lol^esang, 
machend dem herm ein sftessen 

klang, 
danckhendt frfllich dem herren 
in dem neäen Jerusalem 
zne seinen grossen eeren! 

(41) Herr du hast gross in dem getb 
herrlich hastn gebandlet schon, 
zne einem sundern zaichen 

der liebe gegen deine gmain 
thaestu solch gnadt darreichen. 

(42) Darin sein wir der hoffnung bh 
du werdst dein voickh in diser 
ietz Streckben vnd erbaaen 

mit den bewärten zeugen guet, 
die dir haben vertranet. 

(43) Vnd deiner hilff genumen war 
an inen selbs besnnderbar 
gantz reicbliehen entpfunden 
daran: b sey dier gott abermal 
vil lob vnd preiss allestanden. 

(44) Daraus lern nun ein jeder wol, 
wie man auff gott vertrauen soll 
wen es sich last ansehen, 

kein hoffnung sey verbanden mei 
80 tbuets am ersten gscheben, 
23 



tor aller gflet, 

skh anff erden bhfiet, 

men 

Bin grosse eer 

rütam. Amen ! 



B ei träge 

zur 

Geschichte der Waldesier 
im Mittelalter. 

Von 

Wilhelm Preger. 



Abh. d. Iir. Cl. d. k. Ak. d. Wüs. XIII. Bd. I. Abth. 



Beiträge 

zur 

* 

Geschichte der Waldesier im Mittelalter 

von 

Wilhelm Preger. 



Unter den Secten des Mittelalters nehmen die Waldesier oder, wie 
sie gewöhnlich aber nicht richtig heissen, die Waldenser eine hervor- 
ragende Stelle ein. Sie haben Anschauungen, welche nachmals im 
16. Jahrhundert in einem grossen Theile Europas die Herrschaft er- 
langten, schon zu einer Zeit vertreten, in welcher die römische Kirche 
noch in ungeschwächtem Ansehen und auf der Höhe ihrer Macht stand. 
Sie haben auf gebrechlichem Fahrzeuge mit scheinbar geringen Mitteln 
die stärksten Stürme bestanden, welche Rom gegen sie entfesselte. Noch 
heute bilden sie in den romanischen Ländern ein zwar schwaches aber 
immerhin reformatorisches Element. Für die deutsche Forschung aber 
(durfte mit der Zeit das Interesse, das sie erwecken, noch durch die 
«Wahrnehmung gesteigert werden, dass sie auf die religiöse Meinung in 
Deutschland vor der Reformation einen umfassenderen und stärkeren 
^Qfluss ausgeübt haben, als bis jetzt noch erkannt ist. 

Um der zuerst genannten Gründe willen ist denn auch die Geschichte 
"ör Waldesier vielfach untersucht und dargestellt worden und insbe- 
sondere ist dies in neuerer Zeit geschehen, als man Gründe gefunden 
^^ Haben glaubte, die Richtigkeit der Ansicht, welche seit etwa drei 
Jahrhunderten über den Ursprung und die Meinungen der Secte im 

24* 



182 

Mittelalter geherrscht hatte, in Zweifel zu ziehen. Jene Ansicht ging dahin, 
dass die Waldesier viel älteren Ursprungs seien als die katholischen 
Quollen des Mittelalters angeben, und dass sie im wesentlichen alle 
charakteristischen Lehren des späteren Protestantismus bereits gehabt 
hätten. Sie stützte sich, um beides zu beweisen, vornehmlich auf die angeb- 
lich sehr alten in romanischer Sprache verfassten Schriften der Waldesier. 
Denn während die alten katholischen Quellen die Secte um das Jahr 
1170 durch Waldez gestiftet sein lassen, bringen einzelne jener Schriften 
chronologische Merkmale, nach welchen die Secte zum mindesten schon 
um 1100 vorhanden gewesen sein müsste ; und während die katholischen 
Quellen die alten Waldosier als ziemlich tief in der Lehre der mittel- 
alterlichen Kirche befangen erscheinen lassen, trägt jene Literatur viel- 
fach einen sehr ausgesprochenen protestantischen Charakter. 

Die neueren Untorsuchungen galten nun vor allem der Krage, ob 
jene waldesische Literatur als eine unverfängliche Quelle för die ältere 
Zeit der Secte benützt werden könne. Nachdem zuerst englische Ge- 
lehrte und von den deutschen Herzog ihre kritischen Bedenken gegen 
das angeblich hohe Alter jener romanischen Schriften geltend gemacht 
hatten, erschien Dieckhoffs werthvolle Arbeit^), in welcher für einen 
grossen Theil der genannten Schriften die völlige oder theilweise Un- 
ächtheit mit zureichenden Gründen erwiesen wurde. Dieckhoff suchte 
aus der Unterhandlung des waldesischen Barben oder Predigers Morel 
mit dem Reformator Basels Oekolampadius die waldesische Lehre^ wie 
sie unmittelbar vor der Reformation war, zu ermitteln, dann stellte er 
aus den Beschlüssen der waldesischen Synode vom Jahre 1532 fest, 
was von dieser als neues Element aus der Lehre der Reformatoren auf- 
genommen wurde. Mit dem Ergebniss dieser Untersuchung stand nun Vieles 
in jenen Schriften in ofifenbarem Widerspruch und es blieb nichts als 
die Annahme übrig , dass man jene Schriften untergeschoben oder in 
protestantischem Sinne gefälscht habe. Bei anderen bis dahin für älter 
gehaltenen Schriften wies Dieckhoff nach, dass sie die Confession der 
böhmischen Taboriten vom Jahre 1431 zur Voraussetzung hätten. 



1) Die Waldenser im Mittelalter. Göttlogen 1851. 



k 



18 



Q 



Dieokhoff hatte die Literatur der Waldesier nur soweit sie gedruckt 
war untersuchen können. Herzog hat sie dann zu Genf und Dublin 
in den Handschriften selbst der Prüfung unterzogen und er konnte die 
Resultate Dieckhoffs im wesentlichen nur bestätigen^). Doch meinte er 
neben den ganz oder theilweise unächten Schriften noch eine Anzahl 
ächter gefunden zu haben, für deren Abfassung er die Zeit von etwa 
1200 — 1400 annahm, und aus diesen hat er dann die Ansichten der 
Secte in der früheren Zeit darzustellen gesucht. Seit nun aber die 
Handschriftensammlung Morlands, welchen einst Cromwell in die Thäler 
der Waldesier geschickt hatte, in neuester Zeit wieder aufgefunden 
worden ist und sich gezeigt hat, dass die Nobla leiczon, eines der unter 
die frühesten gesetzten Werke, ursprünglich nicht 1100 sondern 1400 
Jahre seit der Abfassung der neutestamentlichen Schriften verflossen 
sein liess^): geht auch Herzogs Urtheil dahin, dass wohl kaum ein 
Stück der alten waldesischen Literatur über das Jahr 1400 zurück- 
reichen dürfte^). 

Damit sind wir denn für die älteste Gestalt der Secte wieder auf 
die katholischen Quellen zurückgewiesen, die nicht ohne Widersprüche 
sind und uns über manche wichtige Punkte im Dunkel lassen. 

Neue Quellen; Anfsehlflsse Aber einige ältere. 

1. Bei diesem völligen Mangel an sicheren Zeugnissen aus dem 
Kreise der alten Waldesier stellt sich ein bisher noch unbekanntes 
Schriftstück, ein Sendschreiben der mit den Waldesiern verbrüderten 
italischen Armen über ihre Streitigkeiten mit diesen, aus der ersten 
Hälfte des 13. Jahrhunderts stammend, als die weitaus werthvoUste 
Quelle dar, welche wir über die früheren Zeiten der Secte bis jetzt 
besitzen*). Ich werde es zur Grundlage für meine Erörterungen über 



1) Die romanischen Waldenser etc. Haue ISöS. 
2} ben ha mil e • . . . oent ancz compli entierament 

qae fo scripta Tora car sen al derier temp. 
Vor dem Worte cent war das IUI ausradirt. 
8) Real-Encyclopädie för protest. Theologie und Kirche Bd. XKYII. S. 622 cf. S. 527. 
4) Cod. lat. Monao. 811 f. 86b — 90a: Rescriptnm heresiaroharam Lombardie ad pauperes de 

Lagdnno qui sunt in Alamania. S. Beilagen I. 



184 

die Waldesier machen und es im Anhange mittheilen. Es ist uns in 
einem im Jahre 1260 verfassten grösseren Werke erhalten, das sich 
handschriftlich in München befindet und von welchem nachher die Bede 
sein soll. Das Sendschreiben ist im Namen der italischen Armen von 
zehn ihrer Vertreter an ihre Brüder und Freunde jenseits der Alpen 
(trans alpes) gerichtet, und berichtet über einen Convent bei Bergamo^), 
der im Mai 1218 zwischen sechs Abgeordneten der italischen Armen 
und eben 80 vielen der Waldesier stattgefunden hatte, und auf welchem 
die Streitigkeiten zwischen den beiden verbrüderten Societäten beigelegt 
werden sollten. Von den sechs italischen Abgeordneten, deren Namen 
alle genannt sind, stehen fünf auch unter denen, welche unser Send- 
schreiben ergehen lasäen: es kann dasselbe also nicht sehr sp&t nach 
dem Convente von 1218 erlassen sein; aber auch nicht schon in der 
nächsten Zeit nach demselben, da die Verhandlungen zu Bergamo als 
solche bezeichnet werden, welche vor längerer Zeit (olim) stattgefunden 
haben. Wir werden darum schwerlich weit irre gehen, wenn wir das 
Schreiben ungeft»hr in die Zeit des Jahres 1230 setzen. Da die Er- 
klärungen, welche von den beiden Parteien zu Bergamo abgegeben 
wurden, ihrem Wortlaut nach mitgetheilt werden, so erhellt, von welcher 
Bedeutung unser Schriftstück für die Kenntniss der Ansichten beider 
Sectenkreise sei; und auch das, was die italischen Armen über die 
Ansichten der Waldesier ausserdem noch berichten, hat einen weit 
höheren Werth als die Angaben der katholischen Schriftsteller, da jene 
mit den Waldesiern verbrüdert waren und von deren Ansichten die 
genaueste Kunde haben mussten. 

2. Unser Sendschreiben findet sich, wie oben bemerkt ist, in einem 
Werke von 1260, das von den Juden, Heiden und Ketzern handelt. 
Die Staatsbibliothek zu München besitzt dieses Werk in drei Hand- 
schriften ^). Aus ihm hat Gretser Bruchstücke ohne das Sendschreiben 



1) f. 86 a. b. : Soire autem fratres Yolamus de controversia que intra nos et ultramontanos 
electos Valdesij sooios iam diu versatur, ad qaem finem olim anno nativitatis Christi 
MCCXVIII mense Maio iuxta civitatem Bergami post multas inqaisioiones invicem habitas 
potuimus peryenire. 

2) Cod. lat. 311. 2^ membr. XIV 8c. ~ Cod. lat 9558. 2^, membr. XIV so. (aas dem Kloster 
Ober-Alteich). — Cod. lat. 2714. 2'\ membr. Scheint die erste Anlage des Werkes za ent- 



185 

unter dem Titel: Reineri ord. praed. contra Waldenses haereticos liber 
herausgegeben^). Die Aufschrift ist falsch. Rainers Summa gegen die 
Katharer vom Jahre 1250 ist einer von den verschiedenen Tractaten 
fremder Schriftsteller, welche der Verfasser in sein Werk mit aufgenommen 
hat. Gretser fand statt der wenigen Sätze, welche der ächte Rainer am 
Schlüsse seiner Summa über die Waldesier bringt, hier eine sehr reich- 
haltige Zusammenstellung über dieselben so wie noch über einige andere 
Secten und hielt das alles für Rainers Werk. Von dieser Zusammen- 
stellung schrieb er Stücke ab, verband sie in ganz willkürlicher und 
ungeschickter Weise und gab sie mit Rainers Summa unter dem oben 
angeführten Titel heraus. Gieseler erkannte die fremdartigen Zuthaten 
zu der Summa und erklärte sie für eine sehr verwirrte und gedanken- 
lose Compilation eines deutschen Inquisitors aus dem Ende des 13. Jahr- 
hunderts. Allein der Vorwurf Gieselers triflFt nur Gretser oder etwa 
den Compitator, welchem Gretser gefolgt sein mag. Das ursprüngliche 
Werk zeigt jene Unordnung keineswegs; es vermengt auch nicht das 
Eigene mit der Summa, sondern gränzt diese wie die verschiedenen 
andern fremden Stücke durch die Ueberschriften deutlich von der 
eigenen Arbeit ab. Auch stellte der Verfasser sein Werk nicht gegen 
Ende des 13. Jahrhunderts zusammen, wie Gieseler meint, oder gegen 
Ende des Mittelalters, wie Dieckhoff vermuthet, sondern im Jahre 1260, 
wie an zwei Orten im Buche selbst deutlich ausgesprochen ist^). 

Der Verfasser sagt, er habe der Inquisition gegen die Häretiker 
häufig beigewohnt^) und spricht von der in der DiöcesPassau abgeehaltenen, 
aus der er 42 Gemeinden namhaft macht, in denen die Waldesier Ein- 



halten, jene beiden andern das vom Autor ausgeführte voUständige Werk. Der Schrift 

nach könnte die zuletzt bezeichnete Handschrift aus der Zeit des Verfassers selbst herrühren. 

Sie stammt ans dem Kloster Alderspach. Üeber Titel und Inhalt des Werkes s. Näheres 

in meiner Oeschiohte der deutschen Mystik im Mittelalter I, 169 £f. 
1) Max, biblioth. veterum patrum Tom. XXV. Lugd. 1677 f. 262 sqq. 
2} Cod. Sil f. 68b.: Beweis für die Wahrheit der christl. Lehre: Duravit enim MCCLX annis; 

cf. f. 61a: quia est diuturnior, duravit enim per MCCLX annos. 
3) Cod. lat. 311 f. 80 a: Inquisicioni et ezaminacioni hereticorum frequenter interfui et con- 

putate sunt in dyocesi XL eoclesie que heresi infecte fuerunt et in sola parochia Com- 

mach X scole hereticorum et huiua paroohie plebanus est ab hereticis interfectus et de hoc 

nullum iudicium est secutum. 

cf. 1. c. f. 90a: has ecclesias infecerant leoniste: Prima ecdesia in Lenginveld et ibi 

scole 80. Chonnat et ibi scole plures et plebanus occisus est ab eis. 



136 

gang gefunden hätten. Auch die Orte, die er nennt, wo er kirchliche 
Zustände schildert, gehören der Passauer Diöcese an. Man sieht, dass 
er hier heimisch ist. Auch stammt die älteste Handschrift des Werkes 
aus Alderspach, einem in den Passauer Sprengel gehörigen Kloster. 
Ich habe daher den Verfasser, da die seit Gieseler gebräuchliche Be- 
zeichnung Pseudo-Rainer nun nicht mehr zutrifft, den Passauer Ano- 
nymus genannt. Die Diöcese Passau umfasste vornehmlich das Herzog- 
thum Oesterreich. Das meiste, was der Verfasser über die Waldesier 
aussagt, hat er bei der Inquisition in dieser Diöcese aus dem Munde 
der Häretiker selbst vernommen^). Somit haben wir in dem Passauer 
' Anonymus eine Quelle über die österreichischen Waldesier um die Mitte 
des 13. Jahrhunderts. 

3. Ebenso unsicher, wie über die zuletzt besprochene Quelle war man 
bis auf die neuere Zeit in Betreff eines Tractats über die Waldesier, für den 
Martene und Durand^) keinen Verfasser zu nennen wussten, den aber 
schon Franziskus Pegna einem Dominikaner Yvonet zugeschrieben hatte^). 
Pegna wollte diesen Tractat unter dem angegebenen Namen in einer 
Handschrift der vaticanischen Bibliothek gefunden haben. Der Domini- 
kaner Echard^) bezweifelte die Richtigkeit dieses Namens und glaubte, 
Pegna habe unsren Tractat und das Werk des Dominikaners Moneta gegen 
die Waldesier verwechselt, denn Moneta heisse auch Simoneta und Pegna 
citire des angeblichen Yvonet Werk unter einem Titel und nach einer 
Eintheilung, welche wohl auf Monetas Werk, nicht aber auf den frag- 
lichen Tractat passten. Auch fand der in der Geschichte seines Ordens 
sehr gut orientirte Echard von dem Namen Yvonet sonst nirgends eine 
Spur. Nun schreibt eine Stuttgarter Handschrift 1470 den Tractat 
einem Minoriten David zu, und auf dieses hin suchte Franz Pfeiffer^) 



1) 1. c. f. 80b: Plarima de hijs qae sabscripta sant, andivi ex ore ipsorum hereticoram in 
sollempni examinacione et pablica stacione, plurima eciam in coUacione hereticoram, qae- 
dam eciam in scriptis catholicorum. 

2) Thesanrns noy. anecdotorum 1777 Tom. V. f.: 1777 sqq.: Tractatus de haeresi pauperam 
de Lagdano auctore anonyme. 

3) Directorlum inqaisitornm Nie. £ymerici cum comment. Franc. Peniae. Venet.~1595 f. 279. 

4) Qaetif et Echard, Scriptores ord. praedicatornm T. I. p. 484. 

5) Haupt, ZeiUchrift far deutsches Alterthum, 1858. Bd. IX, S. 66 fif. 



187 

durch Stellen aus den Predigten des Berthold von Regensburg, welche 
an den Tractat erinnern, zu beweisen, dass jener David kein anderer 
alsBertholds Lehrer, David von Augsburg sei. Wenn nun gleich Pfeiffers 
Beweisführung noch nicht völlig überzeugend schien, so hatte er doch 
in der Sache das Richtige getroffen. Denn eine Münchner Handschrift, 
auf welche mich Herr Bibliothekar Dr. Thomas aufmerksam zu machen die 
Güte hatte, nennt gleichfalls in der Aufschrift zu unserm Tractat Bruder 
David als Verfasser. Da diese Handschrift ^) von gleichem Alter mit der 
Stuttgarter ist und sich als unabhängig von derselben erweist, da sie ferner 
aus der Abtei Roggenburg im bairischen Schwaben stammt und noch 
ein anderes Werk enthält, das bei gleicher Verfasseraufschrift unbe* 
stritten dem David von Augsburg zugehört^ so kann kein Zweifel mehr 
sein, dass dieser letztere der Verfasser sei^j. David von Augsburg, 
der berühmte Lehrer des grossen Predigers Berthold, starb 1272. Sein 
Tractat will Anweisungen für die Inquisition gegen die povre de Leun 
(paaperes de Lugduno) oder Waldesier geben. 

In Rieds Urkundensammlung aus dem Bisthum Regensburg^) findet 
sich in einer Urkunde zum Jahre 1265: in Nitnaw inventi sunt et 
comprehensi haeretici sectae pauperum de Lugduno. Wie in den fünf- 
ziger Jahren in Oesterreich, so ist in den sechziger Jahren in Baiern 
die Inquisition gegen die Waldesier thätig. David gehörte der süd- 
deutschen Provinz des Franziskanerordens an. Seine Rathschläge für 
die Inquisition gründen sich auf Erfahrungen, die er selbst gemacht 
hat. So fliesst in seinem Werke eine zweite mit dem Passauer Ano- 
nymus ziemlich gleichzeitige Quelle über süddeutsche Waldesier. Ich 
will hier noch bemerken, dass die Münchner Handschrift den Tractat 
vollständiger enthält, als er gedruckt ist. 

4. Die spätere Geschichte dieser Waldesier in Süddeutschland genauer 
zu kennen würde besonders um deswillen von Werth sein, weil von ihr 
aus ein Licht fallen müsste auf das Verhältniss der Waldesier zu der 
husitischen Bewegung, über welches die Ansichten sehr auseinander- 



■ 

\ 1) Cod. lat. 16312. 2*. f. 210 sqq. TracUtus fratris dtfuid de iDqaisioione hereticornm. 

2) VieUeicht hat dem Pegna ein undeatlich geschriebenes daoid Anlass gegeben Yvonet la lesen. 

3) Cod. chronol. diplom. episc. Ratisbon. I, 481. * 

Abb. d. m. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 25 



L 



188 

gehen« Während nämlich von den meisten Schiiftstellern die Husiten, 
insbesondere die Taboriten, als die geistigen Söhne der Waldesier 
angesehen wurden, bestritten andere, vornehmlich böhmische Autoren, 
diese Abhängigkeit. Palacky^) fasst seine Antwort auf die Streitfrage 
dahin zusammen, „dass die husitischen Böhmen beides gewesen seien: 
SchQler und Lehrer der Waldesier, aber mehr letzteres als ersteres'^ 
Es käme f&r die Bereinigung dieser Frage vor allem auch darauf an, 
zu ermitteln, ob die Waldesier zu Ende des 14. Jahrhunderts hin- 
reichend stark in Böhmen vertreten waren, um ihnen einen Einfluss 
auf die Richtung der Bevölkerung zumessen zu können. Weiter 
müsste die Lehre der böhmischen Waldesier unmittelbar vor dem Ein- 
tritt der husitischen Bewegung festgestellt werden können, wenn man 
ein sicheres Urtheil über ihren Einfluss auf die Ansichten des Hus und 
auf die der Taboriten gewinnen wollte. HiefQr aber hat man bis jetzt 
einen Tractat ausser Acht gelassen, welcher offenbar die Verhältnisse 
der Waldesier in Böhmen und den angränzenden Ländern zur Grund- 
lage hat, und welchen Gretser, der ihn veröffentlichte, ins Jahr 1444 
betzt und dem Peter von Pilichdorf zuschreibt^). Denn ist der Tractat 
erst im Jahre 1444 entstanden, dann ist er allerdings für die Ent- 
scheidung der Frage unbrauchbar. Nun aber hat Gretser, welcher in 
der Handschrift, nach welcher er den Tractat abdrucken liess, jenes 
Jahr gefunden haben will, offenbar eine Schreibernotiz, welche sagt, 
in welchem Jahre die Handschrift angefertigt wurde, für eine Angabe 
über die Zeit der Abfassung des Tractats selbst genommen. Denn dass 
dieser nicht im Jahre 1444 sondern schon bei fünfzig Jahre früher, 
nämlich im Jahre 1395 entstanden sei, das geht ganz zweifellos aus ihm 
selbst hervor. ,|Wie man jetzt*', so heisst es in dem Tractate^), ,,das Jahr 
1395 schreibt, so sind 1362 Jahre ungefähr vergangen, seit Christus 



1) Ueber die Beziehangen und das Verhältniss der Waldenser zn den ehemaligen Seoten in 
Böhmen. Prag 1869. S. 27. 

2) Max. bibl. vet. patr. T. X2LV. f. 277 eqq Dieser Tractat findet sich anch Cod. lat. Monte. 
5888. 2^. 15. sc. Pap. f. 118—289: Tractatns contra errores Waldensium et de modo in- 
qairendi contra eosdem Waldenses. Die Handschrift kann dienen, den Text hie nnd da 
zn yerbessem oder za ergänzen. 

3) Max. bibl. 1. c f. 295. 



L 



189 

für uns gelitten hat". Die Addition des 33. Jahres Christi als des für 
seinen Tod angenommenen Jahres zu 1362 beweist, dass das Jahr 1395 
nicht etwa ein Schreibfehler ist. Somit ist also der Tractat vor dem 
Eintritt der husitischen Bewegung geschrieben, und da er auf den Er- 
gebnissen der Inquisition in Thüringen, in der Mark, in Böhmen und 
Mähren beruht, eine wichtige Quelle, wenn es sich darum handelt, die 
Lehre der böhmischen Waldesier unmittelbar vor dem Auftreten des 
Hus festzustellen. 

5. Der Verfasser des eben besprochenen Tractats vom Jahre 1395 
bezieht sich auf eine Inquisition gegen die Waldesier, welche in Thü- 
ringen und der Mark, in Böhmen und Mähren stattgefunden habe. Er 
erwähnt auch der Inquisition, welche „gegenwärtig^^ in Oesterreich und 
Ungarn wirksam sei. Von jener Inquisition hatte Flacius zahlreiche 
Actenstücke vor sich; von dieser besitzen wir mehrere in einer Hand- 
schrift unserer Staatsbibliothek^). Diese Handschrift bringt zuerst den 
besprochenen Tractat vom Jahre 1395, und in unmittelbarem Anschluss 
daran die Actenstücke aus der Inquisition in der Diöcese Passau. Die- 
selben umfassen die Jahre 1395 — 1398 und rühren von dem Pro- 
vinzial der Cölestiner Petrus her, welcher die Inquisition leitete. Es 
sind vier Urtheilssprüche, deren jeder einige Waldesier zugleich befasst 
(239b), dann ein von Petrus herrührendes Verzeichniss der waldesischen 
Irrthümer (244a), ein Verzeichniss von Fragen, welche der Inquisitor 
an die Ketzer zustellen hat (246 a), die deutschen Abschwörungsformeln 
(247 a) und eine lateinische Gebets- und Absolutionsformel für die reu- 
müthigen und begnadigten Waldesier (248). Sind die Urtheilssprüche 
charakteristisch für das Verfahren der Inquisition und für die von ihr 
Verfolgten, so ist das Verzeichniss der waldesischen Irrthümer von 
Werth, weil es einen Einblick in den Stand der Secte in Oesterreich 
unmittelbar vor Eintritt der husitischen Bewegung gewährt, und zugleich 
constatirt, dass die Secte seit dem 13. Jahrhundert in diesen Landen 
ununterbrochen fortbestanden hat. 



1) Cod. lat. 5838 f. 239b— 248. 

25* 



190 



Die Waldesier im Mittelalter nach den neueren Forschungen. 

Ehe wir daran geben, das Wesen der französischen, englischen und 
deutschen ;, Armen'' im Mittelalter auf Grund unserer namhaft gemachten 
Quellen nach einzelnen Seiten hin zu erörtern, erscheint es förderlich, 
zuerst das Bild kennen zu lernen, welches uns die neuere Forschung 
von den älteren Waldesiern bietet. Wir stellen zu diesem Zwecke die 
Resultate, zu denen Dieckhoff und Herzog gelangt sind, zusammen. 

So verschieden auch sonst die Meinungen. über den ursprünglichen 
Charakter der Waldesier sein mögen : darüber ist man nicht im Zweifel, 
dass sie die Autorität der Schrift über die der Kirche und ihrer Tra- 
dition erhoben und dass sie das Recht freier Prüfung für sich in Anspruch 
nahmen. Sie haben auf Grund der Schriftlehre, für deren Kenntniss 
im Volke sie durch Ueber Setzungen in die Landessprache und durch 
Unterricht Sorge trugen, die von ihr abgekommene und verweltlichte 
Kirche zu reformiren gesucht. 

Folgendes sind im einzelnen die charakteristischen Züge, aus 
welchen sich ihr Bild nach den neueren Forschungen zusammenfügt: 

Die Waldesier sind ein um 1170 von Waldez von Lyon gestifteter 
Verein von Laien, ein Verein für apostolisches Leben und für freie 
apostolische Predigt. Wegen ihres unberufenen Predigens erst gehindert, 
dann gebannt von der Kirche, beriefen sie sich dieser Autorität gegen- 
über auf die höhere Autorität der Schrift. Allerdings habe nicht joder, 
80 gaben sie zu , das Recht zur Predigt und zur Vornahme geistlicher 
Functionen: keineswegs aber gewähre erst die kirchliche Ordination 
Recht und Kraft; beides wurzele vielmehr in der apostolischen Lebens- 
weise der priesterlich Handelnden. Die Waldesier fassten indess die 
Schrift in äusserlicher und gesetzlicher Weise auf und kannten den 
tieferen Unterschied zwischen dem alttestamentlichen Gesetz und 
dem durch Christus gebrachten Evangelium nicht. So nahmen sie 
denn von der herrschenden Kirche die althergebrachte irrthümliche 
Auffassung von einer höheren Vollkommenheit mit herüber, welche 
nicht auf dem für Alle gültigen Gesetz, sondern auf besonderen 
Regeln ruhe, und sie sahen die von ihren Predigern erstrebte apo- 
stolische Vollkommenheit in der Nachahmung derselben Formen, in 



k 



191 

welchen sich einst der Schrift zufolge das Leben der Apostel kund 
gegeben hatte. Sie hielten für Kennzeichen solchen Lebens die frei- 
willige Armuth, später auch die Ehelosigkeit, sie verboten ihren Pre- 
digern die Handarbeit und verwiesen dieselben für ihren Lebensunter- 
halt an die Glaubigen. Gemäss den Vorschriften, welche der Herr bei 
Aussendung der zwölf und der siebenzig Jünger gab, zogen die walde- 
sischen Prediger je zu zweien und, ehe die Verfolgungen Vorsicht 
geboten, in einer eigenen Tracht durch das Land. Da es die Heiligung 
des Lebens war, auf die sie vor allem drangen und für welche sie die 
Morm in der Schrift suchten, so griffen sie von den Lehren und Ge- 
bräuchen der Kirche vornehmlich das an, was den Ernst heiligen Lebens 
zu gefährden schien, wie die Lehre, dass die Mittheilungen der Gnade 
an die Priesterweihe, an geweihte Orte und Dinge gebunden seien. Sie 
verwarfen die Anbetung der Hostie, den Bilderdienst, die Anrufung der 
Heiligen, die Lehre vom Fegfeuer und die darauf sich gründenden 
Fürbitten , Messen und Gebete. Als wider das Evangelium streitend 
erschien ihnen das Schwören, das Verhängen der Todesstrafe, die Ver- 
breitung des Christenthums durch Gewalt und die äusserliche Bestrafung 
des Abfalls von demselben. Auf die Heiligkeit des Lebens gründeten 
sie den Frieden des Einzelnen mit Gott, und auf die höhere apostolische 
Vollkommenheit das Priesterrecht. Trotzdem haben sie z. B. die Eucha- 
ristie nur in vereinzelten Fällen von ihren Predigern verwalten lassen, 
sonst aber, wo es anging, sie aus den Händen der römischen Priester 
empfangen. Nur die italischen Armen richteten einen eigenen Priester- 
stand ein, scheinen aber von diesem die genannten Merkmale aposto- 
lischen Lebens nicht als nothwendige Bedingung gefordert zu haben. 
Dunkel ist, ob die Waldesier die Rangunterschiede von Bischof, Pres- 
byter und Diakon wirklich gehabt haben, oder ob sie dieselben nur 
als gerade nicht verwerfliche Gliederung an der römischen Kirche 
unbestritten Hessen. Eine Art von Rangordnung scheint unter ihren 
perfecti , wie die nach apostolischer Weise Lebenden einigen römischen 
Quellen zufolge im Unterschiede von den gewöhnlichen credentes geheissen 
haben sollen, bestanden zu haben, da man bei ihnen die Bezeichnungen 
majoralis, major und minor für ihre Prediger und Leiter angegeben findet. 
In den italischen Armen sieht Dieckhoff eine Mischform aus walde- 



192 

siachen und älteren Elementen, and er. ist geneigt mit d'ArgentrS diese 
älteren Elemente auf Arnold von Brescia und dessen Secte zurQckzu- 
föhren, während Herzog in seiner späteren Darstellung in den itali- 
schen Armen nur Waldesier sieht, welche bei den für die Sectenbildung 
günstigeren Verhältnissen Italiens in etwas schärfere Opposition zur 
römischen Kirche getreten seien, als ihre französischen Genossen. 

Wir sehen aus dieser Zusammenstellung, dass die Frage über den 
Ursprung der italischen Armen noch keine sichere Lösung gefunden 
hat und ebenso, dass in Bezug auf die Verfassung der Waldesier noch 
fast alles dunkel ist. Als ein Widerspruch erscheint es, dass die Wal- 
desier das Recht und die Kraft für priesterliche Handlungen auf die 
Voraussetzung eines in apostolischer Weise geführten Lebens gegründet 
haben und dann doch sich mit der Verwaltung der Eucharistie durch 
Priester der römischen Kirche begnügt haben sollen. Der Versuch 
Dieckhoffs, dies so zu erklären, dass ihnen über ihrem Hauptzweck der 
Predigt die Consequenz ihres Princips von dem Priesterrechte noch nicht 
vollständig zum Bewusstsein gekommen sei, will angesichts der itali- 
schen Armen, welche einen eigenen Priesterstand einrichteten, nicht 
recht ansprechen. Auch jenes Princip selbst, dass Recht und Kraft 
für priesterliche Handlungen auf dem in seiner Besonderheit gefassten 
apostolischen Leben ruhe, wird zweifelhaft angesichts der katholischen 
Zeugnisse, nach welchen die Waldesier ein allgemeines Priesterthum, 
ähnlich wie es später der Protestantismus that, gelehrt haben müssen. 
Dieckhoff sucht zwar das Gewicht dieser Zeugnisse zu verringern, indem 
er die in ihnen mitgetheilten Anschauungen entweder als nicht-walde- 
sisch erklärt oder z. B. in Bezug auf den von Stephanus de Borbone 
gebrachten Satz: omnes bones esse sacerdotes den Nachweis zubringen 
sucht, dass sich bei den Waldesiern an den Begriff des guten Laien 
eine prägnantere Bedeutung geknüpft habe: allein seine Erörterung 
macht doch den Eindruck eines gewaltsamen Verfahrens, und in der 
Folge wird sich auch klar herausstellen, dass er nicht Recht hat. Auch 
das will uns in der obligen Zusammenstellung fraglich erscheinen, dass die 
Waldesier eine tiefere Erkenntniss des Unterschieds von Gesetz und 
Evangelium nicht gehabt haben sollen, während doch der Hinweis 



■ ■ ■■ 



' 



193 / 



darauf, dass sie eines mittleriscfaen Priesterthums nicht zu bedürfen 
glaubten, eine Spur solcher tieferen Erkenntniss zu sein scheint« 

Wir wiesen auf die Lücken hin, welche die neuere Forschung noch 
unausgefüUt lässt, und auf das dunkle und widerspruchsvolle^ was sich 
in ihren Sätzen über die alten Waldesier noch findet, um unsere Auf- 
merksamkeit zu schärfen für jenes Sendschreiben der italischen Armen, 
das wir als eine neue und wichtige Quelle für die Ergänzung und Richtig- 
stellung des Bildes der Secte nun zu nützen versuchen wollen. 

Tnabhängigkeit des Ursprungs der Italischen Armen von den Waldesiem. 

Während Dieckhoff und früher auch Herzog in den italischen 
Armen eine Mischform aus älteren und waldesischen Elementen zu er- 
kennen glaubten, änderte Herzog später seine Meinung dahin ab^ dass 
er nun, wie schon bemerkt wurde, die italischen Armen für Waldesier hält, 
welche von den Verhältnissen Italiens begünstigt nur in etwas schärfere 
Opposition gegen Rom getreten seien als die französischen Waldesier. Unser 
Sendschreiben bringt hierüber die entscheidende Antwort. 

Diesem Schreiben zufolge bezeichneten sich beide Societäten mit 
dem Namen der Armen. Gonfrater pauperum spiritu nennt sich Otto 
von Ramaezello, der erstgenannte unter den zehn Vertretern der itali- 
schen Armen, welche das Sendschreiben erlassen, und beide Societäten 
sind gemeint, wenn nachher von den pauperes die Rede ist, bei denen 
sich jemand in Betreff der Beschäftigung mit irdischer Arbeit Raths 
erholen könne (5) ^). 

Die italischen Armen bilden einen in sich geschlossenen Kreis, die 
societas fratrum italicorum; die französischen Armen sind die fratres 
ultramontani. Nur diese letzteren heissen im Briefe electi Valdesii socii, 
Valdesii socii, societas Valdesiana, Valdesiani. Unter dieser Bezeichnung 
werden sie den italischen Armen gegenübergestellt^). 



1) Die in Klammern oder dem Worte Resoriptam beigefügten Zahlen geben den Abschnitt 
des im Anhange folgenden Sendschreibens an. 

2) Bescr. 16: et hoc est nnnm e daobns de qaibns inter nos et Valdesii socios adhnc dis- 
cordia demorator. 21: et mnlta alia in scriptnris divinis legimos, qne predictam Yalde- 
«iaoorom sententiam noyimos annoUare. 



•k^v 



194 

So weist wohl die gemeinsame Bezeichnung als pauperes und die 
Unterscheidung von fratres italici und ultramontani auf eine Verbrüder- 
ung der beiden Socieäten, aber die den ultramontanen Brüdern aus- 
schliesslich gegebene Bezeichnung als Valdesiani deutet für die italischen 
Armen auf eine von Waldez und den Waldesiern unabhängige Stiftung. 

Hiezu stimmt was wir sonst in dem Briefe lesen. Waldez, so heisst 
es, solle gesagt haben : wenn auch in allen übrigen Stücken Friede und 
Eintracht mit den italischen Brüdern wäre, so könnten diese mit ihm 
doch nicht Friede haben nisi separarentur laborantium congregationes, 
quae tunc temporis erant in Italia (6). 'Es bestanden also zur Zeit, als 
die italischen Armen mit Waldez unterhandelten, .Verbindungen zu ge- 
meinsamer Arbeit in Italien, und solche hatten auch die italischen 
Armen. Und von diesen letzteren verlangte Waldez dass sie aufgelöst 
würden. Kämen von Waldez auch die italischen Armen her, so wären 
jene Vereinigungen eine neue erst nach der Stiftung und im Widerspruch 
mit den Ansichten des Stifters getroffene Einrichtung: dann aber würde 
es schwerlich heissen, sie hätten damals in Italien bestanden, sondern 
vielmehr : sie wären von den italischen Brüdern eingeführt worden ; 
und weil sie nach der Stiftung und wider des Stifters Willen wären 
eingeführt worden, so müsste dann auch die Forderung lauten nicht: 
dass sie aufgelöst, sondern dass sie wieder aufgelöst würden. 

Zu der von Waldez unabhängigen Stiftung stimmt ferner die schon 
zu Bergamo und dann noch bis zur Zeit des Briefes bestehende Streit- 
frage, ob Waldez unbedingt selig zu sprechen sei oder nicht. Die 
italischen Armen blieben zu Bergamo auf dem Satze: wenn Waldez und 
Vivet — eine bisher auch dem Namen nach unbekannte Persönlichkeit 
— für alle ihre Verschuldungen und Verfehlungen Gott genug gethan 
hätten, so könnten sie selig werden^); dagegen erklärten die Waideeier: 
„Wir sagen, dass Waldez in Gottes Paradies sei'', und sie machten aus- 
drücklich von der Zustimmung zu diesem Satze den Frieden mit den 
italischen Armen abhängig ^). Auch dieser Vorgang legt die Vermuthung 



1) Rescr. 15: — respondimas: Valdesium et Vivetnm oi pro omnibas culpis et offensionibos 
saifl deo satisfecerunt ante obitnm, posse Balvari. 

2) ib.: qaam dicti altramontani responsum penitat respneDtes nnos ex illis, scilioet 



k 



195 

nahe, dass die italischen Armen nicht in dem Abhängigkeits- nnd 
Sohoesverhältnisse zu Waldez standen wie die ultramontanen Armen. 

Alle diese äusseren Beweise für den von Waldez unabhängigen 
Ursprung der italischen Armen werden nun aber auch noch, wie wir 
sehen werden, dadurch bekräftigt, dass die italischen Armen in sehr 
wesentlichen Fragen von den Waldesiern abweichen, in Fragen welche 
zeigen , dass die Ausgangspunkte für einen Theil ihrer Anschauungen 
ganz andere als bei Waldez waren« 

Die Waidesien 

1. Während waldesische Schriftsteller und bei uns unter andern 
U. Hahn, auf die vermeintlich alte waldesische Literatur gestützt, den 
Ursprung der waldesischen Secte weit über Waldez zurück verlegen, 
hat sich seit den Forschungen Dieckhoffs und Herzogs das Urtheil 
der Meisten dahin entschieden, mit den mittelalterlichen katholischen 
Quellen in Waldez den Stifter der Secte zu sehen, und insoferne man 
unter den Waldesiern nicht auch die italischen Armen mitversteht, 
unserem Schreiben zufolge — mit Recht. Denn nach diesem Schreiben 
hat Waldez nicht seinen Namen nach der Secte — und diese den ihren, 
was schon sprachlich nicht wohl möglich ist, nach val, Thal — sondern 
die Secte nach ihm. Die Secte heisst societas Valdesiana, weil ihre 
Mitglieder die socii Valdesii sind^). Daraus folgt aber, dass Waldesius 
ihr Stifter ist. Es folgt dies ferner aus der fast heftigen Entschieden- 
heit, mit der die Waldesier zu Bergamo von den italischen Armen die 
unbedingte Zustimmung zu ihrer Erklärung fordern, dass Waldez im 
Paradiese sei. Denselben Schluss gebieten die von den italischen Armen 
gestellten Fragen über zwei Aeusserungen, welche Waldez gethan haben 
sollte, Aeusserungen, welche von den Waldesiern in ihrer Antwort 
keineswegs in Abrede gestellt werden. Waldez, so sagen zu Bergamo 
die Vertreter der italischen Armen (4), solle geäussert haben, er wolle 
nicht, dass bei seinem Leben ader nach seinem Tode irgend wer der 



Petrus de Relana sine verbi additione inter cetera protalit: dicimas Valdesiam in 

dei paradyso esse, sabiangens, quod si nos eandem quam et ipsi de Valdesio confessionem 
non faceremus, pacem nobiscam habere non possent. 
1) 8. S. 193. 

Abb. d. IIL Gl d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 26 






j 



1 

■'♦• 



'T- 



19G 

praepositus sei, weder bei den italischen noch bei den ultramontanen 
Brüdern. Nun fragten sie^ ob die Waidesier auf dieser Forderung ohne 
Einschränkung bestehen, wollten? Eine solche Aeusserung aber, wie 
die angeführte, konnte man nur dann dem Waldez in den Mund legen, 
wenn man ihn für den Stifter der Secte ansah: sie passt nur wenn 
es sich um die erste Orp:anisirung der Gemeinschaft handelte; und die 
Worte : „er wolle nicht" etc. sind nur annehmbar aus dem Munde 
eines Mannes, welcher das Recht hat, seinen Willen der Gemeinschaft 
zur Norm zu setzen. Ebenso ist in der andern Aeusserung, welche 
Waldez gethan haben sollte (6): „die italischen Armen könnten mit ihm 
nur Frieden haben, wenn sie die Arbeiterverbindungen auflösten" das 
„mit ihm" zu beachten; denn diese Betonung der eigenen Person lässt 
die für das ganze Gemeinwesen entscheidende Stellung des Waldez er- 
kennen. Dass dies aber nicht die Stellung eines zufällig an der Spitze 
stehenden Vorstands in der Reihe anderer war, ergibt sich aus der zu- 
vor erwähnten Erklärung des Waldez, nach welcher Qr nicht wollte, 
dass eine der beiden Societäten bei seinem Leben oder nach seinem 
Tode einen praepositus haben solle. 

Zu dem allen kommt, dass die Streitigkeiten mehrfach es würden 
nahe gelegt haben, sich auf ein älteres Herkommen in der Secte zu 
berufen, wenn ein solches bestanden hätte. Nirgends aber in dem 
Briefe findet eine Berufung auf die Zeit vor Waldez statt. Auch daraus 
folgt, dass die Waidesier nicht älter als Waldez sind, und dass dieser 
der Gründer der Secte ist. 

2. Der Name des Stifters heisst bei den mittelalterlichen Schrift- 
stellern bald Valdus, bald Valdesius, in unserem Briefe dagegon durch- 
weg Valdesius. Er hat also bei den Waldesiern selbst nicht anders 
geheissen, und folglich ist Waldez und nicht Waldus oder Waldo die 
richtige Schreibweise. 

Dass Waldez nicht lange vor 1179 seine Genossenschaft gegründet 
hat, steht fest; nicht so, wie lange er nachher noch gelebt hat. Der 
Convent zu Bergamo fand im Mai 1218 statt. Es handelte sich da, 
wie wir schon sahen, auch um die Vorsteherscbaft in der Secte nach des 
Waldez Tode und um die Frage der Seligkeit des Waldez. Daraus wird 
wahrscheinlich, dass Waldez nicht sehr lange vor 1218 gestorben sei. 






^ . 



197 

Mit der Frage um die Seligkeit des Waldez ist die um die Selig- 
keit eines gewissen Vivet verbunden. Vivet muss also eine hervor- 
ragende Persönlichkeit in der Anfangszeit der Secte gewesen sein. Keine 
der bisher bekannten Quellen kennt diesen Namen. Steht er in den 
Augen der Waldesier dem Waldez auch zunächst, so doch nicht gleich: 
denn nachdem sie die Firage über die Seligkeit beider aufgeworfen, 
fordern sie von den italischen Armen doch nur die Anerkennung der 
Seligkeit des Waldez. Der dem Pilichdorf zugeschriebene Tractat vom 
Jahre 1395 sagt: dem Petrus Waldus — den Vornamen Petrus bringt 
dieser Tractat zuerst — habe sich als einer der ersten angeschlossen 
ein Johannes de Lugduno, nach welchem später die Sectirer auch pau- 
peres de Lugdnno genannt worden seien ^). Das ist die einzige Spur 
von einem bedeutenderen Namen neben dem des Waldez aus der ersten 
Zeit der Secte, da die beiden Priester, welche dem Waldez die Schrift 
ins Romanische übersetzten und niederschrieben, hier nicht in Betracht 
kommen können. Sollte vielleicht der volle Name dieses Johannes — 
Johannes Vivet gewesen sein? 

3« Moneta berichtet^) um 1250, ein Lehrer der italischen Armen, 
Thomas, habe, um die Rechtmässigkeit der priesterlichen Gewalt des 
Waldez zu beweisen, also argumentirt : „Jeder aus jener Gemeinde konnte 
dem Waldez sein Recht, sich selbst zu regieren, verleihen, und so konnte 
jene ganze Gemeinde dem Waldez die Leitung Aller übertragen und 
hat sie ihm übertragen, und so wählten sie ihn zum Priester und Prä- 
laten für AUe^^ Dieckhoff meint, es handle sich bei diesem Satze um 
die Vorstehers chaft und nicht um das Priesterthum , und auch so sei 
eine derartige Argumentation der eigentlich waldesischen Entwicklung 



1) Cod. lat. 5338 f. 213 b.; Inter qaos quidam 86 predioto Petro adianxit, qui dictos erat 
lohannes de Lagdano, a qao eoiam postea sectarij vocabantur paaperes de Lugdano. Bei 
Greiser fehlt der letztere Sats. 

2) Monetae CremonenBis adv. Gatharos et Valdenses libri quinque. Ed. Richinus. Rom. 1743. 
f. 403 : Sciendam antem, qaod qaidam dixerunt, qnod Valdesius ordinem habuit ab univer- 
sitate fratram saoruro. Eorum autem, qai hoc dixemnt, principalis aactor foit qaidam 
baeresiarcha paaperam Lombardoram, Doctor perversuSi Thomas nomine; hoc autem pro- 
bare taliter aosos est : quilibet de illa congregatione potuit dare Valdesio jus säum, soilioet 
regere se ipsum, et sie tota congregatio illa potuit conferre et contulit Valdesio regimen 
omnium, et sie creaverunt illum omnium Pontificem et Praelatum. 

26* 



198 

fremd« Allein es kommt nicht darauf an, was jener Thomas mit seinem 
Satze bewiesen hat, sondern was er hat beweisen wollen, und er wollte, 
wie der Zusammenhang bei Moneta zeigt, für Waldez nicht bloss das 
Recht der obersten Leitung sondern auch des obersten Priesterthums 
begründen« Und dass der Satz auch in diesem Umfang der eigentlich 
waldesischen Entwicklung nicht fremd sei, dass vielmehr auch bei den 
Waldesiern wie bei den italischen Armen die Commune, wie der Aus- 
druck lautet, als die eigentliche Trägerin aller Amts- und Regierungsgewalt 
in der Kirche angesehen wurde, das wird überall in dem Sendschreiben 
klar ausgesprochen. Auf die Frage der italischen Armen in Betreff der 
Vor Steher Schaft wird zu Bergamo beschlossen, dass die Commune der 
italischen und die der ultramontanen Armen vereint entweder praepo- 
siti für immer oder rectores auf eine bestimmte Zeit erwählen könne; 
dass es in das Ermessen der Commune gestellt sei, ob sie ministri 
(für die priesterlichen Functionen) ordiniren wolle entweder auf Lebens- 
dauer oder auf eine gewisse Zeit. Auf die Frage über die Scheidung 
Verehelichter behalten die Waldesier der Commune das Recht der 
Entscheidung vor. Die societas der Brüder ist ferner dem Send- 
schreiben zufolge die Inhaberin des Rechtes der Kirchenzucht und hat 
die Entscheidung über die Lehre. 

. Es fragt sich nun allerdings, wer zu dieser die höchste Gewalt 
ausübenden Commune gehörte? ob alle Getauften, oder nur die, welche 
das Leben apostolischer Vcllkommenheit fährten? Unser Sendschreiben 
lässt darüber keinen Zweifel. Denn auf die Frage, ob man die Eucha- 
ristie auch von einem Priester der römischen Kirche, gleichviel ob er 
würdig oder unwürdig sei, empfangen könne, antworten die Waldesier: 
Ja, so lange ihn die congregatio baptizatorum im Amte leidet (22). 
So tritt hier als Wechselbegriff für die Commune die congregatio bapti- 
zatorum ein. Es sind also nicht bloss die perfecti, nur die welche das 
Leben apostolischer Vollkommenheit führen, es ist nicht der engere 
Kreis der Prediger, welchem principaliter das Amt des Wortes und das 
Kirchenregiment bei den Waldesiern zugehört, sondern es sind alle 
Getauften. 

Damit aber werden wir zu einer wesentlich anderen Auffassung des 
waldesischen Wesens genöthigt, als sie uns Dieckhoff gibt. Denn von 



199 

diesem Gelehrten wird als entscheidender und das Wesen der Secte in 
der verschiedensten Weise bestimmender Grundsatz angegeben, dass die 
Waldesier das Recht der apostolischen Predigt und die Kraft priester- 
licher Handlungen nur ihren perfecti d. h. den in apostolischer Voll- 
kommenheit Lebenden zuerkannt, also die Kraft der Gnadenmittel von 
der subjectiven Würdigkeit des Spendenden abhängig gemacht hätten* 
Dieser Satz Dieckhofifs aber kann unmöglich bestehen mit der Lehre 
von einem allgemeinen Priesterthum , wie dieses durch die berührten 
Stellen unseres Sendschreibens unzweifelhaft bezeugt ist. Das Priesterrecht 
führten die Waldesier vielmehr, wie später Luther, auf die Taufe zurück, 
und die Kraft und Wirksamkeit der priesterlichen Handlung beruht bei 
ihnen ebenso wie bei dem Reformator auf dem Worte Gottes, keines- 
wegs aber auf der sittlichen Würdigkeit des priesterlich Handelnden. 

4. In dieser Hinsicht gibt uns unser Sendschreiben die wichtigsten 
Aufschlüsse, indem es uns über die Abendmahlsstreitigkeiten berichtet, 
welche zwischen beiden Societäten von dem Convent zu Bergamo an 
die Einigung aufhielten. Es zeigt, dass die Waldesier im Gegensatz zu 
den italischen Armen die Ansicht hatten, dass die Gnadenmittel wirksam 
seien nicht in Folge der Ordination des Spenders und nicht in Folge 
der sittlichen Würdigkeit desselben, sondern in Folge des verheissenden 
Wortes Christi. Die italischen Armen berichten nämlich von einer drei- 
fachen Ansicht welche bei den Waldesiern in Betreff der Eucharistie 
geherrscht habe: „Die eine ist, wie etliche Genossen des Waldez es aus- 
sprechen, die, dass die Substanz des Brodes und Weines allein durch 
das Aussprechen der Worte Gottes in Christi Leib und Blut gewandelt 
werde, wobei sie hinzufügen: nicht einem Menschen, sondern dem Worte 
Gottes schreiben wir die Kraft zu. — Die andere Meinung einiger Ge- 
nossen des Waldez in Betreff des Brodbrechens ist: niemand kann 
taufen, der nicht Christi Leib zu bereiten vermag. — Sie sagten auch: 
durch niemand, er sei gut oder böse, sondern nur durch den, welcher 
Gott und Mensch ist, d. i. Christus, könne die sichtbare Substanz des 
Brodes und Weines in Leib und Blut Christi gewandelt werden (trans- 
substantiari). Und bisher waren wir und sie über diese dritte Antwort 
in Betreff des Sacramentes einig. In dem aber was sie beifügten: dass 
das Gebet des Ehebrechers oder irgend eines Boshaftigen in diesem 



i von Gott erhört und angenommen werde, stimmen wir nicht 
ein, weil ea vom Wege der Wahrheit abweicht ')". Vergleichen wir 
I dreierlei Meinungen, so findet sich, dasB die erstgenannte auch 
Grundlage für die beiden andern ist, von denen die eine für die 
faltuDg des Sacramentes den gleichen Satz nur nicht auf alle ohne 
irschied des Geschlechtes auegedehnt wissen wollte, die andere ihn 
ger bestimmt faaate. Den sicheren Beweis dafür, dasa der erste 

die Vorraussetzung auch für die beiden andern Meinungen bilde, 
rt die ganze Polemik der italischen Armen, welche in dem Send- 
eiben auf die Mittheilung der genannten dreierlei Ansichten folgt. 
1 als eine allen Waldesiern gemeinsame Ansicht wird es bekämpft, 

auch der Gottlose das Sacrament wirksam verwalten könne. Selbst 

Möglichkeit wird mau zur Bestreitung unseres Satzes, dass die 
genannte Anschauung die Grundlage der beiden andern bilde, nicht 
erheben können: dasa von den Vertretern dieser letzteren die Mit- 
barkeit des Gnadenguts vielleicht doch auch noch von der Würdig- 
des Empi&ngers abb&ngig gemacht worden sei; denn es richtet sich 
^olemik, welche gegen die Gesammtheit der Waidegier in Betreff des 
idmahls geht, anch gegen das von einigen vorgebrachte Argument: 

auch Judas den Leib Christi empfangen habe (23). 

Diese Lehre der Waldesier vom Abendmahle gibt nun aber für 

Ansicht vom allgemeinen Prieaterthum das richtige Verständnias. 
ist die von der subjectiven BeachafFenheit unabhängige Kraft des 
tes Christi, welche deu Laien zum Priester macht, und das Recht 
)8 Wort zu gebrauchen hat ein jeder Getaufte. Mit dieser für die 
lesier festgestellten Lehre von der Objectivität der Gnadeumittel 
h das göttliche Wort ist nun auch der Schlüssel gegeben für das 
l&ndnisa einer Anzahl von Sätzen katholischer Berichterstatter, 
heo Dieckhoff Gewalt anthun muas, um seine grundlegende Theae 

den Charakter der waldesiachen Seote, nach welcher sie Recht und 
't des priesterlichen Thuna auf das Leben in apostolischer Voll- 
menheit gegründet haben aoU, aufrecht erhalten zu können. So 

z.B. Alanus, die Waideeier hätten gelehrt: quod non est necesse 

) Reicr. 16—19. 



201 

Lominem confiteri peccata sua sacerdoti, si praesto sit laicus, cai 
possit confiteri. Und Dieckhoff sucht sich der Beweiskraft dieser Stelle 
für ein allgemeines Priesterthum dadurch zu entziehen, dass er sagt, 
„dass zu jener Zeit die Verwaltung der Privatbeichte noch gar nicht 
so bestimmt zu den priesterlichen Functionen als solchen gehörte, wie 
es später der Fall war, und das8 also mit der Entscheidung dieser 
Frage über die Beichte noch keineswegs die über die priesterlichen 
Functionen überhaupt zusammenfiel'*. So sagt Stephanus de Borbone, 
die Waldesier hätten gelehrt: omnes bonos esse sacerdotes, und Dieck- 
hoflf versucht, wie schon hervorgehoben ist, zu beweisen, dass sich bei 
den Waldesiern an den Begriff des guten Laien eine prägnantere Be- 
deutung geknüpft habe. Wenn nach Dieckhoff die wirksame Verwaltung 
der Eucharistie von den Waldesiern an die subjective Würdigkeit des 
Spenders, an das Leben desselben in apostolischer Vollkommenheit 
geknüpft wurde, so muss es auffallend erscheinen, dass die Waldesier 
bereit waren, die Eucharistie aus den Händen römischer Priester zu 
empfangen. Und ganz mit Recht hat Dieckhoff von seiner unrichtigen 
Voraussetzung aus darin einen Widerspruch gefunden. Aber wir wissen 
nun aus unserem Sendschreiben, dass es sich in diesen Dingen weder 
um ungenaue Mittheilungen katholischer Berichterstatter noch um irgend 
welche Widersprüche handelt. Die Lehre der Waldesier, dass die Gegen- 
wart und Wirksamkeit des Gnaden guts nicht durch die Würdigkeit dds 
Spendenden, sondern durch die Kraft des Wortes Christi bedingt sei, 
löst das Räthsel. 

5. Da ein so folgenreicher Satz wie jener, welcher die wirksame 
Verwaltung der Gnadenmittel von der Würdigkeit des Spendenden ab- 
hängig macht, aus dem Complex der waldesischen Ansichten gestrichen 
und dafür ein ebenso folgenreicher an die Stelle gesetzt werden muss, 
so werden auch manche Sätze der Waldesier nun in einer wesentlich 
andern Weise aufgefasst werden müssen, als es bisher geschehen ist. 
So kann der Unterschied von perfecti und credentes, wenn anders die 
Waldesier selbst diese Bezeichnungen gebraucht haben und dieselben 
nicht durch die katholischen Schriftsteller von den Katharern auf sie 
übertragen worden sind, jene Bedeutung unmöglich gehabt haben, 
welche Dieckhoff und Herzog ihnen zumessen. Die Forderung aposto- 



. \ • 



;»>vSs\ \v\;;W\*«n«*nheit kann bei ihnen niemals als eine Bedingung für 
slu^ \u*Äbmi,^ tios Predigerrechts, sondern nur als eine sittliche Forderung 
ftu* ih^ IVrson gestellt worden sein. Sie kann nur in dem Sinne ge- 
ütikUt woixlen sein, dass dem, der das Wort der Apostel ergreift um es 
»u vorkttnden, auch ein Leben zieme, wie es die Apostel geführt haben, 
r^brigens ist es für die Frage, ob die Waldesier selbst jene ünter- 
noheidung von perfecti und credentes für ihre Angehörigen gemacht 
haben, bedeutsam, dass sich im Sendschreiben keine Spur davon findet. 
Ks ist dies ein Umstand, der einer Verneinung der Frage fast gleich 
kommt. 

6. Die Folgen davon, dass Dieckhoff keine Kunde hatte von jenem 
wichtigen Grund satze der Waldesier, welcher die Gnade ausschliesslich 
an das Wort gebunden sein l&sst, zeigen sich vornehmlich in den ab- 
schliessenden Urtheilen dieses Schriftstellers über das Verhältniss der 
Waldesier zu dem Protestantismus. „Die waldensische Entwicklung**, 
so sagt er, „stellt sich überall nicht als eine solche dar, welche vor- 
bereitend auf die späteren Lösungen der Reformation hinweist." Er 
bestreitet es, „dass sich die Waldesier von dem pelagianisirenden Grund- 
irrthum der katholischen Entwickelung im Mittelalter frei gemacht und 
sich des Materialprincips des evangelischen Protestantismus, des Princips 
von der Gerechtigkeit des sündigen Menschen vor Gott allein aus 
Gnaden, bemächtigt haben". „Nirgends finden wir in den waldensischen 
Sätzen eine tiefere Auffassung vom Wesen der erlösenden, .wieder- 
gebärenden Gnade und ihrem Verhältniss zu der zu erlösenden, wieder- 
zugebärenden sündigen Creatur. Wir haben vielmehr gesehen, dass die 
waldesische Entwickelung, sich einseitig ^ mehr nur dem subjectiven 
Heiligungsstreben zuwendend, die Bedeutung der in der Kirche ver- 
walteten Gnadenmittel nicht richtig zu erkennen vermag und immer 
mehr übersieht". Wie aber, wenn nach diesem letzteren Satz die Unter- 
Schätzung der in der Kirche verwalteten Gnadenmittel eine Wirkung 
des einseitig gepflegten subjectiven Heiligungsstrebens ist: sollte nun, wo 
wir erkannt haben, dass Dieckhoffs Meinung in Betreff der waldesischen 
Gnadenmittellehre unrichtig ist, nicht auch das „einseitig gepflegte 
subjective Heiligungsstreben" eine nicht ganz richtig hingestellte Vor- 
aussetzung Dieckhoffs sein? Sollte nicht der Umstand, dass sie über 



203 

die in der Kirche verwalteten Gnadenmittel in der Hauptsache wie die 
deutschen Reformatoren dachten, auch vermuthen lassen, dass sie nicht 
so pelagianisch lehrten und dem Materialprincip des evangelischen 
Protestantismus nicht so ferne gestanden seien, als Dieckhoff meint? 

Es ist ja wahr, dieWaldesier haben die Schrift vielfach in gesetz- 
licher Weise äufgefasst und damit dem Geiste der Zeit auch ihrerseits 
Tribut geleistet. Schon der Begriff einer höheren Vollkommenheit, in- 
soferne dieselbe sich auf gewisse äussere Werke gründet, ist ein un- 
evangelisches Element. Auch hat ihr Pönitenzwesen einen falsch gesetz- 
lichen Zug. Aber wer wollte nach den Schlacken und nicht nach dem 
Golde die geschichtliche Bedeutung einer religiösen Gemeinschaft schätzen? 
Nach dem wenigstens, was wir über die Waldesier jetzt mit Sicherheit 
wissen, werden wir im geraden Gegensatz zu Dieckhoff vielmehr auch 
in Betreff der Frage über die Rechtfertigung sagen müssen, die walde- 
sische Entwicklung stelle sich als eine solche dar, welche vorbereitend 
auf die späteren Lösungen der Reformation hinweise. Die Waldesier 
hatten sich jenes materialen Princips des späteren Protestantismus, jener 
Auffassung des Christenthums, welche die eigene sittliche Leistung zwar 
fordert^ aber nicht auf diese sondern auf die dem Glauben geschenks weise 
dargebotene Leistung Christi das Recht der Seligkeit gründet — sie 
hatten sich dieses Princips wenigstens in der Wurzel bemächtigt, sie 
hatten das Princip ohne die volle Tragweite desselben zu erkennen. 
Es lag in der Lehre, dass die Kraft des Wortes Gottes und nicht die 
sittliche Würdigkeit zum Priester mache. Denn der Kern dieser Auf- 
fassung ist doch der, dass hier der Glaube im allgemeinen und das 
Wort, an welches die Gnade gebunden ist, in eine unmittelbare Be- 
ziehung zu einander gesetzt sind, und dass die subjective Würdigkeit 
als eine die Gnade bedingende ausgeschlossen wird* Es ist allerdings 
hier noch der Glaube in seiner Richtung auf die Gnade überhaupt, nicht 
auf das was eigentlich rechtfertigt, welcher eben dieser Gnade durch Zu* 
sammenschluss mit dem Worte, an das sie ein für alle mal gebunden 
ist, gewiss ist; aber es liegt am Tage, wie damit doch schon die Richt- 
ung auf jene protestantische Auffassung gegeben war, eine Richtung, 
für die einmal nur das Dilemma zwischen Gnade und Verdienst, Glaube 

Abh. d. III. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XIH. Bd. I. Abth. 27 



204 

und Werken gestellt zu werden brauchte, um sich mit einer inneren 
Nothwendigkeit auf die erstere Seite zu schlagen. 

7. Die Wirkung der Lehre von dem allgemeinen Priesterthum der 
Gläubigen, wie wir sie der Meinung Dieckhofifs entgegen in unserem 
Sendschreiben bezeugt finden, zeigt sich nun auch in dem, was uns 
das Sendschreiben in einigen weiteren Andeutungen über die Verfassung 
der Waldesier sagt. Wir schicken, um diese Andeutungen richtig zu 
fassen, eine allgemeinere Bemerkung über die Friedensunterhandlungen 
des Convents von 1218 voraus. Die italischen Armen und die Waldesier 
waren wie über die Vorsteherschaft so auch über die Ordination von 
Priestern uneins. Zu Bergamo verglich man sich über diese Punkte, 
wiewohl das Sendschreiben erkennen lässt, dass die Waldesier diesen 
Vergleich später beanstandeten und für ihre Anschauungen eine aus- 
schliessliche Geltung forderten. Die später beanstandeten Vergleich ungs- 
formein wurden nun damals so gefasst, dass die beiderseitigeji Anschau- 
ungen als gleichberechtigt nebeneinander gestellt und die Entscheidung 
zwischen beiden dem Ermessen einer jeden der beiden Communen an- 
heimgegeben wurde. Welche der beiden in Frage kommenden Meinungen 
die eine oder die andere Societät geltend gemacht habe, wird nicht 
ausdrücklich gesagt; aber es ist jedesmal leicht zu erkennen. 

Aus dem Sendschreiben ergibt sich, dass die italischen Armen 
praepositi auf Lebenszeit (praepositos aeternaliter), die Waldesier aber 
rectores und diese nur für eine kürzere Amtsdauer wollten (rectores ad 
tempus (5). Im Verlaufe des Schreibens werden die sechs zum Convente 
von Bergamo abgeordneten Waldesier genannt, und da heisst es nun 
bei den beiden ersten : qui ambo tunc temporis actionem ultramontanorum 
annualem iuxta suam consuetudinem procurabant (15). Ohne Zweifel 
haben wir hier die ,, rectores'* der Waldesier. Sie bekleideten ihr Amt 
nur ein Jahr lang. Es sind die rectores ,,ad tempus''. Gleich nachher 
gibt von ihnen der an erster Stelle genannte Petrus de Relana im Namen 
seiner Societät die definitive Erklärung in der Frage über die Seligkeit 
des Waldez. Er scheint also von den beiden Rectoren auch thatsächlich 
der erste zu sein. Nach Stephanus de Borbone und den von Limborch 
mitgetheilten Inquisitionsacten haben bei den Waldesiern die Rangunter* 



205 

schiede von noajoralis, major und minor bestanden. Ich vermuthe, dass 
sich diese Unterschiede wenigstens zunächst auf die beiden Rectoren 
bezogen haben , von denen der erste majoralis oder frater major, der 
andere frater minor könnte genannt worden sein. 

In der anderen Streitfrage über die Wahl und Ordination von 
Priestern lautet die Vergleichungsformel von Bergamo: ministros taliter 
eligere communiter vel de nuper conversis vel de amicis in rebus per- 
manentibus — ordinäre eternaliter vel ad tempus, secundum quod com- 
muni utilius vel amplius ad pacem pertinere videbitnr. Die italischen 
Armen sind es, welche, wie aus den späteren Sätzen des Sendschreibens 
sich ergibt, und wie katholische Quellen bezeugen, einen besonderen 
Priesterstand eingerichtet hatten. Die Waldesier also sind diejenigen, 
welche nur ministri „ad tempus" haben wollten. Wo etwa eine Gemeinde 
aus Noth die Eucharistie selbst verwalten musste, weil es nicht mehr 
möglich oder räthlich war, sie von dem Priester der römischen Kirche 
zu empfangen, da stellte die Commune für den einzelnen Fall oder für 
gewisse Zeit einen aus ihrer Mitte dazu auf. Nicht sacerdos sondern 
minister ist die Bezeichnung für einen solchen: wohl eine weitere Be- 
stätigung dafür, dass das sacerdotium selbst nicht als ein einem beson- 
deren Stande eigenes, sondern als ein Allen gehöriges angesehen wurde. 

8. £s muss dagegen als ein Merkmal jener falschen Gesetzlichkeit 
bezeichnet werden, welche für das ganze Zeitalter charakteristisch ist, 
wenn die Waldesier bei ihrer Forderung eines apostolischen Liebens für 
ihre Verkünder mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit auf die Formen 
drangen, in welchen sich einst nach ihrer Meinung das Leben der Apostel 
dargestellt hatte. Aus unserem Sendschreiben geht hervor, dass die 
Waldesier die Verbindungen zu gemeinsamer Arbeit bei den italischen 
Armen beanstandeten. Wir wissen aus den katholischen Quellen, dass 
die Prediger der Waldesier in freiwilliger Armuth lebten und der eigenen 
Arbeit für ihren Unterhalt sich enthielten* Nach den Worten Christi 
Matth. 10, 10 und Luc. 10, 7 sollten sie wie die Jünger ihr Brod von 
denen nehmen, welchen sie predigten. Trotzdem erklärten sie sich zu 
Bergamo, sehr wahrscheinlich bestimmt durch die sehr kategorisch 
gestellte Frage der italischen Armen, welche mit völliger Trennung zu 
drohen schien, in sehr unbestimmter Weise: „wenn eine Person den 

27* 



206 

Rath der Armen begehre , und in der irdischen Arbeit bleiben wolle, 
so solle man ihr rathen wie es Gott und seinem Gesetze gemäss sei, 
sowohl in dem Fall, dass sie allein bleiben als auch in dem, dass sie mit 
mehreren sich verbinden wolle" (6). Wir sehen, die Waldesier sichern 
sich mit dieser Antwort ihre Ansicht; aber sie drücken sich so aus, 
dass auch die italischen Armen ihre Arbeiterverbindungen behalten 
können. Wenn nun auch, wie es nach dem Schreiben erscheint, dieser 
zu Bergamo gegebene Bescheid der Waldesier von der eigenen Societat 
hinterher beanstandet worden sein mag: so lasst sich doch mit ziem- 
licher Sicherheit so viel daraus schliessen, dass die Frage, ob die Ver- 
künder des Wortes sich der irdischen Arbeit zu enthalten hätten, 
keine Cardinalfrage für die Waldesier war, wenngleich sie dieselbe 

bejahten. 

Ein Gleiches gilt auch von der Frage über die Ehescheidung. Sie 
bildete wie die zuvorbesprochene einen Gegenstand des Streites. Es ist 
freiliob nicht gesagt, in welcher Hinsicht dies der Fall war; aber es 
kann kaum anders als in Hinsicht auf das für höher angesehene ehe- 
lose Leben gewesen sein. Es wird sich um die Frage gehandelt haben, 
ob der eine Ehetheil ohne Sunde sich von dem andern scheiden könne, 
um ein für vollkommener geachtetes eheloses Leben zu führen. Während 
die italischen Armen eine solche Scheidung nur unter Einwilligung der 
beiden Ehetheile für zulässig erklärten (9), scheinen die Waldesier schon 
den Entschluss des einen Ehetheils als genügenden Scheidungsgrund 
angesehen zu haben. Die Waldesier sagen nämlich zu Bergamo: de 
matrimonio dicimus legitimo, quod non absolvatur nisi per voluntatem 
utriusque, nisi occasio iusta intervenerit, secundum quod communi vide- 
bitur (12). Eine solche occasio justa, welche die Gemeinde veranlassen 
konnte, die Nichteinwilligung des einen Ehetheils zur Scheidung unbe- 
rücksichtigt zu lassen, durfte etwa der Entschluss eines verheiratheten 
Mannes gewesen sein, ein apostolischer Prediger zu werden. 

9. Der Passauer Anonymus sagt da, wo er die Irrthümer der 
Waldesier aufzählt: „In Betreff der Taufe irren Einige, indem sie be- 
haupten, die kleinen Kinder würden durch die Taufe nicht selig, denn 
der Herr sage: wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. 
Nun glaube aber ein Kind noch nicht, folglich werde es nicht selig 



L 



207 

(durch die Taufe) ^), und im Zusammenhang damit scheint es zu stehen , 
wenn er dann anfuhrt: „Einige taufen von neuem, Ändere legen die 
Hände auf anstatt der Taufe ^)'^ Diese Stelle vermag fiber die in unserm 
Sendschreiben angedeutete Streitfrage über die Taufe Licht zu ver- 
breiten. Die Waldesier forderten zu Bergamo von den italischen Armen 
eine Erklärung über die Taufe, und diese antworteten: „Wir sagen^ 
dass keiner, der die Wassertaufe verwirft, selig werden kann; von den 
kleinen Kindern aber glauben wir, dass sie ohne die Taufe keineswegs 
selig werden können und wir bitten, dass auch sie (die Waldesier) dies 
glauben und bekennen (8)* In ihrer Aptwort auf diese Resolution um- 
gehen nun die Waldesier den Punkt der Kindertaufe und sagen bloss: 
,,In Betreff der Taufe glauben wir, dass niemand selig werde, der nicht 
die Wassertaufe empfangen hat (11). Darin liegt nun freilich, dass 
auch die Kinder getauft werden müssen; aber der Umstand dass es 
nicht ausgesprochen wird, scheint anzudeuten, dass ein Theil der Walde- 
sier die Kindertaufe verwarf und dass man um dieser willen einen 
bestimmten Ausspruch vermied, um in der eigenen Societät den Frieden 
nicht zu stören. Dass die Kindertaufe indessen auch bei den Waldesiern 
die herrschende Praxis gewesen sei, scheint theils aus der mitgetheilten 
Stelle des Passauer Anonymus hervorzugehen, welcher die Verwerfung der 
Kindertaufe ausdrücklich nur als die Forderung „Einiger^' bezeichnet^ 
theils aus dem Einwand der italischen Armen gegen die oben ange- 
führte Meinung eines Theils der Waldesier über die Eucharistie: „dass 
nur taufen könne wer Christi Leib zu bereiten vermöge'^ Denn 
jener Einwand lautet: „Diesem Satze zufolge müssten dann die 
Waldesier bekennen: Christi Leib werde nicht bloss durch Laien und 
Böse sondern auch durch Weiber und Buhlerinnen bereitet, oder die 
Taufe durch solcherlei Leute sei niemals eine wahre Taufe'' (^7). . Man 
sieht, dass die italischen Armen voraussetzen, dass bei den Waldesiern 
die Taufe durch Weiber und Buhlerinnen als eine gültige betrachtet 



1) Cod. lat. 811, f. 82 d. 

2) Die letztgenannten berühren sich hier mit den Arnoldisten cf. Gnil. Dnrandi Rationale 
divinomm offioiorum T. I. Antwerp. 1614. lib. 1. cap. 8. nam. 12: Arnaldistae tarnen per- 
fidi haeretici assenint, quod nnnquam per baptismum aqnae homines Spiritum sanctum 
accipinnt, nee Samaritani baptizati illum receperunt, donee manus impositionem acceperunt. 



208 

werde, und dass sie von diesem von beiden Theilen zugestandenen Satze 
aus die gegnerische Meinung über die Eucharistie widerlegen wollten. 
Kam aber das Taufen „durch Weiber und Buhlerinnen" d. h. doch wohl 
die Nothtaufe bei den Waldesiern vor, dann hatten sie die Kindertaufe 
als herrschende Praxis. 



So hat uns denn die Erörterung unserer Quelle zu Resultaten über 
die älteren Waldesier geführt, welche von denen Dieckhoffs wesentlich 
verschieden sind. Es ist nicht etwa ein nur in der Form und Richtung 
anderes Mönchthum als das bisherige, welches die Grundlage der w^lde- 
sischen Gemeinschaft bildet^ sondern auf wesentlich evangelischer Grund- 
lage erhebt sich dieselbe. Nicht eine mönchische Askese, welche, statt 
zur selbstgenügsamen Contemplation sich zu wenden, den Priester- und 
Missionsberuf für das Volk ergreift — nicht das dürfen wir als die 
hervortretendste Eigenthümlichkeit der Waldesier hinstellen , sondern 
das ist es^ dass sich hier eine religiöse Gemeinschaft im Gegensatze zu 
der bestehenden Priesterkirche auf Grund des allgemeinen Christen* 
priesterthums erhebt, um nach Massgabe der Schrift die sittlich verfallene 
und verwahrloste Kirche aufzurichten. Ihr Glaube, der wie die Wahr- 
heit so auch die Gnade im Schriftworte sieht und letztere unzertrennlich 
mit demselben verbunden erachtet, eignet sich allein aus diesem die 
Gnade zu und verwirft all die übrigen Vermittlungen, an welche die 
herrschende Kirche das Heil noch gebunden hatte. Wird auch der 
Geist des Schriftworts noch nicht im innersten erkannt, wird es noch 
viel zu äusserlich, gesetzlich erfasst und trägt auch das fromme Leben 
noch vielfach den Stempel der Unfreiheit: so ist doch der Weg, der 
zur Befreiung führt, mit jenem Grundsatze, dass das Heil unauflöslich 
mit dem Worte verbunden sei, bereits betreten. 

Die italischen Armen. 

1. Ehe wir das Sendschreiben hinsichtlich der Waldesier zu erörtern 
begannen, haben wir uns aus ihm bereits die Frage zu beantworten 
gesucht, ob die italischen Armen ihren Ursprung dem Waldez verdanken 
oder nicht. Wir mussten diese Frage voraus stellen, weil von ihrer 



i 



209 

Beantwortung das Verständniss des Sendschreibens in mehrfacher Be^ 
Ziehung abhängt. Wir fanden, dass die italischen Armen ihrem Ursprünge 
nach nicht lediglich auf Waldez oder die Waldesier zurückgeführt 
werden dürfen, dass sie eine von Waldez unabhängige Vorgeschichte 
haben müssen. Die eingehendere Erforschung dieser Vorgeschichte 
würde eine besondere Aufgabe sein^ deren Lösung uns hier zu weit 
führen würde. Aber die Spuren wollen wir doch angeben, auf welche 
wir durch unser Sendschreiben geführt worden sind. In diesem treten 
uns besonders zwei Eigenthümlichkeiten der italischen Armen entgegen, 
welche der waldesischen Anschauung durchaus fremd sind: die eine ist 
die Lehre, dass die Würdigkeit des fungirenden Priesters die Kraft und 
Wirksamkeit priesterlicher Handlungen bedinge; die andere besteht in 
der Einrichtung von Arbeitercongregationen (laborantium congregationes). 
Nun bemerkt Guilelmus Durandus, ein wie es scheint für unsere Frage 
noch nicht beachteter Schriftsteller, in seinem schon oben angeführten 
im Jahre 1286 vollendeten Werke: „Die Arnoldisten sagten, man 
lese nirgends, dass Christus das Wächteramt über seine Kirche unreinen 
oder üppigen Priestern anvertraut oder ihnen Gewalt gegeben die heiligen 
Geheimnisse zu verwalten oder ihnen die Schlüssel des Regiments oder 
die Gewalt zu binden oder zu lösen verliehen habe ; denn nur diejenigen 
hätten Gewalt zu binden und zu lösen wie die Apostel, welche mit ihrer 
Lehre zugleich auch ihr Leben oder ihren Glauben hätten, wesshalb 
auch die Sacramente, wenn sie von unreinen Priestern verwaltet würden, 
weder Kraft hätten noch zum Heile dienten ^y\ Der Schriftbeweis, 
welchen die Arnoldisten für ihre Behauptung bei Durandns führen, ist 
ganz derselbe, wie in unserem Sendschreiben. Von den vier dort an- 
geführten Schriftstellen kommen auch zv^ei in unserem Sendschreiben 
vor, die beiden andern haben in den Citaten des Sendschreibens wenigstens 



1) Rationale diy. offic. lib. 4 cap. 1 num. 19: Arnaldistae tarnen perfidi haeretici dicant nns- 
qnam legi qaod immundis et laxariosis ministris Christus sponsam saam ecclesiam traderet 
castodiendam , vel potestatem sacrornm mysteriorum peragere, Yel claves regni, vel pote- 
statem ligandi velsolvendi: quia illi soli (at ait Gregorius) et insti in hac carne positi pote- 
statem habent ligandi atqne solvendi, sicut Apostoli, qui vitam yel fidem illornm cum 
eornm doctrina tenent. Unde, ut diount, a talibus sacramenta praestita nee valent nee 
proficinnt ad salutem. 



210 

eine ganze Reihe von Parallelen, lieber die Arnoldisten, deren Name 
unter den Sectennamen des Mittelalters zwar häufig vorkommt, von 
deren Geschichte wir aber wenig wissen, sagt die Historia pontificalis^): 
Arnold von Brescia sei der Stifter einer Secte geworden, welche noch 
jetzt (um 1163) die haeresis Lombardorura genannt werde. Arnolds 
Enthaltsamkeit sei auch ein Charakterzug im Leben seiner Anhänger 
geworden. Um der Ehrbarkeit ihrer Erscheinung und der Strenge ihres 
Lebens willen hätten sie das Volk für sich gehabt. 

Eine andere gleich frfihe Quelle^) bemerkt, dass bei der Belagerung 
Cremas im Jahre 1159 eine magna societas pauperum et egenorum 
sich in den Kampf gemischt habe, und diese Leute seien spottweise 
filii Arnoldi genannt worden. So scheint also die Secte der Arnoldisten 
mit der Strenge und Enthaltsamkeit in der Lebensführung auch die 
äussere Erscheinung der Armuth als ein sie kennzeichnendes Merkmal 
gehabt zu haben. 

So hätte die erwähnte Lehre der italischen Armen von der Würdig- 
keit der Priester, so wie Name und Lebensweise derselben ihren Vor- 
gang bereits bei den Arnoldisten. Dagegen werden wir durch das, was 
uns das Sendschreiben über Arbeiterverbindungen bei den italischen 
Armen sagt, an die Humiliaten erinnert. 

Die Angaben der Chronisten über die Stiftung der Humiliaten^) 
schwanken zwischen 1017 — 1198. Die letztere Jahrzahl ist sicher falsch, 
wie schon Tiraboschi nachgewiesen hat. Auch findet sich der Name 
humiliati in einer Bulle Lucius III von 1184. Aber erst im Jahre 1201 
wurde dieser Orden von Innocenz III. bestätigt. Die Humiliaten waren 
ursprünglich eine Laienverbindung. Eine ihrer Regeln verpflichtete sie 
zu gemeinsamer Handarbeit; sie bestand vorzugsweise im Weben wollener 
Tücher. Der Erlös diente zum Unterhalt und zur Un^rstützung der 
Armen. Sie betrieben ihr Geschäft mit solchem Erfolg, dass sie an 



1) Pertz, Monumenta etc. SS. XX, f. 538: habnit enim continentie sectatores, qai propter 
honestatis speciem et aosteritatem vite placebant populo, led maximnm apud relig^iosas 
feminas inveniebant sabsidium. 

2) Otto Morena ad a. 1169 in Pertz, Mod. 1. o. f. 611, 

3) Wir schöpfen die folg^enden Angaben ans Hier. Tiraboschii Vetera Hamiliatornm monu- 
menta. Tom. I— III. Mediolani 1766—68. 



211 

vielen Orten Italiens alle Concurrenz unterdrückten. Die Verheiratheten, 
welche der Genossenschaft beitraten, gaben die Ehe nicht auf. Der Eid 
galt für unerlaubt^). Bei den regelmässigen Zusammenkünften der 
Mitglieder hielt, wer sich geschickt dazu fühlte, erbauliche Ansprachen. 
Erst im Verlaufe des 12. Jahrhunderts bildete sich unter ihnen eine 
Abtheilung, deren Mitglieder ehelos und in klösterlicher Weise lebten, 
und zu dieser kam dann noch als dritte Abtheilung eine Congregation 
hinzu, welche nur aus Priestern bestand. 

Wir finden nun nach unserem Sendschreiben auch bei den itali- 
schen Armen die congregationes laborantium; wir berührten schon 
oben, dass bei ihnen unserem Schreiben zufolge die Ehelosigkeit nicht 
unbedingt von den Predigern gefordert worden sei; wir wissen ferner 
aus den katholischen Quellen, dass sie den Eid für unerlaubt hielten — 
das alles erinnert uns an die gleichen Eigenthümlichkeiten bei den 
Humiliaten. 

Nach diesen Wahrnehmungen dürfte sich Folgendes als das Wahrschein- 
liche in BetreflF des Ursprungs der italischen Armen aufstellen lassen. Auf 
die Humiliaten, welche in freiwilliger Armuth von Handarbeit und nicht 
klösterlich lebten, haben frühe schon die Arnoldisten Einfluss gewonnen, 
80 dass sich unter jenen eine Partei bildete, welche zu der verwelt- 
lichten Hierarchie in Opposition trat und den Grundsatz der Arnol- 
disten von der Würdigkeit der Priester als der Bedingung für die wirksame 
Verwaltung des geistlichen Amtes annahm. Dies muss geschehen sein ehe 
jener Theil der Humiliaten den Ansichten der Waldesier bei sich Raum Hess; 
da es nicht wohl denkbar ist, dass nach dem Aufschwung, den das Bekannt- 
werden der waldesischen Meinungen in dem bezeichneten Kreise bewirkte, 
eine diesen Meinungen entgegengesetzte Ansicht erst aufgenommen 
worden sein soll. Dass aber in der That die Waldesier bei den Humi- 
liaten den grössten Einfluss gewannen, dafür können wir als ein sehr 
beachtenswerthes Zeugniss die Bulle des Papstes Lucius 111. vom Jahre 



1) Oft Ann. Gotwic. Auct. Vindob. (in Pertz Mon. SS. T. I!^. f. 723) ad a. 12U: 

Sunt et in Ytalia fratres humiliati 
Qui inrare renuant et sunt nzorati. 
Abb. d. 111. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 28 



212 

1184 anführen^). Hier nennt nämlich der Papst unter den verschiedenen 
Secten ,,et eos, qui se humiliatos vel pauperes de Lugduno falso nomine 
mentiuntur''. Diese Identificirung der Humiliaten mit den Armen von 
• Lyon wäre in Italien kaum möglich gewesen, wenn nicht in dem Orden 
der Humiliaten ein Theil unter Beibehaltung des bisher unverdächtigen 
Namens sich den Ansichten der Waldesier angeschlossen hätte. Ein 
zweites Zeugniss hiefär ist die Bulle des Papstes Innocenz III. vom 
12. Juni 1201, in welcher er die Statuten des kirchlich gesinnten Theils des 
Ordens, bestätigt. Aus ihr geht nämlich hervor, dass der üble Ruf, in welchen 
die Humiliaten durch die Verbindung eines Theils von ihnen mit Ketzern 
gekommen waren, den Orden veranlasst hat, seine Statuten dem Papste 
einzusenden und um deren Bestätigung zu bitten^). So dürfen wir wohl 
mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass die Vorgeschichte der italischen 
Armen bei den Humiliaten zu suchen sei. Hier muss eine durch die 
Arnoldisten hervorgerufene oppositionelle Richtung bestanden haben, 
welche als zu ihr die Kunde von dem Auftreten des Waldez kam, in 
diesem einen Reformator der Kirche begrüsste, dessen Grundsätze sie sich 
theilweise aneignete, ohne dabei auf ihre bisherigen Eiffenthümlichkeiten 
ohne weiteres Verzicht zu leisten. 

2. Die italischen Armen müssen von Waldez einen reformatorischen 
Impuls empfangen und sehr wesentliche Elemente seiner Lehren aufge- 
nommen haben, wodurch ihr Gemeinwesen eine neue Gestalt erhielt. Dies 
geht aus der Abhängigkeit hervor, die sie doch auch wieder bei aller im 
Einzelnen behaupteten Selbstständigkeit den Waldesiern gegenüber in ihrem 
Sendschreiben kundgeben. So verwundern sie sich nicht, sondern es 
erscheint ihnen ganz glaubwürdig, dass Waldez jene beiden Aeusserungen 
über die Vorsteherschaft und über die Arbeiterverbindungen geth^n 



1) MaDsi Sacr. Concil. nova et ampl. collectio T. XXII p. 476. 

2) Bulle V. 12. Juni 1201 (Tirab. 1. c. T. II, 185 sqq.): Inde est, qaod cum ad sopiendam vel 
sepelieodom potius scandalum, quod contra vos faerat sascitatum, non paucis credentibas, 
▼08 constitutiones ecclesiasticas non servare, ad nostram presentiam certos nuntios miais- 
setis etc. cf. ib. : Unde tenetar qailibet prelatorum, et presertim apostolice aedis antistea, 
coi principaliter sunt oves Christi commisse, non solnm catholicos, qui in eccle- 
siastica unitate consistunti sed ab aliquibus in quibusdam creduntur non plene fteqai 
semitam veritatis, correctis hiis in qnibus exorbitare videntur, in pio proposito confovere, 
sed errantes etiam revocare etc. 



^- 



V '* 



213 

haben könne. Dass sie aber die Möglichkeit solcher Äusserungen bei Waldez 
annehmen konnten, lässt erkennen, dass Waldez auch für die italischen 
Armen ein autoritatives Ansehen gehabt haben müsse. Ferner setzt die 
Frage, welche die italischen Armen zu Bergamo stellen: ob die ultramon- 
tanen Brüder sie auch zu solchen Dingen zu zwingen gedächten, 
welche zwar bei jenen im Brauche wären, aber bei ihnen als schrift- 
widrig angesehen würden (14), ein Abhängigkeitsverhältniss voraus, welches 
seine Erklärung nur darin finden ,kann, dass die Gemeinschaft der 
italischen Armen durch Waldez eine wesentlich neue Richtung empfangen 
hat. Der entscheidendste Beweis hiefür aber, und zugleich eine An- 
deutung, welcher Art dieser von Waldez empfangene Impuls gewesen 
sei, liegt in dem, was uns das Sendschreiben über den Streit der beiden 
Societäten in Betreff der Beichte berichtet. Bei den Waldesiern wurde 
die Beichte als eine regelmässige Einrichtung beibehalten; die italischen 
Armen aber hatten diese Institution in ihrer früheren Zeit zwar auch 
noch beibehalten, aber dann fallen lassen. Von Seiten der Waldesier müssen 
dann Anforderungen sie wieder zu erneuern gestellt worden sein. Aber 
die Erklärung der italischen Armen lautet: „nachdem die Schriftwahrheit 
jetzt offenkundig geworden ist, können wir nicht mehr daran glauben, 
und wir wollen nicht beichten, selbst wenn die Waldesier in diesem Punkte 
uns zwingen wollten^)". Beachtenswerth ist dabei der Einwurf, den sie 
von den Waldesiern erwarten : „aber ihr habt ja früher an die Nothwen- 
digkeit der Beichte geglaubt". Denn mit diesem „früher" kann nicht die 
Zeit gemeint sein, da sie noch mit der römischen Kirche eins waren, 
weil dann der Einwand der Waldesier völlig haltlos wäre, da ja auch 
diese vieles, was sie noch als Glieder der römischen Kirche geglaubt, 
aufgegeben hatten. Die Waldesier reden hier also yon einer Zeit der 
italischen Armen, da dieselben bereits von der römischen Kirche sich 
abgewendet hatten. Dass dies aber auch noch nicht die Zeit war, wo 
sie waldesische Grundsätze aufgenommen, ergibt die Antwort, welche 
sie auf jenen Einwand bereit hielten. Sie entschuldigen sich mit den 
Worten Pauli: „da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind". 



'.Vi 






> 



■**J 









/.*i 






- 1- -1 






1) Bescr. 2&: Respondemas: quia contra yeritatem scripturamm iam propalatam credere noa 
poBsamuB nee etiam licet Valdesiaoi in hoc nos Tolleat oogere volumas confiterL 

28* 



214 

Jene Zeit des Kindesalters kann nicht die Zeit sein, in welche sie mit 
Waldez eingetreten sind. Denn diese gilt ihnen ja vielmehr als die 
Zeit, „da die Schrift Wahrheit offenkundig geworden ist", als die Zeit 
männlicher Reife. Sie bezeichnen also die Zeit, da sie als Humiliaten 
sich von der Kirche bereits abgewendet hatten, mit jenem Gleichnisse. Und 
da erfahren wir denn zugleich, was ihnen als das bedeutsame Neue und 
Grosse 'an Waldez erschien. Er ist för sie der Mann, der di^ Schrift- 
wahrheit als das Massgebende wieder in den Vordergrund gestellt hat. 

Wir wiesen oben auf die päpstliche Bulle von 1184 hin, welche 
die Humiliaten und die Armen von Lyon als eine und dieselbe Secte 
bezeichnet. Dass nun die italischen Armen schon in so früher Zeit in 
ihre waldesische Periode eingetreten seien, dies bezeugt auch unser 
Sendschreiben insoferne, als die nach ihm dem Waldez zugeschriebenen 
und von den italischen Armen für möglich angesehenen mehrgenannten 
Aeusserungen die bereits vollzogene Aufnahme waldesischer Grundsätze 
und Anschauungen voraussetzen. So bestärkt uns also auch das Zu- 
sammentreffen der Zeitumstände in unserer Annahme, dass wir die 
Vorgeschichte der italischen Armen bei den Humiliaten zu suchen haben. 

3. Wir fanden, dass die italischen Armen mit Waldez die Zeit 
gekommen sahen, „da die Schriftwahrheit offenkundig geworden ist^^ 
Da ist es denn nun charakteristisch auch für das Wesen der italischen 
Genossenschaft, und eine Instanz gegen Dieckhoff, falls sfein Satz, dass 
den Waldesiern jede tiefere Einsicht in den Unterschied von Gesetz 
und Evangelium gemangelt habe, sich auch auf die italischen Armen 
erstrecken sollte: wenn wir die italischen Armen in dem Streit über 
die Beichte sich auf jene Zeit berufen sehen, da Paulus gegen die Ge- 
setzeseiferer unter den Judenchristen für die evangelische Freiheit 
kämpfte. Sie vergleichen die Forderung, welche man an sie stellt, die 
Beichte wieder einzuführen, mit der Gesetzesknechtschaft, unter welche 
die strengen Judenchristen in der apostolischen Zeit die Heidenchristen 
zwingen wollten. 

Und dass sie in der Schrift Gesetz und Evangelium, Buchstabe und 
Geist mehrfach besser zu scheiden wussten als selbst die Waldesier, 
das dürfte aus der bereits erwähnten Thatsache zu entnehmen sein, 
dass sie von den Dienern ihrer Gemeinschaft das Unterlassen der Hand- 



L 



215 

arbeit und tiie Ehelosigkeit nicht forderten, wenigstens nicht mit solcher 
Strenge forderten wie die Waldesier; ja wir werden bei jenen deutschen 
Armen, welche von den italischen Armen sich herleiteten, finden, dass sie, 
wo sie für ihren Glauben gewinnen wollten, auch auf das keusche ehe- 
liche Leben ihrer Prediger hinwiesen; ein Anzeichen, dass das eheliche 
Leben auch unter den Predigern der italischen Armen wenigstens kein 
seltenes könne gewesen sein. 

Dass ferner die Schrift von den italischen Armen in noch viel 
entschiedenerer Weise als Norm für Glauben und Leben der Gemein- 
schaft hingestellt und die kirchliche Tradition, wo sie nicht durch aus- 
drückliche Schriftzeugnisse ihr Kecht erweisen konnte, rücksichtslos 
beseitigt wurde , dafür liegt nicht bloss im Sendschreiben der einzelne 
Fall mit der Beichte vor, sondern es wird dies auch als Grundsatz 
überhaupt ausgesprochen. ,, Contra veritatem scripturarum iam propa- 
latam credere non possuraus" so hatten sie in Betreff der Beichte 
bemerkt, und mit nachdrucksvoller Entschiedenheit stellen sie ausserdem 
noch an die Waldesier im allgemeinen die Frage: „Wollt ihr bei irgend 
einem Brauch oder Glauben, den ihr habt, und von welchem ihr nicht 
klar durch die göttliche Schrift beweisen könnt, dass ihn die Kirche 
gehabt habe oder haben müsse, verbleiben oder un^ zwingen einen 
solchen anzunehmen"? Und es schliesst einen Vorwurf gegen die Form 
der waldesischen Polemik ein, wenn sie in der Streitfrage über die 
Eucharistie ihre Berufung auf kirchliche Autoritäten damit entschuldigen, 
dass sie dazu durch den Unglauben einiger waldesischer Lehrer, welche 
kirchliche Autoritäten anriefen, gezwungen würden (24). 

Der Dominikaner Mqneta bemerkt in seinem Werke gegen die 
Waldesier, er würde gegen die italischen Armen sich auf eine Stelle 
im 2. Buch der Maccabäer berufen, wenn die Berufung auf diese Schrift 
ihnen gegenüber wirksam wäre ^). Der Schluss, den wir aus dieser 
Bemerkung ziehen, dass die italischen Armen die apokryphischen Bücher 
verwarfen, erhält durch das Send8chreit>en insoferne eine Bekräftigung, 



1) 1. c. f. 373. lib. IV. cap. 9. § 3 : Utram suffragia vivorum prosunt defanctia — qaod valeant 
haberi polest 2 Mach. 12 a 43 usqae ad finem, ubi habetur de Juda: facta collatione etc. — 
Sed qnia Paaperea Lombardi non recipiant hunc libram, alias rationes inducamas etc. 



<iN \\\%^ urthlreichen Citate, welche von den italischen Armen für ihre 
Au^ioht von dor Verwaltung der Eucharistie au8 den alttestamentlichen 
lUloht^rn dor Reihe nach angeführt werden, mit Maleachi enden, 

DuH gun^e Sendschreiben, insbesondere auch der Eingang und die 
daboi verwundete umfängliche Stelle aus dem 1. Capitel des Philipper- 
brit^fa >5ei<»t wie sehr die Schrift ihr ganzes religiöses Denken und 
Lobon beherrschte, welche königliche Stellung sie ihr einräumten. 

4. Die italischen Armen haben wie die Waldesier der Commune 
die höchste kirchliche Gewalt zugeschrieben, denn was wir aus dem 
Sondschreiben über die Gewalt der Commune oben mitgetheilt haben, 
waren Beschlüsse, welche die Commune beider Societäten betrafen. Es 
ist ferner einer der lombardischen oder italischen Armen, welcher, wie 
wir sahen, aus dem Rechte Aller die oberste Priester- und Regierungs- 
gewalt des Waldez deducirte. An der Spitze der italischen Societät 
standen praepositi und zwar auf Lebenszeit, und wie es scheint, war 
es immer nur Ein solcher praepositus, welcher dem ganzen Gemein- 
wesen vorstand. Wenigstens is{ es um die Zeit des Sendschreibens und 
seit dem Convente von 1218 nur Einer. Denn der zu Bergamo gefasste 
Beschluss, dass e;ne Societät der andern verantwortlich sein solle, lautet 
für die italischen Armen so, dass Bruder Thomas den Waldesiern ver- 
antwortlich sein solle (10 und 13). Und eben dieser Thomas steht 
unter den zehn Vertretern der italischen Armen, welche das Send- 
schreiben erlassen, an letzter'Stelle und im Unterschiede von den übrigen 
ohne jede nähere Bezeichnung, womit doch wohl angedeutet ist, dass 
es für ihn als einem genugsam bekannten keiner näheren Bezeichnung 
bedürfe. Die letzte Stelle aber hat Thomas als der Vertreter „der 
Armen im Geiste^' gewiss absichtlich gewählt, womit nebenbei zugleich 
angedeutet ist, dass er auch der Verfasser des Sendschreibens sei. Auch 
weist bei dem an erster Stelle genannten Otto von Ramaezello die Be- 
zeichnung alB confrater darauf hin, dass dieser nicht der Erste gewesen ist. 

Es ist aller Wahrscheinlichkeit nach dieser Thomas, welcher um 
die Zeit von 1218 — 1230 an der Spitze der italischen Armen steht, 
kein anderer als jener von Moneta angeführte Thomas, welcher von 
dem Rechte Aller die höchste Gewalt des Waldez ableitete. Moneta 
schrieb nur wenige Jahre nach Erlass unseres Sendschreibens sein Werk, 



k 



217 

und was er näheres über seinen Thomas sagt: er sei ein haeresiurcha 
pauperum Lombardorum und ein doctor perversus, ist gleichfalls geeignet 
auf obige Vermuthung zu führen, welche ohnedies noch dadurch unter- 
stützt wird, dass der Verfasser unseres Sendschreibens, als welchen wir 
mit Grund den in ihm genannten Thomas bezeichnen zu dürfen glaubten, 
durchweg eine theologische Bildung verräth. 

Hier ist nun zugleich die Stelle für eine Bemerkung zu der Frage, 
welche Bewandtniss es mit den Bischöfen der Waldesier habe, von denen 
in einigen mittelalterlichen Quellen die Rede ist. Die meisten dieser 
Quellen begreifen unter dem Namen der Waldesier in ungenauer Weise 
auch die denselben verbrüderten italischen Armen mit. Nun ist nach 
allem, was wir aus unserm Sendschreiben über die Waldesier erfahren 
haben, bei diesen für Bischöfe kein Raum gewesen. Wenn also wirk- 
lich ein derartiges Amt in dem waldesischen Kreise bestanden hat, so 
können die katholischen Quellen damit nur das Amt des praepositus 
bei den italischen Armen gemeint haben ^). Denn wenn jener Lombarde 
Thomas bei Moneta den Waldez von der Gemeinde mit dem obersten 
Priesterthum und der obersten Leitung zugleich betraut sein lässt, und 
wenn nach unserem Sendschreiben die italischen Armen sich nicht da- 
mit einverstanden zeigen, dass Waldez in seiner Stellung keinen Nach- 
folger haben solle: so weist dies allerdings darauf hin, dass sich die 
italischen Armen unter einem praepositus einen Vorgesetzten von bischöf- 
licher Art dachten, dem sie nur nicht, weil das wohl zu sehr an die 
Kirche erinnerte, deren Gemeinschaft sie aufgegeben hatten, auch den 
bischöflichen Namen gaben, ebenso wie sie, um ihren Gegensatz gegen 
das römische Priesterthum auszudrücken, diejenigen welche von ihnen 
mit der Ausübung priesterlicher Functionen betraut wurden, nicht 
sacerdotes, sondern ministri nannten. 

Einen solchen eigenen Priester- oder Dienerstand finden wir näm- 
lich für die italischen Armen nicht bloss durch Moneta sondern auch 
durch unser Sendschreiben bezeugt, und es macht dieser Priesterstand 
einen der bedeutenderen Unterschiede zwischen ihnen und den Waldesiern 



1) So haben nach Beilage II die österr. Armen, welche von den italischen Armen abstammen, 
einen episcopus in Eiozinspaoh. 



218 

aus. Er erklärt sich bei ihnen aus einer tiefer liegenden Verschieden- 
heit der Anschauungen zwischen beiden Societäten. Die italischen Armen 
waren, wie wir erkannten, unter dem Einfluss der Arnoldisten in Oppo- 
sition zur römischen Kirche getreten. Deren Auffassung, dass die 
römische Kirche nicht mehr die wahre Kirche sei, seit sie durch w^elt- 
lichen Besitz sich verunreinigt habe, sowie die Lehre, dass es für die 
wirksame Verwaltung der Gnadenmittel würdig lebender Priester bedürfe, 
hatten sie sich völlig zu eigen gemacht und diese Auffassung hielten 
sie im Streite mit den Waldesiern aufrecht. Unser Sendschreiben sucht 
Beweis auf Beweis zu häufen , dass der unwürdige Priester die Eucha- 
ristie nicht wirksam verwalten könne. Bei dieser Auffassung erklärt 
es sich , dass sie nicht wie die Waldesier bei den Priestern der römi- 
schen Kirche die Sacramente nehmen konnten und zur Einrichtung 
eines eigenen Priester- oder Dienerstandes für die geistlichen Functionen 
sich genöthigt sahen ^ eines Standes, zu dem natürlich auch, nur mit 
anderer Aufgabe, ihre umherziehenden Prediger gehörten. Die Diener 
der italischen Armen wurden von der Commune gewählt, und zwar auf 
Lebenszeit. Denn der Beschluss zu Bergamo über die Ordination und 
<len Ordo der ministri lautet: ,,Man könne Diener wählen durch die 
Gemeinde (communiter) entweder aus den neu Uebergetretenen (de nuper 
conversis, darunter sind wohl übergetretene Priester der römischen 
Kirche gemeint,) oder aus den Freunden für die ständig wiederkehren- 
den Functionen (in rebus permanentibus), und sie ordiniren auf Lebens- 
zeit (so wollten es die italischen Armen) oder für kürzere Dauer (so 
wollten es die Waldesier) je nachdem es der Commune nützlicher oder 
für den Frieden dienlicher erscheine*' (5). Wenn, wie kaum anders 
anzunehmen ist, unter den nuper conversi übergetretene Priester der 
römischen Kirche zu verstehen sind, so erweist der Umstand, dass diese 
nochmals ordinirt wurden, wie gründlich die italischen Armen mit der 
römischen Kirche gebrochen hatten. 

Wenn nun auch die italische Societät die Nothwendigkeit eines 
besonderen Priesterstandes betonte, so folgt doch einerseits aus der Wahl 
und Ordination ihrer Priester durch die Commune, anderseits aus der 
Bezeichnung derselben als ministri, dass sie das Priesterthum in einem 
wesentlich anderem Lichte batrachtete als die römische Kirche. Auf 
einen Gegensatz zu der kirchlichen Auffassung weist uns auch der Um- 



l 




^**^r..L.'^ 



•• .* 



,"•• ^%^ 



1) Rescr. 23: Tarnen si qais ad recipiendam boc sacrameDtom dignns aocesserit, credimnt 
qaod, licet non per ministri indigni et reprobi orationem sive benedictionem a domino 
impetrat qaod exoptat i. e. corpus domini ad sai salatem, iuxta siiam recipit desideriam etc. 






r 



.1. 



( 



ii 






•-•/l 



219 

stand hin, dass sie einen von ihnen Ordinirten nacbdrucksvoll als einen 
ministrum in Christi sacerdotii ordine ordinatuni bezeichnen (23). Wir 
därfen wohl im Hinblick auf jenes mehrerwähnte Argument des Thomas, 
welches uns Moneta aufbehalten hat, sagen, dass der wesentlichste 
Punkt in der Lehre über das Priesterthum auch bei den italischen 
Armen der war, dass sie jeden Gläubigen als Theilhaber am Priester- 
thum Christi betrachteten, und die Diener, welche sie aufstellten, als 
solche welche im Auftrag der Andern dieses Priesterrecht öffentlich 
und für Alle verwalteten. 

Wenn sie nun auch durch deu ganzen zweiten Theil des Send- 
schreibens den Beweis zu führen suchen, dass nur der würdige Diener, 
der zugleich von der Gemeinde ordnungsmässig bestellt sei, die Eucha- 
ristie wirksam zu verwalten vermöge, so ist gleichwohl auch bei den 
italischen Armen Dieckhoffs Satz von den Waldesiern, dass es das Leben 
in der höheren apostolischen Vollkommenheit sei, welches Priesterrecht 
und Priesterkraft verleihe, nicht anwendbar. Denn die ganze Beweis- 
führung der italischen Armen für ihren Satz zeigt in den zahlreichen 
Schriftcitaten überall nur, dass sie von dem Priester ein gottesfürchtiges 
Leben fordern; nirgends ist eine Spur, dass sie eine besondere Voll- 
kommenheit, welche höherer Art sei als die von allen Christen verlangte, 
als Bedingung gesetzt hätten. 

Es ist nun freilich ein im höchsten Grade bedenklicher Satz, dass Ä 

die ewigen Quellen des Heils nur dann fliessen sollen, wenn die Diener ^'l 

an diesen Quellen im Stande der Heiligung stehen. Dem Glaubensleben 'H i 

ist damit der sichere Boden entzogen; denn wer siehet dem Andern }] ] 

ins Herz? Aber diesem nahe liegenden Bedenken suchten die italischen ;j 

Armen unserm Sendschreiben zufolge durch die Annahme zu begegnen, ] 

dass Christus , wenn ein schlechter Priester das Sacrament verwalte, [ ' 

dann selbst den würdig Herzutretenden seinen Leib reiche ^)* 



. ..*^ 









>. * 

■/'*■( 
'■•v^ 



■ *• 



4.1 



Abb. d. IIL a a. k. Ak. d. Wias. XIII. Bd« I. Abth. 29 



220 

Fassen wir unsere Erörterung über die italischen Armen zusammen, 
so werden wir sagen dflrfen, die italischen Armen sind aus jenen 
Humiliaten hervorgegangen, welche in Folge der Einwirkungen der ArnoU 
diston eine der herrschenden Kirche feindliche Richtung eingeschlagen 
hatten. Diese begrflssten in Waldez einen Reformator, wie etwa die 
Waldesier später in Zwingli, die böhmischen Brüder in Luther. Die neue 
Bewegung in Südfrankreich gibt ihnen einen mächtigen Anstoss, so dass sie 
nun auf Grund der Schrift die Kirche zunächst in ihrer eigenen Societät 
neu zu gestalten suchen. Sie nehmen sich dabei die Waldesier wohl 
im allgemeinen zum Vorbilde, verfahren aber doch, auf eigenes Schrift- 
verständniss gestützt, in sehr selbständiger Weise. Sie brechen voll- 
ständig mit der römischen Kirche und richten für alle priesterlichen 
Functionen einen eigenen Priester- oder Dienerstand ein, der auf dem 
allgemeinen Priesterthum ruht, aber als gottgewollte Ordnung und als 
nothwendig für die Gültigkeit priesterlicher Functionen angesehen wird. 
Ihr praepositus vereint in sich eine Art bischöflicher Gewalt. Sie sind 
in den Reformen, die sie auf Grund der Schrift versuchen, puritanischer 
als die Waldesier und dabei doch auch wieder von deren gesetzlicher Auf- 
fassung der Schrift freier, wie sich das in den Fragen über die aposto- 
lische Armuth und die Ehelosigkeit zeigt. Aber sie haben aus ihrer früheren 
Geschichte, aus der arnoldistischen Richtung her einen gefährlichen 
Grundsatz mit herübergenommen und den Waldesiern gegenüber fest- 
gehalten, durch den die Objectivität der Gnad.enmittel in Frage gestellt 
und die Gewissheit des Heils gefährdet wird. Dies sowie die Gefahr, 
welche die durch jenen Grundsatz bewirkte völlige Trennung von den 
Altären der römischen Kirche mit sich brachte, mag die Ursache ge- 
wesen sein , dass die Anschauung der Waldesier von der Kraft der 
Gnadenmittel die der italischen Armen nach und nach verdrängte. Wir 
finden später wenigstens in den Missionsgebieten der letzteren, dass die 
Genossen der Secte die Eucharistie aus den Händen der römischen 
Priester empfangen. 

Die österreichischen Armen. 

1. An wen ist nun unser Sendschreiben, dem wir so wichtige Auf- 
schlüsse über die Waldesier und die italischen Armen verdanken, 



221 

gerichtet? Das Sendschreiben selbst sagt ni(r: „an die Brüder und 
Schwestern, an die Freunde und Freundinnen transalpes pie degentes. 
Zur Bezeichnung der gleichfalls jenseits der Alpen wohnenden Waldesier 
wird im Sehreiben nur der Ausdruck ultramontani gebraucht, und 
zudem geht aus dem Schreiben deutlich genug hervor, dass denjenigen, 
welchen über die Waldesier und ihr Verhalten berichtet wird, die Ver- 
hältnisse derselben nicht näher bekannt sind. Sie hätten ihnen aber 
bekannt sein müssen , wenn sie in Südfrankreich selbst oder diesem 
Lande nahe gewohnt hätten. Die Vermuthung, dass die Empfänger 
in Deutschland zu suchen seien, wird zur Gewissheit durch die Auf- 
Schrift, welche der Passauer Anonymus dem Sendschreiben gibt. 
Er überschreibt es: Rescriptum heresiarcharum Lombardie ad Leonistas 
in Alamannia. 

Das Werk, welchem das Sendschreiben eingefügt ist, wurde im 
Jahre 1260 verfasst. Der Verfasser unterscheidet wie die meisten 
katholischen Quellen nicht zwischen den Waldesiern und den italischen 
Armen, er befasst beide unter dem gemeinsamen Namen der Leonisten, d. i. 
der Armen von Lyon oder der Waldesier. Die Lehren aber, die er von 
ihnen mittheilt, zeigen, dass es ein Missionsgebiet der italischen Armen 
ist, aus dem er seine Kenntniss über die Leonisten schöpft. Denn 
seine Leonisten glauben nicht, dass ein unwürdiger Priester die Eucha- 
ristie wirksam verwalten könne. Sie weisen auf das keusche eheliche 
Leben ihrer Prediger hin. Diese beschäftigen sich mit Handarbeit. \ 

Auch wird von den Inquisitoren an die Verhafteten die Frage gestellt, 
ob sie jemals eine CJoUecte an ihre Brüder in der Lombardei gesendet 
hätten./ Nun sagt der Verfasser, er wisse das meiste, was er berichte, 
durch die Inquisition, welcher er häufig beigewohnt habe, und er be- 
zeichnet als das Gebiet, über welches diese Inquisition sich erstreckte, 
die Diöcese Passau. Die letztere umfasste vornehmlich das Herzogthum 
Oesterreich. Der Inquisition wird er dann auch die Kenntniss des Send- 
schreibens der italischen Armen verdanken, das er mittheilt. So stimmt 
also alles zusammen um uns gewiss zu machen, dass die Mittheilungen 
des Passauer Anonymus sich vorzugsweise auf ein Missionsgebiet der 
italischen Armen und zwar auf das des Herzogthums Oesterreichs be- 
ziehen. Es sind die Zustände der österreichischen Armen nicht lange 

29* 



222 

vor dem Jahre 1260, die er schildert. Das ist aber die Zeit kurz nach- 
dem an sie von den italischen Armen das von uns erörterte Sendschreiben 
gerichtet worden war. 

Es sind 42 Gemeinden der Diöcese Passau, in denen die Inquisition 
auf die Secte traf. Von diesen Gemeinden liegen mehrere wie St. Peter, 
St. Oswald, Weitra, Drosendorf in der Nähe der böhmischen und mähri- 
schen Gränze. Von den Orten an der Donau oder unweit derselben 
^nden wir unter andern Enns, Ardagger, Ips, Weissenkirchen genannt; 
aus den südlich der Donau nach Steiermark zu gelegenen heben wir 
aus dem Verzeichnisse Hag, Grieskirchen , Kemmaten, Wels, Steier, 
Böheimkirchen hervor. Dass die Secte in Oesterreich, wenige Jahre, nach- 
dem das Sendschreiben der italischen Armen an sie erlassen war, eine 
eigene Organisation oder Anfange einer solchen hatte, erhellt daraus, 
dass ein Bischof derselben erwähnt wird, welcher in Einzinspach seinen 
Aufenthalt hatte ^). 

Bei zwölf dieser Gemeinden heisst es: et ibi scholae. An (Jnter- 
richtsanstalten in unserem Sinne ist hier nicht zu denken, schon dess- 
halb nicht, weil es bei Kemmaten heisst: et ibi scholae plures. Ich 
vermuthe, dass damit die Orte bezeichnet sind, wo die Versammlungen 
stattfanden, wenn die Lehrer aus Italien kamen, oder die einheimischen 
Lehrer ihre Rundreisen machten^). Die Erwähnung mehrerer Schulen 
an demselben Orte wärde auf Versammlungen der minder stark ver- 
tretenen eigentlichen Waldesier und anderer sectirerischer Genossen- 
schaften deuten. Dass an solchen kein Mangel auch in den süddeutschen 
Ländern war, das zeigen die Geschichtsquellen jener Zeit, und dass 
unter ihnen die eigentlichen Waldesier gleichfalls vertreten waren, das 
ergibt sich aus ein/.elnen Sätzen des Passauer Anonymus und aus dem 
oben erwähnten Tractat des David von Augsburg. Denn dieser nennt 
seine Waldesier povre de Loun, und wenn in Baiern und Schwaben, die 
er wohl vorzugsweise im Auge hat, die eigentlichen Waldesier zahlreich 



1) 8. Beilage II. 

2) cf. Dafresne, Glossarium ad scriptores med. et Inf. latinitatis s. v. scholae. Scholae genera- 
liter dicebantur aedificiaf ubi convenire solent homines plurimi aut stadendi aat praesto- 
landi aut conferendi aut alterius rei causa. 



k 



223 

vertreten waren, so ist es sehr wahrscheinlich, dass diese von hier aus 
auch in dem nahen Oesterreich Anhänger gewonnen haben« 

2. Der Passauer Anonymus, ein treu zur römischen Kirche halten- 
der Priester, versucht es, die Ursachen zusammenzustellen, welche den 
Abfall so Vieler vcn der Kirche bewirkten. Sie liegen ihm zumeist 
in der sittlichen Verkommenheit des Klerua und in den zahlreichen 
Missbräuchen in der Kirche. Der Jesuit Gretser hat den Abschnitt, 
welcher hievon handelt, nicht mit abdrucken lassen. Auch bei Flacius, 
welcher gleichfalls Mittheilungen aus unserem Werke gemacht hat, findet 
er sich nicht. Ich hebe hier Einiges aus demselben hervor^): 

Das Leben der Kleriker ist ein zügelloses. Einfache Hurerei gilt 
ihnen für keine Sünde. Sie empfehlen den Grundsatz: si non caste, 
tarnen caute. Der Beichtstuhl wird missbraucht: man stellt da Fragen, 
die geeignet sind, die Unwissenden in fleischlichen Dingen geradezu 
erst zu unterrichten. Das Sacrament der Eucharistie wird in ganz 
frivoler Weise verwaltet. Die heiligen Handlungen werden als Mittel 
zur Befriedigung der Geldgier benützt. Und bei solcher Un Würdig- 
keit sucht man gleichwohl dem Volke die übertriebensten Vorstellungen 
von der priesterlichen Würde beizubringen* So sagt man, dass ein 
sündiger Priester, sobald er nur das Priesterkleid anhabe, rein dastehe 
wie ein Engel. Der Messen ist eine übermässige Zahl. Bei der Tauf- 
handlung stellen die Priester an die Pathen Fragen in lateinischer 
Sprache, die sie meist selbst nicht verstehen. Man betrügt das Volk 
mit angeblichen Wundern. Man lässt von Bildern Blut, Thränen, Oel 
fliessen oder Kerzen vom Himmel her sich entzünden, man lässt Leute 
Krankheiten vorgeben, um sie dann in der Kirche zu heilen. Man 
betrügt das Volk mit falschen Reliquien, zeigt Reliquien von Engeln 
oder Seh weiss Christi oder Milch der Maria und gibt Knochen von 
Ochsen als Heiligenreliquien aus. Der menschlichen Satzungen ist mehr 
in der Kirche als der göttlichen. Der Papst wird in übermässiger 
Weise erhoben. Man sagt: er sei ein Gott auf Erden, er sei grösser 
als ein Mensch, den Engeln gleich ; er könne nicht sündigen ; der römi- 



1) S. Beilage III. 






r 



224 

i sehe Stuhl finde entweder einen Heiligen oder mache ihn ; der römische 

[ Stuhl sei unfehlbar (quod sedes romana non possit errare). 

Mit dem niederen Klerus half der höhere, halfen insbesondere zu 
dieser Zeit auch die beiden Päpste Gregor IX. und Innocenz IV. durch 
die Leidenschaftlichkeit und Herrschsucht, welche sie im Kampfe mit 
Friedrich II. offenbarten, das Ansehen der Kirche bei Vielen erschüttern. 
In derDiöcese Passau war der Bischof Rüdiger von Radeck (1235 bis 
1250) der ergebene Bundesgenosse des Kaisers, auch als dieser im 
Banne war ; im Herzogthum Oesterreich Friedrich der Streitbare wenig- 
stens in den letzten sieben Jahren bis zu seinem im Jahre 1246 er- 
l- folgten Tode. So lange diese regierten, war an eine ernstliche Ver- 

N folgung der Ketzer nicht zu denken ; denn auch vor seiner Aussöhnung mit 

dem Kaiser erwies sich Herzog Friedrich als der Feind des Klerus. 
Mit dem Bischöfe von Passau wurden auch die übrigen Bischöfe Süd- 
deutschlands auf des Kaisers Seite geführt, als der päpstliche Legat 
Albert Beham, welcher dem zum zweiten Male gebannten Kaiser Feinde 
im Reiche erwecken sollte, sich die übermüthigsten P^ingriffe in die 
bischöflichen Rechte erlaubte. Als er den Bischof Rüdiger an der 
Abhaltung des Gottesdienstes verhindern wollte, wurde er von diesem 
mit der Faust zurückgeschlagen. 

Auch die übrigen Verhältnisse in Süddeutschland waren der Aus- 
breitung der Secten günstig. So insbesondere die zahlreichen Kämpfe, 
welche zur Zeit des streitbaren Herzogs Friedrich in den österreichischen 
Landen die alten Ordnungen unwirksam machten. Einfälle Otto's von 
Baiern, der Böhmen^ der Ungarn in Oesterreich; Kämpfe der eigenen 
Ministerialen, des Bischofs von Passau, des Kaisers mit dem Herzog; 
Niederlagen des Herzogs und dann wieder siegreiche Erhebung desselben ; 
eine beständige Veränderung in der Parteibildung bei fortdauernder 
Fehde. Unter der Herrschaft der Gewalt ging natürlich auch der Sinn 
für Ordnung und Recht mehr und mehr verloren : das Volk verwilderte. 
Dies müssen wir berücksichtigen, wenn wir bald auch unreine Elemente 
in die Opposition der österreichischen Armen gegen die Kirche sich 
mischen sehen. 

3. Im Wesen der Secte, im Auftreten ihrer Prediger lag nichts, 
was zu gewaltsamem Vorgehen gegen den Klerus aufgefordert hätte. 



k 



J 



225 

Es sind Aussagen eines Feindes der Genossenschaft der Armen, Aus* 
sagen des Passauer Anonymus, welche den hohen sittlichen Ernst der- 
selben bezeugen. Die Häretiker erkennt man, so sagt er unter anderm ^), 
an ihren Sitten. Sie zeigen keinen Stolz in der Kleidung, da sie weder 
das Auffallende des Reichthums noch das der Armuth haben^). Was 
man eigentlich Handel nennt, treiben sie nicht, um der Versuchung 
zum Lügen, Schwören und Betrügen zu entgehen. Sie arbeiten nur um 
leben zu können. Ihre Lehrer sind Weber und Schuhmacher^). Sie 
sind mit dem Nothwendigen zufrieden. Sie leben keusch, namentlich 
die Leonisten« Sie sind massig im Essen und Trinken. Zur Schenke, 
zum Tanz und anderen Eitelkeiten gehen sie nicht. Sie enthalten sich 
des Zürnens. Allezeit arbeiten sie, lernen oder lehren, und desshalb 
— so fügt er bezeichnend für das in der Kirche zum äusseren Werke 
gewordene Beten hinzu — beten sie wenig. 

Der Verfasser zeigt uns sodann, auf welche Weise die fremden 
Lehrer sich Bahn machten, um eine Stätte unter dem Volke für den 
neuen Geist, dessen Jünger sie sind, zu gewinnen. Sie suchen vor- 
nehmlich auch die Mächtigen und Einflussreichen im Volke auf ihre 
Seite zu ziehen. Als Tabuletkrämer kommen sie auf die Burgen des 
Adels. Sie bieten Gewandstoffe, Ringe und anderen Schmuck an. Fragt 
man sie, ob sie noch anderes zu verkaufen hätten, so antworten sie 
etwa: Ja, noch grössere Kostbarkeiten als jene sind, und ich würde sie 
euch geben, wenn ihr mich den Klerikern nicht verrathen wolltet. Ich 
habe .einen Edelstein, durch den man Gott schauen kann; einen andern, 
der die Liebe zu Gott im Herzen entzündet. Da bringen sie dann 
Worte der heiligen Schrift, in welchen das wahre fromme Leben vor- 
gehalten wird ; dann solche, in welchen der Herr das Leben der Phari- 
säer und Schriftgelehrten zeichnet. Sie vergleichen die herrschende 
Kirche mit ihrer Gemeinschaft; die Uukeuschheit des römischen Klerus 
und das keusche eheliche Leben ihrer Lehrer ; die Ueppigkeit jener mit 



1) Cod. Sil f. 99 sqq.: Quomodo heretici cognoscantur. 

2) Saperbiam in Testibns non haben t, quia nee preciosis nee maltam abiectis ntantor. 

3) Doctores etiam ipsorum sunt teztores et satores. Textores = tisserands. Sator — savetier, 
savate Schuhflicker, Schlarfe — Xabatenses? 



226 

ihrer Armuth; dort finde sich die GewaUthätigkeit des Verfolgers, bei 
ihnen das Dulden und Leiden. Selten sei unter den Klerikern ein 
Doctor der heiligen Schrift, der auch nur drei Gapitel der Schrift aus- 
wendig wisse, selten unter ihnen ein Mann oder Weib, die den Schrift- 
text nicht in der Volkssprache anzuführen wüssten^). Und weil wir 
nun, so lässt sie der Verfasser weiter sagen, den wahren Christenglauben 
haben und ein heiliges Leben führen, darum verfolgen uns diese Phari- 
säer und Schriftgelehrten bis zum Tode gleichwie sie Christum verfolgt 
haben. Sie dringen vornehmlich auf menschliche Traditionen, wie Fasten, 
Tage halten, Kirchen besuchen und Vieles dergleichen, was doch nur 
Menschengebot ist; wir aber rathen die Lehre Christi und der Apostel 
zu halten. Auf diese Weise, so sagt der Passauer Anonymus, führen 
sie sich ein und ihre Gönner behalten sie bei sich Monate lang und 
lassen sich von ihnen unterweisen^). 

Wo die öffentlichen Verhältnisse günstig waren, traten sie auch 
kühner auf. In der Lombardei, in der Provence und anderwärts, so 
berichtet der Passauer Priester weiter, hatten die Häretiker mehr Schulen 
als die Theologen und auch mehr Zuhörer. Sie disputirten öffentlich 
und riefen das Volk zu feierlichen Versammlungen auf den Markt oder 
das freie Feld. Niemand wagte sie daran zu hindern wegen der Macht 
und Menge ihrer Gönner. 

An solchen mächtigen Gönnern scheint es ihnen auch in Oester- 
reich nicht gefehlt zu haben. Die Strafe des Interdicts, mit welcher 
die Päpste die Anhänger des Kaisers verfolgten, führte sie auch hier 
ihnen zu. „Wenn das Interdict ausgesprochen wird^)'^ so sagt der 
Verfasser unseres Werkes, „dann jubeln die Häretiker, weil sie alsdann 
die Christen in ihr verderbliches Netz ziehen können'^ Nach einer 
Stelle im Tractat des David von Augsburg scheint Friedrich der Streit- 



1) cf. 1. c f. 79d: Quia novom testamentom et vetas vul^nriter traiistoleraiit et Bio docent et 
discunt. Vidi et audivi rusticum ydyotam, qui Job recitavit de verbo ad verbum, et plarea 
alios, qai totum novom testamentum sciverunt perfecte. 

2) cf Gretser Mx. bibl. XXV, 272. 

3) In dem auch bei Flacius (Catalo^^us testium Verität is ed. Francof. 1666 p. 663) abgedruckten 
Stück: Tempore interdicti exultaat haeretici, quia tunu possent corrumpere Cbriatianos. 



227 

bare selbst einer ihrer Gönner gewesen zu sein. . David sagt nämlich^), 
zur Zeit des Streites zwischen Friedrich II. und Innocenz IV., womit 
also nur die Zeit zwischen 1243 — 1250 gemeint sein kann, hätten die 
Häretiker bereits einen deutschen Fürsten, der um jenes Streites willen 
der Gegner der Kirche und der Feind des Klerus gewesen sei, durch Ueber- 
redungskünste angegangen und auf ihre Seite zu ziehen versucht. Aber 
Gott habe vorgesehen und durch den plötzlichen Tod dieses Fürsten 
die Kirche vor grossem Unglücke bewahrt. David berichtet vornehm- 
lich nach Wahrnehmungen und Mittheilungen aus der süddeutschen 
Provinz seines Ordens. In den sieben Jahren, da Friedrich II. mit 
Innocenz IV. stritt, ist kein süddeutscher Fürst, auf den jene Stelle an- 
wendbar wäre, ausser Friedrich der Streitbare. Die Klosterannalen 
Oesterreichs schildern ihn als einen Fürsten, der mit dem Klerus und 
den Gütern der Kirche in rücksichtsloser Weise verfuhr. Auch stimmt 
das, was die Stelle über den Tod jenes Fürsten sagt. Friedrich der Streit- 
bare starb eines plötzlichen Todes: er fiel bekanntlich 1246 in einer 
Schlacht gegen die Ungarn. 

Gebrach es so eine Zeit lang den Armen in Oesterreich nicht an 
Schutz oder wenigstens nicht an Sicherheit, so konnte es nicht aus- 
bleiben^ dass sich ihnen von der Menge der mit der Kirche Zerfallenen 
Viele anschlössen, denen nur die Polemik gegen die herrschende Kirche 
zusagte, die aber dem weltverläugnenden Ernste der Armen innerlich sehr 
ferne standen. Wenn daher der Passauer Anonymus a^ch von solchen 
Waldesiern in Oesterreich zu erzählen weiss, welche damit drohten, dass 
bald der Klerus vernichtet, oder durch Entziehung des Zehnten oder 
der Kirchengüter zur Handarbeit gezwungen werden würde, oder wenn 
er sagt, dass der Pfarrer von Kematen von ihnen getödtet worden 
sei, so haben wir hier, wenn anders die zuletzt erwähnte Mit- 
theilung nicht auf blossem Verdachte beruht, Erscheinungen welche auf 
Rechnung jener unreinen Elemente zu setzen sind. Mit solchen belastet 
zu sein ist ein Geschick, dem keine noch so edle Richtung entgehen 
kann, wenn sie die bessernde Hand an die verdorbenen Zustände der 
Kirche legt. 



1) Bei Marlene 1. c. f. 1706. 
Abb. d. III. GL d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abtb. 30 



228 



Die bohmischeii und österreichischen Armen bis zur Zelt des 

Johann Hns. 

1. Wie gross der Missionseifer der Armen in Oesterreich gewesen sei, 
das deutet uns der Passauer Anonymus an, wenn er berichtet, dass ein 
Häretiker, den er selbst gekannt, im Winter zur Nachtzeit durch die Ips 
zu schwimmen pflegte, um einen jenseits Wohnenden zu belehren und für 
die Secte zu gewinnen. „Mögen'^, so ruft der Verfasser aus, „die gläubigen 
Doctoren über ihre Nachlässigkeit erröthen, welche nicht ebenso eifern 
für die Wahrheit des katholischen Glaubens, wie die falschen Leonisten 
eifern für den Irrthum des Unglaubens/' 

Wie hervorgehoben wurde, sind unter den 42 österreichischen Ge- 
meinden, in welchen die italischen Armen Anhang fanden, mehrere in 
der Nähe der böhmischen und mährischen Gränze. Wer wollte glauben, 
dass sie an der Gränze stehen geblieben seien? Böhmen war ein eben- 
so günstiger Boden für die Ausbreitung antirömischer Lehren wie 
Oesterreich« 

Um dieselbe Zeit, da die vom Passauer Anonymus erwähnte Inqui- 
sition gegen die Genossenschaft der Armen in Oesterreich thätig ist, 
im Jahre 1257, bittet Ottokar von Böhmen den Papst um Inquisitoren 
zur Ausrottung der Ketzer in seinem Lande ^). Aus dem zweiten Jahr- 
zehnt des 14. Jahrhunderts wird uns von einer Inquisition in Böhmen 
unter dem Dominikaner Peregrinus von Oppeln berichtet^). Wie zahl- 
reich eben damals die Ketzer dort waren, erhellt aus der Chronik des 
Peter von Königssaal. Sie fanden an dem Bischof Johann von Drazic 
einen mächtigen Beschützer. Derselbe Hess sogar die Gefangenen der In- 
quisition gewaltsam befreien und hob das Gericht auf^). Dass unter 
den Ketzern dieses und des vorhergehenden Jahrhunderts viele auch dem 
Kreise der Waldesier angehört haben werden, ist schon aus dem oben 
Bemerkten wahrscheinlich ; es wird dies aber auch noch theil weise durch 
die Mittheilungen bekräftigt, welche Flacius aus böhmischen Inquisitions- 



1) Palacky a. a. 0. S. 9. 

2) Stein, fiphemerides Dominicano*Sacrae. ad a. 1317. 

3) Palacky a. a. 0. S. 11—12. 



229 

acten vom Jahre 1330 macht ^). Denn aas diesen geht hervor, dass die in 
dem genannten Jahre in Böhmen sowie auch in Polen verfolgten Waldesier 
dort keine neue Erscheinung waren. Jene Mittheilungen zeigen zugleich, 
dass die Verfolgten dem Kreise der italischen Armen angehörten, da 
bemerkt wird, dass sie ihre CoUecten in die Lombardei schickten und 
dort ihre Lehrer ausbilden liessen. Derselbe Flacius berichtet aus andern 
Inquisitionsacten^), dass um 1391 in der Mark und in Pommern über 
400 Waldesier, deren Namen in den Acten genannt waren, verhört 
wurden, und nach den Aussagen derselben waren ihre Lehrer aus 
Böhmen zu ihnen gekommen. So sehen wir die italischen Armen über 
Oesterreich und Böhmen bis in das nördliche Deutschland und nach 
Polen sich ausbreiten. 

Diesen Zeugnissen reiht sich nun das jenes Tractats an, welchen 
man bisher nach Gretsers Vorgang dem Pilichdorf zugeschrieben und 
falschlich in das Jahr 1444 gesetzt hat« Wirsahen^ dass dieser Tractat 
dem Jahre 1395 angehört. £r berichtet nach Wahrnehmungen, welche 
die Inquisition in den beiden letzten Jahren in Thüringen, in der Mark, 
in Böhmen und Mähren gemacht hatte. Es ist dieselbe Inquisition, über 
die wir soeben bei Flacius berichtet fanden, oder eine ihr unmittelbar 
folgende« Der Verfasser des Tractats sagt, dass durch sie in den ge- 
nannten Ländern gegen 1000 Waldesier zu dem katholischen Glauben 
bekehrt worden seien^). So wird also durch diesen Tractat in Ver- 
bindung mit dem vorhergehenden Bericht des Flacius constatirt, dass 
es auch in Böhmen zahlreiche Waldesier unmittelbar vor dem Auftreten 
des Hus gegeben habe, ja dass Böhmen das Mutterland für die Gemein- 
den der Armen im nördlichen Deutschland gewesen sei. Wir dürfen aber 
mit Recht von zahlreichen Anhängern der Secte in den genannten Ländern 
sprechen, denn wenn in zwei Jahren durch die Inquisition gegen 1000 
„bekehrt" wurden, so ist mit Sicherheit anzunehmen, dass ungleich mehr 
nicht bekehrt worden sind , die der Inquisition gegenüber entweder bei 
ihrem Bekenntnisse beharrten und starben, oder sich ihr zu entziehen 



1) CaUlogu» iott. ver. p. 68S fg. 

2) L c p. 639. 

3) Mmx. bibl. T. XXV. f. 281. 

30* 



230 

wiiBsten. Schon daraus, dass es zu gleicher Zeit in dem nahen Oester- 
reich viele Waldesier gab, lässt sich vermuthen, dass sie auch in Böhmen 
an Zahl nicht gering gewesen seien. Derselbe Tractat von 1395 er- 
wähnt nämlich auch der Inquisition, welche in eben diesem Jahre, da 
der Verfasser schrieb, in Oesterreich und Ungarn stattfand, und er be- 
merkt, dass die Inquisitoren die Hoffnung hätten, auch hier wiederum 
mehr als 1000 Waldesier ^^d^m Schlund Leviathans zu entreissen". 

Die Bekanntschaft des Verfassers mit den Ergebnissen der Inqui* 
sition in Böhmen und dem nördlichen Deutschland, seine Beziehungen 
zu den Inquisitoren in Oesterreich, welche die zuletzt angeführte Stelle 
verräth, die Gleichartigkeit in der Form der Wiedergabe einzelner wal- 
desischer Lehren bei ihm und in einem Actenstücke dieser österreichi« 
sehen Inquisition und der Umstand, dass die Genossenschaft der Armen 
in allen den genannten Ländern derselben Richtung angehört, das alles 
berechtigt, diesen Tractat von 1395 als Quelle zu verwenden, wenn es 
gilt, den Stand der waldesischen Lehre in Böhmen unmittelbar vor 
Eintritt der husitischen Bewegung festzustellen, um danach zu bemessen, 
inwieweit die Waldesier auf eben diese Bewegung könnten eingewirkt 
haben. — 

2. Es liegt indess ausser unserer Aufgabe, auf eine Untersuchung hier- 
über einzugehen; nur die Voraussetzungen wollten wir nachweisen, aus 
welchen auf eine solche Einwirkung überhaupt geschlossen werden darf. 
Was uns noch übrig ist, besteht in einer kurzen Betrachtung der letzten der 
im Eingang erwähnten Quellen, welche von den österreichischen Armen 
gegen Ende des 14, Jahrhunderts handelt. Es sind Actenstücke jener 
Inquisition, welcher der besprochene Tractat von 1395 gedenkt. Sie 
finden sich, wie schon gesagt, in einer Handschrift der hiesigen Staats- 
bibliothek. 

Diese Acten nun bestätigen uns, dass die Genossenschaft der itali- 
schen Armen in Oesterreich, welche wir aus dem Passauer Anonymus 
kennen lernten, seitdem 13. Jahrhundert ununterbrochen bis zum Ende 
des 14. Jahrhunderts fortbestanden hat. Denn gleich im Eingang seines 
Berichtes über die österreichischen Waldesier ^) sagt der Inquisitor 



1) Cod. lat. Mon. 244 a. S Beilage IV. 



231 

Petrus, dass die Secte über 140 Jahre in den österreichischen Landen 
bestehe. Doch scheinen sich die Verschiedenheiten in den Ansichten der 
italischen Armen und der Waldesier im Laufe der Zeit mehr und 
mehr ausgeglichen zu haben ; so lässt z. B. der Bericht des Petrus ver- 
muthen^ dass der waldesische Satz, welcher die Kraft der Gnadenmittel 
von dem Worte herrühren lässt, auch bei den österreichischen Armen 
zur Anerkennung gekommen sei ^). 

Der Leiter der Inquisition, der Provinzial der Cölestiner Petrus 
hatte zu Steier sein furchtbares Tribunal aufgeschlagen. Von Albrecht III. 
von Oesterreich und nach seinem Tode von dessen Söhnen Wilhelm und 
Albrecht IV. waren ihm die Beamten zur Verfügung gestellt worden. 
Er Hess zahlreiche Opfer den Flammen überliefern. Einer anderwärts 
sich findenden Notiz entnehmen wir, dass im Jahre 1397 in Steier über 
100 Männer und Frauen verbrannt worden sind 2). Die in amtlicher 
Weise ausgefertigten Urtheile sind nicht ohne Interesse, theils weil sie 
zeigen, wie selbstständig das Urtheil in religiösen Dingen im niederen 
Volke war, theils weil sie unwillkürlich ein Licht auf die Kirche werfen, 
die auf solche Weise kämpft. 

Eis Kumpfner, eine sechzigjährige Wittwe, in der Secte geboren, 
einst von dem Inquisitor Heinrich von Olmütz absolvirt, behauptet, es 
sei kein Purgatorium nach diesem Leben, dieses bestehe vielmehr in 
den Versuchungen und Leiden bei Leibesleben ; und gefragt von dem 
Pfarrer, ob sie am Vorabend von Allerheiligen allein zur Ehre Gottes 
Qnd nicht auch der Heiligen gefastet^ antwortet sie mit der Gegenfrage : 
ob der Herr nicht mächtiger sei als der Knecht? Mit ihr werden zu- 
gleich drei Andere^ welche ihre Ueberzeugung nicht verläugnen wollen, 
dem Arm der weltlichen Obrigkeit übergeben. „Wir urtheilen", heisst es 
da unter anderm, „du Gundelinus seiest ein Ketzer, du Eis eine Ketzerin, 
in die vor Gericht abgeschworene Ketzerei zurückgefallen, du Kunigund 
rückfällig, hartnäckig, unbussfertig, du Diemut desgleichen — : da nun 
die Kirche nicht weiter hat, was sie thun soll, so überlassen wir euch' 



1) I. c. 244 b: Item licet presbyteris ecclesiae conüteantur^ Christi corpus ab eis accipiant, 
Bectam tarnen ipsomm ipsis nullatenas manifestant. 

2) Cbron. Aastriac. Viti Arenpeck ap. Pe«, script. rer. Anstr. I, p. 1244. 



' 



232 

dem Arm des weltlichen Gerichts und bitten dieses nachdrucksvoll, wie 
es die kanonischen Bestimmungen rathen, dass es euch Leben und 
Glieder, ausgenommen in der Todesstunde, unverletzt lasse (die Gnade 
besteht also darin, dass sie vor der Hinrichtung nicht noch gefoltert 
oder gepeinigt werden sollen), wobei euch gewährt werden soU^ dass ihr 
im Falle ernstlicher Reue noch die Saoramente der Busse und der 
Eucharistie erhaltet^S 

Auch auf Kinder erstreckten sich die Strafen. Ein zehnjähriger 
Knabe, in der Secte geboren, muss zwei Jahre lang mit dem Kreuze auf 
dem Kleide, wodurch der Ketzer bezeichnet wird, Pönitenz thun. 

Man hatte indess zu lange schon sich der Gewalt bedient. Wie 
hätte nicht eine von dem Geiste des Evangeliums abgekommene Hier- 
archie Vielen, welche nur um der Opposition willen der Genossenschaft 
der Armen sich anschlössen, den Gedanken, Gewalt mit Gewalt zu be- 
kämpfen, nahe legen sollen? „Neulich'*, so verkündet denn auch der 
österreichische Inquisitor, ,, haben die Ketzer die Scheune des Pfarrers in 
Steier in Brand gesteckt, weil er die Inquisitoren in seinem Hause be- 
herbergt, und am Stadtthore von Steier haben sie drohend ein verkohltes 
Holz und ein blutiges Messer befestigt' ^ 

So zeigen sich an der Gränze Böhmens die Vorboten des Sturmes, 
der zwei Jahrzehnte später in Böhmen selbst sich erheben und von da 
aus das Reich bis in seine Grundvesten erschüttern sollte. „Mögen 
Acht haben alle katholische Fürsten' S so ruft der geängstete Inquisitor 
aus, „mögen sie sich anstrengen, dass alle die nichtswürdigen Häretiker, 
die mit Mord und Brand drohen, gefangen, peinlich verhört und zur 
Einheit des katholischen Glaubens zurückgebracht werden !" Die Inqui- 
sition hatte Sturm gesät und ruft nun erschreckt die Fürsten an, das 
furchtbare Ergebniss ihres Thuns mit den Mitteln zu bekämpfen, durch 
die es heraufbeschworen worden war. 

Aber nicht auf den Elementen der Zerstörung ruhe zum Schlüsse 
unser Blick. Sie haben sich erhoben und wieder gelegt. Der Geist, 
den sie eine Zeit lang sich dienstbar machten, hat sich von ihnen wie- 
der frei gemacht und verborgen fortgewirkt, bis eine neue Zeit ge- 
kommen war. Von einer solchen aber konnte erst die Rede sein, als 
die neuen Auffassungen, welche einen Gegensatz zum Alten bildeten, in 



233 

geläuterter Gestalt zum Gemeingut eines grossen Theils der Nation ge- 
worden waren und deren Gesammtleben in charakteristischer Weise zu 
gestalten begannen. Eine wie grosse Menge von Kräften und Ereig- 
nissen aber muss auf und ineinander wirken, bis die alten Geister aus- 
getrieben sind und das Neue überall Besitz ergreifen kann! Welche 
Läuterungen muss das^ was ein Ferment zu werden bestimmt ist^ selbst 
erst durchmachen, bis es seiner Bestimmung gewachsen ist ! Eine Reihe 
solcher eine neue Zeit mit heraufführender Kräfte haben wir in vor- 
liegendem Falle in ihrem Zusammenhange einigermassen verfolgen 
können. Während das mittelalterliche Kaiserthum diesseits und jenseits 
der Alpen mit der römischen Kirche rang, versuchte Arnold von Brescia 
die Wurzel zu durchhauen, aus welcher Rom Begierde und Kraft für die 
Weltherrschaft sog. Aber er vermengte selbst disparate Dinge und unter 
den Gerichten der folgenden Zeit musste seine und eine verwandte Partei 
empfänglich gemacht werden, einen reineren Funken aufzunehmen, welcher 
von Südfrankreich her, wo seit langer Zeit eine reformatorische Richtung 
die edelsten Geister in Thätigkeit setzte, auf den Boden Italiens niederfiel. 
Die Flamme, welche dieser Funke entzündete, ergriff auf den Wegen, 
welche die Kaiser hin- und wiederzogen, das nahegelegene Oesterreich, 
von da Böhmen und das nördliche Deutschland. Den waldesischen 
vielfach verwandte Lehren, gingen dann von England aus. In dem 
Mittellande Böhmen fassen sie sich mit jenen älteren zu einer neuen 
Gestalt zusammen. Der nationale Gegensatz und alle seine Leiden- 
schaften mischen sich hinein, um der Opposition gegen Rom einen er- 
schütternden Nachdruck zu geben. Und auch hier dann wieder der 
gleiche Process durch äussere Niederlagen zur inneren Läuterung« Die 
alten Ueberzeugungen sind durch diese Bewegungen in den weitesten 
Kreisen gelockert. Und neben den religiösen Richtungen sind andere 
inzwischen hervorgetreten, welche die Gemüther zum Bruch mit dem 
Traditionellen, zum Rückgang auf das Ursprüngliche antreiben und fähig 
machen. So erhebt sich dann im 16. Jahrhundert die deutsche Refor- 
mation, um bald siegreich das ganze nördliche Europa zu ergreifen 
und umzugestalten. 



Beilagen. 



L 

Rescriptum heresiarcbarum Lombardie ad pauperes de Lugduno, qui 

sunt in Alamania^). (cc. 1230.) 

1. Ad honorem patris et filii et Spiritus sancti, amen. 

Oto de Bamezello dei gracia conf rater paaperum spiritu, J. de Sarnago, Tadeus 
Marinns, G. de Papia, L. de Leganio, G. de Moltrasio, J. de Mutina, J. Francescbas, 
Jordanus de Dogno Bononius atque Thomas dilectis in Christo fratribus ac sororibus, 
amicis et amicabas transalpes pie degentibas in vero salutari salutem et dileccioais 
perpetue iirmitatem. 

2. Sagacis animi refert ac providi, nociva linquere, caduca fugere, monda prosequi, 
fiolida complexari. Gracias agimus deo nostro in omni memoria vestri semper in cunctis 
oracionibos nostris pro Omnibus vobis cum gaudio deprecacionem facientes super com- 
municacione vestra in ewangelLo Christi a prima die usque nunc, confidentes hoc ipsum, 
quia qui cepit in vobis opus bonum perficiet in diem Christi Jesu, sicut est nobis iustum 
hoc sentire pro omnibus vobis eo quod habemus vos in corde et in defensione et con- 
firmacione ewangelii, socios gaudii nostri omnes vos esse. Testis enim nobis est deus, 
quomodo cupiamus vos omnes in visceribus Jesu Christi, et hoc oramus, ut Caritas vestra 
magis habundet in omni scientia et in omni sensu, ut probetis pociora, ut sitis sinceri 
et sine offensa in diem Christi, repleti (froctu) iusticie per Jesum Christum in gloriam 
et laudem dei. (Phü. 1, 3— 11.) 

3. Scire autem, fratres, volumus de controversia, que inter nos et ultramontanos 
«lectosValdesii socios') iam diu versatur, ad quem finem olim anno nativitatis Christi 
MGCXVIII. mense maio") iuxta civitatem Bergami^) post multas inquisiciones invicem 
habitas potuimus pervenire. 



1) Der Kürze wegen ist im Folgenden Cod. Sil (f. 66 sqq.) als A, Cod. 9668 (f. lU sqq) 
als B, Cod. 3714 (f. 66 sqq.) als C bezeichnet. 

2) dictos valdesg socios C. 8) madio C. 4) b*ga C. ffgöl A. b*gami B. 



235 

4. In primis ergo ad quandam nostram qaestionem de preponimento , cnias tenor 
est hie: De hoc in primis querimus a Tobis fratribas ultfamoDtanis, qnod aadivinias, 
Valdesinm dixisse videlicet se nolle aliqaem in societate ttltramontanornoi aat ytalicoram 
fratmm fore prepositom in vita sna nee post mortem : utrum ?eliti8 in eodem sine aliqna 
diminncione vel adianccione permanere an non? talem dederont responsionem in exposi- 
cione cuiasdam carte, mendaeis a fine, qnondam Massario in civitate Verone^) frauda- 
lenter tradite, ubi legitar „et communiter eligere prepositos ac rectores'*, subiungentes 
qnod nos sie intelligismas simpliciter et absque yelamine: qaod commune nostram et 
illornm, congregatam in unam, sicut dictum est, communiter eligat prepositos eternaliter 
vel rectores ad tempus secundum quod utilius communi videbitur vel amplius ad pacem 
pertinere. HoC| ut dictum est, de preponimento foit ultramontanorum responsio. 

5. Ad qaestionem autem nostram de ministrorum ordine, cuius tenor est bic: Secundo 
querimus quid sentitis et qaaliter vos habere vultis de ordinacione vel ordine ministrorum, 
talem similiter dederunt responsionem, ut in exposicione predicte carte falsidice continetur: 
et mipistros taliter eligere communiter vel de nuper conversis vel de amicis, in rebus 
permanentibus ordinäre eternaliter vel ad tempus, secundum quod communi utilius vel 
amplius ad pacem pertinere videbitur. Et hoc de ministris, ut diximus, fiiit ultramon- 
tanorum responsio. 

6. Ad questionem vero nostram de laboranciam congregacione, cuius tenor hie est: 
Tereio querimus de hoc quod audivimus, Valdesium dixisse quod, cum de Omnibus aliis 
esset pax et concordia inter eum et fratres ytalicos, nisi separarentur laborancium con- 
gregaciones, que tunc temporis erant in Ttalia, ita ut unus cum alio non maueret, pacem 
cum eo habere non possent: utrum in eodem sine aliqua diroinucione vel adiunccione 
velitis permanere an non ? quorum videlicet ultramontanorum ad haue questionem responsio 
in eadem sepe dicta fallaci cedula hec inter cetera legitur, videlicet: si aliqua persona 
eonailium pauperum petierit volens in terreno labore mauere, detur illi consilium secundum 
deum et eins legem, si sola mauere voluerit vel lungere se cum pluribus. 

7. Prescripta ad tres prenominatas questiones, ut dictum est, ultramontani Valdesii 
socii responderunt , quedam verbis de laborancium congregacione addentes alia, super 
quibos talem eis responsionem dedimus: Volumus vitia omnia que fratres ultramontani 
coram nobis ytalicis enunciaverunt vel etiam alia, si insunt *), de congregacione laboran- 
cium penitus amputari: quo pacto exoramus eos humiliter, qnatenos dictos laboratores 
communi utriusque societatis consilio et concordia ad dei honorem permanere concedant, 
et sie de illis tribus principalibus causis, quibus olim manebat discordia, consencientes 
eramus ad invicem, ut, si de omnibus aliis concordes essemus, de hiis penitus inter 
DOS et ülos, at ab ipsis audivimus et ipsi a nobis, nuUa discordia remaneret, si tamen quod 
ore dicebant opere confirmarent, et quod in fine cuiusdam oedule, quam nobis tradiderunt, 
legitar ad effectom perducerent, quod eciam [promiserunt?] et hec tria supradicta ab illis 



1) C. Vetone A u. B. 2) vel etiam alia similiter C. 

Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. WiM. XIII. Bd. L Abth. 3 1 



Cv^Vk 



v.^ . >i. 4.x ^ uk^il |>| fiioere volumos secDndnm deam et eins legem, simplicüer et absqne 
xvv:au>iuv\ v^ul «UerÄoione et disputacione ampuUta. 

H k^A«l<»i^ ad quandam suam super baptizmate questionem talem responsionem 
JvkUw^^« Dioiittus quod nemo aque materialis baptismum respuens potest salvari, parvnlos 
x^n^ non baptixatos minime credimas salvari et hoc oramus eos credere et fateri. 

0. Ad quendam vero aliam suam super matrimonio questionem diximns respon- 
d«»utes: Credimus legitime coniugatos uisi ob fornicacioDis causam aut utriusque consensu 
neminem debere separare et hoc obsecramus fratres ultramontanos credere et fateri. 

10. Kursus ad questionem ultramontaoorum de fratre Thoma vel de aliqno alio 
respondimus : Volumus quod si fratres ultramontani fratrem Thomam vel alium ex nostris 
sociis accusaverunt, dictus Thomas et alii debeant facere et accipere racionem secundnm 
deum et eins legem; et hoc ipsum dicti ultramontani pro se et aliquo suorum sociorum 
facere sunt parati, et hec eadem frater Thomas postulat et exorat. Super quibus fuit 
ultramontanorum responsio : 

11. Ad questiones nostras de baptismo dicimus, quod uuUuro salvari credimus nisi 
baptizatus fuerit in aqua materialiter. 

12. De matrimonio dicimus legitime , quod non solvatur, nisi per voluntatem 
utriusque, nisi occasio iusta intervenerit secundum quod comrauni videbitur. 

13. De hoc quod dictum fuit de Thoma et de Johanne Francigena vel de aliquo 
alio, quod separatus sit a societate pro causis specialibus, quod secundum deum et eias 
legem satisfaciant nostre societati nostraque societas faciat illis et accipiat ab illis secun- 
dum deum et eins legem. Hoc, ut dictum est, fuit tenor responsionum ultramontanorum 
Valdesii sociorum super baptismate et matrimonio et Thoma vel aliquo alio sociorum 
nostrorum ab eorum congregacione vel suorum a nostra pro causis specialibus separato. 
De bis igitur, sicut de precedentibus diximus, consencientes iuxta predictam utrorumque 
confessionem invicem fuimus, attamen si verba eorum, uti prenotatum est, effectum 
haberent. 

14. Et ad quandam nostram questionem, cuius tenor hie est: Qnerimus de aliqua 
consuetudine vel credulitate vestra, quam non possetis aperte^) per scripturkm probare 
divinam, Christi ecclesiam habuisse et habere debere, utrum velitis et in eodem permanere 
et ad idem nos pervenire cogere an non? si eorum responsio esset vera, cuius tenor 
est: Nos dicimus quod in hoc non sumus nee illos volumus cogere, — si hec, inquam, 
eorum id est ultramontanorum sociorum Valdesii responsio esset vera, indubitanter 
credimus nos et illos et pacem stabilem et firmam concordiam mutuo iam habere. 

15. ütrum autem vere responderint an non, ex subsequentibus iuvaute domino 
prudens lector capere poterit ac auditor. Facta enim adhuc quadam sua super 
Valdesio et Viveto mortuis questione respondimus: Valdesium et vivetum, si pro Omni- 
bus culpis et offensionibus suis deo satisfecerint ante obitum, posse salvari; quam 



1) anD. Cod. A. 



237 

dicti ultramoDtaDi responsionem penitus respaentes unus ex illis sex, quorum nomina 
sunt: Petras de Beiana et Berengarius de Aquaviva, qui ambo tunc temporis accionem 
oltramontanoram annualem iaxta suam consuetudinem procnrabant, 6. de Cremano et 
0. Turantas, Optandus de Bonate et Julianusi qui ut ab ipsis audivimus pro communi 
sae societatis consilio convenerant cum totidem ex nostris fratribus, quorum nomina sunt 
hec: Jobannes de Sarnago et Thateus, Thomas et Maifredus, Johannes Franceschus 
et Jordanus de Dogno ad videndum de pace ^) : 

unus, inquam, ex Ulis scilicet Petrus de Relana sine verbi addicione*) in suorum 
et nostrorum fratrum predictorum preseucia inter cetera protulit: Dicimus Valdesium in 
dei paradyso esse, subiungens, quod, si nos eandem quam et ipsi de Valdesio confessioQem 
non faceremus, pacem nobiscum habere non possent. 

16. Et hoc est unum e dnobus, de quibus inter nos et Valdesii socios adhuc dis- 
cordia demorator, alterum vero de panis fraccione vel sacrificio, de quo ultramontanorum 
sentencia tripliciter, ut audivimus, variatur. 

Quarum una est, ut quidam ex Valdesii sociis proferunt: quod panis et vini sub* 
stancia per'solam verborum dei prolacionem vertitur in Christi corpus et sanguinem, 
addentes : nos non homini sed verbis Dei virtutem attribuimus. Quibus obiicitur : quod 
si per solam verborum dei prolacionem panis et vini substancia transsubstanciatur') in 
Christi corpus et sauguinem, ergo quisquis sive Judeus sive gentilis verba dei super 
panem et vinum proferens ^) secundum supra dictam eorum sentenciam — Christi corpus 
et sanguinem conficiet, quod omnino nefas est dicere, quia nuUa autentica probari unquam 
auctoritate poterit vel etiam racione. Ad hoc autem quod quidam conantur predictam 
affirmare sentenciam, illud apostoli testimonium inducentes (1 Tim. 4,5): Sanctiticatur 
enim per verbum dei et oraciouem, respondemus, quod apostolus in hoc errorem eorum 
non astruit, immo destruit ac confundit, nam de cibis non de sacrificio apostolus in 
predicta loquens senteocia non solum verbum dei posuit sed etiam oracionem adiucxit. 
Quorum autem oracio ad sanctificacionem valeat vel non, ex subsequentibus mox dante 
domino elucebit*). 

17. Altera quorundam Valdesii sociorum sentencia de panis fraccione hec est: 
Nemo potest baptizare, qui Christi corpus non valet conficere. Quibus breviter^) 
opponendum, quod iuxta eorum sentenciam necesse est ut fateantur, aut corpus Christi 
non solum per homines lajrcos et maliciosos sed et per mulieres etiam meretrices 
coofici aut omnino unquam a talibus*^) neminem baptizari. Quod utrumque, videlicet 
aut per laycos id est inordinatos Christi corpus confici aut per eosdem neminem posse 
baptizari, etiam contra confessionem eoram est, quod, ut supra diximus, pro totius 
societatis Valdesiane communi ad videndum de pace nobiscum convenerant. Interrogati 



DG. 2) C. condicione A. 6. 

3) traDsferator 6. vertitur A. panis et vini substancia om. A. 

4) profert C. om. A. B. 5) C. docebit A. B. 6) C. vert? videtur? A. B, 7) C. om. A. B. 

31* 



238 

eteniro a nobis de panis fraccione confessi sunt, hoc sacramentam non per moliereiDf non 
per laycam, sed per solum confici sacerdotem. 

18. Dixerant eciam per neminem sive bonum sive malam nisi per eum, qui est 
dens et homo, i. e. Ghristam, panis et vini visibilem in corpus Christi et sangninem 
posse transsubstanciari substanciam, et hacusqae de hac tertia sacramenti hnins respon- 
sione nos et illi concordes foimus. 

19. De hoc aut^m qaod addiderant: oracionem adolteri sive caiaslibet maliciosi in 
hoc a domino exaadiri et recipi, ab eis, qaia a veritatis tramite deviat, dissentimas ') : 
ait enim veritas in Matheo (5, 13) : Vos estis sal terrae. Qaodsi sal evannerit, in quo 
salietnr? ad nihilum valet ultra, nisi ut roittatur foras et conculcetur ab hominibus. Et 
in Luca (14, 34. 35): Bonnm est sal, si antem sal evannerit, in quo condietur? neqne 
in terram neque in sterquiliniam utile est, sed nt foras mittatur. Qui habet aures 
audiendi audiat. Item in Johanne cecns ille illuminatus (9, 31): Seimus, inquit, quia 
deus peccatores non audit, sed si quis cultor dei est et voluntatem eins facit hunc 
exaudit deus. Item veritas in eodem (15,4): Sicut palnies non potest ferro fructum a 
semet ipso niai manserit in vite, sie et vos nisi in me manseritis. Et paulo post: Qui 
manet in me et ego in eo, hie fert multum fructum, quia sine me nihil potestis facere, 
et iterum: Si manseritis in me et verba mea in vobis manserint, quodcunque volueritis 
petetis et fiet vobis; unde negacione apposita valet intelligi: Si noc manseritis in me et 
verba mea in vobis non manserint, nichil eorum quod petiveritis fiet vobis. Hinc et 
Apostolus (2 Cor. 6, 14 — 16): Nblite, inquit, iugum ducere cum iufidelibus. Que enim 
participacio iusticie cum iniquitate, aut que societas luci adtenebras? aut que convencio 
Christi ad Belial ? aut que pars fideli cum infideli aut qui consensus templo cum jdolis ? 
et iterum (Tit. 1, 15 —16) : Omnia munda mundis, coinquinatis autem et iufidelibus 
nichil mundum, sed coinquinate sunt et mens eorum et consciencia. Coofitentur se nosse 
deum, factis autem negant, cum sint abominati et incredibiles et ad omne opus 
bonum reprobi. 

20. Item quod dominus iniquoruro ministracionem non recipiat et eorum oracionem non 
exaudiat, ex subsequentibus latepatet. Lejgitur etenim etc. etc. [Sequuntur Ex. 12, 43—46. 
Ex. 28, 1. Ex. 30, 30. Ex. 32, 33, Lev. 10, 1—2. Lev. 21, 16—18. Lev. 22, 3. 25. 
Num. 18, 1—2. 6—7. Num. 19, 22. Deut 16, 5—7. 1 Sam. 2, 30. 1 Sam. 15,22—24. 
Ps. 15(14), 1—4. Ps. 5, 7. Ps. 26(25)5. Ps. 34(33), 16-17. Ps. 66 (65), 18. 
Prov. 1, 28—29. Prov. 15, 8. Prov, 15, 29. Prov. 28, 9. Jes. 1, 10. 13—15. Jes. 59, 1. 
Jer. 14, 11 — 12. Jer. 6, 20. Ezech. 8, 18. Hos. 9, 4. Am. 5, 21. Mich. 3, 3—4. Mal. 
1, 6. 10. Mal. 2, 1-2. 8—9. 13. — Rom. 11, 33. Rom 10, 12.] 

21. Non solum hec in scriptura sed et multa alia in scripturis testimonia diviois 
legimus, que predictam Valdesianorum sentenciam novimus annuUare. Si quis vero velit 
obiicere: Vetera transierunt, et ecce nova facta sunt (2. Cor. 5, 17), iterum audiat, quod 



1) c. om. A. B. 



239 

Paulos recolat ad Hebreos (2, 2 — 3): Si enim, qni per angelos dictas est sermo, factus 
et firmas etc. et rnrsum Hebr. 10, 28-29. Et quia, eodem iternm testante apostolo 
(Rom. 3, 19): Scimas quia qaecunqae lex loqnitur, hijs qni in lege snnt loqnitar, et 
qoecumque scripta snnt ad nostram doctrinam scripta snnt (Born. 15, 4): 

22. nos et Valdesianornm confessionem snper panis fraccione, qnam et scripto 
tradidernnt, sie dicentes: Ad qnestionem, qne nobis facta fnit de panis fraccione sie 
credimns: a sacerdote ab ecclesia Bomana^) ordinato, donec congregatio baptizatomm 
snstinet eum in officio, sit instns vel ininstos, si acceperit panem et vinnm et enm 
benedixerit in commemoracionem corporis et sanguinis dei, credimus qnod post bene«' 
diccionem ab eo dictam corpus et sangnis fiat dei — ad qnestionem fiEictam de absconso 
peccatore credimns, qnod panis et vinnm, qnnm benedixerit, post benediccionem fiat corpus 
et sanguis Jesu Christi, hanc dicimus Valdesianornm confessionem, quam contra tam 
molta divina testimonia faciunt, omnino respuimus, et illam, quam pretaxatis fulti testi- 
moniis et ore coram ipsis fecimus et scripto eisdem tradidimus, discrecioni vestre per 
scripta presencia curavimus intimare: 

23. Besponsio Ytalicorum de panis fraccione vel sacrificio: Dicimus qnod nemo sive . 
1m>dus sive malus, nisi ipse qui est deus et homo panis et vini visibilis in Christi corpus 
et sanguinem potest transsubstanciare substanciam, unde, si minister ad hoc conficiendum 
accesserit, ministrum dicimus in Christi sacerdotii ordine ordinatum, et deus oracionem 
eins exandierit, credimus panis et vini substanciam post benediccionem esse Christi corpus 
et sanguinem, alioquin minime quod ad se et per se. Qnod sie iutelligentes exponimus: 
„alioquin minime'^ i. e. si deus eum non exandierit, et quid clarius, quid manifestiuSi 
quam quod non in hominis sed dei solius potestate subsistit, si ministri oracio 
audiatur a domino ? Non esse *) „quod ad se*^ i. e. quantum ad ministrantem reprobum, 
etiam si ipse recipere presumpserit, aut „per se'^ i. e. per eins oracionem, si alicui alii 
tradere voluerit. Tarnen si quis ad recipiendum hoc sacramentum dignus accesserit, 
credimus quod^, licet non per ministri indigni et reprobi oracionem sive benediccionem, 
a domino impetrat quod exoptat, i. e. corpus domini ad sui salutem iuxta suum recipit 
desiderium, testante de iusto scriptura : Beplebitur in bonis desiderium tuum, et iternm : 
Voluntatem timentium se faciet et deprecationem eornm exaudiet, et mrsum : Desiderium 
pauperuro exandivit dominus, preparacionem cordis eornm audivit auris tua. Nee nos 
moveat quod quidam de Juda proditore obiiciunt, quia nee credendum est id idem quod 
et ceteri apostoli recepisse, alioquin unum et eisdem corpus esset teste Paulo,' ait enim, 
quoniam unus panis, unum corpus multi sumus, omnes, qui de uno pane et uno calice 
participamus, et sie de consimilibus respondendum. 

24. De quorum ministracione quid sentiri quoad sacramentum oportet'), ex precedentibus 
vobis satis fore credimus manifestum. Sed quia quorundam incredulitas, intelligimus vero de 



1) Romana A. B. nostra G. 2) audiatur — esse G. om. A. B. S) respondendum — oportet C. 
de quo videlicet fraccione quid sentiri quo ad hoc sacramentum oportet A. 



240 

qnibas ait apostolus (Gal. 2, 6), doctores nobis conatur obiicere, qoi nihil tradiderantt 
dootorefl andiant illorum inpericiam presumentes! Cyprianus: Constat eacbaristlam fieri 
apnd illos omnino non posse, ubi spes nolla est et fides falsa, abi omnia per mendacia gerantur. 
Nam bereticufl more symearam, qae, com homioes noa sint, fonnam hamanam imitantar, 
katholice ecclesie et aactoritatem et veritatem sibi vendicat. Cum ipse non io ecclesia 
Sit, benedicit; cum a deo sit maledictns, vitam pollicetar; cum sit mortuus, deum invocat; 
com ait blaspbemas, sacerdotiom adminietrat, prophanum altare componit sacril^os. Ad 
hec omnia accedit. Quam illud malum, ut antistes dyaboli audeat eacbaristiam facere 
Cbristi, com nee sanctificari illic oblacio possit abi spiritas sanctus non sit, nee caiqoam 
dominus per eins preces et oraciones prosit, qui dominum ipse violat. Jeronymus in 
Sopboniam : Sacerdotes, qui eucbaristie serviunt et sanginem eins indigne conficiunt, inpie 
agunt in lege Cbristi putantes, eucbaristiam imprecantis ÜEicere verba non vitam, et 
neceasariam ^) esse tantum solempnem oracionem et non sacerdotum merita, de quibus 
dicitur: sacerdos in qnaeunque fuerit macula non accedat oblaciones offerre deo. Idem 
in Aggeum : Quamvis sancta videantur que offeruntur, tamen , quia traetata sunt ab illo, 
qui est pollntus in anima, polluuntnr omnia. Gregorius : Qui sacros ordines vendunt aut 
emnnt, sacerdotes esse non possunt, unde scriptum est: anatbema dandi, anatbema acci- 
piendi. Hec est symoniaca beresis, quomodo ergo, si anatbema sunt et sancti non sunt, 
sanctificare alios possunt, et cum in Cbristi corpore non sint, quomodo Christi corpus 
tradere vel accipere possunt ? qui maledicus est , benedicere quomodo potest ? Idem : 
quisquis pecunia ordinatur ad hoc ut fiat, hereticus promovetur. Ex epistola Innocendi 
pape : Audiant hoc iUi, qui sicut spinosus hereticus hinc inde pungentes Universum sancte 
corpus ecclesie inficiunt dicentea : Ego non symoniacum attendo, sed verba benediecionis, 
que ex illins ore procedunt. miseri, omnibus faominibus miserabiliores, qui ore sacri- 
lego talia audent fari nefaria; cur non perpendunt illud Salomonis: Qui avertit anrem 
suam, ne audiat legem, oracio eins erit execrabilis. Et dominus per Malacbiam, quod 
malorum sacerdotum benediccio pro malediccione imputetur, ait : Maledicam benediccionibos 
vestris. Et de hiis tanta sufficiant. 

25. De confessione vero sive credulitate super hoc sacramento olim nostra obiicienti 
nobis breviter respondemus: cum essem parvnlus loquebar ut parvulus, sapiebam ut 
parvulus, cogitabam ut parvnlus. Quando autem factus sum vir, evacuavi que erant parvuli. 
Nee de hac credulitate aliquem fratrum pie degentium usque ad obitum domino fiämulan- 
cium credimus condempnatum. Si quis vero opponat: quare non ergo et vos adhoc 
credentes sie confitemini? respondemus: quia contra veritatem scripturarum iam propa- 
latam credere non possunius, nee eciam, licet Yaldesiani in hoc nos vellent cogere, 
volumas confiteri. Oportet enim obedire deo magis quam hominibus. Nee enim Paulos 
volentibuB eum in legis servitutem redigere, ut ipse testatur, ad horam subieccione cessit, 
sed neque fideles ex circumcisione beato Petro post exposicionem ordinis visionis et 



1) imprecantis — neceBsariam om. A et B. 



241 

conYersionis Cornelii opposuernnt, de hoc scilicet, qnod nee Petrus nee ceteri apostoli 
transacto crediderant tempore, gentes ad fidem in preputio admittendas, vel de Stephano 
post dei passionem prothomaxtyre id non credente similiter et salvato, nee inter fratres 
de hijs suscitaverunt discordiam, sed dixerant glorifieantes dominum : ergo et deus gentibus 
poenitentiam ad vitam dedit. 

26. Hee super iam dieta Valdesianorom diseordia et obieecionibus eomm incongruis, 
multa ad easdem convineendas vestre relinquentes diserecioni, summatim stringere et 
per karissimos nostros ügolum et Algossum utile duximus vobis dirigere, in quibus et 
consuetudo illa antiqua et reproba et veritas approbanda andiendi anrem habentibns 
panderetur. ünde karissimi prudeneiam vestram perorando deposcimus, quatinus senten- 
ciarum snbsequencium , non immemores „lueerna verbum tuum pedibus meis et lumen 
semitis meis^^ et y,preeeptum domini lueidum illuminans oculos*^ et „qui eredit in me, 
sicut dieit scriptura, flumina aquo vive fluent de ventre eius^S Jesom in vobis et audi- 
toribus yestris pro viribus et etate et graeia et sapieneia profieere proeuretis^ quod vobis 
tribuat qui trinus permanens et nnus imperat per omnia seeula seeulorum. Amen. 

Salntat tos nostra soeietas. Orate pro nobis. Graeiam domini nostri Jesu Christi 
et Caritas dei et communieacio sancti spiritos sit semper cum omnibus vobis. Amen. 



II. 

Orte in der Diöcese Passau, wo die italischen Armen um 1250 

Anhänger hatten^), 

Has ecclesias infecerunt Leoniste: 

1. Prima ecclesia in Lengevelde et ibi scole | Lengenfeld, N. Oestr. ob. d. Mann- 
hartsberg. 

2. In Starazing et ibi scole | Strazing, N. Oestr. o. d. M. B. 

3. In Luibis | Ludweis?, N. Oestr. o. d. M. B. 

4. In Drozindorf et ibi scole | Drosendorf, N. Oestr. o. d. M. B. 

5. Ad sanctum Oswaldum | St. Oswald, 0. Oestr. Mühlviertel. 

6. In Einzinspach et ibi scole et episcopus. 

7. Algerspaeh et ibi scole. 

8. Ad sanctum Christoferum. 

9. Peheinchirch | Böheimkirchen, N. Oestr. o. d. Wiener Wald. 

10. In Ibis I Ips, N. Oestr. o. d. W. W. 

11. Ad sanctum Georgium | St. Georgen, 0. Oestr. HausruckvierteL 

12. Aynstet | Amstetten? N. Oestr. o. d. W. W. 



1) €od. B liegt zu Grande f. 119b. 



242 



13. Wichlaiiin | Wegleithen, 0. Oe. Innkreis. 

U. Newrtat | Neustadt« N. Oe. Unter d. Wiener W. 

15. Ardacher | Ardagger, N. Oe, o. d W. W. 

16. Sitanrtetin | Seitenstetten. N. Oe. o. d. W. W. 

17. Ad S. Petram in der Owe et ibi soole | St. Peter in der An, N. Oe. o. d, W. W. 

18. Aspach I Aspach, 0. Oe., Innkreis. 

19. Wolfspach I Wolfsbaoh, 0. Oe. o. d. W. W. 

20. Weitra | Weitra, N. Oe. o. d. M. B. 

21. Hag I Haag, 0. Oe. Hausruckv. od. N. Oe. o. d. W. W. 

22. Sunnilbach. 

23. Ad sanctum Valentinuna. 

24. Hedericbschove. 

25. In Stiria scole | Steier, Oe. Trannkreis. 

26. Ad sanctam Florianam | St. Florian, 0. Oe. Traunkreis. 

27. Alinsveld. 

28. Sirnich scole | Sieming? N. Oe. o. d. W. W. 

29. Weizenchirch | Waitzenkirchen 0. Oe. Hausruckv. 

30. Cfaennat et ibi scole plures (X) et plebanus occisus est ab eis | Kematen, 
0. Oe. Traunkreis. 

31. Niwenbove scole | Neubofen 0. Oe. Traunkr. 

32. Welse | Wels 0. Oe. Hausruckv. 

33. Swans | Gschwandl? 0. Oe. Traunkr. 

34. Oummischirch | Gumpoldskirch?, N. Oe. U. d. W. W. 

35. Ad s. Mariam | Maria Taferl?, N. Oe. o. d. M. B. 

36. Puping I Pupping 0. Oe. Hausruckv. 

37. Grizcbircb | Orieskircben, 0. Oe. Hausruckv. 

38. Ndd I Nied, 0. Oe. Traunv. 

39. In Anaso scole | Enns, 0. Oe. Traunkr. 

40. Pucbcbirch | Buchkircben, 0. Oe. Welser Ereis. 

41. In Atergaw in Ghamer et ibi scole | Kammer, 0. Oe. Hausruckv. 

42. In Nachlewb. 



III. 
Der Passauer Anonymus über die kirchlichen Missbräuohe. 1260. 

De occassionibus errorum hereticorum ')• 
Quidam in ecclesia dictis et factis plurimos scandalizant tarn catholicos quam bereticos 
leonistas, sacramentis ecclesie irreverenciam exbibentes et sie per eos divino cultui et 
sacramentis et clero et statutis et observanciis ecclesie ab bereticis derogatur. 



1) Zu Grande gelegt ist Cod. C (f. 70 d. 8qq.)i verglioben Cod. A (f. 101 d. aqq.) und B (f. lS6b sqq.). 



243 

Sacramento baptismi derogant, qai patrinis faciant questiones latinas, quas ipsi 
Don intelligüDt; qui baptizant candelas et imagines; qui ab omnibus bapizatis extor* 
quent oblaciones, que dicuntur Abwegen; qui dicunt quod infans baptizetar in utero. 

Sacramento confirmacionis derogant, qui negligunt monere homines ut confirma- 
cionem suscipiant. 

Sacramento eucbaristie derogant, qai propter nimiam vetustatem ipsum permittunt 
vermibos scaturire, testes monachi de Zwetel; qui corpus domini ad terram deiiciunt 
frequenter et sanguinem effdndunt ; qui hoc in cameris suis servant ut ad S. Stephanum ; 
qui hoc in arbore horti servant ut in Bawaria; qui hoc per subdiaconum ministrari 
permittunt; qui hoc raro sine precio dant infirmis; qui hoc, cum infirmis deferunt, in 
camera suspendunt et ad thabernam eunt; qui hoc publice peccantibus dant et dignis 
n^ant; qui in peccato notorio conficiunt; [qui conficiunt de quacunque forma Cod. A]; 
qui de labrusca agresti et. aceto et vino infecto conficiunt; qui vinum et aquam in 
uno vasculo habent; qui maiorem partem aque in calicem fundunt; qui sumta abiucione 
iterum celebrant. 

Misse derogant, qui plures missas eodem die celebrant sine causa ; qui missam pro- 
trahunt per cantum superfluum et versus super versus: qui litigant in missam et sie 
turbati celebrant; qui dicunt, quod sacerdos peccator indutus casula stet mundus ut 
angelus; qui dicunt, quod melius sit sacrifieare quam eleemosynam dare; qni offerentes 
obolos et veteres denarios reprehendunt; qui dicunt, quod non liceat o£ferri nisi proprio 
sacerdoti; qui offer toria decem eantant; qui dicunt, qnod comparata missa statim dca? 
fit? qui fingunt devocionem cantantes „cur dampnaberis Katerina?**; quod femine ad 
altare ministrant. 

Sacramento penitentie derogant, qui dicunt quod tan tum semel in anno sit con- 
fitendum; qui nimis breviter expediunt confitentes; qui soUicitant feminas confitentes; 
qni dicunt in predicacione : hoc audivi in confessione ; qui de bone fame defuncto dicunt: 
hoc scio per confessionem eins; qui non sacerdotes iubent confessiones audire; qui pro 
quolibet peccato tantum missas iniungunt; cum sacerdos confitencium linguam uescit et 
confitentes linguam confessoris Ignorant, coguntur confiteri eidem ; qui de occultis peccatis 
mortuorum recipiunt confessiones ab uxoribus eorum; qui dicunt quod sine oblacione 
muneris confessio nichil prosit ; qui a confitente pignus exigunt ; qui indirecte confessiones 
produnt, ut qui occulta peccata scribunt penitentibus et per ecclesias eos mittunt; qui 
per interpretem confessionem audiunt sine causa; qui decem simul audiunt in confessione; 
qui a confiteutibus querunt questiones carnales, per quas discunt peccare; qui co'utinue 
penitencie exigit — — generalem confessionem omni anno; qui peccantem in alia pro- 
vincia cogunt ad carrinam ubi de peccato nescitur ; qui feminam, que ante matrimonium 
peccavit, cogunt ad carrinam; qui feminas ante religionem peccantes in religione cogunt ad 
carrinam; qui matres, que non vident infantes infirmos spiritum exalantes, cogunt ad 
carrinam; qui a dampnandis publicas confessiones exquirunt; qui femine, que occulte 
procuravit abortum, imponunt carrinam; qui femine partui vicine iniungunt carrinam; 

Abb. d. IIJ. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. I. Abth. 32 



244 

qai contra penitentes non pro suis sed aliis peccatis nimium servant rigoris ipsos arcendo 
ab ecclesia ; qai carrinariis interdicunt pontes, vias et tecta etc ; qai post satisfaccionem 
penitenciam exigant ab eis LXX denarios; qai publice peccantes puniant pena pecani- 
aria occolte; qui excommanicato non in ecclesia sed in provincia existente saspendunt 
divina; qui pro leri causa suspendunt divina; qui matres infantum decedentium sine 
crismate et ablucione calicis puniunt quasi pro mortali; qui pro precio dant inducias 
peccandi; qui gravius- puniunt mandatum hominis qaam dei; qui dicunt quod nulla 
penitencia sit fructuosa nisi a sacerdote iniuncta ; quod solvens ieiunium in quadragesima 
teneatur ieiunare XL diebus; qui voventibns castitatem dant licenciam contrahendi. 

Sacramento coniugii derogant, qui virgini et despousate negant ingressum ecclesia 
per XL dies; qui feminam in puerperio arcent ab ecclesia per XL dies, similiter et 
mortuam; qui femine in puerperio infirme negant eucharistiam propter immnndiciam; 
qui dicunt feminas tempore menstrui non debere communicare nee ecclesiam intrare ; qui 
paupercule non habenti quid offerat post partum negant benediccionem ; qui sano com- 
pari leprosi dant licenciam contrahendi; qui fornicatorem infirmum inducunt, ut iuret, 
si de cetero ad fornicariam accedat, quod sit uxor eins ; qui cogunt uxores castas querere 
viros adulteros fugitivos; qui illegitimes ad contrahendum cooiungunt et legitimos dis- 
iungunt; qui dicunt simplicem fornicacionem non esse peccatum; qui fornicacionem 
alleviant dicentes: si non caste, tamen caute; qui dicunt, quod pollucio per sompuum 
sit ut fornicacio; qui contrahunt spiritualiter ut Josephiste; qui coniugium preferunt 
virginitati et statum secularem religioni. 

Sacramento unccionis derogant, qui hoc sine precio nulli dant; qui dicunt, quod 
sine pluribus sacerdotibus non possit dari et sine XII luminibus; qui dicunt, quod 
nuUus debeat hoc petere nisi habens valorem duarum vaccarum, ut 0.; qui inungendis 
iniungunt, ut alicui licito renuncient. 

Sacramento ordinis derogant, qui se fingunt sacerdotes; qui in mortali peccato 
recipiunt ordines et sacramenta ministrant; qui iuvenes cogit verberibus ad ordines. 

Festis derogatur propter multitudinem, quorum plura in canone non habentur; qui 
dicunt, quod feria sancta pasche et pentecoste sit festum Stephani [?] ; qui festa transfernnt 
in dominicas propter questum; qui festa indicnnt propter collectas; qui dicunt quod 
nocte sabbati et die animarum anime solvantur a penis; qui dicunt diebus dominicis 
ungues precidere et feria VI caput lavare peccatum esse; qui post pulsationem SSttabent 
dainpnant operantes; qui festa et ieiunia et alias consuetudines indicnnt, que in aliis 
ecclesiis non servantur; qui dicunt quod in quatuor temporibus deus iudicio presideat; 
qui in festis plus peccant vanitatibus. 

Ecciesie materiali, qui faabent in ea tabernas; qui ecclesias ignotis locant et notos 
subplantant; qui plus ornant parietes et pavimenta quam vestiant pauperes; qui dicunt, 
quod ire ad aliam ecclesiam sit adulterium et quod melius sit ei orare in stabulo et 
quod oracio sit ibi malediccio; qui ludunt ibi larvis; qui larvatas pictaras et ymagines 
sine membris et sordidas pallas habent; quod in ecclesia femine permixte sunt viris. 



245 

Dedicacioni derogant, qul dicant quociens quis circameat ecclesiam, a tot absolvatur 

peccatis; qui dicunt, quod tanc celum sit apertam super ecclesiam; qui dicant quod 

oraciones latiue laycis nihil prosant ; qui tenapore gewerre debiles et luvencalas ad eccle- 
siam ire cogunt longe. 

Sanctis veris derogant, qui falsos colunt et non canonizatos ut Iwanum ; qui sanctum 
Omnibus sanctis preferunt et Christo preficiunt; qui arbores et fontes et acervos veneraatur ; 
qui falsa exempla et iucredibilia predicant ut de tamore [?] Joannis baptiste, et Christum 
ter clamasse sanctis in cruce. 

Miracnlis derogant, qui falsa miracula credunt, ut de ymagine oleum sudare et 
sanguinem, et lacrimari, et lumen celitus accendi, et Christi corpus in carnem converti; 
qui morbos fingunt et curaciones in ecclesia. 

Reliquiis derogant, qui falsas recipiunt, ut salamandram pro veste Marie, et lac 
eius, et sudorem Christi, et reliquias angelorum; qui ossa boum habect pro reliquiis ut 
Wiglinus; qui per tabernas et villas eas portant. 

Cruci derogant; qui dicunt quod crux furata per se redierit, qui pro dampnis 
temporalibtts crucifixum flagellant. 

Sepulture derogant, qui sine contricione decedentes et se ipsos occidentes sepeliunt 
et contritis negant sepulturam; qui a dignis [ab egenis?] exigunt et pro infantibus ali- 
quid dari; quiinnocenter occiso negant sepulturam; qui litigant pro cadaveribus. 

Peregrinacioni derogant, qui dicunt quod Äquis grani (Aachen) Christus et Äpostoli 
interfuerunt dedicacioni, et quod omnia peccata sicut in baptismo delentur; qui gentiles 
ad fidem cogunt gladio et Servitute; qui dicunt, quod nullus dampnetur nisi tres anime, 
et si sum predestinatus salvabor et ego; qui dicunt, quod Papa sit deus terrenus, maior 
homine, par angelis et quod non possit peccare, et quod sedes romana aut invenit 
sanctum aut reddit; quod sedes romana. non possit errare; quod obediendum sit prelatis 
quid quid precipiant; quod excommunicacio teneat, si iniuste absolvat sit solutus; qui 
excommunicacionem multiplicat eciam pro denario vel qui abest ab ecclesia; qui non 
servat ordinem excommunicandi vel formam absolvendi; qui communicat eis, quarovis 
excommunicat; qui dicunt quod promissio facta sacerdoti in manus tantum obligat 
quantum Septem periuria [?] ; qui omnia precipiunt per excommunicacionem ; qui adinven- 
ciones lucrosas dicunt esse bonas consuetudines; qui absolvunt a tercia parte peccatorum 
pro denario; qui excommunicatis non absolutis dant communionem de anno ad annum; 
qui non habentibus ingressum ecclesie licenciam dant propter sacrificium; qui indulgen- 
ciam vendunt; qui, crucem predicantes, pro Septem animabus dant crucem; qui dedicacio- 
nibus dant. indulgenciam quam non habent. 



32 



246 



IV. 

Bericht des Inquisitors Petrus über die österreichischen Waldesier. 1 398 ^). 

Ego frater Petras provincialis ordinis Gelestinoram per Alamaniam ac Inquisitor 
heretice pravitatis. Kota, quod isti sunt errores hereticoram de secta Waldeosium, quo- 
modo primo isti per secretarios requisiti sunt: de fide catholica nil senciant, sed negli- 
gunt, reprobant et contempnunt. Et postmodum examinati sunt de omnibus erroribus 
eoram heresiarcharum secte Waldensium, qui post infra scripta sunt, que in terra domi- 
nacionis illustrium principum ducum Austrie pluribus quam centum quadraginta annis 
duravit et istis temporibus anno M(GCCjLXXXXV de mense septembri continuanter 
incipit cum violencijs incendiorum et terroribus bomicidiorum uon tarn occulte quam 
contemptibiliter et temerarie dominari, maxime post obitum dolendissimum strenuissimi 
principis et domini domini Alberti, in Pruno prob dolor defuncti, ducis Austrie prelibate. 
Et timendum est sectam illam valde dilatari plurimosque catholicos utriusque sexus ab 
ortbodoxa fide abduci et ab hereticoram veneno letaliter infici nisi eis obstitum fuerit 
ab acie christiana. 

1. Primo habent heretici Waldenses predicti suos confessores puros laycos heresiarcbas. 

2. Item credunt illos a solo deo, non a domino papa vel aliquo episcopo catholico, 
potestatem habere predicandi verbum dei. 

3. Item credunt illos apostolorum Christi vicarios et legitimes successores. 

4. Item dampnant ecclesiam romanam eo quod a tempore Silvodtri pape tenuit 
et habuit possessiones. 

5. Item credunt suos hereticos a peccatis posse absolvere melius quam sacerdotes 
ecclesie, licet non credant eos presbyteros eonsecratos, nee a domino apostolico vel aliquo 
episcopo catholico missos. 

6. Item licet presbyteris ecclesiae confiteantur, Christi corpus ab eis accipiantt 
sectam tamen ipsorum ipsis nuUatenus manifest»nt. 

7. Item predicatores heresiarcharum cum summa attencione audiunt et eis melius 
quam predicatoribus ecclesie credunt, licet hij occulte et noctis tempore, isti vero pre- 
dicent manifeste. 

8. Item credunt, beatam virginem et alios in patria sanctos tantum impletos gaudiis, 
quod nichil possint cogitare de nobis. 

9. Item credunt, beatam virginem et alios in patria sanctos non posse suffra- 
gari nobis. 

10. Item dicunt eos non esse invocandos a nobis. 

11. Item dicunt et credunt eos non esse honorandos a nobis. 

12. Item — — , eis non esse serviendum a nobis 



1) Cod. lat. Mon. 5338 f. 244-246. 



247 

13. Item — — , eos non posse orare pro nobis; et ideo licet beate virginis et 
aliornm sanctornm vigilias ieiunent, festa celebrent, hoc tarnen vel ad ostentacionem, ne 
notentur, vel ad solins dei et non sanctorum laudem faciunt et honorem; secundo non 
credunt sanctornm communionem. 

14. Item heresiarcbe omnes et alij credentes non credunt confirmacionem sanctam 
esse sacramentnm, sed loco eins habent manunm inposicionem. 

15. Item credant solnm duas esse vias post hanc vitam et nallam pnrgatorium. 

16. Item dicant et credunt, vigilias, missas, oraciones, eleemosynas et quelibet alia 
snflfragia ecclesie pro defunctis facta nullius esse roboris et momenti, et ideo licet in 
missis defunctorum offerant, hoc tarnen vel solum ad Osten tacionem ne notentur vel ad 
solins dei laudem et [non ad] animarum salutem faciunt. 

17. Item sepulturam ecclesiasticam non advertunt, sed dicunt et credunt^ posse et 
debere ubique equaliter sepeliri. 

18. Item cimiterium non credunt sanctius quam agrum pomerium vel qualem- 
cunqne terram. 

19. Item ecclesiam consecratam non credunt sanctiorem quam aliam domum 
quamcumque. 

20. Item altare consecratum non credunt sanctius quam alium quemcumque 
camulum lapidum. 

21. Item dampnant et reprobant cantum organorum. 

22. Item dicunt et credunt, horas canonicas non esse divine laudi. 

28. Item dicunt, nichil esse orandum nisi pater noster, et ideo heresiarche nunquam 
sibi Ave Maria . . . 

24. Item dampnant et reprobant osculaciones reliquiarum. 

25. Item — — ordinem prelatorum ecclesiasticorum. 

26. Item — — peregrinaciones ad limina sanctornm. 

27. Item — — prelatorum ecclesiasticorum indulgencias. 

28. Item — — eorumdem excommunicaciones. 

29. Item dicunt et credunt, sanctissimum patrem et dominum nostruiA Papam, 
quicnnque pro tempore fuerit, esse caput et originem omnium hereticorum. 

30. Item dicunt et credunt, nos omnes catholicos esse hereticos. 

31. Item dampnant et reprobant ornatus et ornamenta sacerdotum. 

32. Item dampnant et reprobant quelibet insignia pontificum. 

33. Item dicunt et credunt, in stabulo et in horreo equaliter sicut in ecclesia esse 
orandum et non melius in ecclesia quam alibi ubicunque. 

34—36. Item damnant et reprobant processiones dierum dominicalium, — dierum 
rogacionum, ~ dierum soUempnium corporis Christi. 

37. Item damnant et reprobant ornamenta florum et graminum, vestium et lumi- 
narium, que Christi fideles in ipsa processioue faciunt ad dei laudem. 

38. Item dicunt, promissa esse superbiam et vanitatem. 



248 

39. Item ieiunia qoatuor temporam dod dicunt esse divina, sed ab hominibas instituta. 

40. Item lignam sancte cracis non credunt sanctius alio quocunqae ligno commani. 

41. Item idem senciunt de spinea Corona domini nostri Jesu Christi venerando 
capiti infixa, 

42. de clavis ferreis sanctissimis manibas et pedibus infixis, 

43. ~ — de illa lancea Christi preciosissimo lateri infiza, 

44. de Christi fiagellis, qaibus faerat flagellatos, 

45. — —.de statua, ad qaam ligatus erat, et qaibuslibet eiasdem ligatoris, 

46. — — de mensa et meusali in qoibus Christas confecit et dedit discipulis eius 
preciosum corpus et sanguineni, 

47. — — de tunica purpurea Christo domino flagellato induta, 

48. — — de clamide coccinea Christo domino desaper induta, similiter de 
arundioe, 

49. — — de illa alba veste, qua Christus dominus ab Herode fuit illusas, 
55. — — de sepulchro domini crncifixi, 

56. de terra sancta Jerusalem, bethlehemitica, nazarena et aliis locis sanctis, 

57. de cathenis sanctorum apostolorum Petri et Pauli et omnibas aliis iu- 

signibus passionum nostrorum sanctorum quorumcunque. 

58. Item consecraciones , ordinaciones acolutorum, subdiaconorum , diaconorum, 
presbyterorom, episcoporum reprobant et condempnant. 

59. Item aquam baptismalem non credunt aqua quacunque alia sanctiorem, cum 
in qualicunque alia valeat baptizari. 

60—63. Item idem senciunt de aqua aspersionis benedicta, — de sale consecrato, 
— de palmis benedictis, — de cineribus in capite ieiunii et candelis benedictis. 

64. Item pulsos campanarum non credunt esse divine laudis. 

65. Item nihil omnino credunt de anno jubileo. 

66. Item benecticciones ciborum tempore paschali nullius credunt esse valoris. 

67. Item dampnant et reprobant omnes religiones monachorum et monialium et . . . 
de regniis et observanciis quibuscunque. 

68. Item dampnant et reprobant ecclesias cathedrales et coUegia. 

69. Item dicunt et credunt dominum apostolicum non esse maioris auctoritatis 
quam simplicem sacerdotem. 

70. Item dampnant et reprobant omnia studia privilegiata. 

71. Item omnia iuramenta qualitercunque vera iudicialiter facta. 

72. Item dampnant et reprobant imperatores, reges et principes, marcbiones, lant- 
gravios, duces, barones, iusticiarios iuratos, iudices et scabinos propter quodcunque 
homicidium quamcunque iudicialiter et iuste factum. 

i73. Item dampnant et reprobant dominum apostolicum mittentem bellatores contra 
sarracenos et crucem dantem vel predicantem contra quoscuuque paganos. 

74. Item — omnes laudabiles consuetudines, qua Christi fideles usurpant et eligunt 
sibi per sortem apostolos speciales. 



249 

75. Item — clericalem tonsuram presbyterorum tarn secularium quam religiosoram. 

76. Item — omnia verba et dicta sanctoram doctorum Augustini, Jeronimi, Gregorii 
et Ambrosii et omninm aliorum, Ulis solis exceptis que aliqualiter sonant ad confortacionem 
sae secte (— — ? sicnt sunt sumptnosa edificia et parietnm ornamenta et exqnisite exe- 
quie et similia). 

77. Item — leges imperiales et sancciones canonicas. 

78. Item annnas sollempnitates dedicacionum templorum et altariam reprobant 
et condempnant. 

79. Item dampnant et reprobant exorcismos et alias oraciones, quas dicunt sacer- 
dotes saper pueros baptizandos. 

80. Item — illas pias actiones quas exorciste vel presbyteri faciunt adiurando 
demones ut exeaut ab homiuibus obsessis. 

81. Item dicunt et credunt, noUum hominem post Christi mortem posse demo- 
nibas obsideri. 

82. Item confessionem, quam Christi fideles faciunt ad pronnnciaeionem sacerdotum, 
nullius credunt roboris et momenti. 

83. Item omnia verba sacra misse, solis verbis consecracionis et Pater noster ex- 
ceptis, dicunt et credunt esse snperflua et nihil ad officium misse pertinere. 

84. Item dicunt et credunt, presbyteros celebratores celebrantes totiens peccare 
quotiens dicunt et exprimunt nomina sanctorum in missa. 

85. Item idem senciunt quotiens presbyteri vel alii Christi fideles dicunt et legunt 
vel soUempniter ministrant letanias. 

86. Item .benedicciones ignis in vigilia pasche credunt esse irritas et inanes. 

87. Item lintheamenta et sudarium, quibus et quo involutum erat corpus et caput 
Christi mortui, nullius credunt specialis fore dignitatis vel sanctitatis. 

88. Item adoraciones et geuuflecciones cum cantu et sollempnitatibus diei paras- 
ceues ante crucem domini nostri Jesu Christi nullius utilitatis credunt. 

89. Item sectam Waldensium credunt fovere veram fidem christianam. 

90. Item omnes catholicos solis parvulis exceptis credunt esse dampnandos. 

91. Item vocant catholicorum mundum die werlt, alienos, id est die fremden. Item 
vocant se, sectarios eorum vel complices: notos, id est: die chunden. 

92. Item omnes animas sanctorum S. Laurencü, Nicolai, Martini, Jeronimi, Am- 
brosii, Augustini, Gregorii, Bernhardi, Jo. Chrisostomi, Benedicti, Francisci, Dominici, 
Antonii, Yincencii, Eatharine, Barbare, Dorothee et breviter omnium sanctorum nostrorum 
confessorum, virginum, qui non sunt in biblia commendati, omnes tales credunt esse 
dampnatos in inferno. 

Hos articulos hereticos dampnatos et reprobatos tenent et credunt et asserunt 
omnes et singuli heresiarche secte Waldensium, sed credentes ipsorum pro suis capaci- 
tatibos plus et minus. Attendant igitur et cordibus percipiant sanctissimus in Christo 
pater dominus noster dominus papa, cardinales, patriarche, archiepiscopi , episcopii 



250 

prepositi, abbates et alii quilibet ecclesiarum prelati, doctores et magistri, inyictissimi 
divine domini pagine, catbolici principes et maxime ducatus Austrie, in qaorum dotni- 
nacioDis terra conantar hodie heretici cum violencia dominari. Nam nuper in nocte 
vigiliaram natalis beate yirginis genitricis dei Marie combusserunt horreum domini plebaoi 
io Styra eo qaod in domo sua colligit fo?et et notrit inqutsitores pravitatis heretice cani 
soa familia, et ad portas civitatis vel oppidi Styre affixeraot lignum adustum vcl rhedam 
cum cultello ligneo cruentato, volentes taliter suam heresim defensare. Quapropter 
attendant et dolenter corde percipiant omnes catbolici, instant, laborent assidue, ut omnes 
heretici nequam incendiarii, homicidiorum minatores, captiventur, examioentur, peoiten- 
cientur et ad unitatem fidei catholice revocentur. 



Berichtlgungr: S. 64 (242) Z. 5 v. u. lies: occaaionibas 

S. 65 (243) Z. 17 v. o. lies: missa. 



ABHANDLUNGEN 



DER 



HISTORISCHEN CLASSE 



DER KÖNIGLICH BAYERISCHEN 



AKADEMIE der WISSENSCHAFTEN. 



DREIZEHNTEN BANDES 

ZWEITE ÄBTHEILUNG. 



ABHANDLUNGEN 



DER 



HISTORISCHEN CLASSE 



DEB KÖNIGLICH BAYERISCHEN 



AKADEMIE der WISSENSCHAFTEN. 



DREIZEHNTEN BANDES 

ZWEITE ABTHEILDIIG. 

IN DER REIHE DER DENKSCHRIFTEN DER ZLVn. BAND. 



MtNCHEN, 

1876. 

VERLAG DER K. AKADEMIE, 

IN C0MHIS8I0N BEI 0. FRANZ. 



ABHANDLUNGEN 



DER 



HISTORISCHEN CLASSE 



DER KÖNIGLICH BAYERISCHEN 



AKADEMIE der WISSENSCHAFTEN. 



DREIZEHNTEN BANDES 

ZWEITE ABTHEILÜNe. 

IN DER REIHS DER DENKSCHRIFTEN DER XLVU. BAND. 



MÜNCHEN, 

1876. 

VERLAG DER K AKADEMIE, 

IN COMMISSION BEI 0. FRANZ. 






Beiträge 



zur 



Kirchengeschichte des 18. Jahrhunderts, 



Aus dem handschriftlichen Nachlass 

des 

reg^uL Ohorherrn fjueebius -A.inort 

m 

zusammengestellt 
Ton 

J. Friedrich. 



Abh. d. III. Cl. d.lu Ad. Wim. XIIL Bd. IL Abth. 



Beiträ§re 

zur Kirchengeschichte dea 18. Jahrhunc 



Ans dein handschriftlichen Nachläse des regal. Chorherrn Eusebin 
lasammeDgMteUt von 

J. Friedrich. 



EiDleUuBg. 

Im Nachstehenden gebe ich eine Reihe von Beiträgen 
gescbichte des XYIII. Jahrhunderts, welche sämmtlich ans ni 
Materiale, dem Commercium literurium des 1692 geborene 
gestorbenen regulirten Chorherrn Eusebius Amort in Pe 
kgl. Hof- und Staatsbibliothek und andern PoUinger Papie 
Reichsarchiv dahier, geschöpft sind. Amort'a gedruckte Si 
ich nur so weit herbei, als das von mir verwendete unged: 
rial es nothwendig machte; und ich sah mich daza um si 
anlaast, als die Druckschriften doch nicht immer das eigent 
des Schriftstellers unverfälscht erkennen lassen. Die Censai 
die drohende und keineswegs stets gefahrlose Ungnade des 
und die zu fürchtende Ungunst der Päpste, noch mehr abe: 
tigen religiösen Orden gaben schon im Voraus den Drucks 
bestimmtes Gepräge. Dazu kommt, dass z. B. eine Reihe 
Schriften vorher römischen Censoren unterbreitet und nac 
merkungen revidirt ist 



Das Material besteht zumeist aus Briefen, darunter Schreiben der 
Pftpste Benedikt XIII. und XIV., Clemens XIII., der Oardinäle Lercari, 
Galli, Orsi etc., des Bianchini, Mamacbi, Ricchini etc., fortlaufende Corre- 
spondenzen der PoUinger Correspondenten in Rom. Besonders interes- 
sant ist, dass sowohl Alphons von Liguori als der Dominikaner Concina 
im Streit Aber den Probabilismus sich um Amort's Freundschaft und 
Gunst bewarben, und dieser Letzterem zuneigte. Nicht unwichtig ist 
auch sein Briefwechsel mit dem Canonicus, späteren Stiftadechant bei 
St. Moriz Bassi in Augsburg. Aus ihm kann erst die interessante Bis- 
thumsverwaltung des B. Joseph von Augsburg vollkommen erkannt und 
gewürdigt werden, indem beide Männer die Rathgeber dieses Bischofs 
waren. Dazu kommt eine Anzahl von kommissarischen Gutachten, 
welche Amort angefertigt oder wenigstens entworfen hat. Ich benfltzte 
Cod. lat. Monac. 1396—1409. 1837. 1895. 11854. 11855. Beim Citiren 
setzte ich der Kürze halber nur die Zahl des Bandes und der Seite. 

Was ich hier biete, ist freilich zugleich ein Beitrag zu einer Bio- 
graphie Amort's, nach der in den letzten Jahren mehrfach Verlangt 
wurde; aber das Bild desselben erscheint wesentlich anders, als man es 
sich gewöhnlich vorstellt. Ich bin jedoch überzeugt, dass es, wenn 
dasselbe einmal unparteiisch nach diesem Nachlasse entworfen werden 
sollte, noch viel greller von dem Zerrbilde abstechen würde, welches 
man sich auf gewisser Seite ohne nähere Sachkenntniss von ihm ent- 
worfen hat« 



I. 



§ 1. 

Die Entstehung neuer Wallfahrten anf der Wiese bei Steingaden^ in Mnrnaa 

nnd Ursperg. 

Die wunderthätigeD Bilder, Qaellen etc.« welche bald mehr bald weniger ein An- 
ziehaDg9*Punkt för Wall&hrer worden , haben einen verschiedenen ürsprang. In der 
ältesten Zeit hangen sie häufig mit der Uebertragung mythologischer Gestalten und 
ihrer speciellen Kräfte auf christliche Heilige zusammen; später beruhen sie häufig auf 
blossen Erdichtungen. Es ist darum gewiss interessant, an mehreren naheliegenden Bei- 
spielen die Entstehung solcher Bilder und neuer daran geknüpften Wallfohrten beobachten 
zu können. 

Im vorigen Jahrhundert tauchten solche Bilder plötzlich „auf der Wüs^^ bei 
Steingaden, Dekanats- Fassen, und zu Murnau auf. Amort, der als bischöflicher 
Commisaär an beiden Orten den Thatbestand aufnahm, hat uns auch seine Berichte 
darüber hinterlassen. Zuerst erwähnt er der vor kaum einem Jahre entstandenen 

» 

berühmten Wallfahrt „auf der Wüs^S wo eine grosse Zahl von Energumenen zusammen- 
strömen und eine gemalte Tafel die Befreiung eines Besessenen auf das Gebet eines 
Bauers oder auch seiner Frau in Abwesenheit ihres Mannes darstellen soll, in einem 
Briefe vom 2. Juni 1744 an Can. Bassi in Augsburg. Hier behandelt er die Sache 
noch als etwas „Scherzhaft-Ernstes.^' ^) Bald darauf verlangte man schon vom bischöflichen 
Ordinariat Augsburg die Erlanbniss, an der Stelle eine Kapelle oder Kirche erbauen zu 
dürfen, nachdem man bereits ohne die Zustimmung des Bischofs den Bau begoiinen und 
mit Staunenswerther Baschheit geführt hatte. Amort, zur Untersuchung der Sache ab- 
gesandt, berichtet nun über seine gemachten Beobachtungen (20. Sept. 1745): 

Der Ursprung dieser Wallfahrt scheint auf die fingirten Thränen zurückgeführt 
werden zu müssen, welche eine Statue in dem Winkel eines Bauernhauses geschwitzt 
haben soll; dessen sind jedoch nur ein armes Bauemweib und deren Mann Zeugen« 
welche seit nunmehr 4 Jahren reiche Wirthsleute geworden sind. Das Volk wusste 
fireilich sofort zu erzählen, die jetzt auf der Statue sichtbaren Thränen seien noch Spuren, 
der vom Heiland am Bilde vergossenen; allein die Falschheit dieses Gerüchtes wies 
Amort durch das Zeugniss zweier Maler nach, die beide die Thränen als mit Oel gemalt 



1) 1408, 4. 



iTklärten und von denen der eine das Bild sogar 8 Jahre yorher ungefähr 2 Jahre in 
Heinem Hanse hatte. Die Statue selbst aber ist beweglich und zu jedem Betrüge einge- 
richtet, so dass sie sich auf den Druck der Hand bewegt und durch ihre eigene Blasti- 
cität ihre alte Stellung und Haltung wieder annimmt. Wunder ^ab es bisher noch 
nicht an diesem neu aufgethanen Qnadenort; wohl aber zweifelt Amort nicht, dass an 
ihm besondere , Wohlthaten** und „Gnaden" von Gott seien gespendet worden. Beach- 
tenswerth ist, dass der Ort in der Abtei St^ingaden lag, der Abt dieses Klosters sofort, 
ohne Erlaubnis» des Bischofs, die Kirche zu bauen anfangen liess und auch für die neue 
Wallfahrtskirche die Kapläne vom Abt von Steingaden ernannt werden sollten. Amort 
selbst spricht sich dahin aus, dass das Bild festgemacht und an einem verschlossenen 
Orte, zu dem nur der Abt den Schlüssel haben soll, verwahrt werde. Eigentlich, 
meint er, sollten ohne Zweifel solche Statuen der Öffentlichen Verehrung entzogen werden, 
wenn nur nicht ans allen Kräften die Verehrung gegen die Geheimnisse des' Leidens 
Christi gefordert werden müsste, und in dieser Beziehung halte er es mit dem Apostel 
in seinem Brief an die Philipper: Sive per occasionem sive per invidiam (sive per 
imposturam, sive per imperitiam), dummodo praedicetur Christus. *) So kam denn wirklich 
die Kirche ,.auf der Wüs" zu Stande,*) die Steingadener legten schon 1749 ein auf 
die Hebung derselben in der Meinung des Volkes berechnetes Buch in Augsburg vor 
and die Wallfahrt zu dem Gnadenbilde, dessen amtliche Beschreibung merkwürdigerweise 
1749 bereits in Augsburg verschwunden war,*) besteht bis auf den heutigen Tag. 

Im Grunde ebenso verhält es sich nach Amort mit dem Wunderbild in Murnau, 
<las aus Lindenholz geschnitten eine Mater dolorosa darstellt. Zuerst im sogenannten 
„Todtenkerkerl" oder Ossarium auf einem kleinen Altar stehend, wurde es 1721 renovirt 
und 1723 in die 9eue Pfarrkirche transferirt Schon bei seinem ersten Standorte war 
es mit so zahlreichen Votivtafeln und Anathematen umgeben, dass der Pfarrer etliche 
Haufen auf dem Freithof verbrennen liess. 1738 entstand eine Bruderschaft der Mater 
dolorosa und bei einer 1746 grassirenden Seuche wurde von dieser Bruderschaft das 



1) 1408, 16 sqq. 

2/ Am 12. Juni 1749 inkorporirte der Bischof Joseph ?on Augsburg dem Kloster SteiDgaden 
die neuerbaute Kirche auf der Wiese sammt dem Hospi2iam, mit Vorbehalt der geistlichen Juris- 
diction So Braun, Geschichte der Bischöfe von Augsburg. IV, 487. Zugleich behaupteten die 
Steingadener, stillschweigend sei dieser Kirche schon die Exemption zugestanden, was nach dem 
General?icar Seiz, 9. Mai 1749, durchaus falsch ist, 1406, 18. Nach der 1774 erschienenen Moderna 
eccles. Angustana etc. pg. 186 hatte die .Expoeitur in Wiskircb* 6 Beligioeen als Wallfahrtspriester. 
— Uebrigens war sie doch dem Abte Gerbert von St. Blasien noch 1761 Terdächtig, weshalb er Be- 
denken trug, derselben in seiner .Italienischen Reise* zu erwähnen, ehe er Ton Amort Näheres werde 
erfahren haben: Scire abs Te cupio, quae Tibi sit mens de tarn celebri subito Taumaturgo loco Yulgo 
in der Wiss ubi in reditu meo (1761) Monachio Sacrum feci. Anne operae pretium sit ac consultum 
ejosdem aliquam in itinere meo facere mentionem? 

3) So der Generalvicar Seiz, 1406, 18. 



Gelübde gethan, jährlich das Fest Matris dolorosae feierlich and mit einer ProzessioQt 
die noch jetzt abgehalten wird, zu begehen. Alte Männer wissen von merkwardigeo 
ßntthaten zu erzählen, welche vor 40 — 50 Jahren auf die Fürbitte der Mater dolorosa 
erbalten worden seien. Dieses Bild soll nun am 28. Mai 1756 aus dem rechten Auge 
mehrere Zähren vergossen haben. Der Kaplan des Ortes, Joseph Sutor, sah die Tropfen, 
während er um 9 Uhr vor dem Bilde seine Messe las. Darnach ging er in den Beicht- 
stuhl und erst um llV* Uhr theilte er seine Beobachtung dem Pfarrer mit, der den 
praefectus loci und den Schulmeister mit sich nahm und die Sache besichtigte. Er fand 
wirklich die Tropfen^ wie auch andere Leute, welche zusahen, betheuerten. Diese 
Tropfen blieben 24 Stunden^ denn Kaplan Sutor sah sie noch am 29. Mai früh um 
8 Uhr; am 30. Mai hingegen waren sie verschwunden. Amort macht jedoch auf- 
merksam, dass am 28. Mai drei starke Wetter am Himmel gestanden, so dass von 
1 i Vb Uhr bis in die Nacht Wetter geläutet werden musste. Der Magistrat von Murnau 
hatte freilich sofort eine aus 4 Mann bestehende Wache aufgestellt, von denen zwei bei 
Tag in der Kirche, die beiden anderen Nachts ausser derselben zusehen sollten, ob nicht» 
Verdächtiges vorgehe. Allein diese versahen ihren Dienst nur sehr schlecht : Zu Hsseus- 
zeit war nur einer in der Kirche; ein anderer TOjähriger Schuhmacher gestand den 

ff 

Commissarien, dass er sich nicht immer Nachts cles Schlafes erwehren konnte und die 
eine und andere Viertelstunde eingeschlummert war; ausserdem hatte der Messner bi» 
zum 8. Juni Nachts die Kirchenschlüssel in seinem Hause, während die Nachtwächter 
sich in einem nahen Hause aufhielten und nur von Zeit zu Zeit nach der Kirche sahen. 

Am 2. Juni Morgens hatte man jedoch, da nichts mehr vorgekommen war, die 
Wache wieder aufgehoben. Allein als der Messner um 12 Uhr, um den englischen 
Gruss zu läuten, in die Kirche kam, fand er darin zwei Weibspersonen,^ die eine aus der 
Nähe von Murnau, die andere, eine wohlhabende Wittwe, aus Murnau selbst, welche 
aber der Pfarrer als eine Visionärin bezeichnete; und als er das Bild ansah, bemerkte 
er auch wieder die Zähren in der nämlichen Gestalt und an den nämlichen Stelleu wie 
am 28. Mai. Der Zulauf des Volkes erneuerte sich und der Pfarrer und praefectus loci 
konstatirten wiederholt das Vorkommniss; auch die Tag- und Nachtwachen wurden 
wieder aufgestellt. Am 5. Juni sah man die Tropfen eben wieder so wie an den beiden 
früheren Tagen, doch diesmal nicht so vollkommen und matter. Erst am Pfingstsonntag, 
den 6. Juni, zwischen 12—1 Uhr, wollte ein Arbeiter der Glashütte im linken Auge 
einen Tropfen sehen, was auch wirklich bis auf den 7. Juni andauerte, am 8. und 
9. Juni« also während der Anwesenheit der Commissarien, war nichts zu sehen. 

Amort urtheilt darüber: ein Wunder steht nicht fest; Niemand sah die Tropfen 
aus der Statue selbst hervorkommen ; im Gegentheil schliessen die Umstände nicht jeden 
Verdacht des Betrugs, Zufalls oder auch einer natürlichen Ursache aus, wie er eine 
solche von dem nämlichen 28. Mai konstatirt. ^) Uebrigens meint er, der frühere Kult 



1) 1409, 823: Nunc venio ad recens natarae miraealam, quod iUo ipso diePollingae contigit, quo 
MomaviensiB 8tataa liarianas ut opinantar lachrimas fundere coepit. Cecidit namqae PolUngae 



des Bildes sei schon deswegen zu erhalten, weil sonst die Mornauer, seit 400 Jahren 
ünt^rthanen der Augsburger Kirche, an den CharfÜrsten von Bayern rekurriren könnten, 
jedoch sei dem Murnauet Klerus strenges Stillschweigen Ober das angebliche Wunder 
in den Predigten, Katechesen etc. aufzuerlegen, und keine Gemälde und Dnicke davon 
zu dulden; endlich sei das Bild in einen Glaskasten zu sperren, wozu nur der Pfarrer 
den Schlüssel haben dflrfe^ damit jeder Betrug ferngehalten werde. Mit dieser Prüfung 
des Wunders in Murnau erklärtf» sich denn auch der Augsburger Generalvikar Seiz, ein 
Schüler Benedikts XIV., einverstanden.*) 

Das Bild wurde bis in die neueste Zeit als wunderthätig verehrt. 

Eine ganz besondere Art von Wallfahrt hatte das Kloster ürsperg in der Augs- 
burger Diöcese aufgebracht. Dort besass man nftmlich ein wunderthätiges Bild des ge- 
kreuzigten Heilandes, durch das todtgeborene oder vor der Taufe gestorbene Kinder 
wieder belebt wurden, um die Taufe empfangen zu können. Das erste Kind, das auf 
diese Weise Zeichen des Lebens gab, wurde 1686 getauft Von 1686—1720 waren 
nach einem ürsperger Documente über 24,000 solcher Kinder getauft worden, und von 
1726—50 (von 1720—26 fehlen die Angaben) 1426; jedoch sollen nach Aussage eines 
dieser Tauffunction vorstehenden Mönches jährlich ungeAhr 5—600 Kinder im Durch- 
schnitte, also von 1726 — 50 ungefähr 14,000, dahin gebracht worden sein, so dass also 
mehr als 12,000 Kinder in diesen Jahren keine Lebenszeichen verrathen hätten. Ein 
anderer Mönch, der in den Jahren 1737—42 mit dieser Uebung zu thun hatte, sagte 
aus, dass auch aus entlegenen Gegenden, aus Bayern, Oesterreich, Böhmen Kinder ge- 
bracht war den. Dies geschah am 3., 4. und auch am 7« Tag nach ihrer Geburt oder 
ihrem Tode. Aus Böhmen trug man sogar einmal ein Kind herbei, das schon 3 Wochen 
b^raben war. Als Zeichen des Lebens nahm man an, dass der Leichengeruch wich 
und Röthe sich zeigte ; dass das eine oder andere Kind einen Tropfen Blut aus der Nase 
ergoss. Hie und da, wenn die Füsse bloss waren, versuchte man auch die Flexibilität 
derselben u. s. w. 



die 28. Maü tempore ponieridiano oopiosissiina gtando . . . Acervus qiiidam globnlomm pro con- 
fieiendo melioris conditionis atramento vastissimae ollae, quae in laboratorio pbarmacentico pro 
asserranda aqua jam a plaribos annis fidclissime servit, intusqae Titro fi^lino retinentissimo 
obdncta est. En! inanditom qnod vix ab nllo, niei viderit ipsus» fidein reperiet, naturae in 
glaciem carceratae prodigium! Sudat toto corpore oUa; gottae, mille et mille, magnae et 
parvae stipatim effagientes, et oobis iospicientibvs transudanles ex poris, in complnres rivos, 
mi in fluvios conflaant, qai roagnam pavimenti partem innndant. 011a vero 8iy)erato andore 
terribili sine ulla sui laesione officiom suum aaservandi aquam laeta proseqnitor. Aach mit 
zwei anderen Töpfen warde das gleiche Experiment mit Erfolg gemacht. Qnidni et bumores 
in ligno ex iilia conglaciari in byeme, et in yere resoWl, inyentaque aat effracta per forami- 
nulum porta, eodem retento alveo, efflaere possint? 

1) 1409, 302-327. 

2) 1406, 61. 



Schon am 27. April 1729 hatte die Congregatio S. Officii beschlossen, dass dem 
Cardinal Scbönborn geschrieben werde, die Taafe todter Kinder sn verhindern, denn um 
sie als lebend zn betrachten, reichen nicht dunkle and zweifelhafte, sondern nur be- 
stimmte und sichere Zeichen aus. Ebenso sollte durch die Staatssekretarie dem Fürst- 
bischof von Augsburg im gleichen Sinne bezüglich der Taufen in Ursperg geschrieben 
und der Generalprokurator der Prämonstratenser vor das S. Officium beschieden werden, 
um ihm aufzutragen« dass er die Mönche in Ursperg mahne, von diesen Taufen abzu- 
lassen ; über die Ausführung habe er dem hl. Vater zu berichten. Da aber die ürsperger 
Prämonstratenser gegen dieses Dekret nach Rom rekurrirten, beschäftigte sich die Con- 
gregation am 19. Dezember 1729 nochmals mit dem Gegenstande, beschloss aber, dass 
der Generalprokurator dem Abte schreibe, es habe bei dem früheren Beschlüsse sein Be- 
wenden. Aber auch hierbei beruhigten sich die ürsperger Mönche nicht, sondern präsen- 
tirten in Itom eine neue Schrift zugleich mit einem Memoriale des Augsburger Bischofs, 
welcher neue Schritt jedoch nur die Folge hatte, dass am 29. Februar 1737 die Con- 
gregation den Generalprokurator vor sich beschied, um zu erfahren, ob er das Mandat 
vom 19. Dezember 1729 exequirt habe, während dem Bischof von Augsburg ein Belo- 
bungsschreiben zuging zugleich mit einer Abschrift des Bittgesuchs des Abts von Ursperg 
und der darauf ertheilten Antwort. Auf einen wiederholten Recurs war endlich am 
30. Januar 1738 eine Congregations- Sitzung vor dem Papste selbst, worin be- 
schlossen wurde, dem Generalprokuratbr zu bedeuten, er solle seine Mönche zur Buhe 
verweisen; das frühere Verbot sei kein blosser Rath^ sondern ein ausdrückliches und 
befehlsweise ertheiltes Verbot gewesen und deshalb auch auszuführen. Gleichwohl 
sandten sie 1750 eine neue Denkschrift nach Rom, welche am 13. Februar desselben 
Jahres dem Bischof von Augsburg zur Eenntnissnahme und Aeusserung darüber vom 
Sekretär der Congregation zuging. Darauf erfolgte dann die Untersuchung durch bischöf- 
liche Commissäre, und aus dem Bericht des einen, des Amort, ist die vorstehende Mit- 
tbeilung entnommen.') Doch nicht sofort ging jetzt Rom vor. Der Papst, der Amort's 
Dissertatio de baptismo puerorum ad imagines miraculosas vollkommen billigte,^; wollte 
zwar eine Dekretale darüber erlassen, aber dazu erst eine neue Anregung Seitens eines 
oder mehrerer deutscher Bischöfe abwarten. Ricchini drängt daher in einigen Briefen 
an Amort und dieser wieder in Augsburg, von wo am 21. April 1752 die Information 
über den ürsperger Fall abgegangen ist.') 

Je langsamer aber die Verhandlungen gingen, desto mehr nahm auch dieser Wahn 
zu. 1752 taufte man* auch in Elchingen ein auf dem Kirchhofe zu Wittislingen . aus 
dem Grabe gestohlenes Eind.^) 



1) 1409, 261-300. 

2) 1405, 27. 

3) 1401, 94. 

4) 1401, 93: Forse potra darsi che 11 Serenissimo scrivi al Papa per togliere Tabuso del battesimo 
de* fanciulli morti, tantopiu ehe in Elchingen ultimamente ne anno battezzato uno estratto 
fartiramente dal cimiterio di Vl^ittisltngeD, ov'era sepellito. 

Abh.d. Jll.Cl.d.k. Ad.\Vi88.XIII.Bd. ILAbth. 9 



10 

§2. 

Angebliche Wunder , namentlich die blutende Hostie bei hl. Kreuz 

in Augsburg. 

Wie Aroort ein eifriger Bekämpfer von Nonneuvisionen und möncbiechem Aber- 
glauben war, wie er rücksichtslos die weinenien Bilder, welche Anlass zu neuen Wall- 
fahrten gaben, auf ihren verdächtigen Ursprung untersuchte und diesen konstatirte, so 
hatte er, durch Cau. Bassi veranlasst, seine Aufmerksamkeit 1747 dem Hostienwunder 
bei hl. Kreuz in Augsburg zugewendet. Nur andeutungsweise ist jedoch in seinem lite- 
rarischen Nachlass davon die Rede. 

Can. Bassi hatte, nachdem der Generalvikar Seiz und Amort bereits die Hostie 
beobachtet hatten, nochmals im Mai 1747 eine Untersuchung darüber angestellt, wovon 
er am 12. einen Bericht an Amort sandte. Der Bischof Ober den Cult, welcher dieser 
Hostie erwiesen wurde, in grosser Verlegenheit, wollte selbst die Sache ergründen. Der 
Generalvikar sollte einen Tag bestimmen und davon den Abt von hl. Kreuz benachrich- 
tigen. Beide suchten aber die Sache hinauszuzögern. Da drang Bassi immer mehr in 
den Bischof, bis endlich die Hostie in Gegenwart des Bischofs selbst untersucht wurde. 
Nach Bassi's Beschreibung und Urtheil war der Betrug offenbar: das angebliche Blut 
war eine aufgetragene rothe Farbe und die Hostie erschien allen als — Wachs. Der 
Bischof, voll Erstaunen, aber auch Furcht, einen Tumult in Augsburg zu erregen, versie- 
gelte sie wieder und Hess eine consecrirte Hostie rückwärts beilegen und die Procession 
halten. Jedoch sollten noch Sachverständige beigezogen werden, und Einer derselben 
nach Meinung des Bassi Amort sein, der wegen seiner naturwissenschaftlichen Kennt- 
nisse ganz besonders dazu geeigenschaftet schien.^) 



1) 1401, 58: In somroo segreto, e rigorose. Devo in tatta fretta notificarle gli accidenti giunti 
circa la miracolosa ostia di S. f. — S. A. essendo tntto. dl in gravissimi dnbbi circa la detta 
Ostia, e per la presenza di 6. C- e per il calto, che se li prestai commandö all* Abbate che 
Toleva egii atesso osservarla. Ciö insinnai al Vicario Generale, acciö Btabibito nn giomo, egli 
si portasse alla Corte col Prelato di S. f seco portante la s. ostia, io, il Sereiissimo e tntto 
in sommo dlenzio, e segreto. II Vic. Gen., che allora era alqnanto indisposto differl di giomo 
in giomo, anzi diceva non esser ciö necessario, avendo egli col P. Amort diligentemente osser- 
vata rOstia: ma il Serenissimo stände forte nella soa risolnzione di vederla mandb naoramente 
dal Vic. Gen., che rispose aver letto nn certo Jibretto datoli dair Abbate e dopo d*aver letto 
qaesto libro era affatto convinto, ma io nö. Primo h scritto senza metodo, senza crtsi, senza 
sperienza. Poi addnce an' inqnisizione fatta da an* Inqaisitore (sc. Henrico Institoris) che per 
sna cariosita la volle vedere, e falminö le scommoniche a noroe del Papa a cbi nou ci credera, 
e pnr non parla di alcana inspezzione. Poi le scrittnre fattc dalle Universita snppongono, che 
Tostia sia miracolosa came, e gli accidenti del pane. Poi Tinspezzione del Vesoovo Friderico 
di Zollem, che die« non averla aperta, e cib per consiglio degl" astanti, temendo o frazzioje, o 
irreverenza, e poi dicc dopo diligente osseryazione, eommanda, che se li presti il cnlto. Ciö 
tntto denota nna somma incnria, a Tinquisizione fatta coo roolta semplicita, vaoa credenza, 
e timore maliziosamente inspirato circa il toccar la steesa ostia per Hrreveren^, qaando ogni 



'1 

Am 22. Mai spricht Amort von einem darüber angestellten Examen. Es war 
offenbar das von Bassi beschriebene, das bis dahin noch kein endgültiges Resnltat zn sein 
schien ; denn er räth zur Fortsetzung desselben and vermuthet einen „enormen Betrug ^^ 
Das Examen müsse sich aber auf die Natur der Hostie selbst beziehen; an Instrumenten 
dazu fehle es nicht.*) Aus seinem Brief vom 6. Juni 1747 geht hervor, dass man 



dl i Preti celebrano. II Vic. Gen. stava forte per qaestc frivole ragioni, ed io nb, parendomi 
pnerilita, e DOn ragioni. Finarlinente 11 Serenissimo coroando, che volerae, o non rolesse 11 Tic. 
Gen., egli era Vescovo e la Yoleva vedere. II Vic Gen. allegava, che non sl poteva aprire 
senza rorapere tanti sigilli anticbi, senza frazione: 11 Yescovo disse, che ci metterebbe 11 sno 
sigillo, essendo tanto Yescovo, che an altro Vedendo finalmente 11 Vic. Gen. la foitezza 
d'animo del VescoTO cedette, e mal Yolentieri si portö alla Corte, io, VAbbate di S. f e chiusi 
tntti in ana stanza, preparato an tavolino, 11 Serenissimo voleva aprirla. 11 Vic. Gen. comlncib 
a protestare pel sigilli, e TAbbate pnre, che si vedeva abbastanza per 11 cristallo, ma io sempre 
contrario feci segno al Serenissimo che comandö che si aprisce: Oh Dio! ecce, andite mirabilia. 
Jo troYO 4 viti, le levo, e levate cade sü la tavola un pezzo di cristallo della grossezza di 8 
dita comc nna saliera, 07e si tiene 11 sale con due concavi, ove in nna era nn scatoletto d*ar- 
gento con Tostia, nel secondo tela, cera, e bombace, senza alcnn sigillo, alcnna serratnra; al 
che rimase attonito, e senza parola il Vic, e TAbbate. II Serenissimo cominciö ad osservarla 
sotto gli occhi. e con baone lenti da me giä preparate, e la superflcie era secca, rossetta, piena 
di polve, dissi al Serenissimo di levicarla sol dito per investigare la materia, o per Taspezza, 
air intomo era rosissima, ma io temendo, che fosse colorita con artificio, consigliai al Serenis- 
simo, silentibns semper prae stupore et admiratione Vicario et Abbate, che nmidito 11 dito la 
fregasse, e subito pensando a un sperimento consigliai, che pigliato* on pezzo di ^eluto, o pelle 
fina, c inamidita con acqua, si ripassasse e purgasse Tostia superficialroente dalla polvere, ma 
essi non pcnetravano, che io volevo vedere se yI era falsita di colorito. Mi portal citissime 
nella mia stanza, e preso un' p6 di pelle insuppai questa con del spirito di lavanda, e con 
questa pelle commanicai un* pb d'umido all altra pelle, pol diedi questa al Serenissimo per 
pulire Tostia, ed ecco, che la pelle cosi umida si tingeva di color minio, o carmino, allora 
ridendo io, e gli altri tremendo preso nuovo vigore insuppai altro pezzo di pelle, e 11 colore si 
communicava alle pelle, e cosi per la 3 volta. Pol prfso un coltello, e tagliato perpendicolar- 
mente nelcontorno deir ostia ne il pezzo cadde. ne la materia si conobbe, ma parve a tutti cera 
et quidem non molto antica, la sezzione fatta dal taglio appariva lucida. Ed io tagliato altro 
pezzo di cera appariya pur lucida. Insomma siamo confusi. II Vescovo Tha rislgiHata col suo 
sigillo, di dietro ci a posto frattanto un ostia consecrata, e jeri feci la processione. Jo bo con- 
sigliato una nuova ispezzione fatta con ogni diligenza, vigilanza, e critica. Forsi sara bene, 
che lei ci comparisca, ma vi e tempo, eTavlRerb Frattanto stenderb un atto legalmente scritto 
deir ispezzione, fatta dal Vescovo, poi färb alcune.note critiche, che communicherb a Y. S B. 
Raccomando per Tamor di Dio il gran segreto. PS. Notandum, che il vetro davanti, o cristallo 
e della grossezza del dito plccolo. S. A. fregando Vostia, cadde* da se nuda, e sciolta nelle 
mani del Yescovo; di dietro vi era come cera, o glntine, ed era piu colorita, non avendo tanta 
polve. Jo per me ci credo dell* inganno, e ne sono piü che sicuro. Quid consilii capiendum? 
Alla nuova inspezzione parleremmo a lonf^o. Dens nos illuminet. 
1) 1408, 28: Circa ezaroen s. hostiae S. Crucianae censeo continuandum exaraen, ut elncescat^ 
sacrane hostie sub involucro minii, an fraus enorrois lateat? An particula resecta naturam 
cerae, aut panis teneat, flnor, aut induratio ad odorem ignis vel caloris emollientis rirtutem 
dabit. Dantur instrumenta liquefacientia plurima. 

2* 



auch die Congregatio Rituum mit dieser Angelegenheit zu befassen gedachte. Er habe, 
sagt er, die Sache lange erwogen ; es scheine ihm als das Beste, der Bischof fordere vom 
General vikar und ihm selbst ein schriftliches Votum und Zengniss 1) über die Wirk* 
liebkeit der konsekrirten Hostie, 2) über die Qualität der rothen Farbe und 3) über die 
Frage, was in Zukunft zu thun sei. Dieses Votum und Zeugniss könnte, wenn es dien- 
lich erscheinen sollte, an die Congregatio Rituum geschickt werden.') 

Den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit, der übrigens sehr geheim gehalten 
wurde, können wir aus dem Amort'schen Nachläse nicht mehr erkennen; jedenfalls geht 
aus einer Andeutung desselben hervor, dass in seiner Gegenwart noch eine weitere Unter- 
suchung stattfand, welche keineswegs zu Gunsten des Hostienwunders und des Klosters zu 
hl. Kreuz geendigt hatte. Der Hass gegen Amort, den Bischof von Augsburg und Can. 
' Bassi war deshalb ein so unvertilgbarer, dass er sich noch 1762 in einer Schmähschrift gegen 
Amort Luft machte. Unter anderen „verläumderischen und scandalOsen Propositionen' ^ 
Amort's wird darin auch aufgeführt ,Jene des Eisens und der Flammen würdige Prüfung 
der tlostie bei hl. Kreuz in Augsburg" welche übrigens, da sie als Geheimniss behandelt 
wurde, nur von dem verstorbenen Propst Johannes von hl. Kreuz den Verfassern der 
Schmähschrift, zwei Benediktiner, könne mitgetheilt worden sein.*) 

Erst in einem Briefe des Magister s. Palatii Ricchini an Aroort vom 15. Juni 
1763 begegnet uns die Hostien- Angelegenheit neuerdings. Es scheint, dass auf die eben 
erwähnte Schrift Amort sich nach Rom an den Papst Clemens XIIT. gewendet hatte. 
Ricchini schreibt darin, dass er Amort's Brief dem Papste mitgetheilt und dieser zwar 



1) 1408, 29: Diu perpensis omnibus videtnr expediens, ut SerenissimuB in causa nota exquirat a 
ReT. Yicario Geuerali et a me votum et fidem in scripto 1® super veritate hostiae consecratae: 
2® super qualitate coloris rubri, 3^ super qua^stione, quid agendum de futuro ? Hoc testimoninm 
et Votum poterit inseri instrumento, transmittendo ad S. Congregationem Rituum» si ezpedire 
Tisum fuerit. 

2) 1408, 103 (15. Juni 1762 an Bassi): Cogor transmittere exemplar Ubelli famosi, nee mihi, nee 
Serenissimo honorifici. Inter alias propositiones calumniosas ac scandalosas etiam illam 
hostiae Augustanae s. Crucianae ferro flammisque examinationem etc. (Lectores illud etc. facile 
supplebunt adiectivo dignam). Secreti hujus communicationem verosimiliter a defuncto 
D. Joanne Praeposito S. Cruclano acceperit (fol. 25). Auch Bassi erwähnt 8 Juli 1762 dieser 
Schrift (1401, 113): Epistolam tuam (Amortiij sero accepi: obstupui, ut verum fatear, in lec- 
tione libelli flammis dignissimL Hujusroodi a catholicis tractantur opera, ne dicam Deo in 
monasteriis dicatis : quid inde miruro, si nulla Me», nulla sit religio, nullum rationabile obee- 
quium, nulla ad bonum publicum, ad Ecclesiam, ad rectos e£formandos cives et animarum duc- 
tores utilis scientia. Haec publici juris fiunt, tolerantur ab authorum Superioribus, ab Episcopis. 
tempora! o mores! Obstupui, dum de bostia Augustana mentio fuit, de foribus claudendia in 
▼isitatione. Qualis animus, qualis fides, seu potius, quäle odium, qualis ex timore strictioris 
disciplinae vindicta, ut hostibus a s. Crucis Patribus ratione hostiae et a s. Qeorgii Patribus 
ratione Visitationis communicaretur notitia. Leider ist der Titel der Schrift nicht genannt; 
nach Amort*8 Angabe ist sie unter dem Namen Mackius, recte Kam, erschienen; ich fand die 
Schrift nicht. 



13 

den Eifer und die Wachsamkeit des Bischofs von Angsburg gelobt habe, aber gleich- 
wohl den Galt der Hostie, obwohl eine andere konsekrirte beigegeben warde, keineswegs 
billigen konnte. Das Hostienwunder sei, wenn nicht ganz falsch, doch nngewiss und 
zweifelhaft ; durch den vom Bischof angeordneten Cult erscheine es wahr und werde es 
durch das Stillschweigen der Kirche approbirt. Dann setze man der Anbetung eine 
Hostie aus, über deren Konsekration nichts feststehe, ja schwere Zweifel bestehen. Der 
Papst habe den Nuntius in der Schweiz nochmals zur geheimen und 8orgfö,Itigen Unter- 
suchung der Sache angewiesen. Je nach dem Ergebnisse derselben werde die Sache 
entschieden werden. ^) Wie es nach einem undatirten Briefconcepte scheint, hatte jedoch 
Amort selbst den letzteren Weg in Rom veranlasst, da er den Adressaten, wahrschein- 
lich Bicchini, nicht bloss um tiefes Stillschweigen über den „Betrug^^ ersucht, damit 
nicht vielleicht gar in der gemischten Stadt ein Aufruhr entstehe, sondern zugleich 
wünscht, es möge die Sache aufgeschoben werden, bis etwa ein Nuntius zufällig vorüber- 
komme und ein Heilmittel anwende.') Es scheint aber nichts Weiteres geschehen zu 
sein, da noch heute in der alten Weise die Wallfahrt zu der blutenden Hostie be- 
gangen wird.') 



I.-- 



1) 1396, 195: Communicavi SanctissiTno D. N. epistolam P. Vi A. R. et Sanctitas sua re matare 
coDsideräta laudavit qnidem zelum et vigilantiam Sereoissixni istins Principis et Episcopi, at 
probate miniine potnit coltum hostiae, nt ynlgo fertar/ transformatae apposita prop^et retro 
ipsa alia hostia vere consecrata. Tarn qaia miracnlmn transformationis si non certe falsam^ 
incertnm tarnen ac dnbinnif bac ratione ati verum obtruditur, ac silentio Ecclesiae adprobatar. 
Tarn qnia latreutico cultui objicitnr hostiap de cujus consecratiooe non constat, immo vero gra- 
viter dubitator. Nicolai Y. Bulla circa disparem casam et circamstantias versatur. Nee enim 
Pontifex de transformatione et consecratione hostianim graviter dabitabat, sed graribos persua- 
sionibus motns, at ait ipse, circa miracnlum et consecrationem eamm cultam permiait apposita 
prope, non retro eaadem hostias bostia consecrata, quod deinde Legatns Ap. rei veritate melia» 
explorata joste ac pradenter inbibnit. Jaro yero remediam band ita facile et obTium yisum est 
Sanctitati saae, quapropter rem mnltis obnoziam difficnltatibns et pericalis conferendam duxit 
cum Ap. Helvetiornm Nnntio, ut de re tota secreto ac diligenter inqnirat; tum ad Sanctissimam 
referat, ac saggerat pro saa pradentia, quid opportune et melius faciendnm censeat. Ab ejus 
reeponso consilium capietur, quod suo tempore Serenissimo Principi et Episcopo notum fiet. 

2) 1407, 58: Duo sunt, quae rogo. ünom est, ut circa imposturam veterem hostiae Augustanae,. 
ut creditur, miraculosae, strictissimum servetur silentium, donec per aliquem Nuntium Aposto« 
licum Augustae ex alia occasione transenutem yelut fortuitum providetur remedium. Nemo^ 
enim de illa impostura habet notitiam, praeter Serenissimum Episcopum cum tribus aliis per- 
sonis, cum qaibus illa hostia occultissime inspecta et examinata fait ante aliquot annos. Si 
enim impostura redderetnr publica, non solnm oriretur ingens scandalum et tumultus, sed etiam 
timeretur iu ea mixtae religionis urbe publica seditio. 1407, 114 (v. 19. Mai 1768). 

3) In einem 1858 „cum licentia Superiorum" erschienenen Wallfahrtsbücblein, „zu haben beim heil. 
Kreuz", lautet die „Historie des wundeibarlichen Sakraments" : „In dem Jahre 1194 bat zu Augs- 
burg bei dem hl. Kreuze eine Weibsperson nach empfangener bl. Communion, alsbald wieder 
die hl Hostie aus dem Mund heimlich herausgenommen, in Wachs eingemacht, und fünf ganzer 
Jahre lang zu Haus aufbehaltet.. Endlich aber, aus Antrieb ihres Gewissens, die bl. Hostie 



,>v 



l'i 

Mitücbkeit der katbolischeu Eircbe, sowie dasä sie die 

^ der steten Fortdauer der Wunder darthun, zu welchem 

'/l^ Pietrasanta seine Taummasia oder Miracoli perpetui di 

li dd moodo in 3 Bauden schrieb. Es ist darum natfirlich, 

\\;^5ellsohaft überall die vorkommenden Wander verzeichneten 

:^\<M aberall verbreiteten. Zugleich hatten sie noch den Zweck, 

* (Hdeo, durch den Gott seine Wunderkraft bethätige. auch Gott be- 

'"\r\ ^in müsse. So schrieb z. B. P. Ignaz Kögler 1735 aus China an 

*tHr Peutschland, Hailauer, verschiedene Wunder, welche durch diesen 

\* tun wieder weiter verbreitet wurden. Sie bewiesen zugleich , dass sie 

^ ^ ^^itt« von den übrigen Missionären und der römischen Curie und den Päpsten 

* • ^ '*^%ht verfolgt wurden und widerlegten den Vorwurf, welcher ihnen noch 1734 

y^ #. ,^ ^ ^^ ^^^^ ^ g^j notorisch, dass die Jesuiten in China sich noch keiner 

** "^^^ tu rühmen haben. Im Dezember 1734, erzählt er, trug sich in Culo, Provinz 

^**!^ _^rt «user P. Rosario eine zahlreiche Gemeinde Neugeborener gesammelt hat. 



in dem Wachs verschlossen dem Herrn Probsten bei dem hl Kreuz überbracht. Dieser als er 
das Wachs zertheilte, die hl. Hostie davon abzusondern, hat er nicht ohne Yerwandening ge- 
sehen, dass selbige eine blutrothe Gestalt angenommen; derowegen er das Wachs wieder zu- 
sall^mengefügt nnd den ganzen Verlauf der Sache üdalscalo dem augsburgischen Bischof ange- 
zeigt, welcher dann mit der Klerisei und dem Volk eine Prozession zu der Kirche des hl. Kreuzes 
angestellt und von dannen die wunderbarliebe Hostie noch in dem Wachs verschlossen in die 
Domkirche getragen, all wo von Ostern bis an das Fest der Geburt des hl. Johannes Baptista 
die hl. Hostie also inner dem Wachs zugenommen, dass sie sich endlich selbst davon abgelöset 
bat. Darauf bat dann der Bischof beide, die wunderbarliebe Hostie und das Wachs, in ein 
krystallenes Gcfäss eingeschlossen, und wiederum in die Kirche zum heil. Kreuz getragen, in 
welcher es schon über 659 Jahre bis auf den heutigen Tag mit unaufhörlichen und sonderbaren 
Gnaden und Guttbaten leuchtet." — Im üebrigen war jedoch schon früher mancher Zweifel in 
Bezug auf diese Hostie aufgetaucht: 149ä war der auch sonst bekannte Henricus Jnstitoris Ord. 
Praed« haer. prav. Inquisitor in Augsburg und ordnete an, dass sie cultu latriae adorirt und 
für das wahre Sakrament gehalten werden mQsse. welche Doctrin er dann von allen Doctoren 
der Theologie in Ingolstadt 1493 approbiren Hess. In Augsburg wollte man sie damals näm- 
lich nur in einer hölzernen Monstranz aufbewahren, nicht mehr als Sakrament anbeten und 
nur das hl. Gut nennen 1493 fand in Erfurt darüber eine Disputation statt, was B. Friedrich 
den Bürgern von Augsburg anzeigen liess. 1495 sah sich Henricus Jnstitoris auch noch ver- 
anlasst, einen Traktat darüber zu schreiben, der 1496 in Nürnberg erschienen Allein dies 
wurde nur der Anfang eines heftigen Streites. 1497 predigte Bernard Stunz offen in der Cathe- 
drale dagegen: die Geschichte der Hostie sei nicht approbirt, sie also auch nicht cultu latriae 
zu adoriren, und das Fest derselben überhaupt zu abrogiren. 1498 liess der Bischof die Sache 
durch mehre Theologen untersuchen, die sie bestätigten; Stunz aber wurde ernst ver?famt, 
weshalb er aus Augsburg floh; auf Verwenden einiger Bürger durfte er jedoch nach Augs- 
burg zurückkehren. Noch 1508 wollen Domherren nichts von der Sache wissen; ihr Widerstand 
wurde aber unterdrückt und damit scheint jeder Widerstreit aufgehört zu haben. S. Chronik 
von hl. Kreuz in Cod. lat. Mon. 1895, 31—35. 



folgendes Wunder zu. Ein Ungläubiger, Nameoa Lidu, weigerte sich allei 
seiner Freunde und Verwandten ungeachtet stets, den Glauben an Cbristus und 
anzanehmen, indem er vorgab, er könne die Glaubensartikel und Gebete nie 
Da wurde der 60jabrige Mann krank nnd durch die göttliche Barmherzigkeit 
fiDg er ernstlich an, iiach der Taufe za seufzen ; allein da Niemand da war, df 
hätte geben kOnnen (sie!), starb er ohne sie am 21. Dezember 1734. Aber an 
als er schon im Sarge lag nnd die Verwandten trauernd um ihn standen, lebt« 
anf and schrie: gebt mir schnell die Taufe, denn ich will Christi Gesetz ; 
Voll Schrecken fragten ihn die Anwesenden, was ihm begegnet sei, und er a 
Nach seineni Tode sei er au einen reizenden Ort gekommen, den er aber , v 
Taufe entbehrte, nicht betreten durfte, vielmehr mosste er in die Unterwelt bin 
Da sei ihm ein Jüngling mit einer Lanze begegnet, der ihm den Eingang zur 
verwehrte und ihn schalt, dass er das göttliche Gesetz nicht annehmen wollte 
kfindigte er ihm aber an: Von Gott sei ihm Gnade geworden, in die Welt 
kehren, um die Tanfe zu empfangen und dann allen zu Verkündigen, dass ohne 
und den Glauben au Christus Niemand könne selig werden. Hierauf fragte ih 
ob er wisse, was mit seiner Nichte geschehen sei. Obwohl diese, nachdem sie 
empfangen hatte, am 22. December gestorben war, und also Lidu nichts dav 
konnte, antwortete er doch alsbnld: wich, meine Nichte wird von viel Licht st 
jenen reizenden Ort versetzt. Inzwischen liefen viele Leute zusammen, um den 
Erwachti'u zu sehen, darnuter auch Cao Jacobus, der von F. Rosario zum Vor 
Neophyten aufgestellt war, welcher dem angstvoll die Taufe Verlangenden diese 
nachdem er Reue und Leid über seine Sünden erweckt hatte Die Glaaben: 
waren ihm von Gott selbst gelehrt worden, da er vorher in denselben unwiseend 
Darauf lebte er noch einen Monat unter Lob und Dank gegen Gott und E 
der schaareuweise zu ihm kommenden Gläubigen und Ungläubigen, den Gl 
Christus und die Taufe anzunehmen. Darüber habe auf Veranlassung des Vi 
zials Dominic. Pinheiro der Itlustrissimus Hepheatiensis C. &. P. Ferreri ei 
SDchung au Ort und Stelle angestellt, der alles wahr befunden und darüber 
authentisches Zeugniss ausgestellt habe. 

Gerade, als er dies geschrieben, fJLbrt Eflgler fort, erhält er einen 
P. Hinderer, worin er meldet, dass er nur durch Anrufung des Namens J 
Untergeben des Schiffes, auf dem er sich im Flusse Usum Kiam befand, vom 
rettet wurde, darauf zu einer Schwergebärenden geführt, habe er diraer Xavi 
Wasser gereicht. Kaum hatte sie dasselbe getrunken, gebar sie glücklieb ; dt 
Hioderer das Eind sofort, das alsbald starb.') 

Kaum war 174-1 die Fraoziskanerin Uaria Crescentia von Kau 
gestorben, so entstand unter besonderer Theilnabme der Franziskaner der Uuf 



16 

Heiligkeit, den von ihr im Leben und nach dem Tode gewirkten Wundern; ein ausser- 
ordentlicher Zulauf zu ihrem Grabe und ein Drängen um ihre Reliquien war die natür- 
liche Folge, und begreiflich blieb auch ihre Verehrung nicht aus. Man wollte jedoch hieffir 
auch die kirchliche Bestätigung erhalten und so sorgte man auch daffir, dass der Ruf 
ihrer Heiligkeit und Wunder dem Papst Benedikt XIV. zu Ohren kam. Es war dies 
Verfahren unklug, weil zu unmittelbar nach ihrem Tode. Der Papst beauftragte den 
Bischof Joseph von Augsburg die nothwendigen Schritte zur Information darüber einzu- 
leiten; von diesem aber wurden Amort und Canonicus Bassi dazu subdelegirt Wir be- 
sitzen nun den ganzen Untersucbungsact, wie ihn Amort mit eigener Hand niederge- 
schrieben bat Hier soll nur das ausgehoben werden, was Amort über die angeblichen 
Wunder der Verstorbenen niedergeschrieben hat, weil es uns einen recht klaren Einblick 
in die Art und Weise gestattet, wie die Sagen über angebliche Wunder entstehen. In 
den Entführungen durch den Dämon, sagt er, ereignete sich nichts, was nicht 
<iurch die Hülfe einer mit ihr einverstandenen Schwester hätte geschehen können; denn 
bei solchen Vorgängen hörte man die Thüre öffnen und schliessen, ebenso einen plötz- 
lichen Tumult auf den Stiegen. Man fand sie allerdings im Weinkeller, im Garten, 
im Bach, auf dem Dach, allein dahin konnte sie überall mittels eines heimlich an sich 
gebrachten Schlüssels gelangen. Dass sie manchmal auf das Dach oder ausserhalb der 
Stadt getragen wurde, ist nur aus ihrem eigenen Munde vernommen worden. Während 
der zwei Jahre, in denen solches vorging, blieb sie blühenden Antlitzes, was sich mit 
solchen Schrecknissen nicht zusammenreimen lässt. Von einer Seite wird auch geäussert, 
dass man vernommen habe, Maria Crescenz habe gerade in jener Zeit ein ganzes Jahr 
lang die „Schuld*^ im Refektorium sagen müssen. Das scheint anzudeuten, dass man 
au ihr eine Schuld erkannt habe, w'elclie man nicht Allen offenbar werden zu lassen für 
gut fand. Die darauf folgenden Visionen und Communicationen des Leidens 
Jesu (Stigmatisation) können auch nur fingirt sein, um den verlorenen Ruf wieder zu 
erlangen. Dabei ist es zu verwundern, dass an ihr sich weder übernatQrliche Gnaden, 
noch Entrückungen und Extasen, noch eine Kenntniss des Innern, auch ihrer Mit- 
schwestern, offenbarten. Allerdings verbarg sie vor den meisten Schwestern ihre Visionen 
und eröffnete dieselben Auswärtigen; allein gerade deswegen liegt die Vermuthung 
nahe, dass sie vielleicht bei den Schwestern keinen Glauben gefunden hätte. Offenbar 
war sie eine Visionärin durch Täuschung der Phantasie, gesetzt auch, dass sie ihre vor- 
geblichen Visionen nicht selbst fingirte. Wenn sie den hl. Raphael mit dem Schwerte 
und einem Kreuze auf dem Stocke sah, so findet sich dies ja auf Bildern; und wenn 
sie von Christus und dem hl. Geist z B. das Gebet des Herrn, den englischen Grass, 
das Symbolum etc. gelehrt worden sein wollte, so ist das nicht Gottes Art, Wunder ohne 
Noth wendigkeit oder grossen Nutzen zu wirken. Ihre Visionen verdienen aber schon 
deswegen keinen Glauben, weil sie in Bezug auf das Leiden Christi ganz breit so. falsche und 
lächerliche Umstände erzählt, dass man es mit den Händen greifen kann. Hierbei ist 
auch das keine Entschuldigung, dass ihre Sekretärin Maria AnnaNeth Vieles hinzusetzte, 
denn es ist die ganze Leidensgeschichte, nicht bloss ein Theil, leeres Zeug. Endlich 



17 

erklärt Amort die Amulete, welche sie vertbeilte, für reinen Aberglauben, schon des- 
wegen, weil sie, ganz abgesehen von der Weihnng derselben, den in ihnen enthaltenen 
natfirlichen und künstlichen Dingen eine Kraft gegen Hexen und Dämonen zuschrieb. 
Dabei ist nun ganz besonders beachtenswerth, dass Maria Orescenz in leichtsinnigster 
Weise ganz Deutschland täuschte, indem sie erlaubte, unzählige Briefe an Auswärtige 
zu richten und mit ihrem Namen zu unterschreiben, obwohl sie dieselben gar nicht ge- 
lesen hatte und wissen konnte, dass die Empfänger sie als von ihr selbst geschrieben 
aufnahmen. Noch interessanter ist die dabei offenkundig gewordene Thätigkeit des 
Franziskaners Bonifacius Schmid, der meistens durch Briefe, welche aus Orten, wo er 
war und den Ruf der Maria Crescenz verbreitet hatte, oder von der schon charakteri- 
sirten Maria Anna Neth an ihn ergangen waren, die Gnaden und Wunder beweisen 
wollte. Ausserdem erlaubte er sich Aenderungen zu Gunsten der Maria Crescenz, welche 
mit den Briefen, aus denen er seine Nachrichten nahm, gar nicht zusammenstimmten, 
und endlich wich er, während die Commission den Thatbestand aufnahm, nicht von der 
Seite der Schwestern, so dass auch deren Aussagen, ohnehin der Maria Crescenz im 
Ganzen sehr ungänstig, den Gommissären verdächtig wurden.') 

Aber die Franziskaner wollten mit Gewalt Maria Crescentia zur Heiligen machen, 
obgleich man in Augsburg ihr Treiben durchschaute; denn am 6. Februar 1748 schreibt 
der geistl. Rath Mayer an Amort: „Ebenfalls wird die Affaire von der Crescentia durch 
die Franziskaner unter der Hand gewaltig getrieben: wie sie dann immerhin Mirakel 
an den Hrn. Vic. Generalem einschicken, der alle derlei Angebungen für gut Gold hält : 
denn er ist lang in Italien gewesen/'*) Auch der freiresignirte Prälat Hermann von 
Bott in Schwaben, zugleich Generalvikar der Prämonstratenser, interessirte sich für ihre 
Seligsprechung und glaubte die Sache durch ein Zeugniss zu beschleunigen, dass der 
Crescentia die göttliche Offenbarung auf seine Anfrage geworden sei: seine Resignation 
sei Gott wohlgefällig, was sie ihm mit eigener Hand am 31. Mai 1729 ge- 
schrieben habe.') 

Daraus lässt sich erkennen, wie viel den Zeugen in Canonisationsprocessen zu 
trauen ist. 

§ 3. 

Die anbelleekte Empfängniss Maria durch den Georgi-Bitterorden in Bayern 

gegen Amort vertheidigt« 

Amort hatte durch seine Bekämpfung der Träumereien der Nonne Maria von Agreda 
vorzüglich die Franziskaner sich zu Feinden gemacht. Ein anderer theologischer Streit 
betraf die Lehre von der Liebe Gottes, in welchem Amort namentlich mit dem Bene* 



1) 1409. 196-199; 162. 

2) 1401, 179. 

3) 1409, 188. 158. 

Au d. Abb. <L III. Ol. d. k. Ad. Wisi. XIU. Bd. IL Abih. 8 



18 

diktiner Virgilins Sedimayr von Wessobrnno, Pforrer in UFeldorf, sich verfeindet hatte. 
Anch dieser, für den der Protektor seines Ordens, Card. Querini, Partei ergriffen hatte, 
verband sich mit den Franziskanern in Mfinchen, um Amort von daher Verlegenheiten 
zu bereiten. So lange diese, wenn auch noch so plump, nur wissenschaftliche Waffen 
benützt hätten, würde der Kampf noch ein ehrbarer geblieben sein. Allein je mehr sie 
Amort's üeberlegenheit f&hlten, desto gieriger griffen sie nach anderen Waffen. Die ihm 
daraus entsprungenen Verfolgungen werde ich in einem anderen Paragraphen zusammen- 
stellen; hier soll nur eine Episode, die unbefleckte Empfängniss betreffend, in's 
Auge gefasst werden.') 

Schon im Oktober 1748 hatte man Amort als Gegner der unbefleckten Empfäng- 
niss und Jansenisten in Rom zu denunciren versucht und als Mittelsperson sich ein 
Hof beamter in München hergegeben. Ausserdem wusste man in Rom, dass der Dechant 
in Weilbeim und Baistingen beauftragt sein wollte, Amort zu überwachen, da er wegen 
eines Buches und falscher Lehre über Maria verdächtig sei.') In Rom scheint man 
aber nicht den raschen Erfolg gehabt zu haben, als man wünschte, und so versuchte 
man den Mfinchener Hof gegen Amort in Bewegung zu setzen. 

Im Jahre 1749 schickte derSnbprior und Präses der Bruderschaft der unbefleckten 
Empfängniss Maria in Wessobrunn, Veremund Eisvogl, drei von Virgilins Sedimayr ge- 
schriebene Quaternionen, in welchen er Amort nachzuweisen sucht, er sei ein Feind der 
unbefleckten Empfängniss, an den Grafen und Georgi-Ritter von Preising, bei dem der 
Franziskaner P. Isaias Werkmeister täglich im Hause war. Durch diesen hetzte 
P. Landelin Mayr den Grafen Preising, sowie den Baron von Braidtlohn gegen Amort 
auf. Es wurden mehrere Thesen aus dessen Schriften als gegen die unbefleckte 
Empfängniss verstossend ihnen eingehändigt und auf Grund derselben der Ghurfürst 
Max Joseph gegen ihn zu Hülfe gerufen. Wirklich forderte dieser, obwohl die Jesuiten, 
wie Amort selbst in München bestimmt erfahren haben wollte, ihm geantwortet hatten: 
es sei nicht Sache des Fürsten, sich in diese scholastischen Controversen zu mischen, 
welche das Geheimniss nicht wesentlich berühren, — in einem Erlasse vom 29. Juli 
1749 die theologische Facultät in Ingolstadt auf, dass sie „die sach genau untersuche, 
und die bemOrkte Lehrsatz, welche zweifles ohne aus dessen in öffentlichen Druckh ge- 
langten Werckhen gezogen worden pind, wohl erwöge, folglich über den Befundt aus- 
fBhrlichen Bericht, mit beyfügenden obnmassgeblichen Guttachten gehorsambist erstatte^S 
um das Weitere den Umständen gemäss vorzukehren. Die Fakultät entledigte sich am 
24. August ihrer Aufgabe in einem merkwürdigen Gutachten, das sich um die mittel- 
alterliche Ansicht, wann der Ijoib des Kindes nach seiner Empfängniss beseelt werde, 
dreht; schliesslich aber meint sie, die Entscheidung über die Bücher des Amort sei den 
Bischöfen, Prälaten und anderen Ortsordinarien, oder dem Papste selbst zu überlassen, 
da sie allerdings einige Sätze iu denselben nicht billigen könne. 



1) 1409, 8-64 111 sqq. 

2) 1402, 87. 91. 98. 



19 

Die Franziskaner and Benediktiner hatten jedoch keine Last, den Charfarsten den 
Yon der Ingolstädter Fakaltät gewiesenen Weg betreten za lassen; denn das wassten sie 
ja, dass Amort vom Papste selbst schon fQr seine die Agredanischen Träamereien be- 
kämpfenden Bächer belobt worden war. Der weltliche Arm that für ihre Zwecke bessere 
Dienste, and darch ihr Verhältniss za dem Grafen Preising nnd Baron von Braidlohn 
stand er ihnen aach willig zar VerfQgang. Der Letztere schrieb, als er das theologische 
Gatachten anf Befehl des Charförsten dem Graf Preising schickte, an diesen: „Meines 
Eracfatens werdet Man die sach mit einem Mehrern Ernst angreififen, and Ihre Gharf. 
DorchL Ihren Landtsfarstl. Gewalt za Verthädigang der Ehre der Seligsten Matter 
Gottes vorwalten lassen missen, worüber Man sich circa modam schon weithers verstehen 
kan.'^') Der Modas des weiteren Vorgehens war endlich gefanden. Am 12. December 
1749 anterzeichnete der Charfftrst ein Dekret an den Propst Franz Töpsl in PoUing, 
worin dieser scharf getadelt wird, dass er seinem Religiösen Easeb. Amort erlaubte, 
„lediglich aas Eitle Ostentation hervorgebrachte Irrige LehrSätze, wovon Wir den eigent- 
lichen enthalt darch vorgelegte Exträct Selbsten eingesehen, mitls öffentlichen Drackhs 
in das Pablicam aaszasträheu;'' denp er hätte wissen müssen, dass ihm, dem Oberhaupt 
and Qrossmeister des Georgi-Ordens, der dieses hl. Geheimniss auf alle Weise kräftigst 
za schützin and za vertheidigen habe, ein solches Benehmen des. Amort höchst miss- 
föUig sein müsse. Der Propst solle deshalb diesem sein „freventliches^' Vorgehen nicht 
allein aaf das Schärfste verweisen, sondern ihm auch strengstens gebieten, „diso 
seine Critische Schreiberey sogleich einzastellen, and konfftigshin gegen mehrbesagtes 
heyl. Geheimbnas nichts mehr in dem Drackh zageben.'* Im entgegengesetzten Falle 
würden Aiöort's Bücher in Bayern nicht mehr verkauft, gegen ihn. selbst eingeschritten 
werden und, wenn der Propst auch femer ihm connivire, dieser uud sein Kloster die 
churfürstl. Ungnade ganz gewiss empfinden.') 

Von da an begleiten ans die Briefe des Hauptgegners Landelin Mayr an den Sub- 
prior Veremand Eisvogl. Am 20. Dezember schreibt er an diesen, dass er schon am 
16. dess. M. eine Abschrift des obigen Dekrets an Virgil. Sedlmayr geschickt habe, an 
demselben Tage auf speciellen Auftrag des Churfürsten, „der für eure und unsere Sache 
sehr fest und in der That von grosser Tapferkeit erflUlt ist'S dem Bischof von Augs- 
burg davon Notiz gegeben worden sei, und die Franziskaner selbst am 19. Dezember 
eine lateinische Uebersetzung desselben an den Papst nach Rom geschickt haben. „Noch 
besser aber würde es sein, wenn auch die Benediktiner in Wessobrunn eine Abschrift dea 
Dekrets in ihrer Nachbarschaft und anderwärts bald publik machten.^'*) 

In Augsburg wollten die Franziskaner das churf. Dekret in den Zeitungen drucken 
lassen, aber der Generalvikar verbot alsbald die Verüffentlichang des schon unter der 
Presse befindlichen Erlasses.^) 

1) 1409, 6. 

2) 1409, 24. 

3) L. c. f. 16. 

4) 1406, 30. 

3» 



20 

Am 28. December reiste Amort, von seinem Propst dazu beauftragt, nach Mfinchen 
and schon vom 29. berichtet er diesem den Hergang, dass Graf Preising durch die 
Franziskaner, namentlich P. Isaias Werkmeister, auf Orund der drei Bogen Sedimayr's 
aufgehetzt sei; „die Jesuiten und P. Edlweck hingegen erkennen die Unrichtigkeit des 
Verfahrens. Gleiches erkennet R. B. Director consilii eccles. H. Ossinger, welcher sich 
verwundert, dass die Extrakte mir nicht kommunizirt worden. Ihro Exe. H. Ereitmeier 
hat versichert, es erkennen Ihro Durchlaucht selbsten gar wol, dass es nur eine Intrigue 
der Franziskaner und widrigen Partei sei. Er nahm mir den Titel des neuen Werks, ^) 
(zu dessen Ausarbeitung behufs Vertheidigung der unbefleckten Empängniss er sich erbot) 
noch ungedruckt, wie auch die zwei Originalbriefe Sanctissimi aus den Händen und 
nahm selbe alsogleich zu sich in die Conferenz. Nun da ich dieses schreibe, schickt er 
mir die Originale und lässt mur durch den Bedienten bedeuten, .dass er den Titel und 
die Originalbriefe Sanctissimi in der Conferenz coram Serenissimo abgelesen.^* Morgen 
werde er zu Baron von Braidlohn, Graf Preising und dem Beichtvater des Churfürsten, 
dem Jesuiten Stadler, der freilich in den Stftgigen Exercitien sich befinde, zu kommen 
suchen.*) In einer für den Bischof von Augsburg bestimmten Relation üQgt er noch 
bei, dass der ChurfQrst nach Verlesung oben genannter Aktenstücke durch Ereitmeier 
öffentlich sagte: „der Mann muss doch ein gelehrter Mann sein, indem ihn der Papst 
also lobt. Ich mag wider den Papst nichts zu thun haben." Und begreiflich; P^ Be- 
nedikt hatte sich in dem einen sogar entschuldigt, dass er dem Fanziskaner Gonzalez 
Matheo das Pr&dikat „gelehrt" gegeben hatte;') im anderen hatte er das von den Fran- 
ziskanern beim ChurfÜrsten denuncirte Buch besonders belobt und ausgesprochen, dass es 
bei der weiteren Untersuchung der Agredanischen Beatificationsangelegenheit zur Grund- 
lage ffir ihn und die römische Congregation dienen werde. ^) Und dazu hätte Amort 
auch noch die ausserordentlich günstigen Urtheile über seine gegen die Agredanischen 
Hallucinationen gerichteten Schriften, wie z. B. des berühmten Orsi, fBgen können.^) 

Amort mochte auf jene churfQrstliche Aeusserung froheren Muthes werden; allein 
der Wille der durch die Franziskaner beherrschten Räthe des Fürsten war stärker, als 



1) Mysteriam immac Conc. b. V. M. non solnin propagnatam ae rindieatam, sed etiam in gradn 

definibilitatiB ex Scriptura et constanti traditiooe dootorom ecclodae coUocatum. 
2} 1409, 85. 
8) Amort, ControT. de revel. Agred. pg. XIY. Approbatio Censoris. 

4) 1896, 4 : In eo vero qnod attinet ad noYum tunm Opas de Controyersia circa Reyelationes Agre- 
dianas, Noe illud legere incepimas, et molta in eo deprehendimns ntilia, docta, pmdentia repleta, 
et qnae tnm Nobis, tum aliis, cum itemm agendam erit de Operibus Agredianis, non medioo 
sane poterunt esse adjomento. Occasione itaque fntarae reWsionis piaedictarnm Rerelationam 
adimpleri potemnt ea, qnae tu proponis adimplendo, ezamen videlicet propositae falsitatis aerae 
vulgaris (19. Jnlii 1749). 

5) 1896, 128.— 1405. 5 (19. Jan. 1742) schreibt Orsi an Amort, dass der Magister s. Pal. neuer- 
dings dessen Buch de revelationibus Mamachi zur Untersuchung überwiesen, dieser aber nichts 
als den schlechten Stil daran zu tadeln gefunden habe. 



21 

^ 

der des CharitLrsten selbst. Das erfuhr er des anderen Tages, als er zu dem Geh. Batb 
Braidlohn kam, der Ts^s zuvor in der Conferenz nicht war. Auf die Aensserung Amorts, 
dass er sich über das Schreiben des Ghurfflrsten an seinen Prälaten wundere, da ihn die 
theologische Falkultät in Ingolstadt doch freigesprochen habe, versetzte ihm dieser: „Nit 
allerdings vollkommen,'^ und als er den Tenor der akademischen Antwort wissen wollte: 
„es sei nicht seine Sache, ihm dieselbe zu kommuniciren/^^) 

üeber seine Audienz bei Graf Preising erzählt Amort nichts; aber Landelin Majr 
berichtet dieselbe aus dem Munde des Grafen nach Wessobrunn (3. Jan. 1750). Amort, 
schreibt er, sei mit seinem noch vom Drucke feuchten Titel des zu schreibenden Buches 
zu ihm gekommen; allein dieser sei durch sie, die Franziskaner, schon vorher gemahnt 
und durch einige zu Papier gebrachte Gründe inslirulrt gewesen, dass er Amort nicht 
lange anhöre, und so ging denn der Graf folgendermassen gegen diesen vor. Da die 
Proposition Amorts war, im Sinne des Ghurfürsten eine Vertheidigungsschrift fär die 
unbefleckte Empfängniss zu schreiben, so antwortete ihm Preising: „das Verlangen sey 
sehr unweislich, indem dieses Geheimniss der unbefleckten Mutter schon genug sey be- 
wehrt; bederife keineswegs seiner Defension und Schreiberey.'^ Darauf antwortete Amort: 
„Auf die&e Weise müsse er zu Beförderung dieses seines Absehens bey Sr. Päpstl. Hei- 
ligkeit anhalten''; allein der Graf meinte: „dieses fSchte den Ghurfürsten wenig an, die 
ihm ^as Weitere allzeit will vorbehalten haben.'' Und als Amort bemerkte: „es liege 
ihm sehr viel daran, indem er diese ' Materie in seine Theologie habe hineingesetzt, die 
jetzt solle in Druck ausgehen", replicirte Preising: „Es föchte den GhurfÜrtsen weder 
besagte Theologie, noch anderes derley an. Se. Ghurf. Durchl. wollen indessen das an 
seinen Herren Prälaten erlassene Decret vollzogen wissen." Damit habe, setzt Landelin 
Mayr bei, der Graf das ziemlich strenge Gespräche abgebrochen und Amort stehen 
lassen. Sofort aber habe ihn jener dieses durch P. Isaias wissen lassen; weiter sei 
nichts Neues in der Sache vorgefallen, ausser dass der Graf Preising vom Ghurfürsten 
zum Richter bestellt sei, wenn etwas Neues vorfallen werde; zugleich aber habe dieser 
ihm versprochen, ihm jeden weiteren Vorgang in der Sache sofort mitzutheilen. ') 

Interessant ist dabei das Verhalten des Jesuiten Stadler. Am Tage seiner Abreise 
(2. Jan. 1750) traf Amort ihn noch. Der Jesuit erklärte ihm ebenfaUs, dass P. Vir- 
gilius dem Grafen Preising die drei Quaternionen gegen ihn geschickt hab^, die er selbst 
auszog; dem Grafen aber habe er gesagt, dass sie nicht recht beweiskräftig seien. Auf 
sein Bemühen sei es geschehen, dass im Dekret eine Restriktion (welche? sagt Amort 
nicht) angebracht worden sei, und ausserdem versicherte er, dass nie so an den Prälaten 
wäre geschrieben worden, hätte man vorher die Briefe des Papstes an Amort gekannt, 
jedenfalls sei aber nicht zu filrchten, dass dem Dekret des Ghurfürsten eine weitere 
Folge werde gegeben oder die Sache an seinen Bischof oder gar den Papst gebracht 



1) 1409, 36. 109. 

2) 1409, 16. 



22 

werden.') Oleichwohl schrieb aber Landelin Mayr am 3. Janaar 1759 nach Wessobronn : 
P. Stadler nehme jetzt etwas offener ihre Partei und sei daher der erste Urheber davon 
gewesen , dass Graf Preising mit eigener Hand dem Fürstbischof von Angsbarg das chor- 
f&rstliche Dekret intimirte.') 

Damit war aber die Sache nicht erledigt. Während Amort nach Hause zurück- 
kehrte und seinen Prälaten bat, seinerseits ein Schreiben an den Ghurfürsten zu richten, 
ging die Intrigue der Franziskaner und Benediktiner fort. In einer Nachschrift seines 
Briefes vom 3. Januar an den Subprior von Wessobrunn trägt er diesem noch ange- 
legentlich auf: die dortigen MOnche möchten ihn sofort benachrichtigen, wenn von Amort eine 
neue Lüge oder Unwahrheit oder irgend etwas Anderes an's Licht gesetzt werde. 
Damit Graf Preising w^en des glänzenden Titels, welchen Amort überreichte, nicht 
anderen Sinnes werde, hätten sie, die Franziskaner, ihm gezeigt, die nämliche Materie 
sei unter der nämlichen Form von P. Dominic. Viva und unserem P. Johannes a Luca 
weitläufig gelehrt worden.') 

Inzwischen gehen verschiedene Gerüchte: der Dechant in Baistingen schreibt am 
15. Januar, er habe in Diessen gehört, Amort habe in München triumphirt;^) und der 
Fiskal Dr. Becht^ler hat gar erfahren, Amort habe sich in München so legitimirt, dass 
man ihm auftrug, noch weiter über die unbefleckte Empfllngniss zu schreiben; vielleicht 
sei dies nur auch per modum revocationis übertragen.^) Offenbar hatte man die Aeasse- 
rung des Ghurfürsten in der Conferenz des geheimen Baths verbreitet und auf dieselbe 
zu viel gebaut. Landelin Mayr wundert sich darum in seinem Briefe vom 17. Januar 
über die Unklugheit und Lügenhaftigkeit Amort's ; dennoch ist er einigermassen unruhig. 
Der Georgi-Bitter und Ordensdechant, Graf von Baaden (zugleich Canonikus in Augs- 
burg), hatte nämlich den Auftrag, beim Bischöfe und Generalvikar das churfürstliche 
Dekret zu intimiren, aber bis jetzt darüber noch keine Erinnerung gemacht. Landelin 
muss unci wird daher neuerdings den churfürstlichen Hof drängen, dass dem Graf 
von Baaden durch ein specielles Schreiben wiederholt die Commission ertheilt werde.*) 



1) 1409, 36. 109. • 

2) L. c. f. -16: A. B. Stadler (ciii tarnen pamm addicor) paolo apertins nimc taetar nostras partes, 
propterea factus primns motor, ni Excellentiss. D. Oomes propria manu intimarit Sereniss. Epis- 
copo Angnstano decretam Electorale. Auch Ton anderer Seite bexengt, 1406, 229. 

3) L. c. 

4) Es ist Überhaupt interessant ca sehen, wie die Dekane in der Nachbarschaft PoUingens für die 
Franziskaner nnd Benediktiner waren, so dass der Generalnkar von Augsburg am 18. Februar 
an Amort schrieb, er könne über Verlfiumdungen, welche sogar auf der Kanzel über die Hetero- 
doxie der PolUnger Terbreitet worden sein sollen, nicht durch die Dekane recherchiren lassen, 
mit dem merkwürdigen Beisatz: qui qnotidie magis insolentiam snam produnt nixi protectione 
Card. Quirini, cui lores in Germaniam penetrandi deberent obstrui. 1406, 81. 

5) Beide firiefe 1409, 18. 

6) 1409, 18. 



23 

Am 18. Janaar kam der Dekan von Fölling nach Manchen, nm durch den Jesuiten 
Neomayr bei dem Grafen Preising eine Audienz zu erlangen und mit ihm über Amort, 
sein Aber die unbefleckte Empfllngniss zu veröffentlichendes und dem Chnrf&rsten oder 
.Georgi-Sitterorden zu widmendes Werk und über die Stellung seines Propstes in der 
Sache zu koDferiren: allein der FranziskanergOnner Preising liess den Dechanten gar 
nicht vor und sagte zu Neumayr: ,,Er, Hr. Dechant, solle zu ihn nit kommen, und das 
Geheimnuss der uobefleckten Empftngnuss Maria bederffe kein Werkh oder defension/^ 
So Preising selbst zu den Franziskanern und zu P. Isaias sagte er noch überdies: ^^das 
churf. Dekret habe in allweg sein Bleiben; der Hr. Dechaot aber von Polling habe sich 
auch nirgents weitter melden lassen etc.^^ Der Brief des Dechanten in Baistingen, der 
sofort Preising und anderen Eingeweihten mitgetheilt wurde, wurde die Veranlassung, 
sofort eine neue Anweisung an den Grafen von Baaden zu erlassen und ihm ausser anderem 
aufzutragen« dem Bischöfe von Augsburg auseinanderzusetzen, „dass Se. churf. Durch- 
laucht nit glauben wollten, als sollte mit dero Licenz in seiner Diöces ' fürterbin noch 
ein solches Buch, als bishero geschehen, de mysterio immac. Conceptionis hervor kommen 
(man hatte n&mlich verbreitet, Amort werde gleichwohl sein Buch nächstens erscheinen 
lassen); Sie könnten jedoch ihm .uh verhalten lassen, dass es nit nur zu höchsten unge- 
fahlen Sr. Churf. Darchlaucht geschehete , sondern auch höchstdieselbe veranlassen werde, 
öffentlich wider solches nach schärpfe zu verfahren.^* Landelin wünschte ausserdem, dass 
in diesser Antwort P. Virgilius Sedlmayr, der als Vertheidiger der unbefleckten Empfilng- 
niss und wegen des churf. Dekretes viel zu dulden habe, namentlich geschützt werde. 
Das wurde aber gegenwärtig, wo der Ghurfürst gleichsam als unparteiischer Richter 
(judex indifferens) in der Angelegenheit des P, Virgilius und Amort's gelten will, nicht 
f&r rätblich erachtet; dagegen soll über Virgilius in der nächsten Geheimen Raths- 
Sitzung referirt und er der besonderen churf. Gunst würdig gehalten werden. ^) (Landelin 
V. 23. Jan.). Ausserdem griff jetzt auch der Graf von Baaden eifriger in Augsburg ein 
und Landelin bemerkt am 8. Februar mit Genngthuung, dass derselbe dort „sorgfältig 
wache, . damit nichts dem Geheimniss der unbefleckten Empfängniss oder dem churfurst- 
lichen Hofe Widerwärtiges vorgehe'' ;^ und über die Stimmung in München sagte er: 
wenn er sehr wenige Jesuiten und einige Idioten ausnehme, bleiben die Gemfither Amort 
noch sehr feindselig gesinnt.') 

Inzwischen hatte aber auch der Propst von Polling eine Antwort auf das chur- 
fürstliche Dekret nach München gelangen lassen, worin er auf die abgekürzten Auszüge 
aus Amort's Schriften hinweist, wodurch allein solche Missverständnisse am Hofe erzeugt 
worden sein könnten, aber auch keineswegs anzudeuten ünterlässt, dass nur sein Buch 
de revelationibus „der einzige Stein gegenwärtig genommenen Anstosses Ist/* Wenn 
man aber Amort eitle Ruhmsucht bei seiner Schriftstellerei vorwerfe, so beurtheilä ihn 



1) 1409, 18. 

2) 1409, 18. 



24 

die ganze katholische Welt, auch die Päpste Clemens XIL and Benedikt XIV., vei'schie- 
dene Cardinäle, Bischöfe und Gottesgelehrte ganz anders. Dann legt er zwei Schreiben 
des P. Benedikt in Abschrift bei und bezieht sich ausführlich gerade auf den Passus, 
worin dieser Amort*8 Buch Gontroversia circa revelationes Agredanas so sehr lobt Femer 
sei die gegen Anfiort erhobene Anklage schon dadurch hinfällig, als in seinem ,^Bre?ier 
eines guten Ghristen^^ gerade die unbefleckte Empftngniss zur Andachtsfibung enthalten 
sei und er schon 1733 einen Jungfrauen-Bund zu dem nämlichen Zwecke der Hebung 
der Verehrung Maria gegründet habe, der von P. Clemens XIL mit grossen Ablässen 
begabt worden sei. Daran fugt er die Beschwerde, dass gegen des Churfürsten Intention 
dessen Dekret nicht nur in Bayern, sondern auch ausser Landes, wie namentlich in 
Augsburg, verbreitet und unrichtig zum Nachtheil des Amort und zur Verwirrung der vom 
Kloster PoUing pastorirten Gemeinden gedeutet werde. Amort wolle dem ein Ende 
machen, und mit churf. Qenehmhaltung ein Werk zur Vertheidigung der unbefleckte 
Empfängniss, dessen Titel er beilege, veröffentlichen. Der Churfurst möge die Dedikation 
des Werkes annehmen, vorher aber das Manuscript einigen von ihm selbst zu bezeich- 
nenden Jesuiten zur Revision übergeben.^) 

' Endlich trat am 18. Februar 1750 das Kapitel des Georgi^Ritterordens selbst zu- 
sammen, um über das in dem Schreiben des Propstes angekündigte Werk Beschluss zu 
fassen. Doch scheinen nicht alle Ritter der Gesinnung des Grafen Preising gewesen zu 
sein, da Landelin am 20. Februar von einem scharfen Disput darüber in dem Hanse 
des Grafen unmittelbar vor der Sitzung erzählt und daran seine Befürchtung knüpft, 
dass für diesmal strengere Maasregeln gegen Amort unterbleiben werden. Dennoch be^ 
schloss das Kapitel, obwohl es, nach der auf einer Unterredung mit Ordensrittern ge- 
gründeten Aussage des Oeneralvikars von Augsburg und wie sich das von selbst ver- 
steht, nicht einmal die Sachlage durchschaute:') 1) es dürfe 'Amort die Erlaubniss nicht 
gegeben werden, irgend ein Werk sei es dem Churfürsten, sei es dem Bitterorden zu 
widmen; 2) wenn ein Werk, wofür der Propst die Erlaubniss erbittet, aus der Presse 
kommen sollte, müsste es die Irrthfimer widerrufen; 3) dasselbe müsste aber yor der 
Veröffentlichung zur Revision nach München und dann nach Ingolstadt geschickt 
werden ; 4) soUe dem Propst mitgetheilt werden, dass das gegen Eusebius Amort erlassene 
Dekret seinen Effect haben werde, wenn in dem Werke auch nur das Mindeste gefanden 
werde, was dem von dem Churfürsten Gerügten zuwider sei. Die Stylisirung dieses De- 
krets, dessen Verbreitung den Rittern sogar kraft ihres Eides befohlen wurde,') 
wurde Braidlohn übertragen, und sofort setzte der Franziskaner seine Hoffnung darauf, 
dass durch die Stylisirung noch etwas mehr gethan werden könne, und Braidlohn war 
zuvorkommend genug, sobald er den Auftrag erhalten hatte, auch den Franziskanern zu 
versprechen, ihnen den Tenor des Edikts paitzutheilen. 



1) 1409, 32. 105. 

2) 1406, 33. 

3) L. c. 



25 

. Landelin empfindet jede Yerzögernng in der Sache schmerzlich. Es sei, klagt er 
am 6. März, ein beweinenswertber Zustand, dass bis jetzt noch nichts Weiteres geschehen 
sei. Dennoch ist es meder for ihn ein Trost, dass der Tenor des Dekrets, zu dessen 
Abfassung sich Braidtlohn sogar Urlaub von anderen Geschäften erbeten hatte, den 
strengen Eifer des CburfQrsten verräth. „Mit Fleiss, so Hess Graf Preising ihm vor 
4 Tagen durch P. Isaias sagen, i^t der Stil des Dekrets etwas gemässigter hinsichtlich 
der Revokation, damit nicht Amort ein fQr allemal allzu vorsichtig werde und den Fall- 
stricken entgebe, welche ihm hinterlistig genug gelegt werden.'^') Der Churffirst warte 
nur die Stunde ab^ wo bis zum Aeussersten vorzugehen sein werde.*) Inzwischen habe 
er ihre (der Benediktiner und Franziskaner) Sache so disponirt, dass nach Polling ent- 
weder überhaupt kein, oder doch nur ein für die Wessobrunner sehr günstiges Dekret 
expedirt werde; ergehe aber auch gar kein Dekret, so werden wenigstens die PoUinger 
in steter Beängstigung leben und nichts Weiteres wagen. Was aber geschehen möge, 
Braidtlohn habe — er Hess es schon vor etwa 5 Tagen Landelin mittheilen — den spe- 
ciellen Befehl: ,,Er solle machen, dass auf diesen Eerl (R. D. Eusebium) Achte getragen 
mit Schärpfe etc 'S so dass also die jetzige Zögerung recht gut später gutgemacht 
werden könne. Auch von Augsburg wollte der Franziskaner wissen, dass der dortige 
Generalvikar mit eigener Hand geschrieben habe, der Bischof wolle Amort (als Theologen) 
entlassen, da es diesem sehr zu missfallen anfange, „dass sich Herr Amort so schändlich 
verliehre etc/',') eine Erfindung, welche dennoch sofort nach Rom gebracht und dort 
dorch die Jesuiten weiter verbreitet wurde. ^) 

Endlich sah sich übrigens der Franziskaner, der den Wessobrunnern nicht oft genug 
schlaue Winke geben kann, trotz seiner Schlauheit selbst veranlasst, gegen die Expe- 
dition des auf Beschluss des Kapitels des Georgi-Ritterordens abzufassenden Dekrets zu 
wirken. Amort hätte, wie Landelin's Feinde behaupteten, nur das widerrufen brauchen, 
was die theologische Facultät in Ingolstadt beanstandet hatte. Das genügte aber dem 
Franziskaner nicht, ja wäre für ihn geradezu eine Niederlage gewesen: das Dekret 
musste deshalb suspendirt und bessere Zeit und Umstände abgewartet werden.^) Das 



1) 1409, 20: *Ex indostria, cea primnm ante 4 dies mihi insinnari fecit per P. Isaiam Illnst DD. 
Coines de Prejsing, stylas decreti erit nonnihil moderatior circa revocationem, ne Amortias 
aimul et aemel reddator nimium cantas, neve eradat laqueos, qni ipsi satis insidiose 
stmuntur." 

2) L. c. y. 15 März. 

3) 1409. 19. 

4) 1402, 131. 

5) 1409,19. Id qnod impediit, ne decretam Electorale veniret Pollingam jaxta altimam resolationem 
Oapitnli Ordinis Equestris, in hoc solo haeret, qaod ii, qai mihi adversantur, tenaciter couten- 
dant, vi illios ab Amortio non esse revocandnm, nisi qaod a Facultate Ingolstadiensi contra 
ipeum fnit pronnnciatuin. Et quoniam hoc modo deteriora manerent illaesa, fas esse daxi, nt 
interea pro snspensione illins decreti agerem, donec tempos et aliae circamstantiae ad rem 
nostram forent aptiores. 

Abb. d. ]I1. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. II. Abth. 4 



26 

ergab sich bald. Noch 1750 erschien von P. Dalmatius Kick in Regensbnrg eine neae 
Vertheidignngsschrift der Maria Agreda: Revelationam Agredanarum jnsta defensio; 
Amort hingegen schrieb sofort seine Gegenschrift: Nova demonstratio de falsitate revel. 
Agredanarum. Noch ehe sie erschienen war, kamen schon die einzelnen Uruckbogen von 
Augsburg nach Mönchen, und am 13. Februar 1751 wurde endlich der Schlag gegen 
Amort geführt, den die Franziskaner und Benediktiner längst ersehnt hatten: der Ver- 
kauf seines Buches wurde vom ChurfQrsten verboten und ihm selbst bei weiterem Zu- 
widerhandeln gegen den churf. Befehl Landesverweisung angedroht. Das Nähere gehört 
jedoch in die Geschichte der Agredanischen Streitigkeiten, weil nunmehr der bayerische 
Ghurfürst olSfen für die Offenbarungen der Maria von Agreda eintritt und deren Gegner 
Amort ausdrücklich wegen dieser Gegnerschaft strafb.^) 

Nur Eines bezieht sich noch auf die unbefleckte Bmpfängniss. Da man sich in 
München auf das Gutachten der theologischen Faqultät in Ingolstadt berief, diese aber 
Amort's Lehre nur in zwei Punkten, worüber sie aber ein Urtheil den Bischöfen oder 
dem Papste vorbehielt, anstössig fand, so wollte dieser wirklich Rom zu einem solchen 
XJrtheile provociren und in Folge dessen den Papst veranlassen, an den Churfürsten und 
die theologische Facultät zu rescribiren, auf dass er sich nicht fQr immer des Schreibens 
enthalten oder täglich der Gefahr der Landesverweisung aussetzen müsse, wenn er künftig 
in seinen Büchern sich der kritischen Methode, die einmal in gelehrten Schriften unver- 
meidlich sei, bediene. *) Der Papst liess ihm jedoch durch Ricchini zurückschreiben 
(17. Juli 1751), es sei ihm zwar dasjenige, was in München gegen seine Bücher 
über die Agredanischen Offenbarungen geschehen sei, unlieb und er werde bei nächster 
Gel^enheit an den Churfürsten schreiben, damit er Amort wieder zu Gnaden aufnehme, 



1) 1409, 28. 

2) 1409, 60. 117. Am 16. Jani 1751 schrieb er an den Papst selbst: Adjongo 18 Ezemplaria 
Novae demonstrationis de falsitate revelat. Agredan. pro libita distribaenda. • Qaid circa boc 
opnscalnm atqne circa meam opas de revelat. gesttlm sit in Bavaria, discere Sna Sanctitas 
poterit ex censora Facnltatis theol. Ingolstadiana et ex subsecutis contra me decretis Seren. 
Electoris qaae continentnr Ih nltimis foliis acclosi hie infamis libri, merito configendi, nempe 
fol. 58. 59. 60. 61. 62. 63. Cum autem haec res potissimnm tangat doctrinam a Sna Sancti- 
tate in libro de Pestis B. Y. in editione latina § 186. 199 et 208, traditam, qaae a Facoltate 
Ingolstadiana conderonari yidetnr, precor nt Sna Sanctitas cnret examinari caasam, et qnae 
opportuna visa fnerint, rescribi ad. Seren. Electorem Bayariae et Facultatem IngoUt. theoL ; ne 
cogar ant perpetno abstinere a scribendo, ant qnotidie periclitari de relegatione ex Bavaria 
actoaliter mihi intentata in ultimo decreto Ser. Electoris, si postbac in meis libris ntor methodo 
critica ntique in libris doctis inevitabili. — In einem Schreiben an Ricchini, den Sekretär der 
Index-Congregation y. 17. Jani ej. (1. c. fol. 63) bezeichnet er folgende Sätse aus dem Gnt- 
achten der Ingolstadter theol. Facaltät: Ecclesia die 8. Decembris celebrat Conceptionem B. V. 
qaoad corpus, non quoad animam, u. credo etiam nunc eo sensu coli a plerisque festnm hoc, 
ut venerentur conceptionem rationalem, wie Amort behauptet, die Facultät aber zurückge- 
wiesen hatte. 



27 

aber die Ingolstädter Censur wolle er, wenn m auch reiflich und privatim erwogen 
werden soll, doch nicht der Index-Kongregation überweisen, weil sie nicht der Art 
dass sie mit Becht und klugerweise verdammt werden müsse. ^) 

lieber die Beichte. 

Da sich Amort angelegentlichst mit den protestantischen Lehren theils aus polemi- 
schem Interesse, theils auch behufs Anbahnung einer Wiedervereinigung der Protestanten 
mit der katholischen Kirche beschäftigte, ist es natürlich, dass er auch die Beichte 
einer näheren Untersuchung würdigte. Es sind nur wenige Aeusserungen, welche sich 
von ihm darüber erhalten haben ; aber sie sind charakteristisch genug, um sie hier zu 
erwähnen. Man sieht daraus, wie im vorigen Jahrhundert die starre scholastische Form 
auch in dieser Beziehung sich zu lockern begann. 

Schon 1741 beschäftigte Amort, der sich namentlich auch mit dem Studium der 
Kirchenväter und GescI^ichte der Kirche befasste, der Gedanke, in den ersten Jahrhun- 
derten habe die Kirche nur bestimmte Gattungen von Sünden als materia necessaria 
für die Beichte bestimmt gehabt. Und es ist ja kein Zweifel, da^is die ältere Literatur 
leicht diese Ansicht veranlassen kann. Amort legte seine Ansicht dem P. Orsi zur 
Beurtheilung vor; allein dieser verwarf sie sofort nachdrücklichst, da das Concil von 
Trient — andere Beweise führt er nicht an — damit nicht in Einklang gebracht 
werden könne. Jedoch bezeichnet er diese Ansicht nur als seine rein persönliche.') 



1) 1405, 20: Octodecim exemplaria noTae demoastrationis toae de falsitate revelat. Agredan. ac- 
cepit et grata habnit, aegre tarnen talit quae adversos dictoin opuscolam atqae aliad opas 
taam de reyelat. nnper acta faisse significasti. Censoram Ingolstadianam in duas propositiones 
ex praefatis tuis libris exccrptas matnre et privatim expendi yolnit, sed ea visa talis non est, 
quae si ad Tribunal s. Congreg. Indicis deferatnr, jure ac pradenter configi debeat atqae dam- 
nari. Qaapropter Sanctitas Saa conBoltias doxit rem hanc silentio premere, quam incerto ac 
fortaese Totis tais contrario ejosdem Congreg. jadicio committere. Hortatnr antem, at pro tua 
pmdentia atqae ea qaae religiosam scriptorem deeet moderatione ab omni contentione deinceps 
abstineas et motas adersas te tarbas patientia vincas et cliristianae pacis studio compescas. 
Kebaa vero tais pro paterna saa dementia consaltaras idem S. D. N qaa primam dabitar 
opportanitate Ser. daci Electori Bavariae te maxime commendatam faciet carabitqae officüs 
suis, at in ejas gratiam et patrociniam admittaris Haec habai qaae Sanctitatis Saae nomine 
ad te referrem. 

2) 1405, 5 (Orsi ▼. 19. Januar 1742): Qood pertinet ad taam iUam de confessione aariculari 
qnaestionem, eqaidem pro certo babeo, sententiam a te mihi propositam nailo pacto conciliari 
posse cum synodi Tridentinae de eadem confessione doctrina. Ait enira sess XIV initio cap. 
Y. ex institatione sacramenti poenitentiae aniversam ecciesiam seroper intellexisse, institatam a 
Domino integram peccatorum confessionem, et omnibns post baptismam lapsis jare divino ne- 
cessariam existere. Eam porro declarat esse integram confessioncm, qua peccata non in genere 
dumtaxat, sed in specie et singUlatim exponantar. Hanc itaqae confessionem, qua peccata in 



.« 



28 

Amort mag wohl eingesehen haben, dass die Beweisföbrang Orsi's nicht zutreffend 
sei, da er den wesentlich verschiedenen Ausdruck des Condls von Trient, die Sunden 
dürfen nicht bloss „in genere^^ gebeichtet werden, mit den Gattungen der Sunden, von 
denen Amort sprach, verwechselte ; allein Amort scheint sich doch mit dem ürtbeil eines 
einflussreichen Mannes in Rom, wie des Orsi, begnügt zu haben, da er ein weiteres Ver- 
folgen seiner Ansicht ffir aussichtslos halten musste und ihm noch kein Zweifel an der 
Oekumenicität der 16 ersten Sitzungen des Concils von Trient aufgestiegen war. 

Später hatte er den Gedanken in seiner theologia scholastica doch wieder, wenn 
auch nach einer anderen Richtung, aufgegriffen; denn die im Original vorliegende römi- 
sche Censur des II. Bandes sagt Nr. VII: Ibidem pag. 45 col. 2 docet, Christum reli- 
quisse Ecclesiae potestatem determinandi materiam, et formam sacramenti poenitentiae 
quoad speciem infimam, adeoque necessario non esse exprimendam in confessione speciem 
infimam peccatorum. Allein auch diese Gensoren weisen den Gedanken unter Hinweis 
auf das Concil von Trient zurück: Haec opinio videtur adversari Concilio Tridentino 
sess. 14 de poenitentia can. 2, ubi decernitur, necessarium esse jure divino confiteri 
circumstantias, quae speciem peccati mutant, nulla facta distinctione inter speciem sub- 
alternam et infimam peccatorum; imo cap. 5. ejusdem sessibnis docet Concilium: Sacer- 
dotes Judicium hoc, incognita causa exercere non potuisse, neque aequitatem in poenis 
injungendis servare potuisse, si in genere dumtaxat, et non potius in specie ac sigillatim 
sua peccata ipsi declarassent. Declarare autem peccata sigillatim est ea declarare in 
specie iofima. ') 

Auch hinsichtlich der Wirkung der priesterlichen Lossprecbung hatte er sich wohl 
im Hinblick auf die lange Controverse über diesen Punkt im Mittelalter dahin ausge- 
sprochen, dass die Priester durch die Absolutionsworte nicht direkt die Sünden nach- 
lassen in Anbetracht der Schuld und ewigen Strafe. Die römischen Censoren wiesen 
auch diese Behauptung zurück und brachten sie mit der 58. verdammten Proposition 
des Bajus in Verbindung,') ohne sie jedoch als häretisch zu bezeichnen. 



specie et singillatim sacerdoti declaraninr, universa Ecclesia semper intellexit, com insti- 
tntam a Domino fnisse, tarn omnibus post baptismnm lapsis jure divino neoessariam esse. 
Cum qna certe doctrina conciliari nnllo modo potest, Ecclesiam prioribos saecolLs pro maten 
necessaria tantum determinasse aliqua genera peccatoram. Qaomodo enirn aliud aliquando de- 
terminaseat ab co, qnod semper jnre divino omnibos post baptismnm lapsis necessarium 
esse intellexerit? 

1) L. c. fol. 85 sq. 

2) L. c. fol. d6: IX. Disp. V. de absolutione pag. 189 et sqq docet, sacerdotes per rerba absoln- 
tionis non remittere directe peccata, qaoad calpam et poenam aetemam; qnod nt adstruat, 
comminiscitar sensum novum formae absolutionis, et in resp. ad object. 3. ex damnata Baji 
Propos. desampta, qaae sie habet: Poenitens non vivificatur ministerio saoerdotis absolTentis, 
sed a solo Deo, ministerio antem sacerdotis solns reatns toUitar, vix se liberat, atque in omnem 
partem se torqnens nescit, qnomodo evadat. Haec sane opinio, nt ab authore proponitnr, est 
nova, valde proxima damnatis ab ecclesia erroribus, Qt pericalosa. 



29 

Inzwischen hatte Amort an der Oekamenicität der 16 ersten Sitzungen des Triden- 
tiniachen Goncils zn zweifeln angefangen, und es mag sein, dass er sich deswegen fiber 
die frfiher von Rom her auf Grund dieses Goncils geltend gemachten Oründe hinweg- 
setzen zu können glaubte. Am 3. Juni 1763 in einem Briefe an einen ungenannten 
Ordensgeistlichen (in Rom, wie es scheint) finden wir ihn nochmals mit der Beichte be- 
schäftigt. Während er den yorausgehenden Satz als seine persönliche Ansicht ganz be- 
stimmt bezeichnet, schreibt er, es als eine feststehende Thatsache hinstellend: in den 
ersten 4 Jahrhunderten wurden alle unterschiedslos ohne vorhergehende Ohrenbeichte zur 
Gommunion zugelassen, indem sie hinsichtlich der geheimen Sünden ihrer eigenen Prüfung 
and Reue überlassen wurden.^) 

Die kanonischen Bussstrafen , schrieb er , waren nur für die öffentlichen , oder 
dem Bischöfe nach vergeblicher vorausgegangener Privatmahnung denuncirten, oder noto- 
risch scandalösen Sünden auferlegt worden; auch unter Zustimmung der Büsser bis- 
weilen ffir geheime, besonders bei denjenigen, welche in ihrem Leben nur einmal eine 
generelle Beicht ablegten.') 

§5. 
Heber den Umfang der päpstlichen Gewalt. 

Aus Amort's Elementa juris canonici, welche dreimal aufgelegt wurden, ist bekannt^ 
dass er dem Papste eine jurisdictio dominativa, die er auch potestas dominativa oder 
primatus dominationis nennt, abspricht und ihm nur eine directiva zukommen lässt; ja, 
er geht sogar soweit, ihm die jurisdictio legislativa zu bestreiten. Die Regierungsform 
der Kirche ist ihm deshalb weder monarchisch, noch aristokratisch noch demokratisch^ 
denn in jeder dieser Form kommt die potestas dominativa, wenn sie auch von verschie- 
denen Subjekten getragen wird, zum Ausdruck, während in der Kirche „Alles nur mini- 
sterialiter zur Ausführung der älteren Gesetze, nämlich der Natur-, göttlichen und 
conciliarischen oder coUegialischen Gesetze, gechieht, die entweder Gott durch Natur- 
oder göttliches Recht oder der Gonsens der Kirchen oder die Gewohnheit der Völker 
allmählich als Gesetze einführte.'* Der Papst hat also nach ihm als höchstes Rechte 
wenn eine Gefahr der Häresie oder des Schisma's entsteht, nur zu rathen, bitten, mahnen 
nnd in Betreff der ihm als Patriarchen unterworfenen Bischöfe auch durch Befehl zu 
sorgen, dass Provincial-, National- und, wenn es nothwendig sein sollte, Generalconcilien 



1) 1407, 129 n. 1907, 133: 3® quia primis qaatuor saeenlis omnes indiscriminatim admittebantur 
ad Gommonionem absqae praevia confessione anricnlari snae propriae probationi et contritioni 
circa peccata occulta relicti. 

2) 1406, 180 (an Im Hof in üri): Poenitentiae enim canonicae solnm institatae faorunt pro pec- 
catifl poblicis, yel pro peccatis episcopo denuntiatis privata praevia admonitione canonica non 
emendatis, yel pro peccatis notorie scandalosis, vel ex consensu poenitentiam interdom etiam 
pro occaltis, praesertim eonun, qui aemel tantam in yita generalem confessionem deponebant. 



30 

gehalten werden ; ferner durch Mahnen, Ordnen von Synoden and, wo es dringlich erscheint, 
Droben mit der Ausschliessung aus der römischen Kirche zu wachen, damit nicht neue 
häretische Doctrineu eingef&hrt werden; endlich, wenn neue Controversen in Sachen des 
Glaubens und der Moral entstehen, Synoden anzuordnen, damit aus dem einstimmigen 
Sinne der Kirche klar und förmlich erhelle, was aus der hl. Schrift oder 
Tradition gewiss, was zweifelhaft, was zu dulden, was öffentlich zu ver« 
bieten, was unter Ausschluss aus der Kirche zu glauben oder meiden seL 
Wenn aber neue umstände neue Gesetze verlangen, so hat er mittels Synoden sich mit 
der Kirche zu benehmen, und kein allgemeines Gesetz zu geben, wenn nicht wirklich 
ein allgemeiner Assens, wenigstens stillschweigend, oder eine allgemeine lange währende 
Gewohnheit der Kirche vorausgeht') 

Man sieht, dass diese Sätze Amort*s den Primat der römischen Bischöfe äusserst 
beschränken und diesen eigentlich nur zu einem obersten Verwaltungsorgane machen, das 
Ar jede seiner Handlungen verantwortlich sein soll, was er später ausdrücklich konstatirt, 
wo er die Bischöfe gegen den Vorwarf vertheidigt, dass sie lediglich Vikare des Papstes 
«eien, die keinen von ihm unabhäDgigen Willen haben. „Die Bischöfe, sagt er, recipiren 
nicht sklavisch und blindlings päpstliche Gesetze, sondern prüfen sie, ob sie bezüglich 
der besonderen Orts-, Zeit- und Personalverhältnisse der natürlichen Billigkeit, legislativen 
Klugheit, den vorher bestehenden Canöneo, Konkordaten, Privilegien, Rechten der Fürsten, 
Sitten und Gewohnheiten einer Nation entsprechend und für das Heil der Seelen und die 
Ehrq Gottes geeigneter sind; im Zweifel aber berathen sie sich mit den Bischöfen der 
Provinz, ob sie wirklich die Bedingungen eines in seiner Natur begründeten kirchlichen 
Gesetzes haben, welches die ratio melioris und den vernünftiger Weise präsumirten 
Assens der Bischöfe als der Consyndooalen des Papstes voraussetzt. Eine solche Prüfong 
komme aber blosen Vikaren des Papstes nicht zu.^^') 

Ausserdem wollte Amort auch nicht zugeben, dass die Päpste als solche, sei es 
•eine direkte sei es eine indirekte Gewalt in Betreff der weltlichen Rechte der Könige 
und Fürsten haben ; was sie in dieser Beziehung besitzen, haben sie nur als von den Staaten 
selbst angerufeoe Schiedsrichter.') 

Amort wasste wohl, dass er mit diesen Grundsätzen überall anstossen werde, 
namentlich in Rom. Er erkundigte sich desshalb bei Ricchini, sobald er den Auftrag 
seines Bischofs halte, ein Jus canonicnm für das bischöfliche Seminar in Pfaffenhausen 
■abzufassen , ob er sowohl hinsichtlich des blosen Primatus directionis, als der Ableug- 
nuDg einer direkten und indirekten Gewalt der Päpste über das Weltliche nicht Gefahr 
laufe, censurirt zu werden.^) Es lässt sich denken, dass ihm Ricchini sofort abrieth, 



1) Elemente juris canoLici T. UI, 3 sqq. 

2) L. c. pg. 74 sq. 
8) L. c. pg. 75 sqq. 

4) 1407, 128 (t. 20. März 1758| die Jahreszahl ist wohl Yerschrieben): Me quod attinet, rolnit 
Serenissimas, nt scriberem saccinctum Jas canoniciim ad asüm Seminarii. An periclitarer de pro- 



1', 



31 

diese Grundsätze in sein Eirchenrecht aufzunehmen: sie widersprachen ja so ganz der 
römischen Doktrin und, wie Bicchini später allerdings mit Becht bemerkte, auch der 
geschichtlich feststehenden Anschauung der Päpste bei ihren hierauf bezüglichen Hand- 
lungsweisen. Die Häretiker und Politiker werden es ihm nicht glauben und den Ver- 
theidigem des römischen Stuhles wird es missfallen. Bicchini will desshalb, dass sich 
Amort an Bianchini's Werk halte. ^) Es ist immerhin anfällig, dass sich Bicchini nicht 
schärfer dagegen ausspricht und die Frage, welche ihm Amort vorlegte, ganz umgeht, 
ob nämlich die oben entwickelten Grandsätze von der Censur würden getroffen werden. 
Amort entnahm aus dieser Antwort offenbar, dass dieselben, wenn auch in Boro nicht 
gern gehört, doch auch nicht censurirt werden würden; und so erschien denn auch 175& 
sein Buch, ohne dass er Bicchinis Bath befolgt hätte. Als er diesem das fertige Buch 
geschickt hatte, kam es weder auf den Index , noch wusste Bicchini etwas Besondere» 
daran auszusetzen : den Primatus directionis berührte er gar nicht, und die Theorie Amort's 
von der indirekten Gewalt der Päpste im Weltlichen schien ihm nur nicht auf die ein- 
zelnen Fälle und Thatsachen zu passen; jedoch sollte Amort auf sein ürtheil nichts 
geben.') So erschienen denn diese Elementa juris canonici noch zweimal (zu Ferrara^ 



hibitione» si ad arcendas querelas baeretioorum et Politiconim in Prolegomenis stataerem, Summo» 
Pontifices qnoad depositiones Begiim et Imperatorem nunquam habuisse ant nsurpasse potestateia 
directam vel indirectam in jura temporalia Begum, sed eos solmn tnlisse depositionis sententiam 
per modnm Arbitri necessarii ad requisitionem Statnom regni vel imperii? 2®8i scriberem^ 
Papam ütulo primaevo missionlB, erectionis, ordinationis ac reservationis tanqnam Patriarcbam^ 
Ocddentalig gandere Primata jnrisdictioniB non solnm in totam Ecclesiam occidentalem^ 
et in PatriarcbatoB Indicos a se primitns erectos, sed etiam in patriarchatas Orientales extinctos^ 
de novo a Sede ap. erectos v. g. Alexandrinam» Antiocbenum, Jerosolymitannm ; caeteram in ec* 
clesiam Orientalem Romanos Pontifices primis saecolis tanqoam asos et praeditos fdisse Primata 
directionis hortando, Synodos dirigendo, de baeresi convictos et pertinaciter legibus ec- 
clesiaaticis resistentes, vel manifestos innocentiae oppressores a commnnione ecclesiae Bomanae 
ant totios Occidentalis exclndendo ? De hoc moneri cnpio, ne, dorn prodesse yolo Ecclesiae, ipsos- 
pericliter de censnra. 

1) 1396, 181 (12. April 1755): Circa editionem quam parat Institntionum Canonicanim ad nsnm 
Seminarii, consnlerem nt abstineret ab ntraqne controversia mihi indicata; nam sjstema qno- 
eas dirimere oogitat neqne haereticis fortasse probabitnr et Politicis, neqne Bomanae Sedis de- 
fensoribns placebit; neque vero laboris et operis dispendinm faciet, si ea ommittet qnae ab- 
solute necessaria non sunt et sine periculo vulgär! non possunt. Quod si de prima controversia 
potestatis indirectae B. P. circa Beges scribere omnino velit, conferat opera Italica P, Bianchi. 
recens edita adversus Petrum Gianoni et Bossuetum, leroque inveniet ab eo satis accurate, ner- 
TOse ac erudite discussam citra omnium invidiam et offensionem. Haec habui quae eandide et 
amice suggererem. • 

2) L. c. foL 189 (6. Nov. 1757): Elementorum Juris Canonici P. V. exeroplar inter rusticandum 
OYolTi« Plavuit mihi in primis Institutionum methodus et dispositio ad ipsos fontes exacta.. 
Dissertatio adversus P. La Borde docta est, ac nervosa. De sjstemate vero circa potestatem 
indirectam B. P. in temporalia Begum satis moderatum mihi yisum est; at vereor ne singulis 
casibus et factis aptari possit, in quibus Born. Pontifices ea usi sunt potestate, et omnibus 
probetur. Quid de illo sentiat P. Bianchi explorabo, et aliorum quoque judicia tentabo; roeo 
enim neque P. V. A. B. quidquam deferre debet. 



32 

1763, und zu Venedig 1767/) ohne dass er seine ADScbaanog verändert hätte. Dieselbe 
zieht sich auch durch die meines Wissens ungedrnckten Animadversiones ad No?am 
Systema P. La Bordii de iii&Uibilitate Ecclesiae in Materia fidei,*) wo er ja im Falle 
«iner gewaltsamen Majorisirung der Minorität eines allgemeinen Concils and eines 
Schisma's und daraus folgender Excommunikationen keineswegs auf den Papst recurrirt, 
4er ja nach seinen Elementa juris can. ebenfalls nur ein „Consy nodale'' der Bischöfe ist. 

Ebenso steht er auch noch in seiner .kleinen Schrift gegen Febronius: Epistola 
Justiniani Frobenii J. U. C. ad Gl. V. Justinum Febronium J. C.^"' de legitima potes- 
tate Snmmi Pontificis. Bullonii 1764. Auch hier bleibt Amort bei seiner Behauptung 
Ton einem blosen Primatus directorii und erklärt sich mit Febronius darin einverstanden. 
Es kann darum auch gar nicht verwundern, dass ihn Febronius für sich citirt und er 
aus eben diesem Grunde, aber erst aus ihm, von Mamachi abgelehnt wurde, worüber ich 
jedoch unter dem Paragraphen „Febronius" weiter sprechen werde. 

Wie sollte übrigens Amort über die Päpste anders denken und schreiben? Er war 
ja durch seine kirchenhistorischen Studien über den Gesichtskreis theologischer Phraseo- 
logen« wie namentlich die Jesuiten sie überall herangebildet hatten, weit erhaben und 
hatte erkannt, dass auch ein P. Gregor VII. ein „häretisches Dogma'' gelehrt 
und bekräftigt habe, indem er den Irrthum der Reordination annahm, ein Dogma, von 
•dem er hält, dass es die ganze Kirche verwirre.') 

Was aber den anderen Punkt, das Verhältniss der päpstlichen Gewalt zu der welt- 
lichen der Fürsten betrifft, so ist es natürlich, dass man nur ungern in Rom Amort's 
Ansicht hingehen Hess ; gefiel man sich dort doch noch im vorigen Jahrhundert, wo be- 
reits Eaiserwahl und -KrOnung ohne Rücksicht auf Rom vollzogen wurde, sich eine Re- 
<!Ognition vorzubehalten. So geschah es 1745 und die Recognition wurde Monate lang 
verzögert und erst nach längeren Verhandlungen mit Wien in einem Consistorium am 
15. December vollzogen, worauf dann die damit verbundenen kirchlichen Feierlichkeiten 
stattfänden.^) Und ebenso verfuhr man in Bezug auf England, dessen, nach römischer 



1) Letzere Aasgabe kenne ich nur aus einem Briefe Amort's v. 20. Febr. 1768 (1407,55). 

2) 1895,144 sqq. 

S) 1407,151: Observationes circa Acta Bonizonis: § 1. Molti ex sectatoribns et encomiastis 
Oregorii VII. docnernnt, non yalere sacramenta sacerdotnm ezcommnnicatorum, qnod non solum 
est erroneam, sed etiam haereticam. Inqnirendnm, an non etiam Bonizo in soo opere haic errori 
perturbatiyo totins ecclesiae accedat. Gerte huic eirori ipsemet Gregorius VIT, S. Anselmos 
Lucensis, Hago episcopus Baidling., dein Rothoro., ac etiam Gerhohus subscripsit. Dixi dogma 
haereticam, ntpote constanti sensni Bcclesiae per praxin continaam et universalem declarato, 
qnamyis personae hnic errori per ignorantiam, qnae Dei jadicio relinquitnr, inbaerentes , haeretici 
non fnerint . . . (Hier bricht Amort ab. Am Rande steht noch: Legantnr declaratio Gre- 
gorii Vll apnd Coletnm T. XII. f. 626 et apad Mansiam ... et Gerhohi apad Pezinm . . . 
liber contra dnas haereses, et Beminus de haeresi Reordinantinm T. 3. c. 6.) 

4) 1402,27 (v. 11. Dez. 1745): Intemantius . . . qaem neoelectns Imperator misit ad Urbem cum 
notificatione snae electionis et coronationii jam per menses se bic detinens apad Card. Alezan- 
dram Albani recognitionis Apostolicae eventnm sea effatam expectare volens, hacasqae nondam 



33 

^nnassong, wirkliche Könige in Korn residirten. Am 4. Januar 1766 meldet der Pollinger. 
Correspondent aus Rom: „Der hiesige König von England, oder sogenannte Prätendent 
Jacobus III. ist 1. Januarii gestorben: dessen Sohn und etwan darnach auch Weib und 
Eind erwartet man mit nächstem/*^) und am 25. Januar schreibt derselbe: „Den 23. 
dies etwan um 1 IJhr in der Nacht (wälsche ühr) ist der sogenannte Principe di Galles 
sive filius ultimo defuncti Kegis Ängliae Jacobi III. Prätendentis hier mit 4 Kutschen 
angekommen. Dicunt circa ipsum aliqua particularia , sed forte non sat certa; meines 
Erachtens ist Er a Sede Apostolica noch nicht vollkommen declarirt, et agnosciret als 
Successor, Bei Angliae, Scotiae etc/*^) 

§6. 

lieber Concillen. 

Im 15. Jahrhundert, in welchem das Schisma die Veranlassung wurde, die Grund- 
lagen der Kirche zu untersuchen, wurde denn auch die Anschauung über \lie Concilien 
Gegenstand der Erörterung. Es ist bekannt, dass die Concilien von Constanz und Basel 
decretirten, dass auch die Päpste, wie jeder Gläubige, in Glaubenssachen unter einem 
allgemeinen Concile stehen; dass aber gerade deshalb beiden von Rom aus, sobald es 
die Umstände ermöglichten, die Oekumenicität bestritten wurde und man in Born nichts 
mehr fürchtete, als ein allgemeines Concil. Obwohl nach einem Beschlüsse des Concils 
von Constanz die Päpste verpflichtet waren, nach je zehn Jahren ein Concil zu berufen, 
und dieselben der deutschen Nation die Erfüllung dieser Pflicht concordatmässig zuge- 
sichert hatten, so konnte, nachdem das Concil von Basel itom so wenig befriedigt hatte, 
dieses nichts mehr bewegen, in der Folgezeit nochmals ein solches Experiment zu wagen. 
Es hatte sieh allerdin-^a eine Partei von „Conciliisten*' gebildet, welche die Päpste zur 
Erfüllung ihrer Obliegenheit zwingen wollten; allein Rom hatte sich bald wieder ge- 
kräftigt und war stärker als diese Partei. Gleichwohl kam es zu einer definitiven Fixi- 
niDg der Theorie von den Concilien nicht; nur ist der Versuch beachtenswerth, auf die 
rein curialistiscbe Anschauung, nach der der Papst auch gegenüber einem allgemeinen 
Concil Alles ist, hinüberzulenken, so dass selbst Männer, wie Turrecremata und der 
bl Antonio von Florenz, ihre frühere Anschauung aufgaben und Vorläurer der späteren 
jesuitischen wurden. Auf dem Concil von Trient geriethen freilich beide Anschauungen 
bart aneinander; allein in der Noth der Zeit, welche das Concil allmählig Rom voll- 
ständig auslieferte, siegte schon in Trient, thatsächlich wenigstens, die curialistiscbe An- 
schauung. Nach dem Schlüsse dieses Concils hatten die Jesuiten nichts Nothwendigeres 



secntae, ita ut discedere volacrit, persuasüs tarnen adhuc in Ürbe usqae ad reditam cursoris tarn 
ab ipso, tum abanla Romana jam die 17. Novembris YieDDam expediti, neatro hucnsque adbuc 
redeunte. 
1) L. c. fol. 23 (V. I.Jan. 1746): . . .die 15. oct. cebratom Consistorium pro recognitione Oaesaris et 
die 16. in Capeila Papali desuper celebrata missa gratiarum actoria cnm hjmno Ambrosiano, ac 
die 17. Dec. in ecclesia national! ad animam et die 22. ej. in ecclesia florentinomm conti- 
nnato devoti publica, quarnm occasione fostivitatiim Tribanalia fuerunt impedita. 
2. L. c. fol. 370. 372. • 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wies. XIII. Bd. II. Abth. 5 



34 

zu thuDy als auch die Theorie von den Concilien im römischen Sinne znm Abschlösse 
und zur Aofnahme bei den katholischen Völkern zo bringen. Bellarmin i^t dafftr ein 
olassischer Schriftsteller geworden and das Unterrichts- Monopol, welches die Jesniten fast 
überall zu erringen wossten, wnrde aufs sorgfältigste aosgenfltzt, dessen Behanptangen 
zu verbreiten. Von ihnen lebt man heute noch: sie sind geradezu zu Schlagworten ge- 
worden und mit ihnen, ohne ihren Werth weiter zu untersucheui operirt man, und zwar 
nicht bloss auf römischer, sondern auch vielfach auf protestantischer Seite. 

Wo sich freilich noch eine theologische Wissenschaft unabhängig von den Jesuiten, 
wie in Frankreich, behaupten konnte, da wurde gerade auch diese Theorie Ober die Cod- 
cilien bekämpft; ebenso da, wo man sich wieder mehr der kritischen Methode zuwandte 
und von der Jesuitentheologie zu emancipiren anfing, wie es bei unserem Amort der 
Fall war. 

Anderswo zeige ich,') wie Amort durch seine Studien über das Concil von Trient 
an dessen Oekumenicität, wenigstens hinsichtlich der ersten 16 Sitzungen, zu zweifeln be- 
gann und darauf die sanguinische Hoffnung einer Wiedervereinigung der Protestanten mit 
den Katholiken baute. Die Wirren, welche in Folge der Bulle Unigenitas des Papstes 
Clemens XL in Frankreich und den Niederianden ausbrachen, mussten ebenfalls jeden 
Theologen zum Nachdenken auffordern. Wir kOnnen nun Amort ziemlich genau ver- 
folgen, wie er in dieser Beziehung die kirchliche Anschauung festzustellen versnebte. 
Es ist jedoch dabei nicht zu übersehen, dass er selbst eine sehr bedeutende Wandlung 
durchmachte. 

Noch 1756 hält er an Bossuet fest, der nach seinen nachgelassenen Werken I, 
177 f. Leiboitz dadurch ad absurdum geführt habe, dass er deducirte, es kOnne fernerhin 
kein Concil, und ebenso auch nicht die Schrift, für eine Regel des Glaubens gehalten 
werden, wenn das Concil von Trient aus dem Grunde als Regel des Glaubens zurück- 
gewiesen werde, weil es eine Frage nach einer historischen Thatsache sei, ob es Ökume- 
nisch, ob gesetzmässig berufen, ob frei etc. gewesen sei? Die nämliche Frage konnte 
man auch über die früheren Concilien auf werfen.') 



1) Ueber Wiedervereinigung der Protestanten mit der lOm. Kirobe. 

2) 1407, 102 f. Amort an von Oefele in Manchen, 26. Aug. 1756: Quam pemitiosoB vero dncat ad 
ezitna eoeca illa obstinatio, abrogandi decretis Snmmonun Pontificum vel Conciliomm nniTernm 
receptis fidem ecciesiasticam circa qoaestiones facti doctrinalis, eleganter oetendit Bossnetins in 
operibQs postamis T. J. foL 177 etc , nbi Lenbnizinm ad hoc absordom deducit, nallom amplins 
conciliam (adeoque nee scriptaram) pro regola fidei haberi posse, si ex eo Concilinm Triden- 
tinnm pro regnla fidei recnsari possit, qaod pertineat ad qnaestionem fieusti, an sitoecamenicam? 
an legitime congregatnm? an liberum? etc. Eadem enim qaaestio de omnibns anterioribas 
concilÜB formari indefinibiliter poterit. Imo etiam qoaeri atqne ad «^aestionem ÜEicti ex honun 
mente indefinibilis referri poterit, an nunc terminns consnbstantialis, Deipara, Per* 
8ona etc. snmatnr ab Eccleeia in sensa per conciliam Nicaennm, Constantinopo- 
litannm, Ephesinnm intento. ^ 



35 

So spricht man jedoch nur, so lange man einer so wichtigen Frage entweder selbst 
noch nicht näher getreten ist oder dieselbe vom scholastischen Standpunkt irgend eines 
fertigen Systems behandelt; sobald man sie hingegen an der Hand der Geschichte be- 
trachtet, wird sich auch die Antwort anders gestalten und man mehr oder weniger auf 
den Standpunkt des 15. Jahrhunderts, wenn nicht der alten Kirche zurückkommen. 
„Für jetzt (1756), glaubte Amort, könne er diese Fragen Paris und Rom überlassen/^ 
Es währte nicht lange und er musste auch dieser Frage näher treten. 

Ueber einen Punkt war er, wie es scheint, schon früher zu einer feststehenden 
Anschauung gelangt. Denn schon 1753, als er ein Qutachten über Loen ab&sste, 
sprach er sich dahin aus, dass die wahre Kirche nie im Glauben und Kult irren werde. 
Das gelte aber nur von der ganzen Kirche, und man müsse annehmen, zum 
wenigsten geschehe das von der ganzen Kirche irrthumslos, was nach reiflicher Dis- 
cussion von allen auf einem allgemeinen Concil versammelten und nicht wegen Oppo- 
sition gegen den Glauben und Kult der älteren Kirche freiwillig oder gezwungen vom 
Leibe der Kirche getrennten Gliedern geschehe.^) Diese Anschauung hielt Amort auch 
später noch fest, als er 1759 bei der Vorbereitung seiner Anecdota Tridentina sich ge- 
nOthigt sah, die frühere Anschauung von der ündiskutirbarkeit des ökumenischen Cha- 
rakters eines Concils gegenüber den ersten 16 Sitzungen des Tridentinums aufzugeben. 
Während nämlich die Cnrialisten, z. B. Bellarmin, die ganze Autorität eines allgemeinen 
Concils in den Papst verlegen, ob dieser es bestätigt und fär allgemein erklärt bat, 
liegt für Amort der Schwerpunkt in der Zustimmung und Unterschrift der Bischöfe. 
Haben die französischen und mehrere andere Bischöfe die ersten 16 Sitzungen des Tri- 
dentinums wirklich nicht unterschrieben, so sind sie, obwohl sie der Papst als ökume- 
nische bestätigte, dennoch nicht ökumenisch, ihre Beschlüsse, als keine Glaubenssätze, 
anfechtbar. Auch nur durch Beitritt der übrigen Theile der Kirche, nicht etwa bloss 
des Papstes, wie die Curialisten wollen, können darum sogar Partikularsynoden den 
Charakter von allgemeinen erlangen, jedoch muss der Beitritt zweifelsohne durch authen- 
tische Akte, z. B. Synoden, geschehen.^) Amort musste schon deshalb bei dieser An- 



1) 1408, 76: 4^ Ex hac promissione conseqaitnr, illam religionem sea ecclesiam, qnae aliquando 
Tera extitit, nnnqnam erratnram in fide et ciiltn. 5® AHeoque fore infaliibilem in eraendis ex 
scriptara lis veritatibns, qnae ex propositionibus revelatis coDDexione necessaria cTidentissime 
ab ecclesia NB. tota emantnr. 6^ Censendnm vero est, ad minirnnm illud fieri a tota 
eeclesia, qnod fit post mataram discnssionem ab omnibns ecclesiae membris in concilio gene- 
rali congregatis, necdom propter evidentem oppositionem ad fidem et cultum anteriorls ecclesiae 
a corpore ecclesiae sponte vel coacte praecisis. 

2) 1407, 92, vom 26. Jani 1760: Placet, qnod Concilia, ex nnmero Episcoponim snbscribentiam 
necdnm satis oeenmenica, circa res fldei authoritatem atqne etiam denominationem oecomenicam 
obtinere possint per ipsam accessionem (band dnbie actis antbenticis v. g. Synodomm particu- 
larinm declaratam) reliqnamm partfcm Ecclesiae. Id plane conforme meis prinoipiis traditis 
de Fide, disp. 1 qu. 4. 

5* 



Ko.K»K «^<i ^ ^^^^^ S^^ wasste, dass dem Papste keineswegs von der 

^^ ' ^ V «.»s .»'«^ ^^^^^ ^^ Prüfung und dem Votuna der Bischöfe unabhängige Un- 

^^ ^ «^«cv^HVvlMtt werde, vielmehr die Lehre des französischen Klerus dieselbe 

^^« -«.NvvU > aw^r auch der Bulle Unigenitus so hartnäckigen Widerstand leiste.^) 

"" ^ **.u ^v«r der Ansicht, dass Papst Benedikt XIV. durch sein Breve Solli- 

x.«.\>«>* W*Ks BQcher, welche die 4 Propositionen des gallikaniscben Klerus von 

\^^ . K, w^. tu proacribiren.") 

..I» Jx^Hv^ 1754 erschien aus dem Nachlasse des Oratorianers La Borde in zwei 
X4< ^«'^N^ ^^^^^ ^^^^^ Auflage seiner Schrift de infallibilitate ecclesiae in materia fidei^) 
svv^'» ^^^^ t^vilie Unigenitus. Der oberflächliche, von den Jesuiten zugerichtete theolo- 
...>s^ Stiimipunkt ist mit solchen Schriften natürlich sogleich fertig: ein selbstbewnsstes 
V^^h^hH'h^u «erspart die Mühe, über die wichtigsten Fragen nachzudenken oder gar aus 
^(>^ Uo)«ohiohte der Kirche die richtige Antwort zu finden. Nicht so Amort. Dieser 
\>(vhut^t0 vielmehr der Schrift La Borde's eine ganz besondere Aufmerksamkeit und ver- 
|\^MHt(» MOgar eine 6egenschriil/j welche jedoch meines Wissens nicht gedruckt wurde. 
\\\^ Frage, welche La Borde u. A. aufgeworfen hatte, war: Wie steht es, wenn auf 
«linom allgemeinen Concil eine Majorität die Minorität unterdrückte, excoromnnicirte und 
(l^n Glauben' verdunkelte? Nach jesuitischer Doktrin und den darnach gebildeten, auch 
Kagenwärtig gültigen, Schlagworten wäre zu antworten : die Frage ist vorweg falsch ge- 
HtoUt; die Wahrheit ist auf jener Seite, auf welcher der Papst steht, sei es die Majo- 
rität oder Minorität, die andere Seite hat sich dann einfach dem Papste zu unterwerfen, 
wenn man nicht von der Kirche abfallen will; oder man beruft sich auf das angebliche 
Wort St. Augustinus: Roma locuta, causa finita est, oder: wo der Papst, da ist die 
Kirche. Dagegen meinte La Borde: in einem solchen Falle habe man sich an die alte 
Kirche zu halten, und es stimmt dies mit dem Grundsätze des Vincentius von Lerinum 
im Allgemeinen überein ; nicht dieser Ansicht ist Amort, indem er, ohnehin nicht gut 
auf Vincentius von Lerinum zu sprechen,^) in dieser Aufstellung ein Reknrriren auf 
eine unsichtbare Kirche erblickt; vielmehr sei ja, und insofern hat er vollkommen 
Recht, noch der von La Borde übersehene Mitttelweg gegeben/) dass man sich an den 



1) 1407, 103: Die Appellanten haben drei GrQnde gegen die Bulle Unigenitos: 3^ quia tendit ad 
stabiliendam infallibilitateni Poptificiam independcntem ab examine ac voto episcopornm, qnae sen- 
tentia dacit ad dao priora gravamiba (1) dass man auch schon aus Furcht vor einer unge- 
rechten Excommanlcation seine Pflichten nicht erfüllen dürfe, 2) dass die Bulle eine politische 
Bedeutung habe), et repugnat doctrinae cleri Gallicani. 

2) Eiern jur. can. III, 527. 

3} Der Titel lautet eigentlich: Du temoignage de la y^rit^ daos TEglise. 
4) 1895, 144—173: Animadversiones ad noYum Systema P. La Bordii de infallibilitate etc. 
5> 1407, 22, V. 28. Febr. 1758. 

6) 1895, 186 f. : Nam posito, quod major Ecclesiae pars minorem oppHmat, et excommunicet fidem- 
qne oflTuscet, sicut in Concilio Ariminensi contra partem minorem catholicam contigit, non eo 



37 

Sinn, ivL8 JlexxgmsQ und Urtbeil der gegenwärtigen Kirche halte, welche ja doch noch 
in irgend einem hierarchischen, mit irgend einem Haupte vereinigten, von Furcht und 
Fesseln freien Körper erhalten sei. Weil aber ein solcher hierarchischer Körper ein 
beacbtenswerther Theil der Kirche ist, so ist es gewiss, dass es ohne dessen Beitritt 
kein allgemeines Concil geben werde, der andere Theil sich keine Infallibilität anmassen 
könne, sondern der neu entstandene Streit bis zu einem allgemeinen Concil oder bis zu 
einer Definition des obersten Hauptes, zu dem der Consens der Kirche komme, unent- 
schieden bleiben werde. Würde aber während dieser Trennung des hierarchischen Körpers 
in zwei Theile der eine den anderen unter dem Titel excommuniciren, weil er behaup- 
tete, die Autorität des allgemeinen Concils sei auf seiner Seite und daher müsse der 
gegnerische, besonders der kleinere Theil, ihm in Sachen des Glaubens und der Sitten 
gehorchen, so wäre diese Behauptung bezüglich des Glaubens frifol, ungerecht und 
nichtig» da eine neue Definition in Glaubenssachen nur nach dem Zengnisse und ürtheil 
der ganzen, mit der älteren und unter sich geeinigten Kirche statthaben kann. Von 
einer Unfehlbarkeit des Papstes ex 3ese, non autem ex consensu ecclesiae, wie sie am 
18. Juli 1870 festgestellt werden wollte, kann da ohnehin nicht mehr die Rede sein. 
Aber Amort kommt auch noch auf die quaestio facti oder juris controversi, z: B. ob ein 
Papst erwählt sei? ob er wirklich etwas definirt habe ohne die nothwendige Prüfung, 
ohne die vorausgehende Berathschlagung und die nachfolgende Zustimmung der Kirche? 
ob er mit seinen Anhängern den Kaiser richtig disponirt habe? ob ein Concil, welches 
von sich behauptet, ein allgemeines zu sein, ein solches wirklich sei? Sollte, sagt er, 
aus einem solchen kontroversen Titel ein Theil des hierarchischen Körpers, sei es die 
Majorität oder Minorität, den puderen Theil excommuniciren, so müsse man, so lange 
die Sachlage noch nicht klar ist, das ürtheil über die Gerechtigkeit der Theile Gott 
fiberlassen, der den unbesonnen ein Schisma provocirenden Theil verurtheilen wird.*) 



ipso btatim sequitnr, ad evidentiam prlvatam facti de sensu anterioris Ecclesiae confngfendam 
esse, qaia datur via media confugiendi ad sensum, testimoniaro, et jadicinm praesentis Ecclesiae 
adhuc coDservatae in corpore aliquo hierarchico, unito cam aliquo suo capite, a metu et vin- 
cnlis libero Cum enim eJDsmodi corpus hierarchicum sit notabilis pars Ecclesiae, certum est, 
nullum fore generale Concilium sine ejus accesso, adeoque nee infallibilitatem ex alterius parte, 
sed litem noviter ortam mansuram indecisam usque ad generale concilium, vel definitionem 
Supremi Capitis, cui consensus Ecclesiae accesserit; et si interea durante divisione duorum 
corporum hierarcbicorum una pars ezcommunicet alterara eo titulo, quod autoritatem concilii 
generalis ex sua parte praetendat, cui proin pars adversa, praesertim minor, in rebus fidei et 
morum obedire teneatar, ea praetensio quoad res fidei frivola, injusta et nulla est, cum nova 
definitio in rebus fidei nequeat fieri nisi ex testimonio aut judicio totius Ecclesiae unitae cum 
priori Ecclesia et inter so. 
1) L. c. fol. 169 : Dixi, eo titulo, quod autoritatem generalis concilii praetendat. Si enim' ex aüo 
titulo fundato in quaestione facti, Tel in qaaestione juris controyersi, v. g. an Pontifex sit 
electas an recte quidpiam definierit, sine debito examine, sine praevia consultatione et snbse- 
qua assensione Ecclesiae? an ipse cum suis adhaerentibus lecte disposuerit Imperatorem? an 



I 

i 



88 

H\B ferner die Ungerechtigkeit des einen Theiles noch nicht von dem vereinigten Körper 
der Kirche nach der nothwendigen Prüfung erklärt ist, kann thatsächlich auch in der 
Oianbenssache nicht der eine Tbeil des getrennten KOrpers etwas regeln ; aber dennoch 
seien einseitige Definitionen und Ezcommunicationen in Betreff von Glanbensartikeln als 
gleichsam von einem incompetenten Richter aasgegangen mit Respekt anfranehmen ; aber 
uar von denen unter die Obedienz dieses Theiles Gehörenden zu beobachten. Dieses 
„Recht des Schisma^s^^ fuhrt Amort dann ans, stehe aber nur dem hierarchischen Körper, 
nicht, wie La Borde will, den Schustern und Schneidern etc. zu.^) 

Die Frage hat Amort allerdings nicht behandelt: wie es dann zu halten sei, wenn 
das jus schismatis von der vergewaltigten Minorität nicht geltend gemacht wird, 
sondern sich diese der gewaltthätigen Majorität ohne Weiteres ffigt? Er hielt offenbar 
einen solchen Fall nicht fQr. möglich, da er ja voraussetzt, dass es immer noch irgend 
einen hierarchischen Körper geben werde, der sich nicht „aus Furcht^' seines ,jus schis- 
matis^^ begeben werde und an den man sich dann halten könne. Gleichwohl deutet er sehr 
deutlich an, dass, wenn auch dieser „Mittelweg^^ nicht mehr möglich sei, man allerdings 
sich an die alte Kirche halten mösse; denn er polemisirt gegen La Borde nur nach 
der Richtung, dass dieser bei einer Majorisirung der Minorität auf einem allgemeinen 
Concil „sofort^^ mit üeberspringung des Mittelweges an die alte Kirche appellire.') 

Mit einigem besseren Wissen, mit Ruhe und Besonnenheit wäre die g^enwärtige 
kirchliche Calamität zu vermeiden gewesen, da es ja nur galt, die Nichtökumenicität 
des vaticanischen Concils zu behaupten. Hierbei will ich nicht unerwähnt lassen, dass 
der Exjesuit Stattler in Ingolstadt in seinen Vorlesungen, um die Ehre des Honorins I. 
und damit auch der Päpste Oberhaupt zu retten, die Oekumenicität des VL allgemeinen 
Concils bestritt.*) 



concilium, qnod se generale esse praetendit, reipse sit oecmnenicam ? Si ex ejasinodi, inquam, 
titulo controverso anum Ecclesiae corpus hierarchicoro, sea minus sea majns faerit, altemm 
excommanicet, re nondam liqnida jndiciam de jastitia partiam relinqaendom est Deo, qoi oon- 
demnabit partem temere inducentem schisma; qnamdia aatem ea injastitia alterias partis nee- 
dam est declarata a corpore anito Ecclesiae post debitnm examen, revera necdum in materia 
fidei ab ana parte corporis scissi regnlari qaidqnam potest: sed definitiones et excommoni- 
cationes unilaterales circa articulos fidei tanquam ab incompetente controversiarum judice pro- 
fectae cum reverentia recipiendae sunt Si autem ab alterutro corpore hierarchico sie scisso 
pendente justitia partis eduntur decreta in profectum fidei certae, vel morum, ea a constitntis 
sub obedientia partis observanda sunt. Haec ordo moderatae sapientiae praeseribit. 

1) L. c. fol. 170: At yero Bordius jus schismatis etiam lippis et tonsoribus, sutoribus et 
sartoribus etc. 

2) . . . non eoipso statim sequitur, ad evidentiam privatara facti de sensu anterioris Ecclesiae 
confugiendum esse, quia datur via media ... 

8) P, Seb. SeemUller an Propst Franz Tdpsl v. 31. März 1775: Idem hie R. D. Professor (Stattler) 
nuper primum de oecumenicitate Concilii Constantinopolitani III., generalis VL, in quo dam- 
natus est Honorius I. S. P., discipulis suis — qui fere omnes £x-Jesuitae .sunt — dnbium 
movit, addens, hanc suam doctrinam, utpote quae contra communem theologorum esset senten- 
tiam, propalandam haud esse. Beichsarcb. 1. c. N. 145. 



39 

§7. 

Ueber Concordate (nnd Yermund Ton Lochstein). 

OewOhnlich fasst man, wenn von Goncordaten die Bede ist, nur diejenigen ins Ange, 
welche mit dem Papste abgeschlossen worden sind. Allein damit ist der Gegenstand 
keineswegs erschöpft. Es gab ja auch Concordate , welche ein Landesfürst mit sämmt- 
lichen oder mehreren oder auch nar einem der im Lande Jurisdiktion besitzenden Bischöfe 
abschloss, wie dies z. B. in Bayern der Fall war 1583 und 1684.^ Jene bezogen sich 
auf eine ganze Nation und die in den allgemeinen kirchlichen Beziehungen zu Bom 
liegenden Punkte ; diese hingegen auf die innerhalb der Jurisdiktion der Bischöfe liegen- 
deUf welche vor dem Zusammenbruch des alten deutschen Beiches freilich eine viel grössere, 
sowie die Stellung der Bischöfe überhaupt eine viel selbstständigere war. So finden wir 
denn in den früheren bayerischen Goncordaten Gegenstände, über welche jetzt kein Bischof 
mehr unabhängig von Bom mit einem Staate ein Concordat schliessen könnte, z. B. über 
die Wahl und Bestätigung der Prälaten, über Delikte und Strafen geistlicher Personen, 
über die Ck)llation kirchlicher Beneficien, die Personen und Güter der Geistlichen, deren 
Testamente, Ehesachen. 

Daraus ergab sich denn auch eine ganz andere Auffassung hinsichtlich der Con- 
cordate. Man dachte in kirchlichen und weltlichen Kreisen keineswegs sofort, wenn 
etwas zu regeln war, an Bom, als ob nur dieses mit Um- oder üebergehnng der Landes- 
bischöfe Concordate mit den Fürsten schliessen könnte. Wir erkennen dies genau aus 
den Aeusserungen Amort's über diesen Gegenstand. 

Gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts schon sah man geistlicherseits ein, dass ein 
starker Sturm gegen die geistlichen Vorrechte sich zusammenziehe, und die römische 
Curie fand es fQr gut, mit äusserster Vorsicht zu verfahren, um ja die Bechte der Fürsten, 
sogar in geistlichen Dingen, nicht zu verletzen.') Allein der Sturm war nicht mehr zu 
beschwichtigen. Auch Amort^s Aufmerksamkeit entging diese Lage der Dinge nicht. 
Er glaubte nach seinen Druckschriften allerdings, dass die Klagen der Staatsmänner und 
Politiker noch beseitigt werden könnten, wenn man sich an die bestehenden Concordate 
hielte, aber eben so sehr auch die Bechte und Privilegien der Fürsten respektirte. Er 
ging sogar so weit, dass er z. B. den recursus ab abnsu, das Verbot, dem gemeinen 
Wohle oder den Bechten der Fürsten präjudicirende Propositionen zu lehren, den Fürsten 
einräumte') und behauptete, die Bischöfe hätten die Befugniss, päpstliche Gesetze zu 
prüfen, ob sie nicht blos den Canones, sondern auch den Goncordaten, Privilegien, Bechten 
der Fürsten, den Sitten und Gewohnheiten der Nation entsprechen/) aber in seinem 



1) Amort, Elementa jnr. can. III, 880 sqq. 

2) 1406» 144 (▼. 20. Nov. 1751): . . . Curia Bomana est valde canta, ne involet jara Principam» 
esto agatur de re spirituali pro sola conscientiae indemnitate servanda. 

8) Elementa jnr. can. III, 525. 
4) L. c pg. 75. 



1 1, 

t 



I , 

I 

'» 



40 

haüdscbriftlicben Nachlass finden wir doch die Furcht aasgedrfickt, dass auf diesem 
Standpunkte nicht Alles mehr ausgeglichen werden könne. 

1752 (4. April) schreibt er schon, dass er Qber die Gränzen der kirchlichen Im- 
munität nachdenke, die einer neuen Regulirung bedürfen, aber durch immer daaernde 
Concordate der Kaiser mit dem Klerus und der deutschen Nation, also durch ein Reichs- 
konkordat, auf dessen Abscbliessung Rom gar kein Einfluss gestattet werden sollte ; denn, 
setzt er zu noch grösserer Deutlichkeit bei, wenn die Bischöfe eine gemeinsame Ange- 
legenheit daraus machen wollten , so würden seine Vorarbeiten für einen durch sie zu 
delegireuden Syndicus brauchbares Material bieten. ^) Krst als Amort bei seinen Studien 
auf die Wahlkapitulation des Kaiser Franz I. stiess, worin sich dieser verpflichtete, mit 
dem Papste zu verhandeln, um alle Streitpunkte zwischen Bischöfen und Fürsten zu 

« 

vergleichen, da dachte Amort an den Abschluss eines Reichskonkordats mit dem Papste 
und schrieb er den mit den einzelnen Bischöfen abzuschliessenden Concordaten nur einen 
interimistischen Charakter bei, eine Wendung, welche übrigens nur durch die Reichs- 
politik war herbeigeführt worden. 'j 

Der von Amort vorgeschlagene Weg war aber ein viel zu weitläufiger, um so mehr 
als z. B. gerade in Bayern unter Kurfürst Maximilian Joseph ill. nicht ohne sein eigenes 
Zuthun zunächst ein literarischer Kampf gegen die geistlichen Vorrechte eröftnet wurde, 
dem bald einseitig, d. h. ohne sich weiter um eine vorausgehende Verständigung mit 



1) 1408, 68: Interea cogito de limitibos imonitatis ecclesiasticae , non ex meris privilegiis 
principnm, sed ex perpetaia Concordatis Imperator am cum clero et natione Germaniae 
regnlandis, nt, si placuerit Episcopis uostris causam conainanem institoere, meletemata haec mea 
servire possint perito alicui votis coramanibus dclegendo syndico 

2) L. c. fol. 69 : Cum bis diebas in Capitalationibus, Concordatis et Constitationibus Imperatorain, 
an noo deprehendi possent loca faventia immunitati ecclesiasticae, incidi in locum optatissimum, 
in qnj modernns Imperator Franciscus I se obligat ad tractandoro com Sammo Pontifice pro 
complanandis Omnibus casibns circa jarisdictioneni ecclesiasticam Episcoporum et civilem domi- 
norom temporaham dnbiis. Textaa reperitor in Capitulatione tarn Francisci I quam CaroU VI, 
nempe mariti et Patris Beginae, Capit. art. 7. § 5. Hie textus posset a cl. Mayrio ostendi ex 
libris S^renissimo, et exinde sumi occasio, scribendi tarn Impcratori quam Keginae ad effeotam 
committendi Praefecto Burgav. et Regimini seu Repraosentationi Oenip., ut cum Commissariis 
Episcopi Augnatani pacifice juxta aequum et bonum transigant circa casus et niodos juris- 
dictionis dubios (18. April 1752). — Fol 70: Quid si etiam hoc nomine per Oancellariam Im- 
perii comendaretur Augustissimo et Augustissimac vota nostri Serenissimi pro obtinendo Inter- 
imisticoConcordato, usque dum plena executio commode eftici queat articuli decimi 
quarti § 5. Capitulationis perpeluae, juratae a Carolo VI et Francisco I? Quid si mediante 
Cancellario Im perii colligeretur Corpus Concordatorum Episcoporum Germaniae cum 
Principibus conterminis, ut illud Corpus serviat in praeparationem pro ineunda generali vi illius 
articuli 14 Concordia? Cogitavi de bis aequo finibus; legi non pauca; prae Omnibus placuit 
Concordatnm Ducis Bayariae initum in Concilio Provinciali Bavariae 1588 intervenicnte Nuntio 
Apostolico cum Episcopis constitutis sub Metropolitano Salisb., ubi forte notari merentur Ducis 
clansulae, fundatae per soriem continuaro in Capitularibus Begum Franciae, a quibus descendunt 
et Duces Boici et observantiae Boiariae ac Austriae (10. Mai 1752). 



41 

den Bischöfen oder dem Papste zu kümmern, eine Reibe landesherrlicher Erlasse in 
gleicher Richtung folgte. Anfanglich glaubte man allerdings, dass es nothwendig. sein 
werde, dass die Bischöfe die literarischen Angriffe nicht gleichgültig hinnehmen dürfen ; ^) 
allein was man thun solle, wusste man nicht. Vor Verhandlungen zur Erlangung neuer 
Goncordate fürchtete man sich: die neuen Principien, welche man zur Geltung brachte, 
liessen das Schlimmste ahnen, und so meinte man, am besten würde man bei dem bis- 
herigen Stand der Dinge stehen bleiben und die Beobachtung desselben auch Seitens des 
Kurfürsten verlangen,') wobei jedoch der Umstand interessant ist, dass man noch immer 
daran festhielt, in diesen wichtigen Punkten seien zunächst die Bischöfe diejenigen, 
welche Goncordate mit den Landesfürsten abzuschliessen hätten. Als dann aber gar unter 
dem Namen Lochstein von Peter von Osterwald 1766 die Schrift erschienen war: „Gründe 
sowohl für als wider die geistliche Immunität in zeitlichen Dingen,'^ sowie andere ähn- 
liche Bücher, da kam auch Amort auf blose Gommissionen , die eine Verständigung an- 
bahnen sollten, zurück, und glaubte, dass Allem dadurch begegnet werden könnte, wenn 
man die Akten der feierlichen Vereinbarungen entgegenstellen würde.') Anderswo spricht 
er von den nothwendigen Reformen der deutschen Kirche und bezeichnet als zweiten 
Punkt: Gränzbestimmung der kirchlichen Immunität in Bayern, ind^m 1) durch die 
Bischöfe ein Katalog der Beschwerden, 2) specielle Rechte vom Ghurfursten verlangt und 
3) Goncordate errichtet werden sollen; aber ein Nationalconcil müsste die Materie erst 
vorbereiten.^) Ebenso wenig dachte der Abt Frobenius von St. Emmeram in Regensburg 
an den Papst, sondern ebenfalls nur an die Bischöfe, welche etwa durch Gonferenzen 
einen Weg finden sollten, den Kurfürsten auf andere Gesinnung zu bringen.^) Und gegen 



1) So der Generalvikar Seitz von Angsburg, ein Schüler Benedikts XIV, und von diesem sehr 
gerühmt. 1406, 50 v. 29. Nov. 1754 schreibt er an Amort : Noverit dissertationem periculosissimam 
de jure regio Bojariae Moaachii editam, qnae motns plnrimos ciet; conatnr enim 
stabilire Potectatnm et Suprematnm etiam in Ecclesiasticis, eumqne tarn amplum» ut 
fipiscopis potestatem omnem in Bavaria abjadicet, nisi in qnantam per Concordat» yelut in 
Gonsortinm aliqaorom dantaxat negotiomm faemnt admissi, regnla stante pro Electore, et pro 
Episcopis tantam ezceptione regulae ; praelaserat his alins innominatns qnidem , jaotn» tarnen 
aactor in sais animadyersionibns ad Jus Bavaricam, qni pariter variis in locis jarisdictionem 
episcopalero vehementer affligit; qaae omnia aeqao aniroo ferro non poteront Episcopi. 

2) Derselbe an denselben v. 11. Febr. 1755 fol. 53: Quodsi nunc novis Concordatis mannm praebere 
vellemos, profecto, uti pessima nnnc principia invalüerant, ronlta forent in odinm nostrom de- 
torqnenda contra obserrantiam aeque ac Conoordiam dadum initam, qui snnt duo cardines nos- 
tromm jnriam. 

3) 1408, 107 (t. 1. Juli 1766): An non ezpediret, omnes qnerelas particalariam complanare per 
Commissiones particalares ? et libro Mbnacensi nil aliud opponere, quam acta Compaciscationum 
solenninm? 

4) 1837, 156. 

5) 1405, 209 (v. 29. Okt- 1766): Es sei falsch, dass er gegen Lochstein schreiben wolle. Immo 
rem istam ita comparatam esse ezistimo, ut inutUe, si non nocivum futurum sit, quidquid ad- 

Abb. d. JII. GL d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. II. Abth. 6 



42 

FebronioB' Anklagea gegen Rom selbst wusste Amort sGhliesslich in seiner Epistola an 
jenen ^) nichts Weiteres za sagen t als dass dieselben endlich durch Convente des 
deutschen Cierus, allerdings in Oegenwart^ nicht aber unter Vorsitz oder mass- 



Terras systema Löchsteinii seriptiB pablicifl machinatam fderit. ConcertatioDeif hniosmodi jora 
Ecclesiae ac statns concernenteg , nanqnam dispntatioiiibiia, sed semper deervüs ant coocordatis 
finitae sunt. Consnltam niagia, ti ab iis, qaoram intereat, Episcopis nukxime, via exqnireretnr» 
qaa per priTatas Conferentias Serenissimo demoastrari possint mnltiplices Sciiptoria hallaci- 
nationes ; pericalosa coiqae statni ac Ipsi Prindpi illius principia : metnenda a anbaltemis stains 
ecclesiastid afflictio, contemptns aliaqne mala inde in ipaam qooque religionem rednodatam. 

Non repagno, sed enize te rogatnm toIo, non nt aliis, qnae in hanc finem oongesnsti 

pro refntando Lochsteinio commanices, sed ut ipsemet operi manom apponaa, qnia nemo te 
melius id perfidet etc. Ich zweifle nicht , dass von Amort die Entgegnungen auf Locbstein 
stammen : Verschiedene Fragen über Vermonds y. L. Gründe sowohl für als wider die geistliche 
Immanität in zeitliehen Dingen, nar allein an den H. r. L. und dessen Heransgeber gestellet 
Ton einem Mitgliede der Ghorbai. Akademie zn München, Strasburg 1766, sowie: Neue ver- 
sprochene Fragen an Vormund v. L. und seine Lobredner etc. Strasburg 1767. Mein Grund 
ist, dass Amort sich angelegentlich in Rom erkundigte, ob und was gegen Lochstein geschehe 
(1402, 382. 3iB5. 886), dass Abt Frobenius von dem Vorhaben desselben, gegen ihn zu schreiben, 
spricht und der PoUinger Correspondent in Bom ganz in seiner sonstigen Greschäftssprache von 
derselben (1766) schreibt: Lochsteinius de ordine S. Officii hie vertitur et est sub examine. 
Befutationem germanicam jam legi. Dann ist gar kein Zweifel, dass sich hier in mehreren 
Punkten genau die Argumentation Amort's in s Elem. jur. can. T. IIL Pars V. und in seiner 
Epistola J. Frobenii ad J. Febronium wiederfindet, sowie dass Osterwald selbst in seiner 
„Antwort auf die Fragen eines ungenannten Mitglieds der churbai. Akademie der Wissen- 
schaften wegen der geistlichen Immunität in zeitlichen Dingen, Strassburg 1767 8. 184 f. 
auf ihn weist. In der ersteren Schrift: Verschiedene Fragen etc. S 43 ist von des £n- 
bischofs von Paris Instructio pastoralis die Bede mit der Bemerkung: „so von einem 
berühmten Gottesgelehrten des Deutschlands herausgegeben worden Aug. Vind anno 1757 in 
libello de turbis Galliae modemis*'; dieser Gottesgelehrte ist aber kein anderer, als Amort, 
wie in seinem römischen Briefwechsel dies oft erwähnt ist. Endlich stand Amort wirklich 
mit dem geistlichen Bath Joseph Hera in Augsburg darüber in Unterhandlung, indem dieser 
„die Akten der feierlichen Vereinbarungen", von denen Amort sprach, sammelte, andererseits 
aber auch die in beiden Schriften durchgeführten Ideen ebenfalls gegen Lochstein ersann 
und Amort zur Prüfung vorlegte. 1398,113 f. Interessant ist von demselben Hen ein Brief 
vom 6. Okt. 1766 (1. c f. 115): „Uebersende hiemit danknemmig die übermachten Urkunden, 
von welchen Abschriften genommen. Der Hr. Stadtdechant zu Freisingen war dieser Tage 
hier und hielt dafür, man sollte den Lochstein und sein Werk suchen schlecht und verächtlich 
zu machen, weilen sich nicht leicht ein gegründetes Systema werde entgegensetzen lassen. 
Das Letztere hat in allweg seine Beschwerde, und zu dem Ersteren konnte meinen Beifall 
nicht erth eilen, weilen diese Weise zu widerlegen dermalen nur gar zu viel verhasst und am 
Ende nichts fruchtet. Der Grund, welchen Ew. Hochw. Tom. III. Vindidae jurisdictionis 
ecclesiast. p. 3 pag. 392. n. 5 et seqq. (Elem. jur. can. III, 359 sqq.) gelegt haben, gefallet, 
mir am besten, weilen solcher in Jure naturae sich fuesset." 

1) Epistola Jnstiniani Frobenii ad Justin. Febronium pg. 7: De tuendis jurlbus Nationis Germanicae: 
considerato tamen praesenti statu Germaniae, donec stjlu^ constans ac uniformis introducatur 



43 

gebendem Einfloss, eines apostoliscben Delegaten, zu beseitigen seien. Sonach war auch 
Wessenberg, wenn er stets aaf ein Beichskonkordat mit dem Papste in den allgemeinsten 
JBeziehungen, aasserdem auf eine Verständigung der Bischöfe mit den Fürsten drang, im 
Bechte. 

§8. 
lieber Febronias. 

Kein Buch machte in der katholischen Kirche Deutschlands im vorigen Jahrhundert 
grösseres Aufsehen, als das unter dem Namen des Febronius erschienene „de legitima 
potestate Romani Pontificis über singularis/' Dasselbe ruht im Wesentlichen auf den 
gallikanischen Grundsätzen und der gallikanischen Literatur. In Deutschland waren 
diese keineswegs verpönt, im Oegentheil hatten sie manche Anhänger, und selbst Amort 
gesteht von sich, dass seine Doktrinea „gallikanisch'^ genannt werden, ohne dadurch un- 
angenehm berührt zu sein,^) ja, in seinen^ Elementa juris canonici') sncht er sogar zu 
beweisen, da& Benedikt XIV. in seinem Breve SoUicita vom 9. Juli 1753 die 4 Pro- 
positionen des gallikanischen Clerus von 1682 gegen Verbote in Schutz genommen 
und namentlich die päpstliche Unfehlbarkeit abgelehnt habe. Im Ganzen waren freilich 



per Conyentns Cleri Germanici statis temporibns praesente Delegato Apostolioo cele* 
braDdos; stylnm Bom. Cnriae incoostanti stjlo Dicasterioram Germaniae praefero. — In dem 
AmorVschen Entwürfe über die Bedür&isee der dentecben Kirche (1837, 156) beisst es ebenfalls: 
II. constitatio limitam immuniiatis ecclesiasticae in Bavaria 1. per episcopoe ezigendo cata* 
logam gravaminüni, 2. reqnirendo causam et jara specialia a Serenissimo, 3. erigendo nova con- 
cordata. III. Concilinm nationale prins praeparando materiaip. 

1) 1408, 79 (T. 27. Not. 1753): Recepit in se tandem Yeithins impressionem Theologiae Mo- 
ralis Practicae . . . Spero, non disciplicitoram üs, qai ratione, non coeca antoritate 
dncnntur; inprirois yero Bredelino, viro docto, sednlo, modesto, in qno hoc nnnm crimen est 
qnod meas doctrinas, qnas vocant Gallicas, amet. Nee ipsis Patribas MissioHnm 
fore ingratnm aatomo, cnm ipsimet Galliam snum natale solum colant. Am 19. April 1719 
schrieb er schon, dass er denjenigen, der das Gallikanische System untergrabe, für grösser, als 
Apollo und den Bandiger Cartbago^s, halten werde: Befutationem Aug. Michel aride ezpecto, 
si systema Gallicum everterit, erit mihi major Apolline et.domitore Carthaginis. 1407, 69. 

2) T. III, 52H f.: Conqueruntur etiam, quod Episcopi et alii habentes jnrisdictionem spiritualem, 
tanquam haereticos vel tanquam suspectos de haeresi tractent eos, qui asserunt Fropositiones 
necdnm ab uniTersali Ecclesia anthcntice et formiter et nniformiter definitas, t. g. 
asserentes cum Gallis, Suinmum Pontificem non esse infallibilem sine asaensu Ecclesiae. Verum huic 
graTamini jam snfficienter providit 88. D. N. Benedictus XIV. partim in suo libro de synodo, 
ubi complures Propositiones notat, quas vetat ab Episcopis prohiberi in Synodis; partim in suo 
Breri Apostolioo, quod incipit, Sollicita, et editum esta. 1753 9. Julii, ad S. Congregationem 
Indicis dato, ubi vetat in posterum prohiberi libros ratione alicujus doctrinae Tel propositionis, 
qnae ab integra aliqua natione catholica defenditur, qua inhibitione sine dubio respicit ad 
quatuor propositiones a. 1682 a ConTentu Cleri Gallicani receptas. 

6» 



44 

solche Männer nur mehr vereinzelte Erscheinangen, da ja die Jesuiten and andere Orden 
Schulen und Literatur beherrschten. 

Kaum war Febronius' Buch erschienen, so glaubte dennoch Amort gegen dasselbe 
schreiben zu sollen, jedoch wollte er erst wissen, ob es in Rom genehm sei, und so 
finden wir denn schon am 24. März 1764 von dem PoUinger Correspondenten in Rom 
die Nachricht hinterbracht: „Das Buch Febronii de statu ecclesiae et potestate Born. 
Pontificis ist proscribirt. P. Secretarius Indicis, der sich höflichst lasset emfehlen, sagt^ 
es hätte verdient, per manus caruificis verbrennt zu werden. Hier ist noch keiner, der 
es refutirt; wann sich Ihro Hochwürden, sagt Er, darüber machen, sarä un opera e cosa 
Santa. Item wann Selbe den autorem könnten scoprireu, würden Sie toti Congregationi 
ein gross Oefallen leisten. Ita ille.^'^; Am 28. April aber erhielt Amort durch den 
nämlichen Correspondenten die speciellere Anweisung Ricchini's: „R.R. Ricchinus rathet 
nicht, dass Selbe dieses (Buch Febronii) formaliter et aperto nomine refutiren, sondern 
nur kurz einige gröbere puncta, in quibus latet venenum, anzieheten, quasi modo episto- 
lari ficto et anonyme nomine schreibeten, opinionem theologicam simpliciter sageten, cen- 
suram aliis litteratis relinqueret et forme postularet, und dieses um zu sehen, wie es 
acceptirt werde und fdr ein Aussehen machet Ego rem relinquo altiori judicio, ne 
parva scintilla magnum excitet incendium.''^) Letzteres war deun auch die Ansicht des 
Papstes und vieler Anderer in Rom; für viel wichtiger hielt man, den wahren Ver- 
fasser des Buches und dessen Anhänger zu entdecken, zu welchem Behufe auch sofort 
an alle Bischöfe geschrieben wurde.') 

Amort machte sich denn sogleich an die Arbeit und in kürzester Frist erschien 
nach Ricchioi's Anweisung seine' Epistola Justiniani Frobenii J. U. C. ad cl. V. Justi- 
num Febronium JC*"* de legitima potestate Summi Pontificis, BuUonii 1764, pgg. 16.^) 
Es ist freilich unb^reiflich, wie gerade Amort sich zu einer Entgegnung auf Febronius aufraffen 
konnte, da er doch im Wesentlichen auf dem gleichen Standpunkt stand. ^) Dieselbe 



1) 1405, 94. Man war also damals noch Dicht sieber, ob Hontbeim wirklich der Verfasser sei. 

2) L. c. fol. 95. 

3) 1402, 356 (y. 28. April 1764): Autor libri Febronii, wollen hier einige, seje ein anderer: hoc 
certum est, dass von hier ans an alle Bischöfe geschrieben worden, nt invigilent caatamqne 
inspectionem adhibeant circa sectatores hnjns libri. Von vielen fadre ich, dass hier wirklich 
qnatnor arbeiten, dieses Bach za refatiren, und sagte mir gestern ein gewisser Monsignor et 
simnl episcopns, er habe selbst einen und sein Werk gesehen, gedünkte ihm aber besser, man 
schwiege ganz still. Econtra Magister s. Palatii sagt mir jost das contrarium, nempe 
weder S. Päpstl. Heiligkeit, weder andre wollen oder achten es f&r gut, dass man directe, 
publice et aperto Marte dawider schreibe." 

4) Huth, Versuch einer Kirchengeschiclite des 18. Jahrhundorts, II, 444 bezeichnet unrichtig den 
Franziskaner Ladislaus Sappel als den Justinianus Frobenius. 

5) Das hatte man auch in Deutschland sofort erkannt und man bezeichnete den Justinianus Fro- 
benius geradezu als den Vorläufer des Lochatein. So in der Denunciationssache des Eijesuiten 



45 

fiel denn auch ganz darnach aus: kein Wort davon, daas Febronius etwa den Rechten 
des Papstes zu nahe getreten sei, vielmehr findet dieser volle Anerkennung dafür, dass 
er dem Papste nur einen Primatus Directorii zuerkannte, und soll er bloss darin eine 
Inconsequenz begangen haben, dass er gleichwohl „einer jeden Nation und jedem Reiche 
gestatte, dass es sich temporär mit einem nationalen Haupte versehe, falls der Papst 
gerechten Sjnodaldekreten sich, widersetze."^) Jedoch leugnet Amort keineswegs, dass in 
einem solchen Falle Opposition gegen den Papst gestattet sei; aber er will sie auf eine 
andere Weise ausgeführt wissen, da er glaubt, dass der Vorschlag des Febronius zugleich 
die Auferibilität des Papstthums und der Einen Kirche selbst enthalte.') Dann behauptet 
er gegen ihn, die Päpste hätten im kirchlichen Regimen te keine monarchische Gewalt 
sich angemasst, und das Uebrige ist eine blosse Vertheidigung verschiedener römischer 
Missbrauche, wie hinsichtlich der Exemtion der Regularen, des Recurses an die römische 
Curie in kirchlichen Streitigkeiten, der Aussaugung Deutschlands durch Annaten etc., 
Privilegien und Dispensen. Sein Standpunkt ist dabei, dass er die Praxis in Rom immer 
noch als besser preisst, als die deutsche, und auf Grund der lex Baiuvariorum jedem, 
auch den Kirchen, das Recht vindicirt, sein Eigenthum der Kirche, also auch der römi- 
schen, zu vermachen. Von einem solchen Standpunkt aus konnte er begreiflicherweise 
Febronius so wenig widerlegen, als ihm dies gegenfiber Lochstein gelang. Wie dieser 
ihm schliesslich Inconsequenz nachweist und mit Recht behauptet, er habe selbst sein 
eigenes „System von der Immunität über den Haufen geworfeu^^') so citirte Febronius 
ihn selbst för sich. 

Schon im August war Amort's Epistel in Rom, denn am 25. August 1764 schrieb 
der Correspondent, dass er Exemplare an verschiedene Personen vertheilt habe. Man 
war offenbar einstweilen zufrieden, dass überhaupt etwas geschehen war, und nur neben- 
bei deutete man an, dass es ungenügend sei ; namentlich aber von dem Sekretär der 
Index-Cougregation bemerkte der Correspondent: legit et approbavit etiam Epistolam 



Stattler, d. d. Eichstadii, 8. Oct. 1780, in ,,Anthent. Aktenstücko weg. dem zu Rom theils 
betriebenen, theils abzawenden getrachteten Yerdammangsartheil über das Stattlerische Bach: 

Demonstratio cath." 1769, pg. 92: sed proh dolor, ea vivirnas tempora, ubi nova sint 

omnia, et cnm vestibns caeterisqne corporis oroamentis etiam* opiniones et sententiae ex Gallia 
in Germaniam tradncnntnr, explosa nunc nbique veteri tarn philosophia, tnm etiam theologia 
a Principibas seu eorom ministris certi libri, certns docendi modus, ac sententiae praescribantur, 
qnin Episcopi antea consulantnr, minus attendantnr. Solius Jasti Frobenii exemplum id satis 
luculentjsr ostendit: quem impigre secutus est larvatus Lochensteinius (sie) antea Praeses Con- 
silii ecclesiastici Monacensis et Consiliarius defuncti Sereniss. Elect. Bavariae: horum vestigia 
tum pressit, tum praecessit famosus ille Director Universitatis Ingolstadianae Baro 
de Ichstadt etc. 

1) Epistola pg. 4. 

2) L. c. pg. 12 sqq. 

3) Lochstein, Antwort auf die Fragen wegen der geistlichen Immunicität, S. 254, 217 u. ö. 



46 

(Frobenii); optaret, man solle dem Febroniam noch mehr con?incirt haben quoad illnd 
panctnm, ubi jurisdictionem Papae adeo reetringit, ut Episcopis in suis dioecesibos ferme 
aeqoalem tribaat etc. (Diesem habe ich bekennet, qninam autor hajas Epistoiae)/* >) 
Deshalb wünschte man wohl auch keine Fortsetzung seiner Briefe mehr, um so mehr, 
als man ohnehin in Rom stets noch von der Angst befallen war, es könnte ein literarischer 
Streit entbrennen, der die Sache noch weit mehr yerschlimmem möchte.') Auffiallend 
wäre die Billigung dieser Epistel durch den Oratorianer Blanchinus, wenn sie nicht eine 
blosse captatio benevolentiae wäre, um Amort in seinem Plane zu einem anderen 
Werke gegen Febronius, einem Codex diplomaticus ad coniutandum opus Febronianum, 
zu bestärken, da er seinerseits der Ansicht war, dass Stillschweigen nur gefahrbringend 
sein könne.') 

In Deutschland scheint Amort nicht als Autor der Epistel bekannt geworden zu 
sein und jedenfalls beachtete man sie als ein unbedeutendes Schriftchen nicht weiter; 
denn auch die Geistlichkeit fing an, etwas Solideres zu verlangen, und wollte sich ins- 
besondere nicht mehr mit psendo-isidorischen Erfindungen abfertigen lassen. So schrieb 
man 1766 sogar nach Fölling selbst fiber die bis dahin erschienene antifebronianische 
Literatur: „Buxius, ein Franziskaner und nagelneuer Bestärmer des armen Febronii, hat 
verfiossencn Herbst zu München auf einem sogenannten, obschon etwas dickem Brustfleck 
den guten Mann auf der canonischen Waag abgewogen und minus habentem gefunden; 
damit aber seine Antitheses mehrer Gewicht erhielten, nimmt er die Isidorianische Briefe 
für acht an; aus der Kirchengeschichte zwickt er heraus, was ihm taugt; das übrige 
umgeht er mit Stillschweigen; von andern Schnitzern nichts zu melden, zieht er eine 



1) 1405, 102. 

2) L. c. fol. 103 (?. 6. Okt. 1764): „BB. Biccbinus 9tLgt, La lettera Frobenii e bella, buona, mi 
einige Hauptpunkte Febronii seien nicht impugnirt worden. Ob noch andere Epistolae heraus- 
zugeben, sagte Er praecise sie : Papa silet, Congregationes silent, und Er könne oder wolle auch 
nicht aussprechen, hinc rem proprio lelo et jndicio Frobenii relinquit. Ein und ander ratben 
es nicht, allerdings aus Furcht, es möchte nur ein grosserer Streit entstehen, et putant, man 
solle es mit der Proscription libri Febronii beruhen lassen." 

8) 1405, 49 {V. 6. Okt. 1764): Optime, si in te suscipis, Borna commendabit, Amort doctissime, 
Codicem diplomaticum Tuum» quem mente concepisti, conflatum ex Actis publicis atque ex Tete- 
ril'Us documentis, jara Summorum Pontificum circa res et personal Cleri Germanici respicien- 
tibus .... nihil scriptione dignius excogitari potest, qnam Codex diplomaticus, de quo s.npra, 
ad confutandum Opus Febronianum, schismati Ecclcsiae favens. De turbis in Germania quae 
Tibi, ratb. religionis yindici strenuissimo, magnae curae sunt, consilium dies afferet Animi 
certe illorum Germanorum, qni juris publici fines ultra terminos protendere non Terentur, ex 
lectione Febronii triumphabunt, si nihil scriptione dignnm ad confutandum Febronium quis 
excogitet. in magna tuarnm litterarum Frobeniarum pmdentia maxime aroor reritatis et cath. 
religionis elucet. Opusculum quod iuscripsisti, Epistola Jastiniani Frobenii J. U. C. 
ad cl. y. Justinum Febronium etc. de legitima Potestate Summi Pontificis, 
te dignum est: quod »i operam eandem posueris in Codice Diplomatioo, plurimum tibi Born. 
Curia debebit. Aggredere: quid enim tibi non succedet? 



47 

parallele Linie zwischen Doct. Barthel und Febronio und verketzert einen wie den andern. 
Ob ihm dieses Doct. Barthel schenke, bin gewärtig; ich fürchte, er klopfet ihm seine 
Kntte aus. Antonius de Vigilibus (wenn ich meine Meinung aufrichtig sagen darf) ge- 
fällt mir auch nicht am besten. Mich nimmt nur Wunder, dass in der Druckerei so 
viel Signa interrogationis gewesen, als manchesmal nur auf einem Bogen zum Vorschein 
gekommen. Von Wfirzburg habe das bischöfliche Dekret erhalten, kraft dessen Febronii 
über singularis auf das schärfste verboten worden. Mein ! lässt sich doch Niemand finden, 
welcher dieses Buch (aber mit den nämlichen Gründen, das ist, ex primis sasculis, mit 
denen es ver&sset worden) Stück für Stück widerlege ! Mit solchen Schriften , welche 
bishero herumflattem , hebt man wahrhaftig keine grosse Ehre auf. Wer ist doch der 
andächtige Ladislaus Semoschorvinus Tnscus Romae, oder wie er im Nominative heisst, 
der Deichsel weiss es! und es hat dieses Schussgebetlein vor einem Jahr Hr. Joseph 
Wolf zu Siena gedruckt.*'») 

Dagegen wollte auch aus Born nichts gegen Febronius erscheinen, obwol\l es immer 
dringender erschien. Man war voll Spannung, „ob oder was S. Officium wider das 
bewusste Buch (Lochstein's) sprechen werde: der Febronius hat dem Päpsten potestatem 
genommen und denen Bischöfen gelassen; dieser nimmt*s dem Einen und den anderen 
und gibts den weltlichen Fürsten : aufs nächste nimmt man der armen Geistlichkeit auch 
potestatem absolvendi, ligandi ist so schon bald hin, oder achtet man nicht viel mehr/**) 
Der Papst zwar erliess am 25. Nov. 1766 eine Encyclika an alle Bischöfe, die ihnen an- 
vertrauten Beerden von der Lektüre schädlicher Bücher fernzuhalten ; allein zu gleicher 
Zeit war von dem Buchhändler Battinelli in Venedig eine Einladung zur Theilnahme an 
einer Association für eine italienische üebersetzung des Febronianischen Buches erschienen. 
Am 28. Nov. wurde durch ein , auf Befehl des Papstes erschienenes , Edikt auch diese 
Association aufs strengste verboten.^) Dass aber viel gegen Febronius oder Lochstein 
geschrieben werde, wollte der Papst auch jetzt noch nicht haben : schweigen, dulden und 
beten hielt er für die besten Waffen gegen dieselben, die freilich, wie der Gorrespondent 
hinzufügt, jetzt mehr der Teufel, als die Menschen, fürchtet. Dennoch meldet er gleich- 
zeitig, dass der Papst einen Minoriten in Venedig, der „den Febronium refutirt hat, ein 
eigenes Breve schreiben liess und sein Wohlgefallen erzeigte '^^) Inzwischen hatte sich 
auch ein Jesuit an eine Widerlegung des Febronius gemacht (Kleiner?), darum, „wie 
man sagt, warten die hiesige (römischen) Befutatores Febronii mit ihrem Werk, um vor- 



1) 1401, 347 (▼. 13. Jaaaar 1766, geifitl. Rath Khager in Eicbstatt an den Prälaten in PoUing). 

2) 1402, 382 (aur Born v. 8 Nov. 1766). 
3} L. c. fol. 383. 385. 

4) L c. foL 386 (v. 31. Jan. 1767): „Man hat zwar einmal gesagt, ein gewia^er Monsignor et 
aliqnis Religiosns werden nnitim contra Febronium schreiben; aber de facto non constat, dass 
weder dieser, noch Hr. t. Lochstein hier refatirt worden oder werden: imo SS. Pater will 
nicht einmal haben, dass man in dieser materia viel schreibe oder tocchire, sed mens ipsias 



48 

« 

hin zu sehen, was jenes des Jesuiters saget and was man davon haltet/'^) Inzwischen 
versandte man von Rom aus an die Bischöfe Bennettis Bach: Privilegioram Romano 
Poutifici in persona D. Petri a Christo coliatorum vindiciae,*) von denn geistl. Rath 
Ehager in Eichstädt meint: ,Jeremias de Bennettis hat alles was mau auf dieses Buch 
(des Febronius) antworten könnte; aber schreiben dürfte man vielleicht nicht alles.'^') 

Immerhin wusste man über den eigentlichen Verfasser des Buches noch nichts Be- 
stimmtes; denn noch 1767 sah sich der Fürstabt Frobenius in Regensburg gegen den 
Verdacht zu vertheidigen veranlasst, dass er es geschrieben habe. Der Buchhfindler 
Battinelli in Venedig verfolgte trotz des strengen römischen Verbotes seinen Plan, eine 
italienische Ueberset/.ung des febronianischen Buches herauszugeben. Er „schrieb also 
dem Abten Frobenio tamquam autori hujus libri, dass, wann Er noch etwas wolle zusetzen, 
solches beizeiten schicken solle. Dieser Fürst schreibt also seinem hiesigen (römischen) 
Agenten, dass, wann auf Ihn ein rumor oder Argwohn sein sollte. Er alles Mögliche solle 
anwenden, Ihn zu rechtfertigen, indem dieser Argwohn auf Ihn nicht nur falsch sey, 
sondern er selbst gesinnet wäre, wann es die Zeit zuliesse, contra zu schreiben/^^) Und 
ebenso erwähnt Amort noch am 20. Febr. 1768 in einem Briefe an Card. Qalli, dass 
Einige statt B^ebronius anagrammatisch Frobenius lesen. Zugleich konstatirt er aber auch, 
dass bis dahin weder die Bemühungen der Curie, noch der Schriftsteller etwas g^en 
Febronius bewirkt haben ; vielmehr gebe es in Deutschland nichts, was grösseres Geräusch 
mache, als dieses Buch ; und er findet, dass die Grundsätze der jesuitischen Canonisten, 
welche zu viel in Anspruch nehmen, indem sie dem Papste auch die Gewalt zugestehen, 
die solennsten Friedensbündnisse mit den Türken und Häretikern zu brechen, und mehre 
andere Absurdidäten, nicht weniger schaden, als Febronius : sie nehmen den Frieden vom 
Erdkreise und die Liebe vom Clerus vollständig. Schliesslich verweist er auf den 3. Band 
seiner Elementa juris canonici, worin er hinreichend seine Anschauung über die Principien 
des Febronius ausgesprochen habe.*) 



est, ut olim dicebat F. Mag. 8. Pal.: tacere, pati, et orare. Wohl gat! diese V^affen aber 
fQrchtet jetziger Zeit, wann Gott anders nicht will mirabiliori modo helfen, plus inirnicus faomo, 
qnam iniinici bomines. 

1) L. c. fol. 395 (V. 14. März 1767). Die Jesuiten Tersachten wohl den ersten und empfindlichsten 
Schlag in Deutschland gegen Febronius zu fuhren, indem sie in der Vorrede zu ihrer Schwindel- 
schrift Veritas consilii Burgofont« initi . . . seu verum systema Jansenismi, Aug. Vind. 
1764, ihn und sein System als jansenistiscb bezeichneten. Allein die Unwahrheiten, von denen 
das Buch strotzte, die Verdächtigungen aller Gegner der Jesuiten und die Schicksale dieses 
Buches selbst machten den Schlag wirkungslos. 

2) 1401, 348 (▼. 26. April 1767). 

3) L. c. foU 356 (T. 29. Dez. 1767). 

4) 1402, 896 (14. März 17«7). 

5) 1407, 55: Nori quid in Germania strepitosius omnium insonet auribus, nisi liber Febronii (non- 
nulli per anagramma Frobenii legunt) de pot Summ. Poptif., non scio. Quod ego sentio, in 



49 

Wie freilieb Amort noch immer nicht einsehen wollte^ dass er in seinen Elementa 
jar. can. anf wesentlich febronianischem Standpunkt stehe, ist nnbegreiflich. Die Täuschung 
sollte ihm jedoch bald benommen werden, als sich Febronius selbst auf dieselben (III, 6) 
berief,^) und Mamachi ihn gegen diesen yertheidigen musste.') Die Vertheidigung war 
freilich mehr eine Verurtheilung : Amort war bereits todt; was man früher billigte oder 
wenigstens nicht censurirte, das konnte man jetzt rücksichtslos preisgeben. Amort hatte 
einst die Dominikaner des Jansenismus und Bajanismus beschuldigt, und obgleich er 
diese Vorwürfe nach der römischen Censur corrigirte , so dass sie in seinen Werken nicht 
erschienen, so war ihm dies doch nicht verziehen worden. Wenn darum Mamachi ihn 
auch gegen Febronius insofern in Schutz nimmt, als ihn dieser fälschlich für sich citirt 
habe, so ist Amort doch nip nichts besser, als Febronius selbst: manche seiner Erfin- 
dungen sind der Doktrin der Väter so fremd, als sehr viele des Febronius ; er habe nach 
seinem Dafürhalten Theologie getrieben und sei mehr als billig auf seinen Gonjecturen 
und Vermuthungen bestanden') 

Amort konnte sich nicht hören lassen; aber Mamachi's Vertheidigung wurde in 
Fölling sehr peinlich empfunden^) und der Same, den Amort namentlich unter den regulirten 
Chorherren ausgestreut hatte, war nicht erstickt. In einem Exemplar der ersten Auflage 
des Febronianschen. Buches der kgl. Hof bibliothek dahier, das dem regulirten Chorherrn 
Ambrosius Streidl gehörte, hat dieser am Schlüsse mit eigener Hand die Stimmung ge- 
kennzeichnet, welche über die Hontheim'sche AfiEaire herrschte : „Anmerkung. Der römische 
Hof hat dem achtzigjährigen Hontbeim über dieses Buch einen Widerruf abgedrohet, er 
ist aber nicht mehr werth , ak ein Wechselbrief, den ein Strassenräuber uns abdringt. 
Hontbeim schrieb über diesen seinen Widerruf an einen Freund folgendes: „Ich hab 
einigermassen meine Schrift, den Justinus Febronius, widerrufen, so wie ein weit gelehrterer 



meis Eiern. Jar. can , apnd Ooletum Vcnctiiij anno praeterito recusis, T. III, ut arbitror, soffi- 
cienter expressi. Verum dam alii Canonistae Soc. Jes. y. g. nimiam petnnt, dum 
Snmmo Pontifici etiam potestatem rampendi solennissima foedera pacis 
cum Turcis et Haereticis, et plnra alia absurda concedunt, pacem ab orbe, 
amorem a clero totaliter tollunt. 

1) Flores sparst ad Justinum Febronium pg 882 

2) Epistolamm ad Justin. Febronium de rat. regendae Christ, reipubl. dequo legit. Bom. Po itil. 
potestate. Lib. 1. Tom. I, 239 sqq. 

8) L. c. pg. 246 sq De Araortio paucis accipe: NoYum hominem suo arbitratu de re theologica 
statuentem nil moror. Tantum abest, ut ejus irrejfragabilem esse auctoritatem, aut 
gravem putem. A^que sunt ejus inventa quaedam tam aliena a doctrina Patraro, quam per- 
plura tua. £a si in Judicium deducantnr, non video, quemadmodum possint censuram eradere. 
Später sagt er Ton ihm: plus aequo interdum suis conjecturis ac suspicionibus indulgentem. 

4) Der Pollinger Decfaant Mausuet Braun an Propst Franz Töpsl: „Ich bab diese 3 Tage auch 

den 2. Brief (Mamachi's) ganz gelesen, und zwar nicht ohne Entsetzung, dass er pg. 246 

sehr verficbtlich von unserm P. Eusebio sei schreibet, obwohlen er zu Ende des Artikels selbst 
darthut, dass ihn Febronius unbillig für sich angezogen.'* 
Abh.d. ni.Cl.dk.Ak. d.Wi88.XlII.Bd.lI.Abth. 7 



50 

Prelat Fenelon widerrief, um Zänkereyen und WiderWertigkeiten zu entgehen. — Aber 
mein Widerruf ist der Welt und der christlichen Religion nicht schädlich und dem 
römischen Hof nicht nfltzlich, und wird's auch niemal seyn. — Die Sätze meiner Schrift 
hat die Welt gelesen, geprüft und angenommen. Mein Widerruf wird denkende Köpfe 
so wenig bewegen, diese Sätze zu leugnen, oder zu verwerfen, als so manche Widerlegung, 
welche dagegen Theologaster, Mönche und Schmeichler des Papstes geschrieben haben/^^^*) 
Und in der That hatte die Welt diese Sätze angenommen. Nur der durch die französische 
Revolution und die napoleonischen Kriege herbeigeführte Zusammensturz der deutschen 
Kirche und die unbesonnenen Verhandlungen der Regierungen mit Rom verdunkelten sie 
aufs neue. Wessenberg war der letzte energische Vertreter derselben, und er hätte sie 
sicher gegen Rom auch behauptet und durchgesetzt, hätten die Regierungen nicht einen 
voreiligen, ihnen selbst nachtheiligen Frieden mit Rom geschlossen. Gleichwohl konnte 
aber Wessenberg, den Rom als unrechtmässigen und jurisdiktionslosen Usurpator erklärt 
hatte, noch bis 1827 das Bisthum Constanz verwalten, ohne dass ihn Rom darin gestört 
oder gar excommunicirt hätte.') 

§ 9. 
Janseniston in Deutschland. 

Wenn ich hier von Jansenisten in Deutschland spreche, so habe ich nicht die 
Absicht etwa nachzuweisen, dass auch deutsche Theologen und Geistliche im vorigen 
Jahrhundert Lehren huldigten, welche als jansenistisch bezeichnet werden können. «Ich 
will vielmehr nur zeigen, dass die Bezeichnung „Jansenismus'^ ein Schlagwort war, mit 
dem man jeden missliebigen Mann belegte, um ihn dadurch zu ruiniren. In die theolo- 
gische Literatur riss dieser Unfug nicht weniger ein, als er sich im praktischen Leben 
zur Geltung brachte.') 

Zunächst in Bezug auf die theologische Literatur einige Belege. 

1751 hatte Amort seine theologia scholastica (I. IL u. III.) dem F. Benedikt XIV., 
dem er sie auch widmen wollte, überschickt, und dieser übergab sie von ihm selbst 
ausgewählten Censoren. Die Censuren li^en noch vor^) und bieten gerade nach der 
Seite ein Interesse, dass sie nicht bloss jede Abweichung vom thomistischen oder augusti- 
nianischen System, die Amort wegen ihrer Verwandtschaft mit Quesnel und Bajus sich 
erlauben zu sollen glaubte, rügen und als eine Beleidigung der Dominikaner und Augusti. 
nianer bezeichnen, welche zu vermeiden sei, sondern dass sie auch umgekehrt öfter Amort 
des Quesnellianismus , Bajanismns und Jansenismus beschuldigen. Amort schreibt 



1) Das Exemplar ist signirt: J. can. P. 333. 4^ 

2) S. meinen Artikel „Wessenberg" in von Weech's ,,B&di6chen Biograpbieen." 

3) Auch Hüth, Versdch einer Kircbengeschicbte des 18. Jahrb. hat schon Bd. II, 262 ff. eine 
„Betraclitang" hierüber angestellt. 

4) 1405, 35 sqq. 



51 

darüber selbst am 28. Dezember 1751 an Can. Bassi, die Theologie sei in Rom 
revidirt, an der Moral sei gar nichts corrigirt worden, an dem dogmatischen 
Theil nur Weniges, z. B. über den Jansenismus und Quesuelismus der Thomisten.^) 
Jedoch hätte ihm dies bald die Qunst der Dominikaner und durch ihren Einfluss des 
P. Benedikt XIV. selbst gekostet. >) 

Es ist bekannt, dass namentlich die Jesuiten den ausgedehntesten Gebrauch mit 
der Beschuldigung des Jansenismus machten, um damit Alles, was sich ihren Absichten 
in den Weg stellen mochte, zu beseitigen. Cerri, der Sekretär der Propaganda, berichtet, 
dass sie sogar die apostolischen Vikare, welche nach Indien kamen, als „Jansenisten^^ 
bezeichneten;') die Streitigkeiten, in welche sie in China, Amerika und Europa geriethen, 
waren alle durch die Jansenisten veranlasst und unterhalten. Dafür auch in Bezug 
auf Deutschland einige Belege zu geben, ist hier meine Absicht. 

Als man damit umging, für Klosterfrauen ein Brevier herzustellen, welches neben 
dem lateinischen Text auch eine deutsche Uebersetzung enthalten sollte, da wurde auch 
von dem Jesuiten Franz Halden, Professor in Ingolstadt, seine Meinung eingeholt. Er 
schloss sich der Ansicht Amort's an, fügte aber als Hauptgrund für seine Meinung hinzu, 
dass dadurch in Kurzem die jansenistische Sekte auch in Deutschland sich breit machen 
würde, die ohnebin durch die Weiber ihre grösste Stärke habe. Man dürfe daher den- 
selben durch eine Uebersetzung der Bibel- und Väterstellen des Breviers kein Urtheil 
über dieselben ermöglichen. Die Ingolstädter Fakultät werde darum nie dazu ihre Zu- 
stimmung geben. ^) 

Wer nicht vollkommen jesuitisch gesinnt war, wurde, wenn er auch dazu befähigt 
und in der ihn dazu berechtigenden Stellung war, zu den Arbeiten nicht herangezogen: 
er galt als Jansenist und war schon deshalb als ungeeignet fern gehalten. So schreibt 



1) 1408, 63 : Solae enim qaaedam doctrinae specnlativae, v. g. de Jansenismo et Qaesnelismo Tho- 
mistarnm etc. 

2) 145, 189': Am 16. Okt. 1751 schreibt nämlich der Pollinger Correspondent , Biccbini habe ihm 
aufgetragen „cum adjancta Toce, quod Sanctissimas non bene -contentus faerit, sed neqne lUe 
ipsemet, ex quo RR. D. Y. etiam in S. Thomae sententiam praeter alios jam offensos commisisse 
invenit, nnde neque dietas pagellas mihi restituit; minusque sperari possit, qaod SS. officia sua 
apud Prineipem et Electorem interpositorus sit, quae dolenter et invitus pro directione amico 
modo commQnico. 

3) Cerri, Etat present de i'Egliae Rom. pg. 203. 

4) 1408, 143 (s d.): Sed, quod rei capat est, eo maxime connitendam, at totias operis omissio 
urgeatar, in hac praesenti potissimnm crisi teropornm : si enim scriptnrae et Patnim libri semel 
feminamm ingenio judicioqne cribranda obtruduntur, prout ipso opere fieret, si in utraqae 
linqua ederetur Breviarinm, quod ex solis ac praecipois scripturae et Patram libris compagi- 
natnm est, in nostram brevi Germaniam evocabimos Jansenii sectam, mnlierum factione fortissi- 
mam, quae secta alias vix amplius in anins Galliae finibas contineri se patitar. Hinc si ad 
Facnltatem nostram tbeologicam res deveWitur, nnnquam illa in editionem consentiet, reclamante 
etiam RR. Ordinario Eustettensi. 

7* 



52' 

der geistliche Rath Ehager am 3. ÄDgust 1769 an den Propst von Fölling: der Bischof 
von Eichstädt habe zum Nutzen seiner DiOcese ein praeambalam futurae visitationis er- 
gehen lassen, das er ihm verehre; setzt aber sofort bei: „Ich habe es nicht verfasset; 
man hätte mir nicht getraut, weil ich ein Jansenist bin/^^) üeberhaupt musste iran 
schon, wenn man irgend ein Buch zur Hand nehmen wollte, vorher wissen, ob der Ver- 
fasser ein Jansenist sei oder nicht, weil man schon durch die Lektöre rines jansenisti- 
schen Buches in Verdacht gerieth. „Mein ! schreibt derselbe, wer ist wohl der Verfasser 
des guten Buches, Delectus Actorum Ecclesiae universalis, welches zu Lyon 1706 in 
zween grossen Folianten herausgekommen? Ist es etwan auch ein Jansenist? Ich 
zittere an allen Vieren, wenn ich es aufmache, weil ich in diesem Stflcke gar ein zartes 
Gewissen habe: helfen mir doch Ew. Hochw. u. Gn. (der Propst von PoUing) aas 
meiner Angst.***) 

Gab sich ein Seelsorger ernstlich mit seinen Pfarikindern ab, war er insbesondere 
dem Probabilismus nicht ergeben, so galt er sofort als Jansenist. DjBr Pfarrer von 
Raistingen wollte den von Aniort errichteten Jungfrauenbund einführen. Es ging 
schwer, um so mehr als die benachbarten Pfarrer nicht ebenfalls die Sache in die Hand 
nahmen; Oberhaupt, schreibt er (1757), „ich muss wenigst gemach dareingehen, um so 
mehr da ich bey einigen Unerfahrenen des Jansenisroi verdächtig, und wegen meines 
sogenannten Bigorismi fast überall verschlagen bin.^*') Als dann der Untergang des 
Jesuiten-Ordens nahte, da kam Alles von den Jansenisten. „Sonst weiss ich nichts 
neues, schreibt Khager (1767). Was von den HH. Jesuiten hin und wider au^e- 
sprenget wird, kann ich unmöglich glauben. Hier sagen sie, die Jansenisten sind an 
allem Schuld, und wer sich viel um ihre Händel annimmt, muss auch einer sein: lauter 
Jansenisten! lauter Jansenisten gibt es, auch hier reissen sie schon ein.**^) 

Endlich ist es bekannt, dass die Jesuiten 1755 eine Schrift erscheinen Hessen: 
La realit^ du projet de Bourg-fontaine d^montree par l'exteution, worin von einer an- 
geblich 1621 in Bourgfontaine stattgefundenen Versammlung von Jansenisten erzählt 
wird: sie hätten sich den Sturz des Papst- und Christenthums selbst, dagegen aber die 
Einfuhrung des Deismus zum Ziele gesetzt Als Theilnehmer an dieser Verschwörung 
werden alle Anhänger der Lehre des hl. Augustin, alle Gallikaner, alle Gegner des 
Probabilismus bezeichnet, sämmtliche aber mit dem Namen „Jansenisten^* getauft. Diese 
Dichtung wussten die Jesuiten in lateinischer Uebersetzung und mit bischöflich Augs- 
burgischer Approbation und einer die Schrift auf Deutschland anwendenden Vorrede 1764 
auctr in Augsburg in die Oeffentlichkeit zu bringen. Deutschlands Theologen und 
Klerus und Laien waren plötzlich fast sämmtlich Jansenisten. Ein Verbot des Buchs 
durch Bischof Joseph machte die Sache wieder einigermassen gut (7. Sept. 1764.) 



1) 1401, 868. 

2) L. c. fol. 851. 
8) 1406, 242. 

4) 1401, 851. 



53 

Auch Andere griffen, wenn sie Jemand beseitigen wollten, zn diesem Mittel. So 
z. B., wenn es die Wahl eines Propstes galt.^) Am genauesten sind wir aber über die 
Dennnciation, dass Amort selbst ein Jansenist sei, unterrichtet, indem das Original der 
Anklageschrift, • sowie das Concept der Vertbeidigung Amort's noch vorliegen. Ein un- 
&biger Pollinger Chorherr fflhlte sich au£ Amort*s Binfluss hin zurückgesetzt und fasste 
deshalb einen unaustilgbaren Hass gegen diesen. Als derselbe nun 1747 dem Tode nahe 
war, Hess er mehrere Chorherrn und den Guardian eines nahen Franziskanerklosters, 
P. JLTuold, zu sich kommen und gestand ihnen, dass er in seinem Gewissen sehr be- 
ängstigt sei : er habe unter dem Propst Albert viele Verfolgungen ausstehen müssen, weil 
er als Professor nicht in Allem die Meinungen Amort's seinen Schülern vortrug; auf 
Maria's Fürbitte könne er kein Vertrauen haben, da er sie nicht verehrt habe, indem 
ihn Amort als sein Lehrer dahin belehrt habe, an Gott allein zu denken und es zu 
machen, wie die Gallikaner (Galli) und wie Plato. Hr. Eusebius, fuhr er fort, ist Jan- 
senist, und dieser habe den Antonius von Beuerberg veranlasst, zu . den Ketzern zu 
fliehen. Dann fibergab er die Scripten des Amort einem der umstehenden, welche nach 
der Meinung des Kranken jansenistische Lebren enthalten sollten; doch möge der 
Empfänger sich hüten, dass er durch sie nicht selbst verführt werde. Dieseic händigte 
sie aber dem damaligen Propst Franz Töpsl aus, und zwar, wie der Denunciant mit Be- 
dauern hinznfQgt, in dem nämlichen Znstand, in welchem sie von dem Kranken über- 
geben waren, was bei dem in der Theologie wenig festen Manne sowie bei den anderen 
Pollinger Chorherrn, die ohnehin in ihrer Ein&lt den Lehren Amort*s folgen (also, wohl 
schon Jansenisten sind), nicht ohne grosse Gefahr sei. Ausserdem habe der Kranke, 
als er in Wallertshausen als Kaplan exponirt war, öfter vor dem Pfarrer, der es zu be- 
zeugen bereit sei, ausgesagt: Eusebius Amort ist ein Jansenist. Da nun derselbe vor 
seinem nach drei Tagen erfolgten Tode nichts widerrufen habe, so sei er, der Denunciant, 
von seinem Gewissen und rechtschaffenen und gelehrten Männern gedrängt, in aller 
Form diese Dennnciation anzubringen und eine Inquisition zu. verlangen, damit ohne 
Säumen was Bechtens ist, g^n die Gefahr (des Jansenismns) vorgekehrt werden könne, 
welche ohnehin bereits andere gelehrte Männer drohen sehen. Am Schlüsse wird noch 
insbeiondere verlangt, dass die Inquisitoren prüfen müssen, ob in den vom Propste 
auszuhändigenden Skripten nichts geändert, corrigirt. radirt oder ausgerissen sei. Aus 
diesen werden sich klar Amort's gefährliche Doktrinen, sowie überhaupt der gefährliche 
Geist dieses Menschen ergeben, von dem ohnehin die einftltigeren Chorherren dieses 
Klosters schon sehr angesteckt seien. So sollte also das ganze Kloster PoUing als ein 
Sitz von Jansenisten in Rom erscheinen. *) 



1) 1407, 68 (t. 9. Mai 1717 schreibt Amort selbst): HejeDCJal, qni ab Augnstiniano Desiran accn- 
satns foit Jansenisini, in sno Collegio Rottensi Can. Reg, electns est in Praepositnm, et a 
Suffraganeo Leodiensi repugnante et probibente licet Coloniensi benedictns est. 

2) 1409, 48 sq. : Tertio D. Praesal sen Praepositas illins monasterii Franciscos est aeque in 

forma jaris conveniendas, at scripta sibi consignata et a D. Alberto p. m. ani ex adstantibns 



54 

Dieses Bekenn tniss eines jnissvergnügten und gegen Amort erbitterten Chorherren 
kam Niemanden erwünschter, als den eben über ihn aufs höchste erzürnten Franzis- 
kanern: sie glaubten auf diese Weise am leichtesten das Ansehen des gefürchtetsten 
Gegners der Agredanischen Phantastereien und Albernheiten in Bom erschüttern zu 
können. Die Benediktiner von Wessobrunn hatten sich eben&Ils mit ihnen gegen Amort 
verbündet ; wie weit aber schon jetzt die Jesuiten im Geheimen daran theilnahmen, kann 
ich nicht bestimmen, später intriguirten sie mit jenen aufs lebhafteste gegen ihn. Am 
Hofe zu München fanden sie ebenfalls eine Unterstützung. In der Nähe aber wurde der 
Dechant von Weilheim mit der Aufgabe betraut, Amort zu überwachen.^) Alles dies 
erfuhr Amort ein Jahr später (1748) durch den Correspondenten aus Bom, der sogar in 
der Lage war, das Original der Denunciation, welche der Franziskaner Arnold abgefasst 
hatte und durch einen Beamten des Hofes in München nach Bom befördert worden war« 
zu überschicken. Die Klage war an das S. Officium gerichtet, aber nicht sofort ange- 
bracht worden, vielleicht weil man dort selbst die Absicht des Klägers durchschaute; 
denn der Magister s. Palatii hatte dem Correspondenten selbst in Bezug auf die An- 
schuldigung des Jansenismus die Bemerkung gemacht: das wundere ihn nicht, weil das 
nämliche den Beligiosen seines Ordens häufig begegne, dass die Gegner, wenn sie sich 
nicht anders schützen kOnnen, jene als Jansenisten zu beschuldigen und verläumden an- 
fangen und pflegen.^ Noch im Jahre 1749 verbreitete man in Deutschland, dass Amort 
beim S. Officium denuncirt und von der Inquisition zur Verantwortung nach Bom be- 
rufen sei,^) so dass sich Amort dort über die Wahrheit dieses sorgsam gepflegten 
Gerüchtes erkundigte und vertheidigen musste.^) Noch 1752 beschäftigt jedoch Amort 
diese Verläumduug und schreibt er an Can. Bassi, dass Bicchini, der sich auf seine Bitte 
bei dem Qualificator S. Officii erkundigte, ihm meldete: die Denunciation sei eine Fabel. ^) 



ixnmanuata ac de erroribas Jaotenismi sospecta Inquisitoribns restitaaDtnr, in quibna qnarto 
examinari illico debebit, an sint eadem scripta, quae D. Albertos tradidit? item an in illis non ait 
quidquam mntatam, correctam, rasum, eicerptum, ant disraptam? etc. etc. quo ipso Incalenter 
constabnnt perniciosae D. Ensebii doctrinae, et pericalosus hujus hominis genias, a quo ^P^^pli- 
ciores in illo monasterio jam perqaam sunt intoxicati. 

1) 1402, 91. 93. 

2) L. c. fol. 87: . . . quo desnper ille (Mag. s. Pal.) mihi repostjiit, nt non miretar, quia idipsam 
sni ordinis religiosis freqaenter accidit, qnod dum adTersarii se aliter non possent tncri, incipiant 
et solean^ iilos de Jansenismo argnere et calamniari. 

3) 1403, 270. 

4) Das Concept einer längeren Vertheidigung auf die Denunciationsschrift 1409, 45; die Übrigen 
Notizen 1407, 25. 79: Imperitam calamniam, quod sim Jansenista — schreibt er an Orsi nnd 
Ricchfni — et quod doceam, non esse colendam B. V. pancis refuto. Testor Deam, me nnn- 
quam docuisse nee in ullis discnrsibus tam priv^tis qnam pnblicis nnqnam defendisüe nllam ex 
5 propositionibus Jansenii. Testor etiam Deum, me a 30 annis nee nnico quodam die scienter 
omisisse rosarium. 

5) 1407, 25. . 



55 

Nicht minder interes8aut ist aber eine andere derartige Denunciation. 1748 hatte 
Benedikt XIV. den Abb^ Nicolini in die Niederlande abgeordnet, uro eine Aussöhnung 
mit der ütrechter Kirche herbeizuführen.^) Derselbe, von dem Papste und einer Reihe 
von Cardinälen hochgeachtet, wollte 1747 im bischöflichen Seminar zu Piaffenhausen ver- 
wendet werden; allein alsbald wurde er wegen seiner vorurtheilsfreien Anschauungen 
von den Jesuiten verdächtigt, als ob er anstössigen Principien huldige.') 

§ 10 
lieber das Kopernikanische System. 

Das Kopernikanische System wurde bekanntlich in Galilei durch die Päpste Paul V. 
und ürban VIII. verdammt und dieses Urtheil noch durch Alexander VII. (1664) wie- 
derholt.') Die Erde sollte einmal stillstehen und die Sonne sich um dieselbe bewegen. 
Dadurch war die Stellung der Katholiken eine äusserst schwierige gewolrden. Auch im 
18. Jahrhundert war „die berühmteste und schwierigste'^ Frage: ob der Himmel^ d. h. 
die Sonne, oder die Erde ruhe? Die Buhe der Erde fast mit ihrer ganzen Schwere 
stützt sich auf ein Orakel ürbans VIII., der in einer solennen Bulle die Erde stehen 
und die entgegengesetzte Doctrin den Schulen fern sein hiess. Dennoch folgten dem 
Koperoikanischen System nicht nur die Sektirer, sondern auch die meisten katholischen 
Astronomen, indem sie von der bereits demonstrirten Wahrheit weder für die hl. Schrift 
noch für das päpstliche Dekret etwas fürchteten. Die fortgesetzten Beobachtungen eines 
Hook und Flamstoed Hessen die dagegen vorgebrachten Einwendungen immer mehr als 
unbegründet erscfheinen und 1701 verkündete Whiston in seinen Vorlesungen an der 
Universität Cambridge, das Kopernikanische System sei auf Grund jener Beobachtangen 
von jedem Skrupel befreit, über jeden Zweifel gewiss und demonstrirt. Die meisten 
anderen Astronomen folgten ihm darin nach. In Som und Frankreich suchte man die 
These Urbans Vni. noch aufrecht zu erhalten, indem Cassini jun., namentlich in den 
M^moires der Pariser Akademie 1699, sowie ein römischer Professor der Mathematik 
nachwiesen, dass die Flamstoedischen Beobachtungen andere seien, als sie das Koper- 
nikanische System noth wendig habe; allein um so mehr entsprachen ihm die Beobach- 
tungen des Sirius, welche die Pariser Akademie 1717 veröffentlichte. Selbst Cassini 



1) Dupac de Bellegarde, bist, abr^g^e de T^gl. metropolit. d^ütrecht, pg. 380 ff. 

2) 1401, 117 (Can. Bassi au Amort): Ne giorni d*oggi, qaando son si creda ciecamente tntte le 
▼ane, e naoye, e ridicole snperstiziose dottrine, che da speculatiTi fanatici Theologi 8*impongono 
al pablico/ uno diviere tosto aomo sospetto, o di dottrine non sane. Gib posto, perch^ TAbbate 
Nicolini h spregiadicato neHe scienze. iCorri lo fanno passare per nno di principi sospetti, nemo 
catÜTO, di Sorte, che alcnni Canonici ne parlorono a]tiniamente con faoco nel peremtorio per 
eaüsarne distnrbi, ed afflizioni al Serenissimo cod tuttociö ne essi anno in cib come sudditi a 
prescriyere, ne questa h materia per la loro oziosa ignorante critica. cf. 1. c. fol. 158. 

3) Bensch im Bonner tbeol. Lit.-Blatt 1867, 752; 1869, 14; 1870, 811; 1873, 5 and dessen 
Artikel: der Gailersche Prozess in Sybers histor. Zeitsch. 1875, S. 121-48. Gebier, 
Galileo Galilei. 1876. S. 362 ff. 



56 

legt» die Waffen nieder, und alle, welche seitdem in Frankreich das Eopernikanische 
System als blosse Hypothese ausgaben, tbaten es gewöhnlich nur aus Ehrfurcht gegen 
das päpstliche Dekret. Ebenso fing man in Italien an, das Eopernikanische System an- 
zunehmen und in Bächern öffentlich zu vertheidigen. So war die Sachlage im Anfang 
des 18. Jahrhunderts gegenüber einem unnöthigen römischen Vorgehen.^) Den Theo- 
logen und katholischen Philosopheu, welche nicht gegen die Autorität Boms Verstössen 
wollten, fiel die unmögliche Aufgabe zu, die Unbeweglichkeit der Erde zu beweisen. 

Einen Vortheil hatte das römische Verfahren doch: die Astronomie fand auch bei 
den Katholiken eine Aufnahme und insbesondere ist gar kein Zweifel, dass die Jesuiten 
ihre mathematischen und astronomischen Studien hauptsächlich in der Absicht betrieben, 
das Eopernikanische System zu beseitigen; fast überall hatten sie in ihren Niederlas- 
sungen auch Observatorien. Auch andere Elöster schlössen sich diesem Streben an, 
und es ist überraschend, welch' einen Werth man von dieser Seite im vorigen Jahrhun- 
dert den astronomischea Beobachtungen beilegte So hatte Fölling sein eigenes Obser- 
vatorium; mit grossen Eosten Hess es einen Quadranten von Paris kommen und werden 
von ihm alle neuen Erfindungen bemerkt. Amort stand mit den Observatorien in Paris 
Bologna^ Bom, München, Ingolstadt und Wien etc., soweit ich noch sehen kann, in Ver-' 
bindung, um die Beobachtungen, deren eine ganze Reihe beiliegt,*) einander zu ver- 
mitteln. Und selbst in China knüpfte er Verbindungen an. 

Es war deshalb auf Seite der Gegner des Eopernikanischen Systems keineswegs 
ein blosses Absprechen, sondern ein auf wissenschaftliche Bedenken gegründetes Ver- 
fahren : sie meinten , dass dasselbe eben noch nicht über allen Irrthum erhaben, der Be- 
weis für dessen Richtigkeit noch nicht vollständig erbracht sei. Das sehen wir deutlich 
an der Stellung Amort's zur Sache. 

Amort war die Position der Eatholiken von AnfiEing an zweifelhaft vorgekommen; 
ja, er glaubte sogar 1719 mit dem Jesuiten Eochanski in Polen (1685), dass nach 
ihren Beobachtungen das Kopemikanische System bewiesen werden könne, und muss da- 
mals auch für den Parnassus boicus eine dahin gehende Arbeit geschrieben haben. 
Diese Notiz gehört wenigstens in seine Correapondenz mit den Herausgebern des 
Parnassus.') 



1) Amort, Systema Planetarium. Qaies terrae adversos GopernicaDos stabilita. 

2) 1403, 108-132 

3) 1407, 69 (y. 19. April 1719): Quod attinet Phaenomenon etc., potuissem addere adhnc alias 
tres obserrationes triam prorsns similium Pbaenomenomra factas a P. Kochanski S. J. in Po- 
lonia, qoi circa illa eodem fere modo discarrit sicut ego; reperi has in Actis Ernditoram anni 
1685 paocis post absolutam et transmissam meam expositionem diebns, iste celeberrimus olinnde 
Jesaita ex talibas Phaenomenis putat probari posse systema Gopemicanum, sicut ego; si proin 
nitro se offerret occasio conveniendi P. Yalk, hae tres observationes, in quibus omnibos Draco 
motu suo forebatur ab ortn in occasum, possent illi intimari, ntpbte maxime confirmantes expo* 
sitionem meam desumptaro a motu terrae diurno. 



57 

Der in Amort's Brief v. 19. April 1719 erwähnte Jesuit Faick antwortete ihm in einem 
sehr anerkennenden Brieft in dem die beachtenswerthe Notiz vorkommt, dass seine Be- 
schreibung des in Bede stehenden Phänomens auch dem P. 'Franz Bassler sehr wohl ge- 
fallen habe: derselbe stehe in allem auf den Principien der neuen Pliilosophie und freue 
sich sehr, wenn auch andere den nämlichen Meinungen zug^than seien. Aber auch Falck 
billigte. Amort's Conjekturen^) und wünschte, dass Bayern, während die meisten schlafen, 
mehr so wachsame Beobachter haben möchte. 

Gleichwohl Hess Amort 1723 seine schon oben berührte Schrift: Systema Planetarium 
in Nürnberg gegen die Kopernikaner erscheiuen, indem er glaubte, eine neue und 
bessere Hypothese begründen zu können, als die Kopernikanische. Denn davon ging man 
damals aus, dass die Kopernikanische Theorie noch nicht über eine Hypothese 
hinaus gediehen sei. Amort verwahrt sich daher in seiner Vorrede ausdrücklich dagegen, 
dass er derselben lediglich die Autorität des römischen Dekrets entgegenstellen wolle; 
Tielmehr werde er zeigen, dass die behauptete Demonstration oder wenigstens die mora- 
lische Evidenz des Kopernikanischen Systems noch nicht gegeben sei. Er gibt sogar die 
Möglichkeit zu, dass die Kopernikaner einmal sichere Beweise für ihr neues Dogma 
beibringen werden. Was aber dann mit dem römischen Dekrete? Da Amort eine päpst- 
liche Infallibilität im Sinne der neuesten Zeit nicht kannte, so war es ihm natürlich 
leicht, für jenen Fall zu sagen: dann wird das Kopernikanische Dogma von selbst er- 
laubt sein, das vorher nur wegen der Unbesonnenheit und des Skandals (?) war verboten 
worden. Das habe ja auch der Jesuit Faure, Pönitentiar bei St. Peter in Kom, ausge- 
sprochen: man hat, schrieb er, eure Coryphäen schon öfter gefragt, ob sie irgend eine 
Demonstration für die Bewegung der Erde hätten ; aber nie hätten sie das zu behaupten 
gewagt. So lange dies aber nicht geschehe, habe auch die Kirche das Recht, die be- 
treffenden Bibelstellen im buchstäblichen Sinne zu nehmen und zu erklären, dass sie so 
zu nehmen seien. Sollte es hingegen den Kopernikanern gelingen, das GFegentheil . zu 
beweisen, was er freilich nicht glaube, so werde die Kirche keineswegs ein Bedenken 
tragen, zu erklären, jene Stellen seien im figürlichen und uneigentlichen Sinne zu ver- 
stehen, wie bei dem Poeten: Terraeque ürbesque recednnt *) Daraufhin erklärt denn 
auch Amort diese Frage für eine solche, welche mit wissenschaftlichen Gründen, nicht 
mit autoritativen Machtsprüchen zu erledigen sei, und darum lege auch er sein 
System vor. 

Man sieht daraus, dass man doch schon an die Möglichkeit eines Unterliegens seit 
Langem dachte und man sich bereits nach einer Interpretation des römischen Aus- 
spraefaes umsah, welche die offenbare Niederlage etwas maskiren sollte. 

1) L. c. 186 (t. 21. Mai 1721): Placuit aatem descriptio illa non mihi tantnm, sed etiam P. nostro 
Franc. Basaler, qui per omnia novae Philosophiae insistit priDcipiis, et summopere gandet, ai 
alioa habet iiadem opinionibns adhaerentea. Ego vere ^ Illioa obaervationem et coDJectaraa 
probo. — 

2) Amcrt, Sjatema pg. 7 f. Faare^a Bescript wurde achon 1665 in die Acta Soc. Reg. Anglicanae 
menae Jnnio eingerückt. 

Abb. d. JII. Cl. d. k. Ak. d. Wiaa. XIII. Bd. II. Abth. 8 



58 

Die aatroDomischen Studien Amort's wurden allseitig von den Katholiken mit 
grösster Freude begrüset. P. Nicasius Orammatici meldet es seinem, ebenfalls mit astro* 
Domischen Beobachtungen beschäftigten Ordensgenossen Kögler nach Pekin, der denn 
auch in einem Briefe an seinen Bruder in Polling (1726) dessen Beobachtungen den 
besten Erfolg wünscht. Nachdem er das schon 1724 verlangte Systema planetarium 
Amorts erhalten, macht er ihn 1*730 mit seinen Bedenken bekannt Nicht mit unrecht 
bemerkt er, dass die gebildeten Gegner des Kopemikus in Europa ihm von allen Seiten 
werden Beifall gezollt haben, indem in ihm ein neuer Vertheidiger der ünbeweglichkeit 
der Erde aufgestanden sei ; denn Amort gilt unter diesen in der That als eine Autorität. 
Dennoch fühlt KOgler recht gut, dass damit die Controverse nicht abgeschlossen sei, 
ja, er selbst sieht sich veranlasst, einige Behauptungen Amorts zu bestätigen, andere zu 
erschüttern. So hatte dieser geschrieben pg. 84 nr. 10: Reciprocationes aedifieiorum in 
terrae motibus plerumque sunt ab ortu in occasum, raro a septentrione in meridiem, 
aut vicissim. Respondeo, hoc experimentum indigere adhuc sufßcienti inductione. Kögler 
bestätigt diese Behauptung: Gertum est, reciprocationes aedifieiorum in terrae motibus 
indifferentes fieri secnndum omnes piagas pro varietate impulsus ac succussionis. Vidi 
ego meis oculis in terrae motu 12. Jul. 1720 etc.') Dann aber bemängelt er seine 
Berechnungen: sie weiciien von denen der neueren Astronomen ab. Ein neueres Argu- 
ment Amort's weist er aber ganz zurück: Argumentum illnd, quod petitur a distantia 
contiguarum fere stellarum prorsus immutata, semper magni habui. Puto tamen, 
a Copernicanis dici posse, etiamsi stellae sint veluti soles, non ideo istorum solium syste- 
mata similia esse huic nostro systemati solari, sed duos forsan aut plures soles ad 
unum et idem systema attinere secundam diversam providentiam Dei Creatoris, ideoque 
non necessario 2 Stellas tanto ab invicem distare, qnanto eae distant a nostro sole. 
Deinde etsi plurimae vicinae stellulae non notentar mutare distantiam, videtur tamen 
certum esse in quibusdam observatum esse aliquid mutationis; verum haec non satis 
re^pondet quantitati, qualem parallaxis annua motae terrae reposcit; uti bene de- 
monstrant plures Astronomi, qui proin alias ejus mutationis causas cum A. R. D. V. 
assignant.') 

Man erkennt auch aus diesen Bemerkungen, dass die Bekämpfung des Kopemika- 
nischen Systems keineswegs eine blinde war; dass man die Gründe der Kopernikaner 
sorgßLiüg erwog und ihnen Rechnung trug. Gerade aber die ausgedehnten Beobach- 
tungen, von denen man schon aus den Briefen des P. Nicas. Grammatici an Amort') 
einen üeberblick gewinnen kann, machten die Jesuiten selbst immer mehr in der römi- 
schen Anschauung schwankend und zu Anhängern des Kopernikanischen Systems. 1724 



1) 1403, 86. 

2) L. 0. 

3) L. c. fol. 108—116. 



■ 



59 

muss Nicasius Grammatici eine Hypothese Newton's nach den Angaben Whistoo'ä als 
richtig anerkennen.^) 

Grosse Spannang erregte der Copernicns triamphans, man konnte ihn nicht rasch 
genug erhalten.*) Noch glaabte Eustachius Manfredi 1729. in seiner Schrift : de annuis 
ioerrantiam stellarum aberrationibns, die Eopernikanische Hypothese erschüttern zu 
können; allein der Jesuit Nicasius Grammatici behauptete alsbald, dass es ihm doch 
nicht gelungen sei;') vielmehr heissen hier die Beweise der Eopernikaner bereits die 
vSolidesten.^^ 

Nochmals machte Amort mittels des umfassendsten gelehrten Apparates einen Ver- 
such (1734), die Unbeweglichkeit der Erde festzustellen;^) allein er war vergebens. Schon 
1740 hatten sich sogar die Jesuiten im römischen CoUegium und in Rom überhaupt 
den Eopernikanern ergeben; denn als in diesem Jahre der Jesuit Faure, Professor der 
Physik im römischen C!olleg, seine Quaestio contra Gopernicanos schreiben wollte, da 
fand er bereits Niemanden mehr in Rom^ ^er ihn mit seinem Rathe unterstützt hätte, 
und mnsste sich an den „grossen Philosophen und Mathematiker'^ Amort in PoUiog 
wenden. Die Frage drehte sich wiederum „de ruina aedificiorum ac turrium consequente 
motum diurnum terrae '' Als die Antwort Amort's eintraf, schreibt er, sprang er vor 
Freude auf; dass er sich an ihn gewendet habe, erklärt er dadurch, daps alle jesuitischen 
römischen Mathematiker in den, von ihm als grundfalsch betrachteten, Vorurtheilen be. 
fimgen und entgegengesetzter Meinung seien; er habe mit den bittersten Feinden zu 
thun und müsse auf Alles gefasst sein.^) 



1) L. c. fol. 112. 

2) L. c. fol. 192. • 

3) 1405, 202: (der reg. Chorherr Prosper Goldhofer v. 22. Febr. 1780 an Amort): Qaem nuper 
promisiase xne memini, mitto tractatam D. Eostachii Manfredi de annuis inerrantiam stellarum 
aberrationibus, baud dubie B. snae D. pergratum. Erit enim forsan, ut lucem aliquam sit alla- 
tums iis, quae hac de re breri publico communicatura est sua Dominatio. Puto enim, quaiitum 
hucttsque perlnstrando inde constare potnit, ad evidentiam deroonstrationum et selectissimarum 
obserrationum ibidem contentarum anthenticitatem vix aliquid ultra desiderari posse. Objectum 
qnidem jam fuit a P. Nicasio» hoc totum opus, utut eruditissimum, nullatenus tarnen labefao- 
tare Copemicanae bjpothesis solidissima argumenta, prout tamen in praefatione promiserat 
autor. Et revera directe hoc ab ipso baud fuisse praestitumj abunde satis per operis hnjus de- 
cursum liquere ezistimo; credo tamen totam autoris doctrinam ad boc argumentum reduci posse: 
si Vera est Copcmicana bypothesis, tunc fixae parallazi annuae subjectae deberent serrare omnes 
illas leges parallazeos, quae in boc opere assignantur, sed bas de facto non senrant, ergo. De* 

moDstrata majore ab autore in boc tractatu, minor videtur relinquenda Copemicanis, a quibus 
bactenus nulla fuit producta talis observatio, quae ad omnes et quidem tam se?eras annuae 
porollaxeos leges fnisset plene ac sufficienter exacta. 

4) Notitia accurata de sjst ac partibus universt in seiner Pbilosopbia Pollingana ad normam Bur- 

gundicae. T. IV, 205—669. 

5) 1403, 148. 149: quod cum viderim tibi etiam arridere, ,in eoque te, etiam nescium meae opi- 
uioois, convenire, vere exilui prae gaudio. P. Piccolomini defunctus est Januario exennte 

8* 



60 

So wird es denn begreiflich erscheinen, dass Benedikt XIV. endlich 1758 ans dem 
Index das Verbot von Buchern, welche die Kopernik^nische Lehre enthalten, streichen 
liess, wenn diese auch vorläufig immer noch als blosse Hypothese gelten musste. Eine 
vollständige Abklärung der Meinungen war ja noch gar nicht erfolgt, so dass z. B. noch 
am 14. April 1782 der Pollinger Chorherr Schlögl, Professor der Physik an der Univer- 
sität Ingolstadt, klagte: die Lehren der neuesten Physiker sind in der That ganz extra* 
ordinär . . . Babiqueau behauptet gar^ die Figur der Erde sei nicht rund, sondern eben, 
wenn anch gebirgig; es gebe keine Antipoden, der Mond sei kein wirklicher Körper, 
sondern ein blosser Beflex der Sonne. ^) 

§ 11. 
lieber die theologische Methode. 

Das theologische Studium, fast ausschliesslich in den Händen der Jesuit^, lag, 
wie anderwärts, in der Diöcese Augsburg tief darnieder. Ich las im Jahre 1870 in Born 
eine Eingabe des Bischofs Joseph bei P. Benedikt XIV., welche eine Schilderung wahrhaft haar- 
stränbender Uebelstäode in Dillingen enthält. Da Amort der Theologe dieses Bischofes, 
der ohne seinen Beirath nichts that, war, so hatte er reichliche Veranlassung, sich der 
Verbessemng des theologischen Stadienwesens zu widmen. Die Studienordnung in dem 
Seminar . zu Pfaffenhausen, das gegenüber der verrotteten Dillinger Jesuitenschale errichtet 
wnrde, stammt von Amort; die dort gebrauchten Lehrbücher sind meistens von ihm, 
ebenso die Instruktionen für den dort zn bildenden Eleras. Amort sprach es oft aus« 
vor Allem tbae eine bessere und wissenschaftliche Erziehung des Klerus noth. 

Da musste denn mit den „scholastischen Pedanterien'^ welche überall getrieben 
wurden und auf die sich auch die Examina erstreckten, aufgeräumt werden.*) Dabei 
verdienten die Zeugnisse der Jesuiten keinen Glauben.') Theologie wurde häufig gar 
nicht gehölt, da schon, wie in Ingolstadt, das philosophische Studium 3 Jahre umfasste 



hnJQs anni. P. Bar^undio rector est Collegii Romani in ejns locnm suffectus. Scias tameo me 
de dubio tibi propoeito nihil prorsns vel com P. Bargandio vel cum aliis mathematicis Bomanis 
nostris contuliBse, qaod sciam eos praejadiciis mihi falsissirais praeoccupatos in opposita faisse 
opinione, ex motu diarno terrae disjectionem aedificioram non seqoiitnnim; qnare tibi statim 

perscripsi, quem sciebam in rera opinione esse. Agendnro mihi est com acerrimis bostibus, 

et ad omoia paratos esse debeo. 

1) Beichsarch. ]. c. No. 144. 

2| 1408, 16. 

3) L. c. fol. 100: At vero sublato rigore examinnm, qnid reliqni, nisi ut Ordinarius coeco modo 
subscribat testimonialibns eomm, qaoram fidem noyimna. — Dasselbe klagte B. Joseph dem 
P. Benedikt; ja, er behauptete sogar, dass die Jesnitenschäler tob DUlingen nicht einmal die 
7 Sakramente; geschweige die hl. Schrift kannten. Die Vorstellnng ist italienisch abgefasst 
and wie Can. Bassi an Amort schrieb, Ton diesem gefertigt, 1898, 30 sq. 



61 

und den Candidaten in der Regel die Zeit zu lang wurde. ^) So fehlte es denn in 
Deutschland unter den Katholiken an guten Polemikern, Bibliotheken und Käufern oder 
Verbreitern guter Bücher, nur die mit S. J. gezeichneten fanden Abgang.') 

Dagegen begünstigten sie die Träumereien von Weibern, wie der Maria von Ä^reda, 
den Probabiiismus und jede Art von Aberglauben, abgesehen von den sonstigen Unge- 
heuerlichkeiten ihres Systems. „Die Monstrosität der jesuitischen Studien'^ entging 
namentlich dem bei B. Joseph einflussreichen Can. Bassi nicht,') der sich zur Beseiti- 
gung derselben mit Amort verband. Die Universität Dillingen sollte nach der Ansicht 
beider nicht hinter anderen Universitäten zurückbleiben. Schon 1750 drängt daher 
Amort, der Bischof solle „bei der Yisitatio Liminum die Nothwendigkeit einer Reform 
der öffentlichen Studien der Jesuiten, indem ihren Convicten Gesetze vorgeschrieben 
werden, urgiren;'^ es könnte auch derselbe beim Papst um die Fakultät einkommen, die 
Amort'schen Prolegomena, die Basis bist. eccl. oder auch die Amort'sche Theologie den 
päpstlichen Alumnen in Dillingen, ja allen Studirenden für die Repetition vorzuschreiben.^) 
Der Bischof, obwohl Dillingen seine Landesuniversität war, konnte nämlich keineswegs 
80 leicht nach seiner besseren Einsicht in die Thätigkeit der Jesuiten eingreifen. Die 
Exemtion der Regularen stand auch hier dem Bischof im Wege, weshalb Amort in dem 
Begleitschreiben, womit er seine Theologia scholastica an den P. Benedikt XIV. schickt 
(11. April 1752), diesen * bittet, er möge in dem Breve, welches demnächst der Bischof 
von Augsburg in Bezug auf die Taufe gestorbener Kinder erbitten werde, zugleich diesem 
die Vollmacht ertheilen, auch andere in der Diöcese herrschende Missbräuche, seien sie 
auch bei Exemten eingerissen, abzustellen, allzu laxe Doktrinen zu verbieten und die 
kirchlichen Studien in allen Klöstern, Seminarien, Convicten und Lyceen seiner Diöcese, 
besonders an der Universität Dillingen und in dem dort sich befindenden päpstlichen 
Alumnat zu regeln ; denn, setzt er bei, die Exemten, voranglich die Jesuiten , welche ausser 
der Dillinger' Akademie in dieser Diöcese noch 4 andere öffentliche Lyceen haben, werden 
dem Bischöfe nur gehorchen, wenn sie durch die päpstliche Autorität gezwungen werden.^) 



1) 1407, 64: Novitios noster mittctnr ad pbilosophiam Ingolstadiam; qaanto praevideo, subibit 
eandem sortem, quam se sabiise merito dolet D. Georgias . • .; nempe persolato trienDio phi- 
loeophico absoWet annom vigesimum quartum aetatis; nrgebit presbyteratas, et circa theologiam 
dispensabitnr« 

2) 1407, 59: Dolendnm qnod in Germania ex defecta bonae institutionis tarn rari sint boni pole« 
mici, tarn rarae inter Catholicos bonae bibliothecae, tarn rari emptores yel buccinatores bono- 
ram libroram, nisi insignitorom signo S. J. 

3) 1398, 30 sq. 

4) 1408, 50. 

5) 1407, 39: Si exandire placnerit ea supplicantis vota, posset in eodem Brevi delegi episcopo po- 
testas ap., jaxta formalam prins a Sanctitate sna revidendam abolendi etiam alios, si qnos in 
Boa dioecesi invenerit, etiam exemptorum abnsns, prohibendi doctrinas niminm laxas, et rega- 
landi studia ecclesiastica in omnibas monasteriis, seminarüs, conyictibus et lyceis suae dioecesis, 
praesertim in academia Dillingana et in alamnata Pootificio Dillingano. Exempti enim, prae- 



62 

Und letzteres behauptet er in gleicher Weise von den Franziskanern.^) Daza kommt, 
dass diese Mönche auch der Censur des Bischofs nicht unterstanden, so dass Amort 
darin die Wurzel aller üebelstände findet und deshalb verlangt, der apostolische Stahl 
möge auf Bitten mehrerer Bischöfe die jesuitischen Schriften überall für die Zukunft 
gänzlich der Censur bischöflicher Censoren oder apostolischer ""Commissäre unterwerfen.*) 

Amort erkannte aber bald auch, dass eine völlig neue theologische Methode über- 
haupt nothwendig sei. Schon 1742 schrieb er, als er sein epochemachendes Buch de 
indulgentiis herausgab, an den Gan. Bassi: Er sei in diesem Werke den anderen Theo- 
logen durch ein neues Beispiel, theologische Controversen von grösserer Bedeutung ge- 
nauer zu behandeln, vorausgegangen. Diese neue Methode bestehe in der Darlegung der 
historischen Entwicklung einer Lehre. So habe er allerdings eine ganz neue 
Auffassung der Lehre vom Ablasse gefunden; allein die Methode sei so neu und ihre 
Resultate so überraschend, dass sie kein Theologe in Deutschland öffentlich zu den 
seinigen zu machen wagte; während wenigstens die letzteren in Born alle Anerkennung 
fanden.') Hatte aber Amort einmal die historische Methode adoptirt, so musste er 
nothwendicr zu einem Bruche mit der rein scholastischen gelangen, wenn er sich dabei 
auch öfter veranlasst sah, contra communem sententiam recentiorum zu Verstössen. Auch 
Andere haben schon darauf hingewiesen, dass „Amort noch auf dem Boden scholastischer 
Traditionen stehe, sich aber mit Vorliebe den älteren Scholastikern zuwende/'^) Allein 
schon ehe Martin Gerbert, der spätere Fürstabt von St. Blasien, gegen die scholastische 



sertim Jesoitae, qoi in bac dioecesi praeter academiam Dillinganam habent alia quatuor lycea 
publica, non parebont episcopo, nisi compalsi autoritate apostoUca. 

1) L. c. fol. 89: Jesüitae enim et Franciscani in Germania solum tiinent Bomanam ferulam . . . 

2) L. c. fol. 119 (8. Sept. 1759): Legi concionem Neamajrianam de Probabilismo, reperiqae in 
illa propositiones profecto scandalcsas in popnlo. Non solum contraria docet sanae doctrinae» 
sed etiam Instructionibus parochorum catecheticis et Institutionibus in Seminario episcopali sta- 
bilitis autoritate Ordinarli- Mirabitur Roma in re tanti momenti ignaviam Serenissimi, nisi 
malo apponat efficax remedium. Nullum antem sufficiens reperiri posse prae7ideo, nisi suppli- 
cantibus episcopis complnribus Sedes ap. unversim per orbem scripta Jesuitamm prorsus omnia 
in vosterum edenda subjiciat censoribus episcopalibns vel commissariis apostolicis. 

3) 1408, 1: Praeeo aliis Theologis novo exemplo tractandi ezactius controversias majoris momenti 
theologicas, dum exhibeo historiam doctrinae, ordine chronologico ponendo autorom vete- 

rum de quaestione controversa seutentias. Memoratn dignum est, quod manuscriptom ab 

initio communicaverim pluribus in Germania theologis; collaudarnnt omnes; nullus tarnen ausus 
est apponere approbationem publicam; quia yidebant, hanc meam doctrinam repugnare univer- 
sali opinioni theologorum in Germania. Misi Opus S. Palatii Magistro, P. Zuanelli. Appro- 
batum est non solum libentor, sed et SS. D. N. Clemens XII. in praesentia Em. Card. Lercari 
mihi contestatus est: Applaudere Romain operi. Ac certe opus adeo placuit plerisque Rom. 
theologis, ut 11. Maji 1737 in s. congreg. Indulgentiarum fuerit deliberatum, an supplicandum 
esset SS. D. N., an procedendnm esset ad definiendam meam sententiam, prout ez adjecto folio 
N. 6 perspicere licet. 

4) Werner, Gesch. d. katb. Theologie S. 101. Alzog, Kirchengesch. 8. Aufl. II, 505. 



63 

Methode auftrat,*) hatte Amort für sich mit dieser , vollständig gebrochen. Was ihn 
bewog, in seinen Werken noch an derselben einigennassen festzuhalten, das lag in 
äusseren Verhältnissen; denn gerade als er an seiner theologia scholastica arbeitete, 
schrieb er (8. April 1749) an Canonic. Bassi nach Augsburg: Inzwischen bin ich mit 
der Heransgabe einer von der Sciaverei der Schulen freien Theologie beschäftigt; ich 
bebalte jedoch noch das Idiom und die Methode derselben bei, damit ich verstanden werde 
Qod Gehör finde.') 

Wie Amort diese Freiheit von der Sciaverei der Schulen versteht, das hat er in 
einem Schreiben an den Papst vom 3. Dezember 1750 selbst des Näheren auseinander- 
gesetzt; eine solche Theologie, meint er, müsse als ihr Ziel vor Allem die offene Wahr- 
heit in aller Bescheidenheit und Einfalt verfolgen und frei von den Vorurtheilen der 
Schulen sein.') und in einem anderen Schreiben au den Papst, das sich ebenfalls auf 
dieses Werk bezieht, setzt er weitläufig die Mängel der modernen Theologie auseinander, 
die er zu vermeiden gesucht habe. Insbesondere aber tadelt er die Vernachlässigung 
der Quellen der Theologie: da fahren die Theolögen die Autoren ihrer Schule haufen- 
weise an, ganze Bücher und Bände füllen sie damit, aber die Bibel, die Zeugnisse der 
Väter, die Constitutionen der Päpste und die Dekrete der Coocilien werden entweder 
gar nicht, oder nur sehr verstümmelt angeführt; nur die Namen der Neueren sitzen in 
den Ohren der Kirche. Dieser Makel müsse von der Theologie hinweggewischt werden, 
die Quellen müssen bis zur Sättigung geboten werden, dagegen sind nur jene neueren 



1) Apparatus ad eruditiooem theologicam, institntioni tironum coogregationis S. Blasii 0. 8. B. in 
Silya Nigra destinatna. Friburgi 1754. — Principio theologiae exegeticae. Praemittantnr 
prolegomena theologiae Christ. uniTersae. Accedit mantissa de traditionib. ecclesiae arcanis. 
S. Blaaii 1757. Und: De recto et p^trerso usii theologiae scholasticae. S. Bas. 1758 etc. etc. 
Werner, S. 181 flf* 

2) 1408, 43: Interea occnpor hi editione theologiae a Servitute scholarum liberae, retento tameD, 
ut in teil] gar et audiar, scholarum idiomate et methodo. 

3) 1408, 15: Ex fönte Inminum generalia Inmina. Hac proin de causa, quamvis essero a Servitute 
particularium scholarum Über, nitro tarnen subjectione minime servili in magistrum mihi selegi 
Angelicum, non imperio compulsus, sed ratione persuasas. Ex diligenti enim collatione Aqui- 
natis non solum cum Patribns, qui uti filo orationis solnto, ita notionibus terminornm nimium 
▼agis ac propterea saepe ambiguis utuntur^ sed etiam cum aliis scholasticis manifeste comperi, 
hunc Doctorem prae caeteris invenisse Systema Theologiae ooordinaturo et solidum/ Hac igitur 
ratione ac methodo conscripsi praesentem Theologiam scholasticam cum supplemento Theologiae 
moralis, seu ut quis tractatus coordinare yoluerit, Theologiam moralem cum supplemento scho- 
lasticae, quam nee dogmaticam nimis esse volui, ne fiistidirent discipuli, nee speculatiTam 
nimis, ne abjicerent docti; nee oratione dissertam, ne periret robur, sed ordinata methodo 
omnium capitum attemperatam. Cum autem difficile sit, in disceptationibus tam intricatis 
tantisque semper feriisse scopum^ pro quo nil aliud, nisi veritatem apertam, modestam, candidam 
atque a praejudicis scholarum liberam in majus ecclesiae decus praefixeram. Gorrectioni Sedis 
»p. hoc praesens opus coramitto. — 



64 

Theologen zu benützen, welche in der Schrift, den Concilien, Vätern und der Kirchen- 
geschichte Erfahrung verrathen.") 

Welchen Schwierigkeiten eine solche Neuerung in der Methode begegne, sah Amort 
selbst, als er die römische Censur seines Werkes erhielt : bald hatte er den hl. Augustin, 
bald die Thomisten, bald die Augustinianer verletzt; bald beschuldigte man ihn selbst 
des Bajanismus etc., so dass er um des Friedens willen seine Theologie neuerdings 



1) 1407, 84 sq. Cum in theologia morali aeque ac specalativa, proat in stndiis non privatis 
solum, sed et publicis a centum ferroe annis praelegi solctf a viris in theologia veteri 'simol 
et nora apprime veraatis plares observentnr defectos eorura praecipuos in praesenti opcre, qnod 
sob gloriosis anspiciis Suae Sanctitatis scribendam suscepi, ausn, ut arbitror, miniinc temerario, 
utinam et felici! pargare aggreditur. Primas defectus in eo consistit, quod, cum in Scho- 
lasticorum orta theologia moralis et speculatiTa in nnum sociatae corpns tractarentur indivisim, 
proat ex Summa D. Thomae liqaet, eae nunc tarn inhospiti extorres sejungantur dirortio, ut, 
qui post absolutam tbeologiam speculatiyam, ex illa lauream doctoratus receperint, pleramque 
theologiam moralem maxima ex parte ignorent, scd etiam tanquam artem qaamdam ad infima 
ingeniorum humilium subsellia abjectam, generöse despiciant, illi econtrario, qui solis theologiae 
moralis praeceptis imbuti fuerint, in rebus divinis de Deo, de Christo, de gratia, de sacramen- 
torum natura, de peccato originali, atque ut universim dicam, de rebus fiJei nostrae praecipuis, 
vix ultra plebem indoctam sapiant. Haie defectoi posse succurri censebam, si theologiam bi~ 
frontem conscriberem sub hoc duplici titulo: Theologia scholastica cum sapplemento theologiae 
moralis, et Theolog. roor. c. supplem. theol. scholast. In illa tractatus scholastici locnm 
primum, morales secundam occupant; in ista vero tractatas roorales suo ordine praeeunt, 
sequuntur scholastica. Alter defectus theologiae, praesertim scholasticae, in delectu mate- 
riarum et qaaestionum consistit. Si enim qaaestiones olim a primis theologiae scbol. Patribus, 
▼. g. a D. Thomiä, pertractatae conferantnr cum iis quaestionibus, quae hoc tempore dictantur 
per quadriennium in studiis theologicis, manifestum erit, Tix tertiam aut quartam materiarum 
partem attingi integrum quondam theologiae ^teris corpus constituentium. Venia tarnen 
dignus videri poterat ille integritatis defectus, si ex veteri theologia saltem retentae fuissent 
quaestiones insigniores, quae in regulas fidei aut morum inflaunt : at vero, cum exclusis quaestio- 
nibus utilibus, ad stabiliendam solide fidem aut morum honestatem informandam pertinentibus, 
babeantur in pretio instar dulciariorum nuUis frugis disceptationes mctaphysicae, quas Apostolus 
enim 1. Tim. 6 vocabat conflictationes hominum mente corruptorum, qui veritate privati sunt 
— quaestiones et pugnas verborum, et ibidem c. 1.: fabulas et genealogias (prioritatam rationis) 
intcrminatas, et 2. Tim. 2 ac 3: stultas et sine disciplina quaestiones, miseram profecto theo- 
logia nova faciem novam induit. Huicmalo ut roederer, omissisaut celerrime transcursis quae- 
stionibus ejusmodi obolariis, solum gravis momenti controversiis institi, ad formandam genui- 
nam Ideam de re divina et obligatione cliristlana necessariis vel idoneis. Tertius defectus 
theologiae modernae est neglcctus fontium et locorum theologicorum. Cum enim scrip- 
tura et traditio in hoc genere doctrinae accedente sobrio ratiocinio ac criterio utramque deberet 
implere paginam, sola ferme ratio et consuetudo nuper inolita, et nomen theologorum ab heri 
et nudiustertius recentium, quos quisqne scriptorum ex sua schola domestica turmatim in con- 
flictum educit, integris libris et tomis personant, scriptura vero et testimouia Patrnm et consti- 
tutiones Summorum Pontificum et conciliorum decreta, si quando allegantnr, monstrantur po- 
tius in umbra per citationes brevissimas, quam per extensionem textuum fundamonti aut 



H f-^\ 



65 

revidiren masste.^) Und gewiss bezog sich zum Theil aach Mamachi*s ürtheil über ihn 
in seinen Briefen an Febronias aaf diese neue theologische Methode.') 

Doch war es schon ein wesentlicher Fortschritt, dass jene Methode mehr und naehr 
in Abnahme kam, welche darin bestand, den Gegner, welchen man mit wissenschaftlichen 

m 

Gründen nicht zu widerlegen vermochte, „schlecht und verächtlich zu machen/'') Es 
ist dies ein Zeichen zunehmenden wissenschaftlichen Ernstes, während die Aufnahme 
dieser Methode, wie in unseren Tagen, zugleich ein Gradmesser der ünwissenschaftlich- 
keit der betreffenden Kreise ist. Amort hat zur Beseitigung dieser unwürdigen und 
nnchristlichen Methode nicht wenig beigetragen. Selbst in Spanien fand sein Bestreben 
den grOssten Beifall und wurden seine Schriften mit grOsstem Interesse gelesen und 
ebenso grosser Mühe zu erlangen gesucht, wovon noch mehrere Briefe aus Spanien an 
ihn Zeugniss geben.^) Nicht so dachten freilich seine spanischen Gegner, welche 



petrae instar immobilis in animis discentinm collocantur. Videntnr ejusmodi tbeologi divisisse 
inter se integram scientiaram diTinarum proyinciam. nt antiquitate antiqaita in amplins in foro 
theologico audiatur toz Patrum et theologorum ^etemoi, sed solnm nomen janiorum insideat aures 
ecclesiae. Ut hanc a tlieologia abstergcrem maculam, bibendos ad satietatem praebui coronavi- 
que fonteSf laudavi veteres, recentiores tarnen primi ordinis theologos in Bcriptura, conciliis, Pa- 
tribus et historia eccl. monstrantes perltiam, t. g. Bellarminos, Snarezios, Vasquezios etc. nee 
silentio nee illaadatos praeterii. Beliquum tbeologornm agmen consulendum potiua censui in 
decretis ecclesiae arbitrariis, quae sicut a primaeva legislatorum intentione primario dependent, 
ita a praedominante doctorum sententia et consuetudine saepe explicantur, aut pro varietate 
discipUnae oronino vaiiantur. Quarte defectu theologiam inficit apertus recessus nimium 
facilis a sensu doctorum veterum, eruditione et sanctitate illustrium, praesertim Angelici: ez- 
inde Probabilismi laxati faecnlenta colluvies. Concesserim equidem, sanctos illos doctores in 
quaestionibus theologiae roere philosophicis sat multis, quae ex praenotionibus pbilosophiae Pla- 
tonicae, Peripateticae aut neotericae pendent; vel in quaestionibus pertinentibus ad decret« 
arbitraria ecclesiae, nulli quoad sententiarum delectum praejudicatam scripsisse legem, sed latam 
reliquisse opinandi animis liberis licentiam, dummodo cum primaevis religionis principiis con- 
sonam. Nemo tamen in fide sanus negaverit in illis fidei nostrae antesignanis, quod proTi- 
dentia diyina praeordinavit in candelabrum ecclesiae, praeüumendo, esse circa leges potissimum 
naturales et divinas diffusiora quaedam. 
1; 1405, 35 sqqi 

2) Mamachii epistolar. ad Just. Febron. lib. I, T. I, 246 sqq. S. 49. 

3) 1398, 115 (geistl. Rath Jos. Herz in Augsburg an Amort): Der Hr. Stadtdechant zu Freising 
war dieser Tage hier und hielt daffir, man sollte den Lochstein und sein Werk suchen schlecht 
und verächtlich zu machen, weilen sich nicht leicht ein gegründetes Sjstema werde entgegen- 
setzen lassen. Das Letztere bat in aliweg seine Beschwerde, und zu dem Ersteren konnte 
meinen Beifall nicht ertbeilen, weilen diese Weise zu widerlegen dermalen nur gar zu viel , 
▼erhasset und am Ende nichts fruchtet." 

4) 1398, 158: Tribus abhinc annis felici casu perlegi opusculunk a te elegantissime exaratum: 
AniroadTersiones (ni fallor) morales etc., cujus methodus, Stylus, doctrina et accnrata crisis in- 
credibili gaudio mentem perfuderunt: in ejus praefatione plura didiei, Tidilicet, te nugas et 
dictoria in apologiis detestari, opera SS. Patrum, qui primis sex saeculis floruere, de Terbo ad 
Terbum (mirabile dictu) adnotasse . . . 

Abb. d. JII. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIIL Bd. II. Abth. 9 



<■ '{ 

* • 



« ',1. 



.x^ 



G6 

sich danun auch alle Mühe gaben, seinen theologischen Werken den Eingang in Spanien 
zu verwehren.') 

§ 12. 
Heber das Studlnm des Kirchenrechts. 

Nach den Ansfuhrangen über Amort's Anschannngen ?on dem üopfang der päpst- 
lichen Gewalt, der Stellung der Goncilien, von Febronius nnd den Concordaten dürfte 
es unschwer zu errathen sein, zumal wenn man noch seine Elementa juris canonici 
hinzunimmt, wie sich nach ihm das kirchenrechtliche Studium zu gestalten habe. Wir 
haben jedoch noch den von ihm entworfenen Plan, welchen er an den Bischof von Augs- 
burg geschickt hatte. Zunächst wollte er die Leetüre des von Pithou herausgegebenen 
Vetus Codex Canonum Bomanae Ecclesiae, der sich besonders um deswillen empfehle, 
weil er das alte kanonische Recht enthalte, das in den 8 ersten Jahrhunderten blühte 
und noch rein ist von den apocryphen Papstbriefen und den unzähligen späteren Dia- 
positionen. Dann sollten die authentischen Gapitularien der fränkischen Könige nach 
Baluzius gelesen werden, Vnit Hinweglassung der 8 weniger ächten Bücher des Ansegi- 
sus. Ferner soll hinzukommen ein cnrsorisches Durchgehen des Decretum Gratiani nach 
Pithou oder Böhmer, um eine Idee des neueren Kirchenrechtes in chronologischer Ord- 
nung zu haben, sowie der Constitutionen der deutschen Kaiser und Fürsten, sofern sie 
kirchliche Sachen und Personen betreffen. 

Endlich soll über die Verbindlichkeit und den nüchternen Gebrauch des neueren 
Hechtes Van-Espen, Giberti und mit Vorsicht die Histoire du Droit eccl^iastique avec 
la dissertation, weil deren Verfasser ein Quesnelist sei, gelesen werden, zugleich mit 
seinem eigenen Werkchen de Jure naturali antidpato Dei ad Principem et de Jure naturali 
servo Principis ad ecclesiam (Eiern, jur. can. T. III. Pars. IIL). Nach dem Codex vetus 
Canonum Born. Ecclesiae sähe er aber gern auch noch die Constitutionen der orientali- 
schen Kaiser und italienischen Könige vom 4.— -8. Jahrhundert eingeschoben.') Insbe- 



1) 1409, 59. So schrieb ein BpanucherBachhändler an den Bnchhandler Veith inAag8biirg(1751): 
J*ai fait coorir la nonyelle de ee qae Mr. Amort jonissait d*ime pariaite sant^ (war er in Folge 
des vergifteten Briefe todt gesagt worden?), les personnes de bon gont s*en rejoinssent: j*ai 
auBsi fait Toir le frontispice des ses onvrages de Theologie, je ne doute pas qaMls n'ayent da 
debit dans oe pays: Priez Mr. Amort, qa*il mette a la t^te des dits oayrages qne Djdicatoire 
de qnelqne personnage d'an rang distingue, et B*il pouvait les dedier an S. Pore ee ne serait 
qae mieaz, car ses ennemis feront toat lear possible poar leors faire differer Ventrie en Espagne, 
j Tojant le nom da Pape a la tSte ck les tiendront en respect. 

2) 1408, 88: Idea nataralis stadii Canonici Oermanici ex ipsis fontibos et Canonistis in historia 
Joris peritioribas iisqae indifferentibas. 1. Legatar Vetos Codex Canonom Bom. Ecclesiae, 
editos Mogontiae 1527 et Parisüs a Pithoeo. In hoc Codice reperitor Jos canonicom Tetns» 
figoit oeto primis saecolis, porom ab epistolis apociyphis Sommorom Pontificom et ab innomeris 
aliis recentioribos dispositionibas. 2. Legantor Capitolaria regom Franciae aothentica ex fia- 



67 

sondere yerabschente er aber die apocryphe, alte und neue Literatur so sehr, dass er Orsi 
und Bicchini ersuchte, sie möchten den Papst veranlassen, gleich P. Gelasius I. ein 
Dekret über apocryphe BQcher herauszugeben.') 

§ 13. 
Ueber Bibelübersetzungen. 

Am 13. Juni 1757 erschien ein von Benedikt approbirtes Dekret, welches hinsichtlich 
der Bibelübersetzungen ausdrQcklich bestimmte : Si hujusmodi Bibliorum versiones vulgari 
lingua fuerint ab Apostolica sede approbatae, aut editae cum annotationibus desumptis 
ex sanctis Ecclesiae Patribus vel ex doctis catholicisque viris, conceduntur. • Nach 
Deutschland scheint nur eine ungenaue Nachricht über dieses Dekret gedrungen zu sein, 
als ob von nun an das Lesen der Bibel in der Volkssprache erlaubt sei. Der Cardinal 
Galli belehrt jedoch Amort, (9. Nov. 1759), dass das neue Dekret sehr enge Grenzen 
gezogen habe, und bemerkt überdies, er möchte Niemanden veranlassen, eine neue Bibel- 
übersetzung in Angriff zu nehmen, denn nicht irnr sei sie mit vielen Schwierigkeiten 
vefknüpfb und sehr gefahrvoll, sondern man müsse auch wissen, dass die Väter des Ora- 
toriums des hl. Pbilippus Neri, auf dieses Dekret gestüzt, eine neue italienische Bibel- 
übersetzung mit grossem Fleisse in Angriff genommen hatten, aber auf Befehl des 
P. Clemens XIIL von derselben abstehen mussten. 

Was aus diesem Verbote des Papstes zu entnehmen sei , setzt er bei, werde Amort 
besser, als er (Galli), würdigen können.*) 

Und es ist begreiflich, dass man in Rom an eine solche Erlaubniss nicht dachte, 
da die Jesuiten sogar eine Uebersetzung des Breviers für Klosterfrauen nicht gestattet 
wissen wollten, weil dasselbe aus Bibel- und Väterstellen bestehe; diese aber dem 



luzio, omissis libris octo Capitalariam minus sinceris, quos coUegit Ansef^isiiB Abbas. 3. Per- 
corratar Decretum Gratiani et Corpas juris Canonici ex editione Pithoei Tel Boehmeri, nt ba- 
beatur idea juris canonici recentioris ordine chronologico. 4. Legantar Gonstitutiones Impera- 
tornin et Principam Gennanicoram a temporibus Carolinae lineae nsqne ad haec tempora circa res 
et personas ecclesiasticas editae. Possnnt legi ex Goldasto, Lnnigii Actis eccl., Smansio, Tel 
alio Pablicista. 5. Ut habeatar exacta notitia de obligatione et sobrio nsa juris can. recen- 
tioris, legantar Institntiones can. Van-Espenii, Giberti ac etiam Histoire du droit eccl. avec 
la dissertation, quamvis hie anctor, com sit Quesnelista, caate legendas sit. Addi posset mea 
Opella de jare natarali anticipato Dei ad principem et de jure natnrali servo principis ad ecde- 
siam 6. Post Codicem vettern Canonnm Rom. Ecclesiae, anteqnam legantur Gapitolaria regnm 
Franciae, recte praemitterentur Constitutiones Imperatoram Orientalium et Regnm Italiae circa 
res et persoiu» eccl. a saecnlo IV. nsqne ad VIII. Desnmi possnnt ex Codice et NoTeUis juris 
civilis, ex Institntis Justiniani et ex Codice Theodosiano. 

1) 1407, 79. 

2) 1396, 77. — 1402, 393: Auf der Stamperia camerali, berichtet der Correspondent Ludwig, 
wisse man von einem Decretum de Bibliis in lingua vulgari, von dem Amort wissen will, 
gar nichts. 

9* 



68 

Urtheile der Frauen preisgeben, wOrde alsbald den Jansenismas auch in Deutschland in 
Aufnahme bringen.^) 

Früher war dies freilich (in der Diöcese Augsburg) nicht so. - Nicht bloss die 
Geistlichen, sondern auch die Laien, sagt B. Johannes Otto in seiner Belatio ad limina 
Apostolorum 1597, haben die Bibel in der deutschen Sprache, und er sei auch gar 
nicht in der Lage, sie ihnen zu nehmen: erstere brauchen sie zur Anfertigung der Pre- 
digten, letztere aber werden um die Erlaubniss, sie behalten zu dürfen, nicht bitten und 
sich dieselbe auch nicht entreissen lassen, wenigstens jene nicht, welche nicht unter der 
weltlichen Jurisdiction des Bischofs stehen ; aber auch sonst sei die Index*Begel IV. nicht 
durchführbar.') 

§ 14. 

I 

lieber Bekämpfung des Aberglaubens. 

Es soll hier nicht eine Aufzählung des im vorigen Jahrhundert wuchernden Aber- 
glaubens jeder Art versucht werden. Derartige Erscheinungen sind da und dort zu- 
sammengestellt zu finden, obwohl ich in der Lage wäre, diesen und jenen neuen Zug 
vielleicht hinzuznfQgen, wie ja auch schon die Paragraphen hieher gehören, welche von 
der Entstehung neuer Wallfahrten, angeblichen Wundern und den Visionen der Maria 
von Agreda handeln. Was ich hier zu thun beabsichtige, ist, zu zeigen, wer die 
Hauptbeförderer des Aberglaubens waren, wie schwierig es war, denselben erfolgreich zu 
bekämpfen, dass es aber gleichwohl schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts eifrige 
und energische Bekämpfer desselben gab. 

Wer waren also die Hauptbeförderer des Aberglaubens? BettelmOnche oder Frati, 
welche das förmliche „MonopoP^ darauf hatten, Aberglauben zu treiben und zu ver- 
breiten.') Zu den Franziskanern und Kapuzinern kamen dann insbesondere die Jesuiten. 
Sie waren die vornehmsten Vertreter der speculativen Theologie, und als solche wnssten 
sie die tollsten abergläubigen Doktrinen zu vertreten, und wer nicht blindlings daran 
glaubte, wurde von ihnen als verdächtig und von ungesunder Lehrrichtung denunzirt und 



1) üeber Jansenisten in Deutschland, S. 51. 

2) Steiner, Acta selecta eccl. Angiutanae 1785, pg. 148, not. e: „Parochi, scribit, iis (bibüis 
ynlgari sermone editis) carere non possont, cnm alioqoio pericalam esset, ne pro concione aliqai 
Scriptoram male verterent; laici certe eam facnltatem (legendi b. Scripturam in lingoa vema- 
cnla) non petent, neqae biblia, qnae habent, sibi eripi ab Epiacopo patientor, nbi saecolari 
jarisdictione caret. Praeterea pericalam foret, ne haeretiei catholicis ezprobrent, quod hactenoa 
falsam tractayerint Scriptaram ecclesiasticoram saorom jadicio, et ideo jam plene priTari Scrip- 
tara et hamana tantam credulitate niti debeant, ex qao infirmoram fidee labaaceret, eraditorum 
vero crisis acaeretar. 

3) 1408, 106, Amort am 27. December 1763. 



69 

verfolgt.*) Und ist es zu verwunderD, wenn das Volk immer tiefer in den Aberglauben 
versank, wenn man sogar an dem Gymnasium in Nedbnrg (1716) als Philosophie die 
Magie lehrte, so dass in Folge dessen das Gerücht ging, das ganze Gymnasium sei vom 
Teufel inficirt?*) Ebenso hallten die Kirchen wider von allem möglichen Aberglauben 
and missbräuchlichen Dingen, so dass Eiferer dagegen, wie der Chorherr Obladen, sich 
wandern, dass dieselben nicht noch weit mehr überhand genommen haben. Ein Heiliger 
werde über den anderen erhoben, so dass sie in den Augen des Volkes Gott und Christo 
selbst ähnlich erscheinen und der Heiligenkult weit tiefere Wurzeln geschlagen hat, als 
die Anbetung Gottes. Von den Amuleten der Franziskaner, den Bruderschaften, den 
ohne Approbation herausgegebenen Gebetbüchern komme der Unfug; lese man doch da: 
Wer dieses oder jenes Gebetlein dreimal devot hersage, der werde eine Seele aus dem 
Fegfeuer befreien, nicht plötzlichen Todes sterben, diese und jene Ablässe gewinnen und 
Aehnliches. Oder was soll man von dem Gertrudenbuch, den Werken des P. Cochem 
und selbst dem Vade mecum sagen? Selbst dass uns darüber die Andersgläubigen ver- 
lachen, kümmert diese Leute nicht.') 

Man konnte aber diesen Dingen keineswegs so leicht beikommen, denn die Mönche 
waren zumeist exemt und standen nicht unter der bischöflichen Censur ; ja, die Jesuiten 



1) 1401, 117. Bassi an Amort: Ne giorni d*oggi, qoando non si crede ciecamente tutte le vane, 
e naove, e ridicole saperstiziosc dottrine, che da speculativi fanatici Theologi sUmpongono äl 
pablico, UDO diviene tosto nomo sospetto, e di dottrine non sane. Gib posto, perche TAbbate 
Nicolini e spregiadicato nelle scienze, i Corvi (i. e. Gesaiti) lo fanno passare per uno di prin- 
oipi sospetti, nomo cattivo, di sorte, che alcnni Canonici ne parlorono ultimaroente con fuoco 
nel peremtorio per canaame distnrbi, ed afflizzioni al Serenissimo con tattociö ne essi anno in 
cib come sndditi a prescrivere, ne qnesta e materia per la loro oziosa ignorante critica. Ebenso 
1. c. fol. 100. 

2) 1405, 185 (ans Chiemsee): Fama hie volat, nti et Salialnrgi, Neobnrgi Gymnasiam infectom 
esse, et magistnim aliqnem philosophiam in inferioribns tradidisse, perpetne tractans Magiam 
etc. Qnaeso, dignetor, dare pleniorem et specialem informationem ! 

3) 1404, 183 (zwischen 1752 — 60): Miror sane, qnod non plures sycophantas circa praeceptum de 
invocatione Sanctornm saecnla nostra, saltem in mentibus aliqaornin ad speciem pii produxerint. 
Verum nndenam abnsns iste in bortum religionis clansum irrepsit? nisi ab immodicis qoornn- 
dam oratornm landibns, qui hunc vel illamsanctam snper alternm cum fastn verborumeitollnnt, Deoet 
Christo similem popelio proponnnt, ita ut in rndiam mentibus majorem radicem invocatio sanc- 
tonun,' quam adoratio individuae trinitatis et Dei hominis fixerit. Undenam vulpeculae istae 
parvae, nisi ab amuletis et stercoribus Gonzaliorum, a confratemitatibus, a libellis precatoriis, 
sine approbatione editis, in quibus saepius legitur, qui hanc vel illam oratiunculam ter dixerit 
derote. animam e purgatorio liberabit, non morietur morte improvisa, bas vel illas indulgen- 
tias lucrabitur, et quae similia. Quid mirum dein, si illi, qui nobiscum in religionis negotio 
non sentinnt, nos irrideant, dum, neglecta substantia, plurimos lUis, quae religionis tantum 
sunt accidentalia, so occupare sentiunt. Quid dicam de libello Gertrudiano, quid de operibus 
P. Cochem, quid de ipso Vade-mecum? Taceo. Das Vade-mecnm war t-'chon 1737 auf den 
Index gesetzt, 1396, 98. 






> 
?. 



. * .- 



70 

in Ingolstadt massten sich sogar die Gensar im Namen des Biscbofis ron Augsburg an ; ^) dazu 
hatten die Franziskaner und Jesuiten einen solchen Hochmuth, dass sie Niemanden, ausser 
Rom allein, fürchteten.^ Es ist darum, wie Amort öfters betont, nur von Rom aus zu 
helfen, und der Tadel Ricchini*8 über die Sorglosigkeit der deutschen Bisch()fe, weil sie 
die abergläubigen Amulete etc. der Kapuziner und Franziskaner nicht verbieten,') keines- 
wegs so vollständig begründet. Theoretisch waren die Bischöfe freilich zum Einschreiten 
befugt ; aber factisch hatte Rom dieselben zu vollständiger Ohnmacht gegenüber den Mönchen 
reducirt, und wir sahen schon oben aus den Worten Bassins, wie die Mönche sofort mit 
dem Vorwurfe verdächtiger und ungesunder Doktrinen für ihre G^ner bei der Hand 
waren. Verdammungen in Rom wurden als „erschlichen' ' bezeichnet und verachtet*) 
Wir wissen ferner, welchen Verfolgungen Amort Seitens der Franziskaner, Benediktiner 
und Jesuiten in Verbindung mit der bayerischen Regierung, welche ohuehin allen Aber- 
glauben vertheidigte und beschützte,^) zu bestehen hatte, weil er es wagte, die Albern* 
heiten der Maria von Agreda anzugreifen. Zudem war es damals in Rom Grundsatz, 
die Frati, wie Bassi einmal schreibt, zu schonen und sie gewähren zu lassen.') Dies 



1) So Orsi in einem Briefe an Amort 1742. 1396, 112. Ebenda schreibt er auch über Amort^s 
Klage, dass die Jesuiten ihre Beichtväter nicht dem Bischöfe zam Examen präsentiren. Er habe 
mit dem Papst gesprochen und dieser gesagt: „der Bischof übe sein Recht; er habe, als er in 
Bologna war, auch die Jesuiten dem Examen unterworfen/' 

2) 1407, 89 (Amort an Bicchini:) Jesuitae enim et Franciscani in Germania solnm timent Boma- 
nam ferulam . . . 1407, 89. 

3) 1408, 74. 1405, 31 (r 19. Not. 1752): Ridicula prorsus ac superstitiosa amuleta quae vulgo 
isthic dispensantur, jam generalibus ap. Sedis decretis, quae ignorari rix possunt, interdicta sunt. 
Continent etiam numismata, imagines, precationes, exorcismos vel expresse ab ecclesia reprobatos, 
vel certe in Rituali Rom. minime expressos, quibus prirata autoritate uti non licet. Video quid 
daran! feraut simplicibusf et quäle scandalum dent haereticis; nescio autem, cur episcopi pro 
mnnere suo populos sibi subjectos non instruant, ac moneant, ut ab iis ferendis, ac superstitiose 
observandis abstineant : tum jure suo non utantur adyersus reguläres ipsos a quibus conficiuntnr 
ac dispensantur, cum manifeste delinquant adversus decretalem Innocentii III. in cap. I. da 
custod. eccl., ad cujus obserrantiam compelli possunt ab episcopis et ordinariis locornm. 

4) 1398, 174. 

5) 1398, 24 (Bassi an Amort, 19. April 1748): parlo di Baviera, che tutte le superstizioni difende, 
e protegge 1401, 99. 87: Si lascia troppo piede per insolentire a questi ignoranti Frati Fran- 
cescani dalla Corte di Roma, e da Signori territoriali a quali poco importa la verita, e giustizia 
delle scienze iatesse. 

6) 1406, 5: Jo non lascio pensiere, o fatica alcuna per la buona, e sana dottrina, ma il gran 
numero de' maliziosi ignoranti, e de politici indifferenti, e loro potenza supera i nostri travaglL 
Testimonio ne e la lettera in originale, che le invio del Card Vic. Frate, e ignorante. 
Da questa si raccoglie, che Roma non tuoI decidere, non yuoI attaccare i Frati, che non <Lma, 
chi la pone in necessita di condannare il male; che egualmente protegge Tignorante, che il 
dotto, e la buona dottrina, che la equiyoca; che il tutto si finisce con una riprensione, che non 
comparisce al pnblico, e si lascia credere al publioo la bonta, e stabilita della dottrina dal non 
condannarla; finalmente sUmpone il silenzio egualmente a chi ha attaccato, che a quello che si 



k 



71 

zeigte sich denn auch, als Rom von Augsburg aus gedrfingt wurde, etwas gegen diese 
abergläubigen üeberwucherungen zu thun. In dem nämlichen Brief schreibt ja Bicchini, 
dass der Papst — es war sogar Benedikt XIV. — wahrscheinlich in der Sache nichts 
thun werde; denp eine Anwendung der von Amort vorgeschlagenen, sehr geeigneten 
Heilmittel sei so schwer, als die Heilung dieser üebelJ) 

Und in der That trug ja Rom selbst sein Möglichstes dazu bei, dass der Aber- 
glauben immer aufs neue auflebte. Sogar der Card. Bellarmin hatte sich gegen die 
sogen, privilegirten Altäre mit ihrer Kraft, die Seelen sofort aus dem Fegfeuer zu er- 
lösen, erklärt und behauptet, dass sie keine solide Grundlage haben, ins Alterthum nicht 
zurückreichen und wahrscheinlich vor Gregor XIII. nicht in Gebrauch waren ; erst dieser 
habe die Welt damit angeRillt. Sixtus V. wollte deshalb alle privil^rten Altäre auf- 
heben, f&hrte es aber nicht aus, damit er dem Volke kein Aergerniss gebe. Paul V. 
habe darum festgesetzt, privilegirte Altäre hur mit grossen Restriktionen und auf Zeit 
zu gewähren, damit die Leute nicht hintergangen werden, indem sie meinen, durch eine 
Messe an einem privilegirten Altare werde unfehlbar eine Seele ads dem Fegfeuer be- 
freit.') Gleichwohl fuhr Rom nach wie vor fort, die Welt mit privilegirten Altären zu 
übersäen, und auch der Wahn von der unfehlbaren Befreiung einer Seele aus dem Feg- 
feuer wurde nicht nachdrücklich bekämpft. Ja, Clemens XIIL ging ^ogai* 1761 so weit, 
durch ein Dekret vom 19. Mai zu gestatten, dass die Messe eines jeden Priesters am 
Allerseelentage das nämliche Privilegium haben solle, als ob sie an einem privilegirten 
Altar gelesen worden sei.^) 

Dazu kommt, dass häufig die eine Gongregation nicht wusste, was die andere ver- 
liehen hatte, man also nur sehr schwer erfahren konnte, ob die Mönche ein römisches 



difende, e difende la baooa dottrina, anzi si dice dl star lontano dalle controTersie, che si pos- 
8ono jgnorare fra le quali NB. si pone il precetto nnico, e adorabile dell* amor di Dio; che si 
dee piü tosto travagliare in altre materie piu utili aUa chiesa, coroe deir immacolata Con- 
cezione di cni ora se ne fa mistero, e dogma capriccioso; si difendono li amnleti, le soprabon- 
danti indnlgenze, le superstiziose dirozioni, e i capricci de Frati. 

1) 1405, 31 : Fascicalam litteraram F. V. A. R. cum Indicalo roalomm etc. et Amuletis accepi 
qnae isthic impnne ynlganttir. Doleo ex animo ecclesiasticae reipablicae in amplissimis istis 
proTiDciis abnsiones et vulnera, qoibiis cnrandis aptissima qaidem P. V. remedia saggerit, sed 
vereor ne tarn difficilis sit eorom applicatio, quam ipsa morboram cnratio. Si propitia mibi 
exhibebitnr opportnnitas rem omnem, nt scriptum P. V. communicabo SS. D. N., a quo 
tarnen pro circnmspecta sua in gravioribns, labricisqne negotiis maturitate sperare vix 

andeo promptam aliquam efficacemqne deliberationem. Ita plane repositurum fore arbitror 

SS. D. N., si haec illi dennnciem, quo ea proscribat usumque condemnet. An vero ap. aucto- 
ritatem exercere velit ad reprimendos convellendosque ejnsmodi abusus, polliceri non ausim. 

2) Amort, de indulgentiis in genere et specie. Pg. 187. 

3) 1402, 334. ^ Benedikt XIV. hatte sogar die Schwache, auf Andringen der Könige von Spanien 
und Portugal, am 29. Aug. 1748 zu gestatten, dass Welt- wie Regulär geistliche am Allerseelen- 
tage, wie an Weihnachten, drei Messen lesen durften. In Spanien hatten die Weltgeistlichen 
übrigens schon früher die Erlaubniss 2, die Regularen 3 Messen zu lesen. 1405, 138. 



72 

PiiTilegioiD haben, oder nicht. So Card. Galli, als ihm Ämort den Unfug meldete, 
welchen die Jesuiten bei einer Mission in der Nähe von Fölling mit ihrem Xaverios- 
Wasser (sie haben ausserdem auch noch Ignatius-Wasser) trieben, und um Aaskunft 
darüber bat, ob sie für die von Fölling pastorirten Leute dieses dulden mussten.^) 

Auch die Nuntien missbrauchten in dieser Hinsicht oft ihre Stellung. So empfahl 
der von Wien 1752 in einem Bundschreiben an die Bischöfe die Kraft und den Ritus 
der sogen. Agnus Dei und forderte diese auf, sie in ihren Diöcesen einzufuhren. Dazu 
versandte er einen Druck voll von Aberglauben, wie man ihn von den Billeten der 
hL drei Magier zu Cöln, den Amuleten der Franziskaner und so vielen anderen absurden 
Andachten pries. Sie sollten bewahren vor den (bösen) Geistern, Winden, Donner- 
schlägen, StQrmen, Blitzen and Wettern, vor Trug des Teufels und Versuchungen; gut 
aber sollten sie sein für Gebärende, gegen die Fest, Ansteckung, Gefahren auf dem 
Meere, Brand, üeberschwemmungen, unvorhergesehenen Tod, kurz gegen alle Uebel und 
Gefahren; ausserdem geben sie Frömmigkeit, verscheuchen sie die Trägheit und be- 
festigen den Menschen in dem Schutze Gottes etc. Diese Kraft aber habe ihnen der 
Papst durch seine Benediktion communicirt, und das sei fest zu glauben. Der Can. 
Bassi, welcher dieses Amort aus Töplitz meldet, ist über einen solchen Missbrauch 
seines Amtes durch den Nuntius äusserst empört. Die Gläubigen und der Clerus der 
Augsburger Diöcese, sagt er,*) haben ein anderes Bedürfniss, als die Kraft der Agnus 



1) 1407, 94: Praeterea ante tres bebdomadas in yicina nobis parochia instituerant suas missiones 
missioQarii Societatis Jesu. In discessa commendarant omnibus aqnam a se benedictaro, qaam 
vocant Xaverianam, et cujus mirabiles depraedicant effectus, quin ullam faciant benedictionem 
ant exbibitionein ex s. Congreg. Rituuro. An salvo decreto Indicis ezpurgatorii fol. XXXVI. 
§ VI. poterimus tolerare in nostrae curae concreditis hanc yel plures similes benedictiones nnllo 
comparente Testigio perroissionis romanae. Card. Galli antwortete darauf: Idipsum (sc. id non 
pertinere ad s Con^^reg. Indicis) sentio do aqoa Xaveriana ejusqne benedictione ; Indicis enim 
Congregatio prohibet utique non approbatas ab ecclesia benedictiones ; sed quasnam benedictiones 
s Rituum Congregatio probaverit, aut reprobavcrit, melius ipsa, quam Indicis, novit. 1403, 32. 

2) 1401, 99 sq.: Dopo tale superstiziosa enumerazione leggasi: Quae quidein beneficia et gratiarum 
dona a bonorum omni um largitore Deo fidelibas tribui ac concedi Tiituto liisce sacris cereis 
communicata per benedictionmn ac precationes inprimis quas Christi Vicarius Rom. Pontifex 
universae ccclesiae nomine in eorum consecratione fundere solet. Res est firmiter omnino cre- 
denda etc. Sin qui e il buono. La lettera poi del Nunzio dl Vienna dice . . . ut pro suo pasto- 
rali zelo curare velit, gregem sibi commissum instrui de hoc antiqui^siino ritu. II gregge 
d*Augasta e piü anche il Clero anno d^altro bisogno, che di sapcre la virtii degP Agn. Dei; 
come anno a con?ertirsi li Eretici, se vedono lasciarsi la verita. ad fabulas autem couvertentor 
i nostri superiori della Cbiesa? Amor del secolo, niuna penitenza, non sodisfare a doreri del 
proprio stato, poco escrcizio d*amor di Dio, de prossimo, di raffrenar le sue passioni e in vece 
di inculcar Ic ?irtü pratticbe a Cristiani far pompa, e rumore coUa spiegazione di cera figarata 
cera resta cera, ne mai giustificbera, o donera la giustizia interiore air uomo anche se la 
squagliasse, e se la bevesse per divozione. Grazie a Dio, vediamo chiaro, le oscurita Aristo- 
teliche, Scotistiche sofisticfae speculatiTO sono cessate; il semplice raziocinlo geometrico per 
consequenza critico al presente ci illumina. La religione e ragioneyole, Iddio agisce con 



73 

Dei ZQ kennen Wie könne man da die Häretiker bekehren, wenn sie sehen, dass die Vor- 
steher der Kirche die Wahrheit verlassen und sich den Fabeln zuwenden? Statt ein 
christliches Leben zu führen und die Tugenden zu üben, mache man Pomp und Lärm 
mit der Erklärung einer figurirten Kerze: Kerze bleibe Kerze und werde nie rechtfer- 
tigen oder dem Menschen die innere Gerechtigkeit geben, wenn man sie auch flüssig 
mache und vor Devotion trinke. Gott sei Dank, dass wir klar sehen ; die Aristotelischen, 
Skotistischen und sophistischen speculativen Dunkelheiten sind gewichen. Die einfache 
Vernunft und ihre Gonsequenz, die Kritik muss uns jetzt erleuchten; Rom aber will 
ans wie Bestien blind machen, damit wir nicht sehen ; doch nein ! es lebe Gott, die Be- 
trfigereien weichen dem Lichte der Kritik. 

Um anderen Mönchsorden nicht nachzustehen, musste man natürlich darauf denken, 
dem eigenen Orden gleich wichtige Begnadigungen zu verschaffen: es entstand die Con- 
en r r e n z. So hatte man nachstehendes Pietatis ezercitium erga passionem Christi Do- 
mini. In hebdomada sancta oportet orare in meditatione passionis Christi. Dominica 
in Palmis dicantur 40 Pater et Ave in honorem 40 dierum, quibus Christus jeju- 
navit. Die lunae dicantur 33 Pater et Ave in hon. 33 annorum, quibus Christus 
in mundo vixit. Die Martis 30 P. et A. in hon., quia Christus 30 argenteis fuit 
venditas. Die Mercurii 15 P. et A. in hon. 15 aculeorum, qui ex spinea Corona 
capnt Christi pertransierunt. In coena Domini 12 P. et A. in hon., quia 12 dis- 
cipnli Christum Dominum dereliquerunt. In parasceve 5 P. et A. in hon. 5 vulne- 
ram Christi. In sab bat o s 40 P. et A. in hon. 40 horarum, quibus Christus in 
sepalchro fuit. In pascha 40 P. et Ave in hon. 40 dierum, quibus Christus post 
resarrectionem in mundo permansit. Auf diese Andacht hin sollte Gott 75 verhärtete 
Sflnder bekehren und retten, die ausserdem ewig verloren gegangen wären; dann 25 
Seelen aus dem Fegfeuer erretten, und zwar jene, welche der Betende will; wenn der 
Betende im Sterben liegt, will Gott mit seiner geliebten Mutter (sie!) kommen und ihn 
ins Paradies führen. Gefunden wurde diese Anweisung in goldenen Buchstaben beim 
hl. Grab in Jerusalem; und wer sie kennt und nicht bekannt macht, sündigt. Auch 
diesen Schwindel hatte man in Deutschland. Dem Papst und drei Cardiuälen von einem 
Serviten vorgelegt, wurde es allerdings verdammt, aber sonderbarer Weise wurde wieder 
nur diesem Mönche „gesagt, er solle es in Deutschland, et praesertim in bischöflichen 
Höfen kund machen, dass, wann etwan irgends diese Andacht noch in Schwung ginge, 
dem populo der Fehler benommen werde. ^^^) 



aapieiiia e maesta, rnomo coo poea si santiflca, Qesu Cristo ci ha liberati dalle leggi ceremo- 
niali mosaiche, e ci ha dato un giogo soave, e ragionevole e Borna pretende di acceccarci come 
hestie, accib non vediamo il colpo con cai ci tuoI pcrcotendo le tempia levarci di cervello. 
Ma nb! riva Dio, le imposture cessano al lome della critica. 

1) 1402, 333. 
Abb. d. ]II. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. II. Abth. 1 



'^^ .'•/, ,;• -r^-i 

* • * 







74 

Die Theatiner verschickten jetzt ebenfalls Skapuliere, über die sie fast die näm- 
lichen Offenbarungen, wie die Earmeliten fQr das ihrige, haben wollten.^) 

Aber eine Hauptschwierigkeit, solchen Aberglauben zu beseitigen, war der Umstand^ 
dass er auch einträglich war. Hiefflr will ich nur Einiges anführen. Am 14. Mai 
1760 schreibt der Chorherr Ignaz Gloggner aus Walleshausen an Amort: „AJs eine 
Neuigkeit berichte, dass diese Tage zwei Patres Capuzioer von Immenstadt unweit 
Kempten (auf Anverlangen der Bauern) im hiesigen Revier gekommen, um durch ihre 
Benedictiones etc. künftig die Felder für den Schauer sicher zu stellen. Sie weihen 
Wasser und Salz, lassen auch in einem jeden Feld 4 Pßlhle eingraben, und (wie mir 
die Bauern erzählen) versichern sie, dass dieses bis auf die 9 Jahre wider alle ge- 
machte Ungewitter ein sicherer Schild sein solle. Sie fahren, wie ich höre, in einer 
Kutsche, fordern weiters keine Bezahlung, äussern sich aber, dass ihnen lieb sey, wann 
man ihnen künftigen Herbst einige Fuder Oetreide liefere etc. In mehreren Pfarren, 
namentlich zu Scheyring, Wiukel, Egling etc. haben sie ihre Benedictiones vorge- 
nommen; zu Bridriching und Dinzlbach aber sind die Bauern mit solchen ihren Petito, 
folglich auch die guten Capuziner mit ihrem Wettersegen abgewiesen worden. In Walles- 
hausen aber ist zu dato noch keinem Bauern eingefallen, ein solches Petitum an mich 
zu bringen.***; 

Auch hier weiht uns Can. Bassi tiefer in die mönchischen Geheimnisse ein. Da 
kommt P. Veremund Eisvogl von Wessobrunn zu ihm und theilt ihm mit, dass er eine 
biblische Concordanz verfertigt und dem Papste zugleich mit einem „mystisch thOrichteu 
Bilde*' seiner Immaculata von Wessobrunn dedicirt habe. Die Vermittelung hatte der 
Card. Querini übernommen; der Zweck aber war kein anderer, als „um ein Autwort- 
schreiben zu erhalten, mit dem er unter den unwissenden gross thun und Geld machen 
könne für seine interessirte Congregation.**') Wie grossen Antheil die Franziskaner und 
Capuziner in Augsburg an dem von einigen dortigen katholischen Bürgern schwunghaft 
betriebenen Handel mit von jenen gesegneten Amuleten hatten,^) weiss ich, da ich 
darüber keine Notiz finde, nicht zu sagen. 

Amort's historischer Sinn musste bald die Unbegründetheit und Neuheit dieses 
ganzen abergläubigen Unfuges erkennen. Dazu kam seine Bewandertheit in der Astronomie 
und den Naturwissenschaften. Wir können aus seinen Schriften und Briefen noch genau 
erkennen, wie sich sein Ekel vor diesem, die christliche Religion nur compromittirenden 
Treiben von Jahr zu Jahr steigerte. Schon seine Schrift über das Ablasswesen, mit 



1) 1406, 26. 
2i 1399, 186. 

3) 1401, 87. 

4) 1407, 58: Audio enim, Augustae reperiri complures cives catholicos, sub tutela magistratns 
mixtae religionis positos, qui iDnnmera taliam amuletorum millia conficiant, post eomndem 
benedictionem a Franciscanis vel Capucinis acceptam per mercatores transportanda in^regionea 
exteras. 



7i> 

ihrer historischen Methode, hatte die Aufgabe, der Ausartung desselben zu begegnen. 
Als die Franziskaner und Jesuiten die Welt mit dem Lärme von den Agredanischen 
Offenbarungen erfüllten , da setzte er ihnen sein Buch da revelationibus entgegen und 
Terhinderte in Korn unbesonnenes Vorgehen in der Sache; bald folgten die speciell den 
Agredanischen Träumereien gewidmeten Streitschriften. Mitten in diesem Streite unter- 
suchte er als bischöflicher Commissär das weinende Christusbild auf der Wiese bei Stein- 
gaden (1745), das Leben, die Visionen und Wunder der Maria Crescentia von Kauf heuern 
(1744), die blutende Hostie zu hl Kreuz in Augsburg (1747), das Verfahren bei der 
Taufe gestorbener Kinder in Ursperg (1750) und später das weinende Muttergottesbild 
in Murnau , und überall war er entweder auf offenen Betrug oder doch wenigstens auf 
Umstände gestossen, welche auf einen Betrug schliessen Hessen. Nicht selten hatte er 
die eigentlichen Urheber dieser Dinge und die sie dabei leitende Absicht erkannt. So 
ist denn begreiflich, dass er, wo nur möglich, den Aberglauben zu bekämpfen suchte. 
Can. Bassi und auch der Bischof Joseph von Augsburg unterstützten ihn dabei nach 
Kräften; allein am Ende mussten sie einsehen, dass alle ihre Anstrengungen erfolglos 
seien gegenüber der Macht der Verhältnisse ihrer Zeit. 

1746 warnt er in Augsburg vor einem in München erschienenen Buch voll Aber- 
glauben: die Leut^, klagt er, werden stets abergläubiger.*) 1750 finde ich dann die 
Antwort, welche Bicchini in Betreff der Exorcismen gegen Mäuse und Heuschrecken Amort 
gab. Durch allgemeine Decrete der Gongregation , behauptet er , sind solche 
Exorcismen öfter und gänzlich verboten und abrogirt worden und nur solche erlaubt, 
welche sich im römischen Rituale finden.') Amort hatte die Gelegenheit der Ueber- 
sendnug eines Berichtes über das Ergebniss der Ursperger Untersuchung an Ricchini 
benutzt, um auch noch andere Missbräuche zu berühren und auf eine Abhilfe durch den 
Papst zu dringen. Der Papst gab wirklich Ricchini den Auftrag, Amort zur Abfassung 
eines Indiculus abusuum zu veranlassen.') Um dieselbe Zeit hatte Bassi selbst einen 
vier Seiten langen Brief vom Papste erhalten, der Aehnliches enthalten haben muss, weil 
er nicht blos gelegentlich ihm seine eigenen Ideen schreiben will, sondern Amort ebenfalls 



1) 1408, 24: A^clado cum iis libellam Manachii editam lingaa latioa et germanica; ubi cam 
Apostolo Act. 17 exclamare ad cives non Athenienses, libet: Viri N. N. per omnia quasi saper. 
stitiosiores yos yideo. 

2) 1402, 146. 1742 erfolgte wirklich ein Ausschreiben des Bischofs, in welchem die Exorcismen 
des Rom. Ritaals gegen Mäuse etc. angeordnet werden. Steiner, Acta selecta pp:. 809. 

3) 1405, 29 (7. 18. Mai 1752): Vix ezhibitis SS. D. N. litteris Serenissimi hajos apiscopi adii 
enndem SS. eiqae commanicavi P. V. epistolam ad me scriptam saper abasn baptisimi infantibas 
mortnis collati, et Sanctitas saa iterato promisit, se datar«m eidem Ser. Episcopo decretalem 
de hoc argamento cum instractiote ap. ad probandam eorum in&ntium reriviscentiam, laadavit- 
qne hae occasione zelam, diligentiam, atqae eraditionem P. Y. A. R Qaoad alios abosas in 
eadero epistola iudicatos jussit me respondere P. V., ut eoram indicem transmittat, et commanicet 
simal remedia qnae opportana fore arbitratar, ut iis diligenter expensis videre possit Sanctitas 
«aa, ac decernere qaid magis expediat ad eos conTellendos. 

10* 



auffordert, ihm einen solchen Indicalns Ton Missbräuchen, eitlen Andachten und iem in 
der Kirche eingerissenen Materialismus zu verfassen; femer sollen darin enthalten sein 
die lächerlichen, abergläubigen Gebräuche, welche die Frati in Gebeten und Bildern 
eingefQhrt haben, von den Bischöfen zum Nachtheile der Kirche geduldet und über die 
von Born Stillschweigen beobachtet werde.') 

Das schon oben erwähnte Bundschreiben des Wiener Nuntius, welches gerade in 
diese Zeit fällt, empörte Bassi und wohl auch Aroort noch mehr. Dieser ging denn auch 
wirklich an eine Anfertigung eines solchen Indiculus. Wir haben noch sein Begleit- 
schreiben an Bicchini: er habe, sagt er darin, nur am Schiasse das eine oder andere 
allgemeine Heilmittel dagegen angedeutet; denn er habe gef&rchtet, durch Weit- 
läufigkeit zu ermfiden ; er wolle aber, weon es der Papst wünsche, deren noch mehr mit- 
theilen und zugleich eine längere Deduktion über die Quellen derselben. Ausserdem sehen 
wir nur noch, dass er die blutende Hostie bei hl. Kreuz berührte, weil er darüber das 
strengste Stillschweigen beobachtet wissen will, dann die Amulete der Franziskaner and 
Capuciner, die durch ein Breve verboten werden sollen, zugleich mit der Androhung der 
Excommunicatio latae sententiae für alle, welche künftig noch solche verfertigen.*) Wir 
haben schon oben gesehen, wie der Indiculus in Bom aufgenommen wurde : Amorts Vor- 
schläge werden zwar als sehr geeignet bezeichnet, aber der Papst werde, beisst es, kaum 
etwas thun ; eine Fluth von Vorwürfen gegen die sorglosen Bischöfe ist alles, was Bicchini 
dagegen hat. 

Bassi hatte allerdings richtig als das beste Mittel die Kritik bezeichnet ; allein das 
ist doch ein langsamer Weg, auf dem man ohne Unterstützung der dazu berufenen Auto- 
ritäten vielleicht auch gar nicht zum Ziele gelangt, wie man ja noch in unseren Tagen 
den Beweis davon hat. Als er darum jede Hoffnung auf Bom's Unterstützung aufgeben 
musste, da wandte er sich au seinen Bischof. Am 20. April 1753 schreibt er „voll 
Jubel'^ an Amort, er habe gestern drei Stunden lang mit dem Bischöfe über die enormen 
Missbräuche gesprochen, welche unter seinen und des General vicars Augen in der Stadt 
geduldet werden ; der Bischof habe geantwortet, sie sollten durch die Synode, welche er 
sicher halten wolle, gehoben werden.') Bekanntlich kam aber eine solche, so sehr Bassi 
und Amort drängten, nicht zu Stande. 

Die letzte Hoffnung Bassi*s war nun auf das neue Augsburger Rituale, das damals 
angefertigt wurde, gesetzt. Aus ihm sollten nach ihm und Amort die den Aberglauben 
begünstigenden Benediktionen und Exorcismen entfernt werden.^) Der geistliche Rath 



1) 1398, 81. 

2) 1407, 58. 

3) 1401, 101. 

4) 1837, 159 ist noch eine Recension des Freisinger Rituals erhalten, wo Amort ausdrücklich sagt: 
Benedictiones sunt bonae et aniversales, etiam olei, animalium etc. pro omni casv, eed exorcismi 

contra maleficia et obsessos ponnnt niroiam vim in verbis. Benedictio tempestatam sapit 

snperstitionem et aquae 3. regnm. 



77 

Majer hatte unter der Oberleitung Amort's die Abfassung desselben zu besorgen; allein 
da zeigt sich denn recht deutlich, wie weit verrottete, von Born nicht blos geduldete, 
sondern, wenigstens stillschweigend, gebilligte Zustände Einfluss gewinnen können. Amort 
sah sich jetzt selbst veranlasst, Benediktionen, welche er gern und unter anderen Um* 
ständen sicher beseitigt hätte, zu belassen ; denn ausserdem würden, meint er sehr charakter- 
istisch, die Mendikanten nur für diese Dinge vollständig monopolisirt werden.^) 

In einem Entwürfe ohne Ueberschrift , der aber eine Besserung der kirchlichen 
Verhältnisse im Auge hat und alles das aufzählt, was nach Meinung Amort's dazu dienlich 
sein möchte, hat er freilich mit richtigem Takte getroffen, wie allein etwas erreicht werden 
könne. Vor Allem schreibt er : für alle den Jesuiten anvertrauten Seminarien und Con- 
vikte müssen Gesetze gegeben werden, deren Beobachtung der Wachsamkeit und Visitation 
der Bischöfe als apostolische Delegaten im je dritten Jahre anvertraut werden muss. 
Dann seien die Studien der Jesuiten zu reguliren und dürfen diese nur noch nach ge» 
druckten und in Bom approbirten Büchern lehren ; in ihren «Lehrplan aber müsse femer 
noch das Studium der hl. Schrift, der Concilien, Controversen und Eirchengeschichte auf- 
genommen werden. Die Theologen sollen aber ihre Studien in Deutschland machen, wes* 
halb er festgesetzt wissen will, dass die theologischen Studien in Italien, an der Sapienza,. 
dem Bömischen und Qermanischen CoUeg, in Padua oder Bologna, nichts gelten; über- 
haupt soll auch das Studium schon an den Akademien absolvirter Gandidaten im CoUegiun^ 
Germanicum nur auf wenige reducirt werden, Beligios^n aber gar nicht gestattet sein. 
Weiter will er eine Begulirnng des Ablass- und Confraternitätswesens , der zahllosen 
Beliquien, welche von Bom mit* gefälschten Authentiken kommen , sowie der Beliquien 
und Mirakel Deutschlands selbst.') 

§ 15. 
lieber die Jesniten im Allgemeinen. 

Ueber die Jesuiten ist eine so grosse Literatur vorhanden, ihre Vorzüge und 
Schwächen, ihre Tugenden und Sünden sind schon so bekannt, dass es eigentlich über- 
flüssig erscheinen könnte, weiteres Material aus noch unbekannten handschriftlichen 
Quellen zusammenzustellen* Allein bei der nie ermüdenden Schönfärberei, wie sie nament- 
lich in unseren Tagen herrseht, so dass alles was gegen die Thätigkeit der Jesuiten ge- 
sagt und geschrieben worden ist, als parteiische Schilderung verdächtigt wird, muss e& 
nur zur Feststellung des ürtheils beitragen, auch die Ansicht solcher Männer zu hören, 
welche ihr Treiben aus eigener Erfahrung kannten und in dem Bufe wahrhaft treuer 
und frommer Katholiken standen. Ein solcher war Amort und sein Freund Bassi in 



1) 1408, 106: In ipso Bitaali reliqui plures, qnam ipsus optassem, benedictiones, ut monopolia. 
tollantnr meDdicantibus. 

2) 1837, 156. 



78 

Augsburg, die Rathgeber des Bischofs Joseph von Augsburg, von dem der Geschichts- 
schreiber der Augsburger Bischöfe sagte, dass er „nach seiner Erhebung und bis an das 
Ende seines Lebens die Gunst und das Vertrauen der römischen Päpste in vorzüglichem 
Grade besass/*^) 

Die Jesuiten hatten Alles fflr sich confiscirt : die vireltlichen wie geistlichen Fürsten 
standen unter ihrem Einflüsse, die mittleren und höheren Schulen waren zumeist in 
ihren Händen; sie waren nicht bloss von der gesetzmäpsigen Gensnr befreit, sondern 
hatten auch die bischöfliche Censur an sich gerissen; nur Avas sie sagten; hatte eine 
Geltung, und wo sie nicht offen aufzutreten wagten, da iotriguirten sie im Geheimen. 
So kam es, dass sie nach Niemanden, höchstens noch — und auch das nicht immer -- 
nach Rom fragten, und Alle sie furchten mussten. Durch ihren Laximus fesselten sie 
aber auch jene Massen an sich, welche sonst die Diener der Kirche nicht gerne suchen. 
Das ist im Allgemeinen das Bild, welches sich aus der Verbindung der einzelnen in 
meinem Materiale zerstreuten Züge ergibt. 

Was zunächst den höheren Unterricht der Jesuiten angeht, so sind von allen 
Seiten die Mängel desselben aufgedeckt. Was von der einen Anstalt gilt, an der Je- 
suiten wirkten, das gilt auch von den anderen. Dass man aber auch Seitens der Bi- 
schöfe und des Glerus nicht dagegen die Augen verschloss, das gilt namentlich auch 
von dem Bisthum Augsburg mit seiner Universität Dillingen. Schon die Ver- 
theilung des Unterrichts war eine planlose: man studirte drei Jahre philosophische Ge- 
genstände, und hatten die Candidaten dann das Alter der Weihe erreicht, so wurde von 
dem Studium der Theologie dispensirt. ') Ein anderer Mangel der jesuitischen Lehr- 
weise war es, dass Dogmatik und Moral nicht bloss als getrennte Gegenstände vorge- 
tragen wurden, sondern man auch gestattete, dass die einen Candidaten sich nur in der 
Dogmatik, die anderen in der Moral ausbildeten. Jene verachteten das Studium der 
Moral als nur für schwache Köpfe geeignet und brnsteten sich sogar mit ihrer Ignoranz 
in den Fragen der Moral; diese hingegen wussten von den vorzüglichsten Glaubenslehren 
kaum mehr als das ungebildete Volk. Dabei klagt Amort dem Papste ferner, dass die 
Jesuiten nicht zwischen wichtigeren und unwichtigeren Gegenständen zu unterscheiden 
wissen, auf diese zu grosses Gewicht legen und zu viel Zeit verwenden; aber nament- 
lich die Quellen der theologischen Wissenschaft vernachlässigen *) Und B. Joseph von 
Augsburg schrieb damals sogar an P. Benedikt XIV., die Jesuitenschüler vergässen 
über ihrer Scholastik selbst die 7 Sakramente, von der hl. Schrift wüssten sie aber ab- 
solut gar nichts. Auch sonst wirkte diese jesuitische Lehrmethode nachtheilig, z. B. sogar 



1) Braun, Gesch. der Bisch, v. Angab. IV, 452. 

2) 1407, 64 (Amort am 20. Dez. 1719): Novitius noster mittetur ad philosophiam IngolsUdium ; 
qnantnm praerideo, snbibit eandem sortcm, quam se sabüsse merito dolet D. Georgias . . • 
nempe persolnto trienDlo piiilosophico absolvet annam ▼igeeimam qnartam aetatis, orgebit prea- 
byteratos, et circa tbeologiam dispensabitar. 

8) L. c. 84. Die Stelle s. ,,Theol. Methode*' S. 63 sq. 



79 

in Freising klagte man über die „scholastischen Pedanterien^^ auf die es bei den Prü-* 
fangen allein ankomme.^) Nun durfte man überdies, wie schon B. Joseph dem. P. Be- 
nedikt gesagt hatte, nicht einmal den Ton den Jesuiten ausgestellten Prüfungszeugnissen 
trauen. *) 

Solche Zustände mussten schon ein Dringen auf eine Seform der jesuitischen Studien 
noth wendig machen. Der Bischof von Augsburg gründete daher wegen des schlechten 
jesuitischen Unterrichtes in Dillingen ein geistliches Seminar, oder Lyceum in unserem 
Sinne, zu Pfaffenhausen und als seitens desselben die Visitalio Liminum bevorstand, 
(1750) und Amort wegen der Belation darüber befragt wurde, bestand dieser darauf 
dass diese Gelegenheit nicht versäumt werden solle, die Nothwendigkeit einer Reform 
der öffentlichen Studien der Jesuiten zu urgiren und deren Convikten Oesetze vorzu- 
schreiben.') Dazu blieb es in Augsburg nicht unbeachtet, dass alle anderen Univer- 
sitäten Beformen zu ihrem Vortheile er&hren hatten, während die Universität Dillingen^ 
wo die Jesuiten auch die juridische und mediciniscbe Fakultät beherrschten, bei ihren 
jesuitischen „Monstrositäten^^ bliebt) Besonders zog das junge, irische Leben in Ingol- 
stadt die AuAnerksamkeit auf sich ; aber gerade hier erkannte mau auch, wo der Hemm- 
schuh für alles Bessere zu suchen sei. Es waren die Jesuiten ^) Und doch waren diese 
nicht so leicht zu einer Aenderung zu bewegen : sie fragten, wie anderwärts mit Belegen 
dargethan ist, weder nach den Fürsten, noch nach den Bischöfen; nur Rom vermochte 
noch etwas über sie, das jedoch schwer gegen sie einschritt. Nicht nur waren sie voo 
der bischöflichen Gensur befreit, die Ingolstädter Jesuiten hatten sich sogar die des Bi- 
schofs von Augsburg angemasst. Deswegen sucht auch Amort stets Hülfe gegen sie 
von Rom, freilich in der Regel umsonst. Bald schlägt er vor, dass alle jesuitischen 
Schriften überall den bischöflichen Censoren oder päpstlichen Commissären zur Approba- 



1) 1408, 15: Fraefatofi' Rms. Vicarins Generalis (Frisinganus L. B. do Werdenstein) snmmopere 
auet brevi videre Instructionem Ordinandoram, coDqoeritiir enim et ipse de forma examinmn in 
sua dioecesi, in qaibus interrogari solent pedanteriae scholasticae. 

2) L. c. f. 100. Die Stelle s. „theol. Meth." S. 60. 

3) L. c. fol. 50. 

4) 1398, 80 : Siccome h stato eletto nn nnovo Govematore deir Universita di DiUinga, cosi ci h<> 
incnlcata ]a uecessita che vi e di stabilire meglio la sna aatorita, e giurisdizione sopra la snd- 
detta com* altresi di stabilire nn miglior sistema dei stadi. Sopra di cib ne hb fatta vivissima 
relazione al Serenissimo che mi ba permesso di rifletterci. Molti esempi abbiamo dalle riforme 
seg^te di tant* altre Universita, ma pnre sara necessario di stabilire tal sistema, che dal 
nostro Vescovato possa esigersi; mentre debbonsi i stndi proporzionare ai Paesi. Che perö- 
resta Lei pregata a stendere bnoni, e fondi^nentali punti per stabilirlo. addittando li Aatori in 
ciascbednna classe . . . cf. 1898, 81. 

5) 1401, 97: Sono stato a Ingolstatt, c hb trovato quell* Universita in fermentazione volendo il 
buoni talenti saper il vero, ed avendo benche tardi aperto una volta gli occhi. L^Ickstatt, 
Lor^ etc soffrono molto da i PF. Soc. J., ma sin ad ora Tfilettore li sostiene, come hb inteso 
dalla lor propria bocca. 



80 

tioD Torgelegt werden sollen ; bald verlangt er, wo er von einer Befonn der deutschen 
Kirche spricht, Gesetze fflr alle Seminarien nnd Convikte der Jesuiten, deren Beobach- 
tung die Bischöfe als päpstliche Delegaten alle drei Jahre mittels Visitation zu unter* 
suchen haben; ebenso eine Begulirung der Studien der Jesuiten und dass sie nur nach 
Autoren lehren, welche in Rom approbirt und gedruckt seien, aber auch dass dem bis- 
herigen Lehrstoffe das Studium der hl. Schrift, Concilien, Controversen und Kirchen- 
gescbichte, ebenfalls aus gedruckten und in Born approbirten Autoren, hinzugefügt werde ; 
endlich sollen nach ihm Studien im Ausland, namentlich auch im CoUegium Germani- 
cum und Bomanum nicht angerechnet werden.^) Und damit hatte Amort auch die 
HauptQbelstände der jesuitischen Lehrmethode getroffen: unaufb(yrlicho8 Diktiren und 
Nachschreiben, sowie unzählige korrupte Doktrinen des Ordens, worfiber der Begens 
Steiner (26. Febr. 1760) an Amort schrieb: Diese Menschen erachten alles, was sie 
sagen, für ein Gesetz Gottes, und kümmern sich nicht um das was die Propheten und 
Apostel gelehrt haben, sondern passen ihrer Meinung ungeeignete Zeugnisse an, als ob 
es eine besondere und nicht die fehlerhafteste Lehrweise sei, die Lebren zu verschlechtem 
und nach seinem Willen die hl. Schrift zu drehen.'; 

Aus diesen Erwägungen ging denn auch Amorts Entwurf einer neuen Studien-Ord- 
nung f&r die Universität Dillingen und die anderen Lehranstalten des Bisthums, wozu 
er aufgefordert worden war, hervor und an dem namentlich zu bemerken ist, dass er 
neben der Philosophie auch auf das Studium der Naturwissenschaften, von dem kein Can- 
didat dispensirt werden dürfte, drang, und bei den Promotionen zum Licentiat oder Dok- 
torat der Theologie ein mindestens zweistündiges ununterbrochenes Examen aus der 
hl. Schrift und Kirchengeschichte verlangte.') 

So weit ich jedoch sehen kann, hatten Amort und Bassi mit ihren, lange sich 
fortziehenden Vorschlägen keinen Erfolg; im Gegentheil bedurfte es aller Anstrengung, 
das Seminar in Pfaffenhausen, dem die Jesuiten begreiflich von Anfang hOchst gram 
waren, aufrecht zu halten. Die Lehrer dieser Anstalt waren ihren grausamsten Ver- 
folgungen ausgesetzt,^; wie es ja überhaupt ihre Methode war, durch ihre Schmeicheleien 
gegen die Päpste und ihre scheinbar blinde Anhänglichkeit an die römischen Doctrinen 



1) 1887. 156. 

2) 1896, 136: Ferant, qood F.Neamayr qoaedam in defeDtione siue concionii probabilistieae scrip- 
serit, qnae tjpis committere iniendat. Isti homiDes, qaidqnid dixerint^ hoc legete Dei pntant : 
nee Bcire dignantar, quid prophetae, quid Apostoli senserint, sed ad sensom säum ineongroa 
aptant testimonia, qaaai grande sit, et non Yitiosissimom docendi genns depravare sententiaa, 
et ad Toluntatem snam Script oram trahere repngnantem. S. Hieron. ep adPaolin. cf. 1398, 30. 

8) 1837, 144 sqq. 

4) 1401, 94: D. Bürckart eruditos presbjter nobis notos ob singnlarem snam emditionem, et qnia 
optinüs delectatar studiis, cruentas passus est a Jesnitis et Mendicantibns penecotiones. — Das- 
selbe widerfahr dem Abbate Nicolini, 1. c. fol. 117. 



81 

sieh die Erlaubiiiss für Alles zu erschleichen and jeden anderen, der für die Reinheit 
der Lehre einstand, anzugreifen.^; 

insbesondere schadete den Jesuiten der von ihnen auf's hartnäckigste vertheidigte 
Probabilismus, mittels dessen sie auch Alles erlauben konnten, wenn nur einer oder 
einige angesehene Autoren für eine Meinung vorgebracht werden konnten.') Aroort war 
schon inpi Anfange seiner Thätigkeit ein Gegner desselben und wurde nach und nach 
dessen heftigster und zugleich mit Concina dessen gefürchtetster Bekämpfer. Es handelt 
sich hier aber nicht sowohl um eine Darlegung der Ausgeburten des Probabilismus, als 
vielmehr um eine, Schilderung der Folgen desselben. 

Schon 1719 schrieb Amort an einen Freund: wollte man den Probabilismus ac- 
ceptiren , so müsste mau den einigen , wenn auch frommen und gelehrten , Doktoren, 
welchen man folgt, Infallibilität zuerkennen ; wenn man dies aber nicht thun könne, so 
wurden einige irrthumsfähige Menschen die Verpflichtung der vorzüglichen Gesetze der 
christlichen lieligion aufheben können. Ueberbaupt untergrabe der Probabilismus die 
ersten Vorschriften des Natur- und christlichen Gesetzes.') Dies blieb denn auch seine 
üeberzeugung bis. an sein Ende und von ihr aus führt er unausgesetzt seinen Kampf 
gegen den Probabilismus, der nicht etwa blos auf die Sittengesetze, sondern auf alle 
Gebiete der christlichen Religiou seine destruirende Herrschaft auszudehnen suchte. Ich 
gehe hier auf den Streit über Probabilismus und Probaluliorismus, sofern derselbe aus 
den Druckschriften selbst leicht zu erkennen und festzustellen ist, nicht ein, sondern be- 
schränke mich lediglich auf Zusammenstellung ungedruckler, den Streit aberneu beleuch- 
tender Stellen. 

Zuerst trat Amort in diesen Kampf durch seine Geusur des Dictionaires des Pontas 
(1733).*) in Rom hatte man den probabilistischen Laxismus, besonders seitens der 
Dominikaner , misgünstig verfolgt und so verlangte man denn auch sehnsüchtig nach 



1) L. c. fol. 63: 6odo cbe il P. Zech sia stato pagato, esi pao dire: die Zech ist bezahlt worden. 

Costoro adalando il Papa mentiscono De' prineipi sodi del dogma. 
2; Eine gedrängte Uebersicht über diese absonderlichen Lehren hat Haber, der Jesuiten-Orden 

S. 284 ff. 

3) 1407, 60: 2} an aliquot doclores etiam pii et docti sint infallibiles circa praecipnas leges 

totius christianae religionis, maxime quando sentiant contru communem opinionera aliorum 
doctorum? 3) an rationabile sit ob solam antoritatem aliquot doctorum fallibilium tolli posse 

obligationem praecipuarum leguia christianae? Adyerto simul, exinde manifeste confici, 

probabilisrao subrai ac subyerti primaria natarae et evangelii praecepta; qaodnam enim prae- 
ceptnm adeo sanctum, ut circa illad aliqaot doctores errare non possint? Adverto secundo, non 
incongrac dictum esse a quodam theologo Gallico, a laxioribus horura temporam summistis egregie 
ladl Astraeae fabulam, in qua poeta constitutau magno apparatu amicitiae leges subvertit nna 
hac clausula: ne quis eas servet iuvitus. Si enim licet sequi autoritatem aliquot summistarum, 
non attendendo ad veritatein rei et pondus rationum, nonne robur ac obligatio pluribus legibus 
toUitar, ut plane eas inviti servare non obligemur? 

4) Menda Pontasiana ab interprete Oenevensi retenta ab Augustano emendata. 
Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIII. Bd. II. Abth. 1 1 



82 

Amort's Buch. Orsi schrieb deshalb nach Fölling'), und Amort erfflUte ningehend diesen 
Wunsch.') Allein schon wenige Monat sp&ter (1738) meldet Orsi, dass Goncina in 
Venedig eine neue Ausgabe des Pontas mit neuen Prolegomenen besorgt habe, in welchen 
er auch Aroort wegen einiger Rügen des Pontas angegriffen habe: Amort, schien es 
Goncina, habe Pontas mit Unrecht wegen mehrerer Meinungen, die einigen laxeren Casaisten 
in Deutschland nicht gefallen, getadelt.') Amort war diese Gegnerschaft offenbar sehr 
unangenehm, indem er sofort darüber au Orsi schrieb ; dieser empfing jedoch den Brief 
zu spät; die Ausgabe Concina's war bereits veröffentlicht. Auch musste Orsi bedaaem, 
ein Exemplar der Prolegomena des Goncina nicht schicken zu können, da der Buchhändler 
einen Separatverschleiss derselben nicht zugab ; doch wollte Goncina, nach Venedig zurück- 
gekehrt, eine Separatausgabe seiner Prolegomena besorgen.^) Schon 1739 gab Amort in 
Augsburg seine Erwiderung heraus: Oontroversiae novae morales recenter motae in nova 
editione Pontasii Veneta ; aber Goncina erwiderte sie nicht, im G^ntheil, noch bevor er 
sie sah, verzichtete er in einem Briefe an Amort darauf, indem ihre Differenzen von 
keiner so grossen Bedeutung seien.') Bei diesem Entschlüsse blieb Goncina auch stehen, 
nachdem er Amort's Erwiderung erhalten und gelesen hatte: es würde, meint er, nur 
zu einem end- und zwecklosen Wortstreit führen; dagegen wollen sie sich vereinigen, zum 
Heile des Nächsten zu wirken und der gesunden Doktrin Vorschub zu leisten.') Dnd in 
der That finden wir von jetzt au beide Männer nicht blos in Freundschaft, sondern auch 
im Kampfe vereinigt gegen die — Jesuiten.^) Die Freundschaft mit Orsi mag das ihrige 
dazu beigetragen haben; denn dieser weiss Goncina nicht hoch genug zu rühmen. Als 
dieser seine Schrift: della storia del Probabilismo , e del Rigorismo etc. herausgegeben 
hatte, da rühmte sie Orsi sofort Amort; mahnt aber diesen zugleich auch, etwa darin 



1) 1396, 99 (1737): CeDsuram tnam in Pontasii dictionarinm malt! desiderant: qnaproptar rem et 
illis et mihi g^ratissimam faceres, si aliquot huc in Urbem ejus exemplaria, data opportonitate, 
transmitteres. 

2) 1396, 100. 

3) L. c. fol. 102: R. P. Daniel Conciiia insignis Institut! nostri concionator . . . novam Pontasii 
editionem Venetiis cnravit; novis additis Prolegomenis, qnibus plara ex tais Mendis Pon- 
tasianis castigat, in qaibos visns es illi immerito Pontasium notare ob aliqoas opinionee» 
qoae laxioribas qaibosdam Germaniae casnistis non placent. 

4) L. c fol. 104. 

5) L. c. fol. 153 (13. Jan! 1739): ... 11 libraro Sig. Giambatt Recnrti me ne ha altresi speiwe 
volte parlato, e ml ha altresi significato eome e vicino al compimento della stampa il libn>, 
nel qaale confuta le animawersioni, che io ci bo premesse al Dizionario del Pontas; sopni di 
qaesto fatto non ci sara tra noi eontesa. Li dispareri nostri sono pin di fatto che di maa- 
sima: per consequenza egli e facile Taccordarsi. Comanqne perö sia, io certamante non re- 
plicherb parola, non essende le nostre discrepanze di tanta importanza, che ricchieggano longhe 
dispute. 

6j L. c. fol. 155 sq. 

7) Concina's Briefe 1. c. fol. 157—174. 



83 

äbergangene Meinungen der Laxisten aus ihren Schriften zu exeerpiren und ihm zu 
öberschicken, damit er sie in die Hände des Papstes gelangen lassen könne. ^) 

Durch diese Stellung Amort*s zum Probabilismus kam er naturlich auch in eine 
schiefe Lage zu den Jesuiten, welche alle Gegner des Probabilismus und der laxeren 
Theologie zugleich auch als die ihrigen betrachteten. Wie z B. Abb^ Nicolini, „ein ab- 
gesagter Feind des probabilismi und laiioris theologiae moralis^', im Seminar zu Pfaffen- 
hausen sofort den Verfolgungen derselben ausgesetzt war'), so unterstützten sie auch die 
Franziskaner und Benediktiner in ihrem unsauberen Kampfe gegen Amort.') Nur um 
so mehr drang dieser bei B. Joseph darauf, dass in das bischöfliche Seminar zu Pfaffen- 
hausen der Probabilismus nicht eindringe ; ja, er drängte sogar denselben, ein Dekret zu 
erlassen (c. 1760), worin in seiner Diöcese unter anderen Propositionen auch der Pro- 
babilismus nebst einigen Ausgeburten desselben yerboten werden sollte.^) Wenn man 
aber etwas gegen die Probabilisten durchsetzen wollte, dann musste man vor Allem dahin- 
streben, die Jesuiten aus ihren Stellungen als Beichtväter der Fürsten und Bischöfe zu 
beseitigen,^) was sogar bei einem Bischof, wie Joseph von Augsburg, schwer auf die 
Dauer zu erreichen war. Schon c. 1752 hatte dieser wieder einen Jesuiten als Beicht- 
vater, ebenso 1761, nach des Letzeren Tod will er jedoch einen Weltgeistlichen nehmen.') 
Wohl daher kommt es auch, dass er in seinen Entschlüssen, so gute Absichten er auch 
hatte, doch immer schwankte, und bereits 1753 sich der Probabilismus in Pfaffenhausen 
breit machte , da auch der in Italien erzogene Generalvikar demselben zugethan war. ^) 



1) 1405, 7 (1742): Hoc oper« cl. Autor, qai in evolvendia casaistis plarimum temporis contrivit, 
oinnes ferme, aat saltem praecipaas eoruni corraptelas et lazitates, quibus cbristianae ethices 
iDtegritatem castitatemque foedissime constüprarnnt ac violarunt, in lacem prodncit, exagitat 
festiyeqHe deridendas propinat. Tot aatem ejosmodi pravas opiniones data occasione in hoc 
sanm opos congessit , at earam promtoarinm jare dici possit. Tibi aactor sum, ut illad tibi 
compares, teqne etiam Tohementer hortor, ut si quae alia sunt iu ejosmodi autoribus sanae 
incorrnptaeque doctrinae dehonestamenta, quae Concinae diligentiam effugerint, ut illud de riduae 
matriraonio, quod mihi nuper indicasti, ex eorum libris excerpao, atqne istinsmodi excerpta ad 
me transmittas, meaque opera in manns Sanctitatis suae deveijerint. 

2) 1401,117. 153. 

3) S. § 3 o. 1396, 169. 174. 

4) Der Entwurf Amort*8 findet sich 1837, 152: 1. Ad operandum boneste sufficit dictameu ultimum 
practicum praecise probabile. 2. Licet sequi seutentiam etiam notabiliter minus probabilem. 
3. Licet operari ex solo moti^o oblectationis secluso alterius deordinationis periculo. 4. Garet 
peccato etiam yeniali exigere debitum a conjuge certo grayida (worüber er 1745 auch die Schrift 
herausgab : Disquisitiones dogmaticae de coutroversiis in theologia morali insignibus). 9. Vellere 
genas et tangere mamillas feminarum solutarum est actus de se soluro venialis, nee mortalis, 
nisi tantum ex pravo affectu vel intentione etc. Cf. 1407, 156; 1406, 99. 

5) 1401,153 (1747): Oggi si presentera il nuovo P Confessore Capuccino a. S. A. Questo h inimico 
della lassita, e probabilisimo , ed ajutera tutti noi nelle idee vantaggiose al bene della chiesa, 
e del publice presso del serenissimo suo peniteute per quanto ruha promesso. 

6) 1398, 31. 36. 

7) 1406, 10 : NoTUS Seminarii Pfaffenhausani regens (prout accepi a. D. Bredelin) bonas literas 
literatosque vires selectosque libros odio habet, mysticam ascesin, laxumque probabilismum 

11* 



84 

Amort Hess sich weder darch die Ungunst der Verbältnisse, noch Verfolgungen 
aller Art abhalten, den von ihm als verderblich erkannten Probabilisuius zu bekämpfen. 
Die Abfassung seiner Theologia eclectica wollte er benötzen, um durch den Tractatum I 
de conscientia „auf eine ganz neue, aber unwiderlegliche Methode den Probabilismum ans 
dem Weg zu heben/' ^) Dieses Werk, in Rom durch, vom Papste selbst bestimmte, 
Gensoren revidirt, diesem ge^yidmet und von ihm empfohlen, wurde, wie sich später zeigen 
wird, von den Jesuiten als der empfindlichste Schlag gegen sie empfunden. Dabei hatte 
Amort die Genugthuung, dass der von ihm au^estreute Same nicht unfruchtbar blieb. 
Schon 1748 wollte der Subregens Jos Herz in Pfaffenhausen ein System Qber den Pro- 
babilismus ausarbeiten, das gegen die jesuitischen Probabilisten gerichtet sein sollte.') 

Die Stimmung charakterisirt es, dass es eine allgemeine Freude hervorrief, als 1752 
mehrere laxe Sätze der Jesuiten über das Duell , wenn auch ihr Name nicht genannt 
wurde, von Benedict XIV. verdammt wurden.^) Kicchini meldete es an Amort im Vor- 
aus, dieser wieder an Bassi, und beide erwarten die Constitution mit höchster Spannung, 
ja, Amort wünscht sie möglichst „emphatiscli, damit sie den Schamlosen Scham einflösse,'' 
und dass sie alsbald in der Diöcse verkündigt werden.^) Allein der literarische Kampf 
wurde immer heftiger, eine Masse von Schriften für und wider den Probabilismus erschienen 
(in wenigen Jahren waren bis 1755 an 20 für und 20 gegen denselben veröffentlicht 
worden), was jedoch nur die Folge hatte, dass Verständigere sich von beiden Parteien 
abgestossen fühlten und nach einem Mittelweg suchten, den man namentlich im Studium 
der hl. Schrift und der Väter und in der natürlichen Billigkeit zu finden glaubte.^) 



tantnin nrgens. Disciplina melior est, sed stndinm in deterias. Lectio ad mensam fit ex as- 
cetis et meditantibos, neglecta historia ecclesiastica ; at haec placent Vicario generali Bomana 
psendo-scientia pietateqne imbnto. 

1) 1407, 6 (27. Febr. 1748\ 

2) 1406, 85: Coglto enini circa nsnm probabilium altquod elaborare sjstema, qnod mihi semper 
pro caeteris placait, qnatenus nerope. l^ conscientia practica sen dictamen nltimnm debeat esse 
ita certum, nt ab actione ezclndat omne pericalnni, et formi*1inein peccati formalis, qnalis- 
cumque deinde illa certitado diel valeat metaphjsica sen moralis. 2^ ostendendam assamo, qaod 
in sententiis ininns probabilibas vel etiara aeqae talibns non possit formari conscientia praedicto 
modo certa, et qaod omnia dictamina a P. Lacroiz et aliis addnci solita vel sint sopltismata, 
vel &l8a, Tel certe non continentes praemissas certas , ex qnibns conclnsio inferri qoeat , nt 
oportet, certa, nisi supponant, qnod sententia illoram de nsn licito aeqne vel minns probabilinm 
sit certa, id qnod ntiqne longissime abesse probatnr. S® qnod antem sequi lioeat probabiliora, 
si snnt veie et notabiliter probabiliora . . . Die Schrift erschien jedoch erst 1 766 zu Augsburg. 

3) Dieselben bei Denzinger, Enchirid. 3. Aufl. S. 377. 

4) 1708,73; 1406, 10. 

5) 1397, 229 : . . . certe ego ntrnmqne (sc. probabil. rigidnm et tennem) horreo et ad inenndam 
viam mediam nnice confirmor, qna confratres mei addiscant, ex limpidissimis theologiae fontibna, 
scriptnra nimimm, ss. P. P. veneranda antiqnitate ac aeqnitate natnrali, non ex proprio jndicio 
ant oronino ratinncnlis philosophicis snas confirmare sententias. So Ildeph. Ott, reg. Chorherr 
in Beyhartingi 1755. 



85 

Die Masse freilieb blieb im bequemen Probabilismns stecken and meinte sogar, einer 
Häresie sich za nähern , wenn sie den Probabilismns verliesse. So schreibt ein reg. 
Chorherr 1759 aus Neuzeit in Tyrol, dass unter seinen 53 Mitbrüdern sämmtliche Pro- 
babilisten seien und lieber den Martyrtod ertragen wollen, als Antiprobabilisten werden.^) 
Am meisten hatte sich aber der Probabiismus auf dem Lande eingenistet: um ihm zu 
huldigen, brauchte man nicht viel zu wissen, und je unwissender man war, nur um so 
fester hielt mau am Probabilismus fest, so dass schliesslich ,,Nichtswisser^^ mit „Proba- 
bilist^* gleichbedeutend genommen wurde.*) Dagegen galt ein eifrigerer und etwas rigo- 
roserer Pfarrer sofort bei seinen Collegen als Jansenist. 

Einen Hauptschlag ' sachten aber die Jesuiten in Ingolstadt 1757 gegen Concina 
nnd Amort auszuführen. 1756 war nämlich in Salzburg von einem Franziskaner Gregor 
Seiz eine dissertatio theologica de insufficientia attritionis formidolosae erschienen, worin 
er den Probabilisten, namentlich denen der Gesellschaft Jesu, vorwarf, dass ihren Citaten 
von Schriftstellern nicht zu trauen sei. Das veranlasste denn die Jesuiten an der 
theologischen Fakultät in Ingolstadt, an der sie die Majorität hatten, sich hinter zwei 
Studirende der Theologie zu verstecken und diesen behufs einer Disputation eine Schrift 
in die Feder zu diktiren: Quaestio facti. An major fides est habenda probabilistis, aut 
Anteprobabilistis in allegandis authoribus eorumque doctrinis. ') Die Schrift sollte Doppeltea 
erreichen : Die Hauptgegner der Jesuiten , Concina und noch mehr Amort (in seiner 
theologia eclectica) sollten der Mala fides im Gitiren überführt werden; dann aber war 
an der Spitze dieser Autoren und als deren Vorbild Jansenius angeführt und insbesondere 
Berti als Jansenist weitläufig verdächtigt, so dass auch auf Concina und Amort der Schein 
des Jansenismus fallen sollte. 

Amort parirte jedoch den Hieb augenblicklich und glücklich in einer anonymen 
kleinen Schrift: Duo Academici Anglipolitani malae fidei causa castigati^ Aug. Vind. 
1758. Dieselbe, mit einzelnen Reminiscenzen ans seiner Studienzeit in Ingolstadt, deckt 
in ziemlich scharfer Sprache die ganze Blosse der jesuitischen Probabilisten auf und am 
Schlüsse geisselt er aufs strengste ihre ganze Methode and Lehrweise. ^) Einen Vortheil 
hatte den Jesuiten diese Provokation eines schlagfertigen Gegners nicht gebracht: in 
Ingolstadt war man ohnehin schon den Jesuiten höchst abhold und mit ihren geringen 



1) L. c. fol. 220. 

2) 1406, 107 (Kellner an Amort. I. Febr. 1762). 

3) Vgl. dar&her auch Prantl, Gesch. der Lud,-Max-Univ. I, 581. 

4) Pag. 30: Caetemm protestationes iUas esse facto contrarias, evidens est consideranti, plerosqae 
Snmmistas morales non esse ezaminatores, sed tantnm compilatores ac confarraginatores opini- 
onom probabilinm. Ubicanqae apariatur P. Bosenbaiiin Tel alias Sammista, allegationes aathonim 
apparent, ezamen rationnm in ntraroqae partem vix anqnam. Probabilistae ferme nniversim 
arcent siioe discipQlos a lectione anthomm paalo severiora scribentiam; discipnli prompte obse- 
quantor nnico vel altero moUioris cnlcitrae stratore contenti. Inter ipsos doctores qaotasqnisqQe 
hoc tempore reperitnr, qiii sibi ad solidam discnssionem rernro moraliam necessaria snbsidia 



86 

Leistungen unzufrieden ; in Rom aber — Amort schickte je ein Exemplar beider Schriften 
an den Card. Galli,^) — wo, man überhaupt ängstlich jeden Anstoss vermieden wissen 
wollte, war man äusserst unangenehm berührt, dass die Jesuiten jetxt auch Deutschland 
aufregten, zumal da Rom seine Ohnmacht erkannte, diesen Uebeiständen abzuhelfen, 
üeberhaupt scheint damals eine eigeuthümliche Stimmung Rom ergriffen zu haben ; es 
behauptete von sich stets: es könne nur weinen, aber nicht helfen.') 

In welcher Stimmung sich aber Amort damals (1758) befand , das besagen uns 
noch wenige, von ihm darüber erhaltene Worte: nach der kurzen Spanne dieses Lebens 
werden die Lügen der laxeren Moralisten nichts nützen.') Diese Verstimmung erhöhte 
eich aber noch, da die Probabilisten immer kühner wurden und in alle Gebiete religiösen 
und kirchlichen Lebens übergriffen. Mittels des Probabilismns brauchte mau auch gar 
keine Approbation oder Jurisdiktion seitens des Bischofs mehr und wurden die päpstlichen 
and bischöflichen Reservatfälle illusorisch : die Kirche, hiess es, supplire wegen der blossen 
Probabilität einer derartigen Meinung den Defekt der Approbation und Jurisdiktion.^) 



paret; indefeasam Tidelicet lectionem scriptarae, coDciliorum, patram, historiae ecclesiasticae 
etc.? Et sine bis disserentem res theolo^icas pro viribus solide discassisse pradenterpraesamat? 
Vana ergo protestatio et inanis praesanoptio est, qaia probabilistae de Summistis suis praesa- 
muDt, qnod quaestiones omnes snaram sammarum exacte discnsserint. Accedit, qnod textus patnun 
non praesumptiopem de discossione aliena loquentis placentia» sed examinationem propriam et 
jadiciam proprium ipsius operantis requirant. 

1) 1407, 89. 

2) 1403, 30 (Galli an Amort): Ab isto (R. P. Priore' Birgit tino) accipio nunc alios duos libellos, 
quorum alteri titulus Duo Academici etc , alteri Quaestio Facti Pro hisce libellis summas tibi 
ago gratias . . . Quaestionem qnoque Facti legendam cl. Ricchino communicabo. Ex ejus titulo 
intelligo, ac doleo in Germaniam quoque penetrasse Utes in Italia nimio, ac deplorabili animonun 
aestu agitatas: quae utin^im in solis theologicis dissidiis, non in mutuis injuriis, ac turpibns 
accusationibus, constitissent. Sed baec deflere mala magis possumos, quam iis mederi. 

3) 1407, 121 : Circa proposita dubia respondi pro veritate sine fuco,- nil enim post exiguum vitae 
transitoriae spatium proderunt laxiorum moralistarum fucata mendacia. 

4) L. c. fol. 128 Amort an Ricchini, 20. März 1758): Accludo libellum, in quo praeter laxaa pro 
babilistarum opiuiones illud mihi inprimis displicet, quod author fol. 176. %V. scribit: in aacra- 

. mento poenitentiae ministrum licite uti jurisdictione praecise probabili etiam extra casum neces- 
sitatis. Sic etiam mihi anno praeterito quidam Franciscanus vagabundus, cum a me repreben- 
deretur, quod transieus per dioecesin nostrae viciniam excepisset confessiones circiter 400 
poenitentium sine approbatione Ordinarii, per cujus dioecesin transiit, confidenter respondit: a 
P. Katzenberger doceri, quod probabile sit, id Heere transeuntibui per alienas dioeceses. Prodiit 
«tiam in nostra dioecesi jam ante annos ferme viginti libellus cujusdam Franciscani de casibuo 
reservatis in nostra dioecesi, ubi docet, probabile esse, quod prima Tice a qno?is confessari 
absolvi possit a quovis casu rescrvato poenitcns, si ignoraverit casum esse reservatum. Autbor 
libelli Yocatur P. Wech. Sunt praeterea qui aperte defendunt, in articulo mortis, qnemvis sacer- 
dotem etiam simplicem valide absolrere rooribundos a casibns sedi ap. vel episcopo reservatis» 
et a censuris, etlamsi baberi possit commode alius confessarius legitima potestate praeditns. 
Consent, ob solam probabili tat em ejusmodi sententiae ab ecclesia suppleri defectum approbationis, 
Tel jurisdictionis. Merentur haec regulari Brevi ap. ad episcopos Germaniae. 



87 

Das Jahr 17ö9 gab dem Streite über den Probabiliamas neuen Stoff. In Miinchen 
hatten die Jesuiten neue Probleme veröffentlicht, in Bezug auf die es, um die notabiliter 
minus probabilem sententiam zur Bichtschnnr zu nehmen, genügen sollte, die äusserliche 
Antoritftt eines oder des anderen Summisten für sich anführen zu können, was übrigen^ 
als Ordenslehre sogar durch ein Provincialdekret vorgeschrieben war; dadurch aber dass 
irgend ein Summist citirt werden konnte , wurde auch zugleich Alles ein Problem. *) 
Dass auf diese Weise auchTAlles schwankend und unsicher werden mnsste , da zumd 
diese Probabilisten für jede Meinung, die sie aussprechen wollten, irgend etwas zu sagen 
wussten, ist klar und begreiflich. Aber nicht blos diess. Die Jesuiten wussten es auch 
zu bewirken, dass probable Meinungen zu einer moralischen Gewissheit gelangten. So 
schreibt Ehager aus Eichstädt an Propst Franz Töpsl (1769): „Noch eins. Zu einem 
Zeitvertreib lese ich ein von P. Kugler verfertigtes Compendium über des P. Car- 
denas Crisin iu propositiones damnatas. Qleich bey den ersten finde ich die saftige 
Gonstruction: Imo ipsae opiniones probabiles diu continuatae iuduunt naturam consuetu- 
dinis, et a probabilitate transeunt ad certitudinem moralem. 0, wohl herrliche Worte! 
Das ist, gleichwie aus Kälbern Ochsen werden, so werden die opiniones probabiles auf 
der Jesuiter Weide sententiae moraliter certae. Wie prächtig! Zeige ich nun etwas der- 
gleichen meinen HH. GoUegis, so sagen sie, ich sey eine Schlange, welche aus allem 
das Gift heraussauget/^ ') 

Noch grösseres Aufsehen machte die von dem Jesuiten Franz Neumayr am 17. 
April 1759 in der 'Domkirche zu Augsburg über den Probabilismus der Jesuiten gehaltene 
Predigt, die er 1759 deutsch veröffentlichte und, als er von dem Augsburger Dominikaner 
Reinhard angegriffen worden, auch lateinisch herausgab.^) Neumayr hatte angeblich 
nur die protestantischen Herausgeber der Tübinger und Erlanger Zeitung etc. im Auge, 
da sie mit den Dominikanern gegen die Jesuiten Partei ergriffen hatten; im Grunde 
war seine Predigt aber eben so sehr gegen die kath. Gegner gerichtet und regte auch 
diese ausserordentlich auf. Amort schickte sie sofort nach Rom (3. Januar 1760), setzte 
die Gefährlichkeit solcher Principien ftir die Religion auseinander und beantragte deren 
Verdammung,^) was ihm auch alsbald gelang, obwohl man, wie es scheint, in Rom 
etwas schwer daran ging, da man mit dem Kampfe Concina's doch keineswegs allgemein 



1) L. c. fol. 118 (Amort anOard. Galli): Mitte denno novam ezaminis materiam: problemata videl. 
MonaceDflia, invitatoria totins popalosae urbis ad tribanalia pia eorom jodicnm, qai ex decreto 
proTinciali in omni problemate fori intemi tenentor instmere snos discipolos (quidni et poenitentes?) 
de licentia aeqaendi sententiam notabiliter minus probabilem. Itaqne ex honim ore, qnidqoid 
notabiliter minas probabile est, qn an tum vis solnm autboritate eztrinseca cujus et alterius snm- 
mistae, jam ad problemata pertinet obsenrationis. 

2) 1401, 864. 

8) Nenmayr, Frag: ob der Probabilismus oder die gelindere Sittenlehre katb. Schulen absehen 

lieb und verabscheuen seje? Beantw. wider die prot. Zeitungsschreiber. 
4) 1407, 95. Näheres s. §. Ueber Wiedervereinigung etc. 



88 

eioverstanden war.') Es mag dies jedoch auch eine leise Abmahnung fQr Amort ge- 
wesen sein, Concina*s Kampf fortzusetzen, da dieser dem Cardinal bei Uebersendung der 
lateinischen Uebersetzung, in welcher Neumajr Amort zu einem Semirigoristen, statt, 
wie dieser selbst will, zu einem Semiprobabilisten, gemacht hatte, den Entschluss 
geäussert hatte, über den Probabilismus ein Buch zu schreiben.') Dieser Entschluss 
ist jedoch begreiflich, wenn man die Aufregung erwägt, welche Neumayr in der Diöcese 
hervorgerufen hatte. Mau verlangte dringend eine Verurtheilung und demüthigende Be- 
schämung der „PseudO'Theologen.''^) Der Repetitor Canonum in PfafFenhauseu verfasste 
eine Schrift, worin er beweisen wollte, dass der Probabilismus dem Naturgesetze wider- 
streite, und den Bischof von Augsburg drängte man, dass er sofort die römische Ver- 
urtheilung Neumayr's in der Diöcese veröffentliche, was auch am 29. Juni 1760 ge- 
schah,^) um der ,.Petulauz*' der Jesuiten eine Schranke zu setzen, da unter diesen Strei- 
tigkeiten das Studien- und Erziehungswesen ausserordentlich litt.^) Neumayr unterwarf 
sich zwar als der gehorsamste Sohn der hl. Mutter-Kirche^j und Amort mag auch des- 
halb den Rath Galli's befolgt haben. Allein die Unterwerfung des Jesuiten war doch 
nur eine scheinbare; denn am 5. August 1760 schrieb Khagcr, damals noch in Aogs* 
bürg, an Amort: „Unterdessen war ich bei R. P.. Neumayr, welcher ganz getrost ist 
seines Handels wegen, weil sich seinem Vorgeben nach Se. Königliche Sächsibche Ho- 



1) 1403, 32 iCard. Galli an Amort, 11. Juni 1760); Sed jara prodiit Judicium Summt Pontificis, 
quod non dubito ad manus tuas pervenisse. Cactcrum tam animosas per Concinam ejusque ad- 
versarios concitatas disputationes, et jur^ia tam scandalosa odivi semper, et nunc ettam odi. 

2) 1407, 94: In ultima nota authori placet, ex me potius facere sem i rigor! s tam, quam scmiproba- 
bilistam. Scribam opellam de probabilismo, 1." in materia religiouis, 2.^ circa leges naturales, 
3.^ circa diTinas, 4.° circa ecclesiasticas primi ordinis seu valde utiles aut raoraliter necessarias, 
5.^ circa adiopbaras, 6." de malediceutia scriptorum in materia probabilisroi, 7.^ de via media 
ex sensu Sumraorura Pontificum, 8.^ de discrimine inter veram probabilitatem et meram possibili- 
tatem. Abstinebo tarnen omni citatione vel mentione ullius probabilistae vel rigoristae adimc vivi. 

3) 1406, 99 (Steiner an Amort). 

4) L. c. fol. 100 Steiner, Acta selecta pg. 316. 

5) 1406, 105 (Kellner an Amort): Utinam Roma tandem aut petulantiam coerceat, aut modum 
saltem ponat; haesitant niraium episcopi, et interea moralis doctrinae puritas vix non omnino 
naufragatur. Quid quod inter dissensionum harum turbines vel ipsa adeo saluberriraa edicta 
iofringantur, et paulatim ignorantium clericorum caterva rursus in dioecesin intrudatur, dam 
per veri^atilis politicae regulas scholae utriusque sectatoribus favendum creditur, ne pars altera 
ntra contemptui exponatur. Morum testimonia adeo sibi sunt contradicentia, ut qui apud Do- 
rainicanos audit, modestus et apud Jesuitas nullius frugis fuisse asseratur. £tiam quorundam 
ex nobis 'seminaristis) sive piacendi studio m, sive sinistrum Deo obsequium praestandi ardor 
eo eruropit, ut jam in examinibus potior commendationum, quam speciminum editorura ratio 

V' haberi inceperit; quin et a Serenissimo extorquentur admissiones omnino gratuitae, has contra 

post factum praesertim quis mutire audebit? Bis meliora Dens, nisi dioecesis foeditati saae 
nondum abstersae novas superinducere rugas sit cogenda. 

6) Huth, Eircbcngescb. II, 354. 



89 

heit, Se. chorf. Dorcblaocht von Bayern und Pfalz und die Bnrgerschafk zu Wien seiner 
bejrm päpstlichen Hof annehmeten. Qlfickseliger Probabilismas ! aach grosse Häupter 
nehmen sich deiner an. Uoglfickseliger Feoelon ! der da kein gekröntes Haupt zu deiner 
Beschfitzung gehabt, sondern deine Sätze aus christlicher Einfalt alsogleich von der 
Eanzel herab widerrufen bast.'^^) 

Gegen die jesuitischen Künste und Mittel half aber auch die päpstliche und 
bischöfliche Verdammung nichts; sie waren trotzdem (1762) nahe daran zu triumphiren 
und die Schwankenden wieder in ihr Lager zu ziehen; nochmals dachte Amort daran, 
wenn der Bischof seine Zustimmung geben sollte, eine kleine Schrift de probabilismo in 
materia religionis, circa leges naturales et divinas — zu schreiben.') Allein es unter- 
blieb, ohne dass der Qrund noch bestimmt werden könnte. Die Lage der Dinge aber 
schildert (14. Aug. 1762) der Pfarrer Bueff von Baistingen in einem Briefe an Amort: 
Nachdem man endlich unter B. Joseph wider den Probabilismus habe schnaufen dürfen 
und es sich gezeigt habe, dass viele dermalen Antiprobabilisten seien, müsse es betrüben, 
dass bereits wieder Anzeichen vorhanden seien, dass der Probabilismus in neue Aufnahme 
komme. 

Noch bestehen die „Hausmannsbürger*^ in ihrem Ansehen; der Andächtler von 
Kempten, Una et unica beatitudo habe bei seiner Partei wenigstens so viel Ansehen^ 
als P. Cochem beim andächtigen Frauenvolk; in Dillingen, obwohl der Akademie ein 
bischöfliches Verbot respectu minus probabilium zugesteUt worden sein solle, dürfe man 

wieder schreiben und drucken: licebit sequi sententiam aeque, imo omnem 

vere — probabilem; besonders aber habe Sailler durch seine Jubelrede dem Neumayr'schen 
Probabilismus solchen Vorschub geleistet, dass er jetzt mehr gelten solle, als je. Da- 
gegen war überall ausgesprengt worden, „der Papst sei hintergangen worden** hinsicht- 
lich Neumayr*8, und zwar entweder durch Amort, oder durch den geistlichen Bath 
Kellner, oder den Stiflsdechanten Bassi; die Neumayr'sche Predigt wurde trotz päpst- 
lichen und bischöflichen Verbots als ein „pures Werk Gottes'* gepriesen, das „gleich- 
sam nur von der Synagog angefochten worden.** Neumayr selbst wurde als ein Martyr 
gepriesen, der unschuldig eine Verdammung erdulde, und Viele fingen bereits an, Be- 
denken zu hegen, ob doch nicht etwa „in der That die Neumayr'sche Verdammung 
sollte erschlichen sein.** Die „B^l de tactibus pudendorum** wurde neuerdings in die 
Praxis übertragen. Umsonst mache man, fährt RnefF fort, dagegen Vorstellungen, um- 
sonst fordere man „mehr Bespect vor päpstlichen und bischöflichen rechtmässig publi- 
drten Befehlen, als dass sricfae durch pöbelhaft ausgesprengte Gerüchte sollten geschwächt 
werden.*' Die Einen behaupten : man könne dermalen nichts machen ; die Anderen sagen : 
„man könne den HH. Jesuiten ihr bedauerliches Schicksal ohne Verletzung der Liebe 
dermalen nicht erschweren.** Auch er, setzt Bueff hinzu, wolle dies nicht und danke 



1) 1401, 286. 

2) 1408, 102. 

Abb. d. IIL Cl. d. k. Ak. d. Wies. XIII. Bd. II. Abth. 1 2 



90 

ihnen für alles von ihnen Empfangene, nur nicht für den Probabilismue; „dass aber 
der Liebe gemäss sein solle, sie meisterlos werden zu lassen, gleich den kränklichen 
Kindern, deren der Vater schonen will,, kann ich nicht begreifen/^ Er verlangt deshalb, 
dass Dicht nur dnrch ein neaes Dekret obige BQcher in die Neumayr'sche Verdammung 
einbegriffen, sondern es neuerdings ausgesprochen werde, dass es bei der Verurtheilung 
Nenmayr's sein Bewenden habe.^) 

Da traf denn von B. Alfons Liguori ein vom 23. April 1763 datirtes und an 
Amort adressirtes Schreiben in Fölling ein, worin er sich einerseits als einen Schuler 
Amort's bezeichnet, andererseits diesen zum Bundesgenossen gegen Patuzzi (und Goncina) 
zu gewinnen sucht: sehr Viele, sagt er, stellen sich auf Seite Patuzzi's und Concina*8, 
die aber nur fQr die Hölle erbauen, da sie den Gewissen ein unerträgliches Joch auflegen, 
indem ganz ungerecht das grausame Axiom adoptirt werde, in Sachen des Naturrechts 
gebe es keine unbezwingliche Unwissenheit.^) Was Amort darauf geantwortet, oder ob 
er, wie auf einen früheren, allerdings vielleicht auch nicht angekommenen, Brief ge- 
schwiegen habe, weiss ich nicht. 

In Bezug auf die ihm von Alf. Liguori angetragene Buudesgenossenschaft gegen 
die Dominikaner mag ihn vielleicht ein fast gleichzeitiger Brief Bianchini*3 (ö. März 1763) 
stutzig gemacht haben, indem ihm dieser nach langem Zaudern endlich mittheilt, dass 
man von ihm sage, er sei, vielleicht auf fremde Anregung, Probabilist geworden. Dass 
sich Liguoii auf ihn als seinen Lehrer berief, mag ja genagt haben;') man erkannt aber 



1) 1398, 174 sq. 

2). 1405, 9: Magna animi volnptate, P. R., in toa theologia luculenter demonstratam, ae ratio* 
nibtts, et auctoritatibos probatam legi sententiam, qaod seqai liceat opiniones aeqae, aat quasi 
aeqae probabiles, miniis notabiliter probabilibus ezploeia, atqae jaxta haec toa docomenta in 
sententiae ejasdem adprobationem italico idiomate dissertationem typis mandandam cnraTi. 
Veram R. P. Lector Joannes Vinc. Patazius, cum prios opus sanm odidisset titalo, Regula 
proxima hamanarum actionnm, quo saom rigidom sistema evidens demonstrare sibi 
arrogavit. nimiram nefas esse alias ainplecti opinioncs, quam eas, qnae moraliter ccrtae repa- 
tantar, roeam ipse legens dissertationem, in qua te ut nieum magistrum adduxi, acriter me est 
insectatud. Suis tarnen objectiooibus, quae potius majorem Incem noetrae dedere sententiaer 
respoDsum dedi. At quam maximetoptarem, ut ipse, R. P., denuo scriberes in tuitionem eornm^ 
quae tam bene scripsisti, et ne ad nostram sententiam tueudam contra Patuzium me solnm 
derelinqueres, quandoquidem nunc temporis plurimi in Patuzii, et Concinae abeunt sensum, qui 
revera aedificat ad gehen nam, cum conscientiis intolerabile imponat opus, orania servandi prae- 
cepta naturalia, quamvis dubia, obseura, et abetrusa sint, ex generali illo, et crudeli axiomatö 
a nonnullis iigustissime adoptato, quod in rebus ad jus naturae spectantibus nulla inrincibilis 
ignorantia detur. Jaropridem, ni fallor, ad P. T. ejusdem tenoris epistolam dedi, quao forte ad 
te non pervenit. Haue praesentem tibi reddendam spero, qua consolationem obtineam, ut sup- 
petias bac in re tu mihi feras; doctrina enim tua, tuumquenomen aliud quidemrobur apud eru- 
ditos habebit, quam quod ipse scripsi. 

3) 1396, 147: Tibi auctor suasorque sum, ut hanc noTam instituas editionem (Manual. Rom. con- 
fessar.), eaque emendes, quae apud doctos et cordatos viros male audierunt circa monita s. Caroli 
in tua Augustana editione anni 1737. Te in viyis adhuc agente, de Germania ecclesiastica bene- 



91 

daraus, in welche ,Verwirrang damals die Theologen überhaupt geratben waren, da doch 
Amort nicht lange vorher an Bianchini selbst (16. Dec. 1762) geschrieben hatte, dass 
er Ton der- goldenen Regel des Carl Borromens nicht abweichen werde, and daran zu- 
gleich den Wunsch geknüpft hatte, der Cardinalvicar möchte durch ein Decret den 
Mittelweg zwischen Probabilismus und Bigorismus einschärfen und zugleich erklären, 
dass diejenigen ihn nicht gehen, welche zwar in Glaubenssachen t in Betreff der Natur- 
und göttlichen Gesetze und in der Verwaltung der zum Heile nothwendigen Sakramente 
den Mittelweg zu verfolgen behaupten, aber gleichwohl praktisch sich nach der sententia 
notabiliter minus probabilis richten (wie Alf. Liguori).^) Schliesslich liess Amort in der 
neuen Ausgabe seines Manuale die Noten der erstereh hinweg, nachdem er erkannt, dass 
sie den „Carolingern^S zu denen auch er sich rechne, missfallen.*) 

Die Polemik über den Probabilismus hätte, wie wir bisher sahen, zu keinem end- 
gültigen Resultate geführt; der Erfolg war lediglich eine immer grössere Verbitterung 
der Gemüther, worunter im Grunde nur das christliche Volk am meisten leiden musste. 
Ein viel glücklicherer Griff und ein viel empfindlicherer Schlag für die probabilistischen 
Jesuiten war es, dass Amort 1758 seine Ethica christiana in Augsburg erscheinen liess, 
eine f3r jene Zeit und für die Moralwissenschaft überhaupt sehr bedeutsame und grund- 
legende Arbeit.*) Dadurch erschütterte er den ganzen pseudo-moral-theologischen Plunder 
der Jesuiten und bei einer ruhigeren Entwicklung, als sie im letzten Viertel des vorigen 
Jahrhunderts möglich gewesen, hätte diese Arbeit sicher die Jesuiten auf diesem Gebiete 
vollständig geschlagen. Nicht blos die regulirten Chorherrn von PoUing waren stolz 
auf dieses Werk und nahmen es auch später zur Grundlage ihrer moraltheologischen 
Vorträge, sondern auch in anderen Kreisen wurde die Vortreffiichkeit desselben eingesehen, 
und schon 1766 schrieb der Kapuziner Engelbert aus Radstatt in Tyrol. an Amort, das 
A und ü der Theologen, dass der Provincial Thomas vor einigen Jahren bereits befahl, 



nerentissiine Amort, forte nnlliis tnas notnlas mollioris tbeologiae iisdem monitis additas impug- 
nabit; sed cnm ad ceelestes sedes te Tocayerit Daus, Tolnmen tiiam acrem censnram subibit. 
Nolebaro, qoae andivi aaribos meis, ad te scribere, ac mannm de tabala per plnres hebdomadas 
snstnli, sed tandem, urgente amoris vi, amplios id tibi latere nolni. Docti viri te maximi faciunt. 
sed fatentoT, te forte alienie stimulis concitatom evlansse probabilistam. Tibi delitesoere non 
sinam, qaod ego meis anribos andivL 

1) 1407, 107: Prologns galeatus contra oaores s. Garoli ejasqne aareae regnlae non deerit (in der 
nenen Ausgabe des Manuale); ab ejus enim mente nee ipans latnm nnqnam nngnem discedam. 
Non pamm vero in rem oonferret, si modemuB Em. Yicarios pastorali epistola regulam d. Caroli 
Ruream, et pro conferentiis jnxta praescriptmn Benedicti XIV. p. m. desjnodo 1.. 12. c. 6, § 12 
non solum viam mediam explicatios commendaret, sed etiam ab ea via omnes eos exclnsos de- 
elararet, qni in rebas fidei, circa leges naturales ac diyinas, et in administratione sacramentoram 
ad salntem necessaria, se yiajn mediam sequi praetendunt, dum sententiam notabiliter minus 
probabikm sequntur. L. c. fol. 139. 

2) L. c. fol. 112. 

B) Vgl. darfkber Werner, Geseh der katb. Tbeol. S. 115. 

12* 



92 

in allen KapacinerklOstera der Proviat Amort's Ethik einznflUuen. Aqs denelbeo, Bbxi 
Engelbert fort, aei mehr solide Wissenschaft sn erlernen, als aas dreissig probabLIlatiflehMi 
Autoren. Freilich stand ihr anch das Vomrtheil entgegen , dasa ja in so vielen Kate- 
chismen, in denen sich die jestütiscben Doktrinen breit machten, das G^ntheil stehe, 
also bisher die Verfasser derselben, so viele Pfarrer nnd Seelsorger irrig lehrten nnd 
bandelten. Aber die Amort'sc^e Beweisfühmng Qbnzeagte dennoch die Eänricfattgereo.*) 

Wie aaf dem Gebiete der Moral , so -war auch aof den anderen die Gesellacbaft 
Jean im RBckgaoge. Zwar war sie durch ihre Stellung und ihre Mittel, welche sie rflck- 
uchtsIOB snsnQtzte, noch immer für die Eünzelnen gefUrlich ; aber es war jetzt die Zeit 
allgemeiner ünzafried«ibeit mit ihr angebrochen und gegea sie Termocbte sie trotzdem 
nicht mehr anf die Daaer aufzukommen. 

Zunächst suchten sie noch immer den Kkma an ifarm iBeichtatohl oad ihre geist- 
lichen Eiercitien tu knfipfen;*) oder sie zahlten verschuldeten GeistlidKn, t. B. Kanonikern, 
ihre Scbuldeo.') Denjenigen, welche sich ihnen nicht unterwftrfig zeigten, kamen sie 
durch Verdächtigungen, als ob sie Jansenisten etc. seien, bei.*') Oder sie steckten sieb 
hinter Andere und hetzten diese gegen missliebige FersOulicbkeiten anf. Das hatte ins- 
besondere Amort zu erfahren, wovon auch der pftpstUche Hof KenntniBS hatte:") unter 
dMD Gesichte iipielten sie die Unbetheiligteu, ja, bedanerten sie einen unscholdig Verfolgtm 
und hinter den Coalissen waren aie die Haupturheber des Gauen,*) Sogar Autoren» 



1) 1405, 261 : Doctrinae tOM fam» et fanne qnoqae «tremniu, cojiM nnne ttngtutUi canclndoT, teme 
an^lnm pemsit, ernditinimlqne ingeoii toi partai d«rotam me tibi peperen enltorem. Hnltimi 
laue debeo A. B. P. PrOTindftli tneo Tbomae, mjui •oUidtnditM et tnaadato jain aliqaot annit onnibna 
proTineiaenMtiaeTTrol.monasteiiiide tua theologia morali proTinm fiut,nqaa lola oort* plu doe- 
trinae ■oUdioria, quam ex triginta aliii rapaodis et a|d pTobabiliitioarom opinionam tnuutn ««rvlUt«r 
leligatii anctoribu hanrire licet. Doleo infelioem MTtem meam, qnod theologiam tnant edeeti- 
eam in morali supiiii eitatam bacniqne Tiden dignoi non fturim. Admiratiu iDin in toa mo- 
rali ntilisiiiBani aeqne ae aoUdiuiinain doctrinam de obUgatione ebaritatia erpi Deam, qtuua 
alii Tix lapremi* labüa attingnnt, de abli^tioniboe diTerwnun itatnnni, qnao in mnltt* qaoqne 
dedderantor, de necenitate amoria initialii in attritiOBe contra torrentem tot aoctomn et 
catechismonuDi qni paieim laJcornm et parrtüomm manibni teranter, qaibu annie TelatI ob- 
jecto Uedoaae eapite ee defendnnt attritionii fonnldoloate patronL Nonquid perfraetae frontis 
■it, inqniant, qni tot catecbiMOonim anctoree, tot paioeboe alioeqne animamm cnntorea leloöt* 
■imoi tarn Maqnipedali* et pericalon errorii inejanlaw aneit? ergone onnee hi in cathedra 
peetilentiae aBdeniBt tot loimanim peremptoTe*, qnot inTalidarnm ei debcta reqniaiti doloris 
confenionom aootorea? prO qnae et qnaata eoDMcatioinBi parodoxal 

2) 1408, 63. 
S) 1406, 262. 

4) S. den 9 Janaeniaten in DeatieUand. 

5) 140&, 146; 1403, 127. 

8) 1401, SC : Hid ad P. Uaraldt reqtonM ad Krnpnlot Uealiardil. qni ait, w nelle hnie aegoti» 
inuniseere, qnod ipectet ad enm, qni primani eonrntationem feeit, eontn ipaina antagooiitam 
rem nnce», ac defeaden. Sic bdont Jandtae, Pongua^ irrident, calniBniaatw, aUoa iacaate» 



93 

deren Bficher von der Index^-CoDgregation Terartbeilt waren, stachelten sie zum Unge- 
horsam anf and veranlassten sie, Entgegnungen zn schreiben.^) Nicht nur auf diese 
Weise Terdarben sie den Elerns: durch ihre ganz unzuverlässigen Zeugnisse Aber Betragen 
und Wissen und durch ihre nachdrücklichen Empfehlungen trugen sie noch weit mehr 
dazu bei.') Um, zu verh&ten, dass nichtjesuitische und bessere Bächer in die Hände des 
Clerus gelangen möchten, stachelten sie den Geiz desselben auf.') So ist es denn begreiflichi 
dass noch immer grosse Furcht vor den Jesuiten herrschte, weil man wnsste, dass es 
stets sehr gefllhrlich sei, mit ihnen in Kampf zu gerathen.^) 

Wenn sie es aber vermochten, suchten sie schon im Voraus die Veröffentlichung 
ihnen nicht genehmer Schriften, zumal wenn sie das Gleiche zu thun und dadurch ihrem 
Orden einen Buhm zu bereiten hofften, zu verhindern. Als man damit umging, im 
Parnassus boicus auch Scriptores Bavariae zu publiciren und den Churfürsten um eine 
Unterstützung der Sache anzugehen (1723), da stand man namentlich aus dem Grunde 
davon ab, weil die Jesuiten, welche man zweifelsohne um Rath fragen wfirde, nicht 
gfinstig sich darüber aussprechen würden.') Da man, wie Amort selbst einmal klagte, 
auf die bisher geschilderte Weise es zu Stande brachte, dass nur jesuitische Bücher ge* 
kauft wurden, so hatten sie natürlich auf die Buchhändler den mächtigsten Einfluss und 
konnten es somit leicht verhindern, dass diese andere Bficher annahmen.') Sie fßr ihren 
Theil erwiesen jedoch um Geld auch anderen wieder Gefälligkeiten, wie dies namentlich 
bei den Bollandisten hinsichtlich der Benediktiner in der Frage nach dem Verfasser der 
„Nachfolge Christi'' der Fall war, wodurch sie natürlich auch ihr wissenschaftliches 
Ansehen schwächten.^) 



mueent, qiMM in foveftm relinquimt, iptique evadnnt. Fol. 114: Non omnes tarnen bestes 
(Amortii) nnias tsntnm ordinis sont. Voz, toz ete« manoa vero etc. Sit nomen Domini (I H 8) 
benedictnm. 1408, 41. 49. 

1) L. c foL 117. 

2) 1406, 105. 

8) 140], 118: Coetoro (i Corvi =: Oesniti) non lasdenuino di fomentare ravarizia degF Eoele- 
siastici col dimoBtrarli, qnanto siano grayati dalk compra di eimili libri, ma gia mi tono pie- 
parato a rlBponderli con s. Gio. Crisoetomo nell* omeL XI. in s. Giovanni .... cosl con nn s 
Fadre li rieponderb frattanto che mi verranne eentoriati da una dannata falange di sentense 
d*nn Escobar, d*iui Fillaccio etc. per atterarmu 

4) 1405, 65: . . • rogana tarnen sonunopere^ ne eniqnam remm auctoris nomen patefftcias; maadmi 
enim perieoli est» nt nosti, eontra Jesuitas dimiear«. 

5) 1408, 169: Circa editionem Scriptormn Bavariae nevtiqnam ante aetnalem editionem Prindpem 
eonveniendnm ezistimo, praeterqnam enim, qnod nmi de ejus erga litteratos liberalitate ezstent 
elsrnpla, in eaqne proin modica reponenda spee, insnper res hand caritora videtnr obitaeolis, 
com a Jeeoitis, qoi procnl dubio conealerentor, param fayorabilia mihi promittam. 

6) 1405, 246: obtnli illad (opm) D« Wagner, Veith, Bieger et D. Wolf et cum hoc ultimo pene 
res acta foisset, ni (nt amicns qnispiam me docnit) per quemdam Jesoitanim, qoi vere nil pro- 
movere stadent, niri sna, ipea editio denno foisset impedita. 

7) Die Bollandisten Henschen und Papebroch hatten in dem Prepjkeom ad Acta SS. Maji für 
Genen Partei ergriffen. Der Propst von St. Nicola schrieb dar&ber (8. Jnli 1725): IngemnI, 



94 

Was die Jesuiten insbesondere gehässig machte, war nicht blos ihr Anspruch auf 
Bevorzugung vor den anderen Orden, selbst bei Heiligsprechungen, *) sondern insbesondere 
der Umstand, dass sie keinen anderen neben sich aufkommen lassen wollten. Wo es 
galt, einen neuen Orden einzuführen,') oder gar ein Erziehungsinstitnt neben ihren 
Schulen zu errichten, da setzten sie Alles in Bewegung, um es zu verhindern.') Einen 
harten Schlag hatten sie jedoch in der Niederlage der Jeeuitinnen oder englischen Fräulein, 
mit denen sie sich zu sehr liirt hatten, erlitten. Es waren Amort und Bassi, welche, 
durch ihr von den Jesuiten eingegebeuBS Treiben in der Augsburger Di^ksese empört, 
eine Untersuchung gegen sie in Rom veranlassten. Die Haltung der Jesuiten und deren 
Verhetzung der Jesuitinnen zum Ungehorsam gegen den Bischof war unqualificirbar.^) 
Die Betheiligung Amort's an dieser Sache wurde für ihn nur eine neue Quelle der Ge- 
hässigkeit und Verfolgung durch die Jesuiten.^) 

So wird es begreiOich, dass sich die Feinde des Ordens immer mehr vermehrten 
und man jede Gelegenheit, auch Pastoralschreiben, benützen zu sollen glaubte, sie zu 
züchtigen, da sie es mehr, als alle anderen verdienen.') Jeder neue, gegen sie geführte 
Schlag, z. B. die Schriften des P. Norbert, wird mit Freuden begrfisst,^) und es ge- 
reicht den Freunden der Kirche zu einer besonderen Genugthuung, dass sie von Tag zu 
Tag an Kredit verlieren. Die Zeugnisse, welche sie von Bischöfen und Höfen zu ihren 
Gunsten erbettelten, hofft man, werden ihnen nichts nützen ; im Gegentbeil, man wünscht 
ihnen das Ende der Tempelherrn.') 



quando hoc leg^, qaod tarn fatnosi duo viri S. J. a nobis declinent in controrenia, qua alias 
alma Soci^tas J. commaniter pro Thoma Kerop. pngnabat. Dnm antem nuper ad maans Tene- 
rant F. Bern. Fezii Benedictini epiatola Apologetiea adversos libellom Cara salntis, abi op. 8 
fol. 62 inveni, qtiod Abbates Benedictini opus de Actis 88. suis snmptibus et patrociniis pro- 
moTerint, et itermn f. 71, 72, quod necessarios snmptas, nee sane exigaos praestiterint, igitnr 
hoc opus maltiplici titalo Ulis sit debitom, facile jadicavi, qaod Patres S. J. sint pretio con- 
dncti, ut in faTorem Ordinis 8. B. scriberent, proinde doctrinam Papebrochii et Hensehenti in 
hac materia param esse aestimandam. 

1) 1402. 46. 

2) 1405, 60. 

3) 1401, 98: Gran nnova seppi jeri, ed e. che 1 PP. Schol. Piar. anno comprata nna gran casa in 
Praga per 16 milla fl. ; i Geaniti anno fatto ogni sfono per impedire il loro stabilimento, ma 
il tntto in vano. Di piü anno arato licenza dalla Regina di poter insegnare qnalanqne facolta 
neir UniTersita di Praga, come profesaori. Molta nobilta di Praga deelama contro li stndi 
gesoitioi, e protegge efficacemeote qnesto naoy* ordine, a eui vogliono commetter Tinstnurione 
de loro figli. Gran criai ne* stadi. * 

4) 1401, 115; 1398, 23; 1402, 82. 

5) 1402, 127. 

6) 1401. 123. 

7) L. c. fol. 144. 

8) 1898, 34: Li Gesuiti vanno di giorao in giorno in decadenza, e si sminniBoe il lor eredito alle 
corti. Li stessi.Tanno mendicando atteaiati dagli Ardrescori, VescoTi, e corti per eoprire i 



95 

Und welche Ansicht Amort selbst von den Jesuiten gewonnen hatte, wurde schon 
anderwärts angeführt: nach ihm schadeten sie durch ihre absurden Theorien mehr, als 
Febronius, und nahmen sie, ganz so wie sich Clemens XIV. in dem Aufhebungsbreve 
ausdrückte, von dem Erdkreise den Frieden und vom Klerus die Liebe hinweg.^) 

§ 16. 
lieber die Jesniten in China. 

In keinem Lande hat wohl die Widersetzlichkeit der Jesuiten gegen jede vorge- 
setzte Autorität, auch den römischen Stuhl, die Verläumdung und Verfolgung der ein- 
zelnen ihnen ungelegenen Persönlichkeiten einen so hohen Grad erreicht, als in China. 
Noch immer werden die Verhältnisse und Vorgänge dort zu Ende des 17. und Anfang 
des 18. Jahrhunderts in den Geschichtsbüchern unrichtig dargestellt, besonders aber der 
von den Jesuiten bis auf den Tod verfolgte Card. Tournon, dem sie sogar Gifli beizu- 
bringen nicht zurückschraken, in ein schiefes Licht gestellt. Es war umsonst, dass 
Card. Passionei im vorigen Jahrhundert anonym in seinen Memorie storiche di Card. 
Tournon, Venezia 1761, aktengemäss dessen Ehre zu retten suchte. Dieselben ver- 
schwanden fast vollständig und nur zur Eenntniss weniger Personen sind sie gelangt. 
Man sagt in Rom, die Jesuiten hätten sie um schweres Geld aufgekauft. Dagegen ver- 
breiteten sie ihrerseits „Actes de P^kia'^ oder „Lettres ^difiantes et curieuses'S welche 
jedoch von Card. Passionei und den sogleich zu erwähnenden M^moires de la Congrega- 
tion de la Mission') für „ein langes Gewebe von Lügen und Betrügereien^^ und .,Erfin- 
dungen, um die Einfältigen und Unwissenden zu täuschen'^ erklärt werden. 

Die Congregation der Mission fing nun in den 50er Jahren unseres Jahrhunderts 
an, ihre Memoiren zu veröffentlichen ; 1865 war sie bereits bis zum IV. Bande ge- 
diehen und hatte darin auch die schon von Passionei veröffentlichten, die Sendung des 
Card. Tumon betreffenden Aktenstücke, weil sie selbst davon sehr berührt wurde, auf- 
genommen. Dieser Band durfte schon nicht in den Buchhandel kommen; nur in die 
Hände weniger, der Congregation näher stehenden Personen gelangte derselbe, wie z. B. 
P. Theiner. Aus diesem Bande hatte ' ich nun auch einige Stellen in mein „Concils- 
Tagebuch'^ aufgenonomen. Sofort stellte ein Jesuit Cornely die Aechtheit und Zuverläs- 
sigkeit meiner Quellen in Abrede,') ein unterfangen, das um so unwürdiger war, als 
P. Theiner auf Ansuchen der Congregation dieser sogar bezeugt hatte, dass sie ächte, 
im Vaticanischen Archive oder in dem der Propaganda befindliche Aktenstücke seien.*) 



£attl occorsi, e rointegrare il lor credito. Inter nos. Spero coir aiuto di Die, che aaranno 11 
fioe de Templari. Essi fanno danno, e torto alla nostra religione, e agli aomini dotti, e pii. 

1) 1407, 55. 

2) Memorie storiche I, 228 f. Nr. 17, 18; M^moixes IV, 804—811, Nr. 17, 18. 
8) Stimmen aos Maria-Laach 1872. 1. Heft S. 86—89. 

4) Memoires lY, 126: Une troisieme raison (de la pablication), c'est qae toos ces faits ont 6te 
antrefois imprimes et publies en parücalier par le cardinal Passionei dans son oayrage intitol^ 



96 

Ich antwortete in einem „offenen Briefe^' und hielt die Zuverlässigkeit meiner Quellen auf- 
recht;^) allein mittlerweile hatten die Jesuiten zu einer anderen Art Ehrenrettung ihre 
Zuflucht genommen, welches der Jesuit Cornely selbst mir gegenüber constatirte. In 
einem Erlasse ?om 12. April 1872 an die Oberen der Häuser verordnete der General- 
obere der Congregation der Mission Etiennot dass sie „ihm „unverzfiglich auf dem kür- 
zesten und sichersten Wege'' die in ihren Häusern befindlichen Exemplare (der Mämoires, 
und zwar Band IV— VIII) übersenden, damit dieselben vernichtet würden/^ 
Er „versichert, die in Rede stehenden Bände seien ohne vorherige Prüfung aus Streit- 
sucht geschrieben und herausgegeben worden^^; ferner dass er „von Rom aas zu 
dieser Erklärung über, und zu dieser Massregel gegen das Werk veranlasst wurde/'*) 
Für den einsichtigen Leser liegt die Sache klar: die Jesuiten veranlassten in Rom den 
Befehl an den Generaloberen, diese Bände zu unterdrücken; die von ihm selbst gefun- 
denen Motive sind daneben irrelevant, wenn auch lächerlich ; denn erstens enthalten die 
Bände, wenigstens Band IV, gar nichts anderes, als aktenmässiges Material, das schon 
früher veröffentlicht war, und nicht erst jon den Herausgebern der M^moires „aus Streit- 
sucht geschrieben^' wurde; dann ist es geradezu unbegreiflich, dass ein Generaloberer 
5 Bände der Geschichte seiner Congregation „ä la maison principale de la Congregation 
de la Mission'' erscheinen lassen konnte, ohne sie vorher geprüft zu haben, um so mehr, 
als schon der IV. Band auf höhere Veranlassung nicht hatte in den Buchhandel kommen dürfen. 
Doch ich beschäftige mich nicht weiter mit dieser unsauberen internen römischen 
Angelegenheit; es genügt, den Sachverhalt fürdieEirchengeschichtschreibung constatirtzu 
haben. Ich will hier nur eine Reihe von Nachrichten aus Briefen eines Jesuiten aus China, welche 
in jene bewegten Jahre gehören, mittheilen. Wer weiss, dass die Jesuiten stets Recht haben') 



Memorie storiche dell* Eminentiss. Monsignor cardinale di Tonrnon (8 yoll. 
ia 18, Venezia 1761), qai renferme nne partie des docoments authentiquea coDseirees dans les 
archives da Vatican oa de la Propagande et dont la parfklte oonformitö noai a ^t^ atteste 
par le Prefet des Archives da Vatican, le P^re Tbeiner, Oratorien« Le Card. Passion^! reeom- 
mande dans son oavrage celai qai a 6t6 pablie par les pr6tres da S^minaire des Missions 
etraDgeres da Paris et qai a poar titre: Anecdotes sar T^tat de la r^ligion dans le 
Chinö (7 Yol. in 12, Paris 1734 et 1735). Apräs confrontation faite de cet oayrage avec des 
docaments originaax oa aathentiqoes, noas devons avooer qae la v^rit^ des faits y est reoferm^ 
en sabstance, sealement le style en a et^ tant soit pea altera dans les tradactions par Taeri- 
monie qae Ton y a ajoat^ et provenait toat natarellement de rindignation proyoqaee par les 
faits racontds, ce ne sont donc pas des faits inconnas qae noas raconterons, mais bien des ^re- 
nements qai ont 6t6 notoires, dans lear temps, a toate TEarope et aa monde entier. 

1) Zar Vertheidigang meines Tagebachs. Off. Brief an Hrn. P. Rad. Cornely, Priester d. Ges. 
Jesa. 1872. 

2) Stimmen aas Maria-Laach t. 1. Sept. 1872. S. 281. 

8) 1398, 186 (Regens Steiner in Pfaffenhaasen an Amort. y. 26. Eebr. 1760): Isti homines, qaid- 
qaid dizerint, hoc legem Dei patant, nee scire dignantar, qaid prophetae, qaid Apostoli sense- 
rint, sed ad sensnm saam incongrna aptant testimonia, qaasi grande sit, et non Titiosissiroam 
dooendi genas deprarare sententias, et ad tolantatem snam scriptaram trahere repugnaotem. 
S. Hieron. ad Paalin. 



97 

und immer nnscholdig sind, ^) der wird sie verstehen und Vieles daraus lernen 
können. 

Die Briefe sind von Ignaz Kögler, auf kurze Zeit auch Professor der Theologie 
an der Universität in Ingolstadt (1712),*) an seinen Bruder Eilian, regul. Chorherr in 
Fölling, und Amort gerichtet; die anderen fallen in die Zeit seiner Abreise und sind 
Abschiedsbriefe an seine Verwandten etc. Aus letzteren hebe ich nur das heraus, dass 
er seiner Schwester sehr energisch abräth, in dem Hause eines Geistlichen Dienste zu 
nehmen, indem dort mehr, als in anderen Diensten der weiblichen Unschuld Gefahr 
drohe;') sowie verlangt, dass sein Bruder Andreas, der Baccalaureus der Theologie in 
Ingolstadt war, auch später, wenn er Priester geworden und zu literarischer Würde ge- 
langt sei, der Gesellschaft Jesu zugethan bleibe, wenn möglich einen Jesuiten zum Ge- 
wissensrath nehme und jährlich 8 Tage die Ignatianischen Ezercitien mache/) Die 
nächsten Briefe sind aus Lissabon geschrieben, wo Eögler ziemlich lang auf eine Fahr- 
gelegenheit warten musste (1715—6), und haben kein besonderes Interesse. Höchstens 
möchte die einzige Bemerkung eine Beachtung verdienen, dass er zwar in Lissabon kost- 
barere Tempel finde; aber waschristliches Leben betrieffet, meint er, überragen die Deut- 
schen die Portugiesen weit.^) Nach einem Briefe aus Canton vom 22. Oktober 1716, 
der einen kurzen Beisebericht enthält, folgt sofort eine längere deutsche Belation vom 
18. Oktober 1717 aus Peking,*) welche nach dem im vorhergehenden Briefe ausge- 
sprochenen ViTunsohe in Vieler Hände gewesen sein muss, da er hinreichende Spuren 
davon trägt. Nach einigen Beisenotizen von Canton bis Peking heisst es: 

„Bndlich den 2. Januarii sind wir zuPekin angekommen, jedoch nicht in die Wohnung 
unserer Patrum, sondern in einen kaiserlichen Mayerhof, beiläufig eine Stunde von Pekin ent- 
legen, geführt worden. Alldort sind wir 8 Tage verblieben, unter welcher Zeit der 
dritte kaiserliche Prinz uns unterschiedliche mathematische Fragen vorgetragen, bis end- 
lich aus Befehl des Kaisers, welcher damals in der Tartarey abwesend war, uns erlaubt 
worden, uusere eigene Wohnung in der Stadt Pekin zu beziehen. Den 3. Februarii 
kam der Kaiser zurück, dem wir entgegen gezogen und uns in ünterthänigkeit vor ihm 
gestellt. Er hat uns mit grösster Liebe und Freundlichkeit, so er gegen die Europäer 
trägt, empfangen und in seine Dienste gnädigst aufgenommen. -- — Soviel ich aber 



1) L. c. fol 174 (Pfarrer Kneff in Raistingen an Amort, v. 14. Angnst 1762): „Vernünftige 
Antiprobabilisten zwar halten sieb wenig darQber anf» da anfSnglicb nach Bekanntmachung der 
NenmayrVchen Damnation die ganze Schuld davon bald Ew. Hochw.^ bald Titl. Hrn. geistl. 
Rath Kellner, bald Titl. Hm. Stiftsdecan za St. Moriz (Bassi) beygeleget und deutlich gesaget 
wurde, der Papst sei bintergangen worden.*' 

2) Prantl, Gesch. d. Lndw.-Haz.-üniTersit. S. 506. 

3) 1403, 60. 

4) L. c. fol. 63. 

5) L c. fol. 69. 

6) L. c. fol. 70—72. 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIIL Bd. IL Abth. 1 3 



98 

Trost schöpfe aus einer so langwierig- und gefthrlichen, jedoch gläcklich vollendeten 
Reise, soviel und noch mehr Schmerzen verarsachet mir der elende Zustand, in welchem 
sich die in China ganz neu gepfianzte Kirche befindet. Es hat zwar diese schon bei 
zehn Jahren her sehr viel Jammer erlitten wegen Abgang so vieler Seelenhirten, welche 
das Chinesische Kaiserthum haben räumen müssen. Aber von der Zeit, die ich anhero 
kommen, haben sich noch neue Drangsale dazugeschlagen, welche ihr fast den letzten 
Herzensstoss gegeben. Zu einer gab Gelegenheit der letztvergangene päpstliche Befehl, 
welcher, weil man zu Bom einigen wider uns lautenden Berichten geglaubet, dahin aus- 
gefallen, dass die Gebräuche, welche man in China gegen den alten Gesetzgeber Confu- 
tio und denen verstorbenen Voreltern bishero auch mit Genehmhaltung der gelehrtesten 
Männer aus Europa, beobachtet, hinfuro sollten gänzlich abgeschafft und verboten sein. 
Dieser Befehl wurde durch einige engelländische Schiffe 14 Tage vorher in China über- 
bracht, ehe wir darinnen angelangt; jedoch hatte der Kaiser kaum Lufl; bekommen, 
dass derselbe in seinem Land heimlich ausgestreut werde, hat er sich sehr heftig darob 
erzürnet. Es wäre mit der ganzen christlichen Religion in China damals geschehen ge- 
wesen, wofern nicht Gott, welcher die Herzen der Könige und Fürsten in seiner Hand 
haltet, dem Kaiser einen besseren Sinn hätte eingegeben. Er hatte zwar befohlen, den 
General- Vicarinm des Bischöfe von Pekin mit 9 Ketten beladen in den öffentlichen 
Kerker der Uebelthäter hineinzuwerfen, weil er besagten päpstlichen Befehl den Missio- 
nariis zu Pekin angedeutet, und einen gewissen Geistlichen, welcher überwiesen war, 
falschen Bericht nach Rom geschrieben zu haben, hat er öffentlich vor seiner ganzen 
Hofstatt des Todes schuldig erkennet, ihn auch zum öftern einen Verrätber des heiligen 
Gesatzes, einen neidigen Teufel wider die Missionarios als eifrige Diener Gottes gescholten ; 
jedoch weil unsern Patres, so wegen ihrer Tugend und Wissenschaft in China bei Jeder- 
mann in grossem* Ansehen stehen, bei dem erzürnten Kaiser ihre eifrige Vorbitte einge- 
legt, hat er diesem letztern verschont und allein befohlen, er sollte seinen vorigen Be- 
richt widerrufen, und die glatte Wahrheit anjetzo nach Rom überschreiben, dass näm- 
lich die christliche Religion in China nicht könnte geduldet werden, wann man nicht 
wollte zulassen die Gebräuche des Vaterlands, als welche an sich weder bös, noch abergläubisch, 
sondern nur äusserliche, politische Ceremonieen wären, wie sie dann nicht allein von 
allen gelehrten Chinesern, sondern auch von dem Kaiser selbst als höchstem Ausleger 
der Chinesischen Gesätze wären erkläret worden. Gleichfalls hat er den General- Vicarium 
auf gemeldete Vorbitte frei gelassen, zugleich aber ihm anbefohlen die Exemplarien des 
päpstlichen Befehls, welche er durch Chinam allbereit ausgesprengt, einzusammeln, und 
in Europam wieder zurückzusenden. Dass aber der Kaiser dieses also befohlen, gab er 
Selbsten folgende Ursache und sagte : er könne nicht glauben, dass dieser Befehl, welcher 
in China überbracht worden, wahrhaftig von dem Papste herkomme; dann weil er als 
Kaiser seine Abgesandte sammt kaiserlichem Schreiben und völliger Erklärung der chine- 
sischen Gebräuche an den Papst ordentlich abgefertiget, so wolle es sich geziemen, dass 
auch der Papst durch Gegengesandte und eigenhändige Briefe seine Meinung oder 
Willen ihm, dem Kaiser, entdecken solle: so lang nun dieses nicht geschehen würde. 



99 

werde er beständig glauben, dass alles also angetriscblet und heimlich unternommen 
werde von denen, welche die Partei des verscbreiten Maigroth und des Cardinais Tournon 
halten ; dann gleichwie diese vor einigen Jahren das Chinesische Reich zu verwirren ge- 
trachtet, also wQrden sie von dem Neid annoch angetrieben, ihr böses Vorhaben in das 
Werk zu setzen. Und dieses hat der Kaiser jedermänniglich kundgemacht durch eine 
offenbare schriftliche Erklärung, welche er in Tartarischer Sprache eigenhändig ge- 
schrieben, von den Mandarinen aber io chinesischer und von den Europäern, so zu 
Pekin gegenwärtig, in lateinischer Sprache verfassen und durch den Vicekönig von Canton 
nach Europa überschicken lassen. Alles dieses ist von dem Kaiser und in seiner Gegen- 
wart allhier zu Pekin gehandelt worden in dem Monat November des letzten verflos- 
senen Jahrs, nämlich um eben diejenige Zeit, da wir auf der Anheroreise begriffen waren, 
dahero uns auch der schon gemeldete Vicarius Generalis begegnet den 15. Decembris, 
da er eilends nach Canton reiste, den kaiserlichen Befehl zu vollziehen. Dieser hat uns 
alles, was bishero erzählet worden, kürzlich und in einem kleinen Begriff angedeutet, 
weil er eilen musste, und sich keineswegs verweilen durfte. 

„Auf solche Weise hat der Kaiser den eingelangten päpstlichen Befehl verworfen 
und zurückgetrieben; war ihm auch solches nicht schwer, weil er als ein Heide wenig 
darnach zu fragen hatte. Aber ganz anders waren gestimmt die Missionarii; dann weil 
diese ohne das zu einem sehr genauen Gehorsam gegen den Römischen Stuhl sich ver- 
pflichtet, beinebens auch der pästliche Befehl mit so scharfen Worten verfasset war, als 
wohl niemals in den Kirchen Gottes mag geschehen seyn, so haben sie sich demselben 
mit gebührender Ehrerbietung unterworfen, aus Beysorg, bey nicht geleistetem Gehorsam 
in jene ausserordentliche geistliche Strafen zu verfallen, welche dem bemeldeten Befehl 
des höchsten Kirchenhaupts angehänget waren. Obschon aber alle, wie gesagt, diesen 
Befehl angenommen, haben sich doch die mehreren nicht getraut, denselben werkstellig 
zu machen, weil sie vorhin einsahen, dass dieses nichts anderes sein würde, als die Si- 
nische Mission ganz gewiss und augenscheinlich helfen zu Grunde richten; danuenhero 
sie lieber wollen unterdessen von Austheilung der heiligen Kirchengeheimnissen sich ent- 
halten, und gleichwohl warten, bis denen so übel bestellten Sachen ein Mittel gefunden 
werde; als unter so vielen Gefabren eigener und fremder Seelen Heyl das Amt eines 
Missionar! vertreten, als welches denen menschlichen Kräften in gegenwärtigen Um- 
ständen unerträglich zu sein scheinet. Und obschon Jemand sich deutlich vernehmen 
lassen, der Papst wolle lieber, dass die ganze Sinesische Mission und 
der christliehe Glaube in China zu Grund gehe, als dass sein Be- 
fehl nicht beobachtet werde, so können doch Viele sich nicht bereden, 
von dem höchsten Seelenhirten eine so böse, ja gottlose Meinung zu 
haben. Einige zwar haben sich unterfangen, diesen so scharfen Befehl auch in 
das Werk zu bringen, weil sie aber unüberwindliche Beschwernisse dabei gefunden, sind 
sie gezwungen worden, davon wiederum abzustehen. Andere bemühen sich noch in der 
Stille das Werk zu treiben, aber mit schlechtem Nutzen, dann wo vorhero tausend Christen 

zu EmpfaHung der heil. Sakramente zusammenkamen, da erscheinen anjetzo kaum zehn, 

13* 



100 

und dieses insgemein nur arme, nagelehrte schlechte' Leute, welche der catholischen Re- 
ligion bey den stolzen Chinesem kein Ansehen machen kOnnen: die flbrigen alle, so Ton 
einiger Wissenschaft, Adel oder Herkommen sind, werden dorch die Gesäze des Vater- 
lands nnentbehrlich angehalten, an gewissen Tagen des Jahrs ihre gewöhnliche Oremo- 
nien oder änsserliches Gepräng zn begehen, mithin können sie der heil. Kirche Geheim- 
nisse nicht theilhaftig werden, als zn welchen man alleinig diejenigen kann zalassen, 
welche der Kirche gehorsam sind, nnd sich jener Gebrftuohe enthalten, so ?on dem 
Statthalter Christi als eine schwere Missethat verboten werden. Es findet sich aocb 
unter den Seelsorgern, so dem päpstlichen Befehl in der That nachzuleben suchen, eine grosse 
Ungleichheit; dann weil keine geistliche Obrigkeit einige Unterweisung herausgibt und 
Niemand vermag oder sich getrauet, die vorfallenden Glaubenszweifel gründlich aufzu- 
lösen oder das neu ergangene Gebot der Kirche zu erklären, macht es ein jeder nach 
seinem eigenen Sinn und Gutdünken, dahero Einer dasjenige zulasset und gestattet» was 
der Andere verwirft und für Unrecht haltet: welches dann unter den Gläubigen noth* 
wendig eine grosse Verwirrung und Uneinigkeit verursachen muss, nicht ohne den 
grössten Nachtheil catholischer Beligion. 

„Jetzt frag ich ihn, vielgeliebter Herr Bruder, ob ich nicht grosse und viellUtige 
Ursach zn trauern habe, mit blutigen Zähren soll man beweinen,